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Xe's Geschichte - Manchmal darf man seinem Kind tatsächlich helfen

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(@united)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Liebe vj,

Ich habe die Verantwortung für sie übernommen, habe Ja dazu gesagt.
Und nun hab ich das Gefühl, ich würde mich vor eben dieser Verantwortung drücken, wenn ich mich zurückziehe.
Auf der anderen Seite kann ich die Verantwortung nicht wahrnehmen, wenn ich psychisch kaputt gehe.

Ich kenne Dich nur virtuell, aber was ich kenne, klingt immer extrem verantwortungsbewusst !
Auch Euer Bekanntenkreis und dieses Forum vertrauen verdammt stark in Dein und Euer verantwortungsvolles Umgehen mit schwierigen Situationen.

Ich habe das Gefühl, dass genau das Dich unter Druck setzt !

Wer, wenn nicht Ihr, kriegt eine solche Situation gebacken ?
Aber wie ?

So sehr ich wünschte, dass ich sie hätte:
Ich habe keine Antwort.

Sie kann nichts dafür, dass ihre Mutter uns die letzten Jahre zur Hölle gemacht hat.
Sie kann nichts dafür, dass ihre Vergangenheit und ihre Hormone sie momentan unerträglich machen.
Sie kann nichts dafür, dass ich keine Kraft mehr habe.

Ich kann lediglich wiederholen, was Du ohnehin schon weißt (und was Uli sehr treffend formuliert hat):
DU kannst nichts dafür !
DU bist der Mensch, der die Situation am wenigsten zu vertreten hat !

Deine Stieftochter muss Veränderung wollen.
Offensichtlich lässt sie sich helfen (und das ist zunächst das wichtigste) und Ihr bekommt Hilfe, damit sollte Besserung in Sicht sein.

Wie geht es Xe in dieser Geschichte ?
Wenn Dir danach ist, dann ziehe Dich zurück ...
... aber nehmt Euch Zeit füreinander und m.E. wichtig: für andere Themen !

Lieben Gruß
United


AntwortZitat
Geschrieben : 27.05.2014 11:38
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

Ja, das Thema Verantwortung war auch in den acht Wochen Therapie, die ich hinter mir habe, ein sehr großes Thema.
Und ich spüre jetzt schon wieder ganz stark die Verspannungen in den Schultern, die auch von den Ärzten als eindeutig psychosomatisch identifiziert wurden. Das ist die Verantwortung, die da so schwer auf mir lastet und sich schmerzhaft als "zu schwer" bemerkbar macht.

Leider habe ich das aus meiner eigenen Geschichte mitgenommen: ich muss die Verantwortung tragen.

Dieses Gefühl abzulegen, daran muss ich noch viel arbeiten.
Ich kann und konnte schon einiges an Xe abgeben (er wird sich, wenn er Zeit hat, auch noch selbst melden und die Frage von United beantworten) - aber es ist doch noch sehr viel da.

Werde nächste Woche mit meinem Therapeuten diesem Problem noch weiter nachgehen.

Und ja - wir nehmen uns auch Zeit für uns und für andere Dinge. Aber die Gespräche kehren immer wieder zu L. zurück...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.05.2014 12:44
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Und dein Mann ist der Vater, du in Anführungsstrichen nur die Stiefmutter. Damit hast du das Recht anders zu reagieren als die Eltern...und das ist auch gut so.

Danke dafür!

Die Rolle als Stiefmutter ist echt nicht einfach...
Irgendwer sollte mal Kurse dafür geben - so wie es für werdende Mütter auch Kurse gibt...
Vielleicht mach ich das ja, wenn dieses ganze Chaos hier vorbei ist...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.05.2014 12:47
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

und noch ein Nachtrag ... (die Gedanken stürmen nur so auf mich ein) ...

Weil United gesagt hat, dass alle auf unser verantwortungsbewußtes Handeln vertrauen - ja, das ist ein enorm großer Druck.
Jetzt zugeben zu müssen, dass wir es alleine nicht schaffen, dass wir Hilfe brauchen, dass wir Verantwortung abgeben müssen - das ist extrem schwer.
Und gleichzeitig ist das Hilfe holen wieder ein Zeichen von Verantwortungsbewußtsein, von "Richtig handeln" und die Erwartung, dass wir jetzt mit den helfenden Stellen richtig und gut zusammenarbeiten, erzeugt irgendwie noch mehr Druck.
Wir stehen jetzt wieder unter Beobachtung (auch wenn sie gut gemeint ist) und sollen uns vernünftig verhandeln.

Dabei würde ich am liebsten einfach mal alles hinschmeißen und ohne Gedanken an die Folgen mal einfach nur Ruhe haben, verreisen, alles hinter mir lassen.
Und dann, nach einer Auszeit könnte ich dann wieder mithelfen, L. durch die Pubertät zu bringen.

Nur - das geht nicht.
Das ist nicht möglich.
Denn L. braucht jetzt unsere Hilfe. Sie kann nicht darauf warten.

Also muss ich Wege finden, in der Situation ein bißchen Auszeit zu bekommen - so wie z.B. Donnerstag: da ist bei uns ein Feiertag und L. wollte eigentlich zu uns kommen.
Aber ich hab abgelehnt. Ich will diesen Tag für Xe und mich.
Am WE kann sie gerne wieder kommen. Aber dieser eine Tag gehört uns.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.05.2014 12:54
(@annasophie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo vj,

das ist doch ein guter Weg: Do für euch beide (macht auch was schönes - Kino oder so)
und am Wochenende kann L wiederkommen - ist ja dann auch regelmäßig wenn sie jedes Wochenende kommt

Sophie


AntwortZitat
Geschrieben : 27.05.2014 13:28
(@achhja)
Nicht wegzudenken Registriert

vj, das ist jetzt natürlich nur so ein Gedanke von mir.
Ich könnte mir vorstellen, dass Teenie von deiner 8wöchigen Therapie aus der Spur gebracht worden sein könnte. Ein Mix aus "könnte das mit mir zusammenhängen, bin ich verantwortlich" und "wird sie mich noch liebhaben, wenn sie wieder da ist" und "ich bin schon mal weggegeben worden".

Mantra: du kannst nichts dafür! Es ist ihr Kopf, in dem das stattfindet!


AntwortZitat
Geschrieben : 27.05.2014 14:37
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi achja,

Die Therapie war ambulant, d.h. ich bin morgens hingegangen und war am NM wieder zu Hause. Insofern war fast Alltag.
Und die Probleme waren ja auch vorher schon da... Sie sind nur immer schlimmer geworden.

Und ja - es spielt sich alles in ihrem Kopf ab...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.05.2014 15:46
 Xe
(@_xe_)
Registriert

Wie geht es Xe in dieser Geschichte ?
Wenn Dir danach ist, dann ziehe Dich zurück ...
... aber nehmt Euch Zeit füreinander und m.E. wichtig: für andere Themen !

Normalerweise würde ich sagen, es geht mir gut - das ist so mein Standardsatz. Einige hier kennen mich noch von ganz früher, und an dem damaligen Pragmatismus hat sich eigentlich nicht so viel geändert.

Klarerweise bin ich ja auch nicht gefühllos - und der Teenie hat mich auch oft an den Rand des Aufgebenwollens gebracht. Ich sehe aber jetzt die Chance, mit Hilfe des hiesigen MA11 (wiener Jugendamt) einen Neuanfang hin zu bekommen. Der Aufenthalt im Krisenzentrum gibt uns erstmal die Gelegenheit, wieder auf die Reihe zu bekommen, was an sich sonst nicht mehr zu schaffen war, und die Hilfsangebote und Planungen zeigen deutlich, dass es Hilfe gibt, die unsere Familie dringend braucht. In sofern ist ein Fortschritt sichtbar.

Wir haben sie nicht einfach abgeschoben. Ich bin der festen Ansicht, dass sie ein unglaubliches Glück hatte, dass sie einen Richter hatte, der über sie entschieden hat, der eindeutig gesehen hat, in welche Richtung sie sonst weitergegangen wäre. Das Timing war perfekt, das hätte kein Drehbuchschreiber besser machen können. Dass jetzt Vergangenheit und Pubertät zusammen zuschlagen, versuche ich zu sehen wie es ist: ein Faktum. Die Vergangenheit können wir nich tmehr verändern, aber nach vorne schauen können wir schon.

vj ist im Moment mein Fokus. Sie hat mit mir zusammen dermaßen lange gekämpft, dass man am Ende praktisch mit einem Kriegstrauma dasteht, wenn der Kanonendonner der Vorwürfe und Gerichtsverfahren verhallt ist. Ich denke, das spielt auch mit rein - langsam kommt die Erkenntnis, dass man über seine Kräfte gehandelt hat, und die Batterie hat auch einen Knacks wegbekommen.

Ich sehe das Ganze positiv. Das Gespräch, bevor ich das Krisenzentrum angerufen habe und Rat und dann Tat eingeholt habe war kurz. Wir waren einig, dass das Ende der Fahnenstange erreicht war. Nichts half mehr, keine Strafe, kein Zureden, keine Erklärung. Wir sind sicher, dass es, wäre sie nicht gegangen noch weiter eskaliert wäre.

Ich denke, wir müssen uns alle neu orientieren, und alte Pfade zu verlassen fällt immer sehr schwer.


AntwortZitat
Geschrieben : 27.05.2014 20:11
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi ihr Lieben,

Vielleicht könnt ihr mir helfen, ein wenig Abstand zu bekommen, um die Dinge etwas klarer zu sehen...

Seit dem Aufenthalt von Teenie im Krisenzentrum verläuft unser Leben wie auf einer Achterbahn.
Mal sieht es aus, als ob alles gut werden würde und das Schlimmste überstanden ist - dann gibt es wieder Tage, wo man das PuberTier am liebsten an der nächsten Straßenecke aussetzen möchte... Ich denke, das kennen viele von euch nur allzu gut.

Aber heute ist etwas zum Vorschein gekommen, was - so denke ich - eines der Kernprobleme in unserer Patchwork-Familie ist:
Seit langem schon habe ich das Gefühl, dass Teenie (14 J.) uns nicht vertraut. Bisher habe ich immer gedacht, das kommt daher, dass sie als Kind nie gelernt hat, dass man seinen Eltern vertrauen kann. Das spielt sicher auch eine Rolle, aber es steckt scheinbar noch mehr dahinter.
Teenie hat heute wieder einmal damit angefangen, stundenlang über ihre Mutter zu sprechen und irgendwann ist sie damit rausgerückt, dass sie glaubt, dass wir - also der KV und ich - ihr etwas vorenthalten. Dass wir ein Geheimnis vor ihr haben, das ihre Mutter betrifft und dass wir ihr das verschweigen.

Ganz unrecht hat sie nicht, da wir im Sommer ein Gerücht gehört haben, dass die KM hauptsächlich auf dem Markplatz bei den stadtbekannten Säufern anzutreffen ist und angeblich Unmengen an Alkohol konsumiert - und das haben wir ihr nicht erzählt.
Werden wir aber auch nicht, da es nur ein unbestätigtes Gerücht ist und wir sie nicht mit solchen unhaltbaren Tratschgeschichten beunruhigen wollen.

Somit haben wir ihr versichert, dass es nichts wichtiges gibt, was wir ihr verschweigen.
Sie läßt aber nicht locker und wirft uns vor, dass sie aus den Gerichtsverhandlungen ja nicht alles weiß - dazu haben wir ihr gesagt, dass es auch Dinge gibt, die nur die ehemaligen Eheleute betreffen und die sie als deren Kind nicht zu wissen braucht, weil es nur die Scheidung betrifft. Und dass es auch Dinge gibt, die wir ihr damals nicht erzählt haben, weil sie noch zu jung dazu war. Diesbezüglich hat sie aber im Sommer auch die Möglichkeit, die Akten einzusehen, die beim Anwalt aufbewahrt werden. Wir wissen ja selbst nicht mehr alles, was damals geschehen ist. Und da ihre Mutter sich seit nunmehr fast eineinhalb Jahren nicht mehr gemeldet hat, gibt es auch nichts neues über sie zu wissen.

Aber sie glaubt uns nicht. Sie wirft uns weiter vor, wir würden ihr etwas vorenthalten und sie sieht es als ihr Recht an, alles zu wissen, was es über ihre Mutter zu wissen gibt.
Eigentlich wirft sie uns also vor, dass wir sie anlügen würden, wenn wir sagen, dass wir ihr nichts wichtiges verschweigen.

Das verletzt mich zutiefst und ich weiß nicht genau, wie wir damit umgehen sollen.

Ich weiß nicht, ob diese Sache auch der Grund dafür ist, dass sie uns z.B. nicht vertraut, wenn wir ihre Geldbörse aufbewahren sollen oder ihre Katze versorgen, wenn sie mal nicht da ist. Letztens hat sie mir vorgeworfen, ich würde absichtlich ihre Kopfhörer verstecken, nur um sie zu ärgern (in Wirklichkeit hatte sie selbst die Dinger in einer Tasche vergessen).
Es sind immer wieder so Kleinigkeiten, wo ich merke, dass sie kein Vertrauen zu uns hat und das verletzt jedes Mal aufs Neue.

Wie soll das nur weitergehen...?

Ich verstehe, dass sie Angst um ihre Mutter hat, die sich so lange nicht mehr meldet.
Ich verstehe auch, dass sie in der Pubertät versucht, sich von uns zu lösen und dass sie auf der Suche nach ihrer Identität ist.
Aber trotzdem tut es weh zu spüren, wie wenig sie uns vertraut, obwohl wir immer so ehrlich zu ihr waren, wie es ihr im jeweiligen Alter zumutbar war. Manche Dinge mußten wir verschweigen, um sie zu schützen - war das falsch? Rächt sich das jetzt?

Was meint ihr dazu?

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 02.11.2014 19:58
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Was vermutet sie denn hinter eurem Schweigen?

Denkt sie, ihr würdet ihr die guten Seiten der Mutter verschweigen oder es gäbe mehr dunkle Seiten?

Grundsätzlich hat sie mit ihrem Misstrauen ja auch recht, denn ihr gebt ja zu, dass Ihr ihr was verschweigt.

Und dass das nur zu unwichtig sei, um es ihr zu erzählen, glaubt natürlich kein Mensch.
Wenn es so unwichtig wäre, müsstet Ihr ja kein Geheimnis daraus machen.

Ich denke zumindest, solltet Ihr ihr ne bessere Begründung liefern und auch etwas offener sein.

Z.B. auch damit, dass ihr eben keine schmutzige Wäsche waschen wollt.
Die Mutter hätte im Moment noch einige Probleme, ihr es aber für indiskret halten würdet, wenn ihr das ausplaudern würdet, gerade weil es eben auch nur Hörensagen sei. Und natürlich auch, dass Ihr Töchting nicht damit belasten wollt, ihr das aber mit 18 erzählen würdet wenn sie es dann noch wissen wollte.
Gleichzeitig aber auch versichern, dass es nichts so dramatisches sei aber eben doch nix, womit sie sich jetzt belasten sollte.

Und wenn sie weiter drängt, würde ich vielleicht sogar etwas davon offenbaren, immer natürlich mit dem Hinweis, dass es eben nur ein Gerücht sei und ihr selbst nicht wisst, was dran sei.


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 02.11.2014 20:20




(@susi64)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo vj,

ich denke, dass alle Eltern nicht immer alles erzählen. Ich habt ihr alles gesagt! Wenn Sie die Akten sehen will, dann lasst sie. Alles andere macht es auch nicht besser. Dein Problem ist das ihr "ja doch was" verschwiegen habt, aus meiner Sicht stimmt das NICHT.

Irgendwie ist das Verhalten wie bei chronisch Eifersüchtigen: Bist Du fremd gegangen? Ich weiss, dass Du fremdgegangen bist! ... Ja, ich habe dem Nachbarn geholfen und dann hat er mich auf eine Tasse Kaffee eingeladen ... Also doch, was hast Du mir noch alles verschwiegen! Na!

So wird das nichts. Was willst Du denn genau "zugeben". Das die Mutter mit bestimmten Gestalten rumhängt, glaube mir, dass weiss Deine Stieftochter, das muss sie nicht von Dir erfahren. Du denkst, dass Du sie abschirmen kannst, dass wird aber nichts, dafür ist sie viel zu alt.

Zeige Deiner Stieftochter, dass Du offen und ehrlich bist. Aber dieses ständige Nachbohren ist aus meiner Sicht eine Krankheit bzw. krankheitsbedingt. Du wirst sie so nehmen müssen wie sie ist und wenn sie krank ist, dann muss man mit der Krankheit klarkommen und sich klar machen, dass man es nicht ändern kann.
Zuviel Verantwortung für Dinge die man nicht ändern kann machen krank.

Viele Grüße
Susi


AntwortZitat
Geschrieben : 02.11.2014 21:46
(@ginnie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi vj,

vielleicht versucht ihr es erst einmal gut zu erklären, weshalb Kinder nicht 1:1 alles erfahren sollten, was Erwachsene betrifft.  Nehmt als Beispiel Filme, die grausam sind, weil sie dem Jugendschutz unterliegen. Vielleicht gibt es einen Film den sie jetzt erst sehen durfte, den ihr als Beispiel nehmt, und bei dem sie sich vorstellen soll, was passiert wenn man den einem 4-jährigen vorspielt.

Sie soll sich dann auch mal vorstellen, wenn man einem Kleinkind detailgetreu etwas von einem Krebskranken erzählt und der Chemotherapie. Und zwar mit allen grausamen Details. Die sie in ihrem Alter auch jetzt noch nicht kennt. Was das für Ängste auslösen würde, wenn das Kind noch an Monster unterm Bett glaubt. So ähnlich ist es halt auch bei älteren Kindern mit Anwaltsbriefen, oder mit schmutziger Wäsche aus dem Gerichtssaal. Vielleicht versteht sie so besser, warum ihr nicht alles aus den Gerichtsverfahren 1: 1 wiedergegeben habt. Und dass sie auch jetzt in dem Alter zwar glaubt, sie wäre so weit, aber dass es immer noch wichtig ist, sie zu schützen.

Was das Gerücht über die KM betrifft, so fände ich es - wie ihr - falsch, so etwas unbestätigt der Tochter zu erzählen. Da würde ich jedoch mal mit dem Therapeuten reden, was man da machen kann. Aus dem Bauch heraus würde ich, wenn es mein Kind wäre, auch dem Kind zu verstehen geben, dass ihr es nachvollziehbar findet, dass sie wissen will, was los ist. Und ich würde wohl hinfahren (ohne Tochter natürlich) und nachgucken und auf Spurensuche gehen, vielleicht kommt das für den KV ja in Betracht. Natürlich nur in Absprache mit dem Therapeuten und wenn die Tochter dann auch verspricht, das was er erzählt, dann zu glauben.

Vielleicht vermutet sie ja dass die KM verstorben ist, und ihr das verschweigt..ich hoffe das klingt jetzt nicht zu drastisch. Auf jeden Fall scheint sie dringend wissen zu wollen, wo ihre Mutter ist und was die macht, um ihre Vergangenheit zu bewältigen.

ligr ginnie


Durch Nachsicht setzt man der Gewalt kein Ende: damit bestärkt man die Gegner nur in der Gewissheit, sie hätten es mit einem Schwächling zu tun, der leicht zu bezwingen ist

AntwortZitat
Geschrieben : 02.11.2014 22:00
(@united)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin vj,

"Tratsch und Gerüchten" behandle ich in der Regel als "Tratsch und Gerüchte" ...

Bin ich persönlich betroffen, nehme ich sie lächelnd zur Kenntnis und stelle nur dann richtig, wenn jemand eine Richtigstellung wünscht ...
Geht es um jemanden, den ich nur flüchtig kenne, nehme ich es zur Kenntnis, hinterfrage ich kritisch und halt ansonsten die Klappe ...
Geht es um jemanden, der mir persönlich am Herzen liegt, spreche ich mit demjenigen darüber ...

Es geht Euer Pubertier etwas an.
Insofern sprecht darüber, aber behandelt es als das, was es ist.

Unbeantwortet solltet Ihr Fragen nicht im Raum stehen lassen.

Gruß
United


AntwortZitat
Geschrieben : 03.11.2014 10:58
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

Danke für eure Ansichten und Ratschläge.

Wir haben auch schon im Sommer lange überlegt, ob wir Teenie die Gerüchte mitteilen sollen - aber das Problem ist, dass sie bei sowas total überreagiert und dass die Quelle der Gerüchte nicht unbedingt zuverlässig ist.
Wir haben ja wegen der Entfernung (1300 km) keine Möglichkeit, das einfach mal nachzuprüfen. Als wir im Sommer dort waren, haben wir auch den Marktplatz besucht, aber die KM nicht gesehen.
Wenn Teenie nun diese Gerüchte erfahren würde, dann würde sie sich schreckliche Sorgen machen und unbedingt irgendwas tun wollen.
Aber weder die KM noch ihre Sippe antworten auf Anrufe oder Briefe - und ansonsten gibt es niemanden, der sie erreichen könnte.

Was wir noch machen könnten ist, die andere Oma (Mutter des KV) zu bitten, mal die Augen offen zu halten - aber die wohnt auch außerhalb der Stadt und kann nicht jeden Tag zum Marktplatz fahren und die KM suchen...

Fällt euch irgendeine Möglichkeit ein, wie man überprüfen kann, ob es jemandem gut geht, der nicht gefunden werden will?

Denn wenn wir Kiddy von den Gerüchten berichten, ihr aber gleichzeitig sagen müssen, dass es absolut keine Möglichkeit gibt, den Zustand der KM nachzuprüfen, dann dreht die total durch. Sie wird panisch und hektisch und vollkommen irrational - das haben wir schon mehrmals erlebt.

Was sie hinter unserem Schweigen vermutet?
Nun, so wie es sich anhört glaubt sie tatsächlich, dass wir wissen, wie es ihrer Mutter geht und dass das aber so schlecht wäre, dass wir es ihr verheimlichen.
Nur - wir wissen ja nichts.
Teenie hat Angst um ihre Mutter und da diese Angst so diffus ist, versucht sie, irgendeinen Grund dafür zu finden.

Heute früh war sie wieder ganz normal und hat das Thema nicht weiter angesprochen. Aber ich fürchte, in ihr drinnen arbeitet das weiter...

Wir haben bald wieder einen Termin mit der Therapeutin, da möchte ich das unbedingt ansprechen...

lg
vj


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AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 03.11.2014 12:18
(@annasophie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo,

wie wäre es denn, wenn ihr gemeinsam mit der Therapeutin darüber sprecht, dass es Gerüchte gibt, dass die KM öfter am Marktplatz sein soll. Dies aber nicht nachprüfbar ist und die Person, die euch das mitgeteilt hat, nicht sehr zuverlässig ist. Ihr im Moment aber keinen Kontakt zur Familie der KM bekommt und die andere Oma in den nächsten Wochen ab und zu mal am Marktplatz schauen wird, ob die KM dort und wie es ihr geht. Sollte die Oma die KM nicht sehen, so ist das Gerücht falsch. Und das die Familie der KM sich nicht meldet tut euch leid, aber ihr könntet sie ja auch nicht zwingen zu antworten oder zu reagieren.

Vielleicht ist da ein Vergleich angebracht; wenn sie sich mit ihrer besten Freundin gestritten hat und beide erst mal nicht  mehr ans Telefon gehen, weil sie nicht mehr miteinander sprechend wollen und wie lange es dauert, bis sich das wieder eingerenkt hat, um zu verdeutlichen das die Familie der KM noch ein wenig Zeit benötigt.

Sophie


AntwortZitat
Geschrieben : 03.11.2014 12:42
(@ginnie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi

ich nochmal. Auch wenn 1.300 km dazwischen liegen, die sind nicht völlig unüberwindbar. Bei den heutigen Flugangeboten sicherlich auch planbare Kosten.

Ich hätte jedenfalls bei allen anderen Varianten, Andeutungen und ungeklärten, im Raum stehenden Fragen eine große Angst, dass eurer Teenie die Sache selbst in die Hand nimmt und einfach eines Tages ungefragt und unangekündigt selbst versucht, die 1.300 km zu bewältigen.

Ansonsten gäbe es noch die Variante, einen Privat-Detektiv einzuschalten (Kosten kenne ich jedoch nicht, also kommt es vielleicht auch nicht in Frage... Aber kann durchaus erfolgsversprechend sein??!!). Meldeauskunft scheint ja sinnlos zu sein... :exclam:

ligr ginnie


Durch Nachsicht setzt man der Gewalt kein Ende: damit bestärkt man die Gegner nur in der Gewissheit, sie hätten es mit einem Schwächling zu tun, der leicht zu bezwingen ist

AntwortZitat
Geschrieben : 06.11.2014 21:17
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi @ all,

Danke fürs Lesen und die guten Ratschläge.

Die Situation hat sich aktuell wieder etwas beruhigt - Teenie ist da eher impulsiv und verfolgt Dinge nie sehr lange.
Da wir Ende nächster Woche dann endlich den Termin bei der Therapeutin haben, werden wir das Thema jetzt erst mal zu Hause nicht ansprechen, sondern dann wirklich mit der Therapeutin über die weitere Vorgehensweise reden.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 07.11.2014 11:06
(@totohh)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin.

Die Situation hat sich aktuell wieder etwas beruhigt - Teenie ist da eher impulsiv und verfolgt Dinge nie sehr lange.

Das ist doch ersteinmal gut - war auch mein erster Gedanke als ich Deine Ausführungen bzgl. Vertrauen las. Ihr (vermutlich auch insb. Du)  könnt das Vertrauen des pubertierenden Teenagers nicht erzwingen. Ihr/ Du solltest das aber auch nicht persönlich nehmen (zB die Geschichte mit den verlegten Kopfhörern). Und wenn Tochter Euch nicht ihren Geldbeutel oder die Katze anvertraut, dann sei es so - muss sie sich selbst drum kümmern/ drauf aufpassen.

Eins solltet ihr nicht aus den Augen verlieren: Ich denke, dass das Kind früher oder später einen Drang haben wird, Kontakt zu ihrer Mutter herzustellen, mindestens aber zu wissen, wie es ihr ergeht. Das ist auch ihr gutes Recht und ihr solltet sie dabei unterstützen mit dem Wissen, was ihr habt. Und wenn dann rauskommt, dass ihr schon länger etwas verschweigt, dann ist das natürlich nicht vertrauensbildend, eher enttäuschend. Ein 14jähriges Mädchen kann mE schon soweit sein, dass ihr sie vollends einbindet. Damit löst ihr das Problem auf eurer Seite und müsst euch "nur" um die (Re)Aktionen des Kindes kümmern.

Gruß Toto


AntwortZitat
Geschrieben : 09.11.2014 10:40
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi Toto,

Das ist auch ihr gutes Recht und ihr solltet sie dabei unterstützen mit dem Wissen, was ihr habt.

Dieses Gerücht sehe ich aber nicht als "Wissen" an. Wenn wir etwas wissen würden, dann würden wir ihr das natürlich in geeigneter Form mitteilen.
Aber dieses Gerücht kommt von einer Person, die nicht besonders vertrauenswürdig ist - damit wollen wir sie nicht beunruhigen.

Glaub mir, wir haben bisher immer alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit Teenie erfahren kann, wie es der KM geht und haben auch immer wieder Treffen ermöglicht - aber seit über einem Jahr ist niemand von der Sippe mehr erreichbar.
Das ist für Teenie natürlich sehr frustrierend, enttäuschend und verletzend. Nur - wir können nichts tun. Wir können die KM nicht ausfindig machen, wir können niemanden von ihrer Familie erreichen und wir können nicht einfach auf gut Glück mal rauffliegen und die Stadt durchsuchen. Das einzige, was wir tun können, ist die Familie vom KV zu bitten, die Augen offen zu halten. Und das tun sie bereits, weil sie wissen, dass Teenie sich Sorgen macht.

Ein 14jähriges Mädchen kann mE schon soweit sein, dass ihr sie vollends einbindet.

Hier ist das Problem, dass Teenie von ihrer Entwicklung noch immer hinten ist - sie ist also grade im emotionalen und im sozialen Bereich eher zwischen 10 und 12.
Viele Dinge hat sie auch überhaupt nie gelernt und wird sie wohl auch nie aufholen.
Sie steht ständig unter Spannung, mißtraut den meisten Menschen, hat ein geringes Selbstbewußtsein (was sich dann in übersteigertem "Ich kann alles"-Trotz äußert) und ist grundsätzlich negativ eingestellt.
Teilweise ist das auf die Pubertät zurückzuführen, aber die Traumata in ihrer Kindheit haben definitiv gravierende Schäden hinterlassen.

Und auch hier sind ihr Vater und ich am Ende unserer Möglichkeiten.
Denn bisher hat sie mit uns über fast alles gesprochen und hat uns vieles erzählt, was sie beschäftigt.
Zur Zeit zieht sie sich komplett zurück, sagt zwar, dass sie Probleme hat, aber nicht welche und schließt sich die meiste Zeit in ihrem Zimmer ein.
Das einzige, was wir tun können ist, ihr zu signalisieren, dass wir da sind und ihr auch andere Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen - wie eben die Gesptächstherapie und das Therapie-Reiten (was der einzige Punkt ist, wo sie sich ein wenig entspannen kann).
Aber es ist sehr sehr schwer, ihr nicht helfen zu können. Und ich muss mir immer wieder sagen, dass ich sie nicht zwingen kann, dass sie selbst um Hilfe fragen muss, wenn sie uns braucht. Ich kann nur immer wieder sagen: ich bin da, wenn Du reden möchtest.
Nur kommt eben meistens ein Nein...

Das mit dem "nicht persönlich nehmen" muss ich auch noch lernen.
Es tut trotz all meinem theoretischen Wissen immer noch weh, wenn sie so abweisend und unfrendlich ist.
Aber in den letzten Tagen gelang es mir schon ganz gut, über dieses Verhalten hinwegzusehen und es als "Pubertät" einzuordnen.
Dann kann ich auch relativ normal mit ihr umgehen.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 10.11.2014 11:07
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi @ all,

Möchte meine Freude mit euch teilen - stellt euch hier nun alle lustigen Smilies vor, die ihr euch denken könnt  🙂 🙂 🙂  :luftballons:

Unser Teenie bekommt heute ihr Zeugnis.
- Ja und? wird vielleicht manch einer fragen. Dieser Tag kommt doch jedes Jahr, und sie ist auch nicht die einzige, die heute dieses Papier in die Hand gedrückt bekommt.

Jaaaa, AAAAABER - 🙂 🙂 🙂
unser Teenie hat damit ihre Pflichtschulzeit beendet! :luftballons: :luftballons: :luftballons:

Zu Schulbeginn 2006 habe ich ein kleines, unterernährtes, sozial vernachlässigtes Mädchen mit massiven psychischen Problemen und Verhaltensstörungen kennengelernt - und heute steht da eine selbstbewußte, hübsche und intelligente Jugendliche, die in den 7,5 Jahren, die sie nun bei uns lebt, ihre Schullaufbahn ohne Sitzenbleiben durchgezogen hat und im Sommer ihre Ausbildung beginnen will (jawohl: sie MÖCHTE wiklich von sich aus tatsächlich eine Ausbildung machen und freut sich darauf, weil sie später einen guten Job haben will!) 🙂

Ihre Mutter ist zwar noch immer ein schmerzhaftes und schwieriges Thema, aber sie geht mittlerweile ziemlich gut damit um - sie ist so stark geworden und hat eine wirklich tolle Persönlichkeit entwickelt.
Wenn ich an die erste Zeit zurückdenke, dann kann ich kaum glauben, dass sie wirklich das selbe Mädchen ist...
Ich denke, niemand, der sie damals kannte, hätte je zu hoffen gewagt, dass sie sich wirklich so sehr zum Besseren verändert...

Tja, nun geht ein schwieriger Lebensabschnitt zu Ende - im Herbst beginnt eine ganz neue Phase für uns alle, da sie dann für die Ausbildung ins Internat gehen wird.
Für uns (ihren Vater und mich) bedeutet das: weniger Verantwortung, mehr Zeit für uns als Paar.
Für Teenie: ein großer Schritt in die Selbstständigkeit und die Chance, sich weiterzuentwickeln.

Einige von euch können sicher die Gefühle nachvollziehen, die mich nun bewegen:
Freude
Erleichterung
Sorge (wird sie es schaffen?)
Staunen
Dankbarkeit (gegenüber all den Menschen, die uns geholfen haben - darunter auch viele hier im Forum)
Erschöpfung
...
und ein großes "Wir (alle drei) haben es (sooo weit!) geschafft!!!!!!!!!!"  :bodybuilder:  :luftballons:

:achterbahn:

🙂 🙂 🙂

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 03.07.2015 10:53




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