Vater bekommt Sorge...
 
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Vater bekommt Sorgerecht aberkannt weil er die falsche Religion hat

 
(@nadda)
Registriert

Hi,

hab ich heute morgen gefunden als ich versucht habe herauszufinden warum ein Kind im Sudan im Gefängnis sitzt, wenn es doch einen Vater hat....

http://www.kath.net/news/46215

LG
Nadda


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 03.06.2014 13:49
(@hampelchen)
Rege dabei Registriert

Also mit Verlaub...

Ja, der Vater bekommt die Kinder nicht, weil er Christ ist.
Aus demselben Grund sitzt die Mutter der Kinder MIT den Kindern in der Todeszelle...

Anbetracht dessen finde ich den Titel extrem geschmacklos, sry.

Das was da im Sudan passiert geht weit, WEIT über Vaterrechtsfragen hinaus.


AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 14:11
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

So berechtigt die Empörung von unserer Warte sein mag: Es geht uns nichts an. Wenn jemand ein Mandat haben kann, sich dazu zu äussern oder Veränderungen zu verlangen, sind es beispielsweise die Vereinten Nationen oder Amnesty International, aber nicht die besserwisserischen Deutschen vom heimischen Laptop aus. Wenn es im Sudan als (mit der Todestrafe bedrohter) Ehebruch gilt, sich vom Islam abzuwenden und Christin zu sein, müssen die Sudanesen dagegen aufbegehren, wenn sie das ändern wollen. In keinem Fall ist es unsere Aufgabe, dort gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

Ich stelle mir gerade vor, die sudanesischen Islamisten würden sich anmassen, gegen die freizügige Badekleidung in unseren Schwimmbädern aufzubegehren, Änderungen zu verlangen oder gar anzukündigen, diese auch gegen den Willen der Betroffenen durchzusetzen. Dasselbe könnte auch für unsere gleichgeschlechtlichen oder Wilden Ehen gelten, für unsere Swingerclubs, unseren Fleischkonsum oder unsere Umweltverschmutzung. Würden wir sagen: "Ja, die haben recht, wir müssen unsere Frauen jetzt auch verschleiern, unsere Homosexuellen steinigen und unsere Autos abschaffen!"?

Toleranz bedeutet nicht, gemeinsam einen Mate-Tee zu trinken und immer einer Meinung zu sein, sondern auch Dinge zu akzeptieren, die einem selbst nicht einleuchten oder sogar den eigenen Überzeugungen diametral widersprechen. Ansonsten gäbe es nicht 193 autonome Staaten auf der Erde, sondern einfach einen einzigen unter deutscher Regie.


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 14:43
(@susi64)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo,

sicher können wir nicht auf die Rechtssituation in einem Land Einfluss nehmen, trotzdem können wir dagegen protestieren, dass jemand aus religösen Gründen zum Tode verurteilt wird bzw. sein Kind nicht bekommt. Da in diesem Fall ja die "falsche" Religion dafür der alleinige Grund ist.

VG Susi


AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 15:44
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Martin,

So sehr ich Deine Meinung sonst schätze, aber hier muss ich definitiv widersprechen.

So berechtigt die Empörung von unserer Warte sein mag: Es geht uns nichts an.

Wenn Menschen wegen ihres Glaubens - mag dieser nun christlich, muslimisch oder sonstwie sein - verfolgt und benachteiligt werden, so geht uns das definitiv etwas an.

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht und daher sind in dieser Sache alle Menschen gefragt, sich für den Schutz dieses Rechts mit ihren jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln einzusetzen.
Da ist der Vergleich mit kulturellen Eigenheiten etwas fehl am Platz.

Bei Menschenrechten dürfen wir nicht wegsehen, uns nicht raushalten.

Und wenn wir aktuell als Mittel nur die Möglichkeit haben, diese Verletzungen öffentlich zu machen, dann ist das so und dann sollten wir dieses Mittel auch nutzen.
Organisationen wie AI oder Open doors haben dann die Möglichkeit, diese Berichte aufzugreifen und vielleicht zu handeln.
Religionsgemeinschaften auf der ganzen Welt haben die Möglichkeit, für diese Menschen zu beten.
Jeder von uns hat immer wieder die Möglichkeit, bei Demonstrationen mitzugehen.
Stein für Stein, Schritt für Schritt - jeder nach seinen Möglichkeiten...

Ich denke auch, dass der Titel hier ein wenig unglücklich gewählt ist, da es primär um die Inhaftierung und Verurteilung der Mutter geht, aber trotzdem finde ich es gut, dass der TO den Artikel verlinkt hat und dass solche Dinge sichtbar werden.
Denn nur so kann man sie bekämpfen (auch wenn man im Moment scheinbar nichts konkretes dagegen tun kann).

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 16:09
(@gardo)
Nicht wegzudenken Registriert

Wenn Menschen wegen ihres Glaubens - mag dieser nun christlich, muslimisch oder sonstwie sein - verfolgt und benachteiligt werden, so geht uns das definitiv etwas an.

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht und daher sind in dieser Sache alle Menschen gefragt, sich für den Schutz dieses Rechts mit ihren jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln einzusetzen.
Da ist der Vergleich mit kulturellen Eigenheiten etwas fehl am Platz.

Bei Menschenrechten dürfen wir nicht wegsehen, uns nicht raushalten.

Das NS-Regime hatte ja auch viele seiner Greueltaten an Menschen einer speziellen Religionszugehörigkeit verübt. Da war "Raushalten" ebenfalls nicht angebrachtl.

Gruss,
gardo


AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 16:19
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin Susi,

sicher können wir nicht auf die Rechtssituation in einem Land Einfluss nehmen, trotzdem können wir dagegen protestieren, dass jemand aus religösen Gründen zum Tode verurteilt wird bzw. sein Kind nicht bekommt. Da in diesem Fall ja die "falsche" Religion dafür der alleinige Grund ist.

von unserer eigenen moralischen Warte hört sich das ja auch richtig an - aber woher nehmen wir die Arroganz, zu behaupten, unsere Ansichten wären hier richtiger und gewichtiger als die anderer Menschen und Religionen? Die Nation, die uns nach 12 Jahren 1.000-jähriges Reich federführend Demokratie beibringen sollte, hat es bis heute nicht geschafft, die (meines Erachtens) unmenschliche Todesstrafe abzuschaffen. Sollten wir jetzt also in den USA einmarschieren, um unsere Vorstellungen von Menschenrechten dort durchzusetzen, notfalls mit Gewalt?

Würdest Du selbst in einem islamistischen Land leben, hättest Du mit einiger Sicherheit höchstens eine rudimentäre Schulbildung genossen, dürftest nicht unverschleiert vor die Tür, würdest nur den Mann heiraten, den andere für Dich aussuchen, und mit eigener Erwerbsarbeit und Selbstverwirklichung wäre es auch nichts. Aber: Die Menschen in diesen Ländern haben sich ihre Religion und ihr Gesellschaftssystem selbst gegeben; niemand sollte sich von aussen ungefragt einmischen. Wie die Geschichte zeigt, geht so etwas regelmässig schief - und wie gesagt: Auch wir wollen von keinem Aussenstehenden dessen Religions- oder Moralvorstellungen aufgezwungen bekommen, weil ihm diese besser oder richtiger scheinen als unsere.

Grüssles
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 16:24
(@nadda)
Registriert

Hi,

ok, den Titel hab ich schlecht gewählt, wenn jemand das besser machen kann dann kann er das gerne ändern. Mir gehts hier auch nicht um irgendwelche politisch korrekten Begründungen. Es ist furchtbar was mit dieser Frau passiert, aber es ist auch furchtbar das mit der gleichen Begründung die Rechte der Kinder mit den Füßen getreten werden und die Rechte des Vaters. Und wenn solche Argumente in diesem Fall der Grund dafür sind das Kind nicht dem Vater zu geben sondern es stattdessen in einem Gefängnis aufwachsen zu lassen dann mag ich mir mal gar nicht vorstellen wieviele andere Fälle es gibt in denen mit der gleichen Begründung ähnliches passiert. Und da bin ich mir fast sicher das es genügend Trennungsgeschichten gibt in denen Kinder mit solchen Begründungen einem Elternteil zugesprochen werden.

Ob wir das nun richtig oder falsch finden ist erstmal auch gar nicht der zentrale Grund gewesen das hier reinzustellen. Sondern einfach die Information das es so sein kann.

Und ja, es gibt furchtbar viele Dinge die ich nicht in Ordnung finde, da finde ich auch im deutschen Familienrecht mehr als genug. Es geht hier auch nicht darum einem anderen Land erklären zu müssen wie Demokratie funktioniert, das versuchen die USA mit besserwisserischer Weise schon lange genug - und deren Form von Rechtsverständnis möchte ich auch nicht haben. Es gibt vermutlich keinen Staat in dem alles toll ist und ich würde sogar sagen eine Regierungsform die immer und überall gerecht ist wird es wohl auch kaum geben können.

LG
Nadda


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 03.06.2014 16:33
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin nadda,

man sollte bei aller Empörung über die "Rechte des Vaters" (die in islamistischen Ländern in der Regel übrigens nicht zu kurz kommen, aber hier wegen seines Glaubens eingeschränkt wurden) vielleicht nicht unterschlagen, dass dieses Kind nach der Scharia die Todesstrafe für seine Mutter jetzt erst einmal um zwei Jahre nach hinten verschiebt. In diesen zwei Jahren gibt es vielleicht die Chance auf eine diplomatische Lösung oder einen Gnadenakt. Insofern kann ich das jetzt nicht furchtbar schlecht finden; für einen Säugling ist es erst einmal egal, ob er im Knast oder in "Freiheit" aufwächst, solange seine Versorgung gesichert ist.

Grüssles
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 16:44
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi Martin,

von unserer eigenen moralischen Warte hört sich das ja auch richtig an - aber woher nehmen wir die Arroganz, zu behaupten, unsere Ansichten wären hier richtiger und gewichtiger als die anderer Menschen und Religionen?

Meiner Meinung nach hat das nichts mit Arroganz zu tun, wenn man für die grundlegenden Menschenrechte eintritt und mit angemessenen Mitteln auch versucht, die Einhaltung dieser Rechte in anderen Ländern zu fordern.

Wenn man das Recht auf Religionsfreiheit ansieht, dann geht es hier - wie in dem Wort schon enthalten - um Freiheit. D.h. jemand, der dieses Recht einschränkt, drückt anderen Menschen seine eigenen Vorstellungen auf und unterdrückt diese.
Wenn wir nicht mal mehr gegen sowas aufstehen und wenn uns nicht mal das noch stört... - was soll uns dann noch stören?
Wenn jemand zum Tode verurteilt wird oder wenn ihm seine Kinder weggenommen werden, nur weil dieser Mensch es wagt, eine andere Religion anzunehmen und wir nehmen das einfach so hin - was sagt das dann über uns aus?

Wenn wir eine Verletzung der Menschenrechte mit "das ist eben die Kultur in diesem Land" abtun und uns das nicht mehr berührt, dann sehe ich echt schwarz für diese Welt...

vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 16:46




(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin vj,

Meiner Meinung nach hat das nichts mit Arroganz zu tun, wenn man für die grundlegenden Menschenrechte eintritt und mit angemessenen Mitteln auch versucht, die Einhaltung dieser Rechte in anderen Ländern zu fordern.

das behauptet doch niemand. Aber ein solches angemessenes Mittel wäre in einem solchen Fall beispielsweise eine Eingabe an den Menschenrechtsrat der UN. Und wenn sich in dessen Gremien keine Mehrheiten finden, die solche Vorgänge ächten und sanktionieren, ist das eben so. Sollte man dann stattdessen Söldner-Armeen zusammenstellen und einmarschieren?

Wenn man das Recht auf Religionsfreiheit ansieht, dann geht es hier - wie in dem Wort schon enthalten - um Freiheit. D.h. jemand, der dieses Recht einschränkt, drückt anderen Menschen seine eigenen Vorstellungen auf und unterdrückt diese.

Es kommt uns in unserer (mit dem Leben vieler Menschen erkämpften) freiheitlich-demokratischen Grundordnung zwar manchmal so vor, aber "Religionsfreiheit" bzw. "religiöse Selbstbestimmung" ist eben KEIN globales Menschenrecht, das in allen Ländern der Erde gilt; am wenigsten in Ländern mit einer Staatsreligion. Es ist ein Luxus, den sich vergleichsweise wenige Länder leisten.

Wenn wir nicht mal mehr gegen sowas aufstehen und wenn uns nicht mal das noch stört... - was soll uns dann noch stören?

wie ich schon schrieb: Stören darf Dich das ja; Du darfst auch eine Eingabe an die UN machen. Ich wehre mich nur gegen das "am deutschen Wesen soll die Welt genesen", das sich von unserer Warte so easy anfühlt. Glaub mir: Einen überzeugten Islamisten stört es ganz gewaltig, wie wir "Ungläubigen" miteinander umgehen; wie wir leben, uns ernähren und uns kleiden, dass wir miteinander in die Kiste steigen, ohne verheiratet zu sein. Darf er deshalb eine Bombe dazwischenschmeissen, um seinen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen?

Moralvorstellungen und ihre Konsequenzen sind höchst individuell. Wenn Du auf dem Staatsgebiet bestimmter US-Bundesstaaten einen Mord begehst, landest Du mit einiger Sicherheit im Todestrakt eines Bundesgefängnisses. Dein möglicher Einwand, dass die Todesstrafe grausam sei, gegen die Menschenrechte verstosse und Du in Deutschland für dasselbe Delikt maximal 15 Jahre Freiheitsentzug bekommen hättest, wird Dich nicht vor der Todeszelle bewahren. Genauso wird ein sudanesisches Gericht vermutlich argumentieren, dass das Strafmass für einen Abfall vom Islam und die Zuwendung zum Christentum kein Geheimnis, sondern allgemein bekannt sei und es im Ermessen jedes Bürgers liege, dieses Delikt zu begehen.

Wenn jemand zum Tode verurteilt wird oder wenn ihm seine Kinder weggenommen werden, nur weil dieser Mensch es wagt, eine andere Religion anzunehmen und wir nehmen das einfach so hin - was sagt das dann über uns aus?

das kommt darauf an, ob es in unserem eigenen Land oder in einem anderen passiert.

Wenn wir eine Verletzung der Menschenrechte mit "das ist eben die Kultur in diesem Land" abtun und uns das nicht mehr berührt, dann sehe ich echt schwarz für diese Welt...

naja, die meisten von uns nehmen es auch jeden Tag hin, dass in den Ländern der Dritten Welt Kinder an Hunger oder in vollkommen blödsinnigen Kriegen sterben, ohne auch nur 5 EUR aneine humanitäre Organisation wie "terre des hommes" zu spenden. Empörung allein rettet kein einziges Menschenleben; da muss man schon einige Schritte weiter gehen.

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 17:23
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Martin,

Natürlich rettet Empörung alleine kein Menschenleben - aber genügend Empörung von genügend Menschen kann vielleicht doch einmal etwas ändern, weil diese Menschen dann gemeinsam etwas unternehmen.
Ich kann und will das jetzt nicht bis zum Ende durchdenken, was das sein könnte und welches Ergebnis eine jede Aktion bringen könnte - denn das ist sowieso nicht möglich.

Aber dein erster Beitrag klang irgendwie nach: es geschieht in einem fremden Land und wir können eh nix ändern. Und wir haben auch gar nicht das Recht uns einzumischen. Also: Augen zu und laßt sie machen.

Und genau bei "wir haben nicht das Recht uns einzumischen" möchte ich Dir weiterhin widersprechen.

Denn meine Vorstellung von der zukünftigen Welt ist tatsächlich eine Welt, in der die Menschenrechte geachtet werden.
In der ein Mensch auch das Recht hat, seine Religion frei zu leben (unter vielen weiteren Rechten).
Und ich denke, ich habe im Rahmen meiner Möglichkeiten durchaus das Recht, an dieser Vision zu arbeiten - so lange ich mit Respekt, Herz und Verstand an die Sache herangehe.
Mag blauäugig sein, aber ich bin nun mal eine Träumerin...

Und ich bin der Meinung, dass jeder Mensch bei solch kleinen Dingen anfangen kann, die Welt ein wenig besser zu machen.
Indem man z.B. einen Bericht über Ungerechtigkeiten weitergibt - bis er irgendwann jemanden erreicht, der vielleicht etwas ändern kann.
Indem man in einem Forum einem verzweifelten Elternteil gute Ratschläge gibt und dadurch einem Kind vielleicht hilft, beide Eltern auch nach der Scheidung zu behalten.
Indem man sich ausgewählten Gruppen anschließt, die Demos veranstalten oder Wissen weitergeben.
...

In irgendeinem Land einzumaschieren, um irgendwas durchzusetzen - nein, das Recht haben wir nicht. Mal abgesehen davon, dass wir (also konkret jetzt Du und ich) das ja auch gar nicht durchsetzen könnten.

Aber wir haben das Recht, nicht zu schweigen.

Was unsere kleinen Schritte schlussendlich bewirken? - Das kann kein Mensch beantworten (ich persönlich bin der Meinung, nur Gott könnte es beantworten - aber das fällt auch unter Glaubensfreiheit).
Aber ich möchte zumindest versuchen, was ich kann, um vielleicht irgendwann mal einen kleinen Stein ins Rollen zu bringen (der vielleicht nach einem Meter wieder liegenbleibt oder jemanden zum Stolpern bringt oder zu einer Lawine wird).

Und nochmal: es geht hier nicht darum, anderen Kulturen die deutsche oder österreichische Lebensweise aufzuzwingen, sondern es geht um elementare Rechte und Freiheiten.

Gesetze sind dazu da, Schwächere zu beschützen und Schaden von der Gesellschaft abzuwenden. Wer wird nun dadurch geschädigt, wenn ein Mensch eine andere Religion annimmt? Noch dazu so schwer, dass diese "abtrünnige" Person mit dem Tod bestraft werden muss?
Hier überschreitet ein Staat nach meiner Ansicht definitiv seine Kompetenz.

Und ja - auch ich bin gegen die Todesstrafe in den USA und wenn ich die Möglichkeit hätte, etwas dagegen zu tun, dann würde ich es tun.

Wie gesagt: meiner Meinung nach steht jedem Menschen das Recht zu, die Welt nach seinen Vorstellungen zu gestalten
- im Rahmen seiner jeweiligen Möglichkeiten
- mit Respekt und Verständnis gegenüber seinen Mitmenschen
- mit angemessenen Mitteln (also eine Bombe gegen zu freizügige Kleider ist NICHT angemessen)

Und kein Staat sollte meiner Meinung nach seine Einwohner in der Frage der Religion einschränken und bevormunden.

lg
vj


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AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 18:32
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin vj,

Deine Position ist die eines in einem freien Land geborenen und lebenden Menschen, für den Religions-, Meinungs-, Versammlungs-, Informations- und Demonstrationsfreiheit ebenso selbstverständliche Grundrechte sind wie Personenfreizügigkeit, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und vieles andere. Diese Selbstverständlichkeit ist in den meisten Ländern der Erde aber gar nicht gegeben; die Menschen dort können sie sich auch nicht vorstellen. Um dafür auf die Strasse zu gehen, müssten alle Grundbedürfnisse - essen, trinken, schlafen, Gesundheit, Kleidung etc. - bereits befriedigt sein. Denn wer hungrig ist, kämpft nicht für Menschenrechte, sondern ums Überleben. Und der Sudan ist eines der ärmsten Länder der Welt.

Eine (virtuelle) Diskussion mit einem überzeugten Islamisten würde Dich mit den Ohren schlackern lassen (denn real würde er mit einer Frau gar nicht diskutieren). Du würdest erfahren, dass Menschen - und am allerwenigsten Frauen - solchen neumodischen, westlichen Blödsinn wie "Menschen- oder Frauenrechte" gar nicht brauchen, weil es für die meisten Menschen sowieso besser ist, nicht selbst zu denken, sondern gesagt zu bekommen, was für sie am besten ist. Und dass etwaige Zuwiderhandlungen gegen Vorgaben der Religion drakonisch bestraft werden müssen; notfalls auch mit dem Tod.

By the way: Die letzte Hexenverbrennung auf europäischem Boden ist noch gar nicht so lange her; meines Wissens fand sie Mitte des 19. Jahrhunderts im heutigen Polen statt. Wegen anderer "Glaubensfragen" konnte man auch bis vor knapp 70 Jahren in Deutschland noch einen Kopf kürzer gemacht werden; im östlichen Teil des Landes sogar bis 1981. Allzu viel sollten wir uns auf unseren "Vorsprung" in Sachen Menschenrechte also nicht einbilden; er ist sehr klein...

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2014 19:30
(@united)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin,

aber "Religionsfreiheit" bzw. "religiöse Selbstbestimmung" ist eben KEIN globales Menschenrecht

Eine globalere Definition als den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte konnte ich auf die Schnelle nicht finden:

Article 2
1. Each State Party to the present Covenant undertakes to respect and to ensure to all individuals within its territory and subject to its jurisdiction the rights recognized in the present Covenant, without distinction of any kind, such as race, colour, sex, language, religion, political or other opinion, national or social origin, property, birth or other status.

Es geht uns nichts an. Wenn jemand ein Mandat haben kann, sich dazu zu äussern [...]

Gott (welcher Konfession auch immer) sei Dank: In Deutschland braucht man kein Mandat, um seine Meinung zu äußern !

Von mir aus bin ich ein eingebildeter, arroganter, intoleranter Westeuropäer ...
... trotz Hexenverbrennung, Judenverfolgung und Kreuzrittertum erlaube ich mir zu sagen:
Armut ist keine Rechtfertigung für die Hinrichtung von Menschen, welcher Religion auch immer.

Ändert das irgendetwas an der Situation ? Nö.

Ich stelle mir gerade vor, die sudanesischen Islamisten würden sich anmassen, gegen die freizügige Badekleidung in unseren Schwimmbädern aufzubegehren, Änderungen zu verlangen oder gar anzukündigen, diese auch gegen den Willen der Betroffenen durchzusetzen.

Ich stelle mir gerade vor, man würde in Deutschland oder Dänemark iranische Flaggen verbrennen, nachdem irgendein Iraner ein abfälliges Bild mit einem Jesus drauf gemalt hätte ...

Gruß
United
PS: Ich bitte um Nachsicht dafür, daß die UN tsts-Wörter benutzt ...


AntwortZitat
Geschrieben : 04.06.2014 11:37
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin United,

nur kurz: Es haben zwar etwa 160 Länder diesen Pakt unterzeichnet; wie gross der Unterschied zwischen Papier und Realität ist, kann man am Ausgangsfall sehen: Der Sudan hat das Papier bereits 1986 unterschrieben und steckt 2014 Menschen wegen der "falschen" Religion in die Todeszelle. Auch die USA haben den Vertrag 1977 ratifiziert. Trotz des darin verbrieften "Rechts auf Leben" gibt es in etwa zwei Drittel der US-Bundesstaaten noch immer die Todesstrafe; etwa 1.000 Menschen wurden in den USA seither hingerichtet.

Vermutlich ist der Glaube an solche Verträge so naiv wie die Annahme, niemand würde mehr falsch parken, wenn man ein entsprechendes Schild aufstellt.

In Deutschland braucht man kein Mandat, um seine Meinung zu äußern !

das hat ja auch niemand behauptet; sagen darf man hierzulande (fast) alles. Es gibt nur keinen Anspruch darauf, an relevanter Stelle damit gehört zu werden.

... trotz Hexenverbrennung, Judenverfolgung und Kreuzrittertum erlaube ich mir zu sagen:
Armut ist keine Rechtfertigung für die Hinrichtung von Menschen, welcher Religion auch immer.

Meines Erachtens gibt es überhaupt keine Rechtfertigung dafür. Aber das ist meine persönliche Meinung; niemand muss und wird sich danach richten.

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Geschrieben : 04.06.2014 12:37
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Ich sehe es mal so:

1. Jeder kann sich über alles innerlich aufregen, was er möchte.
2. Jeder kann hier auch öffentlich seinen Unmut über etwas äußern, was sich in einem anderen Land abspielt.
3. Jeder kann versuchen, in dem fernen Land Einfluss zu nehmen, um dortige Mißstände zu beseitigen, ggf. kollidiert er dabei mit den Gesetzen dieses Landes oder gerät in Streit mit Bewohnern des Landes.
4. Jeder kann versuchen, "seinen Staat" dazu zu veranlassen, auf das andere Land einzuwirken. Das wird dann, bestenfalls zu einer diplomatischen Note führen.
5. Am schwierigsten ist es sicherlich, seinen eigenen Staat dazu zu bringen, militärisch in dem anderen Staat einzugreifen.

Viel mehr Möglichkeiten fallen mir nicht ein.

1. und 2. kann man in diesem, schrecklichen, Fall sicher leicht anwenden.
3. Ist schon sehr schwierig und setzt sehr viel persönliches Engagement und Risikobereitschaft voraus. Erfolgsaussicht ist sicher eher gering.
4. Halte ich in diesem Fall sogar für relativ erfolgversprechend, da er sicher auf starkes öffentliches Interesse stößt.
5. Kommt in diesem Fall sicher nicht in Frage.

Ich halte das aber auch für einen Verstoß gegen das Völker- oder Menschenrecht und soweit ich gehört habe, hat die sudanesische Regierung schon zugesagt, "eine Lösung" für dieses Problem zu finden.

Hoffen wir das Beste für die Familie!


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 04.06.2014 20:21
(@gardo)
Nicht wegzudenken Registriert

Die Familie befindet sich jetzt in der amerikanischen Botschaft:
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/in-sudan-festgenommene-christin-wieder-frei-13013398.html


AntwortZitat
Geschrieben : 27.06.2014 10:20