Lang und traurig. A...
 
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Lang und traurig. Aber wahr!

 
(@fremde)
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Hallo!

Ich habe diese Seite nach langem suchen gefunden und schnupper schon seit ein paar Tagen hier rum. Erst dachte ich, hier hast du nichts zu suchen, da ich „Mutter“ bin und nicht „Vater“. Aber nachdem ich sah, dass ich nicht die einzige Frau bin, habe ich mich letztlich doch entschlossen zu schreiben. Meine Geschichte ist ziemlich lang, doch ich versuche Sie auf das wichtigste zu reduzieren.

Ich bin seit 1992 verheiratet. Wir waren vorher schon fünf Jahre zusammen. Nach fünf Jahren Ehe bekamen wir einen kleinen Sohn, den wir beide über alles lieben. Ich war stolz 2002 unseren 10. Hochzeitstag zu feiern. Im eigenen Haus. Mit tollen Freunden, Nachbarn, Verwandten und meinen Eltern. Seine sind leider schon in seiner Kindheit verstorben. Sehr früh. Es war ein toller Tag. Und bei uns schien alles in bester Ordnung. Wir hatten beide unseren Sohn, das Haus, Arbeit und und und. Uns ging es gut. Aber waren wir auch glücklich?? Nein. Waren wir nicht. Drei Jahre zuvor betrog mich mein Mann mit einer anderen. Er hatte die Begründung, weil wir nicht mehr so viel ***** miteinander hatten. Schlußendlich hat er die Beziehung beendet und ich dachte ich könnte verzeihen und blieb. Ich gab uns noch eine Chance. Er strengte sich wirklich an. Gar keine Frage. Aber ich merkte zunehmend, dass er nicht zu mir stand. Ich muß dabei sagen, dass er psychisch immer schon sehr labil war und wenig Selbstvertrauen hatte. Er maß sich selber an Statussymbolen wie unserem Haus. Ich war das Gegenteil. Irgendwann merkte ich, dass ich mich veränderte. Ich hatte damals tierisch Übergewicht und fing an abzunehmen. Er wollte das auch immer, schaffte es aber nicht. Hatte immer andere Ausreden. Wir chatteten beide sehr viel und hörten auf miteinander zu reden. Ich wusste mit wem er chattet und umgekehrt. Es war alles mit offenen Karten und auch keine Blind Dates. Anfangs dachte ich, dass es gut sei auch mal andere Meinungen zu hören. Dann kam der schlimmste Tag meines Lebens!

Im Juni nach unserem Hochzeitstag klingelte nachts das Telefon. Mein Vater war dran und sagte nur: „Mama ist tot“. Mein Sohn (damals 6Jahre) kam aus seinem Zimmer und rief:“Mama! Ich hab alles mitgekriegt. Die Oma ist im Himmel.“ Ich fuhr sofort hin. Alleine, ohne meinen Mann. Er kam allerdings schnell nach, nachdem meine Schwägerin bei unserem Sohn im Haus war. Mein Mann versuchte mich in den Arm zu nehmen. Abre ich wollte es nicht. Ich war zu sehr beschäftigt mit mir selber und meinem Vater. Meine Mutter lag noch immer im Bad. Der Arzt war da. Ich wollte es in dem Moment halt nicht.

Es kamen die nächsten schlimmsten drei Wochen, wie ich Sie nie wieder erleben will in meinem Leben. Mit so viel Enttäuschungen. Meine Mutter wurde eingeäschert und wir mussten bis zum Beisetzungstermin 3 Wochen warten. Meine Schwägerin, für die ich immer da war, zog sich von mir zurück. Wahrscheinlich weil Sie nicht wusste mit der Situation umzugehen. Ich war plötzlich die Schwache und brauchte Ihre Hilfe. Denn Sie war nicht nur Schwägerin sondern auch Freundin. Ich war immer für Sie da. Aber Sie in meinen schlimmsten Stunden nicht für mich. Bei meinem Mann und mir kriselte es in den drei Wochen. Er zog sich ebenfalls zurück und war nicht für mich und auch nicht für unseren Sohn da. Denn der litt unter dem Tod von Oma auch sehr. Sie war seine zweite Bezugsperson. Mein Mann sagte, er müsste ersmal selber klar kommen, er hätte so viele Erinnerung an den Tod seiner Mutter 23 Jahre vorher. ………………

Mir fehlte jedes Verständnis. In dieser Zeit war ein Bekannter aus dem Chat für mich da. Er hörte mir zu. Wir hatten uns noch nie gesehen. Aber er war für mich da. Ein Fremder.

Donnerstags wurde meine Mutter beerdigt, Sonntags morgens fuhren die letzten Besucher. Und mein Mann fuhr nachdem der letzte weg war zu seiner Internetbekannten nach Koblenz………..

Ich bat ihn da zu bleiben. Doch er meinte es war lange so geplant. Ich hätte das gewusst. Und er bräuchte das für sich. Er will sich selber was beweisen. Er fuhr………

In mir war alles kaputt. Leer. Ich war traurig. Fassungslos. Ich könnte schon wieder heulen.
In der Zeit danach nahm ich weiter rapide ab. Insgesamt 30Kilo. Das war der Streß. Aber ich fands gut und fühlte mich gut.

In unserer Ehe gab es nur noch Zoff. Ich traf meinen Chat Bekannten, der für mich als Freund da war und mir zuhörte und mich aufbaute. Es lief nichts mit ihm. Aber mein Mann dachte, ich wäre ihm fremdgegangen. Ich habe ihm das nicht unterstellt als er von Koblenz wieder kam. Doch heute denke ich, dass er mir ein Fremdgehen unterstellte weil er es selber tat.

Im August 2002 zog er aus. Nur für drei Wochen meinte er. Er müsste zu sich kommen und klar werden was er will. Das ganze ein Monat vor der Einschulung unseres Sohnes. Einen Tag vor der Einschulung stand er einfach auf der Matte und tat so, als sei nie was gewesen. Meinte wieder einzuziehen. Ohne zu fragen was ich möchte. Ich sagte, dass das so nicht ginge. Jetzt brauchte ich Zeit. Ich fuhr mit meinem Sohn in den Herbstferien 1 Woche nach England. Meinem Sohn ging es gut. Mir ging es gut. Und meinem Vater auch. Der fuhr nämlich mit uns.

Als wir wieder kamen, saß mein Mann in der Nacht in unserem Wohnzimmer. Wir erzählten, wie es war und sprudelten nur so aus uns heraus. In der Zwischenzeit hatte er eine Wohnung. Der Mietvertrag lag dort und musste nur noch unterschrieben werden. Ich fragte ihn, ob er es wirklich wolle???? Er sagte ja!

Ich entschloß mich ihm das Haus nicht wegzunehmen. Ich suchte mir eine Wohnung, verzichtete auf Unterhalt. Nur nicht auf den für meinen Sohn. Und somit zog ich im Februar 2003 aus. Ich überschrieb ihm das Haus. Erhielt lediglich € 5000,00 dafür. Bin immer noch mit in den Verträgen bei den Banken. Bezahlte die Hälfte der Umschreibungskosten. Half ihm finanziell in der Anfangszeit.

Dazwischen waren noch so viele Dinge passiert. Mit Polizei und allem. Doch wichtig zu wissen ist. Er hatte die ganze Zeit Kontakt zu der Frau aus dem Internet in Koblenz. Sie ist im September zu ihm ins Haus gezogen. Mit zwei Kindern. Mein Sohn musste sein Zimmer räumen, damit die beiden Kinder jeder ein Zimmer haben.

Ich habe meinem Sohn immer versucht zu erklären, dass es nicht anders geht. Ich habe nie seinen Vater schlecht gemacht. Im Gegenteil. Ich habe immer gesagt, dass wir beide ihn lieben. Und dass sich daran nie was ändern wird.

In der Zwischenzeit bin ich mit einem langjährigen guten Freund zusammen gekommen. Dieser Freund ist auch mein Cousin. Wir sind glücklich. Er hat seinen Sohn mitgebracht. Mein Sohn sagt, ich solle mit Reiner zusammen sein. Der ist besser zu Dir als der Papa.

Trotz alle dem versuche ich, dass mein mann und ich Eltern sein können und mein größter Wunsch wäre, dass wir Freunde werden. Vielleicht die besten. Denn wir kennen uns am besten auf dieser Welt. Es spricht auch keiner dagegen. Nur mein Mann.

Er hört nicht auf mich zu beschuldigen. Versucht mich bei anderen schlecht zu machen. Rollt immer wieder alte Sachen auf. Ich hätte unsere Ehe kaputt gemacht, weil ich gegangen bin.

Ich möchte diese insgesamt 15 Jahre nicht wegwerfen. Es waren schöne Jahre. Das Ergebnis ist unser Sohn. Warum kann er mich nicht wenigstens in Ruhe lassen. Unserem Sohn geht es gut. Schulisch, psychisch, seelisch, körperlich. Und trotzdem wirft er mir immer irgendwas vor. Warum???

Ich bin glücklich in meiner neuen Beziehung. Ich bin glücklich, dass es meinem Sohn gut geht. Warum immer wieder diese Kämpfe. Ich habe meinem Mann doch wirklich keine Steine in den Weg gelegt. Ich bin sogar am Ort geblieben obwohl ich 400km weit weg ziehen wollte. Tat ich nicht, damit die beiden sich jederzeit sehen können. Was muß ich mir noch alles gefallen lassen?


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 05.05.2004 17:35
(@Unbekannt)

Hallo Fremde,
schö, daß du diese Seite gefunden hast. Deine Geschichte ist wirklich sehr traurig und es ist schwierig die da einen guten Rat zu geben. Ich hoffe , es hat dir wenigstens geholfen, alles einfach mal loszuwerden.
Ich kann dich verstehen, daß du so traurig darüber bist, daß dein Mann - den du so gut zu kennen glaubtest - sich jetzt so verhält. Diese Situation kenne ich selbst sehr gut und ich weiß selber nicht, wie ich damit umgehen soll. Man denkt, man ist sich so nah und durch die gemeinsame Zeit so vertraut und dann handelt der andere wie ein völlig Fremder.
Mein einziger rat ist, vesuch mit ihm zu reden, in aller Ruhe und wenn das nicht funktioniert, dann schreib ihm einen Brief und sag ihm alles, was dir auf dem Herzen liegt.
Ich drück dir die Daumen, daß ihr das irgendwie regeln könnt.
Alles Liebe
Olivia (hab vergessen mich einzuloggen)


AntwortZitat
Geschrieben : 06.05.2004 01:37
 paul
(@paul)
Schon was gesagt Registriert

Kopf hoch!
Du bist immerhin nicht alleine und hast deinen Sohn bei dir, das ist doch immerhin schon mal sehr wichtig. Und mit der Zeit kriegt sich dein Mann auch wieder ein.
Nie den Mut verlieren, auf Regen folgt bekanntlich Sonnenschein!
Grüße von Paul


AntwortZitat
Geschrieben : 06.05.2004 02:10
(@fremde)
Schon was gesagt Registriert

Hallo Ihr!

Ich danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Geschichte zu lesen. Sie ist doch sehr lang und wie ich selber hier lese, nicht das einzzige Schicksal. Es ist so traurig, dass Ehen kaputt gehen, weil man sich fremd wir. Der Alltag einen einholt. Man sich fremd wird.

Sicher bin ich froh meinen Sohn zu haben. Und die besseren Seiten habe ich mittlerweile auch kennengelernt. Aber alle 14 Tage holt mich das ganze wieder ein. Nämlich dann, wenn mein Sohn zu ihm geht. Er sieht, dass ich glücklich bin. Er ist nicht so glücklich. Schreibt mir schöne Mails, dass ihm alles leid täte und er vieles rückgängig machen wolle und geht bei gemeinsamen Freunden hin und lästert bis zum geht nicht mehr. Zieht alte Kammellen aus der Schublade und gibt alle Schuld mir.

Ich will mich nicht als Engel hinstellen. Zu einer Trennung gehören immer zwei. Doch ich läster nicht über ihn. Ich sage ganz ehrlich, dass er mir immer noch am Herzen liegt und er mir immer wichtig sein wird. Nicht nur als Vater sondern auch als Freund. Dafür kämpfe ich. Doch wenn ich dann wieder so nen Dämpfer bekomme, haut mich das um.

Es sind ja noch so viele andere Dinge gewesen. Von Handgreiflichkeiten bis Polizeieinsatz. Ich habe ihm verziehen. Aber er mir nicht.

Ich bin glücklich in meiner neuen Beziehung. Aber ich möchte meinen Ex nicht ganz verlieren. Ich habe mich entschieden. Und mein neuer Freund weiß das auch.Genauso wie mein Ex. Doch es gibt immer wieder diese Rückschläge. Lästern, Stiche, Beschuldigungen. Und dann sitzt er wieder bei uns und heult sich aus wegen seiner neuen Beziehung und wie leid ihm alles tut.

Am liebsten würde ich ganz weit weg zehen. Aber da tu ich den Kindern und mir selber (Arbeit!) keinen Gefallen mit.

Es ist so aussichtslos. Man sieht kein Ende.

Aber eins hilft!! Hier seinen Frust abzuschreiben. Zu lesen, dass man nicht die Einzige ist mit solchen Problemen. Warum sind ehemals liebende Menschen so zu einander? Wo ist die Toleranz? Die Liebe? Der Respekt?


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 13.05.2004 15:03