Guten Morgen an alle,
mal eine Frage zur Meinungsfindung. Ich komme da einfach zu keinem Ergebnis. Es passt ein bisschen hier rein, zumindest bin ich mir sicher, dass ihr da eine Meinung habt.
Wir haben seit 1 Monat eine neue Jugendamtsleiterin. Sie ist eigentlich Fachanwältin für Familienrecht und Strafrecht, hat bisher in einer Kanzlei gearbeitet und ist jetzt in die Verwaltung gewechselt. Sie macht einen sehr sympatischen Eindruck.
Worüber ich mir echt den Kopf zerbreche: Ich weiß nicht, ob ich die Entwicklung gut finde, und ob es etwas positives bewirken kann, einen Fachanwalt jetzt im Jugendamt zu haben, oder ob es eher eine noch einseitigerer Entwicklung zurück geben wird.
Da fehlen mir echt Anhaltspunkte wo Risiken und Schwächen liegen.
Vielleicht hat ja jemand Gedanken dazu.
Lieben Gruß Luca
Worüber ich mir echt den Kopf zerbreche: Ich weiß nicht, ob ich die Entwicklung gut finde, und ob es etwas positives bewirken kann, einen Fachanwalt jetzt im Jugendamt zu haben, oder ob es eher eine noch einseitigerer Entwicklung zurück geben wird.
Was ich mich zunächst frage, ist, was eine Fachanwältin für Familierecht dazu bewegt, sich auf eine +/- A12-Stelle zu bewerben. Idealismus oder überhöhtes Sicherheitsbedürfnis ???
Moin Luca,
ich habe dazu eine ganz eindeutige Meinung!
Und zwar absolut negativ.
Mich bricht die durchgängige Juristifizierung des Lebens total an.
Der Bundestag und der Regierungsapparat sind schon so dermaßen von diesem Juristengesindel verseucht, dass sie das ganze Leben prägen.
Die Gesetze werden schon so gemacht, dass sie vor Allem der Justiz dienen. Nicht nur im Familienunrecht.
Und dabei achten Juristen von Berufswegen gar nicht primär darauf, wie man etwas gut und richtig machen kann, sondern darauf, wie man jemand anderes Haftbar machen kann.
Das führt zu einer reinen "Cover your arse" Politik.
Eine Juristin als JA-Chefin hat nicht die Kinder im Fokus. Davon hat sie keine Ahnung.
Sie achtet darauf, dass die Handlungen des JA juristisch einwandfrei und nicht angreifbar sind.
Einen Fachanwalt im JA zu haben mag ja noch sinnvoll und, bei diesen grauenhaft schlechten Gesetzen auch nötig sein.
Als Chefin und damit maßgeblich Richtungweisende ist das ne Katastrophe.
Gruss Beppo
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Danke,
@Uli
FAín für Familienrecht und Strafrecht, um es genau zu benennen und A 14. Über das Motiv- keine Ahnung. Sie war angestellte Juristen in einer ziemlich guten Kanzlei mit einem sehr unangenehmen Chef- zumindest verhielt der sich so in den Verfahren, in der er bei "uns" auf der anderen Seite war. Als Gegner möchte ich den nicht haben.
Offziziell meint sie im heutigen Zeitungsinterview, dass sie ihre Sozialkompetenz dadurch stärken möchte, dass sie jetzt Chef von 51 Mitarbeitern ist. mmmmhhhh...
@beppo
Mein Bauchgefühl sagt mir ähnliches, aber begründen kann ich es nicht. Für mich ist die Frage, inwieweit nutzt ein FA, der tatsächlich "praktiziert" hat, seine Erfahrungen jetzt im JA. Eigentlich kann das doch nur rückwärts gehen, oder?
unschlüssige Grüße
Luca
Hi
Ich denke mal, pauschal kann man sich schlecht eine Meinung machen, ohne den Menschen und seine Beweggründe zu kennen. Es kann ebenso sein, dass diese RA soviel Mist vor Gericht und in ihrer Kanzlei erlebt hat, dass sie aktiv an verantwortlicher Stelle dagegen angehen möchte. Da nimmt man als Idealist auch finanz. Einbussen hin. Über ihre pädagogische Eignung ist nichts bekannt - doch wie sieht es damit bei all den anderen MA in den JA's aus? Zumindest hat diese Frau sehr wahrscheinlich einschlägige Fachkenntnis zu den möglichen Problemfällen.
Nur mal so als Einwurf.
Gruss oldie
Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.
Hi,
der Einwurf ist genehm. Wenn ich eine klare Meinung hätte, hätte ich mich nicht ins Cafe begeben.
Um die Frau als Person geht es mir gar nicht. Vom ersten Eindruck her scheint sie sehr symphatisch zu sein und ich gehe davon aus, dass sie als zweifache Mutter mit noch minderjährigen Kindern auch im Sinne von Kindern entscheiden wird.
Über die Motivation habe ich mir keine ernsthaften Gedanken gemacht. War nur eine spontane Vermutung.
Naja, ich bin auf alle Fälle gespannt, wie sich die JA_politik verändern wird, und ob überhaupt. Vielleicht übernimmt ja dann in 5 Jahren der ortsansässige ADAC-Vertragsanwalt das Straßenverkehrsamt......
LG Luca
Hi oldie,
obwohl Luca das ja selbst schon getan hat, möchte ich auch nochmal darauf eingehen.
Natürlich können wir uns hier überhaupt kein Bild von dieser individuellen Person machen.
Sie kann die tollste Frau der Welt sein, die sich super für die Kinder einsetzt und nebenbei auch noch alle unsere Probleme mit dem JA löst.
Das war aber auch nicht dir Frage.
Weil wir sie als Person ja nicht beurteilen können, hat Luca ja gerade nach dem pauschalierten Problem eines Juristen auf dem JA-Thron gefragt.
Und genau so haben wir auch geantwortet.
Ich habe meine, begründeten, Vorurteile gegenüber Juristen in dieser Position kund getan.
Nicht mehr und nicht weniger.
Und ja!
Ich stehe zu meinen Vorurteilen.
Schlosser sind anders als Friseure.
Künstler anders als Ingenieure.
Norweger anders als Italiener.
Chinesen anders als Nigerianer.
Wohlgemerkt sind das alles nur statische Unterschiede und das besagt nichts über das einzelne Individuum.
Die Tatsache, dass es in Italien mehr Schwarzhaarige und in Norwegen mehr Blonde gibt, heißt ja nicht, dass es keine blonden Italiener gibt.
Ich selbst erfülle sicher auch einige typische Klischees eines ITlers, andere nicht.
Erkenne aber auch die Macken die mein Beruf so mit sich bringt.
Gruss Beppo
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Danke Beppo,
ja, es geht eigentlich rein um den Fakt FA für Familienrecht auf dem Thron des Jugendamtes.
Ich habe momentan folgende innere Stimme: um etwas zu bewegen, geht man nicht in den öffentlichen Dienst (*sorry*) und als Jurist weiß man auch, dass man in der Verwaltung die Exekutive bedient. Veränderungen erreicht man doch nur in der Legislative oder Judikative eventuell. mmmhhhh....
Meine Befürchtungen sind die, aus Erfahrungen als FA werden doch die zukünftigen Entscheidungen des JA noch mehr am Gesetz kleben und gegebenenfalls schon die Meinungen der regionalen Richter wiederspiegeln. Gut, ich kann mich auch irren und hoffe auf das Gegenteil.
LG Luca
'n Abend
aus Erfahrungen als FA werden doch die zukünftigen Entscheidungen des JA noch mehr am Gesetz kleben
Das kann ich bei einer solchen Entscheidung nun ganz und gar nicht erkennen, im Gegenteil. Die JA's tun doch schon so vieles, wo sich uns hier im Forum die Haare sträuben. Bist Du da wirklich der Ansicht, dies ist der RA'in noch zu wenig und sie will es noch steigern? Das klingt für mich unlogisch. Doch damit bin ich ja schon wider bei der Motivation.
Ganz nüchtern betrachtet könnte ein fähiger, in gesetzesdingen geschulter RA als JA-Leiter dafür Sorge tragen, dass Recht und Gesetz vom JA auch eingehalten werden. In der Mehrzahl der hier im Forum besprochenen JA-Dinge arbeitet dieses fehlerhaft, ja selbst vor Nötigung und Kindesentziehung wird nicht zurück geschreckt. Wo also, wenn der menschliche Faktor ausgeblendet werden soll, ist das Problem? Woher kommen Vorurteile? Gerade Vorurteile beruhen auf zutiefst menschlichen Eigenschaften - Unkenntnis, Angst, fehlender Akzeptanz, Hilflosigkeit - eben Subjektivität unter Ausblendung von möglicher Objektivität.
Daher sprach ich auch die pädagogischen Fähigkeiten an, welche, wenn vorhanden und geeignet, im Verbund mit der Rechtskenntnis nach meiner Meinung eine hervorragende Kombination für das Amt eines JA-Leiters wären. Dies schliesst nämlich ein, Grenzen des Gesetzes anzumahnen und Möglichkeiten aufzuzeigen welche geeignet sind, positiv im Sinne des Kindes (und nicht dem Ruf des JA's und seiner bürokratischen Erfolgsquote oder eines dusselig quatschenden Elternteils) zu handeln. Dies ist nunmal der Auftrag des JA. Gesetze in D. können leider trotz der vielgerühmten dt. Präzision fast beliebig ausgelegt werden, verbogen werden, über die Rechtssprechung sogar faktisch neu definiert als Maßstab dienen für Folgeverfahren.
Gute Kenntnisse der Materie halte ich als Grundvoraussetzung für Fachkräfte - nichts anderes sollte ein JA-Leiter in meinen Augen sein. Und dabei sind die menschlichen Aspekte nicht zu unterschätzen.
Gruss oldie
Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.
Da nimmt man als Idealist auch finanz. Einbussen hin.
Hallo,
das Netto bei A14 ist höchst respektabel. Die meisten angestellten RAs (und erst recht die kleinen Krauter von selbstständigen Einzel-RA) dürften davon nur träumen können. So sicher ist das mit dem Idealismus also nicht.
/elwu
Alles ist >>relativ<<, zumal als >>Berufseinsteiger<<. 😉
Gruss oldie
Edit: Link korrigiert
Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.
