Tochter will nicht ...
 
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Tochter will nicht zum Vater

 
 sahi
(@sahi)
Schon was gesagt Registriert

Hallo Zusammen,

ich weiß eigentlich nicht so recht, wie ich anfangen soll. Im Moment bin ich ziemlich ratlos und hoffe, ihr könnt mir hier ein paar hilfreiche Ratschläge geben.

Also ich bin jetzt seit 3 Jahren alleinerziehende Mama von einer noch 7-jährigen Tochter und einem noch 2-jährigen Sohn. Der Vater der beiden hat mich 2 Wochen nach der Geburt unseres Sohnes verlassen. Meine Tochter war gerade 5 geworden und natürlich auch sehr traurig. Es hat sehr lange gedauert, bis ich mich mit deren Vater auf eine normale Umgangsregelung (14-tägige WE) einigen konnten (u. a. mit Hilfe des Jugendamtes), da er lieber alles so locker wie möglich halten wollte.

Als es endlich einigermaßen gelaufen ist, kam er zurück zu uns. Meine Tochter war natürlich vor Freude auch total aus dem Häuschen. Nach 4 Wochen meinte er dann, für eine Beziehung würde es nicht reichen und hat uns wieder verlassen. Meine Tochter ist damals ganz furchtbar ausgerastet und wollte mit mir nicht mehr sprechen. Sie hat mir die Schuld gegeben, ich hätte nicht alles getan, dass er bleibt. Ich hab damals gedacht, ich müsste mit ihr zum Psychologen, ich wusste erst nicht weiter. Mit der Zeit und mit ganz viel Geduld, hab ich es aber dann doch geschafft, dass sie sich wieder beruhigt. Mit ihrem Vater hat sie nicht gesprochen - ich denke aus Angst, er könnte sie dann nicht mehr holen ?

Etwas später habe ich dann erfahren, dass er eine Freundin hat und es zu dem Zeitpunkt bei den beiden gekrieselt hatte und er ohne sie nicht wusste wohin und deshalb zu uns gekommen ist. Als die beiden sich wieder vertragen haben, hat er uns dann eben wieder verlassen.

Ein Jahr später der selbe Versuch. Nur diesmal wusste ich ja diesmal Bescheid und habe es nicht mehr so weit kommen lassen.

Mit der Zeit hat sich dann unser Verhältnis sehr gebessert. Wir haben viel telefoniert und über unsere Vergangenheit und auch viel über seine neue Beziehung gesprochen (die immer noch mit sehr viel Streß verlief). Wir haben auch sehr viel zusammen mit den Kindern unternommen. Allerdings hat er in dieser Zeit auch mehrmals unsere Tochter enttäuscht, indem er z. B. nicht zum Abholen ihres ersten Zeugnisses kommen wollte (er wollte nicht so früh aufstehen) und auch nicht auf der letzten Weihnachtsfeier erschienen ist, wo die Große in einem Theaterstück mitgespielt hat, einige male hat er auch einfach die Papa-WE ausfallen lassen, weil er was anderes vorhatte.

Dann habe ich mich vor kurzem (leider) wieder in ihn verliebt. Und er war so unglücklich in seiner Beziehung und hat diese dann auch plötzlich beendet. Er hat mir dann die schönsten Liebesschwüre gemacht, mir gesagt, ich wäre die einzig richtige, das wär ihm jetzt erst klar geworden usw usw. Ich hab mich wie blöd gefreut, ihm aber gesagt, dass ich ihm erst wirklich glaube, dass er es ernst meint, wenn er es den Kindern sagt - ich hätte nie geglaubt, er würde sie nochmal so enttäuschen wie vor 2 Jahren.  Er hat es dann auch tatsächlich gemacht. Hat unserer Tochter in Aussicht gestellt, bald wieder ganz bei uns zu wohnen usw.

Keine drei Tage später hat er uns wieder verlassen, für die andere, sozusagen zum dritten mal. Das ist jetzt knapp 3 Wochen her.

Jetzt will meine Tochter nicht mehr mit mir über ihn reden und verweigert den Kontakt zu ihm. Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass sie dies nicht tun soll, nur um mich nicht zu verletzten. Sie sagt, dass sie mich diesmal nicht für schuldig hält und böse auf ihn ist und dass sie deswegen nicht zu ihm will - weil ihr das alles zu weh getan hat.

Jetzt raten mir alle aus meiner Familie / aus meinem Bekanntenkreis, ich solle die Kinder erstmal zur Ruhe kommen lassen, sie jetzt nicht überfordern und den Vater erstmal von ihnen fern halten - vor allem solange unsere Tochter ihn auch nicht sehen möchte.

Seine Familie drängt mich jetzt allerdings, so schnell wie möglich dem Vater wieder Zugang zu seinen Kindern zu verschaffen. Unsere Tochter wäre noch zu jung, um so etwas zu entscheiden und der Kleine bräuchte seinen Vater auch ganz dringend.

Ich selbst weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich weiß für mich selbst, dass ich mich nie wieder mit ihm einlassen werde - um mich und die Kinder vor einer Wiederholung zu schützen. Ich befürchte aber, dass er die beiden wieder durch nicht einhalten der Papa-WE oder Nicht-Teilnahme an wichtigen Ereignissen weiter verletzten wird. Was soll ich jetzt tun - was muss ich jetzt tun?

Bitte helft mir!

Gruß

Sahi


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 13.06.2006 23:46
(@midnightwish)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Hallo Sahi,

willkommen auf VS, der Seite auch für rückfällige Frauen  :wink:.

Zuallererst mach dich frei von Einmischungen der jeweiligen Familien. Beide Großeltern, Tanten- Onkel haben da absolut nix zu sagen und zu tun.

Erstmal ist es völlig normal das deine Tochter wütend und enttäuscht von ihrem Vater ist. Wie geht es denn eurem Sohn dabei?

Du wirst sie auf Dauer aber nicht  vor immer neuen Verletzungen und Enttäuschungen schützen können. Du kannst ihr das Verarbeiten nur erleichtern. Nach all diesem hin- und her, mit neuen Hoffnungen auf deiner eite und der deiner Kinder würde ich dir schon raten, das ihr euch professionelle Hilfe sucht, damit ihr alle das verarbeiten könnt.

Bei den WE steh ich so zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite würde ich auch sagen, wenn sie nicht will, dann soll sie erstmal nicht zu ihm. Auf der anderen Seite halte ich es aber auch für wichtig das sie zu ihm geht (vielleicht nicht mehr das ganze WE vorerst), aber sie muß und sollte sich mit ihm auseinandersetzen und ihre Wut ihm gegenüber auch äußern dürfen. Und er sollte sich seinem Teil der Verantwortung stellen müssen/dürfen.

Ich weiß nicht wie gut deine Tochter schon schreiben kann, abr lass sie doch ihre Gedanken und Fragen, ihre Wut und Enttäuschung mit ihren Worten aufschreiben und dem Vater schicken. Vielleicht wäre das ein Anfang.

LG Tina


Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen

AntwortZitat
Geschrieben : 14.06.2006 00:10
(@schmusepapa)
Registriert

Hallo sahi,

deine Tochter ist "durch den Wind", und du bist es auch. Blöde Situation!

Was ich so herauslese:

Als es endlich einigermaßen gelaufen ist, kam er zurück zu uns. Meine Tochter war natürlich vor Freude auch total aus dem Häuschen. Nach 4 Wochen meinte er dann, für eine Beziehung würde es nicht reichen und hat uns wieder verlassen. Meine Tochter ist damals ganz furchtbar ausgerastet und wollte mit mir nicht mehr sprechen.

Also hat sie wohl ein recht gutes Verhältnis zum Vater. Dass sie so reagiert hat, ist ein Ausdruck ihrer Hilflosigkeit.

Mit der Zeit und mit ganz viel Geduld, hab ich es aber dann doch geschafft, dass sie sich wieder beruhigt. Mit ihrem Vater hat sie nicht gesprochen - ich denke aus Angst, er könnte sie dann nicht mehr holen ?

Du hast es also geschafft, dass sie wieder mit dir redet und auch den Kontakt zum Vater gefördert. Finde ich gut.

Jetzt will meine Tochter nicht mehr mit mir über ihn reden und verweigert den Kontakt zu ihm. Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass sie dies nicht tun soll, nur um mich nicht zu verletzten. Sie sagt, dass sie mich diesmal nicht für schuldig hält und böse auf ihn ist und dass sie deswegen nicht zu ihm will - weil ihr das alles zu weh getan hat.

Jetzt geht dasselbe wieder los - nur jetzt ist er der "Schuldige". Ein Ausdruck der Hilflosigkeit und der Verletztheit des Kindes.

Mein Rat: Lasse dich von niemand beeinflussen. Du triffst die Entscheidungen, weder deine noch seine Verwandtschaft. Nehme evtl. externe Hilfe (Beratungsstellen, Psychologen etc.) zu Hilfe. Den Kontakt jetzt abzubrechen oder auszusetzen, ist der falsche Weg.

Und mache dem Vater klar, dass er zukünftig ein verlässlicher Vater werden muss. Einfach vereinbarte WE's kurzfristig abzusagen, weil er feiern will oder länger schlafen will (nicht muss), gibt es nicht mehr. Arbeite doch einfach eine Umgangsregelung schriftlich aus und versuche, ihn das unterschreiben zu lassen, damit er merkt, dass er eine verlassliche Bindung und einen verlässlichen Umgang zu seiner Tochter herstellen muss.

So wie er mit dir "herumeiert", macht er es auch mit eurer Tochter. Du kannst selbst entscheiden und musst die Konsequenzen tragen. Eure Tochter kann definitiv nicht selbst entscheiden, muss aber die Konsequenzen tragen.

Gruß

Martin


AntwortZitat
Geschrieben : 14.06.2006 00:55
(@taccina)
Registriert

Hallo,

nun ich kann die Tochter verstehen.
Grade in dem Alter brauchen die Kids einen Halt.
Und grade von einer der Personen, welcher sie am meisten vertraut und liebt, wird sie in Folge enttäuscht.

Sorry aber das Handeln des Vaters kann ich nicht nachvollziehen und auch nicht gut heißen.
Wenn er sich nicht sicher ist, ob er nun wirklich bei der Mutter bleiben will oder nicht, warum sagt er es dann den Kids?
Er macht sie so psychisch zum Wrack.

Und so würde ich es dem Vater auch erklären.

Er soll sich mal Gedanken machen, ob er seine eigenen Kinder seelisch kaputt machen will.

Die Kleine würde ich erstmal nicht zwingen zum Vater zu gehen.
Wenn sie nicht will, kann ich das sehr gut verstehen und das hat der Vater sich selber zu zuschreiben.

Eine Möglichkeit den Kontakt bzw das Vertrauen wieder aufzubauen, wäre vielleicht, das sie zwar selber nicht zu ihrem Vater geht , aber der Vater vielleicht zu besuch zu Euch kommt.
So wäre das Mädel in ihrer vertrauten Umgebung und kann selber entscheiden, ob sie lieber in ihrem Zimmer bleibt oder mit dem Vater spielt.

Ich würde da feste Termine einlegen und das dem Vater auch so sagen, das die Termine fest sind und es keine großartigen abweichungen geben darf.
Alles was jetzt noch schief läuft, zieht das Mädel noch mehr von seinem Vater weg.

Wäre das vielleicht eine Möglichkeit?

Liebe Grüße Taccina


Bevor man das Vertrauen eines Menschen mißbraucht, sollte man sich im Klaren darüber sein, das man dann einen Menschen auf dem "Gewissen" hat.
Oder wie würdest Du es finden, Dein ganzes Leben lang nicht mehr wirklich vertrauen zu können?

AntwortZitat
Geschrieben : 14.06.2006 10:20
(@midnightwish)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Eine Möglichkeit den Kontakt bzw das Vertrauen wieder aufzubauen, wäre vielleicht, das sie zwar selber nicht zu ihrem Vater geht , aber der Vater vielleicht zu besuch zu Euch kommt.

Da muß ich Taccina mal widersprechen. Darin sehe ich die Gefahr das die Kinder wieder die Hoffnung haben das der Vater irgendwann doch zurückkommt.

Es muß da ne klare Linie geben an denen sich beide Kinder festhalten können. Eher stundenweise Treffen mit dem Vater irgendwo zum Eis essen oder so. Und eben ganz wichtig, das es feste und verlässliche Termine sind, die der Vater auch einhält. Wenn er sie nicht einhalten kann oder will, muß er das dem Mädchen erklären und nicht die Mutter.

LG Tina


Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen

AntwortZitat
Geschrieben : 14.06.2006 10:50
DeepThought
(@deepthought)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Moin,

dieses Hin und Her hat die Kinder völlig durch den Wind gejagt. Verantwortlich sind beide Eltern. Ich sehe hier nicht nur den KV als denjenigen, der die Situation bessert.

Die Eltern haben sich auf ihrer Ebene vorwurfsfrei zu begegnen und gemeinsam eine Lösung für die Kinder zu erarbeiten. Schaffen sie das nicht aus eigenem Antrieb, muss eine externe Hilfe in Anspruch genommen werden.

DeepThought


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!

AntwortZitat
Geschrieben : 14.06.2006 11:16
 sahi
(@sahi)
Schon was gesagt Registriert

Erst mal danke für eure Antworten.

Die meisten von euch raten, dass ich mir professionelle Hilfe suchen soll. Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Und ich hätte eigentlich auch gerne, dass sich meine Tochter mal mit jemand "Neutralem" unterhält. Jemand, der durch die richtige Art bestimmte Fragen stellen kann, um festzustellen, wie tief ihre Verletzung wirklich ist (Kinderpsychologe?).

Ich muss mir in diesem Fall wirklich eingestehen, dass ich da als Mutter wohl versage. Ich habe einfach das Gefühl, aus ihr nicht wirklich schlau zu werden. Ich habe den Eindruck, dass sie mittlerweile eine richtig gute Schauspielerin geworden ist - zumindest in dem Bereich ihrer Gefühlswelt, in der es um die Trennung/Scheidung/Versöhnung/neue Trennung usw. geht.

Bei ihrem Vater redet sie nie über die Trennung und die ganzen Konsequenzen daraus. Wenn er mit ihr reden will, tut sie immer auf sehr verständnisvoll und tut so, als ob sie das alles so versteht und akzeptiert.  Für ihn gibt es dann auch keinen Grund weiter nachzuhaken, sie sagt es ist alles ok, also ist für ihn das Thema erledigt.

Bei mir widerum kommt es da von ihrer Seite vor, dass sie plötzlich von alleine etwas über das Thema sagen möchte. Egal ob es das ist, wie blöd sie die Trennung findet oder wenn ihr etwas an den Papa-WE nicht passt oder auch, wenn ihr etwas an ihrem Vater nicht passt. Manchmal fängt sie auch einfach nur an zu weinen - das macht sie bei ihm z.B. auch nicht. Ich sage ihr, dass sie diese Dinge direkt mit dem Papa klären muss. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass der Papa glaubt, wenn ich ihm das sage, dass das meine Meinung und nicht ihre ist. Aber dann redet sie lieber gar nicht mehr drüber. Bei ihm macht sie immer nur "schön Wetter".

Vor ein paar Wochen - noch vor der Rückkehr-Aktion ihres Vaters - fragte sie mich, warum ich eigentlich nicht endlich einen neuen Freund hätte. Ich war ganz verdutzt und fragte warum sie plötzlich auf sowas kommt. Sie meinte dann, wenn ich ja einen richtigen Freund hätte, könnten wir ja mit ihm eine neue richtige Familie sein. Wie soll ich sowas verstehen? Denkt sie schon so erwachsen, dass sie meint, ich bräuchte wieder einen Mann um glücklich zu werden (ich habe aber eigentlich nicht das Gefühl, dass ich ihr das Gefühl vermitteln würde, ich wäre so einsam und unglücklich) oder denkt sie mehr an sich und wünscht sich einen immer präsenten "Vater"?

Was mache ich bloß, wenn sie in die Pubertät kommt, wenn ich sie jetzt schon nicht verstehe?

Was ich damit eigentlich sagen wollte, ich würde wirklich gerne mal die Meinung von jemandem hören, der sich da besser auskennt, also ein Psychologe oder so. Er könnte mir dann z. B. sagen, ob ich bis jetzt soweit bei ihr richtig gehandelt habe oder mir vielleicht auch helfen, wenn ich Fehler mache/gemacht habe, die ich im Moment nicht sehen kann.

Dies habe ich heute ihrem Vater vorgeschlagen. Er war total entrüstet und meinte, ich würde das alles doch nur total überbewerten. Er hätte ja immer ein so tolles Verhältnis zu ihr gehabt und glaubt nicht, dass sie nur so reagiert, weil er sie jetzt mal enttäuscht hat. (Zur Erinnerung, das war jetzt bereits das dritte Mal, das er die Familie verlassen hat) Er würde jetzt erstmal mit ihr reden und wenn das nichts hilft, könnte ich immer noch zum Psychologen gehen, wobei er nicht glaubt, dass es überhaupt soweit kommen würde. Er will die beiden Kinder jetzt wieder alle 14 Tage am Wochenende holen kommen und in zwei Wochen auch eine Woche in den Ferien nehmen. (Seit Anfang des Jahres war die Regelung eigentlich alle 3 Wochen ein WE, ab Mai sollte es dann - auf seinen Wunsch - nur noch einmal im Monat sein, weil er an den anderen WE noch nebenbei arbeiten gegangen ist. Den Nebenjob hat hat er jetzt allerdings nicht mehr - und er hat ihn nicht wegen der Kinder aufgegeben, sondern wurde gekündigt.)

Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieser direkte Weg zurück in den "Alltag" das richtige ist - zumal ich glaube, dass meine Tochter auch dieses Mal nicht wirklich mit ihm reden wird und alles einfach so hinnimmt ohne wirklich ihr Innerstes zu zeigen. Mache ich mir jetzt einfach nur zu viele Gedanken? Bewerte ich tatsächlich alles nur über? Oder ist es nicht meine Pflicht, jede Möglichkeit in Betracht zu ziehen, um eventuelle "Schäden" vorzubeugen bzw. zu verarbeiten?


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 15.06.2006 02:18
(@schmusepapa)
Registriert

Hallo sahi,

ich nochmal...

ich versuche jetzt mal "Kind" zu spielen. Alles was ich jetzt sage ist reine Spekulation, es spiegelt auch meine Erfahrungen wieder als Scheidungskind (war damals 13 Jahre alt). Wie gesagt, ich kann mich täuschen, vielleicht helfen Dir meine Ausführungen aber auch weiter.

Ich muss mir in diesem Fall wirklich eingestehen, dass ich da als Mutter wohl versage. Ich habe einfach das Gefühl, aus ihr nicht wirklich schlau zu werden. Ich habe den Eindruck, dass sie mittlerweile eine richtig gute Schauspielerin geworden ist - zumindest in dem Bereich ihrer Gefühlswelt, in der es um die Trennung/Scheidung/Versöhnung/neue Trennung usw. geht.

Ich denke das Kind baut hier eine "Abwehrhaltung" auf, und zwar unbewusst, dies ist auch verständlich in dem Chaos, das du und der Vater geschaffen habt mit Trennung, Versöhnung, kurzfristigem Absagen von Besuchsterminen etc.

Papa ist mal da, mal nicht da, er holt sie mal ab, mal nicht ab - ich denke das Kind hat Verlustängste. Ich weiß auch nicht was der Vater mit der "Kleinen" bespricht und wie die Gespräche ablaufen. Hier ist viel Psychologie im Spiel, und da wir hier die Beteiligten nicht kennen, kann über die Gründe, warum sie mit ihm nicht über die Situation redet, nur spekuliert werden. Nur soviel: Ich konnte mit meinem Vater eigentlich auch nie über meine Probleme / Gedanken reden. Ich habe es dann einfach gelassen - Grund war reiner Selbstschutz. Was soll ich ihm denn meine Gedanken anvertrauen, wenn ich weder Verständnis noch sonst was erhalte und es mir nach diesen Diskussionen schlechter geht als vorher?

Bei mir widerum kommt es da von ihrer Seite vor, dass sie plötzlich von alleine etwas über das Thema sagen möchte. Egal ob es das ist, wie blöd sie die Trennung findet oder wenn ihr etwas an den Papa-WE nicht passt oder auch, wenn ihr etwas an ihrem Vater nicht passt.

Ich denke du hast einfach einen besseren Zugang zum Kind. Sie traut sich einfach nicht, mit ihm darüber zu reden, warum auch immer.

Manchmal fängt sie auch einfach nur an zu weinen - das macht sie bei ihm z.B. auch nicht. Ich sage ihr, dass sie diese Dinge direkt mit dem Papa klären muss.

IMHO liegst du hier völlig falsch. Ich konnte das mit 13 Jahren nicht. Wie das ein Kind mit 7 Jahren schaffen soll, ist mir ein Rätsel.

Vor ein paar Wochen - noch vor der Rückkehr-Aktion ihres Vaters - fragte sie mich, warum ich eigentlich nicht endlich einen neuen Freund hätte. Ich war ganz verdutzt und fragte warum sie plötzlich auf sowas kommt. Sie meinte dann, wenn ich ja einen richtigen Freund hätte, könnten wir ja mit ihm eine neue richtige Familie sein.

Sie hat eine Sehnsucht nach Familie (kenne ich). Die Rückkehr-Aktionen machen ihr Hoffnung, die dann wieder enttäuscht werden. Nun hat sie vermutlich Angst, dass nicht nur das Familienleben, sondern auch der Vater verloren geht.

Dies habe ich heute ihrem Vater vorgeschlagen. Er war total entrüstet und meinte, ich würde das alles doch nur total überbewerten. Er hätte ja immer ein so tolles Verhältnis zu ihr gehabt und glaubt nicht, dass sie nur so reagiert, weil er sie jetzt mal enttäuscht hat. (Zur Erinnerung, das war jetzt bereits das dritte Mal, das er die Familie verlassen hat

Der Vater hat ein sonniges Gemüt und macht sich keine Sorgen. Warum auch? Er kann seine Tochter sehen, kann zwischen Frau und Freundin "pendeln" (fast) so wie er halt will und betrachtet dies als völlig normal. Ich hätte dieses "Spiel" nicht mitgemacht, weder als Frau noch als Freundin. Ich will hier aber keine "Schuldzuweisungen" machen, die Situation ist so wie sie halt ist.

Zitat (von DeepThought):

dieses Hin und Her hat die Kinder völlig durch den Wind gejagt. Verantwortlich sind beide Eltern. Ich sehe hier nicht nur den KV als denjenigen, der die Situation bessert.

Die Eltern haben sich auf ihrer Ebene vorwurfsfrei zu begegnen und gemeinsam eine Lösung für die Kinder zu erarbeiten. Schaffen sie das nicht aus eigenem Antrieb, muss eine externe Hilfe in Anspruch genommen werden.

Ich denke du musst mit dem Vater eine klare Regelung bzgl. Umgang schaffen. Der Ansatz steht ja auch schon in deinem Post:

Er will die beiden Kinder jetzt wieder alle 14 Tage am Wochenende holen kommen und in zwei Wochen auch eine Woche in den Ferien nehmen. (Seit Anfang des Jahres war die Regelung eigentlich alle 3 Wochen ein WE

Ich denke diese Regelung wäre nicht schlecht für die Kinder. Der Umgang muss aber verlässlich stattfinden, eine kurzfristige Absage wegen Festen oder "Ausschlafen" darfst du nicht mehr akzeptieren. Zudem würde ich ihm klarmachen, dass er nicht mehr bei dir "unterkriechen" kann, wenn er mit der Freundin mal wieder Stress hat.

Klappt das nicht, dann externe Hilfe in Anspruch nehmen.

Kinder brauchen eine klare Linie, die fehlt bei dir und dem Vater eures Kindes völlig. Wenn ihr das nicht ändert, bringt auch externe Hilfe nix.

Gruß

Martin


AntwortZitat
Geschrieben : 15.06.2006 14:43
 sahi
(@sahi)
Schon was gesagt Registriert

Da bin ich mal wieder. Und leider bin ich im Moment am Kochen vor Wut und muss mal irgendwo Luft raus lassen.

Bis heute Mittag habe ich noch gedacht, ich könnte hier jetzt auch eigentlich mal was positives schreiben, nach den Entwicklungen der letzten Tage.

Hmm, wo fang ich an??? Also, ich hatte mich mit dem KV darauf geeinigt, dass wir erstmal in Bezug auf unsere Tochter nichts überstürzen, sondern ihr nochwas Zeit lassen. Letzte Woche sagte sie mir dann - auf mein Nachfragen hin -, dass sie jetzt doch mal mit dem Papa reden möchte und das er sie dann ja auch hier erstmal besuchen kommen kann. Und dass sie sich dann - nach unserem Urlaub (9.-23.7.) - überlegt, ob sie wieder zu ihm zu den Papa-Wochenenden gehen will. Also soweit doch schon mal eine gute Wendung, oder?

Ich habe ihm dies dann gesagt und wir haben einen Termin für letzten Freitag ausgemacht. Außerdem hatten wir schon abgesprochen, dass wir es mit den Papa-WE erstmal bei der Anfang des Jahres abgesprochenen 3-Wochen-Regelung belassen - und damit dann nach Absprache mit unserer Tochter Ende diesen Monats nach unserem Urlaub wieder anfangen.

Tja, dann steht meine Tochter letzten Donnerstag morgen auf und macht sich für die Schule fertig und fragt mich dann plötzlich ganz nebenbei, ob denn morgen der Papa kommt. Sie sagte mir dann, dass sie sich eigentlich noch nicht wirklich bereit fühlt mit ihm zu sprechen und ob wir nicht erstmal in Urlaub fahren könnten, bevor sie ihn wieder sieht. Oh man, ich war schon wieder fertig mit den Nerven, weil ich genau gewusst hab, wenn ich das jetzt absage, bin ich wieder Schuld, er würde wieder nur denken, ich hätte sie beeinflusst. Nach der Schule hab ich dann versucht, sie zu überreden und plötzlich sagte sie, dass sie ihn dann eben selber anruft und es ihm sagt - ich dürfe aber nicht dabei sein. Sie hat sich das Telefon geschnappt und ist in ihrem Zimmer verschwunden.  Irgendwann ist dann ihr kleiner Bruder einfach ins Kinderzimmer gestürmt und ich habe gesehen, dass sie am Weinen war. Ich habe mich dann einfach neben sie gesetzt und sie festgehalten. Sie hat nur ganz knapp mit ja und nein auf seine Fragen geantwortet und ihn dann schließlich mir gegeben. Er hat mir dann gesagt, dass sie ihm gesagt hat, er solle noch nicht kommen, er dürfe sie aber mal anrufen und nach den Ferien würde sie auch wahrscheinlich wieder zu ihm kommen. Er war wohl ein wenig geschockt darüber, dass sie so geweint hat und er war damit einverstanden, alles weiter ruhig angehen zu lassen, erstmal mit ihr telefonieren und ihr E-Mails zu schicken und dann nach dem Urlaub den nächsten Schritt zu tun.

Kurze Zeit nach dem Telefonat rief er dann nochmal an. Es wäre ihm so nah gegangen, wie verletzt sie tatsächlich ist. Er hat mir dann gesagt, dass es wahrscheinlich doch eine gute Idee von mir wäre, mal mit ihr zum Kinderpsychologen gehe - da ja doch alles tiefer sitzt als er gedacht hat.

Soweit so gut.

Gestern Abend rief dann seine Mutter an. Unsere Tochter war nicht hier, weil sie woanders übernachtet hat. Sie war enttäuscht, dass sie nicht mit ihr sprechen konnte und sagte, sie könne nicht verstehen, warum unsere Tochter das Treffen mit ihrem Papa abgesagt hat, schließlich hätte sie ihr ja gesagt, sie wird mit ihm reden (die tatsächliche Antwort auf die Frage, ob sie mit dem Papa reden wird, war aber nur "vielleicht"). Zudem hat sie mir dann klar gemacht, dass ich nicht mehr mit den Kindern zu ihnen kommen darf. Mit mir ginge das nicht, die Kinder kommen nur noch mit dem Papa zu den Großeltern und ob der Papa mir das schon gesagt hätte. Ich wusste davon noch nichts.

Ich bin also davon ausgegangen, dass sie ihn wieder irgendwie bearbeitet haben und unsere Abmachungen wieder mal hinfällig waren - er gehört nämlich zu den Menschen, die ständig ihre Meinung ändern, je nachdem wer ihnen was einbleut. Ans Telefon und Handy ist er nicht gegangen, also hab ich ihm gestern Abend noch eine SMS geschickt und ihn gefragt, ob es immer noch alles beim Alten wär.

Heute Mittag rief er mich dann auf Handy an - ich war im Büro. Wie ich darauf käme, dass er seine Meinung geändert hätte, es wäre immer noch alles beim Stand vom letzten Freitag. Er würde sich diese Woche wieder bei Julia melden und mit ihr telefonieren. Ich hab ihm von dem Telefonat mit seiner Mutter erzählt und er sagte, er hätte zwar mit ihnen gesprochen, aber es wäre alles ganz alleine eine Sache zwischen ihm und mir und er würde sich von keinem reinreden lassen.

Ok Ok, doch alles in Ordnung.

Kurz vor Feierabend rief mich dann plötzlich meine Mutter im Büro an. Ob ich denn wüsste, dass er bei meiner Tante und den Kindern wär und jetzt mit unserer Tochter rüber in meine Wohnung wär, weil er das Zeugnis von ihr sehen wollte (meine Tante hat einen Schlüssel von meiner Wohnung und sich nicht getraut, nein zu sagen). Ich bin fast umgefallen. Keine 3 Stunden vorher sagte er noch, wir machen alles so wie besprochen, keinen Druck auf die Große usw und jetzt steht der plötzlich in meiner Wohnung - ohne mich und vor allem ohne mich zu fragen!

Unsere Tochter hat sich wohl sogar etwas gefreut den Papa zu sehen, muss dann aber auch bei dem Gespräch mit ihm bei meiner Tante viel geweint haben. Mir hat sie eben einen Teil von dem erzählt, was er ihr gesagt hat. Er hat ihr u.a. versprochen, zukünftig bei besonderen Anlässen z. B. von der Schule oder ihren Vereinen dabei zu sein - oh man, er verspricht schon wieder was, ich kotze!!! Aber egal, sie war sehr aufgewühlt von dem Treffen, möchte aber weiterhin nach unserem Urlaub auch wieder zu den Papa-WE. Ok, ich will ja nicht abstreiten, dass der plötzliche Besuch so verkehrt war. Aber darf er das einfach, ohne mich zu fragen???? Und vor allem dann, wenn ich nicht mal da bin????

Und darf er einfach in meine Wohnung??? Ich habe dann bei mir zuhause angerufen und ihn gefragt, was ihm einfällt, bei mir zuhause zu sein, dass ich nicht will, dass er meine Wohnung betritt, schon gar nicht wenn ich nicht da bin´und ob wir uns nicht mittags noch einig über die weitere Vorgehensweise gewesen wären. Er meinte nur, er wär ja schließlich kein Fremder und ich solle mich nicht so anstellen. Ich wär ja krank, weil ich mich jetzt so aufrege. Aber er ist derjenige, der gesagt hat, ich dürfe ihn nur noch kontaktieren, wenn es tatsächlich um die Kinder geht, sein gesamtes Privatleben wäre für mich tabu, es ginge mich nichts an - und er darf einfach in meinem Rumtrampeln, wie er es will???????????? Meine Wohnung ist doch meine Privatsphäre und nachdem er mich so verarscht hat, hatte ich mir geschworen, dass er sie nie wieder betreten wird, das er nie wieder zu nah an mein Privatleben kommt.

Habe ich - nur weil ich Mutter von zwei Kindern bin - kein Recht auf ein eigenes Privatleben, sind meine Gefühle egal???? Darf ich nicht auch mal an mich denken???? Bin ich dazu verpflichtet, mein ganzes Leben nach ihm zu richten??? Muss ich alle meine Termine verschieben, nur weil er was will (wie er das erste mal mit mir über die Kinder reden wollte, musste das auch sofort sein, ihm war es egal, dass ich arbeiten war und die Tage darauf auch schon was vorhatte, ich hab einfach zu springen, wenn er Zeit hat!)

Es hat mich echt sehr viel Überwindung gekostet, weiter mit ihm in Kontakt zu bleiben. Ich habe mir die ganze Zeit gesagt, du musst wegen der Kinder. Ich habe sogar versucht, unsere Tochter zu überreden, mit ihm zu reden, obwohl ich am liebesten auswandern würde, um ihn nie wieder sehen zu müssen. Ich verstelle mich die ganze Zeit, damit niemand mitbekommt, wie es tatsächlich in mir aussieht. Aber langsam frage ich mich, wie weit ich mich selber aufgeben muss, nur weil ich Mama bin???? Ich könnte einfach nur noch kotzen und mein Magen hat sich auch schon mehrfach gedreht. Ich versuche wirklich alles zum Wohle meiner Kinder zu tun. Ich verzichte auf so vieles, nur um ihnen eine Freude machen zu können. Aber muss ich auch noch auf mein Gefühlsleben verzichten??? Ich reiße mich schon so viel zusammen, aber ich kann nicht mehr.

Ich versuche ja klare Regeln zu schaffen, klare Absprachen zu treffen. Aber wofür? Er sagt zu allem ja und Amen und tut dann doch etwas anderes.

Ich will nicht mehr!!!


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 26.06.2006 22:32