Hmmm Skorpi,
Erziehung am Herd war auch im Industriezeitalter (1850-jetzt) keine Mütterdomäne.
Im 19. Jahrhundert mussten beide Arbeiten. Dank Raubritter-Kapitalismus. Sir Winston Chrchill sagte als junger Journalist: Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleiche Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends.
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es so viel Arbeitslosigkeit, dass jeder Arbeit angenommen hat, der welche finden konnte. Interessanterweise wurde aber in dieser Zeit der Begriff Kindheit geprägt, vorher sah man das Kind-Sein nicht als etwas besonderes an.
In den 30ern gab es diesen Schickelhuber, der die Väter auf Schlachtfeldern kämpfen ließ, was zur Folge hatte, dass bis Anfang der 40er Frauen arbeiten mussten.
Danach gab es reichlich tote Männer, Krüppel..., so daß auch hier wieder von Frauen gearbeitet wurde - das Wirtschaftswunder ist eigentlich weiblich.
Ich denke, Ende der 50er konnten Frauen zu Hause bleiben. Die Produktivität der Wirtschaft sorgte bei guten Inlandspreisen dafür, dass gut verdient wurde.
In den 80ern gab es aber plötzlich ein Problem. Ein Toyota brauchte nur die Hälfte der Arbeit eines VWs, um zusammengebaut zu werden. Das störte aber eigentlich niemanden, da Handelshindernisse und hohe Inlandspreise trotzdem noch für Wirtschaftlichkeit sorgten.
Als dann in den 90ern die Globalisierung begann, gab es schließlich doch einen Preisdruck und über Nacht wurden aus rentablen Unternehmen unrentable. Ab in die Insolvenz. Dieser Trend hält bis heute an.
Woran liegt es nun? An der schlechten Produktivität. Also an der hohen Einsatzmenge (Input) für eine geringe Ausbringungsmenge (Output).
Und die ist allgegenwärtig:
Hier gibt es immer noch Leute, die glauben, dass es besser ist, eine Mutter auf ein Kind aufpassen zu lassen, statt eine Erzieherin auf 10.
Und es gibt auch jede Menge Leute, die glauben, dass 20% Arbeitslose gut sind. Würden sie arbeiten, würde es das Lohnniveau runterziehen. Dass damit 100 Menschen dann nur die Produktivität von 80 erreichen können, wird aber vernachlässigt. Leider sorgt dieser Umstand aber für ein weiteres Absinken der Wirtschaftlichkeit und erzeugt neue Arbeitslosigkeit.
Eigentlich gibt es nur 2 Wege. Entweder arbeiten wir alle (also auch die Frauen) mehr für weniger oder wir gewöhnen uns an afrikanische Verhältnisse und schauen der Blüte des Ostens zu.
Die paar Jahre des Zu-Hause-Bleibens sind einfach vorbei.
Gruß,
Michael
Moin zusammen!
Also ich denke, dass zuerst mal dieser Regulierungs- und Eingreifwahn von "denen da oben" aufhören muss. Zum einen haben die wenigsten von denen tatsächlichen Durchblick und zum anderen geht es denen eher darum, ihre Selbstprofilierung voran zu treiben und sich und ihrer Partei Stimmen zu sichern. Nach der Wahl ist immer vor der Wahl.
Zum anderen finde ich, dass Skopions Postings schon in die richtige Richtung gehen. Auch wenn wir heute im gesellschaftlich genormten Industriezeitalter leben können wir unsere Wurzeln nicht verleugnen. Nur, weil wir tolle Autos und warme Häuser haben, heisst ja nicht, dass wir unsere Ursprünge überwunden haben. Im Grunde sind wir heute Affen in Anzügen.
Und die Natur hat es in unseren Genen nun einmal so vorgesehen, dass jeder einzelne Mensch mit Neigungen, Talenten und eben auch Unfähigkeiten versorgt ist. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind da gar nicht mal so ausschlaggebend.
Es gibt Frauen, die können besser nen Dübel in die Wand kriegen als ihr Mann. Es gibt Männer, die können besser Nähen als ihre Frau. Und wenn ich bedenke, dass die meisten professionellen Köche Männer sind, dann frage ich mich ob die These von der Frau hinterm Herd ernsthaft allgemeingültig ist.
Meiner Meinung nach sollte der jenige arbeiten gehen, der es besser kann, die besseren Verdienstmöglichkeiten hat, die besseren Chance hat. Der andere bleibt zu Hause. Oder arbeitet auch. Und die Kids kommen in eine Krippe. Oder eben nicht.
Was ich sagen will - es ist eine höchst individuelle Sache und man sollte es nicht alles über einen Kamm scheren, sondern den Menschen selbst die -soweit möglich- freie Wahl lassen.
Ich persönlich habe nicht den Anspruch, dass eine Frau am Herd steht. Ich habe jedoch den Anspruch, dass sich der Mann aktiv an der Kindeserziehung beteiligt.
Und noch was zu den Krippen - wenn ich sehe, dass meine Exe unseren Lütten ganztags in die Krippe steckt, vollzeit arbeiten geht, dies als überobligatorisch deklariert und sie gesellschaftlich dann noch als fleissige Frau angesehen wird, dann wird mir schlecht. Denn auf dieser Basis verhindert sie (derzeit) , dass der Kurze in meiner Obhut ist. Aus meiner ganz individuellen Sicht sind Krippen keine prickelnde Idee sondern geben dem, der es will, neue Werkzeuge an die Hand um dem anderen Elternteil das Elternsein kaputt zu machen.
Greetz,
Milan
Hi Milan,
Und noch was zu den Krippen - wenn ich sehe, dass meine Exe unseren Lütten ganztags in die Krippe steckt, vollzeit arbeiten geht, dies als überobligatorisch deklariert und sie gesellschaftlich dann noch als fleissige Frau angesehen wird, dann wird mir schlecht. Denn auf dieser Basis verhindert sie (derzeit) , dass der Kurze in meiner Obhut ist. Aus meiner ganz individuellen Sicht sind Krippen keine prickelnde Idee sondern geben dem, der es will, neue Werkzeuge an die Hand um dem anderen Elternteil das Elternsein kaputt zu machen.
Milan ich verstehe dich, und deine ganz spezielle shice - Situation.
Nur es sollte ausreichend Plätze geben, sodaß jede Familie individuell entscheiden kann.
...und ich denke es würden mehr Frauen arbeiten gehen, wenn "bessere" und mehr Krippen da wären.
Gruß
babbedeckel
Ein Ruin kann drei Ursachen haben: Frauen, Wetten oder die Befragung von Fachleuten (Georges Pompidou)
Moinsen,
ich kann mich der pauschalen Betrachtung, dass Kinderkrippen etwas Schlechtes wären, ebenfalls nicht anschliessen; genauso wenig der Ansicht, dass einem Kleinkind nichts Besseres passieren könnte als rund um die Uhr von leiblichen Eltern - in der Regel der Mutter - betreut zu werden. Provokanter Vergleich (ich weiss, das Kinder und Autos sich unterscheiden): Wer kann mein Auto besser reparieren - der Fachmann in der Werkstatt oder ich selbst - mit der Begründung, dass es ja mein eigenes Auto sei, zu dem ich ein persönliches Verhältnis habe?
Wie immer kommt es auf die Qualität an. Wenn Vater und Mutter es beispielsweise schaffen würden, sich die Kinderbetreuung halbwegs zu teilen und für eine gewisse Zeit - bis zum Erreichen des Kindergartenalters - für ihren Nachwuchs da sind, ist das ganz sicher eine tolle Sache. Unter der Voraussetzung, dass beide (!) auch noch andere Interessen haben und ihre persönliche Entwicklung nicht mit dem Kinderkriegen endet nach dem Motto "Jetzt habe ich ausgesorgt". Mit diesem Denken sind wir hier im Forum bekanntlich des öfteren konfrontiert - warum wohl haben es speziell Frauen angeblich so schwer, beruflich wieder Fuss zu fassen? Vor allem doch, weil sie diesen Fuss für Jahre aus der Tür genommen haben...
Speziell für Einzelkinder muss es trotzdem nicht prickelnd sein, nur von Erwachsenen umgeben zu sein - und dann noch immer von den gleichen zwei. Menschen sind Rudeltiere, und je früher unsere soziale Entwicklung einsetzt, umso besser. "Früher" wurde das durch Grossfamilien geleistet - es waren immer mehrere Generationen im Haus, und Geschwister gab es meist auch genug. In der Ein- oder Zweikind-Ehe funktioniert das nicht mehr - ein Kind, das die ersten drei Lebensjahre (oder mehr) nur Mutti als hauptsächlichen sozialen Kontakt hat, muss ja schon beinahe "sozial verblöden". Da sind Kinderkrippen eine tolle Alternative - nicht zur "Aufbewahrung" der Kinder, solange ihre Eltern arbeiten, sondern um Dinge zu lernen, die sie zuhause gar nicht mehr lernen können.
Skorpions Ansicht, dass in Zukunft der Einverdiener noch mehr ranklotzen müsse, um das Familieneinkommen zu sichern, kann ich mich übrigens nicht anschliessen - für viele Familien gerade aus unteren Einkommensgruppen wird sich vermutlich das "amerikanische Muster" etablieren: Papa hat nicht nur einen "9 to 5"-Job, der alle wirtschaftlichen Notwendigkeiten abdeckt; vielmehr gibt es in diesen Familien neben einem Haupt-Job noch Nebenbeschäftigungen wie kellnern oder putzen, die natürlich auch nicht allein von Männe geleistet werden können. Und natürlich: Das soziale Netz wird zwar nicht verschwinden, aber seine Maschen werden grösser; man kann also auch leichter durchfallen.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Moin
Für mich ist das mal wieder ein klassisches Beispiel für verblendete Politik.
Wir machen Gesetze, die keiner braucht und total am Thema vorbeischießt.
Letztendlich wird doch nur das Ziel verfolgt, mehr Kontrolle über Familien, explizit über sozialschwachen Familien zu haben.
So wird versucht, die anschwellende Jugendkriminalität durch Erzieher in frühster Kindheit zu ersticken. Doch woher nimmt man dieses qualifizierte Personal und wer zahlt das?? Letztendlich wird das ein Schuß in den Ofen, weil diese "Verantwortung" dann unterqualifiziertem "Billigpersonal" zugemutet wird.
Desweiteren scheint sich die Politik durch diese "Mehr-Kontrolle" zu erhoffen, das Kindesmißhandlung schneller aufgedeckt wird, bzw. nicht im Verborgenden weiterbetrieben werden kann. Auch dieses wird nicht funktionieren, da ja erst ab dem 3ten Lebensjahr ein Kindergartenplatz gesetzlich garantiert werden soll und die meißten Fälle schon im Säuglingsalter enden.
Außerdem ist die Gesellschaft noch gar nicht bereit für solche Veränderungen.
Sollten diese Kinderkrippen zum Alltag werden, werden viele arbeitswillige Frauen (auch die soll es geben) anfangen sich Arbeit zu suchen und auch bekommen. Somit wird ein Arbeitsplatz an eine Person vergeben, die ja gar nicht in der Statistik auftaucht und die Arbeitslosenzahlen werden wieder explodieren.
Eigentlich ist das Modell gar nicht so verkehrt und in der ehemaligen komunistischen DDR hat es eigentlich ganz gut funktioniert. Jedoch im Sozialismuß schwer umsetzbar.
Gruß
Martin
