Hallo,
die meisten hier sind ja bereits Väter und finden den Weg hierher erst nach einer Trennung. Bei mir sind die Dinge noch nicht ganz soweit gediehen, aber ich plagen arge Zukunftssorgen und wollte euch gerne um Rat fragen.
Zur Situation: Ich werde voraussichtlich in einigen Wochen Vater, zugleich verschlechtert sich das Verhältnis zu meiner Frau rapide immer weiter. Letztlich bin ich mir im Klaren, dass ich so nicht viel länger weiter machen kann, auch des Kindes wegen nicht - wir streiten uns nur noch, ich bekomme zunehmend psychische Probleme, die zu allem Überfluss auch noch zu wirtschaftlichen Problemen führen. (Ich bin selbstständig und wenn man den ganzen Tag nur über seine besch... Ehe grübelt, anstatt zu arbeiten, gibts irgendwann Probleme mit den Terminen für die Aufträge ...). Unmittelbar, also jetzt in den letzten Wochen der Schwangerschaft meiner Frau, werde ich sicher nichts unternehmen, aber spätestens im Herbst werde ich mich entscheiden müssen, ob ich mich beruflich noch einmal neu orientiere (und zu diesem Zweck in eine andere Stadt ziehe), oder nicht. Meine Frau hat bereits eindeutig klar gemacht, dass sie in dem Fall zu ihrer Mutter ziehen würde (mit dem Kind, wobei sie mein Einverständnis offenbar voraussetzt). Ob ich diesen Schritt gehe - oder, wie meine Frau wünscht, bei ihr bleibe und ihr für ihre eigene Ausbildung den Rücken frei halte - wird eine für mein weiteres Leben grundlegende Enscheidung. (Meine Frau plant zunächst nach der Babypause ihr Studium abschzuließen, anschließend würde sie auch mit mir umziehen und mich bei meiner Berufsplanung unterstützen. Was bei einer gut funktionierenden Ehe wohl eine durchaus vernünftige Lösung wäre, kann ich mir bei uns aber kaum vorstellen, da wir einfach zu viel "zerbrochenes Porzellan" haben.)
Einige Hintergründe:
Nachdem wir längere Zeit versucht hatten, ein Kind zu zeugen, stellte sich heraus, dass meine Zeugungsfähigkeit eingschränkt ist, so dass wir die Hilfe eine Kinderwunschzentrums in Anspruch nahmen. Da wir bereits im Vorfeld massive Eheprobleme hatten, hatte ich dann zunächst einmal "gekniffen" bzw. ihr gesagt, dass ich mir ein Kind zZT. nicht vorstellen kann. Es gab dann endlose Streitereien, meine Frau machte massiv Druck, schließlich einigten wir uns auf eine Paartherapie (die ich seit langem angeregt und wogegen Sie sich gewehrt hatte). Wir hatten einen ersten Termin, der mE gut lief, und mit dem - wie ich dachte - gemeinsamen Entschluss, diesen Weg zusammen zu gehen, ließen wir auch das Projekt "Baby" wieder anlaufen. Einige Wochen später war sie dann tatsächlich schwanger - und von der Paartherapie plötzlich keine Rede mehr. Es folgten erneut wochenlange Auseinandersetzungen, bis ich mich schließlich durchsetzte und wir erneute Termine machten, aber von einem "gemeinsamen Weg" kann so natürlich nicht mehr die Rede sein und meine Frau zeigt auch keinerlei Engagement in dieser Sache. Dies war nicht das erste mal in unserer Ehe, dass klare Versprechen von ihr nicht gehalten wurden nachdem sie einmal ihr Ziel erreicht hatte. (Das erste mal ging es um nicht weniger als ein Versprechen, das für mich die Voraussetzung für die Hochzeit war.)
Insofern habe ich zuletzt viel Zeit damit verbracht über den alten Spruch nachzudenken: Lügst du mich einmal an, bist du ein A...loch, lügst du mich zweimal an, bin ich der Idiot." Meine Gefühlslage läuft darauf hinaus, dass ich die beiden bis dato wichtigsten Entscheidungen meines Lebens (sie zu heiraten und ein Kind zu zeugen) jeweils auf Versprechen von ihr aufgebaut habe - und beide Male "vorgeführt" wurde. Nun steht wie oben dargestellt wieder einmal eine richtungsweisende Entscheidung für mich an und meine Frau macht Versprechungen ...
Letztlich liegen unseren Problemen eine Menge unterschiedlicher Dinge zugrunde: Sexuelle Wünsche, aber auch unterschiedliche Vorstellungen von Familie (sie ist eher auf "unsere Kleinfamilie" orientiert und sorgt dauernd für Spaltpilze mit meiner Herkunftsfamilie (und im Freundeskreis), die ich dann schlichten muss, und wo ich mich dann letztlich zwischen allen Stühlen wiederfinde), und Unterschiede was Integrität und Ehrlichkeit angeht - wie dargestellt. Ich glaube ihr immer noch viel zu viel, obwohl ich immer wieder erleben muss, dass sie in wichtigen Situationen immer das sagt, "was grade passt".
Tja, meine Frage lautet schlicht: Wie kann ich den Schritt zu Trennung, falls es dazu kommt, am besten vorbereiten? Ich will für mein Kind dasein, letztlich kann ich mir sogar vorstellen, mich alleine um das Kind zu kümmern, obwohl das wohl illusorisch ist. Mitunter habe ich Fantasien, ich müsste "Belege" für meine Sicht der Dinge sammeln - etwa "mitschneiden", wenn sie mich mal wieder als "A...loch" beschimpft - so laut kreischend, dass es jeder im Haus mitbekommt. Aber solche Dinge zu tun sind vermutlich Blödsinn, oder?
Achja: Das Haus in dem wir leben, gehört meiner Herkunftsfamilie. Während unserer Ehe hat meine Frau ihre Ausbildung fortgesetzt und nun fast abgeschlossen, anschließend wird sie so oder so die Hauptverdienerin in unserer Ehe sein (so wie denn zusammen bleiben). Da sie zur Finanzierung ihres Studiums eine Menge von der impliziten Unterstützung durch mich und meine Familie profitiert hat, sehe ich in meine Naivität erstmal keine finanziellen Forderungen, die sie jenseits des Kindsunterhalts mir gegenüber geltend machen kann. Freilich kenn ich mich mit diesen Dingen nicht sonderlich gut aus.
Hallo Eddard,
erst mal, herzlich willkommen hier. Ich schätze mal, du hast uns gerade noch rechtzeitig gefunden; und da du dich anscheinend wirklich nicht auskennst:
(...) sehe ich in meine Naivität erstmal keine finanziellen Forderungen, die sie jenseits des Kindsunterhalts mir gegenüber geltend machen kann. Freilich kenn ich mich mit diesen Dingen nicht sonderlich gut aus.
Kindesunterhalt: Mindestens 225 Euro, und das wird mit zunehmendem Alter des Kindes immer mehr.
Exenunterhalt: Bis zum dritten Lebensjahr des Kindes mindestens 770 Euro. Da verheiratet, kann's auch deutlich mehr und deutlich länger werden.
Nur mal so als ganz, ganz grobe Peilung, was für eine Killerwelle da gerade auf dich zurollt ... im übrigen, lies dich mal kreuz und quer durch die Beiträge hier, damit du dich möglichst rasch von der Illusion verabschiedest, Deutschland sei ein Rechtsstaat - und eine recht gute Zusammenfassung der Misere findest du z.B. bei unseren Nachbarn, d.h. unter http://www.trennungsfaq.de/
Viele liebe Grüße,
Malachit.
Wenn ein Staat die Leistungsgerechtigkeit zugunsten der Verteilungsgerechtigkeit aufgibt, dann kommt man bald an den Punkt, wo es mangels Leistung nichts mehr zu verteilen gibt.
Moin Eddard,
die Frage, die mir angesichts Deiner Schilderungen spontan einfällt: Woher nimmst Du die Gewissheit, der Vater dieses noch ungeborenen Kindes zu sein? Deine Beschreibung liest sich eher so, als sei ein "nützlicher Idiot" gesucht worden. Wobei die Nützlichkeit langfristig eher im Spenden von Geld als im Spenden von Sperma zu verstehen ist. Euer Kind wird zwar als ehelich und Du damit erst einmal automatisch als Vater gelten - ich an Deiner Stelle würde da trotzdem genauer hinschauen (Stichwort: Vaterschaftstest; geht allerdings erst nach der Geburt).
Was das "Mitschneiden" etc. angeht: Vergiss es einfach. Es ist nicht verboten, den Ehepartner mit Schimpfworten freier Wahl zu belegen; das Schuldprinzip bei Scheidungen ist seit 1977 abgeschafft. Es ist daher Unsinn, Energie auf das Beweisen von irgendetwas zu verschwenden.
Was Unterhaltszahlungen angeht: Für ein Kind bist Du unterhaltspflichtig; für die Mutter ebenso. Der Unterhalt für die Mutter kann sinken oder wegfallen, sobald sie ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaftet; ob und in welchem Umfang sie das tut, wirst Du erfahren, wenn es soweit ist. Ob sie die Hauptverdienerin (oder überhaupt irgendeine "Verdienerin" sein wird, entscheidet sie nämlich ganz allein.
Lies Dich mal ein bisschen im Forum ein; Du wirst viele Fragen finden, die auch auf Deinen Fall anwendbar sind.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
sie ist eher auf "unsere Kleinfamilie" orientiert und sorgt dauernd für Spaltpilze mit meiner Herkunftsfamilie (und im Freundeskreis),
Das kenne ich nur all zu gut aus Zeiten meiner Ehe.
Ich habe die Konsequenzen daraus gezogen, und bin gegangen.
Damals allerdings zu bluäugig und deshalb mit viel Lehrgeld, welches ich dafür bezahlt habe bzw. noch immer zu zahlen habe.
Deshalb auch mein Rat, sich im Vorfeld schlau zu machen.
Nichts überstürzen sondern mit Bedacht die richtigen Entscheidungen treffen.
Und so ganz nebenbei würde ich für denn Fall der Fälle schon mal die wichtigsten Unterlagen an einen sicheren Ort bringen.
Gruß, Michael
sol lucet omnibus - die Sonne scheint für alle
Vielen Dank erstmal für die Antworten!
Beim Rumlesen im Netz bin ich unter anderem auf einen interessanten Artikel über Borderliner-Beziehungen gestoßen. Da sind mir einige Holzbalken von den Augen gefallen ... Kennt sich da wer aus, ob und welche Auswirkungen das im Trennungsfall insbesondere vor Gericht hat. Ist sowas "Nachweisbar" mit einem Gutachten oder sowas?
Hi,
Beim Rumlesen im Netz bin ich unter anderem auf einen interessanten Artikel über Borderliner-Beziehungen gestoßen. Da sind mir einige Holzbalken von den Augen gefallen ... Kennt sich da wer aus, ob und welche Auswirkungen das im Trennungsfall insbesondere vor Gericht hat. Ist sowas "Nachweisbar" mit einem Gutachten oder sowas?
heisst das, das Deine Frau krank ist und sich nicht selber versorgen kann? Psychische Krankheiten können belasten und einer Erwerbstätigkeit im Wege stehen. Was ich meine ist: Überlege Dir, welches Fass Du aufmachst. Wahrscheinlich wird argumentiert, das sie nicht fertig ist und nun einen erheblichen ehelichen Nachteil durch die Schwangerschaft wärend der Ausbildung hat. Tut mir leid. Leider sind Kinder zu einer Versorgungsflatrate besonders für Ehefrauen geworden. Gut, dass das Haus Deinen Eltern und nicht Dir gehört.
Hallo Eddard
Vielleicht hilft dir ja das Buch
"Schluss mit dem Eiertanz: Für Angehörige von Menschen mit Borderline"
Damit du lernst das Verhalten deiner Frau zu verstehen und auch zu beeinflussen.
Ich habe mich und meine Gefühlswelt und die daraus resultierenden Handlungen als ganz gut beschrieben gefunden.
leider zu spät für meine Ehe
Grüsse Gerhard
Heirate oder heirate nicht, egal du wirst es bereuen
Hallo Eduard,
so, wie es sich liest, ist das Ende eurer Ehe innerlich schon längst besiegelt. Ihr habt andere Wertvorstellungen der Familie, andere Ziele im Berufsleben und das Vertrauen zwischen euch ist verloren gegangen.
Sie hält ihre Versprechen nicht, hat sicherlich die nächste Zeit nur das Kind im Kopf.
Egal, wie schwierig es finanziell für Dich werden wird - und das wird es - das liebe Geld, aber auch ein Kind, kann keine Ehe langfristig retten!
Es gehören immer zwei dazu, sich zu vertragen, es noch mal zu versuchen, eine Basis zu schaffen.
Aber sobald einer mit dem Kopf durch die Wand will, wird's nicht mehr funktionieren.
Also mein Tipp: gehe Deine Weg, verfolge Deine Ziele. Komme Deinen Pflichten nach (Unterhalt), aber setze auch Deine Rechte durch (Sorge- / Besuchsrecht). Bleibe auf jeden Fall konsequent! Lebe weiter!
Viel Glück!
