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spiegel.de: Mit Down-Syndrom aufs Gymnasium?

 
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Ein weiteres Beispiel für die kranke Erwartung nach Gleichstellung um jeden Preis: Eine Mutter will das baden-württembergische Kultusministerium zwingen, ihren 11-jährigen Sohn mit Down-Syndrom zum Gymnasium zuzulassen, obwohl sie selbst weiss, dass er das Ziel "Abitur" nicht einmal ansatzweise schaffen kann. Begründung unter anderem: "Wir haben uns geschworen, dass wir ihn nie durch unsere niedrigen Erwartungen behindern, indem wir ihm nichts zutrauen" und "Ihr gehe es darum, dass er mit seinen Freunden aus der Grundschule zusammen bleibt".

Meine Meinung: Verantwortungsvolle Eltern wählen eine Schulform, die den Fähigkeiten ihrer Kinder gerecht wird - und nicht dem eigenen Gerechtigkeitswahn.

Wenn das Schule machen würde, könnte man sich von der individuellen Förderung von Kindern einfach verabschieden, jedem das Abitur zur Volljährigkeit schenken und am besten auch noch jeden Berufswunsch gratis und ohne Zugangsnachweis erfüllen: Dann sitzt eben irgendwer im Flugzeug-Cockpit oder steht am OP-Tisch - Hauptsache, es hat ihn nie jemand ernsthaft gefordert oder mit Sätzen wie "das kannst Du doch gar nicht!" frustriert.

Volltext, Quelle und anschliessende Diskussion HIER


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

Zitat
Themenstarter Geschrieben : 25.04.2014 16:38
(@mekmen)
Rege dabei Registriert

Ich möchte diesen Sommer gerne in der Fussball - Nationalmannschaft mitspielen. Weiss jemand, wen ich da verklagen muss ?
Ich schaff zwar nicht mal ansatzweise die erste Halbzeit aber wer mir das sagt und mich gegenüber den anderen diskriminiert, "hat mich mit seinen niedrigen Erwartungen behindert, indem er mir nichts zutraut"  :traudich:


AntwortZitat
Geschrieben : 25.04.2014 17:25
(@howi64)
Nicht wegzudenken Registriert

Meine Meinung: Verantwortungsvolle Eltern wählen eine Schulform, die den Fähigkeiten ihrer Kinder gerecht wird - und nicht dem eigenen Gerechtigkeitswahn.

Meine Meinung: 10jährige Kinder nach 4jähriger Schulzeit zu trennen und über deren künftige Bildung zu bestimmen ist kranke Sch*ße die es in der Form nur in D gibt.

Meine Schullaufbahn war Grundschule > Hauptschule > Gymn. Oberstufe > Bundeswehr > Studium.
Mein Sprung von der HS zum Gymmy nach der 10. Klasse war mit 10 Jahren garnicht nicht vorhersehbar.
Der Abbruch / Schulwechsel von kleinen Sextanern nach der Obertertia oder Untersekunda war auch nicht vorhersehbar.
Vorhersehbar ist das Kinder unter unserem  :gunman: besch*ssenen Schulsystem leiden und gelitten haben und leiden werden.

In zivilisierten Ländern mit richtig tollen Pisa-Ergebnissen werden alle bis 16 gemeinsam unterrichtet. Sitzenbleiben wird nicht gern gesehen. Wenns doch passiert ist es ein Armutszeugnis. Für den Lehrer. Der muss sich dann gegenüber seinen Vorgesetzten erklären. Nach 10 Schuljahren entscheiden die Jugendlichen mit ihren Eltern und Lehrern gemeinsam wies weitergeht.

Mit einem anständigen Schulsystem muss man sich über son Zeug garnicht streiten. Als ob es nichts wichtigeres gäb.  :undwech2:

Gruss Horst

 


AntwortZitat
Geschrieben : 25.04.2014 18:42
(@riviera68)

LOL Pisa again...das Pisa Ergebnis fuer Kanada ist ziemlich gut ausgefallen, Schluesse sollte man daraus aber nicht ziehen. Ich neige dazu sagen zu wollen, dass wenn man echte Erfahrungswerte mit unterschiedlichen Schulsystemen hat, man das in D mit anderen Augen sieht.

In BC ist es beispielsweise so, dass generell alle Schulen Integrationsschulen sind. Ob das so gut ist, kann ich nicht sagen, da ich weder in der Haut der Eltern stecke noch in deren Kindern. Auf der Schule meiner Tochter finden sich einige Behinderte, wo ich nicht weiss was das Ziel dahinter ist. Aber gibt sicher gute Gruende dafuer.

Und wenn jemand die fruehere Schulzeit mit heute vergleichen will, dann find ich das befremdlich - frueher hatten wa och nen Kaiser. @HoWi deine Aussage "In zivilisierten Ländern mit richtig tollen Pisa-Ergebnissen werden alle bis 16 gemeinsam unterrichtet" ist schlichtweg falsch!
In 7 Jahren Schule (6. bis 12. Klasse) in Kanada hat meine Tochter nicht einmal einen festen Klassenbund gehabt.

cheers, riviera


AntwortZitat
Geschrieben : 25.04.2014 21:11
(@achhja)
Nicht wegzudenken Registriert

Es gibt Kinder mit Down-Syndrom, die Gymnasium-fähig sind. Allerdings genau so selten wie Marathonläufer Simon Beresford.


AntwortZitat
Geschrieben : 25.04.2014 22:16
(@dantes_79)
Nicht wegzudenken Registriert

Meine Meinung: 10jährige Kinder nach 4jähriger Schulzeit zu trennen und über deren künftige Bildung zu bestimmen ist kranke Sch*ße die es in der Form nur in D gibt.

Nabnd,

Naja, so schlecht ist das deutsche Bildungssystem nicht, auch im Vergleich muss es sich nicht verstecken. PISA ist ja nicht der einzige Maßstab. Wenn man auf die Wirtschaft guckt, die Ingenieursleistungen etc, dann haben wir wohl nicht alles falsch gemacht, bei sehr viel begrenzteren Ressourcen als bei den Skandinaviern. Es liegt in der Natur der Sache, dass nach 4 Jahren Fehlentscheidungen möglich sind, die sind aber später auch möglich. Ich kenne Leute, die waren auf einer Schule, die die Klassen länger zusammengelassen haben (gab es wohl mal irgendwo in D als Experiment) und der sagte, dass es nachher so war, dass sich die guten Schüler gelangweilt haben, weil die schlechten eben auch mitkommen mussten. Hat halt alles Vor und Nachteile und da kann man durchaus verschiedener Meinung sein und ich verstehe jeden Standpunkt.
Für das vorliegende Beispiel fehlt mir jedoch das Verständnis.

lg


AntwortZitat
Geschrieben : 25.04.2014 23:52
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Ich sehe es insoweit wie HoWi, dass es nicht darauf ankommt, in welche Schule jemand eintritt, sondern ob und wie er sie abschließt.

Sofern er also am Ende seines Gymnasiumbesuchs nicht auch noch sein Abitur, eine Pilotenlizenz oder seine Approbation als Arzt geschenkt bekommt, ist das für die Gesellschaft noch kein Problem.

Die Mutter schadet ihm zunächst mal nur selbst, wenn sie ihn auf eine Schule zwingen will, bei der er nichts versteht und somit auch nichts lernen kann.

Mein eigener Sohn, dem ich natürlich auch nur das allerbeste wünsche, ist als I-Kind auf einer Stadtteilschule.
Sonderschulen gibt es in Hamburg praktisch nicht mehr.

Das ist zwar einerseits gut und in seiner Klasse erhält er auch besondere Förderung, sodass er dem "normalen" Pensum halbwegs folgen kann.
Für problematisch halte ich es aber auch schon, dass die Kinder nicht mehr sitzenbleiben können.
Wenn jemand das Klassenziel nicht schafft, wird er eben solange mitgeschleift, bis er überall auf 6 steht oder ein "Gnadenzeugnis" für guten Willen gibt.
Wobei es natürlich auch keine Lösung sein kann, ein Kind, das nicht mehr weiter kommt, bis zum St. Nimmerleinstag immer wieder die selbe Klasse wiederholen zu lassen.
Schwierig.

Es kommt aber vor Allem darauf an, dass er am Ende eine realistische Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit erhält, und kein "Gleichstellungszeugnis" dem man nichts anderes entnehmen könnte, als das es schön wäre, wenn alle Menschen gleich wären.
Zumindest aus Sicht der Gleichstellungsinquisition.

Aber auch meinem Sohn wäre nicht damit geholfen, wenn ihm jemand bestätigen würde, dass er ein toller Seiltänzer wäre und er dann bei nächster Gelegenheit von der Strippe fällt.


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 26.04.2014 17:58
(@habakuk)
Nicht wegzudenken Registriert

"Sofern er also am Ende seines Gymnasiumbesuchs nicht auch noch sein Abitur, eine Pilotenlizenz oder seine Approbation als Arzt geschenkt bekommt, ist das für die Gesellschaft noch kein Problem."

Das stimmt leider so nicht wirklich - zumindest den hiesigen Erfahrungen nach nicht.

Es werden ruck-zuck irgendwelche I-Schulen aus dem Boden gestampft, ohne das die nötige Infrastruktur auch nur im Ansatz vorhanden ist.

Was bringt einem geistig behinderten der Besuch einer Regelschule, wenn er doch tatsächlich für 30 Minuten am Tag Integrationshilfe bekommt?

Genau, gar nix - und zwar schon beim Grundschulbesuch.
Ein "normaler" Lehrer ist weder dafür ausgebildet den Schüler entsprechend zu fördern, noch hat er auch nur im Ansatz Zeit dafür in einer Klasse mit 28 Kindern sich noch speziell um ein Integrationskind zu kümmern.

Bleiben also nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Unterricht erfolgt mit "normaler" Geschwindigkeit, und hängt das Integrationskind schon quasi nach Minuten ab,
oder der komplette Unterricht erfolgt angepasst an das Integrationskind - und die komplette Klasse hängt im Vergleich massiv hinterher.

Beides taugt nix.

In meinen Augen ist die massive Einführung von Integrationsschulen nicht dem Willen behinderte Menschen in unsere Gesellschaft integrieren zu wollen geschuldet, sondern schlichtweg die Idee die Kosten für Sonderschulen einzusparen, denn ein Integrativbetreuer der sich um X Kinder einer Schule kümmert ist viel billiger als die entsprechenden Lehrkräfte.


AntwortZitat
Geschrieben : 28.04.2014 16:57
82Marco
(@82marco)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Servus habakuk!
Könntest Du Dich bitte mal mit der Zitierfunktion befassen? Es ist manchmal schwer rauszufinden, auf welchen Beitrag Du Dich überhaupt beziehst.  😉 Danke!

Grüßung
Marco


Mit einem Lächeln zeigst Du auch Zähne!
________________________________________
Ob ein Vorhaben gelingt, erfährst Du nicht durch Nachdenken sondern durch Handeln!

AntwortZitat
Geschrieben : 28.04.2014 17:01
(@habakuk)
Nicht wegzudenken Registriert

Ich kenne die Zitierfunktion, hielt aber den zitierten Satz alleine für aussagekräftig genug - ohne die Notwendigkeit den konkreten Beitrag zu referenzieren ...


AntwortZitat
Geschrieben : 28.04.2014 17:08




(@kruemelmonster)
Nicht wegzudenken Registriert

Moin Zusammen!

Das RECHT auf inklusive Beschulung befürworte ich auf jeden Fall. Eltern müssen natürlich für ihr Kind entscheiden, ob es denn SINNVOLL ist, dieses Recht auch zu nutzen. Bei dieser Überlegung kann natürlich auch herauskommen, dass es für einzelne Kinder besser ist, eine Förderschule zu wählen. Es ist halt der Job der Eltern, klug zu wählen, weil sie zum Glück jetzt dieses Wahlrecht haben.

Dazu passt wunderbar die Signatur von @ Beppo, auch wenn er dies sicher in einem anderen Kontext meinte:

Gleichberechtigung ist ein muss!
Gleichstellung eine Pest.

Das es klüger sein kann, ein bestehendes Recht nicht zu nutzen, ist aber keine Besonderheit des Schulrecht, dass gibt es woanders auch.

Zumindest bei uns in NRW gibt es seit kurzem den Rechtsanspruch auf integrative Beschulung. Und das ist gut so. Warum? Weil nur dadurch gewährleistet ist, dass behinderte Kinder durch inklusive Beschulung Abschlüsse erreichen können, die ihnen sonst verwehrt würden. Dass nicht jedes behinderte Kind für inklusive Beschulung geeignet ist, ist dabei unbestritten.

Meine behinderte Tochter ist schon älter, ich kenne daher die Situation bevor es den Rechtsanspruch auf inklusive Beschulung gab. Die Grundschulzeit hat meine Tochter auf einer Förderschule für Körperbehinderte verbracht, mit einem Schuljahr mehr wurde dort einigen Kindern der reguläre Grundschulstoff vermittelt. Meine Tochter bekam von dort eine glasklare Empfehlung für inklusive Beschulung (hiess damals bei uns noch Integration). Es gab damals etwa 80 Anmeldungen für die 15 Integrationsplätze die es in unserer Stadt gab. (Großstadt in NRW) Wenn man jetzt davon ausgeht, dass mindestens die Hälfte der angemeldeten Kinder auch integrationsgeeignet waren, dann sind 25 Kinder um ihre Chancen gebracht worden.

Das kann heute, durch das Recht auf inklusive Beschulung nicht mehr geschehen.

Wir hatten damals Glück, und haben einen Integrationsplatz bekommen. Meine Tochter hat dort den Hauptschulabschluss geschafft (mit den gleichen zentralen Abschlussprüfungen wie alle anderen), ist gerade dabei die Handelsschule und mittlere Reife (wahrscheinlich sogar mit Q-Vermerk) abzuschliessen und hat einen Ausbildungsplatz zur Gesundheitskauffrau bekommen. Alles das wäre ohne inklusive Beschulung nicht möglich gewesen.

Darum halte ich es für eine gute Entscheidung, dass das Recht auf inklusive Beschulung eingeführt wurde. Das es natürlich auch Einzelfälle gibt, wo jemand dieses Recht mißbräuchlich nutzt ist dabei nicht verwunderlich. Sowas gibts in anderen Rechtsgebieten auch.

Gruß und gute Nacht vom

Krümelmonster


Alle sagten: " Das kann nicht funktionieren"
Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht

AntwortZitat
Geschrieben : 29.04.2014 23:50
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Das RECHT auf inklusive Beschulung befürworte ich auf jeden Fall. Eltern müssen natürlich für ihr Kind entscheiden, ob es denn SINNVOLL ist, dieses Recht auch zu nutzen. Bei dieser Überlegung kann natürlich auch herauskommen, dass es für einzelne Kinder besser ist, eine Förderschule zu wählen. Es ist halt der Job der Eltern, klug zu wählen, weil sie zum Glück jetzt dieses Wahlrecht haben.

Genau so ist es.

Ich bin selbst nicht 100% sicher, ob die Inklusion für meinen Sohn das Richtige ist.

Er hat nun mal seine Defizite und sein Rückstand wird eher größer als kleiner.
Das lässt sich auch durch Förderung nicht ausgleichen.

Er verliert damit immer mehr den Anschluss und wird natürlich auch immer mehr zum Aussenseiter.
Echte Freunde findet er in dieser Welt nicht wirklich.

Daher wünsche ich mir manchmal die relativ heile und abgeschlossene Welt einer speziellen Einrichtung wo er sich vermutlich sicherer und wohler fühlen würde.
Andererseits wäre das natürlich auch immer eine Sackgasse und Abstellgleis.

Was richtig ist?
Ich weiß es nicht.


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 30.04.2014 00:05
(@kruemelmonster)
Nicht wegzudenken Registriert

Moin Beppo,

Echte Freunde findet er in dieser Welt nicht wirklich.

DAS ist ein echtes Problem, weil Integration nicht so funktioniert, wie sie sollte. Die behinderten Kinder werden oftmals zwar irgendwie in der Klasse akzeptiert, aber dann doch wieder ausgegrenzt.

Freunde hat meine Tochter über den Behindertensport gefunden, vielleicht könnte das deinem Sohn auch helfen.

Was richtig ist? Ich weiß es nicht.

Man weiss es oft erst hinterher. Ging mir auch so. Ich war auch einige Zeit sehr am zweifeln (am schlimmsten während sie in der 7. und 8. Klasse war). Damals gab es eine Lehrerin die ihr nichts zutraute, und einiges Mobbing vom Klassenkameraden. Meine Tochter wollte aber unbedingt an dieser Schule bleiben, und sie wollte es unbedingt schaffen. In der 9. ist dann irgendwann der Knoten geplatzt, sie wurde kontinuierlich besser. Es gab da einen Lehrerwechsel und ich hatte die Schwimmtrainerin meiner Tochter als Mathenachhilfe engagiert. DAS hatte auch sehr geholfen. Ich kann zwar mindestens genauso gut Mathe, aber beim Üben mit mir gabs Gezicke von meiner Tochter, beim Üben mit der Schwimmtrainerin gute Laune und bessere Noten.

Gruß vom Krümelmonster,

der deinem Sohn Freunde wünscht, weil dass so sehr wichtig für die Kids ist


Alle sagten: " Das kann nicht funktionieren"
Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht

AntwortZitat
Geschrieben : 30.04.2014 00:44
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Meiner geht sehr gerne ins Ferienlager mit anderen Behinderten.

Und auch in seiner Klasse ist der Kontakt zu dem anderen I-Kind, einem Downie, am Besten.
Die beiden halten sich aneinander fest.


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 30.04.2014 01:00
(@kruemelmonster)
Nicht wegzudenken Registriert

Moin Beppo,

Meiner geht sehr gerne ins Ferienlager mit anderen Behinderten.

Da hab ich was für dich:

http://www.frabhof.de

Wenn dein Sohn Tiere mag und es für dich nicht zu weit ist, könntest du dir das mal anschauen. Meine Tochter fährt seit 10 Jahren jedes Jahr mehrmals dahin und liebt es immer noch. Dort gehen Kurzaufenthalte, auch nur für ein WE, oder auch längere Ferienaufenthalte. Der erste Aufenthalt wenn jemand neu ist, ist IMMER ein WE zu einer Zeit wo wenig los ist. Die Zimmer sind einfach, aber zweckmäßig. Wer Komfort sucht, ist dort falsch. Der Chef der Einrichtung sagte mal zu mir:

Ich stecke das Geld lieber ins Personal als in die Möbel

und das merkt man dem Personal an. Die sind aller supernett und kommen wirklich mit jeder Art von Behinderung sehr gut zurecht.

Wenn dein Sohn da hin möchte, kannst du die Kosten über Verhinderungspflege (falls dein Sohn eine Pflegestufe hat) oder Landschaftsverband / Sozialamt zahlen lassen.

Noch ein anderes Thema:

Wenn jemand das Klassenziel nicht schafft, wird er eben solange mitgeschleift, bis er überall auf 6 steht oder ein "Gnadenzeugnis" für guten Willen gibt.

Gibt es bei euch keine Zieldifferenzzierung? Bei uns war das in der I-Klasse so, dass diejenigen die den  normalen Hauptschulabschluss nach 10 nicht schaffen konnten, die Chance hatten am Ende der 10. Klasse den "alten" Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu machen. Wer auch das nicht konnte ist meist schon vorher auf Sonderschulabschluss heruntergestuft worden. Statt Englisch oder Physik / Chemie bekamen diese Kids dann eher lebenspraktische Dinge und Berufsvorbereitung beigebracht. Deutsch Mathe und Gesellschaftslehre wurde dann mit reduzierten Anforderungen unterrichtet. Die Kids bleiben dabei in der Klasse, bekamen aber andere Aufgaben.

Gruß vom Krümelmonster


Alle sagten: " Das kann nicht funktionieren"
Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht

AntwortZitat
Geschrieben : 30.04.2014 11:47
(@habakuk)
Nicht wegzudenken Registriert

Wenn die Eltern in der Lage sind eine "objektive" Entscheidung zu treffen, denn spricht ja auch nichts gegen Inklusion. Nur leider leider ist das, zumindest hier, eher selten der Fall.
Da herrscht eher ein "Ich hab das Recht, also will ich auch".
SO funktioniert es eben nicht.

Genauso wenig wie es funktioniert sein "normales" Kind auf biegen und Brechen aufs Gymnasium zu schicken, nur weil es keine verbindliche Schulempfehlung der Grundschule gibt und man als Eltern ja das Recht hat zu entscheiden.
Das hierdurch notwendige gnadenlose Sieben in Stufe 5+6 bringt keinem was.


AntwortZitat
Geschrieben : 30.04.2014 14:54
(@kruemelmonster)
Nicht wegzudenken Registriert

Moin habakuk,

Da herrscht eher ein "Ich hab das Recht, also will ich auch".
SO funktioniert es eben nicht.

Natürlich funktioniert es so nicht.
Nur kann man nicht, weil einige Eltern dieses Recht unüberlegt nutzen, allen anderen, die überlegt und zum Wohl ihres Kindes entscheiden, dieses Recht wieder wegnehmen.

Gruß vom Krümelmonster


Alle sagten: " Das kann nicht funktionieren"
Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht

AntwortZitat
Geschrieben : 30.04.2014 15:46
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin km,

Natürlich funktioniert es so nicht.
Nur kann man nicht, weil einige Eltern dieses Recht unüberlegt nutzen, allen anderen, die überlegt und zum Wohl ihres Kindes entscheiden, dieses Recht wieder wegnehmen.

das ist unbestritten. Im vorliegenden Fall ging es aber nicht um eine Inklusion mit erreichbaren Zielen (zu denen bei entsprechender Förderung beispielsweise ein Hauptschulabschluss gehören kann), sondern auf ein juristisch zu ertrotzendes "Recht auf Gymnasium", das dort eine ganze Klasse lähmen und das betroffene Kind vom ersten Tag an frustrieren würde.

Es geht nicht um die gefühlten Rechte von Eltern, sondern um optimale Förderung und Integration für's Kind. Auch wenn mich das Ganze an meine erste Berufsausbildung als Optiker Ende der 80er Jahre erinnert, wo Eltern immer wieder damit haderten, wenn ihr Kind eine Brille brauchte und ob es nicht doch eine andere Methode gäbe. Grund: Die Brille stigmatisierte sie gefühlt selbst zu Lieferanten zweitklassigen Genmaterials. Das würde ich auch bei den Eltern eines "Downie-Kindes" nicht auschliessen.

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 30.04.2014 16:21
(@kruemelmonster)
Nicht wegzudenken Registriert

Moin Martin,

Es geht nicht um die gefühlten Rechte von Eltern, sondern um optimale Förderung und Integration für's Kind.

Da bin ich ganz deiner Meinung. Und genau an dieser Stelle haben die Eltern, die den Besuch des Gynasiums erstreiten, nicht zum Wohle ihres Kindes gehandelt. Der Besuch des Gymnasiums ist hier sicher keine optimale Förderung. Zumal es am Gymnasium keine Zieldiffernzierung geben kann, da das Ziel hier nunmal Abitur ist. Für das Downie Kind hätte man besser eine integrative Gesamtschule gewählt. Dort ist von Sonderschulabschluss bis Abi alles drin. Vielleicht wäre für dieses Kind auch eine Sonderschule besser als die Integration. Das kann ich aber nicht beurteilen, da ich den Fall nicht kenne, und auch Downies nunmal unterschiedlich intelligent sind.

Das hier das Gymnasium erstritten werden soll, ist aber der Fehler dieser Eltern. Das RECHT auf Inklusion ist deswegen trotzdem nicht falsch!

Meine Tochter beginnt bald eine kaufmännische Ausbildung. Früher hätten wir an der Berufsschule betteln müssen, damit sie aufgenommen wird. Und ohne Berufsschulbesuch wäre dann die Ausbildung nicht möglich. Heute, durch das Recht auf Inklusion, wird sie einfach durch den Betrieb angemeldet und fertig.

Wahrscheinlich wird meine Tochter im Sommer nicht nur die mittlere Reife bekommen, sondern auch die Qualifikation zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Wenn sie das Abi machen wollte, könnte sie sich jetzt ein entsprechendes Gymnasium ausssuchen und sich anmelden. Früher hätten wir dann durch die ganze Stadt touren müssen und mit viel Glück vielleicht ein Gymnasium gefunden, wo nicht gesagt würde: "Tut mir leid, das geht leider nicht, weil wir keinen Fahrstuhl haben" (oder beliebige andere Ausrede)

Ich bin völlig bei dir, dass es ziemlich sinnfrei ist, was diese Eltern tun, wenn sie für ihren Sohn einen Platz auf dem Gymnasium erstreiten.

Das Recht auf Inklusion ist aber nicht deswegen falsch, weil es Menschen gibt, die dieses Recht missbräuchlich nutzen wollen.

wo Eltern immer wieder damit haderten, wenn ihr Kind eine Brille brauchte und ob es nicht doch eine andere Methode gäbe. Grund: Die Brille stigmatisierte sie gefühlt selbst zu Lieferanten zweitklassigen Genmaterials. Das würde ich auch bei den Eltern eines "Downie-Kindes" nicht auschliessen.

Auch da kann ich dir zustimmen, sicherlich gibt es das. Meine Ehe ist zum größten Teil auch deswegen gescheitert, weil meine Exe überhaupt nicht damit zurecht kam, dass ausgerechnet SIE die Mutter eines behinderten Kindes sein sollte. Vor der Trennung hat sie sich kaum mal mit ihr in der Öffentlichkeit sehen lassen. Am liebsten hätte sie die Kleine schon als Kleinkind in eine Behinderteneinrichtung abgeschoben. Das war dann mit mir nunmal nicht zu machen...

Gruß vom Krümelmonster


Alle sagten: " Das kann nicht funktionieren"
Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht

AntwortZitat
Geschrieben : 01.05.2014 17:07
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin km,

das Thema war gestern auch bei STERN TV zu sehen. Schon die Headline ist allerdings falsch: Es ist nicht Henri, der auf's Gymnasium will; nur seine Eltern wollen das.

Ich finde Inklusion auch eine tolle Idee - allerdings nur, wenn die erreichbare Ziele wie bei @Kruemelmonsters Tochter verfolgt. Es ist aber nicht die Aufgabe eines Gymnasiums, einem Kind seine Sandkastenfreunde zu erhalten; das muss auch anders möglich sein. Und wenn wir anfangen wollen, jedes lernbehinderte Kind in eine ungeeignete Schulform zu stecken und ihm zur Vermeidung von Frustrationen dort einen Privatcoach
zur Seite zu stellen, läuft etwas verkehrt.

Grüssles
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 01.05.2014 23:17