Zweitmutterproblem
 
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Zweitmutterproblem

 
(@robina)
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Hallo allerseits,

ich weiß einfach nicht mehr weiter. Und irgendwie kann und will ich auch nicht mehr.

Ich habe vor 2 ½ Jahren über das Internet meinen jetzigen Mann kennengelernt, ich bin seine dritte Frau, ich selbst war auch schon 1 x verheiratet. Er hat 3 Kids im Alter von jetzt 14 m, 16w und 18w, die bei ihm lebten, ich habe einen 16-jährigen Sohn, der auch bei mir lebt. Es ging alles recht fix bei uns, trotz der räumlichen Entfernung – er in Bayern, ich in NRW. Die Kinder wurden von seiner Mutter betreut, nachdem seine zweite Frau ihn verlassen hatte, aber das gab Schwierigkeiten. Klar, eine 80-jährige und 3 Pubertierende. Nach 5 Monaten fand er einen neuen Arbeitsplatz in Hessen; die Kinderbetreuung wurde an mich delegiert. Das heißt, seine Kids zogen zu mir nach NRW in unsere 4-Zimmer-Wohnung und ich betreute und versorgte sie wie meinen eigenen Sohn neben meiner Berufstätigkeit. Mein heutiger Mann kam nur am Wochende nach NRW. Heute, nach 2 Jahren Fernbeziehung, leben wir alle gemeinsam in einem Haushalt in Hessen. Soweit zur Vorgeschichte.

Natürlich gab es Probleme. Wie auch anders, seine Kids wurden von heute auf morgen herausgerissen, hatten und haben ja eh schon eine Menge an ihrer Vorgeschichte (die leibliche Mutter hat sie bereits im Alter von 2, 4 und 6 Jahren verlassen) zu knabbern.

Besonders mit der Ältesten ergaben sich Probleme, die seit einigen Tagen einfach derart eskalieren, dass ich einfach nicht mehr weiter weiß und eigentlich nur noch hier weg möchte. Ich habe immer wieder ihre Abneigung gespürt bzw. zu spüren bekommen, aber nicht offen und durch Gespräche, sondern immer nur hinten herum, entweder hetzte sie ihre Geschwister gegen mich auf oder versuchte, ihren Vater zu beeinflussen, ignorierte meine Bitten um Mithilfe (die ich mich heute mittlerweile schon gar nicht mehr traue, zu stellen) oder boykottierte ganz einfach die mindesten Regeln, die für ein harmonisches Zusammenleben so wichtig sind. Ich habe alleine oder auch gemeinsam mit ihrem Vater mit ihr viele, viele Gespräche geführt, in dem ich ihr auf den Kopf zugesagt habe, dass sie eigentlich denkt: „Entweder ich oder sie“ (Genau das hab ich heute schriftlich von ihr). Dies hat sie immer abgestritten, behauptete, mich gern zu haben und weinte, wie ich auch, viele Tränen dabei. Beschwerden ihrerseits waren immer, dass ich meinen Sohn bevorzugen würde, er müsse weniger im Haushalt mithelfen, als sie und ihre Geschwister, und sie vor allem mehr als alle anderen tun müsse.

Anfangs hatten wir einen Plan, nachdem sein Jüngster für den Müll zuständig war, mein Sohn für Mithilfe beim Kochen, Tischdecken und Küche machen, die Mädels beide zusammen fürs Bügeln aller Wäsche. Zudem sollte jeder 2 x pro Woche sein Zimmer saugen und jeder seinen eigenen Dreck in der Küche wegräumen, wenn sie sich Brote oder Mittagessen zubereiteten. Für alles andere war ich zuständig. Irgendwann habe ich aus lauter Frust diesen Plan, weil er ohnehin nur ungern und letztlich dann doch nicht so ausgeführt wurde (außer von den Jungs), zerrissen und meinen vorhandenen Putzmann, der sonst einmal pro Woche fürs Grobe kam, mit noch mehr Arbeiten beauftragt. Den Mädels habe ich dann fürs Bügeln 6,00 Euro pro Stunde bezahlt. Damit ging die Streiterei los, wer welche Teile bügeln sollte, Bettwäsche war z. B. verhasst, also ließ ich auch den Putzmann teilweise bügeln, war auch billiger, der bekam nur 5,00 Euro pro Stunde.

Zu diesem Vorwurf kam hinzu, dass die Älteste erst auf der Umzugsfahrt nach NRW ihrem Vater mitteilte, bereits seit mehr als einem Jahr in Bayern einen Freund zu haben; entsprechend wenig Lust hatte sie zu diesem Umzug. Aber alles war nun so einfädelt, was hätten wir denn tun können ? Die Schule (10. Klasse, Gym.) hätte sie auch in Bayern nicht mehr geschafft (in allen Hauptfächern Fünfer, in Latein einen Sechser), gerade deshalb war der Umzug in ein schulisch gesehen leichteres Bundesland wie ein Geschenk des Himmels für sie persönlich anzusehen (sie hat in NRW die 10. mit Bravour geschafft und ist jetzt in Hessen, wo es ja noch leichter ist, in der 11. noch besser geworden, insgesamt haben sich die Bayern-Kinder in fast allen Fächern um fast zwei Noten verbessert). Natürlich war uns klar, dass sie das als junges Mädchen nicht so einsehen konnte und das ihr die Trennung von ihrer ersten Liebe sehr sehr schwer fallen würde. Wir sind mit aller Behutsamkeit mit ihr umgegangen, haben zunächst auch die Heimfahrten bezahlt und ihr ermöglicht, auch an Wochenenden mal kurzfristig runterzufahren. Dann haben wir so nach und nach aber mitbekommen, dass ihr Freund, 22 Jahre alt und Führerscheininhaber, sich einen Dreck darum kehrte, dass sie litt. Zugesagte Besuche seinerseits sagte er immer wieder ab mit wirklich oberfaulen Ausreden ... er könne so lange nicht fahren, er schlafe dabei ein .. er habe Tabletten genommen und könne nicht fahren ... usw. usf., insgesamt war er in der ganzen Zeit 2 x für je 2 Tage da. Wir haben dann Extra-Fahrten außerhalb der Ferien für sie nur noch dann zugelassen, wenn wir selbst ohnehin nach Bayern mußten und sie mitnehmen konnten. Die nicht unerheblichen Kosten für Extra-Bahnfahrten nur für sie allein lehnten wir ab und haben ihr auch die Gründe, die ja nicht nur in dem Verhalten des Freundes, sondern auch darin, dass ihre Geschwister gleiche Ansprüche anmeldeten und in unserer finanziellen Lage lagen, erklärt. Sie saß täglich vor dem PC und wartete im ICQ auf ihren Freund. Ich redete ihr zu, sich nicht ständig für ihn parat zu halten, sich auch was vorzunehmen. Mein Sohn nahm sie mit in seinen Freundkreis, so dass sie etwas mehr Kontakt, vor allem zu einem besonders netten Jungen bekam, der sich deutlich sichtbar in sie verliebt hatte und alles für sie tat. Natürlich redeten wir ihr zu, aber sie blockte ab.

Als Landkind gefiel ihr die Großstadt, die durchaus auch eine schöne waldreiche Umgebung aufweist, aber absolut nicht. Mit den kulturellen Angeboten konnten wir sie ebenfalls nicht locken – zu viele Menschen, zu laut, zu häßlich, zu dreckig. Gemeinsame Ausflüge wurden durch ihre schlechte Laune zum Fiasko und mußten teilweise abgebrochen werden. Täglich hörten wir uns an (hier traf es vor allem mich und meinen Sohn) wie scheußlich NRW und unsere Stadt wäre. Für sie war es ein Lichtblick nach Hessen zu ziehen, endlich wieder näher an Bayern, kürzer der Weg zu ihrem Freund. Alle anderen Kinder wären gern in der mittlerweile vertrauten Großstadt geblieben, ich hätte meinen Job auf halbe Tage reduziert und hätte es auch ein bißchen leichter gehabt. Aber sie war dagegen, sie wollte nach Hessen, am liebsten natürlich nach Bayern zurück. Nahezu täglich flossen Tränen deshalb oder sie legte sich mit Kopfschmerzen ins Bett, machte uns allen das Leben mit ihrer andauernden schlechten Laune und Mißmutigkeit nicht gerade leicht. Wohnungen, die wir in NRW noch im August besichtigten, (4-Zimmer waren einfach zu klein), wurden von ihr ebenfalls boykottiert.

Da unsere Ängste groß waren, dass sie uns einfach davonläuft, wenn wir in NRW blieben, habe ich meine Arbeit aufgegeben und wir sind im Dezember dann nach Hessen verzogen. Über Weihnachten fuhr sie mit ihrem Freund noch in Urlaub. Im Januar lag sie bitterlich weinend in meinen Armen, da ihr Freund die Beziehung beenden wollte.

Der Junge aus NRW besuchte sie, zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass er in ihrem Zimmer übernachtete. Nach einigen Wochen gestand sie uns auf unsere Nachfrage hin, dass sie bereits seit mehr als 6 Monaten beziehungsmäßig doppelgleisig fährt und nun nach NRW in unsere alte Stadt zurück will, da sie diese Fernbeziehung nicht mehr aushält. Mit dem Freund aus Bayern hat sie dann Schluß gemacht. Wir fielen aus allen Wolken. Mittlerweile ist sie 18 Jahre alt, hat aber noch zwei Jahre Gym vor sich. Finanzieren sollten wir das natürlich, so dachte sie es sich jedenfalls. Das lehnten wir ab. Das Kindergeld steht ihr zu, aber sonst keinen Pfennig von uns. Trotzdem will sie gehen. Er ist noch in der Ausbildung, verdient 600,00 Euro.

Hier will sie keinen Handschlag mehr tun, alles und jedes wird als „Scheiß Job“ bezeichnet, sie beschwert sie selbst über das Bügeln, für das sie Geld erhält und damit meiner Meinung wie ein externer Job (Zeitungsaustragen o. ä.) betrachtet werden müßte und nicht mehr als Hilfe im Haushalt. Ich habe dann ein anderes Mädchen (Freundin unserer 16-jährigen) gefunden, das gerne bügeln wollte, ihr hat sie die Arbeit wieder abgenommen, weil sie das Geld selbst für die Fahrten nach NRW bräuchte. Trotzdem beschwert sie sich weiterhin über das Bügeln. Sie beschwert sich darüber, dass sie soviel fahren müßte – ihr Job ist es, ihren Buder und meinen Sohn je einmal wöchentlich zum Sport zu fahren und abzuholen. Ich übernehme das ab heute wieder, fahre auch die Kids dann selbst zur Schule, obwohl sie gleichzeitig Schluß haben und sie das Auto mitnehmen könnte. Aber das ist ihr alles zuviel. Sie beschwert sich darüber, dass ich meinen Sohn vorziehen würde – aber das stimmt nicht, ich kann nicht ein Beispiel nennen, an dem man das ausmachen könnte. Ich habe die anderen Kinder befragt, ob sie mir ein Beispiel nennen könnten, hier kommt nur der Hinweis, dass mein Sohn mich um den Finger wicklen könnte. Ja, klar, er lebt seit fast 17 Jahren mit mir zusammen, kennt mich in- und auswendig. Und er darf nichts, was die anderen nicht auch dürften. Im Gegenteil, er beschwert sich bei mir, dass ich an ihn viel höhere Anforderungen stelle, womit er durchaus Recht hat.

Ich habe für dieses Mädchen jede Menge Geduld, Liebe und Verständnis aufgebracht, aber jetzt kann ich nicht mehr. Ich mag einfach nicht mehr mit ihr unter einem Dach leben und weiß die Zeit bis zu ihrem Auszug kaum auszuhalten. Ich erwäge allen Ernstes, wieder eine Fernbeziehung zu führen. Ihren Vater macht dieses ganze Verhalten von ihr und meine Gedanken dazu derart fertig, dass er sie sofort rausschmeißen möchte, aber das kann ich auch nicht zulassen, dies würde auch immer zwischen uns stehen. Und was passiert, wenn ihre Beziehung scheitert, was dann ? Dann steht sie wieder hier vor der Tür und alles geht von vorne los.

Versteht mich hier einer ? Was kann ich denn überhaupt tun, wie soll ich mich verhalten ? Was mache ich denn bloß falsch ? Ich weiß einfach nicht mehr weiter.

Robina


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 10.05.2004 12:17
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Robina,

während des Lesens habe ich mich gefragt, wo du eigentlich mit deinen Bedürfnissen bleibst 🙁

Als die vier Kinder einer Freundin zwischen 10 und 17 waren, hat sie einen Putzdienstzettel in die Küche gehängt, der war so kreiert, dass jedes Kind für jede Aufgaben mal dran war. Zum Beispiel: abwaschen montags A, dienstags B usw. Das gleiche mit Müll rausbringen, Küche wischen, Tisch decken und abräumen etc. Ich war damals sehr erstaunt über diesen Zettel und sie meinte, dass es die einzige Möglichkeit sei, den Kindern klarzumachen, dass sie auch Pflichten hätten und zwar umschichtig jeder die gleichen Pflichten wegen der Gleichbehandlung 😉

Nunja, meine Tochter ist 19 und so große Probleme wie ihr hatte ich nicht. Aber auch ich war froh (darf man das als Mutter eigentlich sagen :question: ) als sie eine eigene Wohnung hatte. Ab einem gewissen Alter sind die Kinder einfach flügge, das heißt sie können alles, sie wissen alles (besser) und machen sowieso was sie wollen.

Ich persönlich fand jedenfalls, dass ich für meine Tochter im Alter von 17 bis 19 wieder verstärkt darauf achten mußte, dass sie meine Grenzen respektiert, die sie vorher doch mühelos unangetastet gelassen hat.

Ich kann dir nur empfehlen, dass du dich nicht noch weiter zurückziehst und ihr das Feld überlässt. Wenn schon die Frage entweder du oder sie im Raum steht, dann wird es allerhöchste Zeit mal zu klären, wer Frau des Hauses ist und wer Kind. Und wenn sie dann gehen will, dann würde ich sie gehen lassen.

Bei euch hängt ja noch viel mehr mit dran: die jüngeren Geschwister können sich durchaus das Verhalten abgucken und nachahmen. Die Paarbeziehung leidet unter ständigem Streß mit den Kindern.

Last not least: hab ich das richtig gelesen, dass die Große ein Auto fährt? Wer finanziert das? Wenn es ihr zuviel ist, die Geschwister im Auto mitzunehmen und du extra fahren mußt, dann würde ich erstmal das Spritgeld streichen, sofern es von euch finanziert wird.

Robina, ich halte partnerschaftliche Erziehung für die beste von allen. Wenn ein Kind aber zeigt, dass Partnerschaft zur Einbahnstraße geworden ist, dann sollte es auch die Konsequenzen zu spüren bekommen 😉

Liebe Grüße und viel Kraft

eskima


Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist - Indianische Lebensweisheit
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AntwortZitat
Geschrieben : 10.05.2004 12:44
(@diemystiks)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Robina,

wenn sie gehen möchte, dann muss ihr klar gemacht werden, daß sie dann auch Verantwortung für Leben tragen muss. Sie muss wirklich die Grenzen gezeigt bekommen.
Sie ist 18, hat noch 2 Jahre Schule zu bewältigen. Sie kann nicht einfach, weil ihre Beziehung scheiter, dann wieder bei euch auf der Matte stehen.
Ich würde ihr mal klipp und klar sagen, was für einen Keil sie in euer aller Familienleben treibt. Entweder sie bleibt und hält sich an die Mindestregeln oder sie geht und muss sich klar darüber sein, daß sie dann für sich verantwortlich ist.
Stellt ihr doch mal eine Rechnung auf. Was sie für Miete hinlegen muss, für Lebensmittel usw. Dann soll ie sich vor Augen halten ob das alles machbar ist, mit dem Geld, was ihr dann zu Verfügung steht.
Dein möchte sie rausschmeißen, kann ich gut nachvollziehen. Ihr habt doch auch Recht auf ein bischen Harmonie. Stattdessen macht sie euch das Zusammenleben zur Hölle. Vielleicht projeziert sie die Schuld für ihren Lebenslauf auf Euch, aber deswegen kann bei euch nicht alles den Bach hinunter gehen.
Ich würde ihr klar sagen, daß du nicht mehr bereit bist, sich ihrem Terror auszusetzen. Sie soll überlegen was sie will und gleichzeitig auch überlegen, ob das finanzierbar ist. Wenn ihre Beziehung scheitert, muss sie sich dann eben eine preiswertere Wohung für sich suchen und kann nicht wieder mit der offenen Hand vor der Türe stehen.
Sicher hilft man in einer Notsituation trotzdem, aber das muss ihr ja von vornherein nicht klar sein. Ich sehe das so, daß sie zickt, Unfrieden stiftet und da würde ich jetzt mal einen hebel vorschieben.
Klingt vielleicht ein bischen hart, aber auch du hast viel auf dich genommen. Umzüge, von kleiner Familie zur großen Familie und hast einen Mann, mit dem du leben möchtest.
Die Reaktion deines Mannes zeigt doch auch nur, daß er das alles so nicht akzeptieren kann.
Euer Leben würde wieder auf eine Fernbeziehung hinauslaufen oder gar irgendwann dem nicht mehr gewachsen sein. Und wer weiss schon, ob sie dann aufhört mit ihren Zicken?
Ich glaube diese Genugtuung könnte ich ihr nicht geben.
Lieben Gruß
Tina


Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.

AntwortZitat
Geschrieben : 10.05.2004 16:05
(@robina)
Rege dabei Registriert

Hallo Eskima und Tina,

erst mal lieben Dank für Eure Anworten, das hat mir gut getan. Seit zwei Tagen bin ich nur noch in Tränen aufgelöst hier, zum Einen, weil mir das Verhalten des Mädchens sehr weh tut, zum Anderen weil ich mich als totaler Versager fühle.

@ Eskima
So einen Plan hatten wir ja auch, mal abgesehen von dem "Jeder tut mal alles", aber dafür haben sie sich alle selbst die Arbeiten aussuchen dürfen, der Plan wurde unter unserer Anleitung von den Kindern selbst aufgestellt. Das ging eine Weile gut, bis sich eben durch die Unzufriedenheit der Mädchen mit dem Bügeln Unmut einschlich, den wir durch Bezahlung auszugleichen versuchten. Das war dann der Anfang vom Ende. Zum Schluß machten sie kaum noch etwas, jedenfalls nur noch nach mehrfacher persönlicher Aufforderung und dann nur noch unter Protest. Beide Jungs hatten allerdings mehr Verständnis und waren immer hilfsbereiter und einsichtiger. Irgendwann habe ich halt im Frust diesen Plan vernichtet und keinen neuen aufgestellt, die ständigen Zankereien gingen einfach nach einem anstrengenden Arbeitstag über meine Kräfte. Irgendwann habe ich mich eigentlich nur noch mit Bitten an die Jungs gewandt, die zwar auch moserten, aber immerhin doch was taten. Ansonsten hab ich meinen Putzmann gehabt. Hier in Hessen hab ich sowas allerdings nicht, da ich zuhause bin, erwarte ich auch nicht mehr viel Hilfe seitens der Kinder. Für die Älteste heißt es hier nur die beiden Jungs je einmal wöchentlich zum Sport fahren, das andere Mädel muß die beiden Waschbecken im Kinderbad alle zwei Tage säubern (sie benutzt auch das Bad am längsten *g*), die beiden Jungs sind für Müll und Getränkenachschub zuständig. Allerdings hat das Haus hier über 300 qm, so dass schon, auch durch die vielen Gäste, die die Kids einladen, eine Menge Arbeit anfällt.

Ja, unsere Paarbeziehung leidet darunter und zwar enorm. Auf der einen Seite will er sie rausschmeißen und mir damit beweisen, dass er hinter mir steht, letztlich würde er aber daran zerbrechen. Er wandelt so zwischen den Gleisen - ich weiß es nicht besser auszudrücken. Wenn ich mich in seine Lage versetze, kann ich das auch nachvollziehen und verstehen.

Nein, die Große hat kein eigenes Auto - auch ein Punkt, über den es Streit gab. Wir haben ein Familienbus, der mir zur Verfügung steht. Sie kann ihn auch nutzen, sofern er nicht von mir gerad gebraucht wird. Allerdings nicht ständig am WE für ihre Fernbeziehung (eine Strecke 200 km), der Bus ist alt und an eine Anschaffung eines neuen Wagens ist zur Zeit nicht zu denken. Ab und zu erlauben wir ihr schon mal eine Fahrt nach NRW, aber eben nicht ständig, was sie verärgert, denn Zugfahren ist lästig und dauert eben auch viel länger, auch muß sie die Kosten selbst tragen.

@ Tina
Damit, das sie geht, haben wir uns mittlerweile abgefunden. Sie ist nicht zu halten. Eine Rechnung haben wir ihr aufgemacht, uns auch mit den Eltern des Jungen unterhalten, die der Sache genau so skeptisch wie wir gegenüber stehen. Die beiden hatten zunächst vor, sich bei seinen Eltern einzuquartieren - damit waren die aber auch nicht einverstanden. Sie suchen bereits eine Wohnung. Der Junge hat bereits einen Zusatzjob angenommen, unsere Älteste will eventuell ein, zwei Nachmittage die Woche arbeiten. Interessant war die von den beiden aufgemachte Rechung: 160 Euro nur für Benzin und 180 Euro für Lebensmittel, den Rest für die Miete, keine Berücksichtigung fanden Versicherungen, Arztzuzahlungen, Wasch- und Hygienemittel, Pille, Schulbücher etc. pp.

Nun denn, für mich ist es nur so schwer, die Zwischenzeit zu überbrücken und es bleibt die Angst, dass nach ihrer eventuellen Rückkehr alles wieder von vorne beginnt.

Und ja, ich denke schon, dass sie alle Unbill ihres Lebens mit mir in Verbindung bringt - wäre ich nicht gewesen, wäre ihre Beziehung in Bayern nicht auseinander gegangen, wäre ich nicht, dürfte sie immer noch ihre Geschwister als Älteste erziehen (ihr Vater hatte immer weit entfernte Tätigkeiten, somit wurde ihr auch ein Teil der Erziehungsarbeit aufgebürdet, da die Oma sich nicht so recht durchsetzen konnte), wäre ich nicht, würde sie immer noch von der Oma versorgt, deren Lieblingsenkelchen sie war, wäre ich nicht, stände der Wagen zur ihrer alleinigen Verfügung. Das sie die Schule niemals geschafft hätte, ich sie auch von vielem entlaste, das ihrem (damaligen) Alter nach einfach auch zu viel für sie war, sieht sie nicht.

Dem Satz: "Ich bin froh, wenn sie endlich geht!" kann ich mich nicht mehr verschließen - fühle mich aber dabei als der totale Versager.

Robina


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 10.05.2004 17:59
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Robina,

Dem Satz: "Ich bin froh, wenn sie endlich geht!" kann ich mich nicht mehr verschließen - fühle mich aber dabei als der totale Versager.

Ich erzähl einfach mal, wie es bei uns war, vielleicht kannst du dir da was für dich, bzw. euch rausziehen 🙂

Mein Mann und meine Tochter waren zeitweise wie Hund und Katz. Das lag auch mit daran, dass mein Mann sich um seine Kinder regelmäßig kümmert und der Vater meiner Tochter gar keinen Kontakt zuläßt, es war eine gewisse Eifersucht und das Gefühl, die A*schkarte im Leben gezogen zu haben. Sie reagierte deshalb öfter ziemlich krass auf meinen Mann und fand dann das Echo meines Mannes für überzogen, das waren also unsere Hauptprobleme.

Meine Tochter äußerte immer wieder, dass sie eine eigene Wohnung haben will, ich ging mit ihr los und wir schauten uns Wohnungen an. Wir fanden auch eine 30 qm Dachgeschosswohnung, die ihr gefiel. Die Miete wird vom Sozialamt übernommen, solange sie noch zur Schule geht, das haben wir alles gemeinsam geregelt.

Mein Mann hat zusammen mit meiner Tochter die Wohnung renoviert und sich jeden Kommentar auf die Farbwahl verkniffen (und ich weiß, wie schwer ihm das gefallen ist *bg*), dann kam der Tag des Umzugs und mit den Freunden von der Tochter haben wir auch mit angefasst.

Das ganze ist jetzt vier Monate her und es war für alle Beteiligten das Beste, was wir machen konnten. Gleich im ersten Monat hat meine Tochter sich finanziell so verschätzt, dass die Miete zurückgebucht wurde und ich habe mit ihr zusammen das ganze geregelt, das war ihr so peinlich, nicht gleich alleine klargekommen zu sein, dass es seitdem super gut klappt 😉

Das Verhältnis hat sich entspannt und ist wieder sehr gut, wir haben wieder alle drei miteinander ein partnerschaftliches Verhältnis.

Liebe Grüße

eskima


Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist - Indianische Lebensweisheit
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AntwortZitat
Geschrieben : 10.05.2004 20:23