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Wie geht Ihr mit dem Leid um?

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(@Platt)

Hi,

das unendliche Leid. Seit Tagen geistere ich um dieses Thema rum. Die Frage von @Milan hat mich richtig getroffen. Auch die anderen Posts dazu haben mich mit Lichtgeschwindigkeit wieder in mein Jammertal katapultiert.

Ich werde einmal meine Gedanken zu diesem Thema niederschreiben.

Ich bin wirklich erstaunt welche Schicksale es hier bei Vs. gibt. Wie viel Energie aufgewandt wird nur um ein paar Stunden mit seinem Kind zusammen sein zu können. Teilweise bis zur absoluten Selbstaufgabe um dann nach jedem Umgang dann wieder ins absolute Nichts abzutauchen. Täglich der Kampf um die eigene Existenz, die daraus resultierenden Krankheiten und finanzielle Einbußen.

Auf die Entwicklung der Kinder habe ich doch schon lange keinen Einfluss mehr. Punktuell kann ich versuchen alle 14 Tage gewisse Verhaltensbasics den Kindern zu vermitteln. Aber das ist doch alles spätestens nach 2 Tagen bei der KM wieder Geschichte. Auch ich habe versucht, meinen Kindern alles recht zu machen. Ich wollte auch der liebe Papa sein. Jedes Mal wenn ich die Kinder zurück gebracht habe, war in mir nur noch Leere und Traurigkeit.

Die immer wieder kehrende Frage, ist es das alles wert. Vor noch gar nicht so langer Zeit hätte ich ohne zu zögern ja gesagt. Heute bin ich mir gar nicht mehr so sicher.

Ich fange an die gesellschaftlichen Spielregeln zu hinterfragen. Ich bin auch nicht mehr bereit, mir einen Rucksack nur mit Pflichten aufzubürden. Bedingt durch meine Unzufriedenheit bezüglich unseres Familienrechts habe ich auch viele soziale Kontakte verloren. Ich nerve andere, die nicht betroffen sind mit diesem Thema. Selbst wenn sich die Neue nicht in das Thema einmischt, ist es doch auf Dauer sehr nervig für die LG. Stellt sich dann die Frage, wann auch eine neue Partnerin endgültig die Schnute voll hat.

Ich stelle mir oft die Frage, warum ich nicht wie hunderttausende von Männern sein kann, die mit Scheidung auch mit ihren Kindern abgeschlossen haben. Klar verurteile ich diese Väter und kann nicht verstehen wie man seine Kinder so negieren kann. Ich muss aber zugeben, dass ich mittlerweile die Väter ein wenig beneide. Sie müssen außer Unterhalt sich um nichts mehr kümmern. Die haben nicht meine Probleme, Ängste und vor allem die Traurigkeit. Sie beginnen ganz einfach ein neues Leben. Vielleicht mit neuen Kindern, mit der Erfahrung aus der ersten Beziehung.

Ich/wir reiben uns über 10,15 oder vielleicht auch 20 Jahre auf. Stets begleitet uns das eigenes Elend. Irgendwann sind die Kinder erwachsen und wenn wir Glück haben, besuchen sie uns auch weiterhin regelmäßig. Alleine das halte ich momentan in unserer mobilen Gesellschaft für einen Traum. Dann stehe ich da, mit ruinierter Existenz, vielleicht krank aber auf alle Fälle ohne Zukunft. Ob ich irgendwann dann wieder die Kraft habe, mein Leben in geordnete Bahnen zu lenken, ich weis es nicht.

Das scheint jetzt ganz böse, verbittert und hartherzig klingen was jetzt kommt.

Ich werde mich von gewissen gesellschaftlichen Regeln verabschieden. Auch solche Sprüche, das Kind braucht beide Elternteile, oder liebst Du Deine Kinder nicht, die KM kriegt doch gar nichts gebacken da musst Du eingreifen usw. beeindrucken mich nicht mehr. Ich werde in Zukunft erst einmal in allen Belangen an mich denken. Meine Tür steht für die Kinder immer offen. Wenn sie dann wollen, und das ich auch wichtig, ich Zeit habe, können sie zu mir kommen. Ich werde lernen müssen, vieles was ich so wieso nicht verändern kann als gegeben hinzunehmen. Ich habe für mich entschieden, der KM keine Macht mehr über mich zu geben.

Ich will auch nicht mehr alle 14 Tage mit den Tränen kämpfen.

Frustrierte Grüße

Platt


AntwortZitat
Geschrieben : 05.09.2006 15:23
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin Milan,

Im laufenden Kalenderjahr ist mein Umsatz -nach grober Überschlagsrechnung- um 2/3 eingebrochen. Dumm ist, daß ich betreffend Unterhalt die letzten 3 Jahresabrechnungen einreichen musste und sich dementsprechend wohl ein hoher EU errechnen wird, den ich faktisch aber auf gar keinen Fall bezahlen kann. Das macht mir sehr große Sorgen.

Ich mache da mal einen Einwurf: Die Kiste mit den drei Jahren ist eine Krücke, der man sich stellen kann - oder auch nicht. Ich habe es nicht getan, sondern klar gemacht, dass für mich nur die aktuellen Umsätze von Belang sein können - für die Einkünfte der Vergangenheit kann ich mir heute schliesslich nichts mehr kaufen; diese Kohle ist längst ausgegeben. Als der Gegenanwalt deshalb dicke Backen machte, habe ich ihn freundlich angelächelt und ihm sinngemäss gesagt, dass ich nur zu einer vollschicktigen Tätigkeit, aber nicht zur Selbständigkeit verpflichtet sei. Wenn ihm das nicht passe, könne ich auch Taxi fahren oder kellnern und mittags um 5 die Füsse hochlegen.

Will heissen: Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche fassen. Wovon sollst Du Unterhalt bezahlen, der auf heute nicht mehr realistischen Annahmen beruht? Ich an Deiner Stelle würde EU auf der Basis Deiner heutigen Einkünfte anbieten - und fertich! Und damit winken, dass - falls der Gegenseite das nicht reicht - es in Deutschland eben einen weiteren HartzIV-Empfänger gibt. Natürlich kannst Du auch anführen, dass Du als Freiberufler genügend Freizeit hast, um Dich anteilig um die Betreuung Eures Sohnes im Form eines Wechselmodells zu kümmern und Madame eine Teilzeit-Berufstätigkeit zu ermöglichen.

Dass man einen freiberuflichen Künstler nicht mit dem Betreiber einer Imbiss-Bude ("...gegessen wird immer...") vergleichen kann, sollte jedem Richter einleuchten. Mich hat am Ende jedenfalls niemand niemand mehr zu zwingen versucht, etwas anderes vorzulegen als meine aktuellen Einkünfte...

Grüssles aus'm Wilden Süden
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 05.09.2006 15:47
(@bengel)
Registriert

hallo zusammen,

ja, wie geht man mit dem leid um? nach dem ich nun die scheidung fast 1 jahr hinter mir habe, das ende einer vielversprechenden karriere in kauf genommen habe, um zu retten, was nicht mehr zu retten war, spüre ich kein leid mehr. die kinder sind nun 13 und 17 und flügge. eine 14 tageregelung greift in dem alter nur bedingt. ich sehe sie so oft ich kann, die kleine bleibt auch schon mal über nacht. wir telefonieren fast jeden tag, das verhältnis ist entspannt, genauso zu der EX und KM (auf beiden ebenen). mir kommen nur in den situationen die emotionen hoch, in denen ich eltern mit jugendlichen sehe, die gemeinsam einkaufen, lachen und ihren spass haben.

das war mein lebenstraum.

ich fühle mich wieder wohl in meiner haut. das selbwertgefühl, anfangs völlig dahin, kehrt langsam zurück. ich geniesse in vielen belangen meine neu gewonne unabhängigkeit und habe auch nicht unbedingt das verlangen nach einer neuen partnerschaft, die diese unabhängikeit wieder einschränkt. wenn es "funkt", gut, wenn nicht auch gut. ich bin mir wieder selbst genug und von niemandem mehr emotional abhängig.

so langsam baue ich mir auch einen neuen freundeskreis auf, der alte ging mit der trennung verschütt. es ist wie ein neues leben und das langsam wachsende positive lebensgefühl hatte als basis diese für mich furchtbare "jammertal" der trennung und scheidung anch 25 jahren ehe.

kurz gesagt: ich lebe wieder und fühl mich wohl in meiner haut. ich weiss, es ist erst der anfang und bin sicher, es wird noch besser.

ich glaube, man muss erst am ende sein um den blick für die wesentliche dinge des lebens frei zu bekommen.

in so fern bin ich dem leid dankbar.

ich hab nun einen neuen lebenstraum: das ICH im hier und jetzt

gruss

bengel


AntwortZitat
Geschrieben : 05.09.2006 15:54
(@Platt)

Hi,

ich glaube, man muss erst am ende sein um den blick für die wesentliche dinge des lebens frei zu bekommen.

dieser Satz ist in meinem Augen richtig gut. Klasse. Genau damit hast meine Situation 1000% in ganz wenigen Worten erfasst.

Platt


AntwortZitat
Geschrieben : 05.09.2006 16:01
(@milan)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

@Brille:

Die Kiste mit den drei Jahren ist eine Krücke, der man sich stellen kann - oder auch nicht. Ich habe es nicht getan, sondern klar gemacht, dass für mich nur die aktuellen Umsätze von Belang sein können

Na wunderbar!? Mein Anwalt sagte mir kurz vor seinem Abflug in den Urlaub, daß ich diese Unterlagen der letzten 3 Jahre einreichen müsse. Ich also Steuerberater damit beauftragt -was wieder eine neue Rechnung produzierte- und dann hat mein RA das der gegnerischen RAin geschickt. Die sofort gemault, weil irgendwas fehlte. Kommentiert hat sie dies mit dem Satz "Da Ihr Mandant über ein sehr hohes Einkommen verfügt gehen wir davon aus, daß er mit der Berechnung einverstanden sein wird".

Stimmt auch. Ich hatte von 02-05 ein klasse Einkommen. Habe viel davon für die Familienzukunft zur Seite gelegt. KM bestand dann auf Umzug und ich das GESAMTE Ersparte in die Renovierung vom neuen Haus gesteckt. 6 Wochen später war sie weg. 8 Wochen später die erste Zahlungsaufforderung mit dem Vermerk auf mein hohes Guthaben. Wohlwissend, daß ich das komplett fürs Haus ausgegeben habe. Hab dann nur KU bezahlt, Unterhaltsklage läuft und dürfte wohl in der Verhandlung am 25.09. entschieden werden.

Da KM mir schon ein paar Mal den Gerichtsvollzieher vorbei schickte (ein sehr netter Kerl) hatte ich Gelegenheit mich zu informieren. Er riet mir zur Privatinsolvenz, sofern das alles so auf mich zu kommt, wie es z.Z. scheint.

Aber Du hast natürlich vollkommen recht. Als Künstler ist es eh hart genug überhaupt überleben zu können. Einen horrorhohen EU zu berappen grenzt an Unmöglichkeit, wenn man zeitgleich diesen massiven Druck im Rücken hat. Ich könnte Taxi fahren, richtig. Hab auch schon annen Job bei nem Kurierdienst gedacht.

Naja, bisher hab ich ja ganz gut überlebt und ohne EU zahlen zu müssen komme ich auch gut über die Runden. Sollte aber eine Zahlungsaufforderung kommen von monatlichen 1000+ oder so, habe ich absolut keine Chance auch nur 1 Monat EU zu zahlen. Dann bricht mir alles zusammen, kann das Haus nicht halten, Auto, usw usw. Das alte Leid eben. Sie wird nicht eine Zahlung von mir erhalten KÖNNEN.

Und das Ganze, weil ich gerade mal 2,5 Jahre mit der geldgeilen Kuh verheiratet waren. Obwohl, das ist falsch. Sie kann nicht geldgeil sein, denn sie weiß ja, wie es in Wirklichkeit um mich steht. Zudem verdient sie selbst 1500 netto monatlich. Sie will mich vernichten, ruinieren. Denn wer kaputt ist wird nicht mehr um seinen Sohn kämpfen.
Jedoch hat sie sich da gewaltig geschnitten.

Ich werde Deine Anregung an meinen RA weiter geben und in der Verhandlung werde ich mich auf meine leeren Taschen beziehen. Hab ja eh kenine andere Wahl. Ich habe nix, das ich der KM zahlen könnte. Derzeit würde ich sogar sagen, daß sie ein wesentlich gesicherteres Einkommen hat als ich.

@Bengel:
Du bist schon einige Zeit länger dabei als ich. Nach meinen "nur"  9,5 Monaten bin ich noch vollkommen entfernt davon den Kampf um meinen Kleinen aufzugeben und die Trennung von ihm zu akzeptieren. Geht nicht. Zumal ich genau weiß, daß es ihm nicht gut geht. Mit nicht ganz 3 Jahren fristet er seine ganzen (!) Tage in einer Kita und jedes 2te WE gibt die KM ihn bei Bekannten ab, weil sie da Fortbildungen hat. Der muß da raus, da es ihm nicht gut geht. Er hat einen Papa, dem sogar volle Erziehungseignung attestiert wird. Und er liebt seinen Papa sehr, was sogar die VP attestiert hat (zumindest zwischen den Zeilen). Ich kann ihn besser betreuen als irgendne Kita oder irgendwelche Bekannten. Die Zeit, die die KM nicht arbeitet und nicht auf Fortbildung ist, kann er ja zu ihr.

Gruß,
Milan

PS: Da sie mir offiziell und auch in der Mundzumundpropaganda Teufelsanbetung, Okkultismus und Katzenkillerei vorwarf, sind mir sogar 3 Kunden abgesprungen. Einer davon war einer meiner Hauptgeldgeber.


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 05.09.2006 16:29
(@milan)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

@ alle:

Ich glaube über diesen Thread haben wir alle Gelegenheit uns alle etwas besser kennen zu lernen, bzw die Dinge "hinter den Postings" etwas besser zu verstehen. Ich bin zutiefst entsetzt darüber, wieviel Leid hier vorherrscht und wie einst gute Existenzen regelrecht vernichtet werden. Ich dachte es hilft mir und es ginge mir danach etwas besser. Geteiltes Leid....

Aber ich glaube wir werden alle nur noch bestürzter. Mann ist das ein Hammer.

Milan


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 05.09.2006 16:48
 Mux
(@mux)
Registriert

Hi @all,
ein paar meiner Gedanken dazu:

Ich denke weniger über meinen Gram oder Frust nach, sondern darüber wie die Zukunft sich mit meinem Sohn gestalten oder entwickeln kann oder wird. Das macht mir etwas Angst. Meine Meinung nach wird zu viel über den eigenen Schmerz nachgedacht und auch hier zu wenig an das Kind gedacht. Ein erwachsener Mann und Vater hat die Aufgabe eben ein Vater zu sein – oder mehr über diese Rolle nachzudenken, diese zu definieren. Also mehr über Vatersein nachzudenken, als den momentanen Schmerz zu mächtig werden zu lassen. Vater werden – einfach (altbekannt) aber Vater sein, was bedeutet das vor allem für Trennungsväter?

Bin ich Vater, wenn ich mein Kind nur alle 14 Tage oder seltener sehe, kann ich es erziehen, ihm ein Vorbild sein, mein Kind prägen und ihm beibringen, was ich für wichtig halte? Wie sieht mich mein Kind? Was lernt es von mir? Was kann ich ihm in der kurzen Zeit beibringen? Oder ist Erziehung unter diesen Bedingungen nicht möglich und muss ich das akzeptieren? Also den Besuch des Kindes als das nehmen, was es ist - nämlich als Besuch? Und mich halt als Onkel, Spaßpapi verstehen? Wer will das? Was folgt daraus? Oder ist da doch mehr?

Ich habe gerade ein wunderschönes WE mit meinem Sohn hinter mir, aber alles was ich an erzieherischen Maßnahmen für wichtig halte, ist grandios gescheitert, z. B. Verhalten am Tisch...ich kann mit meinen zwei Tagen nicht gegen die zwölf Tage der Mutter an. Das macht mich wütend und traurig, gerade wenn man falsche Entwicklungen sieht, die extrem wichtig für das Kind sind (z.B. falsche Ernährung bei Kleinkindern). Und nur Geschrei (ohne Effekt) will man ja auch nicht provozieren in der kurzen Zeit, das Kind soll ja glücklich sein und Spaß haben und sich wohl fühlen. Also zu Mami lieb, damit es das Kind gibt und zum Kind lieb, damit es keinem Stress gibt? No way!

Ich wollte immer erziehen und habe in Kauf genommen, das das Kind auch mal heult. Das gehört dazu. Ohne Grenzen aufzuzeigen kann man nicht Vater sein.

Was hat das mit der ursprünglichen Frage von Milan zu tun? Gefühle, die man hat, hat man, aber man kann lernen sie zu steuern. Ich empfinde keinen Schmerz, wenn ich mein Kind wieder abgebe. Klar, ich finde fast immer schade, dass das WE vorbei ist, und wenn ich dann meinem Süßen bei der Übergabe nur noch hektisch eine Abschiedskuss unter Aufsicht von Mami geben kann, und die Tür hinter mir schließe, muss ich auch tief durchatmen.

Diese 10 min Leisetreterei bei der Übergabe empfinde ich immer als den schlimmsten Moment überhaupt, weil ich mich dann hasse, den Mund zu halten, und Mama hat das Reden, denn sonst gibt es ja Streit. Bin ich da schon vor dem Kind der Trottel, der keine Wiederworte gibt, und wo die Macht auch vor den Augen des Kindes klar verteilt ist? Papa hat nur was zu sagen, wenn Mama nicht da ist? Und hat da das Kind nicht recht? Anschließend denke ich darüber meistens nach, wie ich dieses Problem löse, anstelle über den Trennungsschmerz nachzudenken.

Wenn ich die Spielsachen aufräume, denke ich an die schönen Momente des WE, warum soll ich da Frust haben? Und ehrlich gesagt,  ein komplettes Wochenende ist mit einem fast Dreijährigen auch ziemlich anstrengend, wenn man sonst voll arbeitet. Also genieße ich den freien Abend. Bier auf, Füße hoch oder ab zu Freunden oder Freundin je nach dem.

Neulich hat meine Ex kurzfristig ein WE ausfallen lassen (Anruf auf der Arbeit zwei Stunden vor der Übergabe), war schönes Wetter, bin dann ins Strandbad, Schwimmen gefahren, war auch schön. Hab nur ein Leben, das lasse ich mir nicht von der Ex aus der Hand nehmen.

Vor zweieinhalb Jahren ging das Theater los. Sie sich getrennt, als alleinerziehend deklariert und ich konnte von heute auf morgen meinen 4 Monate alten Sohn nur noch ab und zu sehen. Ich dachte damals, das kann nur mir passieren, und ich wäre der einzige Vater auf der Welt, der einen (supersüßen) viermonatigen alten Sohn verlassen muss. Ich habe mich über anderthalb Jahren zermürbt, alles versucht zu vermeiden, was Streit macht, habe jeden – ich sag mal – Babysitting Termin wahrgenommen, alles abgenickt und versucht den Vater zu spielen. Ich habe in der Zeit Frauen gehasst, sorry, war aber so, weil alle Frauen waren in meinen Augen so wie meine Ex. Wollte keine neue Freundin kennen lernen, meine Freunde habe sich auf zwei reduziert und auf der Arbeit habe ich mich isoliert, weil ich keinerlei Lust auf Kommunikation mehr hatte. Ich hatte totalen Frust, habe meine Ex gehasst und meinen Sohn vermisst und jedes sinnlose Gespräch mit der Ex hat mich weiter runtergezogen, weil es in meinem Leben nix mehr Positives gab, das das hätte ausgleichen können. Beim Umgang mit meinem Sohn fiel es mir immer schwerer den gutgelaunten Daddy zu spielen und meine Energie nahm ab, mir wurde irgendwie alles egal. Gedanklich gab es eine Spirale nach unten, weil ich nur noch über die Ex, das Leiden meines Sohnes und meinen Kummer nachgedacht habe und alles darum kreiste. 

Eines Abends habe ich radikal einen Schlussstrich unter mein 1.5 Jahre dauerndes Jammerleben gesetzt, nachdem ich darüber nachgedacht habe, warum es mir eigentlich schlecht ging. Es war nicht mehr mein Leben! Ich wurde fremdbestimmt. Ich habe nur reagiert (mit Frust auf die Aktionen der Ex), und selber nix mehr angepackt. Mir ging es ja so schlecht. Yep!!

Dann habe ich folgendes gemacht: Als erstes habe ich die Punkte des Umgangs angesprochen, die ich nicht mehr bereit war, mit zu tragen. Es eskalierte vorhersehbar. Ich sah den Kleinen weniger (Streichung des Umgangs unter der Woche in ihrer Wohnung, war aber für mich eh fast unerträglich), dafür waren ihre freien Abende weg. War schön das Gefühl, dass auch sie mal Nachteile hinnehmen musste. Den Umgang am WE habe ich umso mehr genossen. Weitestgehend die Kommunikation mit der Ex aufs notwendige reduziert. Diese zwei Aktionen habe mich wieder aufleben lassen. Als nächstes habe ich mir eine Freundin gesucht. Ich brauchte ein paar Anläufe (eine hat mich verlassen, weil sie mit der Zweitfrauenproblematik nicht zurechtkam), mit meiner jetzigen bin ich inzwischen gut ein Jahr sehr glücklich zusammen.

Mir geht es gut, so gut wie es mir ging, bevor ich Vater wurde. Ich lass die Ex nicht mehr in meine Gedanken, ich tue was ich tun muss (Gericht, Anwalt einschalten), email schreiben oder sonst was, aber eben wie eine Arbeit. Arbeit erledigt, gut. Keinen überflüssigen Gedanken dran verschwenden. Ich habe ein Wochenendhäuschen auf einem Waldgrundstück mit meinem Freund gemietet, mache Sport, habe das Rauchen aufgegeben und suche zur Zeit hauptberuflich eine neue Wohnung mir meiner Freundin 🙂

Ich habe mich an den Haaren ein wenig selber aus dem Sumpf gezogen, weil ich für meinen Sohn Vater sein wollte, und dafür muss ich zuallererst an mich denken. Das halte ich mir immer vor Augen, wenn mich mal wieder der Frust packen sollte. Weil ich meinen Sohn eine positive Sichtweise des Lebens und der Welt vermitteln möchte und dafür muss ich diese erst mal selber haben.

Platt hat IMHO sehr schön gesagt:     

Ich werde in Zukunft erst einmal in allen Belangen an mich denken. Meine Tür steht für die Kinder immer offen. Wenn sie dann wollen, und das ich auch wichtig, ich Zeit habe, können sie zu mir kommen. Ich werde lernen müssen, vieles was ich so wieso nicht verändern kann als gegeben hinzunehmen. Ich habe für mich entschieden, der KM keine Macht mehr über mich zu geben.

LG, Mux


AntwortZitat
Geschrieben : 05.09.2006 20:12
(@bengel)
Registriert

Hi @milan,

du hast eine komplett andere situation. alters- und umständebedingt. ich möchte lieber nicht wissen, wie es bei uns gehen würde, wären die kinder noch klein.aber die vorstellung bringt mich heute eh nicht weiter. alo lass ichs und denke an heute.

dir weiterhin viel mut und halt durch

bengel


AntwortZitat
Geschrieben : 05.09.2006 21:59
(@milan)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Ich beneide Euch Väter, die Ihr die Größe habt los zu lassen und Euch wieder auf Euer eigenes Leben konzentriert.

@ Bengel:

dir weiterhin viel mut und halt durch

Ich habe das zweifelhafte Glück, daß ich nichts mehr zu verlieren habe. Daher werde ich durch halten.

Und immer, wenn ich ihn nach einem Umgangs-WE zurück bringe, dann die KM auf der Bildfläche erscheint, er sie kommen sieht, sich an mich klammert, sich seine kleinen schwarzen Augen sofort mit Tränen füllen und er leise zu mir sagt "Papa, ich will nicht mit der Mama mit müssen!" - dann weiß ich, daß ich diesen Weg bis zum Ende gehen werde. Für ihn. Nur für ihn. Ich kann nicht anders.

Nach jeder Rückübergabe bekomme ich zu Hause Heulanfälle, dauern jeweils etwa 2 Stunden. Danach geht es besser. Und dann geht es weiter auf diesem höllischen Weg. Irgendwann wird er eine Ende finden.

Milan


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 06.09.2006 00:34
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