Hallo zusammen,
erstmal möchte ich meine Freude darüber ausdrücken, dass es ein solches Forum gibt und sich hier hoffentlich viele Väter treffen und austauschen.
Zu mir selber:
Ich bin am Ende meines Studiums, werde in ca 1 Jahr anfangen zu arbeiten, bin (noch) kinderlos, lebe seit 10 Jahren in einer Beziehung und eigentlich läuft alles ganz gut.
Weshalb ich mich trotzdem hier melde, ist folgendes:
Man hat ein gutes Studium, hat Job-Angebote, wird weitergereicht, kommt rum und macht sich einen Namen. Alles super. Doch dann ist da noch der Kinderwunsch zusammen mit der Partnerin und auch der Wunsch, selbst etwas beizutragen. Der Traum geht in die Richtung "auch mal wenigstens 3 Monate den Haushalt zu übernehmen", sicher, mehr als eine nette Geste ist das auch nicht.
Gerade jetzt, wo in meinem Umfeld viel von Arbeit und Zukunft gesprochen wird, bringt mich das in Zugzwang. Auf der einen Seite arbeite ich natürlich auch weiter am Erfolg, auf der anderen Seite weiss ich nicht, wie ich meinem Chef, der mich dann als engagiert bekannten Mitarbeiter einstellen wird, erklären kann, dass jetzt leider mein "Privat-Leben" Vorang hat. Vielleicht kennen das andere Väter noch aus der Zeit davor?
Sicher, nun wird der eine oder andere meinen, es sei zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Doch ich muss gestehen, mich belastet es. Es bremst zum einen meinen Kinderwunsch (was schon schlimm genug ist) und macht mich zum anderen in Gesprächen mit potentiellen Arbeitgebern sehr unsicher.
Ich würde mich sehr dafür interessieren, ob Ihr solche Erfahrungen auch gemacht habt, ob es etwas gab, was Euch dabei geholfen hat, und wie Ihr bei den entscheidenden Gesprächen argumentiert habt.
Ich danke Euch bereits jetzt für die Antworten und warte gespannt,
viele Grüße, StefanD
Hallo Stefan!
Mir ist klar, worum es Dir geht; Böse Falle, klar. Das Recht auf Deiner Seite, die Arbeitsmarktsituation ist aber eine andere Nummer. Wenn Du nicht gerade im öffentlichen Dienst o.ä. anfängst, würde ich den Kinderwunsch erst mal zurückstellen. Mir persönlich wäre alles andere zu riskant, gerade als Berufseinsteiger. So was nimmst Du über die Zeugnisse Dein leben lang mit. Auch wenn es verboten ist, die Personalchefs wissen, wie man zwischen den Zeilen schreibt. Und telefoniert wird ohnehin.
Ich habe Dir mit diesen Zeilen nicht wirklich geholfen, aber evtl. einen Denkansatz gegeben.
LG Thomas
Wer aufgibt, gibt sein Kind auf!
Das Zeichen größten Misstrauens Gott gegenüber, ist ein Blitzableiter auf dem Kirchturm.
Hallo Stefan,
da ich Chef bin kann ich dir sagen, wenn du dich bei mir vorstellst und das Wort Kinderpause erwähnst, würde ich dich mit großer Sicherheit nicht einstellen. Auch wäre ich nicht sehr begeistert wenn du kurz nach der Einstellung damit kommen würdest.
Sicher, ich weiß das es nicht richtig wäre aber so ist das nun mal und ich stehe sicherlich nicht alleine mit dieser Denkensweise. SORRY
Lieben Gruß
Silke
Moin Stefan,
ich denke, Du siehst das Ganze etwas zu dramatisch - viele Generationen von Kindern sind grossgeworden, ohne dass die Hauptverdiener der Familie (in aller Regel die Väter) gleich nach der Geburt eines Kindes ihre Berufstätigkeit unterbrochen hätten, um das Kind füttern und ihm die Windeln zu wechseln zu können. Der Unterschied, ob man das den ganzen Tag oder nur abends und am Wochenende macht, ist sowieso marginal - und dem Kind vollkommen egal. Ein Säugling hat seine Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen - aber ob das gerade der Vater oder die Mutter tut (oder ggf. auch mal die Grossmutter oder Tante), ist nachgerade unerheblich; für den Aufbau einer persönlichen Beziehung genügt es vollkommen, wenn man solche selbstverständlichen Verpflichtungen als Vater ausserhalb der Arbeitszeit übernimmt.
Es gibt also kein "Entweder - oder", bei dem man sich zwischen Kind oder Karriere entscheiden oder gar das eigene "Recht" auf Kinderbetreuung einklagen müsste. Als Arbeitgeber hätte auch ich wenig Verständnis dafür, wenn ein Berufsanfänger gleich eine monatelange Pause einlegen wollte. Die Prioritäten Deines Privatlebens müssen keinen Chef interessieren, wenn Du gleichzeitig Gehalt von ihm kassieren willst. Frag mal einen Chef, was er von Mitarbeitern hält, die am liebsten über Feierabend oder Urlaubstage reden. Oder den Kegelausflug während der Arbeitszeit vom Firmentelefon organisieren - weil es ja um ihr wichtiges Privatleben geht...
Aber wenn Dir das so wichtig ist: Was spricht dagegen, dass Du Dich mit Deiner Partnerin/Ehefrau darauf einigst, das sie zumindest für eine gewisse Zeit die Haupt-Verdiener-Funktion übernimmt, beispielsweise nach Abschluss Deines Studiums und vor dem ersten Job? Ansonsten gibt es hier im Forum (wenn auch meist in Bezug auf Nur-Hausfrauen) auch die weit verbreitete Ansicht, dass man Kinderbetreuung und Beruf durchaus unter einen Hut bringen kann. Warum sollte das für Dich nicht gelten?
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo,
vielen Dank für die vielen Antworten!! Das finde ich echt super. Jetzt habe ich schon wesentlich mehr zum Thema erfahren. Ich möchte auch auf die Beiträge hier eingehen.
@Thomas
Klar, Chefs telefonieren auch miteinander, und dann kommt der bekannte Satz "ja, der war mir am Anfang auch total sympathisch, ging mir genau wie Ihnen. Aber ich sag Ihnen, ich hab mich da so getäuscht..."
Ich versuche mir daher eben Zusatzqualifikationen zu erwerben, die meine Stellung im Team stärken und mir die Möglichkeit geben, auch von zu Hause wenigstens einen Teil meiner Arbeit zu leisten. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob mir das wesentlich nützt, aber ich bin überzeugt davon, dass es mir nicht schaden kann.
@Silke
Freut mich sehr, dass Du Dich auch hier einbringst, das gibt mir einen sehr deutlichen Realitätsbezug. Und irgendwie hats mir auch einen kalten Schauer den Rücken runtergejagt.
Ich weiss jetzt nicht, in welchem Unternehmen Du tätig bist, um welche Zahl von Mitarbeitern es sich handelt. Dennoch ist mir klar, dass ich solches natürlich im Bewerbungsgespräch nicht erwähnen und wenn nötig auch abstreiten werde (Falschaussagen sind in diesem Fall sogar gesetzlich erlaubt).
Es will aber auch die Frage erlaubt sein, wie es sich besonders als Frau (die ja eben diesen Wettbewerbsnachteil schwer kritisieren) anfühlt, solche Entscheidungen zu treffen? Keine Frage, es steht das Wohl des Unternehmens auf dem Spiel und vieles andere auch. Es geht mir jetzt aber ums Persönliche. Hast Du Kinder? Und wenn ja, wie sah Deine Lösung aus? Ich würde mich sehr freuen, Deine Meinung dazu zu hören.
@Martin
Ich bin mir bewusst, dass viele Generationen mit arbeitendem Vater groß geworden sind. Aber wenn wir uns das genau anschauen, dann ist dieses Modell 1933 erst so richtig in Mode gekommen, von wegen der Mann muss eine Familie ernähren können, die Mutter soll zu Hause bleiben.
Gehen wir noch weiter zurück, meinetwegen in die Steinzeit, so wurden die Kinder schon damals in Kindergruppen von einigen wenigen beaufsichtigt (die waren natürlich auch Mütter, aber nicht alle Kinder deren Kinder), während die anderen Frauen gearbeitet haben. Ein "es geht nur so" ist für mich daraus nicht abzuleiten. Sorry.
Zurück zu Deiner Antwort: Ich sehe es zum einen als Nachteil für Männer an, dass ihnen die Möglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit eigenen Kindern so schwer gemacht wird. Und zusätzlich wird damit (zum Nachteil aller) ein Nachteil für die Frauen um so mehr verstärkt, je weniger Männer von Ihrer Kinderpause NICHT Gebrauch machen.
Allgemeine Überlegungen
Ich bin nicht gegen Krippenplätze und auch der Meinung, dass Kinder und Eltern auch bei Kinderbetreuung ausserhalb der Familie eine intensive persönliche Bindung aufbauen können.
Auch wenn Personaler und Chefs natürlich daran denken müssen, dass ihr Laden läuft, sollte auch daran gedacht werden, wer die Renten eben dieser Personen zahlt: Die Kinder von Morgen. Und denkt man ein wenig globaler, so würden mehr Kinder auch mehr Konsumenten, mehr Nachfrage, mehr Aufträge UND mehr Rente bedeuten. All diese Faktoren werden in den nächsten Jahren immer deutlicher werden.
Wäre es nicht sinnvoll, Frauen UND Männern das gleiche Recht einzuräumen und damit die "Last" auf doppelt soviele Schultern zu verteilen? Wäre es für Chefs möglich, durch Anreize wie Kinderpause ohne Kündigung eine größere Motivation und Bindung zum Unternehmen zu schaffen?
Ich habe all diese Gedanken einfach mal zur Disposition gestellt, denn ich denke, dass eben auch jeder, der hier schreibt und liest, diese Veränderungen an seinem eigenen Stück Kuchen spüren wird - früher oder später.
Ich freue mich sehr über Eure Antworten und Meinungen,
Grüße StefanD
Hallo Stefan_d,
ich bin alleinerziehend und wieder arbeiten gegangen als mein Junior 8 Monate alt war, damals hatte unser Krankenhaus noch einen eigenen Kindergarten den sie mittlerweile abgeschafft haben.
Schon früh wußte ich daß meine Priorität nicht bei einer Karierre lag, die ich sicherlich hätte anstreben können weil ich gute Aussichten im Haus hatte.
Für mich persönlich war das auch nicht so dramatisch da ich in einem unbefristeten Arbeitsverhältniss bin.
Mittlerweile merke ich natürlich an allen Ecken und Kanten wie sehr einem das Arbeiten selbst schwierig gestaltet wird, da ja bekanntlich der Arbeitnehmer immer und jederzeit flexibel sein muß, die Arbeitgeberseite für sich mit dem Wort doch grosse Schwirigkeiten hat.
Das ich als alleinerziehende keine 3 Schichten mehr arbeite hat über ein Jahr gedauert und viele zähe Kämpfe bis es letztendlich auch die Arbeitgeberseite akzeptiert hat.
Ich bin die einzige alleinerziehende in meinem Bereich, andere Mütter bekommen ganz klar zu hören daß sie alle Schichten arbeiten müssen, da es schliesslich auch einen Mann gibt der sich genauso um die Kinder zu kümmern hätte und somit bei seinem Arbeitgeber sich diese Zeit zur Kinderbetreuung ebenfalls erkämpfen muss.
Als wichtig erachte ich wie man sich die Partnerschaft mit Kind gestaltet, wenn man sich heutzutage noch ein Modell erarbeitet bei dem auschliesslich die Mutter für die Kinder zuständig ist und der Mann für das Geld,
dann wirst du sehr schnell feststellen, daß es Damen gibt denen es dann genügt ausschliesslich dein Geld jeden Monat willkommen zu heißen ohne dich in einer Partnerschaft zu beteiligen.
Ein Arbeitgeber der kein Verständnis dafür hat wenn du dir Zeit für dein Kind nimmst, der wird sich auch gegen dich richten wenn du krank bist, alt wirst oder aus was für Gründen auch immer nicht mehr 24 Stunden lang Hurra schreist wenn er nach dir Pfeift!!
Wer den Anspruch erhebt 50% am Kind beteiligt zu sein und zwar nicht nur biologisch der muss auch in den sauren Apfel beißen und sich diesen Anspruch im Arbeitsleben erkämpfen, du wärst nicht der erste Mann dem das gelingt und du wirst auch nicht der letzte sein.
Lieben Gruss
Kruemel1 🙂
Moin Stefan,
Ich bin mir bewusst, dass viele Generationen mit arbeitendem Vater groß geworden sind. Aber wenn wir uns das genau anschauen, dann ist dieses Modell 1933 erst so richtig in Mode gekommen, von wegen der Mann muss eine Familie ernähren können, die Mutter soll zu Hause bleiben.
vielleicht besorgst Du Dir mal ein Geschichtsbuch; diese Aussage ist jedenfalls eher unzutreffend. Väter waren zu keiner Zeit - auch nicht in der Steinzeit (wobei ich mich frage, warum diese überhaupt als Vorbild für heutige Betreuungsmodelle herhalten soll) die Hauptbezugspersonen neugeborener Kinder. Und in der vorindustriellen, landwirtschaftlichen Zeit - also vor reichlich 100 Jahren - waren Mann und Frau auf dem Feld, um das Auskommen der Familie zu sichern; die Kinderbetreuung lag zu grossen Teilen in den Händen der Grosseltern.
Es spricht doch nichts dagegen, wenn Du Dich mit Deiner Partnerin/Ehefrau darauf einigst, dass sie zumindest eine gewisse Zeit lang um das Familieneinkommen kümmert und Du Dich um Haushalt und Kind. Wenn Du in dieser Zeit eh zuhause bleiben möchtest, kannst Du ja schlecht Deine Karriere anführen - die macht man wirklich nur im Unternehmen, aber garantiert nicht während einer Freistellung. Und natürlich würden Deine Kollegen, die keine Kinderpause machen, Dich in der Zwischenzeit überholen - wolltest Du Dich gegen diese "Ungerechtigkeit" auch wehren?
Andere Möglichkeit: Du arbeitest erst einmal und legst Dir ein bisschen Geld zur Seite, mit dem sich ein "Sabbatjahr" finanzieren lässt. Oder Du suchst Dir einen Job, bei dem Du - zumindest teilweise - von zuhause arbeiten kannst. Oder Du machst Dich selbständig und hast Wohnung und Firma unter einem Dach. Es gibt viele Möglichkeiten, wenn man nur will.
Einkommen gibt es in unserer Leistungsgesellschaft nun einmal für Erwerbsarbeit und nicht fürs Zuhause bleiben. Warum soll die Allgemeinheit Deinen Wunsch finanzieren, zuhause zu bleiben und ein Kind zu betreuen? Das blödsinnige Argument mit dem späteren Steuer- und Rentenzahler kann ich persönlich nicht mehr hören (zumal ich selbst auch ein solcher Zahler geworden bin, ohne dass meine Eltern ihre Berufstätigkeit aufgegeben oder unterbrochen hätten). Abgesehen davon könnte man man mit dieser Argumentation auch verlangen, dass die Allgemeinheit einem einen Porsche vor die Türe stellt - der sichert schliesslich Arbeitsplätze.
Vatersein.de ist ein Forum, dessen Mitglieder hauptsächlich darum kämpfen, ein paar Stunden pro Woche (!) Vater sein zu dürfen, gegen den erklärten Willen ihrer Ex-Ehefrauen oder Partnerinnen. Sie tun das teilweise unter grossen finanziellen Opfern; viele leben aufgrund der Unterhaltszahlungen an Kinder und oft auch Ex-Frauen am Selbstbehalt; manche wurden von Gerichten sogar zu einem Nebenjob verdonnert, damit sie ihren Unterhaltsverpflichtungen Genüge tun können. Zahlreiche User können darüber hinaus ein Lied von einer Ex-Frau singen, die mit Verweis auf Kinderbetreuung eigene Erwerbsarbeit ablehnt und eine Alimentierung durch den Ex-Partner oder die Allgemeinheit erwartet, weil es ihr angeblich "zusteht".
Vor diesem Hintergrund mutet Deine Frage ein wenig wie ein Luxusproblem an - Eltern werden muss man sich zeitlich und finanziell einfach erst einmal leisten können, auch ohne Unterstützung durch die Allgemeinheit oder einen Arbeitgeber, dem man dann gar nicht zur Verfügung steht. Wer zu diesem "Opfer" nicht bereit ist, lässt sich am besten sterilisieren und verzichtet auf eine Vater- bzw. Elternschaft. Dann kann man sich mit seinem Partner und zwei Einkommen eine Menge toller Dinge leisten, mehrmals im Jahr in Urlaub fahren, tolle Autos kaufen etc. Und die eigene Rente bezahlen dann andere.
Just my 2 cents
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
speziell @Martin
Hallo Martin,
vielen Dank für Deine Antwort.
Zuerst möchte ich feststellen, dass es sich bei mir, wie Du ganz richtig sagst, sicher um überwindbarere Probleme Handelt, als die, mit denen sich offensichtlich (leider!!!) viele User dieses Forums zu befassen haben. Ihnen allen gilt mein hoher Respekt und meine uneingeschränkte Anerkennung.
Im Gegensatz dazu bin ich mit einigen Deiner Äusserungen nicht einverstanden.
Wenn Du in dieser Zeit eh zuhause bleiben möchtest, kannst Du ja schlecht Deine Karriere anführen - die macht man wirklich nur im Unternehmen, aber garantiert nicht während einer Freistellung. Und natürlich würden Deine Kollegen, die keine Kinderpause machen, Dich in der Zwischenzeit überholen - wolltest Du Dich gegen diese "Ungerechtigkeit" auch wehren?
Ich denke, dass Deine Äußerung relativ veraltet ist. Schon etwas von Work-Live-Balance gehört? Schon was davon gehört, dass Leute mit 40 völlig ausgebrannt und depressiv werden, weil keine Gratifikation, keine Rücksicht auf familiäre Ressourcen im Unternehmen genommen wird?
Und warum führten so effizienzgesteuerte Unternehmen wie die HypoVereinsbank schon vor 5 Jahren die Möglichkeit von Teilzeit und Kindergarten auf dem Firmengelände ein?
Nicht direkt in Zahlen messbar, so hat auch dies einen indirekten Nutzen fürs Unternehmen. Leider erkennen es eben nur wenige.
Einkommen gibt es in unserer Leistungsgesellschaft nun einmal für Erwerbsarbeit und nicht fürs Zuhause bleiben.
Entschuldige, aber ich bin wirklich sprachlos. Demnach ist Zuhausebleiben und für Kinder sorgen Urlaub? Und selbst der wird noch bezahlt - komisch, oder?
Leider zeigt diese Haltung eben, dass Kindererziehung angeblich keiner Qualifikation bedarf und keine Leistung darstellt. Und eben weil es keine Qualifikationen dafür gibt, gibt es auch kaum Qualitätskontrollen.
Was dabei rauskommt, sieht man in den Diskussionen um die unvermittelbaren Lehrlinge. Mit qualitativer Betreuung könnte viel von dem aufgefangen und die Ungleichheit in der Gesellschaft verringert werden.
Zusammenfassend
Natürlich werde auch ich meinen Weg finden, dieses Problem zu meistern. Und wie jeder hier werde auch ich in einigen Dingen mehr und in anderen weniger Erfolg haben.
Etwas erschrocken bin ich aber doch über das immer noch so tief verwurzelte Bild der Frau hinter dem Herd ("als Sinnbild "sie bleibt zu Hause, erarbeitet") und darüber, dass der Blick vieler eben doch nicht über den Tellerrand reicht.
Vielen Dank für Deinen Kommentar, Martin, ich dachte, ich müsste mich auf neue Argumente vorbereiten, aber offensichtlich hat sich da noch nicht viel geändert.
Danke für den realistischen Einblick in dieses Thema.
Viele Grüße,
StefanD
PS:
Möchte jemand auf sein Leben zurückblickend sagen: "Ich habe nichts verändert. Meine Existenz hinterlässt keine Spuren - als ob ich nicht da gewesen wäre." ???
@Kruemel
Hallo,
vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich bin sehr froh, Deine Erfahrung zu hören. Alle Achtung, was Du Dir da erkämpft hast.
Wie es der Zufall so will, werde ich auch im medizinischen Bereich arbeiten, am besten mit Kindern. Ob dort die Chefs verständnisvoller sind? Offensichtlich nicht, obwohl es offensichtlich die SoftSkills verbessern würde.
Ein Arbeitgeber der kein Verständnis dafür hat wenn du dir Zeit für dein Kind nimmst, der wird sich auch gegen dich richten wenn du krank bist, alt wirst oder aus was für Gründen auch immer nicht mehr 24 Stunden lang Hurra schreist wenn er nach dir Pfeift!!
Dieser Satz von Dir hat mir sehr klar gemacht, dass es sehr wohl entscheidend ist, wie man mit werdenden Eltern umgeht. Natürlich gibt es auch gute Chefs, die sich um ihre Mitarbeiter kümmern. Aber die sind auch rar gesäht.
Das hier die Eltern von beiden Chefs gegeneinander ausgespielt werden (es gibt doch einen Vater, es gibt doch eine Mutter), wird oft übersehen, glaube ich.
Meiner Meinung nach ist es für die Allgemeinheit (wen kümmert schon die Allgemeinheit, ok) sicher von Vorteil, wenn Mütter und Väter ähnlich handeln können (nicht gesetzlich, sondern real), ohne dadurch benachteiligt zu werden. So hätten Frauen in diesem Punkt einen wesentlich besseren Stand und die Männer könnten sich leichter ihrem Nachwuchs widmen. Was natürlich die Männer in Konkurrenz mit 200% Teilnehmern treibt - das will dann aber doch keiner.
Grüße und weiterhin viel Kraft und alles Gute,
StefanD
Moin,
zugegeben, ich habe nicht alles aus dem Topic gelesen. Daher meine Frage: Du möchtest eine Sicherheit, die heute noch gar nicht akut notwendig ist. Aus diesem Grunde ist es schwer Ratschläge zu geben, die über eigene Sichtweisen und Erfahrungen hinausgehen.
Die Elternzeit ist gesetzlich gewollt für verheiratete Väter von mind. 2 Monaten, ohen dass sich finanzielle Verluste einstellen.
Die Aufrechterhaltung des Arbeitsplatzes, der Drive in der Karriere, die Fortschreibung der Gehaltssteigerungen - all das liegt am Unternehmen. Argumentativ kann da nur sehr schwer etwas gemacht werden, da einfeharene Meinungsbilder nicht durch drei oder vier pfiffige Sätze umgestoßen werden.
Ich kann dir als AE-Vater meine Chancen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz sagen: 0,00. "Was sind sie denn für einer?", "Und wenn ihr Kind krank ist.", "Wollen Sie kein Geld verdienen?", "Was ist mit Fortbildungen?"
DeepThought
P.S.: Hab's Topic mal verschoben, da es ja eher nicht "Deine Geschichte" ist.
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
Hallo Stefan !
Ich habe den Eindruck, daß Du Martin falsch verstanden hast.
Es wird keiner was dagegen sagen wenn Du den Wunsch hast
in Elternzeit zu gehen, wenn Du einige Zeit (Monate) nur Deinem
Kind widmen möchtest.
Es gibt hier einige Väter, die ihre Arbeitszeit für ihre Kinder
drastisch reduziert haben, ebenso aber auch ihr Einkommen. Es
war ihnen das wert.
Was Martin sagen wollte und ich ersuche ihn mich zu korrigieren
wenn ich falsch liege, ist, daß Du nicht darauf bauen kannst,
diesen Luxus von der Allgemeinheit finanziert zu bekommen und
das zukünftige Vorgesetzte viel Verständnis dafür haben werden.
Die kaufen Deine Arbeitskraft und Zeit und entlohnen Dich.
Entsprechend erwarten sie dafür eine bestimmte Leistung und
einen gewissen Einsatz von Dir. Je nachdem wie hoch der ist,
wird sich Dein Einkommen bewegen. Hoffe ich zumindest.
So ist das Leben. Es ist damit keineswegs antiquiert oder in den
30er Jahren hängengeblieben.
Karriere kostet Zeit und vollen Einsatz. Der Umgang mit Kindern
auch. Du wirst Dich zu gegebener Zeit entscheiden müssen, was
hinten ansteht ohne das Du deswegen ein schlechterer Vater
oder eine schlechte Arbeitskraft bist.
Das hat auch wenig mit einen tiefverwurzelten Bild von der Frau
am Herd zu tun. Genausowenig aber mit dem Beispiel jener Bank,
die scheinbar betriebseigene Kindergärten hat. Das ist löblich und
ich bin stark dafür. Nur diese werden Dir nicht helfen, einige Monate
beruflich auszusetzen. Weil dann Kind eben im Kindergarten ist.
Ich kann Deinen Wunsch nachvollziehen... nur die Erfüllung mußt
Du oder die zukünftige Mutter Deines Kindes selbst finanzieren.
Gruß
Marina
Hi und Hallo,
vielen Dank, dass Ihr mir antwortet. Das ist echt toll und ich danke Euch dafür sehr!
@DeepThought
Klar, Verschieben ist in Ordnung. Danke und sorry fürs fehlerhafte Einstellen.
Nee, ich will keine Sicherheit, ich will nicht, dass jemand kommt und mir sagt, klar, kannst alles machen, aber Karriere-Chancen bleiben natürlich alle wie vorher. So realitätsfern bin ich nun doch nicht ;-).
Worum es mir eigentlich ging, ist die Frage, ob Väter hier schon Erfahrungen gemacht haben, wenn ja welche. Wie so ein Gespräch beim Arbeitgeber aussieht, welche fiesen Fragen kommen, welche Argumente aus dem Hut gezaubert werden.
Ich will mich möglichst gut informieren, um dann gerüstet zu sein.
Gibt es Argumente, die den Chefs gefallen, wie Arbeit von zu Hause, Teilzeit etc?
Klar, wird sich jetzt jeder fragen, wieso denn schon jetzt? Es macht mir Angst, diese Frage so völlig offen zu lassen und erst zu klären, wenn die Kinder schon unterwegs sind.
Durch die Hintergrunddebatte sind wir leider vom eigentlichen Thema und meinen eigentlichen Fragen etwas abgekommen. Tut mir Leid.
@Marina
Naja, klar kaufen die Arbeitgeber meine Arbeitszeit - aber es gibt meines Wissens während der Elternzeit ja keine Lohnfortzahlung, oder? Keine Arbeit - kein Gehalt. Das kostet das Unternehmen also keinen Cent, abgesehen vom "Stress", Ersatz zu beschaffen. Und das müssen sie auch, wenn jemand krank wird (siehe oben). Da muss dann nur komischerweise keiner diskutieren. Wenn so eine Auszeit von langer Hand geplant ist, geht das auch reibungsloser über die Bühne.
Und von durch die Allgemeinheit finanziertem Luxus zu sprechen, wenn man 2 Monate Kinderpause nimmt, um in den folgenden 17 Jahren sein Gehalt in die Kinder zu buttern, finde ich doch stark übertrieben. Ich bin nicht der Typ, der sich in staatlichen Förderungen sonnt, bestimmt nicht. Und meinen Studienkredit muss ich auch noch abzahlen (kein Bafög).
Karriere kostet Zeit und vollen Einsatz. Der Umgang mit Kindern auch.
Genau!! Deshalb finde ich, sollte beides auch gesellschaftlich (nicht finanziell, sondern im Ausdruck der Gesinnung) gewürdigt werden. Bei einigen habe ich jedoch irgendwie immer noch das Gefühl, das Letzteres eben nicht entsprechend anerkannt wird.
Vielen Dank für Deine erklärenden Worte. Sicher werde ich meine Entscheidungen treffen müssen und natürlich werde auch nur ich alleine und meine Familie die Folgen tragen. Also keine Angs hier 🙂
Ich erwartete eingehens eigentlich eher, gerade in einem solchen Forum auf differenziertere Meinungen zu treffen, wie sie weiter oben im Thread ja auch zu finden sind. Stattdessen wird doch gerne sehr arbeitgeberfreundlich argumentiert (Dein Problem etc), das wundert mich einfach.
Also hier nochmals die eingangs gestellte Frage: Wie liefs bei Euch ab, welche Sprüche musstet Ihr Euch anhören und wie kamt Ihr aus der Situation raus?
Vielen Dank für Euer Mitschreiben,
StefanD
Moin Stefan,
speziell @Martin
Ich denke, dass Deine Äußerung relativ veraltet ist. Schon etwas von Work-Live-Balance gehört? Schon was davon gehört, dass Leute mit 40 völlig ausgebrannt und depressiv werden, weil keine Gratifikation, keine Rücksicht auf familiäre Ressourcen im Unternehmen genommen wird?
[...]
Entschuldige, aber ich bin wirklich sprachlos. Demnach ist Zuhausebleiben und für Kinder sorgen Urlaub? Und selbst der wird noch bezahlt - komisch, oder?
[...]
Etwas erschrocken bin ich aber doch über das immer noch so tief verwurzelte Bild der Frau hinter dem Herd ("als Sinnbild "sie bleibt zu Hause, erarbeitet") und darüber, dass der Blick vieler eben doch nicht über den Tellerrand reicht.Vielen Dank für Deinen Kommentar, Martin, ich dachte, ich müsste mich auf neue Argumente vorbereiten, aber offensichtlich hat sich da noch nicht viel geändert.
Danke für den realistischen Einblick in dieses Thema.
kann es sein, dass Du ein wenig wie der Blinde von der Farbe redest? Das frage ich als "gelernter" Vater mit 18-jähriger "Berufserfahrung". Oder andersherum: Ich habe mit dem Vatersein angefangen, als Du 8 Jahre alt warst; ich weiss also, wovon ich rede. Und ich habe meine persönliche Vaterrolle so gestaltet, dass ich mir ein Home-Office eingerichtet und mich als Journalist selbständig gemacht habe. Ohne eine einzige Mark Zuschuss von irgendwem, ohne irgendwelche Förderungen durch die öffentliche Hand oder einen Arbeitgeber, ohne pünktlichen Feierabend - einfach, weil ich das so wollte, um am Leben meiner Kinder mehr Anteil zu haben als die "Ausser-Haus-Väter", die ich kannte. Mit allen Risiken übrigens, die das Leben als Freiberufler ohne soziale Hängematte für einen bereit hält. Sagen wir also: Ich kenne die "Soft-Skills" und die "Work Live Balance", von denen Du noch sehr theoretisch schwadronierst, aus persönlicher und praktischer Erfahrung. Aber ich habe von niemandem erwartet, dass er sie mir mundgerecht zubereitet. Wie wenig Deine Vermutungen in Sachen "antiquiertes Rollenbild" oder "Frau am Herd" auf mich persönlich zutreffen, darfst Du Dir also ausrechnen.
Zuhause bleiben und Kinder betreuen ist ganz sicher kein Urlaub - wer behauptet denn sowas? Aber man muss es sich zeitlich und finanziell leisten können. Es liegt an Dir, Dir in Absprache mit Deiner (Ehe-)Partnerin ein passendes Arbeitsumfeld zu schaffen, mit dem das möglich ist. Weder Deine potenziellen Arbeitgeber noch die Allgemeinheit sind finanziell verantwortlich für Deine Lebensplanung; das musst Du schon allein gebacken kriegen. Millionen anderer Familien haben es auch hingekriegt.
Noch eine Antwort auf eine Frage, die Du gar nicht gestellt hast, die aber eine der Grundlagen dieses Forums ist und die in Deine doch noch sehr realitätsfremden Überlegungen zur Familienplanung mit einfliessen sollte: Wenn die Mutter Deines/r Kindes/r eines Tages einen Rappel bekommen sollte, setzt sie Dich mit den Möglichkeiten des deutschen Familienrechts einfach vor die Tür, lässt Dir einen Anwaltsbrief mit einer Unterhaltsforderung schicken und teilt Dir die Zeiten zu, in denen Du Dein/e Kind/er sehen darfst. Das ist die bundesdeutsche Realität, in der "Soft Skills" oder absolvierte Elternzeit überhaupt keine Rolle spielen. Sag besser nicht "das könnte mir nie passieren!" - denn so haben wohl die meisten der knapp 6.000 User dieses Forums auch einmal gedacht. Wenn Du daran etwas ändern willst: Geh in die Politik und werde Familienminister.
PS:
Möchte jemand auf sein Leben zurückblickend sagen: "Ich habe nichts verändert. Meine Existenz hinterlässt keine Spuren - als ob ich nicht da gewesen wäre." ???
Niemand hier will und wird das. Aber "Spuren hinterlassen" bedeutet eben auch, Risiken einzugehen und auf manches zu verzichten. Wenn's nur auf Kosten Dritter geht, isses einfach keine Kunst...
Just my 2 cents
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hi Martin,
ich glaube, dass es jetzt ein paar schwerwiegende Missverständnisse gegeben hat. Ich bedaure das sehr und möchte nun alles nochmal erklären:
1. In dieses Forum bin ich gekommen, weil es bei Google nach verschiedenartigen Suchen bezüglich Vater, Karriere und Kinderpause mehrmals genannt wurde. Natürlich war das retrospektiv gesehen vielleicht nicht der ideale Platz, denn die sich hier treffenden User haben sicherlich noch ganz andere Probleme zu bewältigen. Keine Frage
2. Es geht mir nicht darum, Geld zu kassieren!!! Es geht mir um folgendes: Hat jemand Erfahrungen damit, beim Chef die Kinderpause argumentativ zu rechtfertigen? Welche Argumente wurden vorgebracht, welche wurden vom Chef vorgebracht?
Das war das ursprüngliche Anliegen meines Schreibens (siehe ersten Beitrag!!).
3. Spuren hinterlassen kostet Mut. Aber springst Du auch immer ohne Fallschirm oder fragst Du mal lieber vorher Leute, die sowas schonmal gemacht haben, wie das wohl am besten funktioniert? Und an was man vielleicht denken sollte?
Dazu ist ein Forum doch da, sonst kann mans doch gleich schliessen. Jetzt zu behaupten, ich will Risiken auf andere Schultern verteilen, finde ich ja schon sehr dreist. Wo habe ich das denn bitte gesagt?
4. Das Zitat
Einkommen gibt es in unserer Leistungsgesellschaft nun einmal für Erwerbsarbeit und nicht fürs Zuhause bleiben.
stammt zufälligerweise von Dir. Das verstehe ich nun gar nicht, denn in Deinem letzten Beitrag schreibst Du
Zuhause bleiben und Kinder betreuen ist ganz sicher kein Urlaub
. Das Deine (nichtberufliche) Tätigkeit zu Hause eine Leistung ist (auch wenn sie nicht bezahlt wird), wäre doch eine Erkenntnis wert.
5. Habe ich mich nie gegen jemanden hier im Forum gestellt. Du bist ein gutes Beispiel dafür. Ich versuche hier über mehrere Beiträge klar herauszustellen, dass Kindererziehung eine ernstzunehmende Leistung ist, die als solche wenn schon nicht finanziell, dann doch bitte moralisch gewürdigt wird - und bekomme dann solche Antworten.
Hallo, ich steh auf Eurer Seite. Schon gemerkt??
6. Möchte ich allen hier schreibenden Vätern, die in solch massiv belastenden Situationen gekommen sind, wie sie vielerorts beschrieben sind, meine Anteilnahme und meine Bewunderung ausdrücken. Euch zollt der größte Respekt!!
Zuguterletzt möchte ich nochmal auf die Anfangsfragen hinweisen, die da waren:
Wie liefs bei Euch ab, welche Sprüche musstet Ihr Euch anhören und wie kamt Ihr aus der Situation raus?
Wenn mein Beitrag hier als Off-Topic angesehen wird, so kann ich das sehr gut nachvollziehen und werde mich andernorts weiter auf die Suche nach Antworten begeben.
Ich danke allen, die trotz vielem Hin und Her dabei geblieben sind, mitgeschrieben haben und mir auch ein Stück weit die Augen geöffnet haben.
Viele Grüße,
StefanD
Moin Stefan,
zunächst mal zur Erklärung: Wenn man neu in ein Väterforum kommt und dort bereits nach wenigen Stunden "gelernte" Väter in Frage stellt oder ihnen ein überkommenes Rollenbild unterstellt, bekommt man Gegenwind. Liegt in der Natur der Sache: Abhilfe: Erst einmal einige Stunden oder Tage lesen und die Suchfunktion benutzen.
Zu Deiner Kernfrage "wie bringt man einem Chef bei, dass man Kinderpause(n) machen will" kann Dir niemand eine vernünftige Antwort geben. Grund: Elternzeit für Väter ist eine sehr neue "Einrichtung", mit der es noch nicht viele praktische Erfahrungen gibt. Also orientiert man sich am besten bei Frauen; da gibt es welche. Beispiel: Zwei gleich qualifizierte Frauen bewerben sich um einen Job; die eine kinderlos; die andere nicht. Welche von beiden wird den Job wohl bekommen? Natürlich wird ein Chef das Kind oder die Kinder der Bewerberin nicht als Grund anführen, aber alles Wehklagen über die Schlechtigkeit der Welt nützt im Fall der Ablehnung nichts: Ein Chef ist dafür verantwortlich, dass sein Laden läuft und nicht dafür, dass ein ihm unbekanntes Kind zwei Monate lang sein Fläschchen ausschliesslich von Papa bekommt.
Damit kommt der nächste Punkt (ich schrieb es schon): Dem Säugling ist es vollkommen egal, ob die 14-Uhr-Flasche und die 15-Uhr-Windel von Papa oder Mama verabreicht werden; der hat einfach Hunger oder die Hosen voll und schreit nach Abhilfe. Da kann man auch als Berufstätiger eine Menge beitragen - nur eben nicht zu allen Tageszeiten. Wo ist das Problem - man arbeitet 40 Stunden pro Woche - aber jede Woche hat 168 Stunden.
Im Moment kaprizierst Du Dich offensichtlich auf einen einzigen und zudem recht unbedeutenden Nebenaspekt und siehst das grosse Ganze nicht. Wenn Du wirklich etwas für Deine noch ungeborenen Kinder tun willst, richtest Du Deine (ebenfalls noch nicht bestehende) Berufstätigkeit per Gleitzeit, HomeOffice, Selbständigkeit etc. so ein, dass Du in ein paar Jahren tagsüber Zeit haben wirst, wenn die Kids 7 oder 10 oder 13 sind - dann haben sie nämlich was von Dir, beim Spielen, beim Hausaufgabenmachen und vielem anderem, wo Du Dich als Vater einbringen kannst.
Zusätzlich kümmerst Du Dich darum, dass die Partnerschaft zur Mutter dieser Kinder frisch und lebendig bleibt, dass Ihr auch Dinge ohne Kinder unternehmt und noch möglichst viele andere Gesprächsthemen habt. Ansonsten tritt ganz leicht der bereits erwähnte Plan B in Kraft, nach dem Dir der Umgang mit Deinen Kindern stundenweise zugeteilt wird und Du ansonsten nur noch zum Zahlen gut bist. All das - ich spreche da aus profunder Erfahrung - ist 1000 mal wichtiger als die Frage, ob Du kurz nach der Geburt des/der Kindes/Kinder mal zwei Monate Elternzeit genommen hast oder nicht; das ist für die Entwicklung der Kinder nämlich etwa so unerheblich wie der berühmte Sack Reis in China, der stehenbleibt oder eben umfällt.
Vater wird und ist man nun einmal nicht theoretisch, sondern ganz praktisch. Wirst Du noch merken, wenn es soweit ist.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hi Martin,
vielen Dank für Deine hilfreichen Tipps. Ich denke, das große Ganze zu sehen, ist nicht schlecht. Erinnert mich an was.
Ansonsten denke ich, dass sich hier einfach manche auf den Schlipps getreten fühlen - sorry, ich hab das falsche Forum erwischt. Auf meine Frage geantwortet haben jedenfalls nur Silke und Thomas. Immerhin.
So wünsche ich Euch hier alles Gute und werde Abschied nehmen, auf Grund mangelnder Erfahrung (ich hoffe, das bleibt auch so!).
Viele Grüße,
StefanD
