Ein interessanter Beitrag steht heute bei spiegel.de:
Zitat:
"Die als vorbildlich gelobte Kinderbetreuung in Frankreich bringt handfeste ökonomische Vorteile: Weil das Land weniger stark altert, könnte es Deutschland in den kommenden Jahrzehnten bei der Wirtschaftskraft überholen, rechnet ein Institut vor."
Volltext unter www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,467074,00.html
Vielleicht bringen wenigstens solche Erkenntnisse Angie & Co endlich auf den Trichter, dass Zukunftsthemen wichtiger sind als das sture Festhalten an irgendwelchen überholten Familienbildern von der Sorte "Der Mann geht schaffen, die Frau hütet die Kinder".
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Die als vorbildlich gelobte Kinderbetreuung in Frankreich bringt handfeste ökonomische Vorteile: Weil das Land weniger stark altert, könnte es Deutschland in den kommenden Jahrzehnten bei der Wirtschaftskraft überholen, rechnet ein Institut vor.
Berlin - Nach einer Modellrechnung, die das Institut der deutschen Wirtschaft angestellt hat, könnte Frankreich bereits 2035 den führenden europäischen Wirtschaftsraum bilden. Ursache dafür sei die demografische Entwicklung. Deutschland würde demnach den Status als größte Volkswirtschaft Europas verlieren, schreibt die "Welt" unter Berufung auf die Berechnung.
Während in Deutschland der vor vier Jahren einsetzende Bevölkerungsrückgang als unaufhaltsam gelte, würden für Frankreich langfristig steigende Einwohnerzahlen vorhergesagt. Erst deutlich später, etwa um 2045 herum, dürfte das Nachbarland den Kölner Forschern zufolge Deutschland auch bei der Bevölkerungszahl überrunden.
Nach den Berechnungen ebnet sich das derzeit bestehende Gefälle bei der Wirtschaftskraft zwischen Deutschland und Frankreich in der Zeit von 2025 bis 2035 rasch ein. "Dann wird die französische Wirtschaft mindestens doppelt so schnell wachsen wie die deutsche", sagte der IW-Experte Axel Plünnecke. Schließlich würden in Deutschland während dieser Phase die sogenannten Baby Boomer in Rente gehen und müssten durch geburtenschwache Jahrgänge ersetzt werden. Plünnecke erklärte: "Der dadurch zu erwartende Mangel an Arbeitskräften wird zur Wachstumsbremse."
Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) sagte der "Welt": "Wenn die Franzosen uns im Jahr 2035 überholen, können sie auch größere Last in der Europäischen Union übernehmen."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,467074,00.html
Am besten finde ich den letzten Satz. Als wenn unsere Nachbarländer sich so leicht die Butter vom Brot nehmen lassen, wie unsere Volksvertreter.
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht Ändern kann, den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Moin,
interessant fand ich diesen Artikel: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,414259,00.html
Auszug: Doppelverdiener mit Kindergarten und Kinderfrau
Béatrice Arras hat Glück, dass sie so gerne arbeiten geht. Auch wenn es nicht so wäre, hätte sie kaum eine Wahl: Als Familie mit nur einem Gehalt zu leben ist in der französischen Hauptstadt praktisch unmöglich. "Dann könnten wir allein schon die Wohnung gar nicht abbezahlen", sagt Jérôme. Er verdient als Chefbuchhalter 4300 Euro netto, seine Frau bringt 2300 netto nach Hause. "Finanziell sind wir nicht unglücklich", sagt Béatrice - allerdings hat noch keiner von beiden ausgerechnet, wieviel unter dem Strich von dem zweiten Gehalt übrig bleibt.
"Ich glaube das wollen wir lieber nicht wissen", meint Jérôme, während seine Frau ihn fragend anblickt. Denn die Kinderbetreuung kommt sie allein schon für Tochter Jeanne teuer zu stehen - wenn das Baby da ist, wird das Budget noch mehr belastet. Mit drei Jahren hat die Kleine zwar Anrecht auf einen kostenlosen Platz im staatlichen Kindergarten, doch die Stadtteilschule "hat einen sehr schlechten Ruf", so Béatrice. "Da wir ohnehin praktizierende Katholiken sind, haben wir eine Privatschule in kirchlicher Trägerschaft ausgesucht." Und die kostet an die 2000 Euro im Jahr an Schulgeld, Kantine und Hortkosten.
Doch damit nicht genug: Die Kinder werden dort bis 17.30 Uhr gehütet. Das scheint im Vergleich zu Deutschland, wo Ganztagskitas immer noch die Ausnahme sind, außerordentlich lange. Doch es ist viel zu früh für die meisten Pariser Angestellten, um ihre Kinder selber abzuholen. Also muss obendrein noch eine Kinderfrau her, die die Tochter abholt und sie bis zur Heimkehr der Mutter um 19.30 Uhr betreut.
und:
Mit dem zweiten Kind wird es dann für die Familie Arras erst richtig teuer: Erst im Juni erfahren sie, ob es ab September einen Krippenplatz für die Kleine gibt. Wenn es sich glücklich fügt und ein Platz frei ist, müssen die Doppelverdiener dort allerdings den Höchstsatz von 570 Euro monatlich bezahlen. "Wenn man dann noch bedenkt, dass wir durch das zweite Gehalt in eine andere Steuerklasse kommen - das werden wir wohl besser nie ausrechnen", grinst Jérôme. Ein paar hundert Euro werden es wohl sein, die unterm Strich übrigbleiben. Ein paar hundert Euro, die die Familie bitter nötig hat.
Gruß
eskima

