Ein bemerkenswertes Essay von Spiegel-Kolumnistin Silke Burmester über die aktuelle Kinderporno-Hysterie, die Gefahr, in jedem Vater, der mit seinen Kindern badet oder diese am Strand fotografiert, gleich einen Pädophilen zu vermuten und Kindern für ihre eigene Körperlichkeit wieder ein Gefühl zu vermitteln, das an die verklemmten 50er Jahre erinnert: HIER.
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Sehr guter Artikel.
Jetzt wird wieder zur Hexenjagd geblasen und jeder der nicht sofort für blinden Aktionismus ist, wird als Pädophilensympathisant verdächtigt. Oder mehr.
Dabei ist Pädophilie in keiner Weise strafbar.
Die Misshandlung von Kindern ist strafbar.
Wenn jemand schon auf den Scheiterhaufen gestellt wird, nur weil er die Neigung hat kann auch jeden Mann dazu stellen, der Neigung zu Frauen hat.
Und nein. Sexuelle Erregung ist keine Vergewaltigung.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Moin Beppo,
so sehe ich das auch. Verhindert werden muss unter allen Umständen alles, was Kinder schädigt, in ihrer Entwicklung beeinträchtigt oder ihr Vertrauen zu - beispielsweise - Familienmitgliedern untergräbt. Das Ganze aber bitte mit Augenmass und ohne Kindern zu vermitteln, dass alles, was mit dem eigenen Körper zu tun hat, automatisch schmutzig und jeder Erwachsene ein potenzieller Feind und Kinderschänder sei.
Der Wahn, jetzt auch noch kontrollieren und verbieten zu wollen, was den einzelnen sexuell "erregt", ist krank. Wenn erwachsene Menschen sich auf die (ohne Zweifel künstlerisch hochwertigen) Aktfotos eines Helmut Newton oder Robert Mapplethorpe einen runterholen, ist das ebenfalls nichts, was die Abgebildeten in irgendeiner Weise schädigt oder beeinträchtigt; sie bekommen es nicht einmal mit. Man muss es weder verhindern noch unter Strafe stellen, und eine Vergewaltigung ist es auch nicht.
Abgesehen davon hat heute fast jeder ein Smartphone in der Tasche und - sobald die Dinger bezahlbar sind, also bald - auch ein Google Glass auf der Nase. Millionen von Deutschen sind daueronline und "verfacebooken" oder "vertwittern" ihr gesamtes Leben. Wo wollen die "alles verbieten"-Befürworter da denn bitte ansetzen, ohne praktisch jeden Bundesbürger unter Generalverdacht zu stellen? Waren 40 Jahre DDR nicht genug?
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Sexuelle Erregung ist keine Vergewaltigung.
Sexuelle Erregung und sexuelle Erregung können zweierlei sein.
Wer seine eigene sexuelle Erregung stillvergnügt genießt und sie als "Angebot" für interessierte Mitmenschen diskret kommuniziert, wird fast immer auf interessierte "Mitspieler/innen" stoßen. Weil solche "Angebote" freibleibend und ohne Zwang beim Gegenüber ankommen und ebenso gut ignoriert werden können. Ebenso, wie man das verführerische Angebot von Köchen, Maßschneidern oder anderen Produzenten von Konsum- oder Luxusgütern ignorieren oder bedauernd ablehnen oder mit Vergnügen annehmen kann.
Wer seine eigene sexuelle Erregung als inneren Zwang, als quälendes Bedürfnis erlebt, wer sein Not verbal und nonverbal sehr direkt als "Forderung" kommuniziert, wird sogar dort auf Ablehnung stoßen, wo tendenziell (siehe oben) eine innere Bereitschaft zum "Mitspielen" gewesen wäre.
In der Außensicht, als Gegenüber spürt jeder gesunde erwachsene Mann und jede gesunde erwachsene Frau sehr genau den Unterschied zwischen einem souveränen, spielerischen Flirt der zwanglos und einvernehmlich dort endet, wo einer von beiden "STOP" signalisiert oder einer notgeilen, zwanghaften Anmache, die weder ein "JETZT NICHT" noch ein "MIT DIR NICHT" entspannt akzeptieren kann, sondern jedes "STOP"-Signal als persönliche Kränkung und Schmerz erlebt.
Menschen, die ihre sexuelle Lust nach dem ersten Erregungsmuster erleben - als ein Geschenk der Natur, das sie selbst genießen und gern mit anderen teilen - wirken auf ihre Mitspieler ganz unabhängig vom Alter und der persönlichen Fitness anziehend. Sie haben i.d.R. ein gutes Körper- und Selbstwertgefühl, das sich auch in angemessener Körperhygiene und einer humorvollen Ausstrahlung zeigt.
Menschen, die ihre Lust nach dem zweiten Erregungsmuster erleben - als Makel und Mangel, als Zwang und innere Not - die sie zugleich beschämt und fordernd ausdrücken, geben sich oft übertriebene Mühe mit Sport und Diäten, Kosmetik und Mode, achten sehr auf Äußerlichkeiten und taxieren potentielle "Opfer" ihrer als unsauber verachteten Gelüste - ebenso wie sich selbst - akribisch auf deren Marktwert. Ihre grundlegende Neigung, die eigene Lust zu entwerten und zu erleiden, lässt sie mit einer Mischung aus Neid und Verachtung auf jene schauen, die das Liebesspiel spielerisch und freudig genießen können.
Ob der Flirt von zwei Menschen in spielerischer, genießerischer Stimmung nach einer kurzen gemeinsamen Zugfahrt mit einem Lächeln endet oder nach 60jähriger Ehe mit einem kurzen Witwer-/Witwenstand (weil der/die Überlebende den Verlust des/der Geliebten nicht lange erträgt) hängt davon ab, wer an welcher Stelle "STOP" gesagt hat. Diesen Menschen ist in jedem Augenblick klar, dass geteilte Lust doppelte Lust ist und dass sie selbst ebenso wie ein beliebiges Gegenüber (Pflanze, Tier oder Mensch) kostbare Geschenke des Lebens an eine unwiederholbare Gegenwart sind. Widerwillig erbrachte sexuelle Dienstleistungen sind für diese Menschen ebenso unerotisch, wie das zwanghafte Aufdrängen eines ungestillten Bedürfnisses.
Entlang dieser Grenze inneren Erlebens (als Geschenk oder als Qual) und vor allem des einvernehmlichen Respekts vor verbalen oder non-verbalen "STOP"-Signalen bewegt sich die Frage, ob Sexualität und Gewalt zusammen passen. Ich erinnere mich, dass ich schon als 3- oder 4-Jährige meine Klitoris als "Geschenk" der Natur entdeckt hatte. Als unschuldiges, kindliches Vergnügen. So, wie das Schaukeln, das Klettern auf Bäume, das Radfahren oder das Schwimmen. So, wie gutes Essen, eine spannende Gut-Nacht-Geschichte oder Begegnungen mit Tieren. Ein Geschenk des Lebens an die Gegenwart.
Zugleich war mir beigebracht worden, dass Erwachsene nicht mit meinem Körper spielen dürfen. Ärztliche Untersuchungen oder Maßnahmen der Körperpflege waren erlaubt und notwendig. Herumspielen war nur mir selbst erlaubt. "Wenn du erwachsen bist, darfst du dir selbst aussuchen, wer mit dir daran spielen darf. Es ist wichtig, dass beide erwachsen sind und daran Freude haben." wusste ich schon vor der Einschulung. In der Pubertät oder Vorpubertät hätte ich mir eher die Zunge abgebissen, als solche Dinge mit meinen Eltern zu diskutieren. Im Vorschul- und Grundschulalter waren solche Themen für meine Schwester und mich ebenso spannend wie Astronomie, Tierhaltung oder Gartenarbeit. Im Zusammenhang mit Tierhaltung und Gartenarbeit war in unserer Familie auch früh klar, dass da, wo männliches und weibliches Erbgut vereint wird, Blüten, Früchte, Jungtiere und Babies entstehen können.
Auch war uns aus gegebenem Anlass (Verhaftung eines Kinderschänders in der Nachbarschaft) erklärt worden, dass es "arme Menschen" gibt, die keine Lust haben, das Liebesspiel mit anderen Erwachsenen zu spielen, sondern Freude daran haben, dem Anderen wehzutun und Angst zu machen.
Dass es solche bedauernswerten Zeitgenossen gibt, war sowohl meiner Schwester als auch mir schon im ersten Kindergartenjahr klar. In jeder Gruppe gibt es Menschen, vor denen man sich lieber in Acht nimmt, weil sie Freude daran haben, ihre Mitmenschen oder Tiere zu quälen und in Angst und Schrecken zu versetzen. Das kann ein anderes Kind oder die Gruppenleiterin sein, es kann der Nachbar oder ein Fremder sein, der Onkel oder oder die Grundschullehrerin.
Das gemeinsame Moment bei diesen Leuten ist nicht ihre "ungezügelte" oder "perverse" Sexualität, sondern die Freude an eigener Macht und dem Schmerz, der Angst und dem Ekel des Gegenübers. Mit wem man es zu tun hat, spürt man als potentielles Opfer erst dann, wenn der Andere die Gelegenheit bekommt, seine Überlegenheit auszuspielen. Sexuelle Handlungen an einem widerwilligen, eingeschüchterten oder mit Gewalt gefügig gemachten Gegenüber ist dabei nur eine mögliche Variante für Menschenschinder, ihrer bösartigen Neigung Ausdruck zu verleihen. Mobbing, Prügel, Folter oder finanzielle Ausbeutung sind ebenso wirksam.
Allerdings lässt unsere kulturelle Prägung manche Zumutung als "normal" erscheinen, die unter umgekehrten Vorzeichen als unzumutbar erlebt würde.
Gewalt mpMn genau da an, wo "STOP"-Signale nicht wahrgenommen und beachtet werden.
Schönen Sonntag noch 🙂 Biggi
Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)
Du hast wieder mal kluge Worte gefunden.
Dennoch kommt es für eine Schuld immer darauf an, dass man eine Tat verübt und nicht, wie weit auch immer gereifte, Gedanke daran hat.
Gesinnungsschnüffelei sollten wir hinter uns haben und die Freiheit der sexuellen Ausrichtung umfasst wohl nicht nur Heteros und Homos.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Moin,
eine aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft muss die Freiheit der Gedanken schon aushalten; ebenso die Vorstellung, hierüber keine Kontrolle ausüben zu können. Ich persönlich habe kein Problem mit einem Pädophilen, der sich nur irgendwelche "Poser-Fotos" oder anderer Leute Urlaubsbilder anschaut; selbst wenn ihm dabei einer abgeht. Erst wenn er selbst Kinder verfolgt und missbraucht oder mit seiner finanziellen Nachfrage dazu beiträgt, dass andere das in seinem Auftrag tun, wird die Grenze überschritten. Vorher tangiert seine Neigung niemanden.
Haben wir nicht alle in unserer Pubertät feuchte Träume gehabt angesichts der Damen-Unterwäsche-Seiten im Neckermann-Katalog? Und war das nicht trotzdem ein himmelweiter Unterschied zu einer Vergewaltigung oder auch nur respektlosem Verhalten irgendwelchen Frauen gegenüber?
Selbst, wenn jemand die Phantasie hat, einen anderen Menschen zu töten (sei es aus kannibalistischen Gelüsten oder einfach, weil es sich dabei um die Ehefrau handelt, die dem neuen Leben mit der Geliebten im Wege steht), ist das so lange kein Straftatbestand wie er es sich nur vorstellt, darüber nachdenkt, es aufschreibt, ein Bild davon malt etc. Erst wenn er die Phantasie in die Tat umsetzt oder jemanden damit beauftragt wird's kriminell.
Ich kann @Beppo nur zustimmen:
Gesinnungsschnüffelei sollten wir hinter uns haben
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo
Da würde wohl gerne der Eine oder Andere die Präkognition ala "Minority Report" (Film mit Tom Cruise") nutzen und einfach mal den "Gedanken" mit einer Strafbarkeit belegen.
Erinnert stark an eine Zeit, als Homosexualität, diverse Krankheiten oder schlicht die falsche Abstammung dazu ausreichte, jemandem ein Mal zu verpassen und ein one way Ticket mit dem Viehwaggon zu buchen.
Jemmy
Die Lüge wird nicht zur Wahrheit, weil sie sich ausbreitet und Anklang findet. (Mahatma Ghandy)
Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen (Edmund Burke).
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