Hallo,
ich bin neu hier und habe eine Frage zum ABR.
Vielleicht zu Anfang einmal kurz meine Geschichte: Seit 15 Jahren verheiratet, 3 Kinder. 13, 12, 10. Alle drei Kinder möchten gerne bei mir leben und ich habe den Antrag auf das ABR gestellt, weil meine Noch-Frau immer kategorisch ablehnt, dass sie die Kinder zu mir lassen wird. Jugendamt und die Verfahrenpflegerin haben die Kinder befragt und beide stimmen einem Umzug der Kinder zu.
Am Freitag ist die Verhandlung vor dem Amtsgericht und heute Abend rief mich meine RA an, dass die Kinder doch nicht mit zur Anhörung müssen, weil das Gericht die Klärung der Aufenthaltsfrage mit einem Vergleich anstrebt. Meine Frau soll vor Gericht zustimmen, dass die Kinder zu mir ziehen dürfen.
Jetzt meine Frage: Ist dieses Vorgehen eher als Nachteil oder Vorteil zu sehen? Für die Kinder ist es natürlich toll, dass sie nicht der Belastung vor Gericht ausgesetzt werden. Aber ist dieser Vergleich nicht eine "halbe Sache"?
Hallo Vlers,
der Vorteil eines Vergleichs ist zugleich sein Nachteil:
Wenn beide Parteien zugestimmt haben, kann der Vergleich nicht mehr angefochten werden.
Deshalb lieben Richter Vergleiche, denn damit sind höhere Instanzen ausgeschlossen.
Wenn nicht beide Parteien zustimmen, ergeht ein Beschluss (früher: Urteil) durch das Gericht.
Ein Beschluss, der einer Seite missfällt, kann angefochten werden.
Damit steht der Weg in höhere Instanzen theoretisch offen.
Ob das praktisch sinnvoll und durchführbar ist, ist von Fall zu Fall abzuwägen.
Konkret auf deinen Fall bezogen heißt das:
Wenn JA und VP der Auffassung sind, dass alle drei Kinder besser bei dir untergebracht sind, wäre - falls das Gericht sich am Freitag dieser Auffassung anschließen würde - ein Vergleich für dich besser als ein Beschluss.
Wenn JA und VP der Auffassung sind, dass alle drei Kinder besser bei dir untergebracht sind, wäre - falls das Gericht sich dieser Auffassung am Freitag nicht anschließen würde - ein Beschluss für dich besser als ein Vergleich.
Ein guter Anwalt weiß, was er dem Richter wann zu sagen hat, wenn es um die Frage Vergleich oder Beschluss geht.
Die besten Wünsche von
:yltype: Biggi
Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)
Hallo vlers,
Ist dieses Vorgehen eher als Nachteil oder Vorteil zu sehen?
Weder noch, das Gericht scheut offenbar einen Beschluss zum ABR.
Ein Vergleich (Einigkeit der Parteien) ist oft die bessere Alternative, denn dieser beugt zukünftigem Streit vor.
Aber ist dieser Vergleich nicht eine "halbe Sache"?
Das kommt ganz darauf an. Sollte die KM damit einverstanden sein und Dir freiwillig das ABR übertragen, ist das noch besser als ein Beschluss des Gerichtes, denn damit signalisiert sie, dass es künftig keinen Streit darüber geben wird. Außerdem hätte die KM dann kein Beschwerderecht.
Die Übertragung des ABR ist m.M. nach auch damit rechtskräftig, sicher bin ich da aber nicht
- das sollte Dein RA wissen.
Für den Fall, dass das ABR jedoch auch nach einem Vergleich weiter bei beiden Elternteilen liegen und lediglich der Wohnort der Kinder bei Dir sein sollte, würde ich auf einem Beschluss des Gerichtes bestehen.
Hallo,
Danke für eure schnellen Antworten.
Für den Fall, dass das ABR jedoch auch nach einem Vergleich weiter bei beiden Elternteilen liegen und lediglich der Wohnort der Kinder bei Dir sein sollte, würde ich auf einem Beschluss des Gerichtes bestehen.
Ich denke es soll wahrscheinlich darauf hinaus laufen, dass das ABR bei beiden bleibt. Ich wohne im Münsterland und die Richter hier gelten als eher konservativ. Die Verfahrenspflegerin sagte deshalb, dass der Richter nicht beabsichtigt meiner Frau das ABR zu entziehen, obwohl die Kinder zu mir sollen. Was ihr zum Vergleich geschrieben habt, klingt an sich ja ganz vernünftig, aber meine Frau hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass eine einvernehmliche Einigung mit ihr nicht möglich ist. Kinderwochenenden werden ständig boykottiert, auf mich wird vor den Kindern eingeschlagen etc. Sie hat dieses Verhalten jetzt Monate an den Tag gelegt und alle Streitigkeiten wurden auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Ich habe daher Bedenken, dass eine Einigung mittels eines Vergleichs keine genügende Sicherheit für die Kinder ist und niemals Ruhe einkehren wird, weil die Mutter ständig Stress macht und sich auf das gemeinsame ABR beruft.
Wenn die Lage so ist, wird die KM keinerlei Vergleich zustimmen, weder zum ABR, noch zum Wohnort.
Wenn sie sogar den Umgang boykottiert, ist das ein gutes Argument - zusammen mit dem Willen der Kinder und dem JA sowie VB - für die Übertragung des ABR auf Dich. Einer deutschen Mutter allerdings gerichtlich das ABR zu entziehen (denn das wäre ja der Fall) bedarf es schon schwerwiegende Gründe.
Der Richter muss also zwangsläufig einen Beschluss fassen, gegen Du dann gegebenenfalls Beschwerde beim OLG einlegen kannst.
Möglich ist auch nach neuer Gesetzgebung ein Beschluss, der zunächst Mediation "verordnet", um einer Entscheidung aus dem Weg zu gehen und das Verfahren doch noch mit einem Vergleich beenden zu wollen.
Sollte die KM die Kooperation aber verweigern, muss das Gericht beschliessen.
Ob wiederum der Unwille der KM zur Kooperation ihr negativ angelastet wird, ist ungewiss.
Hi,
das FG wird dem JA folgen und entscheiden wie folgt:
- Kinder zu dir
- KM darf die Kinder ganz oft haben
- (Kindergeld und Unterhalt werden stillschweigend nicht erwähnt ...)
- 4 Wochen später beantragst du selbiges
- ABR etc. pp. verbleiben unverändert bei beiden Eltern (das interessiert in diesem Fall niemanden, siehe Vergleich, siehe Kindesalter)
GANZ WICHTIG: Das JA muss dich voll unterstützen ! Ansonsten keine Chance.
Hallo vlers,
mich würde interessieren was am Freitag bei dem Gerichtstermin heraus gekommen ist.
Kannst du kurz bescheid geben?
Ich hoffe es ist alles zur Zufriedenheit verlafuen.
LG Burzel
Hallo,
hier also ein kurzes Update. Vielleicht hilft es zukünftig jemandem weiter.
Die Gerichtsverhandlung war die reinste Farce. Die Kinder wurden einige Tage voher ja von der Richterin ausgeladen, weil ihr die erneute Befragung als zu belastend für die drei erschien.
Die Verfahrenspflegerin und der Herr vom Jugendamt haben mir vor der Verhandlung bereits versichert, dass sich alles klären wird und die Kinder zu mir dürfen, da sie ihnen gegenüber klar geäußert haben, dass sie zu mir ziehen möchten.
Dennoch fänden sie es gut, wenn die Mutter "ihr Gesicht wahren kann" und ihr kein Teil des Sorgerechts entzogen wird. Deshalb wurde der Vergleich angetrebt und ich bin davon ausgegangen, dass meine Frau von einem der beiden informiert wird wie die Sachlage und der Wunsch der Kinder aussieht, damit sie weiß dass in der Verhandlung von ihr erwartet wird einzulenken und nicht etwa von mir.
Die Verhandlung lief dann aber gar nicht so wie erwartet. Jugendamt und Verfahrenspflege haben gesagt, dass die Kinder sich nicht klar geäußert hätten und dass sie sich vorstellen könnten bei beiden zu bleiben. Die Tendenz würde jedoch eher zu mir gehen.
Ich war wirklich wie vor den Kopf gestoßen, weil ich von beiden vorher so beruhigt wurde und alles so klar sein sollte. Allerdings hat im entscheidenem Augenblick keiner von beiden klar wiedergegeben, was die Kinder ihnen gesagt haben. Es wurden nur schwammige Aussagen getroffen, dass die Kinder die "Mutter auch sehr vermissen würden, wenn sie zum KV ziehen würden". Alle im Saal haben darauf gewartet, dass meine Frau nachgibt und den Wink mit dem Zaunpfahl ("die Tendenz geht zum KV") versteht. Sie hat dies jedoch gar nicht realisiert. Die Richterin hat dann gesagt, dass sie nicht entscheiden kann, weil die Kinder nun ja auch nicht da sind und demnach nicht befragt werden können. Da sie keine Psychologin ist, müsse ein psychologisches Gutachten erstellt werden. Die Entscheidung würde sich damit jedoch 6 Monate heraus zögern und mit Blick auf meine Frau sagte sie, dass dies nicht so sein würde, wenn wir uns hier jetzt einvernehmlich einigen würden.
Dem Vertreter des Jugendamtes passte dieses Vorgehen überhaupt nicht, da er der Meinung war, dass die Kinder jetzt eine klare Entscheidung brauchen. Warum er sich bei seiner Stellungnahme nicht klarer geäußert hat und die ach so tolle klare Entscheidung somit erleichtert hat verstehe ich bis heute nicht. Die Richterin schlug uns vor zu einer Beratungsstelle zu gehen, um dort eventuell an einer einvernehmlichen Lösung zu arbeiten. Der Mann vom Jugendamt empfahl uns daraufhin eine kirchliche Beratungsstelle. Meine Noch-Frau und ich hatten in der Vergangenheit schon zwei solcher "Beratungen" und deshalb und aufgrund der Persönlichkeitsstruktur meiner Frau (narzistische Persönlichkeitsstörung) sah ich wirklich nicht wie uns eine erneute Beratung helfen soll.
Am Tag nach der Verhandlung setzte sich jedoch der JA-Mitarbeiter mit meiner Frau in Verbindung und machte ihr klar, dass die Richterin von IHR erwartet hat einzulenken und dass er die Durchführung des psychologische Gutachten nicht für gelungen halte, da die Kinder sechs weitere Monate in der Luft hängen werden. Er würde davon ausgehen, dass das Gutachten die gleiche Tendenz haben werde und hielt die Aussagen der Kinder ihm gegenüber für authentisch und nicht beeinflusst.
Heute hatte ich den Termin bei der kirchlichen (!) Beratungsstelle und im Ergebnis war dieser Termin sehr gut. Meine Frau stimmte zu, dass die Kinder zu mir ziehen. Das war aber auch das einzig Gute an diesem Gespräch. Die restliche Zeit musste ich mir die Selbstdarstellungen meiner Frau anhören, die einen Redeanteil von 80% hatte. Die "nette" Dame bei der Beratung sah es nicht als ihre Aufgabe das Gespräch zu lenken und zu vermitteln, sondern zielte vielmehr darauf ab meiner Frau Worte in den Mund zu legen wie "Sie wollen doch um die Kinder kämpfen, ihr Mann kann die Kinder nicht so betreuen wie es Sie als Mutter können". Ihr Weltbild wurde jedoch zerstört, als meine Frau sagte sie möchte die Kinder gar nicht haben und dass es ja "völlig normal sei, die Kinder zu instrumentalisieren, das mache doch jeder so um seine Ziele durchzudrücken. Das einzig Schlimme für sie an der Scheidung ist, dass sie mich jetzt nicht mehr besitzt und ich nicht mehr IHR Mann bin."
Das war teilweise echt gruselig und ich bin froh, dass sich doch noch alles zum Guten zu kehren scheint.
Eine Sache hat mich jedoch irritiert. Im Gespräch teilte meine Frau mit, dass der JA-Mitarbeiter ihr ein zweites Dokument zukommen ließ, in dem sehr viel klarer steht was die Kinder ihm gesagt haben. "Sie würden gerne zum Vater ziehen und möchten nicht, dass er dies in seinen Bericht schreibt, weil sie Angst vor dem Druck der Mutter haben". Darf der gute Mann diese Informationen überhaupt zurück halten? Ich habe dieses Dokument bis jetzt noch nie gesehen. Die Stellungnahme an das Gericht war nur eine light-Version dessen.
Meine Frau stimmte zu, dass die Kinder zu mir ziehen.
Hi,
warum der lange Text ?
Ein kurzer Satz tut es doch auch.
Glückwunsch !!!!
PRIMA !
SUPER !
Das ist ein Erfolg !
Andere Väter hier im Forum würden sonstwas für dieses Ergebnis bieten !
Hi i-h-a,
das Ergebnis ist gut. Aber dass VP und JA so dermaßen feige den Schwanz einziehen, statt klar dem Gericht zu berichten, was die Kinder geäußert haben, das ist eine Schande.
Denen mag man nur wünschen, dass sie vor Scham nicht in den Schlaf finden.
Unfassbar.
LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
...Alter, give me more....
völlig normal sei, die Kinder zu instrumentalisieren, das mache doch jeder so um seine Ziele durchzudrücken. Das einzig Schlimme für sie an der Scheidung ist, dass sie mich jetzt nicht mehr besitzt und ich nicht mehr IHR Mann bin."
... da kann man wirklich Angst vor dem anderen Geschlecht bekommen... Gruß Ingo
Moin,
... da kann man wirklich Angst vor dem anderen Geschlecht bekommen...
kleine Korrektur, damit sich die Phrasen nicht festsetzen: Man kann Angst vor dem Egoismus mancher Menschen bekommen, die - unabhängig vom Geschlecht - die Kinder zum Durchsetzen ihrer Ziele benutzen.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
wo sind die Kinder jetzt gerade ?
Wie sieht deine weitere Planung aus ?
Die weitere Planung sieht wie folgt aus:
Die Kinder bleiben noch bis zum Schuljahresende bei ihrer Mutter und ziehen dann Anfang der Sommerferien zu mir und meiner Lebensgefährtin. Meine Kleinste wechselt dann auf die weiterführende Schule - ein Wechsel mitten in der vierten Klasse hielt ich für ungünstig. In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich hier bereits um viele Dinge gekümmert. Habe Kontakt zu den neuen Schulen aufgenommen und im mit meinen Kindern eine große Wohnung besichtigt. Im Dezember habe ich den Mietvertrag unterschrieben ohne das meine Ex etwas davon weiß. Die Kinder wollten auch nicht, dass wir ihr etwas sagen, weil sie Angst vor dem Stress hatten. Die Wohnung ist ab Mai endlich fertig und die Kinder können sich dann nach und nach hier einrichten und ab Mai auch alle in ihren neuen Zimmern schlafen, wenn sie am Wochenende bei mir sind. Der große Umzug soll dann am Anfang der Sommerferien stattfinden, damit die Kinder auch noch Zeit zum eingewöhnen haben.
In der Beratung werde ich mit meiner Frau einen Vertrag erstellen, in dem alle Fakten festgehalten werden. Zum Beispiel wann genau der Umzug stattfinden soll, wo die Kinder ihre Geburtstage feiern etc. Die Umgangsregelung für Wochenende wird wahrscheinlich einfach: Meine Frau sagte bereits, dass ihr alle zwei Wochen reichen und sie an den Wochenenden ja auch mal frei haben muss. Dieser Vertrag wird dann an das Amtsgericht weitergeleitet und wir haben dort noch einmal einen Termin an dem alles amtlich werden soll.
Dieses Wochenende sind meine Kiddies alle bei mir und sie können den Sommer kaum erwarten. Ich bin echt froh, wenn alles in trockenen Tüchern ist und der Stress für sie aufhört. Denn meine Kleinste hat mit ihren 10 Jahren schon massive Schlafprobleme und auch die beiden Größeren wünschen sich, dass endlich Ruhe einkehrt.
Also, den Wechsel erst im Sommer zu machen, finde ich ungünstig. Das gibt Deiner Ex zu viel Raum zum Bearbeiten und Fakten verändern. Und das alles nur mit einem Vergleich im Rücken.... nicht gut.
LG LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Also ganz ehrlich:
- die neue Wohnung sofort startklar machen !
- den neuen Vermieter bestechen ...
- notfalls die Wohnung auch halbfertig beziehen
SOFORT !
Die Chance kriegst du nicht zweimal.
Montag, 8.00 Uhr.
Ich hab den Mietvertrag schon im Dezember unterschrieben. Meine Lebensgefährtin hat zufällig im Internet entdeckt, dass unser Vermieter im selben Haus im Dachgeschoss eine riesige Wohnung anbietet. Das erschien uns wie ein Zeichen und wir haben mit ihm sofort alles klar gemacht 🙂
Ja großer Gott, dann zieh da ein und hol die Kinder und lass die nicht bis zum Sommer schimmeln!!!
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
