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Kinderarbeit

 
(@kasper)
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Ich möchte den folgenden Artikel vorerst unkommentiert zur diskussion stellen:

quelle:
http://www.n24.de/politik/inland/index.php/a2005111508583362848

Kinderarbeit "made in Germany"
Von Elke Silberer

Der Buggy ist schwer. Das kleine Mädchen hat Mühe, die Räder über den Bordstein zu heben, ohne dass der Stapel mit Wurfprospekten herausfällt. Mit bekümmerter Miene steuert das Kind ein Mehrfamilienhaus an und beginnt, die Zettel zu falten und in die Briefkästen zu stecken. Es ist später Nachmittag, und andere Kinder in dem Alter haben wohl schon Hausaufgaben gemacht und spielen jetzt mit Freunden. Das Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, wird noch einige Zeit unterwegs sein, bis alle Zettel in Briefkästen verschwunden sind.

Es sind Momentaufnahmen wie diese in Aachen, die Fachleute in Kinderschutzorganisationen und Sozialverbänden mit zunehmender Sorge betrachten. Für sie mehren sich die Anzeichen, dass Kinderarmut ein Nährboden für Kinderarbeit ist, dass selbst Kinder unter 13 Jahren gesetzeswidrig Jobs annehmen, weil zu Hause die Kasse leer ist. Sie arbeiten, weil sie sonst kein Taschengeld hätten, um sich Kleidung zu kaufen oder die Familie zu unterstützen.

Alltag in vielen armen Familien

«Noch ist Kinderarbeit ein Tabuthema», meint der Pressesprecher des Kinderhilfswerkes, Michael Kruse. Doch für ihn gehört das Thema zweifellos zum Lebensalltag von vielen Kindern aus armen Familien. «Es gibt Kinderarbeit in Deutschland. Wir haben Hinweise aus der Bevölkerung, dass Kinder arbeiten», sagt er. Auf dem Weg zur Toilette entdecken Gäste Kinder, die in Küchen helfen, Anwohner sehen Kinder beim Austragen von Zeitungen oder Prospekten.

«Zeitungsaustragen, um sich wenigstens ein Taschengeld zu verdienen, gehört heute oft zum Alltagsbild überschuldeter Familien», bestätigt auch Elisabeth Steigels, Caritas-Schuldnerberaterin im Bistum Aachen. Über Einzelheiten sprechen Eltern ungern, wahrscheinlich aus Scham. So gibt es wenig aktuelle Erkenntnisse darüber, wie viele Kinder und Jugendliche welche Jobs annehmen und wofür sie das Geld brauchen.

Schmalhans Küchenmeister

«Hartz IV hat dazu geführt, dass Schmalhans Küchenmeister in mehr Familien geworden ist. Familien müssen das kompensieren», stellt der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge fest. Er kann sich vorstellen, dass Kinderarbeit ein Teil der Strategie geworden ist. Aber auch die Wissenschaft hat noch keine handfesten Zahlen für diese Vermutung.

Die Armutsquote von Kindern und Jugendlichen ist laut Bundesregierung in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen. Rund 1,1 Millionen Kinder sind von Sozialhilfe abhängig, Kinderschutzorganisationen und Armutsforscher sprechen sogar von zwei bis drei Millionen armen Kindern.

In der Not wird das Gesetz übertreten

«Wenn Familien in großer Not sind, fragen sie nicht mehr, ob das mit den Jugendschutzbestimmungen im Einklang steht, sondern sagen: Helft mit», sagt Butterwegge. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet Kinderarbeit unter 15 Jahren. Ab 13 Jahre dürfen Kinder aber ihr Taschengeld aufbessern, etwa durch das Austragen von Zeitungen, Botengänge oder Babysitten.

Wer ein Kind arbeiten sieht und Zweifel hat, sollte sich einmischen, meint Michael Kruse vom Kinderhilfswerk. «Ich kann nur appellieren, die Kinder anzusprechen und dann auch die Verantwortlichen.» (dpa)


Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht Ändern kann, den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Zitat
Themenstarter Geschrieben : 15.11.2005 12:25
DeepThought
(@deepthought)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Moin,

dieses Bild kann ich bestätigen.

Hier im maritimen Kiel wohne ich in einem, um es positiv zu formulieren, nicht ganz so einfachen und interkulturellen Stadtteil; die Bürger haben ausnahmslos freie Zeit. Und es gehört hier zum Stadtbild, dass Kinder im Alter von 8 Jahren und jünger mit ihren kleineren Geschwistern zum Spielplatz oder Einkaufen gehen, die zeitungsaustragenden Kinder sind "normal".

Die Gründe sind vielschichtig. Hier sind es vornehmlich die stets volltrunkenen Eltern, die in ihrer ganz eigenen Art ihre Kinder motivieren. Selbst zu demoliert für Tätigkeiten dieser Art nutzen sie ihre Kinder schamlos aus. Denn, es sind immer die Eltern, die diese Jobs annehmen und ihre Kinder dann losschicken. Ich würde es nie wagen, die Kinder oder deren Eltern anzusprechen. Mit einer Stichverletzung in z.B. einem der beiden Lungelflügen lebt es sich bekanntlich nicht so prall.

JA und Streetworker hegen, wie ich in persönlichen Gesprächen erfuhr, identische Vorbehalte.

Den Kindern zu helfen würde nur über das Herausnehmen aus der Familie gehen. Und da traut sich keiner ran, das wäre zu teuer. Zudem: Gelder, die die Kinder, heranschaffen, würden dann nicht durch die Eltern eingenommen werden, der Staat hätte höhere Leistungen zu zahlen.

Aber mal den Gedanken aus einer anderen Richtung angefasst: Wo fängt Kinderarbeit an, wo hört Mithilfe im elterlichen Betrieb (z.B. bei Landwirten) auf? Ist Kinderarbeit nur daran festzumachen, dass das Geld außerhalb der Familie verdient wird? Sicherte früher die Vollbeschäftigung eines Elternteiles das ausreichende Einkommen der Familie, so muss heute mind. eine Teilzeitstelle noch her. Künftig wird die Arbeit der Kinder und das hierdurch erzielte Einkommen fester Bestandteil der Budgetplanung (auch der des Staates !!) sein.

DeepThought


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!

AntwortZitat
Geschrieben : 15.11.2005 13:04
 Uli
(@Uli)

Ich denke, man muss aufpassen, nicht alles in eine Schublade zu stecken. Es ist sicher richtig, dass Kinder unter 15/16 Jahren nicht in "gewerbsmäßige" Beschäftigungsverhältnisse gehören, um die Hartz IV-Lücke in der Familie zu schließen.

Gegen ein Austragen von Zeitungen und Prospekten, Babysitten, Hundausführen etc. habe ich nichts einzuwänden. Ganz im Gegenteil. Kinder merken, dass man sich den "Wohlstand" erarbeiten muss. Ich habe als Schüler bis in das Studium hinein Zeitungen ausgetragen. Ich hatte manchmal weniger Zeit als andere - aber ich hatte mehr Geld. Vor allem aber habe ich dadurch gelernt, dass ich, bevor ich die Hand aufhalte, erst mal schaue, was ich für mich tun kann.

LG Uli


AntwortZitat
Geschrieben : 15.11.2005 13:06