Hallo an die Teilnehmer dieses beeindruckenden Forums!
Ich möchte mich kurz vorstellen:
Bin 31, Papa einer einjährigen Tochter, habe mich vor zwei Monaten von meiner Partnerin getrennt. Wir haben das gemeinsame Sorgerecht, sind aber nicht verheiratet. Viele werden sicher nicht nachvollziehen können, wie man sich als Mann freiwillig trennen kann. Aber ich fühlte mich in der Beziehung unwohl, ich fühlte mich dominiert, kontrolliert, ständig überwacht und kommentiert. Viel schöner waren die Zeiten, wenn ich mit meiner Tochter alleine war. Auch wenn es ein harter Weg wird, für mich wäre die Beziehung auf Dauer nicht gegangen.
Die Konsequenzen sind wie immer unangenehm. Meine Partnerin ist 270km weit weg zu ihren Eltern gezogen.
Wir haben keine schriftlichen Regelungen getroffen, bis auf den Unterhalt beurkunden lassen (nach Düsseldorfer Tabelle).
Einen Tag jedes Wochenende darf ich meine Tochter von morgens bis Abends besuchen. Dabei habe ich mich darauf eingelassen, dass dieser Besuch im Haus der Eltern der KM stattfindet, wo diese jetzt auch wohnt. Sie streitet leider oft mit ihrer Mutter, sodass der Vater schon vorgeschlagen hat, dass die KM sich eine eigene Wohnung suchen soll.
Die ersten zwei Monate habe ich mich daran gehalten: Möglichst wenig Streit, nicht provozieren lassen und so gut es geht für meine Tochter als Papa dazusein. Aber auf Dauer ist es für mich unbefriedigend, dass die Besuche in der Wohnung auf "fremden Terrain" stattfinden. Die KM funkt oft dazwischen und ich habe oft dieselbe Situation wie vor der Trennung, da ich dann oft nur Statist bin.
Mein Wunsch ist langfristig, unsere Tochter alle zwei Wochen das komplette Wochenende zu mir zu holen. Denn in meiner eigenen Umgebung kann ich besser Papa sein.
Meine Fragen:
- Wie schätzt ihr Autofahrten für einjährige Kinder ein? 270km hin und 270km zurück. Ist das für das Kind in diesem Alter schon zumutbar? Wenn nein, ab welchem Alter?
- Bisher habe ich keine schriftliche Umgangsregelung. Sollte ich das nachholen? Ich habe Angst, das die Möglichkeit der regelmäßigen Besuche dann in Gefahr gerät.
- Welche formalen Schritte sollte ich tun?
Im voraus sorry, falls ich hierzu passende Beiträge überlesen habe. Hab schon einiges gelesen, bin aber leider nicht sehr konzentriert, kann sein, dass ich es überlesen habe.
Und last but not least: Ich bin beeindruckt, wie viele Väter mit wieviel Aufwand und Mühen um ihre Kinder kämpfen, trotz Schikanen und Querstellen.
Ich wünsche Euch allen viel Kraft und viel Erfolg!
Viele Grüße
Papalapapp
Hallo Papalapap,
270 km ... das ist natürlich nicht nebenan. Auch für Dich eine große Belastung. Ich vermute, dass bei Deiner Partnerin große Enttäuschung im Spiel ist und dass vielleicht auch der Streit mit der Mutter daher rührt.
Was die Strecke für das Kind angeht, so denke ich 270 km fährt man ja auch nach Holland ... aber eben nicht so oft. Die Strecke an sich würde mir da aber dennoch keine großen Sorgen machen. Aber wenn Du da etwas machen möchtest, dann denke ich wird das wohl nur gemeinsam mit der Mutter gehen. Wenn sie sich quer stellen würde, dann siehst Du da wohl kein Land, denn ein Jahr ist noch sehr klein.
Das ist wirklich eine schwierige Situation. Vielleicht probiert Ihr das einfach mal aus und wenn Du sie fragst, dann sag ihr das auch so. Letztlich geht es ja um die Kinder und da muss man eben auch gucken, wie die reagieren. Die einen finden Autofahren klasse, die anderen ... eben nicht.
Aus Sicht des Kindes würde ich mir da aber schon Gedanken machen, denn mit einem Jahr ist Mama bei den meisten Kindern ja wirklich noch sehr wichtig. Mama nicht da zu haben, die gewohnten Rituale und dann auch noch der Umgebungswechsel erscheint mir schon eine Belastung für das Kind zu sein.
Anderer seit kann ich natürlich auch sehr gut verstehen, dass Du Papa sein möchtest und nicht zu Besuch um dort beiläufig Deine Tochter zu sehen.
Das ist schon eine ganz schöne Misere.
Ich fürchte, wenn Du das tatsächlich auf Dauer willst, dann werdet Ihr beide Euch als Eltern darüber einigen müssen, was ihr für das beste für Euer Kind haltet. Das ist sehr, sehr schwer.
Von "formalen" Schritten würde ich Dir dringend abraten. Du bekommst keine Schnitte und verhagelst Dir möglicher Weise das Verhältnis zu der KM. Mach Dir selbst und auch ihr klar, dass ihr AUF EWIG! Eltern eines Kindes seid und bleibt und vielleicht könnte Ihr Euch ja soweit annähern, dass ihr das als schön erleben könnt!?
Formale Schritte sind immer nur der letzte Ausweg und ein Ausweg sind sie in meinen Augen auch nicht. Sie sind sehr schnell die Tür zum totalen Krieg. Das ist nicht gut!
Bei mir ist damals meine Frau gegangen ... auch heute noch würde ich mir wünschen, dass sie einfach mal "es tut mir leid" gesagt hätte. Es ist so schade, wenn nach einer Trennung immer wieder alles auf "er ist schuld" "sie ist schuld" hinaus läuft und die Kinder es abbekommen und sich die Eltern die schönsten Jahre mit den Kindern versauen.
Bleib dabei ... gib der Sache Zeit, fahr lieber 10mal mehr hin und stecks weg. Ist für Dein Kind. Kommt Zeit, kommt Ruhe. Und in Ruhe lässt sich alles einfacher lösen. Aber leider muss ich Dir hier auch sagen ... mit einem Jahre lässt sich da nicht viel machen. Das dauert echt lange ... aber es lohnt sich.
Ohren steif, Augen zu und durch.
--
Wenn man genug Zeit hätte .. dann würde sicher alles gut werden ... die Frage ist: Hat man genug Zeit?
--
Moin.
also wenn Du mit "formalen Schritten" eine gerichtlich festgelegte Umgangsregelung meinst, dann auch von mir ein klares NeIN, zumindestens nicht jetzt und solange Du und Deine Ex gemeinsam eine sinnvolle Umgangsregelung vereinbaren könnt. Und bei kleinen Kindern ist kürzer, dafür häufiger erstrebenswert. Und das macht ihr ja schon mit dem wöchentlichen Umgang. Dass das für Dich mit sehr viel AutobahnKM verbunden ist merkst Du schon. Aber noch ich der Zeitpunkt auf ein ganzes WE bei sicher noch nicht gekommen. Das wird aber kommen, meist viel schneller als die KMs es wahr haben wollen, da Väter alles können außer stillen 😉 Vielleicht gelingt es Dir ja, eine alternative Bleibe zu finden, wo Du mit Deinem Kind derzeit den Tag verbringen kannst?
Sinnvoll wäre es sicherlich, gemeinsam mit Deiner Ex die Umgangsregelung und deren Fortentwicklung in einer Elternvereinbarung festzuhalten. Das bindet schon mal moralisch und Du weisst auch, woran Du bei Deiner Ex zukünftig sein wirst. Aaaaaaber: Breche das nicht übers Knie, derzeit läuft der Umgang ja und natürlich besteht die Gefahr, dass das Aufsetzen einer solchen Vereinbarung die Fronten verhärtet, zu Umgangsboykott führt und dann letztendlich zu einer Gerichtsentscheidung. Also ich würde hierbei sehr sacht vorgehen und das Thema "schriftlich" frühestens bei der nächsten "planmäßigen" Umgangs-Ausweitung angehen.
Grundsätzlich kann natürlich auch darüber nachgedacht werden, Deine Ex an den Umgangskosten (Fahrtkosten) zu beteiligen, da sie ja die Entfernung geschaffen hat. Allerdings ist das wieder ein sehr schmaler Grad, bei dem Du aufpassen musst, das sich die Fronten nicht verhärten. Zumal Dir im Rahmen einer solchen Diskussion sicherlich immer wieder vorgehalten werden wird, dass Du ja die Trennung betrieben hast und sie keine andere Wahl hatte, als zurück zu Ihren Eltern zu ziehen. Hat sie vielleicht Freunde an Eurem ehemaligen gemeinsamen Wohnort, die sie vielleicht einmal im Monat besuchen möchte, während Du Umgang hast?
Viel Erfolg und macht das Beste draus! Solange ihr miteinander reden könnt ist es das Beste für das Kind!
Gruß Toto
Moin!
Ich antworte mal darauf:
- Wie schätzt ihr Autofahrten für einjährige Kinder ein? 270km hin und 270km zurück. Ist das für das Kind in diesem Alter schon zumutbar? Wenn nein, ab welchem Alter?
Kommt darauf an, wer mit im Auto sitzt. Ein 1-jähriges Kind auf dem Rücksitz und Du als Fahrer ?
Das geht natürlich nicht.
Ich denke das klappt erst in 1-2 Jahren.
Falls aber noch eine andere (dem Kind vertraute) Person mitfährt und sich auf der Autobahn darum kümmert - warum nicht.
Alternativ empfielt sich, vor Ort eine Unterkunft zu suchen.
Herzlichen Dank für eure Antworten, sie waren sehr hilfreich für mich.
Ich sehe ein, dass eine weite Autofahrt Probleme mit sich bringt.
Habe ab Mai eine kleine Wohnung für den Umgang.
Sorry, dass ich erst heute schreibe und mich für die Antworten bedanke. Ich werde jetzt regelmäßiger an diesem Forum teilnehmen.
Die Fragen zu dieser neuen Situation hab ich in einem neuen Thema gestellt
Beste Grüße
Papalapapp
Zu den Autofahrten noch kurz:
Wir haben mit unserer Tochter, als sie klein war, öfters die Großeltern besucht, die mehrere 100 km entfernt wohnen. Das ging total problemlos. Wir haben einfach immer geschaut, die Fahrtzeiten auf Schlafenszeiten zu legen, abends oder mittags dann. Das Umbetten hat unsere Tochter dann gar nicht gemerkt. Vielleicht wäre das bei dir ja auch möglich.
Zu den Autofahrten noch kurz:
Wir haben mit unserer Tochter, als sie klein war, öfters die Großeltern besucht, die mehrere 100 km entfernt wohnen. Das ging total problemlos. Wir haben einfach immer geschaut, die Fahrtzeiten auf Schlafenszeiten zu legen, abends oder mittags dann. Das Umbetten hat unsere Tochter dann gar nicht gemerkt. Vielleicht wäre das bei dir ja auch möglich.
Hallo redwood, danke für deinen Beitrag. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass mit zwei Erwachsenen im Auto längere Strecken in keinem Alter ein großes Problem sind. Erst recht, wenn man die Fahrzeiten geschickt auswählt.
In meinem speziellen Fall hab ich mich jedoch für eine kleine Wohnung entschieden. Die langen Autofahrten wären das einzige von mir hinnehmbare Argument, dass Tochter nicht zu Papa darf. Diesem Argument ist jetzt die Grundlage entzogen, nun muss sich meine Ex andere Begründungen ausdenken:
Jetzige Situation siehe hier
Beste Grüße
Papalapapp
Tja,
das Problem bei solchen Sachen ist das da immer mit zweierlei Maß gemessen wird - mit höchstrichterlicher Unterstützung.
Wenn Eltern mit ihren kleinen Kinder elend weite Reisen unternehmen dann findet das jeder völlig normal, wenn nicht "Oh toll was das Kind in seinem Alter schon erlebt..." - da sind 10 Std. Autofahrten oder Flüge gar kein Thema.
Handelt es sich hingegen um den Umgang, dann wird derartiges sofort unzumutbar und schadet dem Kindswohl massivst.
So ist das in unserem schönen Land.
