Hallo Ihr Alle,
ich lese jetzt schon ein paar Tage in diesem Forum und es ist mir passiert, daß ich heulend vor dem Bildschirm saß.
Ich bin so entsetzt darüber was "Mütter"??? alles tun oder nicht tun, damit Väter ihre Kinder nicht sehen.
Eigentlich bin ich auf der Suche nach einem Leidensgenossen bzw. Genossin, aber irgendwie scheint hier niemand mein Problem zu haben, oder ich hab ihn noch nicht gefunden.
Ich habe mich nach 20 Jahren Beziehung (12 Jahre verheiratet und davon habe ich 8! Jahre gekämpft, ob ich gehe) von meinem Mann getrennt. Die schwierigste Entscheidung meines Lebens, eben wegen der Kinder.
Es gibt so viele Gründe zu bleiben, aber nur einen Einzigen zu gehen:
Du hälst es einfach nicht mehr aus.
Ich habe einen Sohn D. (11 Jahre) und Zwillinge A. und B. ( 8 Jahre).
Ich bin mit den Kindern dann 400 KM weit weg gezogen (die zweitschwierigste Entscheidung) aber ich mußte einfach weg aus dem Schwabenland, weg aus dem Dunstkreis meiner Schwiegereltern, die mich die ganzen 20 Jahre abgelehnt haben und außerdem bin ich im Rheinland geboren, sodaß ich näher zu meiner Familie und Freundin gezogen bin.
Ich habe mir diese Entscheidung echt nicht leicht gemacht und auch viel mit den Bezugspersonen der Kinder gesprochen (Erzieherin/Kindergarten und Lehrerin) , und D. Lehrerin hat mich auch sehr darin gestärkt, wegzuziehen.
Das war jetzt im September 2003 und die Besuchszeiten beim Vater gestalten sich überaus schwierig und sind mehr oder weniger sporadisch und nicht geregelt.
Er sagt aber, daß er an den Kindern hängt, sie sehen will und sehr darunter leidet, sie so selten zu sehen, aber daran bin ja ich schuld, da ich soweit weg gezogen bin.
Die Initiative geht immer von mir aus !!! ich plane, mache Vorschläge und fahre seit über einem Jahr immer die Hälfte der Strecke, sonst würden die Kinder den Vater überhaupt nicht sehen.
Mein Exmann hat auch ganz klar die Haltung, daß das auch meine moralische Verpflichtung ist, da ich die Entfernung geschaffen habe. Er war einmal hier, um zu sehen wie und wo seine Kinder leben und ein zweites Mal, um D., der seit September 2004 bei Ihm lebt, zu holen.
Selbst an diesem Tag hatte er keine fünf Minuten, um mit den Zwillingen etwas zu unternehmen. Meine Tochter leidet sehr unter der ganzen Situation und kommt natürlich zu der Überzeugung, daß der Papa sie garnicht lieb hat, da er ja keine Zeit für sie hat.
Da ich finde, daß das so nicht weitergehen kann und es für die Kinder ganz wichtig ist auch Regelmäßigkeit zu erleben, hab ich mich hingesetzt und über 2 Stunden einen Plan gemacht für das Jahr 2005.
Jetzt gestaltet es sich natürlich noch schwieriger, da D. anders Ferien hat, als die Zwillinge. Mein Vorschlag war, daß die Kinder ungefähr alle 3 Wochen manchmal auch 4 nach Stuttgart fahren. Das ist aber für meinen Ex vollkommen indiskutabel, da die Fahrerei zu anstrengend,(für Ihn!!!) ist. Ich habe nämlich mit den Zwillingen extra darüber gesprochen, ob sie auch für ein normales Wochenende, ohne Brückentag zum Papa wollen und sie wissen ja die Fahrerei einzuschätzen und die Antwort ist ganz klar Ja!
Ich würde die Kinder auch alle 3 Wochen die Hälfte bringen, obwohl ich nicht weiß, wie ich das finanzieren soll. Die Benzinkosten meines Ex, sowohl privat als auch beruflich zahlt die Firma .
Ich muß dazu sagen, daß ich wieder in einer neuen Beziehung lebe, mein Partner auch Vater ist und seine Exfrau auch eine neue Beziehung hat.
Das bedeutet, daß wir jetzt 5 Erwachsene wegen Urlaubsplanung etc. unter einen Hut bringen müssen.
Mein Exmann hat mir aber zu verstehen gegeben, daß ich ihn mit solchen Problematiken verschonen soll und fragt: Arbeiten Die!!! auch?
Ich bekomme bei jedem Telefonat zu hören, er habe eine 60 Stunden Woche und brauche seine Erholungsphasen. Außerdem sei ihm die Fahrerei zu viel.
Wenn ich ihm die Kinder immer bis nach Stuttgart bringe, nimmt er sie alle 14 Tage.
Meine Jahresplanung habe ich ihm vor 16 Tagen geschickt, er hat sie bis heute nicht angeschaut, schließlich ist er jetzt Alleinerziehender Vater, hat eine 60 Stunden Woche und hat seine Termine (z.B. Elternabend...).
Das würde ich doch sicher auch den Zwillingen erklären.
Ich erkläre überhaupt nichts mehr, denn das ist seine Aufgabe. Im Gegenteil, ich bestärke die Kinder darin, daß Sie ein Recht darauf haben ihren Vater zu sehen und unterstütze sie jetzt darin, das bei Ihrem Vater auch einzufordern.
Die Zwillinge haben Ihn jetzt 10 Wochen nicht gesehen und ich bin soweit jetzt andere Schritte zu gehen. Jugendamt? Familiengericht? Keine Ahnung!
Ich habe auch mittlerweile gehört, daß ich überhaupt nicht dazu verpflichtet bin, dem Vater entgegen zu fahren und will ihm einfach auch mal einen Dämpfer verpassen bezüglich seiner arroganten Haltung.
Das heißt nicht, daß ich nicht mehr fahren möchte, ich versuche echt alles, daß die Kinder Ihn sehen, nur möchte ich, daß er das auch honoriert, weil es eben keine Selbstverständlichkeit geschweige denn eine Verplichtung ist.
Gibt es irgendjemand unter euch, der auch solche Probleme hat?
Was kann ich tun?
Lieben Dank fürs Lesen!
casablanca
Hallo casablanca,
erst einmal herzlich willkommen auf vatersein.de.
LeidensgenossInnen wirst du hier wenige antreffen. Das wird uns aber nicht davon abhalten, dir vielleicht den einen oder Rat zukommen zu lassen.
Meine spontane Idee ist es, dem KV die 20 Wünsche der Scheidungskinder zum Lesen zu geben >hier<.
Sei dir bitte darüber klar, dass du die doch heftige Entfernung zwischen Kindern und Vater hergestellt hast. Und an diesem Nachteil des Vaters musst du partizipieren. Es gibt viele Möglichkeiten hierzu, sinnvoll ist es, wenn ihr euch die Fahrt so wie derzeit teilt.
Versuch ein Vermittlungsgespräch mit dem JA zu führen, Bedingt in der Entfernung wird das JA am Wohnort des KV um Amtshilfe gebeten. Schade, denn ein gemeinsames Gespräch fände ich persönlich besser.
Sollte das nicht fruchten...naja...dann halt auf Umgang klagen. Ob das sinnvoll ist, lasse ich mal offen.
Stärke deine Kinder weiterhin und versuche das Vater-Defizit auszugleichen.
DeepThought
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
Hallo Deep Thought
vielen Dank für Deine netten Worte und für Deine Antwort.
Die zwanzig Wünsche von Scheidungskindern finde ich ganz toll und sie müßten so manchen Müttern von denen hier berichtet wird, übers Bett gehängt werden.
Zitat: Es gibt viele Möglichkeiten hierzu, sinnvoll ist es, wenn ihr euch die Fahrt so wie derzeit teilt.
Was meinst Du mit den anderen Möglichkeiten. Bin froh, über weitere Tipps.
Bis dahin
casablanca
auch ich möchte dich bei vatersein begrüßen, nicht ganz einfach die situation, aber wie deep schon dir mitteilte, du bist die 400 km weiter weg gezogen, von daher ist es für mich selbstverständlich das ihr euch die entfernung teilt. aus trotz jetzt zu sagen seh zu wie du her kommst finde ich nicht den richtigen weg. sicherlich ist auch die art und weise wie dein ex an die sache geht nicht richtig, aber ersteinmal hat er seine kinder verloren 400 km sind mal eben nicht grade um die ecke. auch für deine kinder ist es sicherlich nicht leicht gewessen ihre gewohnte umgebung so einfach mal zu verlassen, freunde nicht mehr zu sehen, die schulkollegen sind nicht mehr da, nette lehrer, all das müssen sie sich neu aufbauen nicht grade einfach für sie, du hängst ja auch an deinen wurzlen, überleg mal wie sich deine kinder fühlen,
aber die situation ist nun mal so, versuche mit deinem exmann irgendwie auf einen nenner zu kommen allein schon wegen eueren kindern,
gruß papa
Ein Satz fiel mir auf:
ch muß dazu sagen, daß ich wieder in einer neuen Beziehung lebe, mein Partner auch Vater ist und seine Exfrau auch eine neue Beziehung hat.
Und dein Exmann ?
Im Gegensatz zu anderen Foren findet man hier relativ viele Leute, die die heisse Phase der Trennung irgendwo überwunden haben (bei allen Einschränkungen und anders liegenden Einzelfällen). So als Grundtenor. Deswegen sind auch die Diskussionen meist stärker kindbezogen und relativ sachlich.
Trotzdem - deswegen meine Frage und wegen der Ausrufezeichen an verschiedenen Stellen in deinem posting - trotzdem sollte niemand vergessen wie er/sie sich damals gefühlt haben. Dein Exmann versucht sich abzugrenzen, sage ich mal so aus dem Bauch. Nicht, dass er seine Kinder nicht liebt, er will vielleicht einfach mit dem ganzen Darumherum (darum auch 'Die!!!' anderen Leute) nichts zu tun haben, weil das für ihn einfach noch zusammenhängt. Der Verlassene hat es in der Regel schwerer. Das übersehen diejenigen, für die es weitergeht nur zu oft (und wollen das auch nicht sehen). Sollte ich recht haben (ich nehme mir das Recht zur Spekulation hier nur, weil es mich an meine Situation vor vielen Jahren erinnert), dann kann ich dir nur den Rat geben, viele Dinge nicht persönlich zu nehmen. Du hast Leid geschaffen. Dazu musst du stehen (nicht die Entscheidung ändern oder dich entschuldigen). Das ist halt der Preis und wie gesagt der Verlassene zahlt zu Beginn einen Höheren. Wenn du das sehen kannst, dann wird es dir leichter fallen, deinen Exmann zu verstehen und die Dinge die er tut, nicht als persönlichen Angriff zu sehen. Das ist eine gute Sache letztlich auch für die Kinder. Sonst kommt ihr in den Strom der Ämter, wechselseitigen Anklagen und Gerichte mit ihrer Eigendynamik.
Aber das ist nicht leicht, sonst gäbe es dieses Forum nicht.
Onsager
Hallo Papa,
Hallo Onsager,
vielen Dank für Eure Antworten!
Viele Dinge, die Ihr sagt, vergesse ich oft und bringen mich neu zum Nachdenken.
Nein mein Exmann hat keine neue Beziehung und will das auch nicht. Nicht allein deswegen, weil D. jetzt beim Ihm lebt.
Er hatte wohl jemanden kennengelernt, aber dieser Frau ganz klar gesagt hat, daß sein Sohn jetzt zu ihm kommt und das absolute Priorität hat und somit eine neue Beziehung nicht in Frage kommt.
Du hast absolut recht, Onsager, er befindet sich, im Gegensatz zu mir, noch immer in der Trennungsarbeit (hat er mir auch gestern wieder am Telefon gesagt) und das vergesse oder berücksichtige ich wohl oft zu wenig.
Also Danke für Deine Worte und Denkanstöße.
Ich werde versuchen es zu beherzigen. Es ist nur manchmal schwierig, da er derjenige war, der zuerst Leid geschaffen hat und das nicht unwissend, den wir haben geredet und geredet und es gab Sätze wie: "Wenn ich Zeit habe, bedauer ich Dich mal" und sowas ist halt noch sehr present bei mir.
Ich bin aber weit davon entfernt, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, nur die Gleichgültigkeit, die ich erlebt habe, hat bei mir vielleicht ein Stück weit Unsensibilität verursacht.
LG casablanca
