Hallo
im Rahmen des Sozialabbaus und in Erwartung von Hartz 4, haben wir eine Mailingliste eingerichtet die Infos und Möglichkeiten dagegen vernetzen soll.
http://kbx7.de/?lid=14713&c=list+
wer mag kann sich hier eintragen, es ist allerdings im entstehen.
Hintergrund ist, dass gerade Eltern/ Elternteile, insbesonder Väter davon betroffen sein werden. Sie werden kaum noch Geld haben ihre Kinder zu besuchen, Der Staat wird auf so eine Probelematik im gegenwärtigen Kürzungswahn kaum Rücksicht nehmen. Aber auch so ist Hartz 4 menschenunwürdig. Wer sich mit der gegenwärtigen Situation beschäfitgt hat wird dies bestätigen. Arbeitslose und Hilfeempfänger werden systematischa ausgegrenzt und als faul dargestellt um den Abbau zu legitimieren. Eine psychologische Handlungsweise die darauf aubzielt den Arbeitslosen und anderen die Schuld seber in die Schuhe zu schieben für ihre Situtaion. ABe die Politiker selber haben ihren Job nicht gemacht, es gibt nämlich keine Arbeit und das wird sich wohl auch nicht ändern demnächst. Also muss man sich wohl mit der Situation auseinandersetzen und vor allem von Institutionen wie dem Arbeitsamt nichts mehr gefallen lassen, Deswegen diese Liste, Wer mag auf abonnieren drücken und wird dann freigeschaltet.
u.
Aktionen dagegen können vielfältig aussehen
http://www.echo-online.de/kundenservice/a_detail.php3?id=253755
Die Tüte Eis kann Luxus sein
Armutsfallen: Zwei Beispiele aus Darmstadt
STEINIG ist der Weg zum Darmstädter Sozialamt. 7315 Männer, Frauen und Kinder sind inzwischen auf monatliche Beihilfen angewiesen. Vor zehn Jahren waren es 5516. (Foto: Claus Völker)
Im August vor zehn Jahren probierte die Autorin im Selbstversuch aus, wie man mit dem Sozialhilfesatz über die Runden kommt. Damals waren es 521 Mark (266 Euro plus Miete), heute sind es 297 Euro. Also 31 Euro Zuwachs in zehn Jahren.
Damals lebten in Darmstadt 5516 Kinder und Erwachsene von Zuwendungen des Sozialamtes, heute sind es 7315 Personen. Fast auf das Einkommensniveau von Sozialhilfebeziehern (345 Euro) werden ab Januar 2005 rund 840 Darmstädter Familien (geschätzt: 9293 Erwachsene und Kinder) durch den Wegfall der Arbeitslosenhilfe und die Einführung von Arbeitslosengeld II abrutschen. Wie kommen die Betroffenen mit so wenig Geld zurecht?
Von nun an geht’s bergab. Arbeitslose kennen die sozialen Folgen der finanziellen Talfahrt ebenso wie Eheleute, die sich von ihrem Partner getrennt haben. „Arbeitslosigkeit und Scheidung sind die häufigsten Gründe für Bedürftigkeit“, sagt Abteilungsleiter Günter Eidmann vom Darmstädter Sozialamt. In den letzten drei Jahren sei die Zahl der Kurzzeitbezieher gestiegen, die der Langzeitbezieher gesunken.
Letzteres klingt hoffnungsvoll, ist aber bei näherer Betrachtung nur die halbe Wahrheit: Die Langzeitklienten sind bloß auf andere Baustellen verteilt worden. Denn die Unterbringung von Sozialhilfebeziehern in Beschäftigungsprojekte und die im Januar 2003 eingeführte Grundsicherung entlasten die Statistik. (Die Grundsicherung steht auf Antrag Männern und Frauen ab 65 Jahren mit geringem Einkommen oder dauerhaft Erwerbsunfähigen ab 18 Jahren zu.)
Beate (47) und Karl Weber (56) aus Arheilgen, Eltern von drei Kindern im Alter von 22, 14 und elf Jahren, könnten nie auf Anhieb sagen, wie viel Geld ihnen Arbeits- und Sozialamt monatlich überweisen. Da müssen sie erst mal Zettel herbeiholen, auf denen die Zuwendungen akribisch aufgelistet sind. Abzüglich Strom (85 Euro) und Heizung (107 Euro) bleiben 933 Euro für Vater, Mutter und zwei Kinder übrig – der älteste Sohn ist ausgezogen.
Karl Weber (alle Namen wurden auf Wunsch der Betroffenen geändert), von Beruf Dreher, ist wegen eines Hüftschadens und einer Krankheit nur für leichte Tätigkeiten vermittelbar. Seit 1989 blieb er arbeitslos, trotz der vom Arbeitsamt bezahlten Kurse. Aber niemand wollte ihn haben. Weder als Pförtner noch als Barkeeper oder Erntehelfer.
Beate Weber verdiente als Verkäuferin dazu, bis ihr ältester Sohn geboren wurde. Vor drei Jahren hat sie eine Brustkrebsoperation überstanden. Die Liste weiterer Krankheiten, die sie sich finanziell nicht leisten kann, ist lang: Arthrose, Hüftleiden, Bandscheibenvorfälle, Migräne.
Sie erzählt Erschreckendes: Der Urologe, bei dem sie kürzlich wegen einer Blasenentzündung in Behandlung war, schickte sie ohne Rezept mit der Bemerkung nach Hause, sein Budget sei aufgebraucht. Sie hätte das Medikament von ihrem bisschen Sozialhilfe bezahlen müssen – das wollte sie nicht einsehen. „Wir werden als Personen dritter Klasse behandelt“, klagt die schmale, verhuschte Frau.
Mit seiner ermäßigten Heag-Monatskarte erledigt Karl Weber alle Behördengänge und fährt zu den Supermärkten, die auf Prospekten mit den billigsten Sonderangeboten locken. Er hält sich strikt an die Einkaufsliste und leistet sich als einziges Laster selbst gedrehte Zigaretten.
„Wir gehen nicht weg, wir sitzen praktisch nur Zuhause“, sagt Beate Weber. An heißen Tagen ist sie manchmal im Mühlchen anzutreffen, weil man dort zum Nulltarif schwimmen kann. Um den 20. eines Monats herum wird es finanziell kritisch. Eine Tüte Eis für eins der Kinder ist dann nicht mehr drin.
Manchmal kommen durch die Abgabe von Pfandflaschen ein paar hoch willkommene Euro zusammen. Der Kühlschrank ist schon geplündert, wenn am 28. oder 29. das Geld vom Amt überwiesen wird.
Die Kinder leiden unter der Armut, seit ihnen schmerzhaft bewusst wurde, wie komfortabel die Familien vieler Mitschülern leben. Der älteste Sohn klagt die Eltern an: Musstet ihr so viele Kinder in die Welt setzen? Tochter Eva (14), blond und bildhübsch, geht aufs Gymnasium. „Sie schämt sich für uns“, glaubt die Mutter.
Sozialhilfebezieher müssen sich in Geduld üben. Als der Sprungrahmen von Kevins Bett kaputt ging, begnügte sich der Elfjährige wochenlang mit einem Provisorium. Der Rahmen wurde mit Büchern abgestützt, bis das Sozialamt endlich die Sonderausgaben für einen Ersatz bewilligte.
„Wir achten schon selbst darauf, dass nichts kaputt geht“, versichert Beate Weber. Ihre Wohnung wirkt dunkel, aber gepflegt. An den Fenstern bauschen sich selbst genähte Gardinen, und über der dunkelblauen Sofagarnitur vom Gebrauchtmöbellager hängen Billig-Poster von Städten und Ländern, die Webers nur in ihrer Phantasie bereisen können. Seit 24 Jahren sind sie verheiratet, und noch nie machten sie Urlaub.
Was wird sich für sie durch Hartz IV, die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe, ändern? Karl Weber zuckt mit den Achseln, schleppt Unterlagen der Agentur für Arbeit herbei, zählt die aufgelisteten Beträge zusammen.
Doch es lässt sich ohne Rücksprache mit dem Amt nicht feststellen, ob er künftig ein paar Euro mehr bekommt oder ob er auf bisherige Vergünstigungen verzichten muss. „Ich kann mich nur überraschen lassen.“
Anders als für Karl Weber war es für Andrea Klingler (41, Name geändert) nie ein Problem, im Arbeitsprozess zu bleiben. Zwei halbe Tage in der Woche jobbt sie jetzt als Sekretärin, die restliche Zeit verbringt sie mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Vanessa.
In ihrer Wohnung – ein bürgerliches Mietshaus in der Waldkolonie, dritter Stock – blitzt und blinkt es vor Ordnung und Sauberkeit. Die Foto-Galerie im Flur verrät jedem Besucher, an wem ihr Herz hängt: an Vanessa. Wegen ihres Lieblings ist sie in die Armutsfalle geraten.
Es gelingt Andrea Klingler, ihre Geschichte ohne Selbstmitleid zartbitter zu erzählen. Noch während ihrer Schwangerschaft hatte Vanessas Vater eine andere Frau geheiratet, „mit Mühe und Not bezahlt er für das Kind. Er hat sich noch nie nach der Kleinen erkundigt.“
Wegen Vanessa zog Andrea Klingler aus dem Odenwald nach Darmstadt, um näher an ihrer Arbeitsstelle zu wohnen. Zwei Jahre lebte sie von Erziehungsgeld und Erspartem, dann war der Gang zum Sozialamt nicht mehr aufschiebbar.
Zum Leben bleiben ihr und der Kleinen knapp 700 Euro. Selten kauft sich die Mutter etwas zum Anziehen, sie gibt das Geld lieber auf Flohmärkten oder Discountern für Babysachen aus.
Auch für Andrea Klingler spielt sich der Feierabend fast nur Zuhause ab: mangels Geld – einen Babysitter kann sie sich nicht leisten – und mangels Bekannten. Ihre Mutter ist tot, ihre Schwestern leben weit entfernt.
Abwechslung in den Alltag bringen Spielzeugtreffs mit anderen Müttern und Kindern und natürlich ihr Sekretärinnen-Job. Sie äußert bescheidene Wünsche: „Mal die Wohnung schön renovieren. Und Einkaufen gehen, ohne auf das Preisschild achten zu müssen.“
Optimistischer als die Familie Weber blickt Andrea Klingler in die Zukunft. Ab nächstem Jahr wird sie 30 Stunden pro Woche arbeiten, während Vanessa im Kindergarten betreut wird. Sie überlegt bereits, ob sie sich dann noch mit abendlicher Heimarbeit etwas dazu verdienen sollte.
Gern würde sie der Aufforderung des Staates folgen, eine Zusatzrentenversicherung für sich und eine Lebensversicherung für Vanessa abzuschließen. Der beantwortet ihr aber nicht die Frage, wo sie das Geld dafür hernehmen soll.
Petra Neumann-Prystaj
