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Xe's Geschichte - Manchmal darf man seinem Kind tatsächlich helfen

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 vj
(@_vj_)
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Update:

Letzte Woche Termin mit dem Therapeuten gehabt und Gespräch mit meiner Hausärztin und dann den Antrag auf die Kur eingereicht.
Jetzt heißt es: warten und in der Zwischenzeit viel auf mich achten und mir viele Pausen gönnen.

D.h. ich versuche, nicht allzu viel über meine Probleme zu sprechen, denn wenn ich anfange, dann bricht der Damm und dann breche ich zusammen. Und das ist momentan nicht zielführend / sinnvoll / möglich.
In der Kur werde ich mich dann in einer "geschützen Umgebung" und mit viel Zeit mit all den Dingen auseinandersetzen, die sich hinter der Schutzmauer aufgestaut haben.

Vom Gericht haben wir heute auch eine Auskunft bzgl. des aktuell noch laufenden Verfahrens wegen L.s Einbenennung erhalten: Der Akt ist gestern vom Rekursgericht zurückgekommen, wird heute NM der Richterin vorgelegt und voraussichtlich übermorgen sollten wir dann Info über den Inhalt erhalten.
Einerseits wäre es gut, wenn das auch mal zu Ende wäre, andererseits ist dann der Weg wieder frei für eine neue Klage der KM (vor allem, da die Weihnachtsferien vor der Türe stehn...).

Wir werden sehen...

Danke fürs Zuhören.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 10.12.2013 14:59
 vj
(@_vj_)
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Update

Verfrühtes Weihnachtsgeschenk vom Gericht: der Rekurs, den die KM wegen L.s Einbenennung eingereicht hatte, wurde zurückgewiesen. D.h. L bekommt jetzt meinen Namen als "Weihnachtsgeschenk".

Kann mich aber noch nicht so richig darüber freuen.

Es ist traurig, dass es so kommen mußte..., dass L sich so sehr von der eigenen Mutter entfernt hat.
Andererseits hilft es ihr sicher, einen weiteren Schritt aus dieser extrem schädlichen Beziehung heraus zu machen und ihre schreckliche Vergangenheit zu verarbeiten.
Und ich freue mich, dass sie sich bei uns so wohl fühlt, dass ihr dieser Name wichtig ist.

Trotzdem ist es irgendwie ein seltsames, ein ungewohntes Gefühl, dass L bald meinen Namen tragen wird...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

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Themenstarter Geschrieben : 13.12.2013 15:09
 vj
(@_vj_)
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Update nur der Vollständigkeit halber:

"Weihnachtsgeschenk" ist sich nicht ausgegangen, aber letzten Freitag war es dann so weit: Kiddy trägt nun auch den neuen Ehenamen ihres Vaters (meinen Familiennamen) und nicht mehr den Familiennamen der Mutter.

Ihr geht es richtig gut dabei.
Sie fühlt sich jetzt wirklich unserer Familie zugehörig und hat sich scheinbar gut aus der schädlichen Umklammerung ihrer Mutter befreit. Welche Art von Beziehung sie in Zukunft nun zu ihrer Mutter aufbauen wird, ist noch ungewiss, aber momentan für sie scheinbar nicht wichtig.
Da die KM es ja nicht mal für nötig gehalten hat, sich zu Weihnachten oder zu Kiddys Geburtstag im Jänner zu melden, ist unser Teenie zu dem Schluss gekommen, dass sie mit mir und ihrem Vater als Eltern momentan ganz zufrieden ist.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 10.02.2014 10:28
 vj
(@_vj_)
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Hi,

Ein Update, das mir zu schreiben nicht leicht fällt...

Am Samstag gab es bei uns eine so heftige Eskalation, dass wir Teenie ins Krisenzentrum bringen mußten, wo sie nun mal auf Zeit verbleiben soll.
Grund dafür: sie hatte einen so heftigen Wutausbruch, dass sie die Katze geschlagen hat (die sie sonst über alles liebt!). Auch wir wurden dann ohne Punkt und Komma angebrüllt und sie hat sich wieder in den Weg gestellt, Türen aufgerissen oder zugeknallt, wenn wir ausweichen wollten, kein Stopp-Signal mehr akzeptiert - kurz: ein so schrecklick aggressives Verhalten an den Tag gelegt, dass ihr Vater ihr schließlich eine gescheuert hat, um sie aus diesem irren Zustand rauszuholen.
Hat aber auch nichts genützt. Sie hat dann noch zusätzlich Sachen durch die Gegend geschmissen und sich in ihrem Zimmer eingesperrt.

Wir haben dann schließlich das Krisenzentrum angerufen, über eine Stunde auf Teenie eingeredet und sie dann hingebracht.

Danach ging es uns richtig sch....

Es gab ja seit Herbst immer wieder und immer häufiger schlimme Wutausbrüche und Aggressionen, wir hatten schon Gespräche mit dem JA gehabt und versucht, Teenie zu einer neuerlichen Therapie zu bewegen. Aber sie hat immer mehr blockiert und uns immer mehr terrorisiert.
Wir fühlten uns echt schon wie in einem Minenfeld - jede Kleinigkeit konnte dazu führen, dass Teenie austickt, wir konnten es nicht mehr steuern. Phasenweise gab es jeden Tag (!) Geschrei und Machtkämpfe.
Und dass sie dann die Katze geschlagen hat - da war endgültig die Grenze überschritten.

Auch die Betreuer im Krisenzentrum haben gesagt, dass man ein solches Warnzeichen unbedingt ernst nehmen muss. Wenn das Kind / der Jugendliche ein absolut untypisches Verhalten zeigt, dann ist Hilfe dringend notwendig.
Sie ist jetzt noch in der Gruppe für die Kinder weil sie unter 15 ist und dort gibt es strenge Regeln, aber noch keine großen Probleme mit Alkohol oder Drogen. Die Betreuer dort setzen jetzt gemeinsam mit dem JA und in Absprache mit uns notwendige Schritte - also Kontakt mit der Schule, psychiatrische Abklärung, Therapie...

Wir wissen also, dass sie dort gut aufgehoben ist und es wurde uns mehrmals bestätigt, dass es wichtig und gut ist, dass wir alle nun Hilfe bekommen und dass wir sie hingebracht haben - aber trotzdem ist es ein schreckliches Gefühl...
Ich hab ja grade 8 Wochen teilstationäre Therapie hinter mir und müßte eigentlich langsam wieder in den Alltag hineinfinden - und dann gleich so eine Katastrophe...
Ich fühl mich, als hätten wir versagt und würden L. jetzt im Stich lassen und wegschicken. Ich weiß nicht, wie sie damit umgehen wird, ob sie versteht, was nun wichtig ist und wie es sein wird, wenn sie wieder nach Hause kommt.
Es war ein echter Schock, dass es nun so weit gekommen ist und dass wir erkennen mußten, dass wir für das Mädchen nicht mehr sorgen können, dass sie vollkommen außer Kontrolle ist.
Wir analysieren und suchen nach Fehlern, die wir gemacht haben - und auf der anderen Seite nach Lösungen.
Und arbeiten gehn sollen wir auch noch irgendwie...

Es ist alles so schwierig und so beängstigend.

Gott sei Dank haben wir gute Unterstützung durch das JA und das Krisenzentrum und auch unser Pastor ist für Gespräche da. In der Therapie hab ich einige Dinge gelernt, die ich jetzt sehr gut brauchen kann.
Aber es kostet alles Unmengen an Kraft...

lg
von einer verzweifelten und verängstigten
vj


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AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 14.05.2014 15:41
(@annasophie)
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Hallo,

das ist für euch bestimmt nicht einfach, aber: es ist eine Deeskalation. Und das ist im Moment anscheinend das richtige.

Der Vater meiner Großen hatte sie letztes Jahr in die geschlossene Psychatrie gebracht, weil sie seine Frau geschubst haben soll und überreagiert hätte. Nun ja...
Positiv kann ich dieser Zeit abgewinnen, dass sie gelernt hat, wie wichtig es ist, Entscheidungen zu treffen und zu kommunizieren und Grenzen zu setzen, denn ansonsten wird über einen bestimmt. Und sie hatte auch eine gute Jugendamtsmitarbeiterin und das Personal der Klinik war für sie auch sehr positiv und waren sehr unterstützend.

Wichtig ist in meinen Augen, dass ihr für die da seid, sie besucht, möglichst täglich - wenn es geht - Kontakt habt. Und erstmal keine Vorwürfe. Einfach für sie da sein.

Allerdings: wenn sie aus dem Krisenzentrum raus ist, dann könnten "Nachwirkungen" auftreten. Meine Große hatte dann wohl - da war sie noch bei Papa mit Familienhelferin - viele Alpräume. Da sollte psychologische Hilfe vorhanden sein, evtl. auch für euch.

Und wenn ihr alle zu der Einsicht kommt, dass ein betreutes Wohnen oder andere Möglichkeiten genutzt werden sollten, auch dann kann das für sie genau der richtige Weg sein.

Meine Große wollte auch lieber in ein betreutes Wohnen als wieder zu Papa die 10 Wochen. Allerdings wollte der das nicht und so wurde die Familienhilfe für die Zeit genutzt. Aber hier ging es ja nur um die Zeit bis zu den Sommerferien.

Und L. hat jetzt sozusagen Ruhe: sie hat einen strengen Tagesablauf, vermutlich auch kein Handy oder andere technische Dinge. Sie kann und muss sich nur mit sich selbst beschäftigen. Und das regt zum Nachdenken an.

Sophie


AntwortZitat
Geschrieben : 14.05.2014 16:03
 Uli
(@Uli)

Wir analysieren und suchen nach Fehlern, die wir gemacht haben - und auf der anderen Seite nach Lösungen.
Und arbeiten gehn sollen wir auch noch irgendwie...

Das sollte ihr euch sparen. Ihr werdet nichts finden, weil es nichts gibt.
Das System Familie ist kaputtt; das hat die Exe zerstört.
Ihr werdet atackiert, weil ihr verfügbar seid, nicht, weil ihr "böse" seid.
Ich bin euch in dieser Beziehung etwas vorraus wenngleich die Wutausbrüche bei uns bei weitem nicht so schlimm waren).
Die Kids sind jetzt aus dem Haus und vieles hat sich bei ihnen um 180° gewendet.
Ich denke, ihr braucht noch  Zeit, Kraft und Geduld!

LG, Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 14.05.2014 17:40
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi AnnaSophie,

Danke für das Sichtbar-machen der guten Seiten und der Möglichkeiten, die eine solche Fremd-Unterbringung des Kindes bietet. Ich tu mir momentan noch sehr schwer, diese auch zu sehen, weil alles noch so frisch ist und der Schock noch nachwirkt.
Aber die Helfer rund um uns sehen das wirklich als Chance für uns und für L. und so denke ich, dass sie uns in die richtige Richtung führen werden. Die haben ja echt schon viel Erfahrung mit solchen Dingen und ich bin froh, dass sie nun einige Weichen stellen und uns einige Schritte abnehmen (wie z.B. dass sie Teenie dazu bringen, wieder eine Therapie zu beginnen und eine psychiatrische Untersuchung zu machen).

___________

Hi Uli,

Die Sehnsucht nach der Zeit, in der ihr euch befindet - wenn alles schon vorbei und Teenie erwachsen ist - die ist sehr groß...
Ich wünsche mir, wir könnten auch schon auf diese Zeit jetzt zurückblicken...

Und doch: ein paar Fehler sind bei uns auch zu finden, wie z.B. dass wir viel zu wenig konsequent waren. Aber das ist nun mal nicht mehr zu ändern und es ist im Nachhinein eher ein Wunder, dass wir doch einiges richtig gemacht haben.

Zeit: die rinnt mir momentan durch die Finger und es geht alles viel zu schnell und doch so viel zu langsam...
Kraft: hab ich keine mehr. Ich hab jetzt 8 Wochen intensive Dauertherapie hinter mir, um wieder ein paar Reserven zu aktivieren, aber dieser große Brocken wäre auch unter normalen Umständen schwer zu bewältigen.
Geduld: eher nur noch Müdigkeit...

Das klingt jetzt alles so negativ, aber das ist einfach der Kampf in mir, damit die Depression nicht wieder die Oberhand gewinnt.
Wenn ich das alles rausschreibe, dann geht es besser.

Danke fürs Zuhören!

lg
vj


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AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 14.05.2014 18:08
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin vj,

ich glaube, Uli hat es treffend auf den Punkt gebracht. Den von ihm beschrieben Standpunkt solltet auch Ihr jetzt einzunehmen versuchen anstatt Euch die Köpfe zu zermartern, an welcher Stelle Ihr durch falsches Verhalten einen Trigger gesetzt haben könntet, der sich jetzt in diesem Ausbruch gerächt hat: Das ist nicht der Fall; der Schaden ist mit Sicherheit viel älter als Töchting bei Euch lebt. Er ist - wie ein Vulkan - eben nur mit einer gewissen Zeitverzögerung ausgebrochen. Ursache und (sichtbare) Wirkung liegen aber vermutlich Jahre auseinander.

Als direkt Betroffene seid Ihr aber mittelbar Teil des ganzen Komplexes; da könnt Ihr nicht gleichzeitig auch noch die Medizin und die Problemlösung sein. Insofern halte ich den Schritt mit dem Krisenzentrum ebenfalls für richtig. Ihr solltet Euch nur selbst ebenfalls Hilfe holen; es bringt niemandem etwas und dreht auch die Zeit nicht zurück, wenn Ihr jetzt auch noch analysieren wolltet, was Ihr die vergangene Jahre falsch gemacht haben könntet. Wichtig ist allein, in Zukunft "richtigere" Dinge zu tun - und dabei wird Euch das Interventionszentrum sicher helfen können.

Grüssles und viel Kraft
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 14.05.2014 19:35
 Uli
(@Uli)

Und doch: ein paar Fehler sind bei uns auch zu finden, wie z.B. dass wir viel zu wenig konsequent waren. Aber das ist nun mal nicht mehr zu ändern und es ist im Nachhinein eher ein Wunder, dass wir doch einiges richtig gemacht haben.

Nein, ihr hättet garnicht konsequent(er) sein können, denn ihr werdet von Töchting nicht als Autorität anerkannt. Mehr Konsequenz hätte mehr und früher Aggressionen hervorgerufen. I


AntwortZitat
Geschrieben : 14.05.2014 23:07
(@Brainstormer)

Hi vj,

Die Sehnsucht nach der Zeit, in der ihr euch befindet - wenn alles schon vorbei und Teenie erwachsen ist - die ist sehr groß...
Ich wünsche mir, wir könnten auch schon auf diese Zeit jetzt zurückblicken...

Da ich ja ähnliche Erfahrungen gemacht habe, kann ich dich hier absolut verstehen.
Eigentlich will man diesem "Irrenhaus" nur noch entkommen und hofft auf den Tag, an dem das Terror-Kind endlich ein eigenständiges Leben führt.

Aus meiner Sicht war es leider abzusehen, dass der Punkt irgendwann kommen musste, an dem es derart eskaliert.
So schwer es auch sein mag, ihr habt genau richtig gehandelt. Meiner Erfahrung nach, ist eine "Auszeit", so wie ich sie dir vor einiger Zeit vorgeschlagen hatte, die einzige Möglichkeit für euch alle, diesem Teufelskreis zu entkommen. Das Gute ist, dass dieser jetzt durchbrochen ist und es eigentlich nur noch besser werden kann.

--
Brainstormer


AntwortZitat
Geschrieben : 15.05.2014 00:35




(@annasophie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi,

ich würde mir an eurer Stelle auch keine größeren Gedanken um evtl. Erziehungsfehler machen. Das ist ganz normal und im Regelfall kommen Kinder damt auch klar.

Aber bei einigen läuft irgendwas schief und das ist dann eben so. Eine Freundin von mir hat eine Sohn mit Zwangsstörungen..der ging 1,5 Jahre nicht zur Schule und entwickelte immer mehr Zwangs- und Angsttörungen. Nach 2,5 geht er wieder zur Schule und ist in Therapie. Eine stationäre Therapie war für ihn aber beispielsweise nicht das richtige. Allerdings hat er unter Stress immer noch große Probleme und fällt in alte Verhaltensweisen zurück.

Hier war die ganze Familie bei der Aufarbeitung der Ursachen dabei und hat erst im Nachhiniein gesehen, wie er manche Sachen aufgefasst hat.

Aber er will jetzt etwas ändern und das ist das positive. Er will es und wenn es für ihn auch noch sehr schwer ist und seine Geschwister und seine Eltern bestärken und ermutigen ihn auch.

Und dieses bestärken und ermutigen ist besonders wichtig.

Das sehe ich an meiner: sie traut sich viel zu wenig zu und hat viel zu wenig Selbstbewusstsein. Manchmal lehnt sie etwas ab weil sie nicht weiss wie es wird, hat sie es aber doch gemacht ist sie ganz begeistert. Oder freut sich, dass andere so von ihr angetan sind. Dieses Selbstbewusstsein kannst du aber nicht als Elternteil oder Stiefelternteil stärken, sondern das muss von außen kommen...und da macht das ganze so schwieirg...

Sop


AntwortZitat
Geschrieben : 15.05.2014 12:42
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi @ all,

Danke für den Zuspruch!

Ihr habt recht: wir sind viel zu nahe dran und viel zu sehr Teil des ganzen "Problemkomplexes" (auch wenn wir so vieles nicht verursacht haben) dass wir alleine keine Lösung finden können.
Und die Ursachen liegen definitiv schon vor der Zeit, als L. zu uns gekommen ist. Wir konnten nur mit dem arbeiten, was da war.

Mein Kopf hat das ja schon ganz gut kapiert.
Aber die Emotionen sprechen leider eine ganz andere Sprache. Und da muss ich jetzt alles einsetzen, was mich die Therapie gelehrt hat, damit diese Stimmen, die da sagen "Du hast versagt." nicht zu laut werden und mich nicht wieder runterziehen.

@Uli:
Das frage ich mich aber - sinnloserweise - immer wieder: hätte es funktioniert, wenn wir konsequenter gewesen wären? Hätte Teenie uns dann irgendwann als Autoritäten anerkannt?
Aber das werden wir wohl nie wissen, also muss ich den Schalter suchen gehn, um diese blöde Fragestellung abzuschalten...

Jeder sagt uns, dass es richtig war, Teenie erst mal bei den Profis unterzubringen - also wird wohl was dran sein.

Heute hatten wir das erste Krisengespräch mit allen zuständigen Personen und haben da die nächsten Schritte besprochen.
Also der Weg wird etwas klarer.

Die nächste große Hürde wird der erste "Besuch" von Teenie zu Hause sein - und dass wir sie dann wieder wegbringen.
Denn so wird das dort gehandhabt: sie soll erst mal einen NM zu Hause sein, dann in der Woche drauf mal eine Übernachtung und danach jeweils Gespräche mit ihr und mit uns, wie es uns dabei geht und was gut läuft und was verändert werden muss.
Finde ich sehr vernünftig, aber es wird sicher nicht leicht.

Teenie tut sich da aber scheinbar viel leichter als ich...

Am liebsten würde ich gleich nochmal acht Wochen in Therapie gehn - aber ich fürchte, danach hätte ich keinen Job mehr...
Also: alle Ressourcen nutzen, um das hier zu überstehen.
Und ihr hier bei vs, ihr seid eine ganz wichtige Ressource!

Danke!

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 15.05.2014 18:04
(@annasophie)
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Hallo,

das ist eine ganz normale Vorgehensweise...mit dem NM und dann Ausweitung.

Bei meiner Großen gab es ein Mädchen, die durfte nur mit einer face-to-face-Begleitung raus. Später wurde das dann gelockert.

Zum Schluss waren die stundenweise allein unterwegs bzw. meine und ein paar andere sind in ihre normale Schule gegangen und dann wieder dorthin zurück.

Sophie


AntwortZitat
Geschrieben : 15.05.2014 18:11
(@annasophie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo vj,

das mit der Abklärung von evtl. hormonellen Ursachen hört sich doch schon mal ganz gut an.

Und dass sie nachdenkt ist auch ein guter Ansatz.

Was die Einnahme von Medikamenten angeht: lasst euch da sehr gut aufklären und seid kritisch. Besonders wenn es sich um Psychopharmaka handelt, es ist nicht alles harmlos.
Der Sohn einer Freundin hat das einige Zeit genommen und er hat gesagt, er fühlte sich benommen und gar nicht mehr er selbst, er versucht seine Probleme jetzt ohne die zu lösen. Entscheidet ihr euch für die Medikamente, dann fangt bereits zur Klinikzeit damit an, damit evtl. Nebenwirkungen oder Über-/Unterdosierungen schnell korrigiert werden können.

Wichtig ist, dass eure "Prinzessin" die auch nehmen will, denn die müssen regelmäßig genommen werden, ich würde es mit Insulin vergleichen, dass muss auch genommen werden, damit der Blutzuckerspiegel nicht absinkt ....

Sophie


AntwortZitat
Geschrieben : 20.05.2014 16:00
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi AnnaSophie,

Danke für die Antwort.

Bzgl. Medikamente hab ich (leider) mehr als genug Erfahrung über meine kleine Schwester. Da wurde leider total falsch gehandelt und es wurden viel zu viele Medikamente eingesetzt - bei ihr lag aber auch definitiv eine gravierende psychische Störung vor mit Halluzinationen und allem drum und dran und sie hat auf eigene Faust die Ärzte immer wieder gewechselt.
Da sie schon komplett aus der Kontrolle der Eltern weg war, lief das total schief.
Also wir wissen schon mal, wie man es nicht machen sollte...

Und wir haben Gott sei Dank sehr gute Ärzte und erfahrene Sachbearbeiterinnen, die uns da gut beraten.

Für uns war und ist immer das Wichtigste, dass wir unsere Vorgehensweise immer wieder von Außenstehenden prüfen lassen - so kann man auch wirklich Entscheidungen treffen, die für das Kind gut sind.
Denn selbst steht man oft viel zu nahe dran und sieht das Offensichtliche nicht.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 20.05.2014 16:09
 vj
(@_vj_)
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Hi,

Ein kurzer Zwischenbericht:
Teenie war jetzt am WE von Fr bis So bei uns und es lief relativ gut.
Jedes Mal wenn sie wieder ins alte Verhalten zurückgefallen ist, haben wir sie gezielt gestoppt und danach auch darüber geredet. Hoffentlich begreift sie dadurch, wo die Probleme liegen.
Sie hat auch das erste Mal eine konkrete Antwort darauf gegeben, warum sie zu Hause so unzufrieden und aggressiv ist: "Es fehlt irgendwas." Aber was das ist, das weiß sie selber nicht genau. Sie hat nur das große Gefühl, dass etwas fehlt.
Aber sie ist bereit, in Therapie zu gehen, um das herauszufinden.

Aber trotz allen positiven Zeichen geht es mir persönlich immer schlechter.
Ich komme mit der Situation nicht klar.
Ich weiß nicht mehr, ob ich die Kleine überhaupt noch lieb habe, da ist irgendwie alles leer.
Und ich hab auch keine Kraft mehr, mitzuarbeiten.

Wir haben heute wieder ein Gespräch mit dem JA und den Betreuern, in dem geschaut wird, wie es weitergehen soll - mir ist übel, wenn ich daran denke.

Ich hab das Gefühl, als ob ich L. ablehne. Ich mag sie auch nicht mehr in den Arm nehmen und der Gedanke "warum tust du dir das an" wird immer stärker.

Sie kann nichts dafür, dass ihre Mutter uns die letzten Jahre zur Hölle gemacht hat.
Sie kann nichts dafür, dass ihre Vergangenheit und ihre Hormone sie momentan unerträglich machen.
Sie kann nichts dafür, dass ich keine Kraft mehr habe.

Aber trotzdem ist sie irgendwie die Ursache für all das und meine Psyche lehnt sie ab.

Nächste Woche hab ich wieder eine Therapiestunde - ich hoffe, mein Therapeut kann mir da weiterhelfen.
Aber es tut gut, alles mal aufzuschreiben. Beim Schreiben selbst wird mir alles ein wenig klarer.

Wenn irgendwer von euch Tipps hat, wie man eine solche Phase durchstehen kann, wäre ich sehr dankbar...

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 26.05.2014 12:16
(@ginnie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi vj,

kam denn dieses Gefühl bevor, oder nachdem sie gesagt hat

"Es fehlt irgendwas." Aber was das ist, das weiß sie selber nicht genau. Sie hat nur das große Gefühl, dass etwas fehlt.

Denn so ein Ausspruch könnte durchaus die Ursache für deine Resignation, und deinen Mutlosigkeit sein. Wenn du es nämlich auf dich beziehst und denkst, du bist verantwortlich dafür, das etwas fehlt.

Dass du jetzt etwas abschaltest, und die Jalousien runterlässt, hat vielleicht auch damit zu tun, dass dir momentan die Kraft fehlt. Eine Art Schutzmechanismus.

Ich hoffe für euch, dass ihr jeweils euren Weg findet. "Es fehlt irgendwas", kann alles heißen. Aber auf keinen Fall, dass du/ihr zu wenig gegeben hättet.

Achte auf deine grenzen, und habe kein schlechtes Gewissen, für was auch immer.  😉

ligr ginnie


Durch Nachsicht setzt man der Gewalt kein Ende: damit bestärkt man die Gegner nur in der Gewissheit, sie hätten es mit einem Schwächling zu tun, der leicht zu bezwingen ist

AntwortZitat
Geschrieben : 26.05.2014 19:38
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Ich denke, deine Beschreibung zeigt, dass du das Problem schon recht gut selbst durchschaust.

Großartige Ratschläge fallen mir, über deine Selbsterkenntnisse nicht ein.

Nur dass du eigentlich keinen Grund hast, dich zur Liebe zu ihr zu zwingen.

Ich denke, die Pubertät wurde von der Natur extra erfunden, damit sich die beiden Generationen so schön auf den Senkel gehen, damit die Sprößlinge endlich aus dem Nest verschwinden und die Alten sich darüber freuen, sie endlich los zu sein.

Du schuldest weder ihr, noch deinem Männe etwas in dieser Hinsicht.

Nimm deine Gefühle da raus und widme sie erstmal dir selbst.
Du kannst sie jetzt am besten selbst gebrauchen.


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 26.05.2014 22:25
 vj
(@_vj_)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi,

kam denn dieses Gefühl bevor, oder nachdem sie gesagt hat

Dieses Gefühl war schon vorher da - eigentlich seit dem Moment, wo sie die Katze ("meine" Katze) geschlagen hat (also an dem Tag wo wir sie dann ins Krisenzentrum gebracht haben).
Auch wenn sie das Tier nicht verletzt hat, aber allein diese Erkenntnis, dass sie fähig ist, jemand schwächerem weh zu tun und dann das Tier zu sehen, das die Welt nicht mehr verstanden und sich verängstigt verkrochen hat - da ist irgendwas in mir zerbrochen.
Das war einfach der letzte Tropfen nach all den Jahren und all den Schwierigkeiten, den Beleidigungen und Beschimpfungen und Wutanfällen.
So lange es nur mich betroffen hat, konnte ich noch irgendwie damit umgehen, aber als sie dann die Katze angegriffen hat, die ich so sehr liebe und für die ich sorge, da war alles aus.
Das war - in diesem Moment - nicht mehr das Mädchen, das ich kannte.
Und sie nun wiederzufinden, das Vertrauen wiederzufinden, das kann ich momentan nicht.

Ich denke, die Pubertät wurde von der Natur extra erfunden, damit sich die beiden Generationen so schön auf den Senkel gehen, damit die Sprößlinge endlich aus dem Nest verschwinden und die Alten sich darüber freuen, sie endlich los zu sein.

Jup, das hab ich auch schon manchmal gedacht.  🙂
Trotzdem ist es extrem heftig, in dieser Situation jetzt klar zu kommen.
Denn es ist nunmal so, dass ich damals gemeinsam mit meinem Mann entschieden habe, das Kind zu uns zu holen. Ich habe die Verantwortung für sie übernommen, habe Ja dazu gesagt.
Und nun hab ich das Gefühl, ich würde mich vor eben dieser Verantwortung drücken, wenn ich mich zurückziehe.
Auf der anderen Seite kann ich die Verantwortung nicht wahrnehmen, wenn ich psychisch kaputt gehe.

Zu dem Gespräch gestern ist mein Mann dann alleine gegangen und ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Wir werden - wenn Teenie wieder nach Hause kommt - ein Familiencoaching bekommen. D.h. es werden uns ein oder zwei Sozialarbeiter zugeteilt, die dann mehrmals in der Woche zu uns "auf Besuch" kommen und einfach mit uns reden, im Alltag dabei sind, Tipps geben... - einerseits widerstrebt es mir, fremde Menschen in unsere Wohnung einzulassen, andererseits bin ich sehr dankbar für diese Unterstützung und Hilfe. Denn ich denke, sie können uns - vor allem am WE, wo es bisher sehr häufig eskaliert ist - doch viel helfen.
Außerdem kommen jetzt eh bald die Sommerferien und da läuft dann alles ein wenig anders.

Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie viel unsere Stadt für Familien tut und wie viel gute Unterstützung wir bekommen.

lg
vj


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21)

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 27.05.2014 10:43
(@annasophie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo,

ich denke mal, dass dieses Zurückziehen von dir wichtig ist. Zum einen für dich selbst und zum anderen, dass das Kind erkennt, dass du zutiefst verletzt bist, auch wenn sie nicht dich sondern die Katze geschlagen hat.

Und dein Mann ist der Vater, du in Anführungsstrichen nur die Stiefmutter. Damit hast du das Recht anders zu reagieren als die Eltern...und das ist auch gut so.

Die Familienhilfe, das Coaching ist bestimmt eine gute Sache. Ihr könnt dann gemeinsame moderierte Gespräche führen oder auch Kind allein mit Coach oder auch ihr mit dem Coach.

Und wenn ihr die Personen bewusst in euer Leben lasst, dann kann es sehr hilfreich sein.

Allerdings: wichtig ist das das Kind die Personen in ihr Leben lässt und offen wird. Meine hatte ja für die Zeit bis zu den Sommerferien auch eine Familienhelferin, aber sie hat ihr wohl nicht viel anvertraut. Aber ich gehe auch davon aus, dass es bei euch für einen längeren Zeitraum ist.

An deiner Stelle - sprich mit deinem Mann und mit den Therapeuten - nimm dir die Auszeiten die du brauchst.

Sophie


AntwortZitat
Geschrieben : 27.05.2014 11:07




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