Gehört wahrscheinlich in die Kategorie Sinnlospost, aber mir ist gerade so danach.
Töchterchen hatte heute ihre Abschlussfeier - mittlere Reife. Und Muttern saß da und hat mit den Tränen gekämpft. Wurden doch alle Abschlussschüler einzeln namentlich aufgerufen, betraten einzeln die Bühne und bekamen eine Rose und ihr Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt. Da habe ich Namen gehört von jungen Menschen, die ich längst samt ihren Eltern aus den Augen verloren hatte, die aber mit Töchterchen zusammen im Alter zwischen einem und drei Jahren gemeinsam "tuff tuff tuff die Eisenbahn" in der Mutter-Kind-Gruppe gegröhlt haben. Mein Güte und jetzt sind das junge Erwachsene, von denen viele bereits in das Berufsleben eintreten.
Und dann die ganze Geschichte nach tuff tuff tuff, Kindergarten, Grundschule, das Bangen ums Übertrittszeugnis, das nachher super ausfiel. Das erste Jahr Gymnasium mit größtem Ehrgeiz, das zweite die Katastrophe, die mit nicht bestehen des Klassenziels endete. Dann wieder so ein Zwischenhoch bis zur 8., die entschiedene Erklärung: ICH will auf die Real!!! Geht gut los, allerdings werden mir auch nur die guten Noten mitgeteilt. Anruf der Schulleitung nach dem zweiten Verweis wegen Rauchen auf dem Schulhof: Ihre Tochter wird durchfallen, wenn sich nicht bald was ändert :puzz: und außerdem muss sie mit Schulverweis rechnen, wenn sich ihr Verhalten nicht ändert.
Kurz darauf fliegt ein Tisch aus dem Klassenzimmer. Natürlich war es wieder meine. Mein Argument, dass die das allein ja gar nicht schaffen kann, war der Schulleitung relativ egal. Sie wüssten das schon auch, aber da Töchterchen ja keine Namen nennt, ist sie nun mal die allein verantwortliche. Auch das haben wir nochmal hinbiegen können :phantom:, ohne dass Töchterchen petzen musste und von der Schule verwiesen wurde.
Über die Sommerferien im Übergang zur 10. ist dann irgendwie ein Knoten geplatzt. Sie hatte sich mit dem Halbjahreszeugnis der 9. bei diversen Banken beworben, wurde aber auf Grund ihrer schlechten Noten abgelehnt. Das hat wohl ihren Denkapparat endgültig in die richtige Richtung bewegt.
Nun hat sie den erforderlichen Schnitt für die FOS (3,5) mit 2,33 erheblich unterschritten und ist der festen Überzeugung nach dem Abi (13. Klasse FOS) Sozialpädagogik studieren zu wollen.
Die Schulleitung ist stolz und überglücklich, dass sie diesem an sich völlig missratenem Kind immer und immer wieder Chancen eingeräumt hat (das stimmt wirklich) und dass sich eben dieses Kind derart zu seinem Vorteil entwickelt hat.
Nun hoffe ich nur, dass Nr. zwei, die ich gestern mal "vorab" angemeldet habe, die gleichen Chancen bekommt. Sie ist zwar vom Verhalten her - zumindest in der Schule - tadellos, aber stinkend faul. Und dann hoffe ich, dass Nr. drei nicht meint, in die Fußstapfen seiner Schwestern treten zu müssen :mad:.
Da macht man schon was mit, bis die Lütten mal groß sind :wink:.
Gruß pk
Hallo PK,
oh ja, ich kann annährend nachvollziehen, wie Du Dich fühlst. Und Du darfst zu Recht wahnsinnig stolz auf Deine Tochter sein. Auch mein Sohn hatte große Probleme in der Schule und ich durfte öfter antanzen. Es gab auch einmal eine Klassenkonferenz, die wünsche ich nicht einmal meinem ärgsten Feind. Er hat die Schule dann auch abgebrochen und ohne Schulabschluss eine Lehrstelle bekommen. Er ist ab übernächste Woche im 3. Lehrjahr als Fachkraft für Lagerlogistik.
Es gibt halt Kinder, die nicht den klassischen, einfachen Weg gehen und trotzdem lieben wir sie über alles.
Du kannst richtig stolz auf Deine Tochter sein.
LG,
Bella
Ich falle zwar hin, aber danach stehe ich wieder auf und gehe meinen Weg weiter. (U. Glas)
Freude für eine Stunde: Eine Flasche Wein
Freude für ein Jahr: Heiraten
Freude für ein Leben: Einen Garten anlegen
(Chin. Sprichwort)
Hallo,
schön, dass sie die Kurve gekriegt hat! Und bis zum Abi ist noch lange hin, vielleicht wird sie dann ja was vernünftiges studieren wollen, nicht SozPäd 🙂
/elwu
vielleicht wird sie dann ja was vernünftiges studieren wollen, nicht SozPäd 🙂
Ja, Papa!
Spaß beiseite, meine Eltern hatten mir das seinerzeit auch ausgeredet, von wegen brotlose Kunst und so. Davon weiß Töchterchen allerdings erst, nachdem sich dieser Wunsch bei ihr manifestiert hat.
Bei ihr scheint das so eine Art Berufung zu sein. Seit ihrer Konfirmation ist sie immer wieder als Konfibetreuerin tätig und sie hat einfach ein Händchen für die schwierigsten Fälle. Jugendliche, an denen sich die Pfarrer die Zähne ausbeißen - sie hat eine Art, selbst die zu erreichen. Klar, sie ist auch näher dran. Sie hat auch einiges durch, hat alles mögliche ausprobiert. Vom Kampf gegen die Türkengang (die nachher die besten Freunde wurden) über Sauf- und Kiffgelage (ohne selbst dabei abzurutschen), über Punker und sicherlich noch einiges, von dem ich nichts weiß :phantom:. Richtig mitgemacht hat sie in diesen Gruppen nicht, wohl schon hin und wieder mal einen über den Durst getrunken, sich danach schlecht gefühlt, sicher den eine oder anderen Joint geraucht, um dann zu wissen, dass sie das nicht braucht. Aber niemals die "Tracht" getragen und nach außen hin die jeweiligen Überzeugungen demonstriert.
Inzwischen hat sie die vorhandenen "Strömungen" durch, festgestellt, dass sie das normale Spießerleben bevorzugt, eine soziale Ader hat, die sie unbedingt ausbauen möchte. Unsere JA-SB kann sie sich so richtig gut vorstellen und wenn sie ganz viel Glück hat, bekommt sie im JA einen Praktikumsplatz. Und da meine Tochter MEINE Tochter ist, wie meine Mutter immer betont :phantom:, wird sie sich mit all diesen behördlichen Missständen nicht abfinden und ganz schönen Wind machen, sofern es in ihrer Macht steht.
Gruß pk
und so schön der große Abschnitt ist, so blöd gelaufen ist die Schullaufbahn der beiden anderen :mad:.
Tochter zwei - war schon beim Halbjahreszeugnis klar - hat die achte Klasse nicht geschafft. Aber nicht nur nicht geschafft einfach so, sondern mit dem wahrscheinlich schlechtestem Zeugnis, das dieses Gymnasium jemals gesehen hat. Wiederholen darf sie nicht, weil sie bereits die siebte wiederholt hat. Sie ist nicht blöd, sondern einfach nur stinkefaul. Zwar hat sich sich in immerhin vier Fächern zwischen Halbjahr und Jahreszeugnis um eine Note verbessert, aber sie hat halt einfach zu spät angefangen. Jetzt wird sie im Herbst erneut die achte Klasse Realschule besuchen, mit der gesetzlichen Auflage, keine Klasse wiederholen zu dürfen, da sonst die Höchstausbildungsdauer überschritten würde.
Und Sohni, der ein wandelndes Lexikon darstellt - er erzählt mir oftmals Dinge, über die ich nur staunen kann und bei wikipedia nachlesen muss - hat die sechste Klasse wegen Latein und Englisch nicht bestanden. Er, der schon im Alter von vier Jahren beim gute Nacht sagen von mir alles auf englisch wissen wollte: was heißt Bett, was heißt Fenster, was heißt Buch, was heißt gute Nacht.... Auch in der Grundschule schon einer der Besten in Englisch war, als es noch Spiel und völlig freiwillig war... Bei ihm habe ich jedenfalls noch Hoffnung, weil er meinte, dass er ganz froh sei, dass er die 6. wiederholen darf, um dann in Latein wieder ganz von vorne anfangen zu dürfen. Hier muss ich zu seiner Verteidigung auch wirklich sagen, dass er im zweiten Halbjahr eine Lehrerin hatte, die lieber ihren Beruf wechseln sollte.
Sie hat nahezu TÄGLICH bei uns angerufen, um uns mitzuteilen, wie missraten unser Sohn sei. Auf Nachfrage - auch wenn man den Kindern ja nicht immer alles glauben sollte - aber sie hat es bestätigt, hat sich folgendes Bild ergeben:
Die Klasse umfasst 25 Schüler. Davon sind eine Handvoll absolut lernwillig, die anderen - sage ich mal - ganz normal. Da sie nicht allen Schüler gerecht werden kann (O-Ton), setzt sie die lernwilligen nach vorne, die anderen nach hinten. Hinten geht der Punk ab, logisch. Anstatt sich nicht nur um die zu kümmern, die sowieso was tun wollen, sondern zu versuchen die anderen zu motivieren, werden die Eltern dem Telefonterror ausgesetzt. Sowohl mein Mann, als auch ich, haben ihr mehrfach gesagt, dass wir auf das Verhalten in der Schule keinen Einfluss haben und jegliche Maßnahmen ihrerseits zur Verbesserung des Verhaltens unterstützen.
Sohni hat mehrmals nachgefragt, ob er nicht wieder in die erste Reihe dürfte, weil er hinten in dem Kaspertheater einfach nichts mitbekommt. Kategorische Antwort: NEIN, er hatte seine Chance.
Sohni hat sich dann auf seine Weise gewehrt mit noch mehr Blödsinn, wie das Buch auf dem Kopf balancieren und ähnliches. Seine Aussage: irgendwie muss ich ja auf mich aufmerksam machen, damit sie mich wenigstens mal aufruft. Ja, hat sie, aber nicht, um ihn abzufragen, sondern, um ihm einen weiteren Verweis zu geben.
Was ich leider erst vier Wochen vor Schulschluss erfahren habe: es handelte sich bei der Lehrkraft um eine Referendarin, die zum Glück auch jetzt verabschiedet wurde. Ich hoffe für weitere Schüler, dass sie ihren Berufswunsch noch einmal gründlich überdenkt, oder endlich die Unterstützung bekommt, die sie offenbar noch dringend nötig hat.
Was bleibt, ist die Hoffnung. Dass Tochter in der Realschule Fuß fasst, wie ihre Schwester auch, endlich kapiert, dass es mit Schlafen im Unterricht und Nichterledigen der Hausaufgaben nicht getan ist, und Sohni die Lehrer bekommt, die er in der fünften Klasse hatte, die seinen Intellekt fordern und darüber hinwegsehen, dass er halt gerne mal den Klassenkasper spielt, weil er sich im Grunde unterfordert fühlt.
Gruß pk
