Moin,
der Focus berichtet über den Vorstoß des gesundheitspolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU):
Dieser hatte gefordert, dass die Eltern, deren Kinder sich ins "Koma saufen", sich mit 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen sollten. Denn durch die steigende Zahl jugendlicher Komatrinker werde unnötig Personal und Geld im Gesundheitswesen gebunden.
Aber wie soll das gehen ? Praktisch wäre es, wenn man die 100 Euro statt sie zuerst auszuzahlen, direkt durch die ARGE vom ALG 2 (allg. Hartz 4) abziehen und dann direkt an den Gesundheitsfond überweisen würde.
Etwas genauer: Könnte eine alleinerziehende Mutter, die von ALG 2 lebt diese 100 € nicht als unvorhersehbaren Mehrbedarf vom unterhaltspflichtigen Vater einfordern ? Oder soll diese Summe vom Vater von den Unterhaltszahlungen einbehalten werden und direkt an die Krankenkasse ausgezahlt werden ? Wie soll das alles gehen ?
Welche Behörde müsste dann diese Zahlungen überwachen ? ARGE, Krankenkasse oder die zu schaffende „Koma“-Behörde?
Der Ansatz ließ sich aber weiter ausbauen: so müssten Veranstalter bereits im Vorwege die so genannte „Koma-Abgabe“ berappen. Erhoben wird diese nach dem mittelfristig berechneten Schnapsleichen-Quotienten mit Wacken-Aufschlag oder Bibelwochen-Rabatt. Natürlich ist die Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht nicht anfechtbar.
Das närrische Treiben im Rheinland hat in den letzten Wochen deutlich seine Spuren hinterlassen.
Helau und Aalaf, Cappi
Hi,
ich finde das Thema zu ernst als dass man es auch eine Woche nach Rückkehr der Normalität auch im Rheinland noch durch den Kakao ziehen müsste.
Ich weiss nicht, ob die Androhung der 100,- geeignet wäre, das Problem einzudämmen. Aber es nimmt zu und mir ist der Vorschlag als eine Diskussionsgrundlage deutlich lieber als nichts zu tun und zuzusehen.
Die Abrechnung dürfte da die geringste Hürde sein, die funktioniert heute schon bei von Dritten verursachten Schäden bestens.
Gruss von der Insel
Moin,
ich denke, dass man hier eher an den Ursachen ansetzen sollte und das sind m.M.n. die überaus beliebten Flatrate-Parties in Diskotheken. Das Problem hier allein auf die Eltern abzuwälzen - frei nach dem Motto: Eltern haften für ihre Kinder - kann nicht die Lösung sein. Mahnende Worte der Eltern werden sowieso an der Eingangstür der Disco abgelegt, denn es ist ja gerade Sinn der Sache, ohne Kontrolle der Eltern, ordentlich zu feiern.
Gruß
Brainstormer
Das Problem hier allein auf die Eltern abzuwälzen - frei nach dem Motto: Eltern haften für ihre Kinder - kann nicht die Lösung sein.
"Eltern haften für ihre Kinder" stimmt rein rechtlich eh nicht ...
würde mir ein u18 kind solche kosten verursachen würde es selbst dafür bezahlen. jeden cent.
so wie mein ü18-stiefsohn die knöllchen die er mit meiner karre einfährt selbst bezahlt.
den höheren kfz-beitrag (weil menschen unter 25 die nicht in meinem haushalt wohnen mein kfz nutzen) spendier ich dem jungen gern.
aber für eigene eseleien zahlt er auch selbst.
finde den ansatz mit einer erhöhten "selbstbeteiligung" bei alkoholbedingten arztkosten grundsätzlich richtig.
ich würde aber die trinker selbst in die pflicht nehmen. genau wie beim schwarzfahren oder oder im auto ohne gurt.
wer alt genug ist zum blödsinn machen ist mpmn auch alt genug anfallende strafen zu zahlen.
egal ob 14jährige oder 40jährige sich selbst mit alk "abschießen".
so seh ich das.
gruss horst
Moin,
in Bezug auf Minderjährige:
würde mir ein u18 kind solche kosten verursachen würde es selbst dafür bezahlen. jeden cent.
Wie Du die Kohle bei einem Minderjährigen Kind, für dessen Unterhalt Du zuständig bist, eintreiben würdest, ist mir schleierhaft.
Ok, Sanktionen wie Taschengeldkürzungen oder Wegfall von Geschenken scheinen möglich ...
Die Zusatz-Bestrafung von Eltern, die sich vermutlich ohnehin schon durch ihr Koma-Kind gestraft fühlen, halte ich persönlich nicht für die richtige Maßnahme zur Bekämpfung der Quelle des Übels.
Die Bestrafung desjenigen, der die Alkohol-Versorgung sichergestellt hat, erscheint mir sinnvoller ...
Gruß
United
Moin,
na klar ist es ein ernstes Thema und ich wollte nicht das Komasaufen von Kindern und Jugendlichen ins lächerliche ziehen. Das Thema steht deshalb hier im "Cafe" und nicht unter "Kinder". Mich störte der Populismus der Ansage von Jens Spahn und den wollte ich durch die krasse Schreibweise darstellen. Mit der Aussage qulifiziert man sich nicht als Kompetent für die Lösung eines Drogenproblems.
Sollte diese 100€ Selbstbeteiligung kommen, so ist zu befürchten, wird der ein oder andere Jugendliche zu spät ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil keiner den Krankenwagen gerufen hat aus Angst vor den Kosten und den Konsequenzen. Und wenn es doch gut gehten sollte heisst es unter den Jugendlichen: "Wieso hast Du den Krankenwagen gerufen? Hä. Das war doch gar nicht so schlimm und jetzt berappen meine Eltern 100€ und ich hab zu Hause voll den stress deswegen! Du bist ne echte Spassbremse."
Und was ist mit betrunkenen Personen über 18 Jahren ? Geht das dann auf die Solidargemeinschaft ? Falls nein und diese auch 100€ zukünftig zahlen müssen, wie steht es dann für den bewusstlosen Junkie auf dem Bahnhofsklo aus ? 100€ SB ? Und Übergewichtige mit verfetteten Herzkranzgefässen die ein Bypass benötigen? Auch 100€ ? Wo hört das auf ?
VG Cappi
Moin,
bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sich neue Ideen gegen den Absturz. Es wurden 14 Projekte zur Alkoholprävention vorgeschlagen, das Gewinnerprojekt schlägt den sog. "Partypass" vor. Es entstand in Sigmaringen, als die Zahl betrunkener Jugendlicher bei öffentlichen Festen zunahmen und damit die Folgeerscheinungen (Gewalt, Sachbeschädigung und Krankenhauseinweisung) sich vermehrten. Die daraufhin von diesen Festen ausgeschlossenen Jugendlichen organisierten alkoholträchtige Gegenpartys. Als Reaktion wollte das Jugendforum eine neue Festkultur etablieren.
VG Cappi
