An und für sich nicht total off topic. Ich weiß nur nicht wohin damit. Finde den Text lesenswert. Er kommt stellenweise mit verblüffenden Einsichten daher und stimmt nachdenklich. Lest selbst. Hier ein Auszug:
..... Es würde mich endlich zu weit führen, wenn ich Regeln für das Verhalten in jeder einzelnen unglücklichen Lage von der Art geben wollte – also nur so viel im allgemeinen. Man muß in solchen Situationen dreierlei Rücksicht nehmen; nämlich: zuerst solche, welche auf Beförderung unserer eigenen Ruhe abzielen; Rücksichten auf Kinder und Hausgenossen; und endlich auf das Publikum. Was uns selbst betrifft, so rate ich, wenn einmal keine Hoffnung zu Bewirken sittlicher Besserung da ist, sich nicht mit Klagen, Vorwürfen und Zänkereien aufzuhalten, sondern in der Stille solche kräftige Gegenmittel zu wählen, die uns Vernunft, Rechenschaft und Gefühl von Ehre anraten. Entwirf reichlich und mit möglichst kaltem Blute Deinen Plan. Überlege wohl, ob Trennung nötig sei, oder wie Du es anzulangen habest, Deinen Zustand, wenn derselbe nun einmal nicht zu verbessern ist, leidlich zu machen, und laß Dich dann von dieser Richtschnur durch nichts, selbst durch keine bloß anscheinende Besserung noch durch Liebkosungen abwendig machen. Erniedrige Dich aber nie so weit, dass Du Dich durch Hitze zu groben Behandlungen verleiten ließest, sonst hast Du schon zur Hälfte unrecht. Erfülle endlich um so treuer Deine Pflichten, je öfter Dein Weib dieselben übertritt, so wird auch Dein Gewissen beruhigt sein, und mit einem ruhigen Gewissen lässt sich alles, auch das Ärgste, ertragen. In Betracht Deiner Kinder, des Hausgesindes und des Publikums aber vermeide alles Aufsehen. Laß, wo möglich, Dein Unglück nicht ruchbar werden! Wenn Uneinigkeit unter Eheleuten herrscht, so werden die Kinder immer schlecht erzogen. Ist diese Uneinigkeit also nicht zu verbergen, so trenne Dich lieber von Deinen Kindern und überlasse die ihre Leitung fremden guten Händen. .....
Sehr gerne aber pflegen sich dienstfertige gute Freunde, alte Weiber beiderlei Geschlechts, Vettern und Basen in solche Angelegenheiten zu mischen. Leide nicht, dass irgend jemand, wer es auch sei, ohne Dein Bitten sich um Deine häuslichen Umstände bekümmere. Weise solche Naseweisigkeiten mit aller männlicher Entschlossenheit von Dir! .......
{Einschub: es folgt noch etwas feines zu Schwiegermüttern}....
Überhaupt sollen alle Zwistigkeiten unter Eheleuten nur unter vier Augen ausgemacht werden, und, wenn es auf das Höchste kommt, vor der Landesobrigkeit; alle Mittelinstanzen taugen da gar nichts, und fremde Friedensstifter und Beschützer des leidenden Teils machen immer das Übel ärger.....
Text: Adolph Freiherr von Knigge
Über den Umgang mit Menschen (1790)
Kriegt nichts! Hat nur seine verfluchte Schuldigkeit getan!
(Friedrich der Große 1712 - 1786)
das ist ja nur geil! Wenn vs.de ein Verein wäre, müssten wir ihn glatt zum "spiritus rector" oder zumindest zum Ehrenmitglied ernennen 😉
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Moin Martin,
Du hast es auf den Punkt gebracht - spiritus rector.
Und das geht im ganzen Knigge so weiter. Mit nahezu lückenlos allen Lebenslagen. Interessant auch seine Ausführungen zum Verghalten bei ehelicher Untreue. Gerade beim Lesen des Textes im letzten Absatz mußte ich erst auflachen und dann blieb mir das Lachen doch ein wenig im Halse stecken. Es war schon immer so und wird sich dann wohl kaum für die Zukunft ändern, gefochten wird bis in die letzte Instanz, eine Helferindustrie, nennen wir sie meinetwegen -manufaktur, war schon damals tätig und wird auch weiterhin fleißig wirken. Wenig Aussicht auf friedliche Zeiten, es sei denn, man liest sich mal das durch was er über den Umgang miteinander in der Ehe schreibt. Da hab ich mir stellenweise ganz verstohlen, wenngleich auch und nur im Geiste, die Eselskappe aufgesetzt.
Grüße
Till
Kriegt nichts! Hat nur seine verfluchte Schuldigkeit getan!
(Friedrich der Große 1712 - 1786)
moin,
bei spiegel.de ist das Buch online zu lesen, unterteilt in verschiedene Kapitel.
lg luca
Ja, es ist schon erstaunlich, wenn man mal bei den alten Leutchen liest, wie viel die schon von den heutigen Problemen wußten.
Seien es Griechen, Römer, oder Uli!
(Nein, ich meine doch seine Signatur! 😉 )
Und dabei denken so viele, dass die heutige Art zu leben quasi auch erst heute erfunden wurde.
Aber die Bereitschaft aus der Geschichte zu lernen, lässt eben auch nach.
Früher war eben alles besser!
Gruss Beppo
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
