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Xe's Geschichte - Manchmal darf man seinem Kind tatsächlich helfen

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 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi ihr Lieben!

Nach über einem Jahr mal wieder ein kurzes Update zu unserem Fortsetzungsroman...  🙂

Das österreichische Gericht hat mittlerweile ein Urteil gesprochen:
vollständiges alleiniges SR beim KV
Umgangsrecht für die KM nur begleitet

KM hat - wie üblich - Einspruch eingelegt, der noch läuft.

Aber mal ganz ehrlich: in der Realität hat das überhaupt keine Auswirkungen mehr, egal wie im Rekurs entschieden wird.
Denn ein fast 13jähriges Mädchen zwingt niemand mehr zu Umgang oder Nicht-Umgang oder gar zu einem Wohnungswechsel, wenn sie das nicht will.
Und momentan will sie überhaupt keinen Kontakt zur KM - sie ist richtig sauer, weil sie sich von der KM nicht ernst genommen fühlt und weil die KM immer nur Ärger macht und Kiddy dadurch fast jeden Umgang bisher gründlich verdorben hat.

Als Patchwork-Familie kommen wir richtig gut klar und haben nur die üblichen pupertätsbedingten Kleinkriege: Klamotten, Zimmer, TV, Pflichten im Haushalt... - also alles ganz normal.  😉

So und nun die große Neuigkeit:
Im Februar 2013 sind Xe und ich genau sieben Jahre zusammen und werden HEIRATEN! :luxhello: :heartpump: :luxhello: *freufreufreu*

Wir freuen uns schon total darauf und es ist richtig schön!
In den letzten sieben Jahren haben wir wirklich viel gemeinsam durchgemacht und erlebt und nach diesen sieben schwierigen Jahren scheinen nun die sieben guten Jahre zu folgen (und hoffentlich noch viele viele weitere)!  🙂 🙂 🙂

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 20.09.2012 13:21
(@wedi)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Na dann mal herzlichen Glückwunsch. 🙂

Und viel Glück

Gruss Wedi


AntwortZitat
Geschrieben : 20.09.2012 13:26
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo,

das freut mich sehr, ich wünsche euch alles Gute weiterhin  :luxhello:

LG

eskima


Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist - Indianische Lebensweisheit
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AntwortZitat
Geschrieben : 20.09.2012 16:05
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi ihr Lieben,

Falls jemand mitlesen mag:
Ich werde unsere Geschichte als Blog aufschreiben - immer wieder mal ein Stückchen, wie eine Fortsetzungsgeschichte...

http://zweitmutter.blogspot.co.at/

Namen und Orte wurden geändert.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 30.11.2012 15:57
(@papamarie)
Zeigt sich öfters Registriert

eine tolle Geschichte, die vielen Mut macht! Super  :thumbup:


AntwortZitat
Geschrieben : 30.11.2012 17:03
 Uli
(@Uli)

So und nun die große Neuigkeit:
Im Februar 2013 sind Xe und ich genau sieben Jahre zusammen und werden HEIRATEN! :luxhello: :heartpump: :luxhello: *freufreufreu*

Wir freuen uns schon total darauf und es ist richtig schön!

Ich wünsche euch nur das Beste !!!
Xe kennt meine Story ja von Anfang an. Meine jetzige Frau hat auch mitgelitten. Wir sind jetzt 10 Jahre verheiratet. In zweiter Ehe bin ich inzwischen länger verheiratet, als in erster. Dies, um euch Mut zu machen!

Schade, dass Xe selbst nicht mehr präsent ist. Ich habe seine sachliche ruhige Art immer geschätzt.

Liebe Grüße, auch an Xe,
Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 01.12.2012 00:26
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Uli,

Vielen Dank und LG auch von Xe!  🙂

Ich versuche auch immer wieder mal, ihn dazu zu motivieren, hier wieder etwas mehr zu lesen und zu schreiben, aber er ist momentan anderweitig eingespannt.
Mal schaun, vielleicht läßt er sich ja wieder mal blicken.

Auf jeden Fall haben wir uns sehr über Deine Nachricht und die guten Wünsche gefreut.
Und bzgl. Mut zusprechen: Danke! Aber wir werden am Tag unserer Hochzeit bereits sieben Jahre zusammen sein - mehr als doppelt so lange, wie Xe's Ehe real gehalten hat (das waren 3 Jahre) und ein halbes Jahr länger, als die Ehe rechtlich gehalten hat (die Ehe wurde nach 6,5 Jahren endgültig geschieden).

Die Hochzeit nach diesen sieben gemeinsamen Jahren wird eine Feier sein, mit der wir um Gottes Segen für unsere Beziehung bitten und diese Beziehung auch rechtlich und öffentlich festigen.
Aber auch wenn wir nicht heiraten würden, wollen wir beide noch mindestens 77 Jahre zusammensein.  🙂

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 04.12.2012 13:30
 Xe
(@_xe_)
Registriert

Auch von mir vielen Dank, Uli. 🙂

Mittlerweile sind wir schon deutlich länger zusammen als die erste Ehe gedauert hatte - die war nur 3 Jahre und 16 Tage lang (und die 16 Tage hatte Ex auf Anraten ihrer Anwältin zugewartet, um dauerhaften Unterhalt zu bekommen). Der Tag, an dem wir heiraten sind es wie gesagt auf den Tag genau 7 Jahre, die vj und ich zusammen sind.

Ich denke, wenn man sich nicht, wie damals bei mir gezwungen fühlt, zusammenzubleiben dann ist man auf dem richtigen Weg... man kennt ja die Sprüche, "Denkt an das Kind!" Dem Kind gehts besser als jemals zuvor. 
Wie immer, wenn man hineter etwas herjagt, dann schreckt man es auf und es versucht, abzuhauen. Wenn man das nicht tut, kommt es von selber zu einem.

LG Xe


AntwortZitat
Geschrieben : 04.12.2012 13:42
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi liebe Foren-Gemeinde,

Wieder mal ein Lebenszeichen in eigener Sache.

Zuerst die guten Neuigkeiten: die Hochzeit war ein wunderschöner Tag ohne Katastrophen!  🙂

Und jetzt die nicht so gute aktuelle Situation, bei der wir für gute Ratschläge und Erfahrungen sehr dankbar wären...

Dass unsere Kleine in der Pubertät ist, davon habe ich ja schon in anderen Beiträgen teilweise erzählt. Bisher war das Verhalten mehr oder weniger im normalen Rahmen, aber seit einiger Zeit geht es deutlich darüber hinaus.
L. hat ganz extreme Stimmungsschwankungen und wird wegen ganz winzigen Kleinigkeiten total unverhältnismäßig wütend.

Beängstigend in diesen Situationen ist, dass sie dann total kalt wird - d.h. sie bekommt einen kalten, abweisenden Ausdruck in den Augen. Und dass ihr alles egal ist. Sie scheint alles komplett vergessen zu haben - was wir Minuten vorher besprochen hatten oder dass sie noch kurz zuvor gesagt hat, dass sie uns lieb hat... - und es ist ihr alles vollkommen egal.
Wenn wir versuchen, vernünftig mit ihr zu sprechen, wird sie arrogant und extrem frech und unverschämt. Wenn wir ihr sagen, dass sie die Türen nicht zuknallen darf, weil die einen Glaseinsatz haben, ist ihr das egal. Wenn wir ihr Strafen androhen (kein Fernsehen, keine Wii...), interessiert sie das nicht.
Sie denkt nicht mehr logisch und die Folgen ihres Handelns sind für sie nicht existent.

Es ist, als ob sie ein komplett anderer Mensch wäre.

Ich weiß nicht, ob das hier so richtig rüberkommt, aber es ist wirklich beängstigend. Sie hat dann absolut nichts mehr, nicht die kleinste Ähnlichkeit mehr mit dem hilfsbereiten, tierlieben Mädchen, das sie sonst ist. Und das von einer Sekunde auf die andere. Wie wenn ein Schalter umgelegt wird.
Und vor allem haben wir wieder (wie damals, als sie ganz neu bei uns war) Angst, dass sie in diesen Momenten sich oder andere verletzt, weil sie überhaupt nicht mehr auf ihre Umgebung achtet. Sie ist dann nur noch aggressiv und bis zur Gewalttätigkeit scheint es nur ein kleiner Schritt.

Da ihre Mutter auch vom Gutachter als Borderlinerin eingestuft wurde - es ist zwar keine offizielle Diagnose vorhanden, aber es steht im Protokoll und ist somit nicht nur unsere eigene Einschätzung - haben wir nun die Befürchtung, dass die Borderline-Verhaltensweisen, die L. in ihrer Kindheit, in den prägenden Phasen miterlebt hat, sich nun wieder zeigen.
D.h. dass sie dieses Verhalten quasi von ihrer Mutter erlernt hat und nun, wo das Gehirn im Umbau ist, wieder darauf zurückgreift (unbewußt).

Auch in der Schule zeigt sie aggressives Verhalten und ihre Noten werden immer schlechter - wir wurden für nächste Woche zu einem Gespräch vorgeladen, weil sie in Gefahr ist, dass sie wiederholen muss und weil die Lehrer mit uns auch über ihr Verhalten sprechen wollen.

Wegen all dem haben wir auch schon einen Termin beim JA gemacht, weil wir die Sachbearbeiterin um Hilfe bitten wollen.
Zur Info: wir haben eine sehr gute Sachbearbeiterin und das JA macht bei uns auch psychologische Untersuchungen und bietet Therapien und Erziehungshilfe an.

Was mich nun interessiert: Habt ihr auch schon so extrem heftiges Verhalten bei euren Kids erlebt? So dass ihr sie einfach nicht wiedererkannt habt - und zwar immer wieder? Also so extreme Stimmungsschwankungen, dass man meint, zwei verschiedene Kinder vor sich zu haben?
Kann das normal sein oder würdet ihr da auch einen Einfluss der Zeit bei der KM sehen?
Wie kann man damit umgehen?
Wie können wir dem Kind helfen?
Wie können wir uns schützen?

Denn egal ob hier Borderline eine Rolle spielt oder nicht - wenn sich dieses Verhalten verstärkt, dann ist ein Zusammenleben mit diesem Teenager beinahe unmöglich...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 14.03.2013 18:02
 Uli
(@Uli)

Da ihre Mutter auch vom Gutachter als Borderlinerin eingestuft wurde - es ist zwar keine offizielle Diagnose vorhanden, aber es steht im Protokoll und ist somit nicht nur unsere eigene Einschätzung - haben wir nun die Befürchtung, dass die Borderline-Verhaltensweisen, die L. in ihrer Kindheit, in den prägenden Phasen miterlebt hat, sich nun wieder zeigen.
D.h. dass sie dieses Verhalten quasi von ihrer Mutter erlernt hat und nun, wo das Gehirn im Umbau ist, wieder darauf zurückgreift (unbewußt).
...
Was mich nun interessiert: Habt ihr auch schon so extrem heftiges Verhalten bei euren Kids erlebt? So dass ihr sie einfach nicht wiedererkannt habt - und zwar immer wieder? Also so extreme Stimmungsschwankungen, dass man meint, zwei verschiedene Kinder vor sich zu haben?

Moin vj,

es wird Euch zwar nicht helfen, aber die gleiche Symptomatik findet sich bei meiner Tochter auch.
Mutter Borderlinerin, hat die KIds seit mehr als 10 Jahren nicht mehr gesehen.
Meine Tochter hat (zeitweilig) Verhaltensweisen übernommen, wie ich sie nur von meiner Exe her kenne.
Dann ist sie extrem aggressiv, lügt, wird verschwendungssüchtig, arbeitet mit Unterstellungen, usw., usf.

Ich habe auch schon mehrmals bei Therapeuten nachgehakt. Solange sie selbst nicht einsichtsfähig/-willig ist, kann man nix machen.
Ab Sommer wird sie nach dem Abi eine Ausbildung beginnen und somit gezwungenermaßen unseren Haushalt verlassen. Ich hoffe, dass das Leben sie gerade rücken wird. Ansonsten kann ich es auch nicht ändern.  :exclam:

Viele liebe Grüße, auch an Xe,
Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 14.03.2013 21:43




(@engelherz)
Rege dabei Registriert

Hallo vj

Auch ich bin "Patchwork-Mama" mit einem knapp 17 Jährigen Junior welcher bei uns lebt und einen schlechten Kontakt zu seiner Mama hat.
& auch bei uns zeigt sich die selbe Symtomatik.
Junior lügt, entzieht sich jeglicher Verantwortung und wenn man die fehlbare Situation aspricht wird er äusserst aggressiv und sieht sich in der Opferrolle aus der er für sich nur den Ausweg sieht, sich komplett von der Welt abzukapseln.
Für mich auch immer wieder äusserst beängstigend ihn da so zu sehen mit diesem kalten, hasserfüllten Blick!

Leider ist wie bei Uli`s Tochter auch unser Junior nicht willig, sich helfen zu lassen.
Wir hoffen auch inständig, dass das Leben selbst im helfen wird....

Liebe Grüsse aus der Schweiz


AntwortZitat
Geschrieben : 15.03.2013 10:59
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi Uli,
Hi engelherz,

Danke erst mal für eure Antworten, auch wenn sie keine positiven Nachrichten enthalten...

Ich hoffe sehr, dass wir unsere Kleine jetzt mit 13 noch früh genug "erwischen" und ihr helfen können, einen anderen Weg einzuschlagen. Aber wie ihr beide sagt: der Teenie muss sich helfen lassen wollen.
Wenn L. "normal" ist, dann ist sie ja echt lieb und hilfsbereit und sagt auch selber, dass sie nicht so oft wütend sein möchte - aber das ist alles wieder weg, wenn sie einen "Anfall" hat...

Wie geht es euch mit dieser Situation?
Ich denke, es ist total schwer, zu akzeptieren, dass man echt nichts tun kann, wenn der Teenie nicht will. Ich weiß nicht, ob ich das aushalten kann, wenn es bei uns auch so weit kommen würde...

Wünsche euch ganz viel Kraft!

@Uli: Hab die Grüße an Xe ausgerichtet - Grüße zurück! 🙂

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 15.03.2013 12:09
(@diskurso)
Registriert

haben wir nun die Befürchtung, dass die Borderline-Verhaltensweisen, die L. in ihrer Kindheit, in den prägenden Phasen miterlebt hat, sich nun wieder zeigen.

Guckst Du hier:
http://www.borderline-borderliner.de/borderline/veranlagung.htm


AntwortZitat
Geschrieben : 15.03.2013 15:54
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

Danke!
Wir kannten diese Seite schon und sie ist sehr hilfreich.
Mich haben eben nur auch andere Erfahrungen interessiert.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 15.03.2013 16:12
 Uli
(@Uli)

Wenn L. "normal" ist, dann ist sie ja echt lieb und hilfsbereit und sagt auch selber, dass sie nicht so oft wütend sein möchte - aber das ist alles wieder weg, wenn sie einen "Anfall" hat...

Genauso ist es bei uns auch. Aber so war es auch bei meiner Exe. Sie konnte herzensgut sein, oder der Leibhaftige persönlich.

Als ich die kennenlernte, war sie nur herzensgut. In der Folge eher der Teufel.
Diese Erfahrung macht mir im Hinblick auf meine Tochter natürlich Angst.

Ich versuche aber, es möglichst wenig an mich harankommen zu lassen. Und das ist gut so: gut für mich und für sie.
Wenn ich früher versuchte, zu interagieren, eskalierte die Situation. Das tat mir nicht gut und bewirkte bei ihr das Gegenteil von dem, was ich bebasichtigte. Heute versuche ich nur, uns zu schützen.

Versucht, euch in Gelassenheit zu üben. Ich weiß, dass das schwer bis unmöglich ist. Es aber der Situation nicht dienlich, euch kaputt zu machen.
Ich habe das über viele viele Jahre lernen müssen.

LG, Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 16.03.2013 00:19
(@oldie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin

Habt ihr schon mal probiert bzw. dabei Erfahrung gesammelt, die Eskalation zu forcieren - also bewusst nicht 'beschwichtigend' zu interagieren? Da ich die Situation nicht kenne, möchte ich das keinesfalls empfehlen wollen, nur frage ich mich, was dann an Reaktion rüber kommt/kommen würde? Und wie sieht dazu die Spätreaktion bzw. Reflektion aus?

Dazu gehören zwei Fragen:
Habt ihr Angst?
Weiß sie, daß ihr Angst haben könntet?

Gruss oldie


Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.

AntwortZitat
Geschrieben : 16.03.2013 00:32
(@ginnie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi

die Problematik mit Borderline muss ich mangles Fachwissen / Erfahrung außen vor lassen. Bezüglich der "Ausfälle" von L. möchte ich mal auf die folgende Überlegung aufmerksam machen. zwar auch nur hörensagen, bzw. habe ich wohl mal gelesen irgendwo, aber es erscheint mir logisch und nachvollziehbar: gerade Kinder aus schwierigen familiären Situationen wollen vor allem eins, wenn sie da raus kommen und in eine neue Familie: eine sehr feste familiäre Bindung spüren. Einen starken Halt bekommen. Den müssen sie - natürlich nicht absichtlich - bis zum Maximum austesten. Um zu erkennen, ob die neue Familie Schwierigkeiten wohl aushält, und um sich sicher fühlen zu können: ja hier werde ich geliebt, und hier bekomme ich Grenzen, die nicht willkürlich sind, nicht wechseln, sondern stabil sind. Hier kann ich mich fallenlassen und werde aufgefangen.

ich denke, außer Geduld hilft nur, auch in solchen Situationen irgend einen Weg zu finden, der deeskalierend wirkt. Und der L. signalisiert, dass sie trotzdem angenommen wird. Aber auch ernstgenommen. Und das muss nicht das "nachgeben" sein, oder gar so eine Art Mitleid, das kann durchaus auch Stärke ("Härte") sein. Ich weiß es nicht, denn das ist sicher bei jedem Menschen anders.

Im übrigen ist die Frage, wie jemand einen Konflikt bewältigt, nicht nur damit zu beantworten, wie er es als Kind erlernt hat, obwohl das bestimmt eine große Rolle spielt. Aber das Temperament spielt auch noch eine Rolle. Und, was L. früher bei der Mutter erlernt (abgeschaut) hat, mag prägend sein, aber wie sie heutzutage - bei euch - Erfolg hat (und wenn der Erfolg heißt, sie wird in Ruhe gelassen weil sie das gerade will), ist auch bedeutend.

In gewisser Weise kenne ich dieses Gefühl wenn die Jalousie "runterklappt" von mir selbst in der Pubertät. Meine Mutter hat aus meiner Sicht sowieso alles falsch gemacht und ich habe auch öfter mal die Türen geknallt. Vor Wut. Und wenn es Glastüren gewesen wären, wären sie sicher zerscheppert. Und ich komme nun wirklich nicht aus einem problematischen Elternhaus. meine Eltern sind ganz normale leute, die sich zwar zu oft gezankt haben, aber insgesamt gesehen hatte ich eine geborgene glückliche Kindheit.

Im Nahhinein, wenn ich überlege was mir geholfen hätte, meine unendliche Wut zu bändigen (die eben ab und an mal hochkam), würde ich sagen
- ernstgenommen werden
- mehr ausgesprochenes Lob und Anerkennung von meinen Eltern
- mehr Verantwortungsübernahme, zB Pflichten im Haushalt, um etwas für die Familie beizutragen (das kann auch die Übernahme der Wochenend- oder Ausflugplanung sein...) - obgleich ich das damals niemals so gesehen hätte *grins*
- mehr Grenzen (aber da wollten meine Eltern wohl nicht zu autoritär sein)
- mehr Zeit für mich allein (wir haben recht beengt gewohnt, und ich wollte einfach oft auch nur mal "meine Ruhe")

ligr ginnie


Durch Nachsicht setzt man der Gewalt kein Ende: damit bestärkt man die Gegner nur in der Gewissheit, sie hätten es mit einem Schwächling zu tun, der leicht zu bezwingen ist

AntwortZitat
Geschrieben : 16.03.2013 19:59
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,
und danke für die Antworten.

Versucht, euch in Gelassenheit zu üben. Ich weiß, dass das schwer bis unmöglich ist. Es aber der Situation nicht dienlich, euch kaputt zu machen.

Ja, das gelingt uns mal mehr und mal weniger. Richtig schlimm ist es, wenn wir beide einen anstrengenden Tag in der Arbeit hatten und L. dann auch noch auf Terror-Teenie macht... Dann eskaliert es meistens richtig, weil dann haben wir einfach nicht mehr die Geduld, ruhig zu bleiben. Aber da uns das auch bewußt ist, versuchen wir, an solchen Tagen schwierige Situationen zu vermeiden.

Habt ihr schon mal probiert bzw. dabei Erfahrung gesammelt, die Eskalation zu forcieren - also bewusst nicht 'beschwichtigend' zu interagieren? Da ich die Situation nicht kenne, möchte ich das keinesfalls empfehlen wollen, nur frage ich mich, was dann an Reaktion rüber kommt/kommen würde? Und wie sieht dazu die Spätreaktion bzw. Reflektion aus?

Dazu gehören zwei Fragen:
Habt ihr Angst?
Weiß sie, daß ihr Angst haben könntet?

Interessante Frage, aber ich weiß nicht, was es bringen sollte, sie bewußt zu provozieren...
Sie geht eh schon so wegen jeder Kleinigkeit in die Luft.
Und ja - manchmal haben wir Angst. Wobei Angst vielleicht nicht das richtige Wort ist, sondern es ist eher die Befürchtung, dass bald wieder ein Ausfall kommen könnte, weil wir die Auslöser mittlerweile doch schon ein wenig kennen...
Ob sie das spürt? Sicher irgendwie...

- ernstgenommen werden
- mehr ausgesprochenes Lob und Anerkennung von meinen Eltern
- mehr Verantwortungsübernahme, zB Pflichten im Haushalt, um etwas für die Familie beizutragen (das kann auch die Übernahme der Wochenend- oder Ausflugplanung sein...) - obgleich ich das damals niemals so gesehen hätte *grins*
- mehr Grenzen (aber da wollten meine Eltern wohl nicht zu autoritär sein)
- mehr Zeit für mich allein (wir haben recht beengt gewohnt, und ich wollte einfach oft auch nur mal "meine Ruhe")

Zu den ersten zwei Punkten: da sie so viel lügt, ist das relativ schwierig...
Mehr Verantwortung ist genau einer der Punkte, wo sie regelmäßig einen Anfall bekommt - d.h. wenn man ihr eine Aufgabe übertragen möchte, wird meistens nur abgeblockt und verweigert, außer sie hat einen besonders guten Tag.
Grenzen setzen wir, wo es uns sinnvoll erscheint. Über mehr oder weniger muss man ja mit zunehmendem Alter immer wieder neu nachdenken - aber hier ist sicher noch Feintuning notwendig.
Bzgl. mehr Zeit für sich: sie möchte andauernd bei uns sein, ist sehr selten in ihrem eigenen Zimmer und setzt sich in jeder freien Minute zu uns ins Wohnzimmer.

Zusammenfassend läßt sich wohl sagen:
Ja, sie testet aus, wie weit sie bei uns gehen kann und ob wir sie auch noch lieb haben - das ist offensichtlich. Aber auch extrem anstrengend.
Und das große Problem ist: sie versucht, unangenehme Dinge zu vermeiden, indem sie mit diesen extremen Wutanfällen reagiert. Was mittlerweile dazu geführt hat, dass sie in Mathe wohl die Klasse nicht schaffen wird. Denn sobald man mit ihr lernen möchte, dreht sie voll ab und ist dann überhaupt nicht mehr in der Lage zu lernen. So haben wir viel Zeit verloren und sie ist mit dem Stoff weit zurück...

Wir wissen nicht, wie wir anfangen sollen... Denn eigentlich müßten zuerst die Wutanfälle unter Kontrolle sein, damit sie in der Lage ist, für die Schule zu lernen. Aber das ist in der kurzen Zeit nicht zu schaffen. Und wenn sie dann eine fünf (die schlechteste Note in Ö) nach der anderen kassiert, dann frustriert sie das noch mehr und sie wird noch wütender...
Und wir sollen all das auch noch neben unserer Vollzeit-Arbeit schaffen...
Wenn wir aber die Arbeitszeit reduzieren würden, um mehr Zeit für L. zu haben, dann könnten wir uns die notwendige Nachhilfe und die gute Schule nicht mehr leisten...

Morgen haben wir den Termin beim JA und übermorgen bei der Schule - ich hoffe, wir können gemeinsam einen Weg erarbeiten...
Danke fürs Zuhören...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 18.03.2013 17:21
(@jensb)
Nicht wegzudenken Registriert

Interessante Frage, aber ich weiß nicht, was es bringen sollte, sie bewußt zu provozieren...
Sie geht eh schon so wegen jeder Kleinigkeit in die Luft.

Hab das so verstanden, das ihr eben nicht durch "beschwichtigen" "provozieren" solltet! 😉
Mit pubertären Teens hatte ich zwar noch keine Erfahrung, aber - davon ausgehend, das sie völlig "normal" ist - solltet ihr Euch einmal in ihre Situation versetzen.
Egal wie nichtig der Grund sein mag, weswegen sie sich "pissed" fühlt, wie würde es einem von Euch gehn, wenn Euch irgendwas über die Leber gelaufen ist, und dann jemand permanent mit "Sag doch mal.....", "Ich seh doch, das Du was hast!", "Komm doch runter!" oder "Lass uns drüber reden" malträtiert. 😉 Ich stell mir das ätzend vor!
Versuch kann ja nicht schaden, sie einfach mal für ne halbe Stunde oder ne Stunde links liegen zu lassen! Und wenn sie sich beruhigt hat, das Gespräch suchen!

Nur so ne Idee!


Diskutiere nicht mit Idioten -
Sie ziehen Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort mit Erfahrung!

AntwortZitat
Geschrieben : 18.03.2013 17:29
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

...wenn Euch irgendwas über die Leber gelaufen ist, und dann jemand permanent mit "Sag doch mal.....", "Ich seh doch, das Du was hast!", "Komm doch runter!" oder "Lass uns drüber reden" malträtiert. 😉 Ich stell mir das ätzend vor!
Versuch kann ja nicht schaden, sie einfach mal für ne halbe Stunde oder ne Stunde links liegen zu lassen! Und wenn sie sich beruhigt hat, das Gespräch suchen!

Das mit dem "links liegen lassen", das würde ja auch funktionieren, wenn das nicht genau ihre Absicht wäre...
Denn sie versucht ja, alles unangenehme mit einem Wutanfall zu vermeiden.

Und was macht man dann, wenn etwas Dringendes anliegt, wie z.B. man muss fünf Dinge auf einmal erledigen und hat noch einen Termin und Teenie liegt auf der Couch und spielt Nintendo und weigert sich, auch nur einen Handgriff zu tun?
Wenn in drei Tagen die Schularbeit ist und sie NICHTS gelernt hat und echt in Gefahr ist, sitzenzubleiben?
Oder wenn sie unbedingt zur Freundin gehen möchte, obwohl andere Sachen anliegen und auch ausgemacht wurde, dass sie nicht zur Freundin geht?

Und dann kommt kein normales Teenager-Frustablassen, sondern dann
- fliegen echt irgendwelche Sachen durch die Gegend
- wird ärgstens geflucht
- wird man als Erwachsener beleidigt und beschimpft, wie man es sich von niemandem gefallen lassen würde
- werden Türen geknallt, ohne Rücksicht auf Glas oder Katzen
- schlägt sie sich selber gegen den Kopf
- vergißt sie alle Konsequenzen und Abmachungen, sondern dreht einfach durch
- lügt sie, um ihren Willen zu bekommen
- verweigert sie jedes Gespräch

Und das alles nur, weil man z.B. gesagt hat: "L. kannst du dich bitte anziehen, damit wir losgehen können?" oder "Nein, heute kannst Du nicht zu K., wir müssen noch einkaufen und du hast gestern versprochen, dass du Mathe lernst." oder "L., hast du das Geld für den Schulausflug abgegeben?" oder "Nein, heute gibt es keine Pizza, Du hattest erst gestern eine."

Und der Stimmungswechsel geschieht dann innerhalb von Sekunden.
Da wird dann nicht diskutiert und man kann auch keine Kompromisse aushandeln, weil sie sofort agressiv wird.

D.h. man kann sich auf nichts verlassen, was sie verspricht oder zusagt; man kann sich nicht sicher sein, dass sie Dinge auch erledigt, die man ihr aufträgt (und wenn man sie dann danach fragt, wird sie agressiv, schreit einen an und schmeißt einem irgendwas hin und meint mit "Hab ich halt vergessen!" ist alles wieder ok).
Es ist ein ständiger Kampf, damit Dinge, die erledigt werden müssen, auch erldigt werden.
Mit "einfach links liegen lassen" würden wir die Zügel komplett aus der Hand geben und sie würde weder Schule noch Hygiene in den Griff kriegen.

Wir haben das teilweise versucht und das Ergebnis war ein extrem schlechtes Halbjahreszeugnis und dass sie teilweise eine ganze Woche ungeduscht in den selben Klamotten rumgelaufen ist.
Wir versuchen jetzt schon, die wichtigen von den unwichtigen Dingen zu trennen, d.h. dass das Zimmer ein einziger Müllhaufen ist, wird z.B. ignoriert - aber wir müssen doch was tun, wenn sie in Gefahr ist, dass sie die Klasse wiederholen muss... Und auch dass sie mit uns umspringt wie mit Dienstboten und sich meistens konsequent weigert, auch nur einen Handgriff zu erledigen, das ist nicht ok.... Oder dass sie Dinge einhalten soll, die sie zugesagt hat - wo soll sie das lernen, wenn nicht bei uns?

Wir haben aktuell also die Wahl: Ständig gegen sie kämpfen oder die Zügel aus der Hand geben und sie zu einem asozialen Wesen werden zu lassen.
Bei ihr gibt es nur schwarz oder weiß.

Bei einem "normalen" Kind würde ich sagen, dass es auch den Mittelweg gibt, an die Vernunft des Kindes zu apellieren und zu erklären, welches Verhalten ok ist und welches nicht - aber bei L. bringen diese Gespräche nur dann was, wenn sie eine gute Phase hat.
Sobald irgendetwas gegen ihren Willen läuft, hat sie alles vergessen, was wir mit ihr besprochen haben und was sie auch zugesagt hat. Dann ist alles egal und sie dreht durch...
Das geht weit über normales pubertäres Verhalten hinaus...

Und es fällt mir so schwer, Dinge zu überprüfen und zu kontrollieren, weil das einfach bei einer 13jährigen nicht mehr notwendig sein müßte.
Aber wenn man ständig angelogen wird und dann auch noch angebrüllt und beledigt wird, wenn die Lüge aufgedeckt wird (z.B. wenn dann die Lehrerin anruft...), dann geht man irgendwann dazu über, alles nachzuprüfen.
Denkt man dann, dass es nun eh wieder gut läuft und kontrolliert mal eine Woche nicht mehr - dann fällt sie sofort in das alte Verhalten zurück und tut auch nichts mehr.

Und irgendwie kann einem da keiner helfen, weil niemand täglich mit ihr zu tun hat...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 18.03.2013 18:04




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