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wo ist sie, die vielzitierte Armut?

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 AJA
(@aja)
Registriert

Ich habe lang überlegt, ob ich es ins Dusslige Forum stellen soll, aber dafür ist es mir doch zu ernst - inzwischen.

Wir haben seit Wochen etliche Möbel zu verschenken. Gute, die wir bis Februar, als wir bessere geerbt haben, in Gebrauch hatten.

Ich fasse es nicht, was da für Dialoge entstehen. Matrazen haben Sie? Was für welche? Äh, Federkern. Achso, keine Kaltschaum, ne dann nicht. Ein Eßtisch, schön, wie groß, aja, genau richtig für uns. Nach Besichtigung: äh, der hat ja schwarze Füße, ne, dann nicht. Ein französisches Bett, einer hat angerufen, dem war egal, wie das Bett aussieht, er braucht es, um darauf zu schlafen *bingo*, nur kam er gar nicht  :exclam:.

Die Krönung: eine ganze Küche inklusive Elekrogeräte, Backofen, drei Jahre alt, Ceranfeld, ebenso jung, Mikrowelle, Spülmaschine, Markenküche, zwar alt und wegen drei Umzügen nicht mehr wirklich passend, aber noch voll funktionsfähig. Zwei Paare waren zeitgleich da. Ein sehr junges, sie hochschwanger, Termin im Juli, ein älteres, das die Küche für ihren Sohn haben wollte. Lange Verhandlungen, bis die ältere Dame meinte: geben sie die Küche den Jungen, die kriegen ein Baby und haben sie nötiger als wir. Die Jungen total happy, ist die Traumküche. Als es zur Abholung soweit war hörten wir folgendes: Was, am nächsten Samstag? Och, das hab ich gar nicht mehr eingeplant, ne, dann will ich die Küche nicht mehr  :knockout:

Was soll man davon halten? Das ältere Paar hatte noch keine andere Küche und freute sich, dass sie sie abholen durften.

Ich würde ja noch einsehen, wenn wir hier Sperrmüll anbieten würden, wobei ich zurückblickend auch sagen muss, dass ich in meiner Anfangszeit froh war, Sperrmüllmöbel zu haben, die oft gar nicht so schlecht waren. Immer noch besser, als mit der Isomatte auf dem blanken Fußboden zu liegen. Offenbar hat sich aber die Anspruchshaltung enorm geändert, was ich in keinster Weise nachvollziehen kann.

Vielleicht kann mich ja mal einer aufklären, woran das liegt?

Gruß AJA


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 01.06.2007 01:33
(@roman3)
Rege dabei Registriert

Ich rede mal darüber wie es früher war. Sperrmüll wurde öffentlich für eine ganze Straße ausgeschriebenl. Jeder suchte sich raus was brauchbar war. Die Hälfte des Sperrmülls war weg. Studenten, Arme, Rentner profitierten davon. Dann wurde plötzlich Sperrmüll nur noch individuell abgefahren, Keinner kannte die Termine. Dann die tolle Sozialgesetzgebung, wonach jeder eine Waschmaschiene und Kleiderschränke frei Haus bekommen konnte. Das war eine Einladung  dazu den Müll stehen zu lassen.

Gruß RomaN


AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 03:34
(@solstart)
Rege dabei Registriert

Hi AJA,

das liegt daran, dass keine Wertevermittlung stattfindet.

Solange unsere "Nachwachsenden" mit saubillig zugeschmissen werden haben sie keine Motivation sowas zu machen, kann man ja alles Kaufen, saubillig. Und die Knete kommt von Oma und Opa, ist ja auch gut gemeint, aber völlig am Ziel vorbeigeschossen.
Und wenn der abholtermin mit der Daylisoap zusammenknallt hammse halt die Prioritäten anders verteilt als wir .

Gruß Solstart


Der geistige Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null und dass nennen sie dann Standpunkt - Albert Einstein

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 11:07
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moinsen,

es gibt in unserem Land - weit über unterhaltsbegehrende Exen hinaus - eine "das-steht-mir-zu"-Mentalität. Habe ich vor kurzem selbst bei einer Diskussion mit meinem gerade volljährigen und bei seiner Mutter lebenden Sohn festgestellt: Der ist irgendwie der Ansicht, dass man mit als frischgebackener Führerscheinbesitzer auch ein eigenes Auto haben müsse. Begründung unter anderem: "Fast jeder in meiner Klasse hat eines." Ähnliche Diskussionen hatte ich mit ihm auch schon über Klamotten, Urlaube u. a., befeuert unter anderem durch seine Mutter nach dem Motto "Schau mal, was dein Vater für ein Auto fährt / für einen Fernseher hat / Urlaubsreisen macht" etc. Ich habe ihm dann - zum wiederholten Male - den Zusammenhang zwischen Arbeit und Geld klargemacht - wohl wissend, dass das nicht einfach ist, wenn Muttern selbst vom Stamme "Nimm" ist und jahrelang versucht hat, mich für die Sicherung ihres Lebensstandards einzuspannen. Einen möglichen Ferienjob hat er gerade sausen lassen, weil er sich "ja mal erholen müsse". Nun denn, muss er weiter Roller fahren, zu Fuss gehen oder sich mit Muttern um deren Auto kloppen. Denn in dieser Frage bin ich so altmodisch wie mein eigener alter Herr vor 30 Jahren, der diesbezüglich zwei Grundsätze hatte: 1. Ein Auto, das man nicht selbst bezahlen und unterhalten kann, braucht man auch nicht. 2. Ein Auto, für das man selbst arbeiten musste, fährt man nicht in den Graben oder gegen einen Baum.

Aber irgendwie scheint es einfacher zu sein, ständig nach anderen zu schielen als selbst etwas zu tun. Ich kenne keinen wirklich "Bedürftigen", der nicht trotzdem ein Handy hätte (nein, nicht für die Anrufe vom Arbeitsamt). Und nur wenige, die ihre Zigaretten selbst drehen - die meisten rauchen Marlboro & Co für 5 EUR pro Schachtel. Die Denke ist allerdings nicht ganz neu: Kurz nach der Wende hatte ich eine Sofa-Garnitur zu verschenken. Nicht ganz neu, aber absolut in Ordnung. Ein Pärchen aus den "Neuen Bundesländern", das gerade zugezogen war, wollte sie haben - und nahm bei der Besichtigung gleich wieder Abstand davon: "Das ist ja gor geen ächdes Läd'r!"...

Grüssles
Martin
(der sein Studium ohne BaFÖG und ohne Papas Kohle selbst finanziert hat, auch wenn es ihm "zugestanden" hätte)


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 11:59
DeepThought
(@deepthought)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Moin,

Armut kann nicht über die zeitlich begrenzte Zurverfügung von Gütern festgemacht werden. Angebot, Bedarf und Zeitmoment waren vieleicht nicht deckungsgleich. Dass sich Interessenten trotzz Zusage nicht melden kann jeder bestätigen, der eine Immobilie vermieten/verkaufen wollen oder sein Auto per Inserat anbot.

Dann die tolle Sozialgesetzgebung, wonach jeder eine Waschmaschiene und Kleiderschränke frei Haus bekommen konnte.

Das war tatsächlich bis zur Zusammenlegung von ALG-I udn SozH so. Seit 2004 sind Anschaffungen jeglicher Art vom ALG-II zu bestreiten.

Ich persönlich finde es zu kurz gedacht, die Armut  in Frage zu stellen, nur weil ein einzelnes Element nicht stimmig ist. Ich erinnere nur daran, dass kürzlich ein junger Mann verhungert ist. Er bekam ein anonymes schieres Grab. Erst auf Initiative in einem ALG-II-Forum konnte Geld für einen Kranz aufgebracht werden.

Armut am ALG-II festzumachen halte ich für sehr gefährlich. Denn damit werden erwerbsfähige und -willige ALG-II-Empfänger (SGB II) mit den nichterwerbsfähigen ALG-II-Empfängern (SGB VIII) gleich gesetzt. Letzere sind aus diversen Gründen jedoch nicht erwerbsfähig, haben also keine Chance auf Zuverdienste, geschweige denn einen Job. Diese menschen kommen gar nicht erst in die Verlegenheit, für Ihre Ausbildung BaFÖG oder andere staatliche Leistungen beantragen zu müssen. Sie haben meist nicht die Intelligenz für einen einigermaßen v ernünftigen Hauptschulabschluss. Sie sind auch nicht in adäquaten Familienverhältnissen aufgewachsen. Ihnen wurden keine Werte vermittelt, kein Benehmen, kein Kampfgeist um die besten Plätze im Leben. (Nicht nur) Deutschland hat sich so den Marktt billiger Arbeitskräfte geschaffen und über dieses Instrument auch die Bezahlung mittlerer Jobs gedrückt.

Wer Armut sehen will, sollte sich tagsüber bei den Tafeln hinstellen und aus der so möglichen Beobachtung heraus versuchen, der Topicüberschrift gerecht zui werden.

DeepThought


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 13:45
(@papi74)
Registriert

Hallo,

ich denke es gibt die vielzitierte Armut. Sie zeigt sich nur den meisten nicht. Viele von den "sog. Armen" haben eine Wohnungseinrichtung.

Was in vielen Fällen fehlt, ist die Kohle für Nahrung, Kleidung, Dinge des tägl. Bedarfs und nicht zu vergessen Geld für "Spassfaktoren".

Ich selber würde mich auch als arm bezeichnen. Sicherlich ich teile mir eine große Wohnung mit meiner LG, ich fahre ein Auto und die Wohnungseinrichtung ist schick und muckelig.

Aber das sind die Sachen die einmal besorgt worden sind und derzeit nicht mehr im Raum stehen ...finanztechnisch.

Woran ich aber knabbere sind die Lebensmittel, die Gelder für die Aktivitäten mit den Kids, Geld für mal Essen gehen und Kino etc..

Ebenso kann ich mir einen Jahreurlaub auch nicht leisten.

Dabei gehe ich 50h die Woche arbeiten und habe trotzdem am 2. des Monats kaum Geld.

Wenn ich alle Überweisungen getätigt habe, verbleiben mir 200€ pro Monat.

Was ich sagen will, man sieht mir die Armut nicht an...aber Sie ist da.

Allerdings muss ich sagen, dass wir auf hohen Niveau jammern.

mfg

papi74


Der Morgen ist immer klüger als der Abend.

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 13:45
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin Deep,

Wer Armut sehen will, sollte sich tagsüber bei den Tafeln hinstellen und aus der so möglichen Beobachtung heraus versuchen, der Topicüberschrift gerecht zui werden.

dass es auch im Erste-Welt-Land Deutschland wirkliche Armut gibt, bestreite ich nicht. Nur: Die wirklich Bedürftigen schreien nicht, sie sind zu alt oder haben resigniert; deshalb nimmt man sie viel weniger wahr als die "Armen", die es durchaus in der Hand hätten, an ihren persönlichen Verhältnissen etwas zu verändern.

Wir haben hier vor einiger Zeit eine Putzhilfe gesucht, auf Minijob-Basis. Keine der Bewerberinnen war dazu bereit; die wollten mindestens 12 EUR pro Stunde, und die nicht auf Steuerkarte (wäre ja teilweise auf ALG angerechnet worden), sondern cash und schwarz auf die Kralle. Ich persönlich habe seither ein Problem mit Menschen, die es sich in der sozialen Hängematte bequem gemacht haben und "Huch" schreien, wenn sie selbst mal ein paar Euro Steuern zahlen sollen...

Die wirklich Armen in unserem Land sieht man übrigens meist auch nicht an der Tafel; die hungern lieber, weil sie sich schämen, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Grüssles
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 14:23
 AJA
(@aja)
Registriert

Hallo ihr,

danke für eure Meinungen. Ich denke schon, dass es ein gewaltiges gesellschaftliches Problem ist und ich wollte keinesfalls negieren, dass es Armut gibt.

Allerdings fehlt mir doch immer wieder das Verständnis.

Ich meine, das Beispiel des jungen Pärchens. Kein Geld, nicht mal 50 €, um eine Kaution zu hinterlegen, damit sie die Küche wirklich abholen. Nachher nur Faulheit, Bequemlichkeit  :knockout:.

Ich hätte mir damals alle 10 Finger nach einer solchen Küche abgeschleckt, aber sie haben es offenbar nicht nötig.

Mir ist auch klar, dass die wirklich Armen sich schämen. Hat mir meine Mutter oft genug aus ihrer Krankenschwesterzeit erzählt, wenn Leute nicht mehr "nach Hause" wollten, alle möglichen und unmöglichen Symptome erfunden haben, nur um länger im Krankenhaus bleiben zu können. Regelmässig hat sie mit ihnen Termine ausgemacht gemeinsam zum Arbeitsamt, Sozialamt, Wohngeldstelle etc. zu gehen.

Trotzdem kann ich diese Nehmerhaltung nicht nachvollziehen und es kann mir doch keiner erzählen, dass es kaum mehr Eltern gibt, die ihren Kindern die wahren Werte vermitteln können. Oder doch?

Wenn ich kein Geld habe, dann kann ich mir halt nichts kaufen. Punkt. Oder nein, doch nicht Punkt. Es kommt ja laufend Post von irgendwelchen dubiosen und leider sogar seriösen Geldinstituten, die supergünstige Sofortkredite anbieten. Läuft dann auf einen Notruf bei Peter Zwegat, die Schuldennanny bei RTL raus.

Ich frage mich halt die ganze Zeit nur, woran das liegt, bzw. besser, wie man dem entgegen steuern könnte.

Aber diese Frage ist wohl zu philosophisch und in einem Forum ohnehin nicht zu beantworten  :exclam:.

Gruß AJA, die mal wieder versucht, die Welt zu verbessern  ;(


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 01.06.2007 22:31
(@hamburger jung)

Ich glaube, man muss unterscheiden zwischen wirklich armen Leuten, die aus vielerlei Gründen hineingerutscht sind und solchen, die sich durch die zitierten "Sofortkredite" und "Saubilligangebote" selbst dorthinbefördert haben.

Ich hab da so ´ne Exe, die hat jahrelang alles auf Pump gekauft, selbst Autos für 1500€ hat sie noch finanziert.
Solche Menschen gibt ews immer mehr, die null Überblick über ihre finanzielle Situation (und meistens dazu noch vom Rest ihres Lebens) haben und wenns zu dick wird, wird Verbraucherinsolvenz angemeldet, da hat man mit drei Kindern eine Pfändungsfreigrenze eines ansehnlichen Monatsnettogehaltes und nach 6 Jahren kann man von vorne anfangen ohne irgendwelche einschneidenden Einbussen hingenommen zu haben. An der Mentalität und der momentan vorherrschenden Anspruchshaltung ändert sich so sicher nichts. 😡

Gruss HHJung, der echt sauer über solche Zustände ist weil er auch für seinen Kram selber sorgt.


AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 22:55
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Die Armut begründet sich schon darin, dass Kinder heutzutage zwar schnell materiell verwöhnt werden aber emotional vernachlässigt. Und ein emotional vernachlässigter Mensch hat nie gelernt, mit Mut, Kraft und Liebe im Bauch zu kämpfen. Von seinen materiellen Gütern lernt er das nämlich nicht. Was tut er also, wenn er materielle oder existenzielle Not leidet? Er jammert und wartet, dass ihn jemand materiell "verwöhnt".

Ein Streit, den ich mit Schwiegerziege betreffend Stieftochter oft gefüht habe. Weil die nicht kapieren wollte, dass Spieleabend und Eis essen gehen am WE ausreicht und es nicht jedes WE Zoo, Rummel, Spaßbad etc. sein muß und auch ein Kind mit 7 keinen eigenen PC im KiZi stehen haben muss (O-Ton: nun habt euch nicht so, die Dinger kosten doch bei Lidl oder Aldi höchstens 1000 Euro!)

Lernen kann das schon ein kleines Kind in der Warum-Phase.
Kind: Warum muss ich in den Kindergarten?
Mama: Weil ich zur Arbeit will!
Kind: Warum willst Du denn zur Arbeit?
Mama: Weil ich da unser Geld verdiene!
Kind: Warum mußt Du Geld verdienen?
Mama: Damit wir heute Nachmittag der Frau beim Bäcker Geld für unser Brot geben können!
Kind: ...

Gejammert wird auf hohem Niveau, keine Frage. Ich habe mir auch den Luxus gegönnt, unser relativ neues Auto nach der Trennung zu behalten, weil ich mit den Öffentlichen noch mehr Zeit verlieren würde, die ich ohnehin nicht habe. Die Kosten dafür gehen bei anderen Dingen ab. Aber diese Reihenfolge der Prioritäten setze ich gern. Auch wenn mein Kontostand oft Zwiebeleffekte hat, weiß ich, dass ich im geldwerttechnischen Sinn "arm" bin. Aber das ist eben eine Frage meiner Prioritäten. Ohne Auto, Handy, Internet, etc. wäre ich weniger "arm". Für mich ist das aber auch Lebensqualität, die kostet nun mal.

Übrigens hatte ich neulich ein Gespräch mit einem lieben Freund zum Thema Hausratsaufteilung. Reich ist nicht der, der am meisten Hausrat erkämpft hat. Reich ist der, der mit Stuhl, Bett und Tisch in seinen eigenen 4 Wänden lebt und frei ist. Diese Feststellung erzielte eine tiefe Zufriedenheit auf beiden Seiten.

LG LBM


‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 22:55




(@hamburger jung)

Hi LBM,

Diese Feststellung erzielte eine tiefe Zufriedenheit auf beiden Seiten.

Diese Feststellung erzielte in meinem Fall nur tiefe Zufriedenheit auf einer- meiner- Seite!  :rofl2: ( Ich war derjenige, der nicht mehr als o.g. mehr hatte...)

Ein Streit, den ich mit Schwiegerziege betreffend Stieftochter oft gefüht habe. Weil die nicht kapieren wollte, dass Spieleabend und Eis essen gehen am WE ausreicht und es nicht jedes WE Zoo, Rummel, Spaßbad etc. sein muß und auch ein Kind mit 7 keinen eigenen PC im KiZi stehen haben muss (O-Ton: nun habt euch nicht so, die Dinger kosten doch bei Lidl oder Aldi höchstens 1000 Euro!)

Scheint heutzutage verbreitet zu sein, könnte von meinen Jungs kommen.  ;( Und ich konnte sie noch nicht so richtig vom Gegenteil überzeugen.  😡 :thumbdown:


AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 23:03
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Diese Feststellung erzielte in meinem Fall nur tiefe Zufriedenheit auf einer- meiner- Seite!  :rofl2: ( Ich war derjenige, der nicht mehr als o.g. mehr hatte...)

Na und? Hauptsache glücklich und ohne Magengeschwüre. Kommt Zeit, kommt Schrankwand...

Scheint heutzutage verbreitet zu sein, könnte von meinen Jungs kommen.  ;( Und ich konnte sie noch nicht so richtig vom Gegenteil überzeugen.  😡 :thumbdown:

Tja, unsere Aktionen waren dann auch nicht mehr so angesagt, irgendwann. Daher lernt Lausebacke eben, dass Spielplatz am WE eben mal reichen muss, n Eis dazu und fertig. Und das Spielzeug hier hält sich auch in Grenzen (er spielt ja eh nur mit Bussen *gg*) und hier ist kein Mytoys, wie bei anderen Menschen im Umfeld...

LG LBM


‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 23:11
(@hamburger jung)

Na und? Hauptsache glücklich und ohne Magengeschwüre. Kommt Zeit, kommt Schrankwand...

Geeeeeeeeenau! Kam schon. :rofl2:

und hier ist kein Mytoys, wie bei anderen Menschen im Umfeld...

Naja, selbst das Eis gibts nur höchst selten und sie rufen immer noch an, wann sie kommen können. Insofern scheints ja doch nicht so schlimm zu sein bei uns. 🙂


AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2007 23:36
(@romyh)
Registriert

@AJA,

ich hätte deine Küche gern genommen, wäre sogar den weiten Weg von Berlin mit nem Miet LKW gekommen, denn meine fällt sowas von auseinander und wir haben definitiv kein Geld für Neuanschaffungen.
Hätt ich das mal eher gewusst. Seit Monaten guck ich bei ebay wegen gebrauchter Küchen, aber nix nix nix...

Romy


AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2007 11:18
(@suffering_d)
Nicht wegzudenken Registriert

HHjung, Du bist mir sehr sympathisch. Ich hatte allerdings das Glück das mir meine Vermieter zwei Schränke und eine Schlafcoach vorübergehend zur Verfügung stellen. Bett ist bestellt, kommt in 4 Wochen  🙂 Ich habe 2 Löffel, 2 Messer, 2 Gabeln, 2 Teller, 1 Kochtopf und eine Pfanne mitgenommen  😉

Liebe Grüsse


AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2007 11:39
(@hamburger jung)

Ich habe 2 Löffel, 2 Messer, 2 Gabeln, 2 Teller, 1 Kochtopf und eine Pfanne mitgenommen 

Hi suffering,

auch auf die Gefahr hin, dass das OT wird, an dem Abend, an dem meine Ex endlich hier ausgezogen ist, habe ich mit meinem Bruder Spaghetti aus einem Kochtopf mit nur einer Gabel geteilt, weil sie die beiden Dinge nicht mitgenommen hatte, da sie noch nicht abgewaschen waren...

Und ich war für 24 Stunden der glücklichste Mensch auf dieser Welt!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Bett ist bestellt, kommt in 4 Wochen 

Ich weiß aus Erfahrung, wie Du Dich fühlen wirst. Sauwohl wenn Du drinliegst. Ich hatte schon mal an anderer Stelle gepostet, dass ich nicht wusste, ob ich auf meinem neuen Sofa oder in meinem neuen Bett liegen sollte, weil beides zusammen kam... 🙂


AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2007 13:36
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Aber da sieht man doch mal wieder, wie einen Kleinigkeiten glücklich machen können. Nach der Trennung von meinem ersten Mann saß ich in meiner leeren Wohnung, die so leer war, dass sie GEHALLT hat, aber ich fand es einfach nur klasse, weil es war MEIN HALL! *g*

Über den Hausrat hatten wir uns allerdings in 15 Minuten geeinigt und fair geteilt.

Das ist der Vorteil, wenn man nicht materialistisch ist, man kämpft nicht um so einen Schnullifax, weil es einfach nix bedeutet. Und man kommt mit so wenig aus, wie man es sich vorher nicht gedacht hat.

Mein Ex-Chef meinte nach seiner Trennung mal zu mir: "Man schrumpft sich gesund!" That's it!

LG LBM


‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2007 13:47
 AJA
(@aja)
Registriert

Ach Mensch Romy, das tut mir jetzt echt leid  ;(.

Ich habe noch kurzzeitig in Erwägung gezogen, hier zu "inserieren", aber da ich weiß, dass alle weit weg wohnen und Mietwagen sehr teuer sind (allein schon der Sprit, sollte jemand über einen Kombi verfügen), hab ich es dann sein lassen. Außerdem weiß ich, dass gerade in unserem Stadtteil viele Hartz IV Empfänger leben, vor allem die, die wirklich keine Perspektiven haben.

LBM, so ähnlich ging es mir nach der Trennung auch  :wink:. Und das beste: Dinge, die ich damals unbedingt haben wollte, aber keine Lust hatte, mich darum zu streiten, bekomme ich heute noch immer wieder Stück für Stück angeboten. Aber das geht komplett am Thema vorbei, hat nichts mit Armut, sondern mit verletzten Eitelkeiten zu tun.

man muss unterscheiden zwischen wirklich armen Leuten, die aus vielerlei Gründen hineingerutscht sind und solchen, die sich durch die zitierten "Sofortkredite" und "Saubilligangebote" selbst dorthinbefördert haben

Stimmt, aber: Ist es eine Frage der Intelligenz, auf solche Angebote nicht hereinzufallen? Ist es eine Frage der Erziehung, durch diese Werbeangebote nicht der Versuchung zu erliegen? Ist es eine Frage der vermittelten Werte, sich den Urlaub, ein neues Möbel zu verkneifen, wenn doch das monatliche Einkommen stimmt und die Rate "eigentlich" spielend abgezahlt werden müsste?

Ich weiß es nicht. Ich habe, als ich mein erstes regelmäßiges Einkommen hatte, eine Waschmaschine, einen Kühlschrank und einen Fernseher auf Raten gekauft. Alles kleine Raten so zwischen 50,-- und 100,-- Mark. In wenigen Monaten abzubezahlen, Zins Wunder wenig. Trotzdem hat es mich so belastet, dass ich in Zukunft davon Abstand genommen habe. Andere kenne ich aber, die einen Kredit mit dem nächsten ablösen, so, wie es mein Schwager bis zu seinem Tod gemacht hat, so, wie mein Ex es macht. Diese Menschen sind keinesweg dumm oder des Rechnens unfähig. Trotzdem ist da offenbar irgendwo eine Blockade, die es ihnen unmöglich macht, die Fakten zu realisieren.

An dieser Stelle muss ich den Vorwurf: "die sich selbst hineinbugsiert haben" ein Stück weit an die Geldinstitute weiter geben, die sehr wohl WISSEN, dass diese Menschen sich das eigentlich nicht leisten können, ihnen trotzdem immer wieder diese Angebote machen.

Wie kommt ein Geldinstitut (der seriösen Art wohlgemerkt) dazu, mir ein Kreditangebot über 20.000 € zu machen, wohlwissend, dass ich drei Kinder zu ernähren habe und über ein Nettomonatseinkommen von knapp 1.000 € verfüge?

Wie kommt eine Hausbank dazu, ein völlig überschuldetes Haus mit weiteren 20.000 € (Grenzwert, der einfach mal so über der ohnehin schon zu hoch eingetragenen Grundschuld liegt) zu belasten bei einem Gegenwert eines unterhaltspflichtigen Arbeiters mit einer monatlichen Schuldenbelastung von ca. 1.000 € und einem Einkommen von 2.000 €?

Ich denke, ganz so einfach kann man es sich nicht machen. Klar, stinkt mir auch, dass die Privatinsolvenz, die ja letztlich auf Kosten aller läuft, Menschen dazu verleiten kann, mal eben einfach so weiter zu machen, wenn nichts mehr hilft, gibts die ja noch  :mad:. Andererseits immer noch die bessere Möglichkeit, als ein Leben unter der Brücke, gerade, wenn Kinder im Spiel sind.

Trotzdem: die Schuld trägt m. E. immer noch zum Großteil "die Gesellschaft", die wir zugegebenermaßen alle sind, gegen die sich aber immer weniger auflehnen können. Und mal im Ernst: bei uns war das Thema "Marken" noch nie Thema und ist es eigenlich noch immer nicht wirklich. Es gibt zwar inzwischen einen Inladen, in dem meine Große ihre Klamotten kauft, aber die sind noch erschwinglich und ich muss zugeben, dass sie einfach gut aussehen. Wenn ich aber dann von meinem Drittklässler höre, dass sein Jogginganzug von Mangoon blöd ist, weil er nicht von Adidas ist (O-Ton seiner Klassenkameraden), dann stellts mir schon die Haare auf  :gunman:. Und das in einer Klasse mit einem Niveau, bei dem es laut Lehrer maximal 2% auf eine weiterführende Schule schaffen werden, mit einem Ausländeranteil von über 90%. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe keine Vorurteile, aber ich kenne zum Teil die Familienverhältnisse und Frage mich umso mehr, woher dieser Markenwahn schon bei neunjährigen kommt. Ebenso frage ich mich, warum ein Drittklässler ein Handy braucht, einen Fernseher im Zimmer, aber kein warmes Mittagessen bekommt.

So, ich hör jetzt lieber auf, ist eins meiner Lieblingsthemen  😡

Gruß AJA


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 02.06.2007 21:56
(@hamburger jung)

An dieser Stelle muss ich den Vorwurf: "die sich selbst hineinbugsiert haben" ein Stück weit an die Geldinstitute weiter geben, die sehr wohl WISSEN, dass diese Menschen sich das eigentlich nicht leisten können, ihnen trotzdem immer wieder diese Angebote machen.

Wie kommt ein Geldinstitut (der seriösen Art wohlgemerkt) dazu, mir ein Kreditangebot über 20.000 € zu machen, wohlwissend, dass ich drei Kinder zu ernähren habe und über ein Nettomonatseinkommen von knapp 1.000 € verfüge?

Es muss ja nicht immer um so hohe Beträge in einer Summe gehen. Meine Ex hat immer schön verteilt. 1000€ Versandhandel, 5000€ Auto, 500€ hier und 200€ da...
So kommt dann eins zum anderen und irgendwann knallts.

Klar gibts die Schufa und unverantwortlich ist es von den Kreditinstituten auch zum Teil, aber es ist doch eigentlich jeder für sich selbst verantwortlich. Sich wieder auf andere zu berufen, wenn der Karren an die Wand gefahren ist, passt genau in das Verhaltensmuster vieler Menschen heutzutage, nämlich immer allen anderen die Schuld zu geben und keine Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

Ich habe mit Anfang 20 auch noch nicht mit Geld umgehen können, aber irgendwann im Leben muss man doch an einen Punkt gelangen, wo ,man das lernt? Es kann doch nicht sein, dass selbst der Fernseher noch auf Raten läuft, was ist denn das?

btw: Meine Oma hat sich -und da bin ich ihr ähnlich- Nur qualitativ gute Dinge gekauft und diese dann auch gepflegt. Ich habe mal einen Geschirrspüler bei ihr entsorgt, der war 35! Jahre alt und sah aus wie neu!!! Klar gehen viele Dinge heute schneller kaputt, weil die Hersteller von was leben wollen, aber heutzutage muss es ja das neueste vom neuesten sein, und wenn man sich den Flachbildfernseher mit 1,4m Bildschirmdiagonale nicht bar bezahlen kann, dann wird er eben finanziert, am besten noch mit 3 Monaten Zahlpause, was für ein Schwachsinn!!! Und den Alten funktionierenden haut man dann eben auf den Sperrmüll oder stellt ihn seinen Kindern  😡 ins Zimmer.

Isch resche misch uff!!!!!!!!!!!!!!!!!! :gunman:


AntwortZitat
Geschrieben : 03.06.2007 11:50
 AJA
(@aja)
Registriert

HHJung, du sprichst mir aus der Seele  😉

aber irgendwann im Leben muss man doch an einen Punkt gelangen, wo ,man das lernt?

Genau DAS meine ich auch und genau das Gegenteil erfahre ich immer wieder.

Sich wieder auf andere zu berufen, wenn der Karren an die Wand gefahren ist, passt genau in das Verhaltensmuster vieler Menschen heutzutage, nämlich immer allen anderen die Schuld zu geben und keine Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

Das ist ja auch viel einfacher und bequemer (Reizthema Nr. 2, da familiär vorbelastet  :mad:)

Immer das Neueste, immer das Beste, da fällt mir die Konfirmation meiner Nichte ein, zu der sich meine Schwägerin ein neues Kleid kaufte, denn das andere "neue" hatte sie schon mal an und man hat sie damit schon gesehen. Schließlich sollen die Leute (O-Ton) nicht denken, ich könnte mir zur Konfirmation der Tochter nicht mal ein neues Kleid leisten. Entsprechend protzig wurde dann auch zum Essen gegangen, soll nur ja keiner was nachsagen  :knockout:.

Woran es liegt, dass so viele (werden es immer mehr oder wird das erst jetzt so offensichtlich?) Menschen nicht mit Geld umgehen können ist einfach eine Sache, die ich nicht verstehen kann. Es scheint jeder Sinn für einfachste Mathematik plötzlich still gelegt zu sein. Und das bei wie gesagt, an sich intelligenten Menschen.

Oder ist das ganze vielleicht ein Zeiterscheinung mangels anderer Beschäftigungmöglichkeiten. Von meinem Ex weiß ich z. B., dass er ein massives Frustkaufproblem hat. Zwei Tage Regen im Urlaub und er muss etwas kaufen, sonst ist die Laune im Keller und er verfällt buchstäblich in Depressionen. Mag das vielleicht bei anderen auch so sein? Nach dem Motto, wofür arbeite ich denn den ganzen Tag, wenn ich mir dann doch nichts leisten kann? Kann es sein, dass das Hirn da dann eben ausblendet, dass eben einfach alles teurer wird, die Grenze zwischen "brauchen" und "Luxus" sehr fließend wird?

Gruß AJA


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 03.06.2007 14:50




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