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Ist das alles kompliziert

 
(@deresel)
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Hallo an alle, die sich die Mühe machen wollen, sich mit meinem Beitrag auseinanderzusetzen.

Nachdem ich nun schon lange Zeit stiller Mitleser bin, habe nun auch ich mich entschlossen, mich hier anzumelden. Natürlich habe auch ich eine Geschichte, in der es um eine gescheiterte Ehe mit Kind geht. Mein eigentliches Anliegen ist es, ein wenig Hilfe beim Sortieren meiner individuellen Situation zu erhalten, denn auch ich fühle mich - wie vermutlich die meisten in dieser Situation - damit überfordert. Nun aber zunächst meine Geschichte in der Kurzfassung.

Nach zwei kurzen Beziehungen bin ich etliche Jahre mit meiner heutigen Frau zusammen gewesen. Wir habe beide in unterschiedlichen Städten studiert und in der meisten Zeit eine Wochenendbeziehung geführt. Dann ging mit Ende meinse Studiums eigentlich alles ganz schnell. Ich habe einen Job angenommen und wir sind zusammengezogen. Nachdem dann meine heutige Frau ihr Studium beendet hatte, haben wir dann auch bald - im Mai 2003 - geheiratet. Im Sommer 2004 wurde dann eine gemeinsame Immobilie erworben und zwei Jahre später wurde dann unser gemeinsamer Sohn geboren.

Irgendwie war das dann auch schon fast der Anfang vom Ende. Meine Frau, die eigentlich viel mehr als ich den Wunsch nach einem Kind hatte, fühlte sich dann doch sehr stark eingeengt durch das Kind. Irgendwie haben wir es zwar geschafft, uns um das Kind zu kümmern, aber wir haben uns immer mehr voneinander entfernt. Bis hierhin ist das wohl eine Geschichte, wie sie so schon sehr oft hier vorgestellt worden ist. Der wahre Grund für unser Auseinanderleben ist aber, dass meine Frau entdeckt hat, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Vermutlich ist das Scheitern unserer Beziehung einfach eine Kombination aus beiden Faktoren; also einem Zusammenbleiben aus scheinbar gemeinsamen Zielen und einer gleichzeitig unterdrückten Neigung meiner Frau. Ich gehe davon aus, dass ihr diese Neigung schon vor unserer Eheschließung bewusst war.

Unser aktuelles "Zusammenleben" gestaltet sich schwierig. Wir führen eine Art WG, in der wir uns so weit wie möglich aus dem Weg gehen. Gemeinsame Gespräche reduzieren sich auf Absprachen zu dem gemeinsamen Sohn. Das ist so unerträglich und muss ein Ende haben. Und da wird es jetzt kompliziert. Jedenfalls ist eine Scheidung deutlich komplizierter als eine Heirat.

Bevor ich nun einen Anwalt aufsuche, um mich beraten zu lassen, möchte ich versuchen, meine Situation mit Eurer Hilfe etwas zu sortieren. Ich möchte ja wenigstens schon einen groben Überblick haben. Irgendwie bekomme ich aber in das Ganze keine echte Struktur rein, da alles doch irgendwie miteinander verzahnt zu sein scheint. Das größte Problem ist wohl, dass es kaum noch eine Kommunikationsbasis zwischen mir und meiner Frau gibt. Denn im Grunde bin ich an einer schnellen und gütlichen Trennung interessiert, da ich auch den Eindruck habe, dass bei einem langwierigen Rechtstreit in erster Linie Anwälte und Gerichte Geld verdienen, welches dann natürlich von uns kommen muss. Unterm Strich verlieren so wohl beide. Aber es gibt natürlich auch bei uns Konfliktpotenzial.

  • Gemeinsames Kind

Momentan teilen wir uns die Betreuung unseres Sohns ziemlich gleichmäßig. Ohne die Unterstützung der Großeltern wäre es natürlich kaum möglich, dass wir beide Vollzeit arbeiten können. Gemeinsame Aktivitäten als Familie finden nicht statt. Ich würde mir natürlich wünschen, dass nach einer Trennung diese gleichmäßige Betreuung aufrecht erhalten werden kann. Das wird natürlich spätestens dann schwierig, wenn meiner Frau bewusst wird, dass sie bei einem anderen Model Anspruch auf KU hat. Ich gehe mal davon aus, dass es so kommen wird, dass der Sohn bei ihr bleibt und ich KU zahlen werde. Gleichzeitig bin ich mir aber sicher, dass sie den Umgang mit meinem Sohn nicht unterbinden wird. Vielmehr gehe ich davon aus, dass ich reglemäßig werde einspringen müssen und wahrscheinlich tatsächlich nahezu eine gleichmäßige Betreuung stattfinden wird. Ich bin mir sicher, dass sie ihr eigenes Leben wird leben wollen und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie ihren Job hinschmeisst. Hier werden jetzt vielleicht viele aufschreien.

  • Haus

Das gemeinsame Haus ist, so wie wohl in vielen Ehen, eigentlich das einzige existierende "Vermögen". Und natürlich ist dieses auch noch ganz ordentlich belastet. Gekauft haben wir dieses für 215000€. Aktuell beträgt die Restschuld, ohne Berücksichtigung etwaiger Vorfälligkeitsentschädigungen, ca. 162000€. Realistisch gesehen muss man also wohl froh sein, wenn man bei Veräußerung schuldenfrei aus der Sache rausgeht.

Aber meine Frau hätter wohl Interesse daran, das Haus zu halten. Das wird wohl nicht ganz so einfach, könnte ihr aber möglich sein. Insbesondere wenn sie KU von mir erhält und womöglich sehr rasch eine neue Partnerin hier einziehen würde, die sich an der Finanzierung entsprechend beteiligt. Im Grunde müsste ich ja dann vielleicht sogar froh sein, wenn die Bank mich dann auch noch aus dem Kreditvertrag als Sicherheit entlassen würde. Andererseits befürchte ich, dass meine Frau(inklusive Partnerin) kein Interesse haben wird, mich auszuzahlen, weil eben auch ihr klar werden wird, dass bei einem schnellen Verkauf kaum ein Gewinn zu erzielen sein wird.

Mein Interesse, mich an der nicht mehr so weit entfernten Anschlussfinanzierung zu beteiligen, geht natürlich gegen Null.

Das gemeinsame Haus birgt also schon mal Konfliktpotenzial.

  • Kindesunterhalt

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich wohl KU zahlen werde; ist ja auch in Ordnung. Es wird wohl nur so aussehen, dass ich weiterhin einen maßgeblichen Anteil an der Betreuung haben werde, was ja auch schön ist. Trotzdem bleibt die Befürchtung, dass ich hier dann eben auch ausgenutzt werden werde und nebenbei dann auch noch über den KU hinaus einen wesentlichen Beitrag(finanziell und Betreuung) leisten werde. Aber die Aussicht, dass meine Frau offiziell einem Wechselmodel zustimmt ist wohl sehr gering.

  • Trennungsunterhalt/nachehelicher Unterhalt

Hierzu habe ich gar keinen Überblick. Wir arbeiten beide Vollzeit; haben also unser Auskommen. Wenn wir das nach der Trennung so fortführen, hat dann überhaupt einer Anspruch darauf? Könnte meine Frau Anspruch darauf haben, wenn sie nur noch Teilzeit arbeiten würde, mit dem Argument, dass sie nur so das Kind betreuen kann. Hätte womöglich sogar ich Anspruch, da meine Frau ca. 800€ netto im Monat mehr verdient als ich?

  • Zugewinnausgleich

Ein echter Zugewinn hat eigentlich auf keiner Seite stattgefunden. Nüchtern betrachtet sollte es keinen Sinn machen, diesen gerichtlich regeln zu wollen.

  • Versorgungsausgleich

Das scheint mir auch ein komplexes Thema zu sein. Aber letztlich muss dieser wohl beantragt werden und wird dann entsprechend berechnet, und man kann versuchen, diese Berechnung nachzuvollziehen. Da aber ich weniger verdiene als meine Frau, sollte dieser doch wohl hoffentlich zu meinen Gunsten ausfallen?

  • Hausrat

Da stehe ich wahrscheinlich vor dem gleichen Problem, vor dem alle stehen. Da besteht wohl ein klarer Anspruch auf gerechte Aufteilung. Aber erstens werde ich bei einem Auszug gar nicht so viel mitnehmen können und zweitens kann ich ja meinem zurückbleibenden Kind nicht das Haus leer räumen.

Es ist alles noch sehr unsortiert und wohl auch sehr laienhaft. Ich würde mich trotzdem über Meinungen freuen. Habe ich die Situation wenigstens grob richtig erfasst oder fehlen gar ganz entscheidende Dinge? Wie gesagt, ich mag wenigstens einen groben Überblick haben, bevor ich mich von einem Anwalt beraten lasse, was mich Geld kosten wird. Da möchte ich vorbereitet sein und die richtigen Fragen stellen.

Vielen Dank im Voraus


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 06.10.2012 01:07
(@tarek)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Esel (was für ein Nickname!),

willkommen (als aktiver User) bei Vatersein, hoffentlich bekommst Du hier die Hilfe, die Du brauchst.

Deine sämtlichen Fragen gehen von einer Situation aus, in der Du - wie selbstverständlich - derjenige bist, der auszieht. Warum?
Weil "Mann" das eben tut, wenn die Frau sich trennt?

Falls Du wirklich Interesse an einem Wechselmodell hast, und zwar nicht nur aus Frust darüber, zahlen zu müssen, aber abhängig vom Goodwill der Mutter zu sein, sondern aus Interesse am Kind, bzw. daran, dem Kind mehr als nur Wochenendvater zu sein: dann löse Dich von dieser Selbstverständlichkeit. Wieso sollst nicht Du im Haus bleiben und Deine (demnächst) Exfrau ausziehen?
Immerhin ist sie es, die aus der Ehe hinausstrebt. Das ist ihr gutes Recht, Schuldfragen sind sinnlos, aber wieso sollst denn Du der sein, der geht?

Gehen befreit Dich aus der beklemmenden Situation, aber Du gehst damit eben auch vom Kind weg. Für das Empfinden des Kindes und auch im juristischen Sinne. Der Vater, der auszieht, wird (höchstens) Wochenendvater - so funktioniert das in aller Regel.

Wenn Du nicht gehst, dann stellen sich viele Fragen anders. Eigentlich habt Ihr ideale Voraussetzungen für ein Wechselmodell: Wenn ihr z.Zt. tatsächlich beide Vollzeit arbeitet und Euch die Betreuung jetzt teilt, wieso soll das nicht auch in Zukunft klappen? Und warum sollen nicht beide ggf. Arbeitszeit etwas reduzieren? Ob dann überhaupt Unterhalt fließen muss?

Den Versorgungsausgleich machen die Rentenversicherungen bzw. auf deren Grundlage das Gericht; den kannst Du wenig beeinflussen, nur Falschberechnungen korrigieren. Bei zwei Eltern in Vollzeit, und kurzer Ehedauer muß man sich da auch nicht den Kopf zerbrechen. Zumal wenn Deine Exfrau mehr verdient.

Hausrat ist Stoff für viele häßliche Auseinandersetzungen, die sich aber nicht lohnen.

Zum Haus kann ich Dir nichts sagen, aber sicher viele andere hier.

Gruss
Tarek


AntwortZitat
Geschrieben : 06.10.2012 01:59
(@ingo30)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

HI Esel,

willkommen hier - und das "eselige" haben die meisten von uns so erlebt. Es fehlt bei Euch eigentlich nur noch der Familienhund (der dann natürlich bei Dir bleibt, da sie dann keine Zeit mehr hat).

Sehr hilfreich zum Einlesen auch für Dich ist der Trennungs-FAQ: www.trennungs-faq.de - da stimmt eigentlich jedes Wort drin.

Ich versuch mal aus der Forenerfahrung Einschätzungen zu geben (und dabei betone ich, dass nicht alle Frauen so sind - schon gar nicht diejenigen, die hier im Forum aktiv sind):

- Vorbereitung der Scheidung:
Wenn ihr "schlau" seid und noch eine Gesprächsbasis findet, gibt es die Möglichkeit der einevernehmlichen Scheidung mit Hilfe der notariellen Scheidungsfolgenvereinbarung. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Ihr spart viel Zeit, Geld und Nerven. Da ihr Euch dort aber auf Augenhöhe und freiwillig trefft, gibt es auch dort "nichts geschenkt". Und es muss ein Restvertrauen da sein. Sonst kann man das gleich haken.
Vorteil der Scheidungsfolgenvereinbarung ist auch, dass ihr Regelungen zum Güterstand (der nervige Zugewinnausgleich findet dann einfach nicht statt - durch die Gütertrennung) und auch zum Versorgungsausgleich (Ausschluss oder Verrechnung mit anderen Positionen / Immobilien z.B.) durchführen könnt. Das Bedarf aber auch sehr guter anwaltlicher Beratung im Vorfeld.

Das Leben im Haus:
Kurz - das ist die Hölle. Aber wie Dir schon gesagt wurde: Wer ausszieht, verliert im Regelfall sehr viel.

Das Haus:
Auch das der Klassiker. Faktisch kann Deine DEF alleine so ein Haus wohl nicht halten. Auch wenn manche Frauen Experten darin sind, innerhalb von Tagen einen passablen Next auf Deine ehemalige Bettseite zu verfrachten, muss das nicht immer so sein. Dazu zeigt die Forenerfahrung, dass aus dem Wunsch "ich will das Haus behalten" und den realen Konsequenzen "oh, da muss ich mit einer Bank reden? Wie funktioniert das eigentlich?" große Unwägbarkeiten bestehen. Aus dem - nicht böse gemeinten - freundlichen Desinteresse, was manche Frauen dem "Männerkram Finanzen" zubilligen, kannst Du auch nicht schließen, dass hier eine zügige Abwicklung erfolgen wird. Das Gegenteil ist oft der Fall. Aus vollmundigen Versprechungen wird nichts.
Lösung: Verkauft die Bude einvernehmlich, dass ist die beste Variante.

Der KU:
Na klar wird Deine DEF da sehr schnell drauf kommen, was ihr zusteht. Gerne werden von den geschockten Ehemännern dann auch Verrechnungsformen mit dem Haus gesucht a la "okay, ich zahl keinen KU, dafür darfst Du schön im Haus wohnen". Finger weg von sowas. Ein Titel ist schneller gemacht als Du gucken kannst und dann zahlst Du beides.

Hausrat:
Die Schrankwand aus dem Möbelcenter von 2003 ist heute real auch nix mehr Wert. Da lohnt oft der Aufwand gar nicht.

Allgemein:
Du hast die Dinge schon recht gut erfasst. Die Verwobenheit in einer Ehe ist enorm. Das braucht viel Zeit und Geld und gute Tipps, dass alles zu entwirren. Was fährst Du denn für ein Nettoeinkommen ein zur Zeit?

Weitere kritische Punkte: Im Regelfall noch Kraftfahrzeuge und auf wen diese zugelassen / versichert sind. Falls nur ein Familienauto vorhanden ist, kann die DEF auch auf die Nutzung nach der Trennung einen Anspruch haben bzw. muss hier Ersatz besorgt werden.
Generell sollten (wie auch bei Konten und Versicherungen) mit der Trennung schnell klare Fronten gezogen werden. Das bedeutet auch, dass Deine DEF nicht mehr mit auf Dich versicherten Autos rumfährt. Da kann im Trennungsstress auch viel Mist passieren.

Kosten:
Für eine einvernehmliche Scheidung incl. Beratungen / Notar mind. mehrere tausend Euro. Das ist der günstige Fall. Überall wo es strittig wird, kann es noch teurer werden. Insgesamt ist der finanzielle Schaden auch bei einer einvernehmlichen Scheidung enorm und nur in der Retrospektive richtig zu erfassen. Der Aufbau einer neuen Familie ist für die betroffenen Männer oft nicht oder erst nach ca. 2-3 Jahren wieder möglich. Weil einfach kaum Mittel mehr bereitstehen, eine neue Beziehung aufzubauen.
Nicht umsonst zählen Scheidungen nachwievor zu den Hauptgründen für Verarmung. Hilfe durch Freunde und Familie sind oftmals sehr bedeutsam, um noch halbwegs aus so einer Geschichte rauszukommen.

Tipps: Frag wirklich hier im Forum nach, wenn Anwaltsschreiben / Titel, etc. auf Dich zukommen. Die Mitglieder werden immer einen Rat für Dich haben. Gruß Ingo


AntwortZitat
Geschrieben : 06.10.2012 03:31
(@united)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin Esel,

Es ist alles noch sehr unsortiert und wohl auch sehr laienhaft.

Nun ja ...
... den Eindruck habe ich absolut nicht !

Bei aller Bescheidenheit der Situation machst Du einen außerordentlich strukturierten und versachlichenden Eindruck ... behalte das bei !

Deine Ausgangssituation ist deutlich besser als die der meisten, die in diesem Forum landen:
1. Du kümmerst Dich rechtzeitig (nicht erst nach Auszug).
2. Ihr arbeitet beide Vollzeit und teilt Euch die Betreuung (was bedeutet, dass die Gefahr einer VKH-finanzierten Anklageschlacht Deiner DEF als eher gering einzustufen ist).
3. Du erscheinst lösungsorientiert und kompromissbereit (und verzichtest in Deinen Darstellungen auf "meine Ex ist sooo böse").

Den Link zum Nachbarforum halte ich zwar für wertvoll, nichts desto trotz sehe ich derzeit keinen Grund zur Schwarzmalerei ...

Meine Meinung: Schlage Deiner Frau eine Mediation vor, in der Ihr die anstehenden Fragen mit fachlicher Anleitung und Vermittlung besprechen könnt.
Was dort an Berechnungen und Vorschlägen herauskommt, kannst Du gerne in den entsprechenden Unterforen zur Diskussion stellen.

Eine Einigung klappt nicht immer, aber bei Euch sehe ich die Voraussetzungen dafür zur Zeit gegeben ...

Vom alleinigen Aufsuchen eines Anwalts würde ich in Deinem Falle abraten, da dieses sehr zügig zur Eskalation führen kann.

Besten Gruß
United


AntwortZitat
Geschrieben : 06.10.2012 11:52
(@deresel)
Schon was gesagt Registriert

Hi zusammen,

zunächst mal vielen Dank für die recht ausführlichen Antworten und Anregungen. Es gibt mir schon mal das Gefühl, dass ich meine Lage nicht ganz falsch erfasst habe. Nachfolgend mal eine Stellungnahme zu den wesentlichen Fragen/Anmerkungen.

@Tarek:

Einer der ersten Gedanken einer guten Freundin war auch, eben nicht wie selbstverständlich das Haus zu verlassen. Aber es wäre mir kaum möglich, dieses zu halten. Denn genauso, wie ich im umgekehrten Fall einen finanziellen Ausgleich erwarten würde, stelle ich diesen Anspruch an Fairness dann natürlich auch an mich. Diesen finanziellen Ausgleich dann noch zusätzlich schultern zu wollen wäre mehr als wahnsinnig.

Bei einer Entscheidung zum Verkauf der Immobilie und entsprechend geringen Angeboten wäre es wohl darstellbar dann selbst die Immobilie zu einem solch niedrigen Preis zu erstehen und zu finanzieren. Natürlich müsste ich dann auch die Hälfte des Verlustes dann noch mittragen. Die Bank müsste auch mitspielen und wird wohl auch die Nase rümpfen, wenn sie nur noch einen Schuldner hat. Das ist sicher alles nicht einfach. Aber ich habe es im Hinterkopf.

Ja, Gehen befreit mich aus einer mehr als beklemmenden Situation, auch wenn ich in eine finanziell ungewisse Zukunft gehe. Und wie Du richtig angeführt hast, laufe ich Gefahr, zum Wochenendpapa abgestellt zu werden, der ja diese Entscheidung so getroffen hat und deswegen auch selbst schuld ist. Aber genau dieses Dilemma hindert mich ja momentan daran zu gehen. Aber das halte ich auch nicht mehr lange durch und auch für meinen Sohn ist diese Situation nicht gut.

@Ingo30:

Meine Frau könnt jedenfalls eher in der Lage sein, das Haus alleine zu halten. Aber auch für sie wird es schwierig werden, noch zusätzlich die Belastung eines finanziellen Ausgleichs an mich zu stemmen.

Du liegst mit Deiner Annahme richtig, dass da ein gewisses Desinteresse an den Finanzen besteht. Aber zur Zeit werden die Raten für die Immobilie komplett von ihrem Konto abgebucht. Wir hatten uns, als ich in Elternzeit ging und sie ja so schon eine höheres Einkommen hat, darauf geeinigt, dass die Raten von ihrem Konto abgebucht werden. Im Gegenzug zahle ich sämtliche Nebenkosten wie Strom, Gas, Wasser, Müllabfuhr, Grundsteuer, Telefon, Schornsteinfeger, Gebäudeversicherung, etc. Das ist wohl keine hälftige Aufteilung, aber so viel weniger zahle ich da auch nicht.

Aber damit möchte ich ja nur sagen, dass es in ihrem Interesse sein müsste, sich bei einem Auszug meinerseits um diese Dinge zu bemühen. Aber eben weil ein solches Desinteresse besteht, gehe ich mal davon aus, dass sie es auf die lange Bank schieben würde. Aber vielleicht würde sie es ja sogar mit einem neuen Partner schaffen. Jedenfalls würde man nicht mir den Gashahn zudrehen. Klar, die Bank könnte sich an mich wenden, was aber auch eher unwahrscheinlich ist, da ihr Beamtengehalt als sicherheit dient.

Wahrscheinlich ist aber Dein Vorschlag, die Bude zu verkaufen, doch der beste und vielleicht auch fairste. Trotzdem würde ich es meiner Frau zugestehen, den Versuch zu wagen und würde auch versuchen, sie dabei in den Finanzdingen zu unterstützen. Das war wirklich noch nie ihre Stärke.

Wie Du angemerkt hast, ist die Schrankwand von 2003 real nichts mehr wert. Aber eine - wenn auch alte - Waschmaschine, die man mitnehmen kann, hat dann doch den Wert einer neuen Waschmaschine, wenn man ansonsten keine hat. Aber natürlich hast Du Recht, dass es hier keinen Sinn macht, sich wahnsinnig zu streiten.

Bei den Kraftfahrzeugen sieht es so aus, dass jeder von uns mit einem auf sich zugelassenen und bezahlten Fahrzeug durch die Gegend fährt.

@United:

Danke für das Lob(ich fasse Deine Antwort mal als solches auf). Und ja, nachdem ich hier ja jetzt noch ein paar weitere Hintergrundinformationen gegeben habe, dann sollte unsere Lage nicht die schlechteste sein. Wir führen ja trotz der Ehe eine recht eigenständiges Leben. Da ist keiner so wirklich von dem anderen abhängig. Es sollte auch keiner Interesse haben, sich absichtlich in eine solche Abhängigkeit zu begeben.

Ich hege auch keinen Groll gegen meine Frau. Ich wünsche ihr sogar, dass sie glücklich wird. Vielleicht noch nicht einmal uneigennützig, denn mit glücklichen Menschen kann man sich besser auseinandersetzen. Und durch unser Kind werden wir ja weiterhin miteinander umgehen müssen.

Aber eigentlich sollte die Lage so sein, dass man "einfach" sagen sollte, dass es das war und man eine möglichst faire Lösung hinbekommt. Aber ich hätte mich ja nicht hier registriert, wenn ich nicht eben doch auch meine Zweifel daran hätte. Den Vorschlag einer Mediation werde ich jetzt mal näher betrachten und in Erwägung ziehen. Es hört sich eigentlich nach dem an, was ich suche. Schwierig an meiner Frau ist, dass sie nicht unbedingt rational denkend veranlagt ist. Sie kann schon recht aufbrausend werden, wenn sie das Gefühl hat, dass sie ungerecht behandelt wird. Aber da sollte ja dann ein Mediator ein Gefühl für haben. Das hoffe ich jedenfalls.

Ich danke allen und werde beizeiten meine Geschichte hier fortsetzen, oder aber auf die Hilfe der Mitglieder hier zurückgreifen.

Ich verbleibe mit den besten Grüßen und wünsche eine angenehme Woche
Esel


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 08.10.2012 17:40
(@lukas58)
Schon was gesagt Registriert

Hi Esel, hi Ingo

Kosten:
Für eine einvernehmliche Scheidung incl. Beratungen / Notar mind. mehrere tausend Euro. Das ist der günstige Fall.

ich habe gerade vor einem Monat eine Scheidungsfolgenvereinbarung beim Notar unterschrieben. Da ging es auch um ein Haus, um einen Bausparer und eine Kapital-LV.
Notarrechnung: 566€

Also, ganz so schlimm muss es nicht werden.

Liebe Grüße
Lukas


AntwortZitat
Geschrieben : 08.10.2012 19:14
(@okina)
Rege dabei Registriert

Hallo Esel,

ein Auszug rettet dich nicht vor den Kosten für das Haus. Du stehst hälftig im Darlehen, also zahlst du auch nach dem Auszug noch die Hälfte, wenn deine Frau es drauf anlegt.
Außerdem kommst du wohl erst zum Ende des Darlehensvertrages raus, weil die Bank ungern einen zweiten Zahler entlässt. Kleiner Trost, dafür bleibst du auch solange im Grundbuch. Das nützt allerdings garnichts.
Mit dem Auszug verlierst du fast jegliches Recht. Im Grunde kann sie dich dann vom Grundstück verweisen, auch wenn es dir gehört. Du bist nur noch Eigentümer.

Warum rechnest du ihr nicht die reellen Kosten für das Haus mal vor. Also was das wirklich im Monat kostet mit allem drum und dran (Darlehen, Grundsteuer, Wasser, Abwasser, Strom, Müll, Schornsteinfeger, Heizkosten, Wartungskosten, Gebäudeversicherung...) und sprichst wenn möglich mit ihr darüber. Das geht auch in Briefform.
Diese Berechnung hilft dir auch bei der Überlegung ob du das Haus nicht doch halten kannst.

Ich wünsche dir viel Kraft und eine noch Ehefrau die vernünftig bleibt.

Gruß,

Okina


AntwortZitat
Geschrieben : 09.10.2012 11:35
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Kleine Korrektur:

Wenn es ganz dumm kommt, zahlt er sogar alleine, da sich die Bank aussuchen kann, von wem sie das Geld holt.
Und das Darlehen hat mit dem Grundbuch nichts zu tun.
Das ist weitestgehend unabhängig voneinander.
In beiden Richtungen.


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 09.10.2012 12:06
(@Brainstormer)

Einer der ersten Gedanken einer guten Freundin war auch, eben nicht wie selbstverständlich das Haus zu verlassen. Aber es wäre mir kaum möglich, dieses zu halten. Denn genauso, wie ich im umgekehrten Fall einen finanziellen Ausgleich erwarten würde, stelle ich diesen Anspruch an Fairness dann natürlich auch an mich. Diesen finanziellen Ausgleich dann noch zusätzlich schultern zu wollen wäre mehr als wahnsinnig.

Bei einer Entscheidung zum Verkauf der Immobilie und entsprechend geringen Angeboten wäre es wohl darstellbar dann selbst die Immobilie zu einem solch niedrigen Preis zu erstehen und zu finanzieren. Natürlich müsste ich dann auch die Hälfte des Verlustes dann noch mittragen. Die Bank müsste auch mitspielen und wird wohl auch die Nase rümpfen, wenn sie nur noch einen Schuldner hat. Das ist sicher alles nicht einfach. Aber ich habe es im Hinterkopf.

Ja, Gehen befreit mich aus einer mehr als beklemmenden Situation, auch wenn ich in eine finanziell ungewisse Zukunft gehe. Und wie Du richtig angeführt hast, laufe ich Gefahr, zum Wochenendpapa abgestellt zu werden, der ja diese Entscheidung so getroffen hat und deswegen auch selbst schuld ist. Aber genau dieses Dilemma hindert mich ja momentan daran zu gehen. Aber das halte ich auch nicht mehr lange durch und auch für meinen Sohn ist diese Situation nicht gut.

Hallo Esel,

da ich vor kurzem noch in der gleichen Situation war, kann ich dir sagen, dass nichts befreiender ist, als wenn die Hütte verkauft ist. An Auszug solltest du nicht im geringsten denken, bevor das Haus verkauft wurde.

Auch wenn du in der jetzigen Situation keinen Kopf für die Finanzen hast, solltest du dir trotzdem mal folgendes durchrechnen:

1. Was Kostet die Hütte im Monat effektiv.
Die einzelnen Posten hat Okina ja bereits genannt. Dort fehlen dann eigentlich nur noch die Kosten für Fernsehen/Telefon/Internet sowie Rücklagen für Reparaturen/Modernisierungen.

2. Was bei einem Verkauf abzüglich Rest-Darlehen und Vorfälligkeitsentschädigung übrig bleiben würde.
Preise für vergleichbare Objekte findest du z. B. bei Immobilienscout und ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass jetzt ein wirklich guter Zeitpunkt für Immobilienverkäufe ist. Wir hatten nach 3 Monaten mehrere potentielle Käufer und konnten uns letztendlich aussuchen, an wen wir verkaufen wollten. D. h. auch, dass wir über den Preis nicht zu verhandeln brauchten.

Mit diesen beiden Zahlen gehst du zu deiner Frau und erläuterst ihr, was sie monatlich zu stämmen hätte, wenn ihr nicht verkauft und welcher schöne Betrag übrig bleiben würde, wenn ihr das Haus verkauft und euch den Erlös teilt. Meine Frau hat bei dieser Rechnung nicht lange überlegt und wir sind noch in der gleichen Woche zum Makler. Von da an lief die Sache eigentlich von allein.

Alles Gute!
Brainstormer


AntwortZitat
Geschrieben : 09.10.2012 14:17
(@staengler)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

wir sind noch in der gleichen Woche zum Makler.

Das wäre auch mein Rat in dieser Sache.

An Häusern sollte man nicht so hängen. Auch mein Haus konnte relativ zügig über die finanzierende Bank weiterveräußert werden.
Wir hatten Glück und sind zumindest in diesem bereich schuldenfrei aus der Sache rausgekommen.

Gruß, Michael


sol lucet omnibus - die Sonne scheint für alle

AntwortZitat
Geschrieben : 09.10.2012 15:07