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Gleichberechtigter Umgang = Kindeswohl???

 
(@charly36_2kids)
Schon was gesagt Registriert

Liebe Leser,
da ich nun phantasievolle Unterstützung brauche, hoffe ich diese hier zu finden Undecided
Zu meinem Hintergrund: Die Mutter meiner Kinder ist vor 1 Jahr aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen und hat die Kids (damals m: 6, w:4) bei mir gelassen. In Absprache (u. a. JA) wurde eine Regelung erreicht, dass sie die Kids jedes WE abholt. Wir sind beide Lehrer und können uns die Kinderbetreuung am Nachmittag ermöglichen. Nach ihrer Klage ("ich will auch Alltag erleben") bestimmte das FamGericht einen wöchentlichen Wechsel (Wechseltag ist Montag). Damit ist zwar den Eltern (insbesondere der Mutter) Genüge geleistet, aber den Kindern geht es von Woche zu Woche schlechter damit.
Hauptgrund ist der Lebenswandel der Mutter: Lebten die Kids 6 bzw. 4 Jahre in einem geregelten und geplanten Alltag, so bleibe ich diesem Verhalten treu - die KM wollte vor 1 Jahr daraus ausbrechen und hat für sich beschlossen spontaner im Alltag zu entscheiden und mehr im Hier und Jetzt zu leben, ihr neuer Partner passt perfekt in dieses Bild (ich nenne das jetzt mal "Lebenskünstler")
Diese Änderung mag für sie in Ordnung sein, aber die Kinder springen in diesen Welten wochenweise hin und her und müssen sich immer neu anpassen. Das ist das Problem. Sie lebt in meinen Augen im Chaos - naja, fast zumindest - und in ihren Augen lebe ich zu wenig.

Hat jemand eine Idee, wie wir den Umgang kindgerechter umsetzen können? Welche Wechselmodelle sind noch üblich?
Dass sie ihr Leben umkrempelt ok, aber mit welchem Recht zwingt sie die Kinder auch dazu? Nutzt mir evtl. ein Kinderpsychologe, vor Gericht eine andere Regelung zu erwirken?

Danke für jeden Tipp.

Charly


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 05.03.2012 12:18
(@Wolkenhimmel)

Moin Charly,

inwieweit drücken sich die Probleme der Kinder aus?

Wir hatten ein sehr flexibles Mittwochmorgen / Samstagabend Wechselmodell, welches ausgezeichnet funktioniert hat (Kind war anfänglich 5).

Was den Unterschied zwischen Euren Welten betrifft, so kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, dass Kinder deutlich entspannter darauf reagieren, als wir Erwachsenen es ihnen häufig zutrauen. Deswegen meine Frage s.o.

VG WH


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 12:23
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin Charly,

mal ausgehend von dem Grundsatz, dass Kinder beide Eltern brauchen und dass ein Wechselmodell für Trennungs-/Scheidungskinder hier das relative Optimum darstellt: Warum hältst Du Deine Einstellung von "ordentlich" und "planbar" im Sinne des Kindeswohles für besser oder kindgerechter? Warum sollen spontane Alltagsentscheidungen schlecht für sie sein?

Normal entwickelte Kinder kommen auch mit unterschiedlichen Lebensentwürfen ihrer Eltern gut zurecht und können sich hervorragend anpassen, solange die basics (Betreuung, Versorgung, Zuwendung, Zeit etc.) gesichert sind. Nur Ihr als Eltern habt das nicht unter einen Hut bekommen; deshalb habt Ihr Euch getrennt. Aber keiner von Euch ist im Besitz der einzigen oder "besseren" Wahrheit über Kindererziehung und -betreuung.

Ihr habt aktuell ein properes Wechselmodell; Kindeswohlgefährdung scheint es keine zu geben - warum kannst Du das jetzt nicht einfach einmal leben und Dich freuen, dass Euren Kindern auf diese Weise beide Eltern maximal erhalten bleiben?

Grüssles
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 12:32
(@tarek)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Charly,

inwiefern geht es denn den Kindern schlecht mit dem Wechsel? Wie äußert sich das?

Gruss
Tarek


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 12:50
(@charly36_2kids)
Schon was gesagt Registriert

Hallo Tarek,

anfangs lief es gut, aber seit einigen Wochen brauchen die Kids 1-2 Tage um sich wieder an mich zu gewöhnen, und am letzten Tag vor dem Wechsel geht schon die schlechte z.T. aggressive Laune los weil sich wissen, dass sie sich am folgenden Tag wieder umgewöhnen müssen. Offenbar ticken die Kinder während der Betreuung durch die KM aber auch so, d.h. prinzipiell fühlen sie sich wohl in jeder "Welt" wohl, aber das Hin und Her ist das Schlimme.
Am Sonntag (= mein letzter Tag) wünschen sie sich es wäre Freitag, damit sie mich noch länger haben...
Das ist zwar einerseits schön, aber meine Hilflosigkeit der richterlichen Umgangsregelung ist frustrierend...

Charly


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 05.03.2012 13:05
(@franzi73)
Rege dabei Registriert

Hallo Tarek,

mein Sohn (aber schon jetzt 14) mag es lieber wenn er 14 Tage bei jedem Elternteil hat. Wir haben den Wechsel dem angepasst. Vielleicht wäre es besser wenn ihr die Zeiträume größer macht.

LG
Franzi


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 13:10
(@charly36_2kids)
Schon was gesagt Registriert

Moin zusammen,

nein, ich sage nicht, dass die "KM-Welt" schlechter ist - sie ist nur völlig anders als meine und auch die, in der die Kids die ersten Jahre verbracht haben. Von dem wöchentlichen Hin und Her verlieren die beiden Halt. Das geht z.B. bei der Nachmittagsgestaltung los (Sohn will Fußball spielen (richtiges Punktspiel), aber kein Training) zwischendurch Tennis und eigentlich Flöte. Wenn es ihm aber grade einfällt dass Flöte geübt werden muss will er plötzlich Gitarre... usw... Mal geht man um 8 ins Bett, aber wenn gerade was im TV läuft oder man ein Spiel spielt, dann ist es halt 9 oder halb 10 (während der Schulzeit)
Der weiß kaum noch was er will bzw. wenn man etwas möchte (Fußballspiel oder Flöte) dann muss man dafür eben auch was tun (üben) - das geht in der KM-Welt unter.

Charly


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 05.03.2012 13:12
(@fruchteis)
Registriert

Moin Charly.

mit Ursachenzuweisung wäre ich an Deiner Stelle sehr zurückhaltend.

Kinder folgen in dem Alter idR den Großen. Kinder haben ein feines Gespür dafür, was zu sagen und zu zeigen von ihnen erwartet wird. Es ist durchaus denkbar, daß sie Probleme zeigen, weil DU sie mit dem Wechsel hast.

W.


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 13:21
(@diskurso)
Registriert

mein Sohn (aber schon jetzt 14) mag es lieber wenn er 14 Tage bei jedem Elternteil hat. Wir haben den Wechsel dem angepasst. Vielleicht wäre es besser wenn ihr die Zeiträume größer macht.

Bei einem 14-jährigem Kind sicher kein Problem, die Kinder hier sind aber sieben und fünf.
14-tägiger Wechsel ist aufgrund des völlig anderen Zeitgefühls kleinerer Kinder eher schlecht und dürfte zu vermeidbaren Verlustängsten führen.


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 13:56
(@tarek)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Charly,

wie lange pflegt ihr denn das aktuelle Modell schon?
Hast Du den Eindruck, dass es den Kindern deutlich schlechter geht als zu Zeiten, als die KM nur Wochenendumgang hatte? Und geht es beiden Kindern gleich damit?

Gruss
Tarek (selbst Vater mit zwei Kindern im Woche-Woche-Modell)


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 14:00




(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin,

Hast Du den Eindruck, dass es den Kindern deutlich schlechter geht als zu Zeiten, als die KM nur Wochenendumgang hatte? Und geht es beiden Kindern gleich damit?

Vorsicht, das ist die falsche Frage. Bzw. der falsche Fragesteller: Viele Trennungseltern sind gar nicht in der Lage, eine solche Frage halbwegs objektiv zu beantworten. Das lesen wir hier fast täglich mit umgekehrten Vorzeichen: Wenn Muddi behauptet, die Kinder wären nach dem Wochenend-Umgang immer "so durch den Wind" oder "müssten erst einmal zur Ruhe komme", weil "der Wechsel ihnen überhaupt nicht guttut", regen wir uns (zu Recht) darüber auf.

Viele Trennungseltern neigen zu der Annahme, in Bezug auf die Kinder selbst alles richtig zu machen, während der/die Ex alles falsch macht und deshalb weitmöglichst ausgegrenzt werden müsse. Diese subjektive Sichtweise, die nicht zwischen Ex-Partner Elternteil unterscheidet, ist ein ganz schlechter Berater. Bitte nicht vergessen: Wir Erwachsenen haben unsere Beziehungen oder Ehen an die Wand gefahren; nicht die Kinder. Aber für die müssen wir die Folgen so erträglich wie möglich machen. Wozu auch gehört, ALLES zu unterlassen, was den Kindern den Eindruck vermittelt, sie dürften sich jetzt nicht auf das Wochenende oder die Woche beim anderen Elternteil freuen - oder müssten hinterher möglichst negativ darüber berichten, damit Papa/Mama nicht traurig ist.

"Ich will die Kinder allein betreuen, denn ich kann das besser" ist - mit wenigen Ausnahmen - keine kindeswohlorientierte Ansage, sondern eine egoistische.

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 15:02
(@tarek)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Brille,

Moin,
Vorsicht, das ist die falsche Frage. Bzw. der falsche Fragesteller: Viele Trennungseltern sind gar nicht in der Lage, eine solche Frage halbwegs objektiv zu beantworten. Das lesen wir hier fast täglich mit umgekehrten Vorzeichen: Wenn Muddi behauptet, die Kinder wären nach dem Wochenend-Umgang immer "so durch den Wind" oder "müssten erst einmal zur Ruhe komme", weil "der Wechsel ihnen überhaupt nicht guttut", regen wir uns (zu Recht) darüber auf.

Viele Trennungseltern neigen zu der Annahme, in Bezug auf die Kinder selbst alles richtig zu machen, während der/die Ex alles falsch macht und deshalb weitmöglichst ausgegrenzt werden müsse. Diese subjektive Sichtweise, die nicht zwischen Ex-Partner Elternteil unterscheidet, ist ein ganz schlechter Berater. Bitte nicht vergessen: Wir Erwachsenen haben unsere Beziehungen oder Ehen an die Wand gefahren; nicht die Kinder. Aber für die müssen wir die Folgen so erträglich wie möglich machen. Wozu auch gehört, ALLES zu unterlassen, was den Kindern den Eindruck vermittelt, sie dürften sich jetzt nicht auf das Wochenende oder die Woche beim anderen Elternteil freuen - oder müssten hinterher möglichst negativ darüber berichten, damit Papa/Mama nicht traurig ist.

"Ich will die Kinder allein betreuen, denn ich kann das besser" ist - mit wenigen Ausnahmen - keine kindeswohlorientierte Ansage, sondern eine egoistische.

das sehe ich ganz ähnlich.

Aber ich verstehe nicht, wie Du das:

Bzw. der falsche Fragesteller:

meinst.

Gruss
Tarek


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 15:16
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin tarek,

Aber ich verstehe nicht, wie Du das:

meinst.

so ähnlich wie in vielen anderen Lebensbereichen auch: Auf subjektive Einschätzungen sollte man keine weitreichenden Entscheidungen gründen. Die meisten Arbeitnehmer werden überzeugt sein, dass sie ihren Job gut (oder besser als die Kollegen) machen; die meisten Straftäter werden behaupten zu streng bestraft worden zu sein; die meisten Hausfrauen werden schwören, ihren Haushalt im Griff zu haben - und die meisten Eltern werden überzeugt davon sein, in der Kindererziehung und -betreuung (die sie nirgendwo gelernt haben!) praktisch keine Fehler zu machen.

Dafür wird dann alles, was der (oft ungeliebte/verhasste/verachtete) Ex-Partner mit den Kindern anstellt, unter ein Vergrösserungsglas gelegt und mit Argusaugen beobachtet - man selbst würde das ja GAAAANZ anders machen. Aber auch hier gilt: Niemand kann sich selbst ein Zeugnis ausstellen. Das wollte ich damit sagen.

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 15:28
(@redwood)
Rege dabei Registriert

Also ich stelle es mir allgemein recht schwierig für Kinder vor, mit den dauernden Wechseln, welcher Art auch immer, klarzukommen. Es gibt sicher Kinder, die sich schnell auf andere Situationen einstellen, aber ich möchte jetzt mal behaupten, die meisten Kinder brauchen doch eher eine gewisse Stetigkeit. Die haben ja mit sich schon genug am Hut, Entwicklungsschübe, Schule, Freunde etc. und jedes Sehen des einen Elternteils bedeutet automatisch den momentanen Verzicht auf den anderen. Ich kann mir gut vorstellen, würde ich jetzt wissen, dass jetzt eine Woche vor mir liegt, die ich in einer anderen Umgebung mit anderen Leuten und anderen Regeln verbringe, könnte ich evtl. auch mal aggressiv werden, wenn ich da grad mal keinen Bock drauf habe.

Es heißt zwar immer, Kinder können mit anderen Regeln umgehen, ja, klar, das schon. Aber ist es nicht Wunschdenken, dass es für die Kids keinen Unterschied macht, was wir ihnen durch eine Trennung aufs Auge drücken? Bei uns gabs auch die üblichen Dramenphasen des jeweiligen Trennungsschmerzes, Kind wollte bei Papa nicht auf Freunde verzichten und dann deshalb nicht hin oder sie war hier und hat Papa vermisst. Das hat sich dann etwas aufgeweicht, als sie älter wurde. Der Umgang ist jetzt zwar seltener, aber flexibler. Die beiden verabreden sich halt.

Nichtsdestotrotz hilft es ja nichts. Kinder, und grad die kleinen, sollten beide Eltern haben, unbedingt, sofern möglich. Schade, dass die Mutter mit dem Wochenendmodell nicht mehr einverstanden ist. Denn das halte ich hier noch für am einfachsten, Wochenalltag bei Papa, Freizeit am Wochenende bei Mama. Da das nicht so ist, würde ich an deiner Stelle das aktuelle Modell weiter aufrecht erhalten. Mag sein, dass sie grad mal nach der ersten Begeisterung die Schnauze voll davon haben, sich dann aber doch längerfristig dran gewöhnen und es für sie normal wird.

Ich weiß nicht, was davon zu halten ist, aber mir hat mal ein Psychologe gesagt: Man sollte sich nicht zu unnötig Gedanken machen, wie man alles verbessern könnte für die Kids (etwas, was eh selten gelingt, weil die Welt nunmal nicht perfekt ist), sondern den Kindern die Zuversicht vermitteln, dass sie mit dem Ist-Zustand klarkommen können. Mir hat das in einer Situation sehr geholfen, in der ich ziemlich verunsichert war, was ich dann auf mein Kind übertragen habe.


AntwortZitat
Geschrieben : 05.03.2012 19:04
(@gtitreter)
Schon was gesagt Registriert

Hi Charly!
Ich habe mit meinem nun 10jährigen ein fast identisches Problem gehabt.
Ich hatte ein Wechselmodell, seit mein Sohn 1,5 Jahre war. Um alle Dinge des täglichen Lebens habe ich mich gekümmert. Bei der Mutter sind und waren die äußeren Bedingungen, sagen wir mal, nicht einwandfrei. Sie hat 2 weitere Kinder von anderen Männern (nicht Lebenspartnern), ist arbeitslos, verschuldet und bekam ihr Leben nie alleine auf die Kette. Seit Jahren ist die Familienhilfe dort involviert. Mit ca. 4 Jahren zeigte mein Sohn ähnliche Auffälligkeiten, wenn er von Mama kam. Oft brauchte er 16 Stunden Schlaf am Stück, bis er wieder zu gebrauchen war. Oder ich konnte in Puncto Wertevermittlung (Sauberkeit, Zähne putzen, aufräumen, usw.) wieder bei Null anfangen. Im Haushalt der Mutter zeigte sich mein Sohn auffällig, in dem er zunehmend durch negatives Verhalten auffallen wollte, auch gegenüber der dort lebenden weiteren Kinder. Mit Einschulung (damals trotz Wechselmodell in die Schule in der Nähe seiner Mutter weil man ihr ja die Fahrerei nicht zumuten konnte) begannen die Probleme auch im Schulalltag, so daß die Schule irgendwann am Verhalten meines Sohnes sagen konnte, wann er bei welchem Elternteil war. In der Zeit bei mir gab es keine bis wenig Auffälligkeiten, in der Zeit bei Mama schlief er im Unterricht ein, hatte Fehlstunden, keine Hausaufgaben und fiel durch negatives Verhalten (Boxen, schubsen, usw.).
Auffällig war, daß mein Sohn nie schlecht über ein Elternteil redete, sondern immer das sagte, was er glaubte, was wir gerade hören wollten.

Die im Haushalt der Mutter eingesetzte Familienhilfe (die dort auch keine vernünftigen Zustände schaffen konnte) empfahl eine Therapeutin, so daß ich mit meinem Sohn dann eine Kindertherapeutin aufgesucht habe. Sie hat über einen Zeitraum von über einem halben Jahr in wöchentlichen Sitzungen mit ihm gearbeitet. Nach und nach mit wachsendem Vertrauen schilderte er dort, was ihm alles nicht paßte und warum er sich so benahm. Allein schon dieses "Auskotzen" gegenüber einer neutralen Person schaffte Besserung. Schlussendlich konnten durch diese Therapie soviele Probleme im Haushalt der Mutter aufgearbeitet werden, daß Schule und Therapeutin (in Absprache mit dem Jugendamt) der Mutter in einem Gespräch klar machten, daß es besser für meinen Sohn sei, wenn er ganz zu mir wechselt (inkl. Schulwechsel) und sie ihn nur noch alle 14Tage an einem Wochenende hat. Der Mutter wurde die Wahl gelassen, diesem freiwillig zuzustimmen oder aber den großen Bahnhof über ein Gericht zu fahren.

Wir haben dann die großen Ferien 2010 für einen Schulwechsel genutzt, seitdem ist mein Sohn komplett bei mir. Die Therapeutin hat den Wechsel noch ein halbes Jahr begleitet und die Therapie dann ausklingen lassen. Bislang läuft alles gut und er kommt im Sommer auf das Gymnasium. Mama funkt zwar immer noch quer, aber das juckt keinen mehr.

Ich möchte damit nicht unterstellen, daß in deinem Haushalt oder dem Haushalt der Mutter derartiges läuft, wie seinerzeit bei mir. Allerdings schätze sich, daß sich die Kinder nur einer Dritten Person öffnen werden. Klar, Du mußt damit rechnen, daß dabei genausogut Probleme ans Licht kommen, die die Kinder mit dir haben (das war bei mir auch, ich mußte auch Sachen ändern, z.B. meine Strenge). Aber kein Therapeut reisst dir den Kopf ab, die setzen sich wirklich im Sinne der Kinder ein und besprechen die Probleme mit den Eltern, ohne um den heißen Brei zu reden.


AntwortZitat
Geschrieben : 06.03.2012 22:22