Rolle der Väter in ...
 
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Rolle der Väter in Kinderbüchern

 
(@milan)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo zusammen!

Dieses WE ist mein Kleiner bei mir, der einzige Umgang in diesem Monat. Eben legte ich ihn zum Mittagsschlaf hin und habe noch ein Bilderbuch mit ihm gelesen. Er ist fast 3 Jahre. Es ist eines dieser Bücher, in denen mit kindlichen Bildern alltägliche Szenen dargestellt werden. Auf dem Markt, im Bahnhof, auf dem Spielplatz, in der Stadt ... Ihr werdet wissen, was ich meine.

In diesem Buch (und auch in den anderen, die ich hier habe), wird die gesellschaftliche Rolle von Mama und Papa par excellence betrieben. Mütter und Väter werden stur in ihren jeweiligen Rollen dargestellt und während ich ihm die Szenen erkläre, komme ich als KV in arge Bedroullie. Meine Beschreibungen der Bilder lauten in etwa so:

Das ist Mama mit dem Kind beim Dreiradfahren, Mama mit dem Kind beimStraßeüberqueren, Mama geht mit dem Kind zum Hundespaziergang, Mama fährt mit dem Kind Fahrrad, usw usw. Papa kommt nur mit dem Auto von der Arbeit, Papa kauft dem Kind ein Eis. Mehr Papas gibts da nicht. Männer tauchen nur alleine auf - im LKW, als Polizist, als Verkäufer, als Bauarbeiter. Stets ohne Kinder. Immer in Verbindung mit Arbeit oder Geld.

Dann kam die vernichtende Frage meines Kleinen: "Papa, warum spielen die Kinder immer nur mit den Mamas und nicht mit den Papas?"

Ich finde das ne Sauerei. Kinder kommen damit ja erst gar nicht auf die Idee, daß auch Papas die Rolle der Mamas übernehmen können. Und als Papa, der gerade versucht für sich und seinen Kleinen genau dieses gesellschaftliche Klischee zu überwinden, habe ich -in diesem Sinne- keine geeigneten Bücher.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen? Gibt es Bilderbücher, die diese Rollen vielleicht umkehren und uns Vätern gerechter werden? Gibt es wohl Bedarf an solchen Büchern?

Grüße,
Milan

PS: Die Autoren/Zeichner dieser Bücher in meinem Regal sind perfider Weise auch noch Männer!?


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 10.09.2006 15:25
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin Milan,

warum genau das so ist bzw. warum Väter vor allem als "Geldbeschaffer" und nicht als Spielkameraden, Kindertröster und Büchervorleser dargestellt werden, kann vermutlich niemand genau sagen. Vermutlich ist es die unreflektierte Abbildung des gleichen gesellschaftlichen Konsenses, die uns im Familienrecht ebenfalls ständig begegnet: Alles, was "gut" ist, kommt praktisch ausschliesslich von den Mütern; von den Vätern kommt nur das "Nötige". Und nachdem ich im Verlagswesen ein wenig zuhause bin, erlaube ich mir noch eine weitere Vermutung: Verleger verlegen vor allem das, was sich gut verkaufen lässt - sie transportieren keine (neuen) Weltanschauungen...

Mein Vorschlag speziell an Dich: Du hast doch die künstlerischen Mittel - also tu was 🙂

Grüssles aus'm Wilden Süden
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 10.09.2006 15:33
(@kruemel1)

Hallo Milan,

also nachdem ich das von dir gelesen habe bin ich mal an die Bücherkiste von Junior und da ist mir aufgefallen das ich überwiegend Bücher mit Tieren habe und quasi gar keine Bücher in denen Familien mit Rolllenverteilung gezeigt werden.

Allerdings gebe ich zu bedenken das Mütter in Märchenbüchern gaaanz schlecht wegkommen, meistens verstirbt die leibliche Mutter und die next ist dann die üble Stiefmutter.

Bei Disney ist mir schon vor längerer Zeit aufgefallen das dort überwiegend Alleinerziehende Väter oder Onkel gezeigt werden z.B. Donald Duck, Bambi, Arielle, Die Schöne und das Biest, Findet Nemo usw. dort gibt es so gut wie gar keine Filme mit "heilen" Familien.

Ich denke aber schon das man auch Bücher bekommt in denen der Vater ganz anderst dargestellt wird so wie es ja zu fast jedem Thema ein Kinderbuch gibt da muss man halt mal bei den guten Verlagen schauen.

Gruss Kruemel1

(die immer den Büchern aus dem Weg geht die nicht zu iher Konstellation passt  :wink:)


AntwortZitat
Geschrieben : 10.09.2006 15:56
(@midnightwish)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

warum das so ist weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. aber ich hab mal in gedanken in unseren bilderbüchern gestöbert. da gibt es aber auch welche, wo der papa die gute-nacht-geschichte vorliest und das kind ins bett bringt, oder wo er zum trost den lieblingspudding kocht (obwohl auch mama zuhause ist ;-))

also gibt es sicher auch solche bücher, vielleicht muß man sie aber auch schlicht und einfach erst suchen. ich bin z.b. ein ziemlicher bücherwurm und für mich gibts nichts schönere als in einer buchhandlung nach büchern zu gucken. ich nehm mir dann auch imerm wieder zeit intensiv nach kinderbüchern zu sehen bzw. hab auch ne tolle buchhandlung die gut beraten. da brauch ich nur zu sagen: ich suche das und das, was gibts denn da?

vielleicht lohnt sich ja die suche für dich auch 🙂

lg tina


Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen

AntwortZitat
Geschrieben : 10.09.2006 15:58
(@milan)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Ganz kurze Antwort eben, denn der Kurze ist wieder wach.

@Brille:

Mein Vorschlag speziell an Dich: Du hast doch die künstlerischen Mittel - also tu was

Genau das habe ich vor!!!!

Milan


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 10.09.2006 16:27
(@suffering_d)
Nicht wegzudenken Registriert

Wow, hatte ich letzt auch drüber nachgedacht. Ich hab hier Bücher in denen Männern mit Schürze dargestellt werden, mit Staubsauger in der Hand etc.

Ich war irgendwann mal grantig und hab sie weggelegt, vielleicht finde ich sie aber noch wieder. Vermutlich gibts keine Bücher die das Derzeitige darstellen können.

Bücher vom JA sind auch voll toll, hier ists die MA11, wenn Du Interesse hast Milan, PN mal Deine Adresse, ich schick sie Dir zu.

Soviel kannst gar nicht essen um zu speibn...

Gruss
aus dem konservativen Wien


AntwortZitat
Geschrieben : 10.09.2006 19:15
(@merrow)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo Milan,

nachdem wir ja mit nem Jungen in ähnlichem Alter zu tun haben, haben wir uns ganz ähnliche Gedanken gemacht. Bevor wir uns Bücher holen studieren wir die ziemlich genau. Es gibt auf dem Markt inzwischen schon so eine papafreundliche Bücher.
Wenn es Dich näher interessieren sollte kann ich auch gerne per PN darauf eingehen und Dir einige Buchtitel nennen.

Grade für Jungs gibts auch extra Bücher.

Schau mal auf www.manndat.de da gibt es eine extra Leseliste. Ich finde die klasse.

Bei amazon ( über button vatersein  😉 ) gib mal bei der suche jörg stanko ein, der hat eine Liste von Büchern für Trennungsväter.

Sollte ich mal Zeit und Muse haben werde ich auch geeignetere Kinderbücher produzieren müssen *g* weil irgendwie kann man für jede Situation was finden, was Kindern besser erklärt werden könnte.

Einige unbesehen gekaufte meiner Meinung nach katastrophale Bücher ( eben für unsere Situation) haben wir erst mal ganz hinten in den Schrank verbannt..

Viel Glück und lass uns von Deinen Ergebnissen wissen.

Merrow


Zweifle nicht an dem, der Dir sagt er hat Angst. Aber hab Angst vor dem, der Dir sagt, er kennt keine Zweifel. (Erich Fried)

AntwortZitat
Geschrieben : 10.09.2006 19:31
(@milan)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo zusammen!

Also es gibt anscheinend ein paar Bücher, wo Väter nicht so schlecht wegkommen. Ich werd mich die nächsten Tage auf die Suche machen. Ich hab nämlich keine Lust meinem Kleinen ständig zu beschreiben, was Mamas da für tolle Sachen machen. Ich hätte gerne ein Buch, daß für den Kleinen unsere Situation beschreibt und sie dadurch zu etwas "normalen" macht.

Ich werd aber dennoch ein eigenes Buchprojekt verfolgen. An den Bildern wird es nicht scheitern, denn das ist mein täglich Brot. Einen Verlag zu finden wird die Herausforderung. Mir schwebt ein Buch vor wie "Unterwegs mit Papa - Bilderbuch für Umgangsväter".

Auf dem ersten Bild wäre ein Vater, der gerade sein Kind bei Mama abholt. Diese könnte am Fenster stehen und ihnen hinter her winken, o.ä.
Auf dem letzten Bild wäre dann ein Vater, der das Kind wieder bei Mama abgeliefert hat. Natürlich soll der ganze Zwist nicht thematisiert werden, Mama und Papa freuen sich jeweils bei den Übergaben. Dazwischen dann eben Bilder vom Umgang, Ausflüge, vielleicht Treffen mit anderen Papas und ihren Kindern, das Zubettgehen in Papa´s Haushalt. So irgendwie.

Einfach ein Buch, daß meine/unsere Situation beschreibt und für die Kinder positive Verknüpfungen schmiedet. Denn eines ist sicher - auf uns Umgangsväter kommen Fragen der Kinder zu. Und die sind nicht immer angenehm und leicht zu beantworten.

Letzten Freitag fragte mich mein Kleiner im Beisein der JA-SB: "Papa, haben Mama und Du Euch nicht mehr lieb?" Da kommt man schwer ins Schleudern...ich jedenfalls.

Na, jetzt hab ich was zu Tun... falls jemand Anregungen hat ....!?

Gruß,
Milan


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 10.09.2006 22:33
(@lonesomewolf)
Nicht wegzudenken Registriert

hallo milan,

E.O.Plauen´s bildergeschichten "Vater und Sohn" sind wärmstens zu empfehlen,
vielleicht noch nicht für einen 3-jährigen, aber du solltest sie auf jeden fall irgendwann haben.

vielleicht ist die ein oder andere aber auch schon jetzt passend ...

lg

wolf

p.s. entstanden in den 30er und 40er des letzten jahrhunderts
      und garantiert mütterfrei  😉


wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun,
sondern auch für das, was wir nicht tun

(j.b.molière)

AntwortZitat
Geschrieben : 11.09.2006 00:20
(@fujilago)
Zeigt sich öfters Registriert

Hi,

diese einseitige Darstellung in Kinderbüchern ist mir auch schon aufgefallen.

Der Hammer ist ein Buch in dem Väter entweder alleine Leben (keine Papas sind) und von den Kindern einfach besucht werden oder schlecht wegkommen. In einer Geschichte geht es um Yaya's eine Art Hunderudel in der Wüste.
Der große Guru Yaya (das Alphatier) baut die ganze Zeit misst, er ist ein feiger Matscho (oder wie man das schreibt:-) und weiss alles besser. Letztlich wird das kleine Yayakind immer von Tante Mimanja, die heldenhaft ist und es letztlich besserweis, gerettet.

In Grimms Märchen kommen allerding die Schwiegermutter und die Stiefmütter oft schlecht weg.

Vielleicht liegt es daran,
- das Kinderbücher oft von Frauen illustriert werden?
- sie aus ner Zeit stammen wo dieses Rollenbild angesagt war
- Alleinerziehende Mütter und Emanzen versuchen Ihr Männerbild zu vermitteln

@milan
Viel Erfolg mit dem Bilderbuch. Der Markt ist da und wächst 🙁
Lass dich bei einem Vertrag an allen Auflagen beteiligen und nicht abzocken.
Ich könnte mir vorstellen, das läuft gut.

Liebe Grüsse fujilago


Ciao fujilago
Schön wär, wenn's schöner wär

AntwortZitat
Geschrieben : 11.09.2006 02:10




(@einervonvielen1)
Schon was gesagt Registriert

Also ich empfehel einfach mal Janoschs "Papa Löwe und seine glücklichen Kinder"
obs davon auch Bücher gibt, gilts noch zu ergoogeln  🙂

Da ist es aber so, dass die Mama im Büro sitzt und der Papa auf die Kinder aufpasst (der hat auch mal ne Schürze an und schwingt den Staubsauger).


AntwortZitat
Geschrieben : 07.10.2006 22:34
 AJA
(@aja)
Registriert

Spontan fällt mir da ein Bilderbuch ein, ich glaub es heißt "Anna will spielen".

Da ist die nervige Anna, die unbedingt spielen möchte. Papa muss aber noch kochen. Anna sieht das ein und hilft Papa beim Kochen. Nach dem Essen will Anna wieder spielen, Papa spült aber das Geschirr. Anna sieht das nicht ein und der Teddy fliegt Papa ins Genick. Papa erklärt und Anna wartet wieder. Dann wird noch gemeinsam Wäsche aufgehängt und dann spielt Papa mit Anna.

Ein anderes Buch fällt mir noch ein, den Titel weiß ich aber nicht mehr. Da geht es darum, dass Mama hochschwanger ist und Papa deswegen mehr im Haushalt macht. Könnte sein "Conny bekommt eine Schwester" oder so.

Ich fand die irgendwie schön.

Ein eigenes Buch - mutige Idee. Ich halte dir alle verfügbaren Daumen, dass du einen Verlag findest.

Wegen des Aufbaus - ist die Frage, welche Altersgruppe du ansprechen möchtest. Ich bin mir nicht sicher, ob es für dreijährige schon wichtig ist, die Rahmenhandlung des Abholens und Wiederbringens darzustellen. Wenn es nur darum geht, die Vaterrolle selbstverständlicher zu machen, dann wäre ein Buch in der Anna-Richtung ausreichend. Wenn du allerdings auch die Trennungproblematik unterbringen möchtest, ist diese Rahmenhandlung unverzichtbar.

Was so einzubauen wäre: naja, der normale Tagesablauf mit allen haus"männlichen" Tätigkeiten. Ein gemeinsamer Einkauf: Vater und Kind im Supermarkt. Papa kocht mit Kind, Papa mit Kind auf dem Spielplatz, Papa mit Kind beim spazieren gehen, Blumen und Schmetterlinge entdecken. Papa, der auch mal müde ist, und Kind jetzt ins Bett bringt. Papa, der ein Gute-Nacht-Lied singt.

Der normale Alltag halt  :wink:.

Gruß AJA

P.S.: Meinst du diese Such- und Findebücher von Ali Mitgutsch? Ist mir ehrlich noch nie aufgefallen, dass die so einseitig sind. Wahrscheinlich wieder mal mütterliche Betriebsblindheit  :redhead:


AntwortZitat
Geschrieben : 07.10.2006 23:17
(@suffering_d)
Nicht wegzudenken Registriert

Letzten Freitag fragte mich mein Kleiner im Beisein der JA-SB: "Papa, haben Mama und Du Euch nicht mehr lieb?" Da kommt man schwer ins Schleudern...ich jedenfalls.

Ich habe die Mama meiner Tochter lieb, nein, ich liebe sie sogar. Warum sollte ich es auch nicht tun, denn sie hat uns eine wunderbare Tochter geschenkt. Liebe ist manchmal doch definierbar, manchmal wird sie aber verkauft, leider.

Was vielleicht wichtig ist, das man nicht das vergisst was einen Menschen ausmacht, er seine Wurzeln braucht um wachsen zu können, ob da nun Hass dazu kommen muss sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Ich tendiere zu der Aussage das Kinder nicht unbedingt eine rein ehrliche Antwort brauchen, aber wenigstens eine, die sie zum Leben brauchen.

Das setzt allerdings voraus das man über gewisse Schatten springen kann.


AntwortZitat
Geschrieben : 07.10.2006 23:45