Xe's Geschichte - M...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Xe's Geschichte - Manchmal darf man seinem Kind tatsächlich helfen

Seite 3 / 6
 
(@jensb)
Nicht wegzudenken Registriert

Puuuhhh, das ist natürlich starker Tobak! Aber das sind einfach zu viele Baustellen, um sie alle direkt in den Griff zu bekommen.

Ich weiß ja nicht wie ihr darüber denkt, aber zumindest das "Schulproblem" halte ich für zweitrangig im Moment. So eine "Ehrenrunde" "kann" auch ein heilsamer Schock sein, verbunden mit der Einsicht, das man es selbst "verbockt" hat.
Ich als Elternteil würde das echt in Kauf nehmen, und mich eher auf die anderen Dinge konzentrieren.

Und nochmal, mit "enger Leine" versucht ihr es ja gerade, vielleicht wäre "laissez faire" mal einen Versuch wert.
Glaub mir, wenn ihr Freunde oder Klassenkameraden das erste mal stecken, das sie müffelt wie ein Berber wird sie eher den Weg unter die Dusche finden! 😉
Oder "vergesst" eben mal beim Einkaufen den Lieblingsjoghurt, und weißt darauf hin, das ihr eben keine Gedanken lesen könnt.

Anmerkung: Auch wenn es den Anschein haben mag, ich bin weit davon entfernt, das in irgendeiner Art und Weise ins Lächerliche ziehen zu wollen!


Diskutiere nicht mit Idioten -
Sie ziehen Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort mit Erfahrung!

AntwortZitat
Geschrieben : 18.03.2013 18:20
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

Ja, wir hatten das locker lassen auch versucht - eben im ersten Halbjahr von dieser Klasse.
Und das Blöde: es war ihr egal, was ihre Klassenkollegen gesagt haben. Sie hat sich dann einfach zurückgezogen und gemeint, dass sie eh niemand lieb hat und alle sie hassen.
Es scheint der Zusammenhang zwischen Tun und Konsequenz vollkommen zu fehlen.

Und auch wenn wir "ihr Lieblingsjoghurt vergessen" - was wir schon mehrmals versucht haben - dann sind einfach nur wir die Bösen.
Da ist in ihrer Welt kein Zusammenhang zwischen ihrem und unseren Verhalten.

Deshalb befürchten wir ja Borderline-Züge.
Weil das alles so absolut nicht normal ist.
Und so unlogisch.
Und weil sie scheinbar nicht in der Lage ist, diese Dinge zu lernen, diese Zusammenhänge herzustellen...

Das Seltsame ist auch, dass es jetzt ungefähr 1,5 Jahre echt gut gelaufen ist...
Sie hatte sich zu einem rücksichtsvollen und netten Mädchen entwickelt und war auch in der Schule immer besser geworden.
Nur jetzt - warscheinlich eben mit dem vollen Einsetzen der Pubertät als Auslöser - ist sie in das Verhalten zurückgefallen, das wir von den allerersten Monaten kennen... und auch von ihrer Mutter...

D.h. wir dachten, wir wären auf dem richtigen Weg und jetzt ist alles wieder kaputt...

Das mit der Ehrenrunde haben wir auch schon überlegt.
Sie hat aber schon einmal wiederholt - damals als sie noch bei ihrer Mutter gelebt hat - und damit wäre sie zwei Jahre älter als alle anderen. Das ist auch heftig...
Wir werden es aber als Option am Mittwoch mit den Lehrern besprechen.
Wenn es keinen Sinn hat, sie in dieser Klasse mitzuschleifen, dann wird eh kein Weg daran vorbei führen.
Aber sie will ja nicht wiederholen. Nur dass sie dann auch was tun muss, das versteht sie nur an ihren guten Tagen. Und das werden immer weniger... 🙁

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 18.03.2013 18:28
(@Brainstormer)

Moin vj,

exakt das gleiche Verhalten kenne ich vom Sohn meiner Ex, also meinem ehemaligen Stiefsohn. Bei ihm begann es mit Einsetzen der Pubertät und ich habe nur die Anfänge direkt mitbekommen, da wir uns zwischenzeitlich getrennt hatten.

Bei ihm richteten sich die Anfälle vor allem gegen seine Mutter, während ich weiterhin mit ihm relativ gut zurecht kam. Wie sieht das bei euch aus? Sind die direkten Konflikte zwischen deinem Mann und der Tochter ähnlich, wie zwischen dir und ihr?

Aus meiner Sicht war es bei meinem Stiefsohn eine Art Rebellion gegen seine eigene Mutter, um sich aus den auferlegten und teilweise überzogenen Zwängen und der Strenge zu befreien. Letztendlich ist er dann zu seinem Vater gezogen, weil sie überhaupt nicht mehr mit ihm zurecht kam. So wie ich es mitbekommen habe, fehlte zum Schluss jeglicher Respekt, er kam und ging wann er wollte und für die Schule wurde überhaupt nichts mehr getan. Beim Vater scheint es jetzt besser zu funktionieren, da er dort im Prinzip Narrenfreiheit hat, was er aber auch ausnutzt und die Schule weiterhin schleifen lässt.

Ich weiß nicht, ob eine Auszeit eventuell bei euch auch helfen könnte bzw. überhaupt möglich wäre oder aber ihr macht tatsächlichen einen "laissez faire" Versuch, wie von @JensB vorgeschlagen.

Gruß
Brainstormer


AntwortZitat
Geschrieben : 18.03.2013 19:08
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi Brainstormer,

Bei uns wechselt sich das eigentlich immer wieder ab - manchmal kommt sie mit mir besser klar, manchmal mit ihrem Vater.
Von der Heftigkeit her ist es bei den Konflikten mit mir schlimmer, d.h. sie ist mir gegenüber deutlich agressiver, wenn wir streiten. Aber das hängt wohl eher damit zusammen, dass ich auch emotionaler reagiere als mein LG und mich auch leichter provozieren lasse...

Wir werden heute im JA auch besprechen und abklären, welche Regeln es bei uns zu Hause gibt und ob die Sachbearbeiterin es ev. als sinnvoll ansieht, die eine oder andere zu verändern - sie hat da doch etwas mehr Erfahrung als wir.

Grundsätzlich müssen wir irgendwie den Streß aus allem rausnehmen. Ob das jetzt dadurch geschieht, dass wir zu Hause die Regeln ändern oder uns darauf einstellen, dass L. die Klasse wiederholen muss oder dass sie einfach in Mathe runtergestuft wird (falls das möglich ist) oder dass sie nicht mehr zu Hause lernt, sondern 3-4x in der Woche irgendwo anders Nachhilfe bekommt (teuer!) - das wird sich hoffentlich in den Gesprächen heute (JA) und morgen (Schule) zeigen.
Und wir werden mit der JA-Beraterin auch darüber sprechen, dass L. einen Termin bei der Psychologin bekommt, damit diese sich ihre Entwicklung anschaut. Einfach nur um abzuklären, ob das noch im normalen Rahmen ist, was sie da abzieht...
Und nächste Woche hat sie dann mal eine Probe-Reitstunde - vielleicht hilft das Reiten ja dann auch, dass sie ruhiger wird...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 19.03.2013 11:39
(@jensb)
Nicht wegzudenken Registriert

Und nächste Woche hat sie dann mal eine Probe-Reitstunde - vielleicht hilft das Reiten ja dann auch, dass sie ruhiger wird...

Das wäre meine nächste Frage gewesen, nämlich die nach Hobbies, und zwar Hobbies, bei denen sie mit anderen in Kontakt kommt, Mannschaftssport, Pfadfinder, irgend so ein Zeug, einfach, damit sie nicht ausschließlich von euch "sozialisiert" wird. Ermöglicht ihr einen Blick über den berühmten Tellerrand. Soll sie doch mal in anderm sozialen Umfeld lernen, dass es ohne (Mindest-)Strukturen einfach nicht geht. Vielleicht kommt sie dann ja auch auf den Trichter, das es zu Hause einfach nur "normal" zugeht, und doch irgendwie nicht so schrecklich schlimm ist.

Das ihr euch fachliche Hilfe nehmt finde ich super, und davon ruhig so viel wie möglich in Anspruch nehmen. Ist mit Sicherheit keine Schande.

Viel Erfolg und haltet durch.......  😉


Diskutiere nicht mit Idioten -
Sie ziehen Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort mit Erfahrung!

AntwortZitat
Geschrieben : 19.03.2013 11:55
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Das wäre meine nächste Frage gewesen, nämlich die nach Hobbies, und zwar Hobbies, bei denen sie mit anderen in Kontakt kommt, Mannschaftssport, Pfadfinder, irgend so ein Zeug, einfach, damit sie nicht ausschließlich von euch "sozialisiert" wird. Ermöglicht ihr einen Blick über den berühmten Tellerrand. Soll sie doch mal in anderm sozialen Umfeld lernen, dass es ohne (Mindest-)Strukturen einfach nicht geht. Vielleicht kommt sie dann ja auch auf den Trichter, das es zu Hause einfach nur "normal" zugeht, und doch irgendwie nicht so schrecklich schlimm ist.

Das haben wir in der ersten Zeit, als sie zu uns gekommen ist, sehr unterstützt - sie war so oft wie möglich mit anderen Kindern zusammen und hat sich dadurch auch sehr stark weiterentwickelt.
Nur mit dem Einsetzen der Pubertät hat sie begonnen, sich zurückzuziehen - und eine 12- oder 13-jährige kann man zu keinen Aktivitäten mehr "zwingen". Wenn sie nicht will, dann will sie nicht.

Wir haben im Gespräch mit der JA-Sachbearbeiterin eine mögliche Option gefunden, dass sie ein ein Jugendzentrum ganz in der Nähe unserer Wohung geht. Das versuchen wir grade, ihr schmackhaft zu machen...
________________________________

Das Gespräch in der Schule heute war sehr anstrengend und ich war danach fast am Heulen...

Lt. den Lehrern ist L. unaufmerksam und arbeitet überhaupt nicht sorgfältig, sondern einfach nur oberflächlich und viel zu schnell. Sie hält ihren Platz nicht sauber, vergißt ständig Sachen und Unterschriften und ist dann total patzig und unhöflich zu den Lehrern.

Wie es scheint gibt es also mehrere Probleme, die sich gegenseitig beeinflussen:

Sie konnte einige Fähigkeiten, die sie als Kind nie erlernt hat, bis jetzt nicht aufholen. Daher hat sie sowohl soziale Defizite (Höflichkeit, Umgangsformen, Aufmerksamkeit, Ordnung), als auch fachliche (Mengenverständnis, Sprachgefühl).

Durch die fachlichen Defizite bleibt sie beim Lernen immer weiter hinter den anderen Kindern zurück und muss viel Zeit und Energie aufwenden, um aufzuholen.

Dadurch, dass sie zurückbleibt und schlechte Noten schreibt, ist sie ständig frustriert und ihr Selbstwertgefühl leidet > sie wird agressiv, fühlt sich unzulänglich und ungenügend, kann keine Fehler zugeben, möchte in der Schule keine Fragen stellen um sich nicht zu blamieren... > dadurch bleibt sie noch weiter zurück.

Dazu kommt dann noch, dass sie, wenn sie gestresst ist oder eine Wutanfall hat, das bereits Gelernte teilweise vollständig wieder vergißt
und dass sie versucht, Unangenehmes durch Wutanfälle wegzuschieben > wodurch sie sich eben beim Lernen selbst im Weg steht (also: sie will nicht > wird wütend > dadurch KANN sie nichts mehr > wird noch wütender und frustrierter... usw usw usw)

Dass sie jetzt in der Pubertät ist und sich das Verhalten ihrer Mutter aus der Kindheit so stark eingeprägt hat, verstärkt diesen Teufelskreis.
Und den müssen wir nun irgendwie durchbrechen...

Nächste Woche gibt es noch einen Termin mit dem Jugendamt, wo wir hoffentlich ein paar Lösungsansätze erarbeiten können...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 20.03.2013 15:53
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi ihr Lieben,

So, ein kurzes Update:

Kiddy hat sich mittlerweile wieder ein wenig beruhigt.
Da spielen wohl mehrere Faktoren eine Rolle:

Zum Einen hat sie scheinabr bemerkt, dass es nun wirklich ernst ist und sie sich zusammenreißen MUSS.
Die Gespräche mit Lehrern, JA und Therapeutin (Erstgespräch) scheinen ihr klar gemacht zu haben, dass es da ein Problem gibt und sie ist nachdenklich geworden. Das läßt uns hoffen.

Zweitens hat sie nun tatsächlich mit dem Reiten angefangen. Das entspannt sie und macht ihr Spaß. 🙂

Und drittens hat sie einen ganz schwierigen Schritt gemacht, wo wir auch wirklich sehr stolz auf sie sind (haben wir ihr auch gesagt!): Sie hat ihre Mutter angerufen und sie tatsächlich wegen der Namensänderung gefragt.
KM hat wie erwartet leider nein gesagt und Kiddy war dann auch total fertig und hat geheult, aber es war ein wichtiger Schritt und sie weiß jetzt ganz genau, woran sie ist. Das scheint sie auch entspannt zu haben.

Mit der Schule müssen wir nochmal sprechen, aber es sind bisher keine weiteren Beschwerden eingegangen.
Bzgl. Mathe schaun wir einfach, dass wir regelmäßig lernen, aber ohne Druck und ohne Streß.

Also: zu Hause hat sich die Situation ein wenig entspannt.

Dafür hat sich heute eine neue Front aufgetan...
Mein LG war mit Kiddy heute zu Gericht, um die Zustimmung der KM zur Namensänderung gerichtlich ersetzen zu lassen.
Und dabei hat er erfahren, dass die KM vor ein paar Tagen eine "Klage" eingereicht hat, damit sie Kiddy unbegleitet sehen darf. Wir wären im Laufe der Woche vom Gericht darüber informiert worden, wenn mein LG nicht heute hingegangen wäre.
Der Antrag ist voll konfus und scheinbar nicht mal von der KM selbst geschrieben, sondern von ihrer Mutter.

Ein Vorteil: Da die KM die Klägerin ist, hat sie die Kosten zu tragen > und da das ganze in Ö stattfindet, hat sie kaum Chancen, auf irgendeinen Zuschuss. Das könnte die ganze Sache arg verkürzen, denn z.B. ein Gutachten kann sich KM einfach nicht leisten.

Nachteil: Wir müssen wieder einmal alles zusammensuchen und alle früheren Berichte einreichen und es gibt Befragungen und Anwaltsbriefe und und und...
Hat das alles denn nie ein Ende......? Ich bin echt schon tief erschöpft....

Kiddy hat im Gespräch mit der Richterin übrigens eine gute Frage gestellt:
"Naja", sagte sie, "wenn ich aber hinmuss, weil meine Mutter Recht bekommt und ich aber nicht will und dann nicht hingehe, was wollen Sie dann machen?"
Die Richterin hat das mit einem Schmunzeln aufgenommen und ihr dann erklärt, dass kein Richter der Welt sie dazu zwingen kann, zu ihrer Mutter zu gehen. Damit war Kiddy zufrieden. 🙂

So, das sind also die latest news. Wir bleiben dran und kämpfen weiter gegen Windmühlen und Drachen - obwohl wir die Prinzessin bereits befreit haben, müssen wir sie immer noch gegen die (H)exe beschützen...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 09.04.2013 14:43
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Nach dem Urlaub nun wieder mal ein kurzes Update für alle, die es interessiert.  😉

Die Sache mit der Namensänderung ziiiiiiiiieeeeeeht sich hin, ebenso wie die Umgangs"klage" die seitens KM eingereicht wurde - hier also noch keine News.

Schuljahr wurde positiv abgeschlossen und Kiddy lernt mittlerweile schon fast freiwillig (Stoffwiederholungen vom letzten Jahr, bevor es in 3 Wochen wieder losgeht).  🙂

Und in der persönlichen Entwicklung von Kiddy gibt es wirklich bemerkenswerte und interessante Entwicklungen:
Sie hat in diesen Ferien das erste Mal wirklich konsequent, bewusst und bestimmt gesagt, dass sie ihre Mutter nicht sehen möchte.
Davor hat sie sich wirklich intensiv mit vielem auseinandergesetzt, was in ihrer Vergangenheit geschehen ist, hat es mit uns diskutiert und auch hinterfragt. Zudem ist sie sehr an der Familie ihres Vaters interessiert und sie wollte beim Urlaub in D auch den Anwalt ihres Vaters kennenlernen (der hat sich sehr gefreut, dass es ihr in Wien gut geht).

Also jetzt - in der ersten bewussten Phase der Identitätsfindung - kommt Kiddy auch selbstständig zu dem Schluss, dass ihre Mutter falsch gehandelt hat.
Sie hinterfragt uns und das was passiert ist und sie ist einverstanden mit den Entscheidungen, die wir damals für sie getroffen haben.

Natürlich haben wir auch Fehler gemacht und manches wird sie uns später vielleicht auch vorwerfen, aber grundsätzlich wäre jetzt die Zeit, wo sie selbst auch zu dem Entschluss kommen könnte, dass sie doch lieber bei KM leben will - tut sie aber nicht.
Und das sehe ich als Bestätigung, dass wir doch ein bißchen was richtig gemacht haben.

Ein gutes Gefühl.  😉

Insofern:
Viel Kraft für alle, die im Sinne ihrer Kinder handeln und sich selbst auch hinterfragen und prüfen! Gebt nicht auf! Es lohnt sich!

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 12.08.2013 18:07
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

Ich befinde mich leider mal wieder in einem Tief, das diesmal aber tiefer zu sein scheint, als die früheren.
Vielleicht hat jemand von euch ein paar Gedanken oder Ideen für mich, was ich machen könnte...

Fakt ist, dass ich keine Kraft mehr habe...

Seit Anfang 2006 - also seit mehr als sieben Jahren - kämpfe ich an der Seite meines Mannes um seine Tochter und seit 2008 sorgen wir gemeinsam für sie, während der Kampf immer weiterging.
Wir hatten nie eine "Verliebtheits-Phase", wo wir nur für uns waren, nie einen richtigen Urlaub (immer nur zur Familie, damit der Kontakt zum Kind aufrecht bleibt, später dann, damit das Kind die Familie weiterhin sieht und weil die KM darauf geklagt hat, dass wir ihr das Kind hinterhertragen), immer finanzielle Alt-Lasten und kaum eine Woche ohne Sorgen.
Dazu die Anwaltsbriefe, Gerichtsverhandlungen, Gutachten, Überprüfungen durch das JA und und und...
Alltag mit Kind, schulische & gesundheitliche & psychische Probleme, Therapie, Nachhilfe...

Als Zweitmutter habe ich alles übernommen, wozu die KM nicht fähig war (also alles), durfte mich dafür aber von KM beschimpfen und beleidigen lassen und wurde vor Gericht nicht einmal wahrgenommen. Immer haben andere über mein Leben bestimmt und der KM wurde alles nachgetragen, obwohl sie das Kind fast kaputt gemacht hätte.

Immer alles mittragen und aushalten, alles ausbaden, was die KM verbockt hat - wenn mein Mann nicht so stark an meiner Seite gestanden und mich so unterstützt hätte, dann hätte ich schon lange alles hingeschmissen.
Aber er war und ist ein starker Papa für die Kleine und so haben wir das ganze Gerichts-Chaos geschafft und das Kind aus dem Schlimmsten rausholen können.

Und nun, da gerichtlich fast alles geklärt ist (es läuft nur noch ein Verfahren wegen Einbenennung des Kindes, aber das ist hoffentlich auch bald durch) - nun verlagern sich die Konflikte nach innen.
Die Pubertät von Kiddy ist voll extrem (hab ich schon in einem älteren Eintrag beschrieben) und es gibt oft ganz unvermittelt Streß.
Dazwischen gibt es immer wieder auch gute Tage - aber ich halte die schlechten Tage einfach nicht mehr aus.

Die vergangenen Jahre haben all meine Kraft aufgebraucht und ich kann mit Streß einfach nicht mehr umgehen. Mein Körper rebelliert (Magen / Hals / Nieren / Kopf) und ich bin dauermüde.
Wir haben einen Krieg geführt und jetzt ist der Kampf vorbei - meine Anspannung läßt nach und ich merke jetzt, wie viel mich das alles gekostet hat.
Ich würde jetzt Ruhe brauchen - aber die bekomme ich nicht, weil Kiddy immer fordert und fordert. Aber ich KANN ihr nichts mehr geben.

Trotzdem muss ich in dieser Situation aushalten, weil ich die Verantwortung nicht mehr abgeben kann. Das Kind ist da und hat Bedürfnisse.
Aber der Alltag überfordert mich.

Ich habe nun schon verschiedene Schritte gesetzt, so z.B. dass ich an einem Abend in der Woche einen Kurs besuche, der mich sehr interessiert und dieser Abend somit nur für mich ist.
Oder auch dass ich mir bewußt Zeit zum Lesen nehme oder das Kind auch mal aus dem Zimmer schicke, um durchzuatmen.
Und mein Mann versucht auch, mir Dinge abzunehmen.
Aber das hilft alles nur kurzfristig, um den Tag zu überstehen.
Die grundlegende Erschöpfung werde ich dadurch nicht mehr los...

Nächste Woche habe ich einen Termin mit meinem Therapeuten, um zu besprechen, ob ev. eine Kur sinnvoll wäre.
Denn ich brauche Hilfe... - ich kann einfach nicht mehr... ich bin zutiefst erschöpft und ausgelaugt...
Und es belastet mich auch, dass niemand außer meinem Mann wirklich wahrnimmt, was ich alles geleistet habe und wie viel Kraft das alles gekostet hat. Das kann sich echt niemand vorstellen und man ist damit total allein...

Habt ihr noch Ideen?
Hat jemand sowas auch schon mal durchgemacht?

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.11.2013 15:10
(@kruemelmonster)
Nicht wegzudenken Registriert

Moin vj,

erstmal Hut ab vor deinem Engagement! Ich denke, wenn du völlig am Stock gehst, nutzt es niemandem, darum:

Nächste Woche habe ich einen Termin mit meinem Therapeuten, um zu besprechen, ob ev. eine Kur sinnvoll wäre.

solltest du nicht besprechen, ob die Kur sinvoll wäre, sondern WANN sie beginnen kann und welche Kurkliniken in Frage kommen.

Und es belastet mich auch, dass niemand außer meinem Mann wirklich wahrnimmt

Nimmt die Tochter wenn sie "eine gute Phase hat", wahr wie es dir geht? Merkt sie, dass deine Reserven am Ende sind?

Eine Idee hätte ich, zum Akku aufladen: Ihr schickt die Tochter deines Mannes mit einer Jugendgruppe in die Ferien (mindestens 2 Wochen) und macht in der Zeit einen "Päärchenurlaub". Nicht zu Verwandten, sondern irgendwohin wo ihr schon immer mal hin wolltet. Mit nem Wohnmobil ans Nordkapp, einen Segeltörn über die Ostsee, irgendwas tolles. Das geht natürlich in den nächsten Ferien nicht, wg. Weihnachten, aber vielleicht wäre das was für die Osterferien.

Ansonsten fällt mir nur noch ein: 1 Tag pro Woche gehört dir, wo du keine Aufgaben übernehmen musst, sondern nur tust, was dir gut tut.

Liebe Grüße und viel Kraft vom

Krümelmonster


Alle sagten: " Das kann nicht funktionieren"
Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht

AntwortZitat
Geschrieben : 27.11.2013 17:08




 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi

und Danke für die Antwort!

Ja, ich denke die Kur wird unvermeidlich sein. Irgendwie freue ich mich schon drauf, aber irgendwie ist das auch mit Schwierigkeiten verbunden, weil ich meinem Arbeitgeber ja irgendwie erklären muss, warum ich 6 Wochen weg bin...

Nein, Kiddy nimmt nicht wirklich wahr, wie es mir geht.
Nur als ich dann wegen einer Entzündung, die einfach nicht weggehen wollte, 3 Tage im Krankenhaus war, da hat sie sich Sorgen gemacht und auch sonst wenn ich krank bin, ist sie kurzfristig etwas besorgt.
Aber den Allgemeinzustand sieht sie nicht und da bin ich ehrlich gesagt auch ganz froh darüber.
Denn ein großes Problem bei ihrer Mutter war ja auch, dass die Mutter-Kind-Beziehung umgedreht war, d.h. dass sie sich voll für ihre Mutter verantwortlich gefühlt hat. Das soll sie bei mir nicht müssen - aber sie würde sofort in dieses Verhalten reinfallen, wenn sie merken würde, was los ist. Und deshalb versuche ich es vor ihr so gut es geht zu verbergen.

Sie für einige Zeit "wegzuschicken" haben wir schon oft überlegt und in den Sommerferien haben wir das auch immer wieder mal gemacht (Schwimm- oder Reitcamp) - nur konnten mein Mann und ich die Zeit dann nur bedingt genießen, weil wir beide vollzeit berufstätig sind und die Urlaubstage eben immer für die "Urlaube" bei der Familie aufgespart werden mußten.
Außerdem fehlte immer das Geld.
Wir sind nun mal in der blöden Situation, dass wir voll arbeiten gehen müssen, aber wegen der Schulden - die teilweise durch die KM (hat bei der Trennung alle Kreditkarten bis zum Limit leer geräumt) und durch meine Leichtgläubigkeit gegenüber meinem Exfreund entstanden sind - erst jetzt so langsam finanziell auf die Beine gekommen sind.

Aber nächstes Jahr machen wir unsere Hochzeitsreise - nur wir zwei! Darauf freue ich mich schon sehr und das hält mich auch ein wenig aufrecht.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.11.2013 17:29
 Uli
(@Uli)

Nächste Woche habe ich einen Termin mit meinem Therapeuten, um zu besprechen, ob ev. eine Kur sinnvoll wäre.
Denn ich brauche Hilfe... - ich kann einfach nicht mehr... ich bin zutiefst erschöpft und ausgelaugt...
Und es belastet mich auch, dass niemand außer meinem Mann wirklich wahrnimmt, was ich alles geleistet habe und wie viel Kraft das alles gekostet hat. Das kann sich echt niemand vorstellen und man ist damit total allein...

Moin VJ,

was Du beschreibst, ist unsere Geschichte und von daher kann ich dir auch sagen, wie sie ausgehen wird.
Wie Du XE´s Tochter beschreibst, ist es 1zu1 wie mit meiner Tochter. Wir haben jetzt seit 1/2 Jahr Ruhe, weil alles Kids aus dem Hause sind. Von daher kann ich nun Bilanz ziehen.

Meine Tochter haben wir am Schluss einfach nicht mehr korrigiert, haben alles laufen lassen, weil wir keine Kraft mehr hatten. Jetzt, wo sie aus dem Hause ist, sieht man, dass die Erziehung doch gefruchtet hat. Sie kommt alleine gut zurecht, beherzigt im eigenen Haushalt alles, was wir hier im Hause vergeblich versucht hatten, umzusetzen. Sie lernt eifrig für ihre Prüfungen und hat alle bisherigen mit "sehr gut" abgeschlossen. Das Abi hatte sie nur mit Nachprüfung geschafft.

Die Spuren bei uns: meine Frau ist seit 5 Jahren wg. burn out frühpensioniert und ich habe mir eine Histaminintoleranz eingefangen (vermutl. weil mir immer alles auf den Magen geschlagen ist).

Daher: sieh zu, dass Du dir Freiräume schaffst und die konsequent verteidigst. Sonst kommst Du unter die Räder.
Und lasst zu eurem Schutz die Zügel etwas lockerer. Ihr seid der Prellbock für die inneren Konflikte von Töchterchen.

Ich weiß, dass das schwer ist, aber versucht es wenigstens.

Ich wünsche euch alles Gute,
Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 27.11.2013 21:07
(@malachit)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Hallo vj,

nur eine klitzekleine Anmerkung hierzu:

Ja, ich denke die Kur wird unvermeidlich sein. Irgendwie freue ich mich schon drauf, aber irgendwie ist das auch mit Schwierigkeiten verbunden, weil ich meinem Arbeitgeber ja irgendwie erklären muss, warum ich 6 Wochen weg bin...

Auch deinem Arbeitgeber ist nicht damit gedient, wenn du weiterwurschtelst und dann eines schlechten Tages auf Arbeit zusammenbrichst.

Viele liebe Grüße,

Malachit.


Wenn ein Staat die Leistungsgerechtigkeit zugunsten der Verteilungsgerechtigkeit aufgibt, dann kommt man bald an den Punkt, wo es mangels Leistung nichts mehr zu verteilen gibt.

AntwortZitat
Geschrieben : 27.11.2013 21:10
(@ginnie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi

ich schließe mich den gutgemeinten mahnenden Worten an.

Du schreibst sinngemäß, dass du der Tochter gegenüber keine Schwäche zeigen willst, weil du Angst hast dass sie in alte Muster fällt, und die Verantwortung/Fürsorge übernehmen zu müssen, dass sich quasi die Geschichte ihrer Mutter mit dir wiederholt. Dazu denke ich, dass erstens seitdem Zeit vergangen ist, in der die Tochter auch reifer wurde, und also nicht mehr so einfach sich einfangen lässt in solch ein Muster, und zweitens du bist nicht ihre Mutter, sondern ein völlig anderer Mensch, und deshalb kannst du dein eigenes Leben leben, ohne Rücksicht auf die Mutter, oder was sie gemacht hat.

Ich denke, wenn du immer "die Starke" für Andere sein willst, dann reicht es eines Tages nur noch zum im Bett liegen bleiben. Wie bei einem Verkehrsunfall, wo man ZUERST die Unfallstelle sichert und DANACH den Menschen hilft, solltest du versuchen, ZUERST deine Gesundheit zu erhalten und MIT dieser Kraft deiner Familie zu nutzen, oder bei deinem Arbeitgeber Leistung zu bringen. Das klingt nur oberflächlich gesehen egoistisch.

Eine Kur halte ich für eine dringend erforderliche Notbremse. Ich vergleiche deine Situation mit jemanden, der traumatische Ereignisse erlebt hat. Also nicht nur in Richtung drohendes burnout, sondern Posttraumatische Belastungssituation. Natürlich hier online und ohne fachlichen Anspruch. Nur so laienhaft hobbypsychologisiert, und sicher heißt es völlig anders.

Egal wie man es nennt, oder egal wie viel jemand erlebt hat.  Die persönliche Belastungsgrenze ist sehr verschieden und nicht einheitlich. Und wenn man so viel an Substanz verloren hat, weil man jahrelangen Grabenkämpfen ausgesetzt war, dann benötigt man Zeit um die Batterien aufzuladen.

Ich wünsche dir dass ihr es gut hinbekommt. Nimm dir die Zeit.

Gemeinsame Inseln oder Auszeiten oder auch eigene Auszeiten sind wichtig. das kann auch Joggen sein, was den Kopf frei macht, oder Wandern. Oder Malen...oder guck mal ob du Bogenschießen magst...das ist ein guter Sport für Konzentration. Loslassen und Haltung! Egal, was, es sollte etwas, was dir Konzentration abverlangt, denn aus meiner Erfahrung reinigt so etwas das Gehirn und dann auf zu neuen Taten  😉

ich selbst habe bei einigen Dingen, die meinen Mann und seine erste Ehe betreffen, die Notbremse ziehen müssen, um mir selbst nicht zu schaden. Sprich wie die berühmten drei Affen - nichts hören, nichts sehen und nichts sagen...Du konntest das nicht, da dein Mann gekämpft hat um seine Tochter, und sie zu euch geholt hat, da musstest du durch. Das hat meine Hochachtung!

ligr ginnie


Durch Nachsicht setzt man der Gewalt kein Ende: damit bestärkt man die Gegner nur in der Gewissheit, sie hätten es mit einem Schwächling zu tun, der leicht zu bezwingen ist

AntwortZitat
Geschrieben : 27.11.2013 22:13
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi ihr Lieben!

Beim Lesen eurer lieben Worte und eures Zuspruchs kommen mir doch tatsächlich die Tränen... - was zeigt, dass mein Nervenkostüm tatsächlich schon ziemlich durchgescheuert ist und ... dass ihr recht habt und genau das schreibt, was mir auf der Seele liegt.
Danke dafür!

Ich bin also nicht zu empfindlich, ich steigere mich in nichts rein, sondern es ist tatsächlich auch von außen verständlich, dass ich nach so langer Zeit einfach nicht mehr kann... Es tut gut, das zu lesen - denn außer meinem Mann sieht das scheinbar kaum jemand bisher. Wohl auch, weil ich eben versucht habe, immer stark zu sein und mir nichts anmerken zu lassen.
Aber das muss ich jetzt langsam und kontrolliert ablegen, sonst bricht der Damm ganz einfach und dann breche ich auch zusammen (wie ihr ja auch geschrieben habt).
Ich muss jetzt erst mal vor mir selbst zugeben, wie es mir wirklich geht und dann auch dazu stehen und Schritte setzen, um wieder Kraft zu bekommen.

Wenn ich daran denke, dass es tatsächlich über sieben Jahre waren... - das wird mir erst jetzt so richtig bewußt, wie lange das ist. Bisher hab ich immer nur im Moment gelebt, hab von einer Situation zur nächsten überlebt - jetzt kommt das alles zum ersten Mal richtig hoch und mir wird bewußt und ich spüre, was alles geschehen ist. (von daher klingt das mit dem posttraumatischen Belastungssyndrom eigentlich auch ganz logisch)

@Uli:
Vielen lieben Dank für diese positiven Zukunftsaussichten!
Genau darauf hoffe ich bei unserer Prinzessin auch und ich sehe auch, dass sie Fremden gegenüber sehr freundlich, höflich und hilfsbereit ist - das gibt mir Hoffnung!

Unsere Rolle als Eltern muss sich jetzt verändern - wir können nicht mehr erziehen, sondern nur noch begleiten. D.h. locker lassen ist tatsächlich angesagt und wir versuchen es schon seit einiger Zeit.
Es gelingt mir auch mit jedem Tag ein bißchen besser.
Aber andererseits ist es auch schwer, denn ich durfte die Kleine ja nur sieben Jahre lang kennen und konnte ihr nur fünf Jahre lang wirklich helfen / sie erziehen / sie aufs Leben vorbereiten - leibliche Eltern, bei denen das Kind lebt, haben viel mehr Zeit...
Aber wir konnten ihr zumindest die Chance auf eine Zukunft geben, die sie sonst nicht gehabt hätte.

Es scheint mir nur viel zu früh zu sein, um mich zurückzuziehen.
Nur mein Körper und meine Psyche sind da anderer Meinung als mein Verstand - sie sagen, ich muss sie jetzt langsam loslassen und mich um mich selbst kümmern, während sie versuchen muss, selber zu gehen. Mein Verstand wehrt sich noch und sagt, dass ich ihr ja noch so viel beibringen muss...

Oh, ich bin ziemlich durcheinander.
Muss das alles mal sortieren - hoffe, Therapeut und Kur können da helfen...

Danke auf jeden Fall für euren Zuspruch!

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 28.11.2013 11:05
 Uli
(@Uli)

Unsere Rolle als Eltern muss sich jetzt verändern - wir können nicht mehr erziehen, sondern nur noch begleiten. D.h. locker lassen ist tatsächlich angesagt und wir versuchen es schon seit einiger Zeit.

Moin vj,

wir haben immer versucht, den Kindern wieder eine Familie zu geben und daran haben wir uns vermutlich aufgerieben. Das Konstrukt "eigene Familie" scheint für die KIds nicht mehr existent oder zumindest sehr gestört zu sein. Natürlich haben meine KIds mich lieb, aber unsere Kommunikation ist gestört. Auch bei meinem Sohn, mit dem ich nie Probleme hatte.
Das ist aber nur hier im Hause so. Im Hause der Eltern von Freund/Freundin ist das ganz anders. Dort verhalten sie sich völlig normal und angepasst. D. h. der Begriff eigene Familie /Elternhaus ist negativ besetzt.

Ich denke, das ist bei euch ähnlich. Je mehr ihr versucht, Töchterchen eine Familie zu geben, um so mehr wird sie aufbegehren. Für sie ist das ein Korsett, sie empfindet es so.

Vielleicht wäre es mit einer solchen Annahme leichter für euch, etwas loszulassen.

LG, Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 29.11.2013 00:16
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi Uli,

Ja, das klingt bekannt.
Auch in ihrer Aggression gegen mich habe ich sehr oft das Gefühl, dass sie nicht gegen mich als Person rebelliert, sondern gegen meine Rolle - "die Mutter".
Sie wirft mir im Streit auch oft Dinge vor, die ihre eigene Mutter getan hat, d.h. sie vermischt uns.

Vom Kopf her ist das total verständlich und nachvollziehbar. Aber es ist deswegen nicht weniger schwer auszuhalten...
Dass man sich von diesem Verhalten nicht verletzten läßt, das erfordert ein dickes Fell und ein gutes Nervernkostüm - aber das ist ja eben bei mir durch die letzten Jahre nicht mehr vorhanden...

D.h. damit ich die aktuellen Anforderungen - die mir theoretisch ja bekannt sind - meistern kann, muss ich einen Weg finden, meine Energiereserven wieder aufzufüllen. Im Moment bin ich einfach nur vollkommen überfordert und kraftlos und brauche Hilfe.

Die Familiensituation in der wir uns befinden - ein Kind mit dieser Vergangenheit mitten in der Pubertät - wäre ja auch für einen psychisch und physisch stabilen Menschen schon nicht leicht zu bewältigen. Für mich ist sie aktuell unmöglich noch weiter auszuhalten. Und da ich weder die Vergangenheit von Kiddy noch ihre Pubertät ändern kann, muss ich mich selbst ändern und schaun, wie ich wieder zu Kräften komme.

Grüße auch von Xe!

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 29.11.2013 10:49
 Uli
(@Uli)

Auch in ihrer Aggression gegen mich habe ich sehr oft das Gefühl, dass sie nicht gegen mich als Person rebelliert, sondern gegen meine Rolle - "die Mutter".
Sie wirft mir im Streit auch oft Dinge vor, die ihre eigene Mutter getan hat, d.h. sie vermischt uns.

Moin vj,

diese Situation haben wir bei uns genauso. Meine jetzige Frau bekommt/ bekam viele der Spannungen ab, ohne, dass es etwas mit ihrer Person selbst zu tun hat.
In der Therapie hat man uns das auch ganz plausibel erklärt.
Die leibliche Mutter hat in ihrer Rolle versagt. Gleichzeitig bleibt sie aber natürlich die Mutter auch wenn die Kinder die Unzulänglichkeiten deutlich sehen.
Die Stiefmütter, die sich vorbildlich verhalten, spiegeln in ihrem Tun also permament die negative Seite der leiblichen Mutter und ziehen so die Agressionen auf sich.

LG, Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 29.11.2013 11:08
(@biggi62)
Nicht wegzudenken Registriert

Meine jetzige Frau bekommt/ bekam viele der Spannungen ab, ohne, dass es etwas mit ihrer Person selbst zu tun hat.
In der Therapie hat man uns das auch ganz plausibel erklärt.
Die leibliche Mutter hat in ihrer Rolle versagt. Gleichzeitig bleibt sie aber natürlich die Mutter auch wenn die Kinder die Unzulänglichkeiten deutlich sehen.
Die Stiefmütter, die sich vorbildlich verhalten, spiegeln in ihrem Tun also permament die negative Seite der leiblichen Mutter und ziehen so die Agressionen auf sich.

Liebe vj, lieber Uli, ihr beschreibt 1:1 weshalb meine ältere Tochter nicht zusammen mit ihren Halbgeschwistern und ihrem Vater aufgewachsen ist. Im Gegensatz zu deinem Partner, vj, und zu dir, Uli, hat der Vater sich in sämtlichen pubertären Auseinandersetzungen konsequent und ohne Zweifel an die Seite seiner Tochter gestellt.

Erst neulich hat er mir gesagt, dass es ihm leid tut, dass er den Lügen seiner älteren Tochter damals auf den Leim gegangen ist und dass er bereut, mich damals schwanger vor Tür gesetzt zu haben. Seine Älteste war als Tochter einer psychisch kranken Mutter so sehr geschädigt, dass sie mit 10 Jahren bereits ziemlich gut darin war, ihren Vater und mich gegeneinander auszuspielen. Mit 13 Jahren hatte sie als Meisterin der Intrige meine Stellung in unserer Patchwork-Familie bereits dermaßen untergraben, dass ihr Vater beim Gedanken mit einem Säugling von vorne anzufangen so sehr in Panik geraten war, dass er für sich selbst keine andere Wahl gesehen hat, als mich vor die Alternative: "Abbruch oder Auszug" zu stellen.

Ich habe damals gepackt und bin gegangen.

Der Mann war die Liebe meines Lebens gewesen und auch seine Kinder hatte ich in den acht Jahren unseres Zusammenlebens sehr ins Herz geschlossen. Meine Tochter hat väterlicherseits noch einen Halbbruder, der bei seiner Mutter aufgewachsen ist, aber acht Jahre lang alle zwei Wochen Umgang mit seinem Vater und seiner Schwester in unserem Haushalt hatte. Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich meinen Trennungsschmerz überwunden hatte. Mann und Kinder, Hund und Nachbarn, Haus und Garten ... mein ganzes Leben der vergangenen acht Jahre war von jetzt auf gleich unerreichbar. Es war ein Alptraum. Sowohl vor meinem Auszug als auch danach.

Bis ich einem Mann wieder soweit vertrauen konnte, dass ich es gewagt habe, ihn zu heiraten und ein zweites Kind in die Welt zu setzen, darüber sind Jahre vergangen.

Liebe vj,

dass dein Mann dich unterstützt und nicht nur deine Leistung, sondern auch dein Leid sieht, ist sehr viel wert. Deine Worte haben viel alten Kummer in mir wieder aufgewühlt und ich danke dir für deine Offenheit. Bitte sorge gut für dich. Ohne dich wäre dieser Balance-Akt für deinen Mann noch schwieriger zu bewältigen.

Der Vater meiner Tochter hat erst nach meinem Auszug erkannt, dass er seiner ältesten, damals 13-Jährigen Tochter wohl zu sehr und mir zu wenig vertraut hat. Zugleich hatte er vor 20 Jahren keine Möglichkeit gesehen, seine erste Tochter und sein jüngstes Kind in einem gemeinsamen Haushalt aufwachsen zu lassen. Tatsächlich hatte er Angst vor den Eifersuchtsattacken der Großen und sah die Kleine in meiner ausschließlichen Betreuung sicherer aufgehoben, als in einem gemeinsamen Haushalt mit der wesentlich älteren Halbschwester.

Dass die Große den Kontakt nach meinem Auszug gesucht und mich öfter besucht hatte, sah er mit großer Sorge. Allerdings muss ich zu Gute meiner Ziehtochter sagen, dass sie als Siegerin (die mich erfolgreich aus dem Feld geschlagen hatte) großmütig und freundlich dem Baby und mir gegenüber war. Wahrscheinlich hat sie auch ihr Gewissen ein wenig geplagt.

Mit 14 hat sie eine Stiefmutter bekommen, die (Ironie des Schicksals) ihr all das tatsächlich angetan hat, wessen sie mich fälschlich beschuldigt hatte. Natürlich hat ihr Vater ihr dieses Mal kein Wort mehr geglaubt und stand felsenfest an der Seite seiner zweiten Frau. Mit 18 ist die ältere Halbschwester meiner Tochter - ein knappes Jahr vor dem Abitur - bei ihrem Vater und der "bösen" Stiefmutter aus- und bei ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder eingezogen. Mit 20 ist sie zu ihrem Freund in eine weit entfernte Stadt gezogen und hat seitdem den Kontakt zu Vater und Mutter komplett abgebrochen. Mit dem Bruder besteht noch loser Kontakt.

Ihre kleine Halbschwester und mich hat sie seit dem Umzug zu ihrer Mutter komplett aus ihrem Leben gestrichen.   

Liebe vj, ich wünsche deiner Familie und dir von Herzen, dass ihr die schwierige Situation besser meistern könnt, als es uns damals gelungen ist.

Liebe Grüße  🙂 Biggi


Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)

AntwortZitat
Geschrieben : 01.12.2013 19:12
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi Uli,

Die Stiefmütter, die sich vorbildlich verhalten, spiegeln in ihrem Tun also permament die negative Seite der leiblichen Mutter und ziehen so die Agressionen auf sich.

Das ist eine gute Erklärung und klingt logisch... Man muss sich als Zweitmutter dann trotzdem zusammenreißen und das Richtige tun, auch wenn es im Moment nur Streß und Aggressionen provoziert - alles in der Hoffnung, dass das Kind doch ein wenig von dem mitnehmen kann und annehmen kann, was man getan hat und dass es trotz allem gut für das Kind ist.

@Biggi:
Klingt schlimm, wie es bei euch gelaufen ist...
Es ist so schwierig, all die verschiedenen Bedürfnisse und Wahrnehmungen und Motivationen in einer Patchworkfamilie zu durchschauen und dann richtig zu reagieren...
Danke für Deine guten Wünsche!

Bei uns lief das WE relativ ruhig und mein Mann und ich hatten viel Zeit zum Reden.
Wir sehn beide das Problem wirklich in den vergangenen Jahren, also dass mich diese Zeit total ausgelaugt hat.
Die aktuelle Situation (mit Kiddys Pubertät) ist zwar eine Herausforderung, aber wenn ich wieder stabiler bin, dann sollten wir das gemeinsam auf jeden Fall schaffen können.
Also: Mittwoch erst mal zum Therapeuten und mit ihm werde ich besprechen, wie die weiteren Schritte am besten aussehen sollten.

Danke fürs Zuhören und für alle guten Wünsche!

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 02.12.2013 10:50




Seite 3 / 6