Hallo,
Ich bin hier mit dieser Frage wahrscheinlich im falschen Forum, aber irgendwie habe ich hier immer die guten Ratschlaege bekommen.(Also, wenn Moderator diese Frage loescht, ist es auch OK).
Mein Sohn geht in 5. Klasse des Gymnasiums und da hat man einen test durchgefuehrt, woraufhin die Lehrerin uns mitteilte dass er moeglicherwise Legastenie (Lese-Schreib-Schwaeche) hat (da er zu viele Fehler macht).
Er ist sehr gut in Mathe, ist technik- und computer-fan, aber er macht wirklich Fehler in Deutsch.
Was wuerde das bedeuten wenn er die Eintragung in Zeugnis bekommt? Ist es fuer ihn ersten Schritt ins Realschule? Kann er dann trotzdem Abitur machen und z.B. Physik studieren, oder wird er dann irgendwie diskriminiert, nicht immer akzeptiert o. ae.?
Gruss
Max
Hallo,
Dein Sohn muss ein Test (wird normalerweise über die Schule initiert) und dann wird dieses auch anerkannt.
Mein Großer hat auch LRS und hat keine Einschränkungen seitens der Schule im fachlichen Bereich.
Es besteht auch die Möglichkeit des Gymnasiums und eines späteren Studiums.
In den Fächern Deutsch usw. wird er fachlich bewertet, jedoch nicht im Bereich der Rechtschreibung. Unabhängig davon muss er natürlich mehr Zeit aufwenden beim Texte lesen und dann verstehen...hier sind die Grenzen jedoch nur durch den eigenen Fleiß begrenzt.
Auf den Zeugnissen wird in der Regel noch ein Vermerk gemacht, wo auf LRS hingewiesen wird.
Mfg
papi74
Der Morgen ist immer klüger als der Abend.
Moin Maxim,
wenn Kinder wegen irgendwelcher "Abweichungen von der Norm" einen Stempel bekommen, kriegen sie diesen sehr oft vor allem vom eigenen Umfeld. Früher war das oft "Linkshänder" (ist heute wohl etwas besser), aber auch "Brille tragen", ADHS, Legasthenie oder Dyskalkulie gehören in diese "Schubladen".
Wichtig ist, das Problem eindeutig zu benennen und Kinder entsprechend zu fördern. Wegen LRS muss sich niemand schämen (genausowenig wie wegen der anderen Schubladen). Möglicherweise ist auch ein Schulwechsel angezeigt - oder es gibt die Option, ihn als LRS-Kind anders zu benoten. Eine gute Deutsch-Note hat ja nicht allein mit schriftlichen Klassenarbeiten zu tun. Ein "Deppenstempel" für den Rest des Lebens resultiert daraus jedenfalls nicht. Ein guter Freund von mir (heute Anfang 40) hat ebenfalls LRS - und arbeitet als Lehrer (wenn auch natürlich nicht für Deutsch).
Ich habe vor einigen Jahren mal eine interessante Reportage über einen engagierten Lehrer gemacht, der sich mit einer ganz anderen Ursache der LRS beschäftigt - siehe HIER. Das hat ihm zwar gehörigen Ärger mit Ärzteverbänden und seinem Oberschulamt eingebracht, aber die Erkenntnisse waren bemerkenswert. Vielleicht suchst Du mit Sohnemann mal einen guten (!) Augenarzt auf.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo Maxim20,
macht dich nicht verrückt. Dein Kind hat nicht gleich eine schwere geistige Behinderung, sondern höchstens
ein Handicap. Wichtig ist, das er entsprechend gefördert wird (LRS-Kurs, Nachhilfe, Elternbetreuung) und
von Haus aus ein ordentliches Selbstbewußtsein eingehämmert bekommt.
Meine Tochter wurde auch entsprechend eingestuft, hat sich aber nach zwei Jahren Betreuung und Förderung
so stark verbessert, das man darüber nachdenkt, die Fördermaßnahmen wieder einzustellen.
Die RLS-Symptome können übrigens auch ein Hinweis auf andere Probleme bei dem Kind sein.
Ist dein Sohn gut in die Klassengemeinschaft integriert? Kommt er gut mit anderen zurecht? Ist er ein "Teamplayer"?
Oder ist er bereits heute eher in sich gekehrt und hat Probleme mit dem Anschluß an die Klassengemeinschaft?
Selten in der Geschichte hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken. (Winston Churchill)
Vielen vielen Dank!
Debugged, ja, ich glaube er ist nicht ganz gut in die Klasse integriert. (Ich dachte, dass liegt an dem Gymnasiumuebergang, und anderseits, an - wie soll man sagen - Migrationshintergrund mehrerer Mitschuelern, sowie daran dass seine Mutter Tag und Nacht vor dem Rechnet sitzt und chattet, statt ihm mit der Anpassung zu helfen).
Er ist nicht ganz Aussenseiter aber doch kein Teamplayer, und, ja, er hat Probleme mit Anschluss an die Klassengemeinschaft. Aber er hat auch Freunde (obwohl ich mir Freundschaft doch etwas enger vorstelle, als gemeinsames Nintendo-Spielen plus Diskutieren von Nitendo-Spielen). Was kann das bedeuten?
Wichtig ist, das Problem eindeutig zu benennen und Kinder entsprechend zu fördern. Wegen LRS muss sich niemand schämen (genausowenig wie wegen der anderen Schubladen). Möglicherweise ist auch ein Schulwechsel angezeigt
Martin, das ist gerade was mir Sorgen macht. Stephen Hawking hat mit allen seinen Krankheiten es bis zum Professor geschafft, aber er war tough. Wenn ein Kind im Zeugnis etwas nicht gutes bekommt oder seine Probleme sichtbar sind (Dicksein, Stottern, usw), dann werden seine Berufswahlmoeglichkeiten fuer immer (!) beschraenkt. Das will ich nicht. Die Frage ist daher - wird seine Zukunft negativ beeintraectigt wenn er die LRS-Bemerkung in Zeugnis bekommt?
Martin, das ist gerade was mir Sorgen macht. Stephen Hawking hat mit allen seinen Krankheiten es bis zum Professor geschafft, aber er war tough. Wenn ein Kind im Zeugnis etwas nicht gutes bekommt oder seine Probleme sichtbar sind (Dicksein, Stottern, usw), dann werden seine Berufswahlmoeglichkeiten fuer immer (!) beschraenkt. Das will ich nicht. Die Frage ist daher - wird seine Zukunft negativ beeintraectigt wenn er die LRS-Bemerkung in Zeugnis bekommt?
Kann ich mit einem klaren "Nein" beantworten, bis zum Abschlußjahrgang, bzw. dem Jahr davor hat dein Sohnemann ja noch ein bisschen Zeit.
Welcher Arbeitgeber/Hochschule will denn die Jammerlappen ab der 5. Klasse sehen?
Sorge dafür, das sich dein Sohn in seiner schulischen Umgebung wohl fühlt. Du mußt ihm vermitteln, das er mit
den gleichaltrigen auf Augenhöhe ist, auch wenn er ein Handicap hat.
Wenn er Probleme mit dem Anschluß hat, rede mit ihm darüber, die Ursachen kann er bestimmt selbst konkret benennen,
er ist ja nicht mehr vier Jahre alt. Leite Maßnahmen ein, die das Gemeinschaftsgefühl fördern, z. B. Sport- und/oder Vereinstätigkeiten
mit Gleichaltrigen. Bringe dich ein, lade einen oder besser mehrere Kumpels aus der Klasse am Wochenende zu diversen Freizeitaktivitäten
mit deinem Junior ein, geht ins Kino, in den Stadtpark, in den Zoo oder zu einer Sportanlage, eine Nachtwanderung etc...
Habe ein Auge darauf, das er nicht die meiste Zeit mit dem unteren Leistungsdrittel der Klasse verbringt. Du solltest ihm vermitteln, das
es ihn nach vorne bringt, wenn er sich an anderen Kindern mit guten Noten orientiert. Bringe ihm den Unterschied zwischen
"Strebsamkeit" und dem "Streber" bei. Wenn sich in der Schule Erfolge (gute Noten) einstellen, läuft der Rest fast von alleine.
Selten in der Geschichte hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken. (Winston Churchill)
Hallo Maxim,
es ist wirklich so, dass einen eine LRS oder Legasthenie (ist übrigens nicht genau das gleiche) nicht unbedingt im Leben einschränken muss.
Erstens ist ja noch nicht mal sicher ob er wirklich eine hat, das sollte beim Fachmann mal getestet werden und dann kann man auch viel über gezielte Förderung erreichen.
Es gibt mehrere ursächliche Probleme für eine Legasthenie, die dann durch bestimmte Umstände auch noch verstärkt werden können.
Hauptsächlich sind Wahrnehmungsfehler oder Wahrnehmungsschwierigkeiten ein Thema. Und da muss man einfach über Tests herrausfinden ob und wo da Probleme bestehen.
Wenn das Problem im optischen Bereich liegt kann durchaus ein Gang (und leider nur bei einem super guten Augenarzt) weiterhelfen. Winkelfehlsichtigkeit oder Probleme in der Raumwahrnehmung sind jedenfalls bei vielen Legasthenikern vorhanden.
Möglich ist auch ein Problem im akustischen Bereich, wer Dinge nicht genau hört (warum auch immer, könnte auch an der Konzentration liegen) kann sie nicht richtig schreiben.
Was Legasthenikern meiner Erfahrung nach meistens absolut nicht gut tut ist zuviel Zeit vor Bildschirmen, da ist es sinnvoll eine Zeiteinschränkung durchzuziehen.
Also ab zum Fachmann, heraukriegen was genau da ist und dann offen damit umgehen. Auch beim Berufseinstieg ist die Legasthenie die bekannt ist weniger das Problem. Wer zugibt sie zu haben, aber gute Abschlüsse vorweisen kann, kommt weiter als der, der aufgrund der Legasthenie in allen Fächern etwas schlechtere Leistungen bringt.
LG
Nadda
