Erdrückende Langeweile
Über die andere Seite des Mutterglücks
VON SABINE REICHEL
Die meisten Mütter kennen, was Kate Winslet als verheiratete, gut situierte Vollmutter Sarah mit einer vierjährigen Tochter täglich auf dem Spielplatz überfällt: erdrückende Langeweile - von Frustration ganz zu schweigen. Die sinnliche Vorstadt-Mutter sehnt sich nach ihrem alten Beruf, nach Stimulanz und Abenteuer; aber sie hat den Alltags-Blues und einen knitterigen alten Lustmolch als Ehemann, der Pornos aus dem Internet herunterlädt und masturbiert. ...
>Berliner Zeitung, 21.04.2007 <
Hi Uli!
Ich kann nur von mir sagen: ich bin arbeitend die bessere Mutter.
Nicht nur, dass der finanzielle Druck gemildert ist, hat mir auch die Tatsache, dass meine einzige erwachsene Gesprächspartnerin im Babyalter meines Sohnes die Verkäuferin bei Lidl war, extrem zugesetzt. Dazu kam noch, dass ich mit Baby fernab der Heimat festsaß, kein Freundeskreis, Mutter weit weg... Dazu kommt noch, dass mich das ewige Autos übers Laminatgeschiebe völlig mürbe gemacht hat und ich mich körperlich ausgelaugt und seelisch nicht gefordert vorkam.
Jetzt habe ich zwar doppelt so viel zu leisten, aber insgesamt bin ich wesentlich ausgeglichener. Wenn ich dann mal frei habe, genieße ich es abzuhängen, gehe auch gerne auf den Spielplatz, aber 100% nur Kind und das rund um die Uhr - no way für mich.
Dazu kommt noch, dass ich persönlich meine, ich bin nicht 13 Jahre zur Schule gegangen, habe studiert, gearbeitet, um dann am Kochtopf zu versauern. Nichtsdestotrotz finde ich es auch in Ordnung, wenn Frauen (oder auch Männer :wink:) Vollzeithausfrau (-mann) sein WOLLEN. ICH will es jedenfalls nicht und das obwohl mir selbst noch genau dieses Rollenbild vorgelebt wurde.
Und was die Entwicklung eines Kindes angeht, stimme ich der Beitragschreiberin in Ansätzen zu:
Mag es Kinder geben, die sich erst spät von der Mutter lösen, grundsätzlich denke ich aber, dass eine qualitativ gute Fremdbetreuung mitnichten "schädlich" ist. Lausebacke hat mit Beginn der Krippenzeit einen immensen Sprung gemacht. Und auch die neue Kita hat ihm ein sehr gut entwickeltes Sozialverhalten und sehr gute kognitive Entwicklung bestätigt. Ich maße mir nicht an, dafür allein verantwortlich zu sein. Ganz im Gegenteil, ohne die Kita wären vielleicht Dinge verkümmert, die ich nicht hätte leisten können. Aber 100% Kindbespaßung zu sein halte auch ich nicht für förderlich. Kinder sind der Mittelpunkt im Leben ihrer Eltern, aber das muss man ihnen nicht von 0-24 Uhr auf die Nase binden.
So schön es ist, ein Baby zu bekommen, es zu betreuen, zu lieben, großzuziehen, diese Erfahrung bedeutet eine absolute Vollbremsung mit anschließender 180°-Veränderung im Leben eines Elternteils, das aus dem Beruf aussteigt und zu Hause bleibt. Das einfach mit einem Lächeln und 100% Zufriedenheit abzutun ist m. E. zu viel verlangt.
Übrigens versuche auch ich meinen Sohn bedürfnisorientiert zu erziehen und ihn und seine Wünsche, Pläne und Möglichkeiten zu achten. Allerdings im Rahmen der familiären und persönlichen Interessen aller anderen Personen.
Ich bin der Meinung, dass unsere heutigen Ansprüche an unsere Rollen als Mütter, Frauen, Geliebte, Hausfrauen, Arbeitnehmerinnen (und dito für Männer) sind wesentlich höher, als sie das noch vor 30 Jahren waren. Das macht es wahrscheinlich auch so kompliziert irgendwann mal das Gefühl von Zufriedenheit und Zielerreichung zu fühlen. Vielleicht erspart es uns aber auch das Gefühl der Leere, wenn eine dieser Rollen mal wegbricht.
Ach so. Und wenn ich Single wäre und auf einem Kinderspielplatz auf einen Single-Papa treffen würde... Na halt die Frau fest. *grins*
GLG LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Hallöchen zusammen,
mir fällt dazu eigentlich nur ein, daß ich mir zur Zeit mal EINEN Tag Langeweile wünsche.
LG
Tina
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.
:rofl2:
Was mich wieder zu meiner Signatur bringt
:rofl2:
LG LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Moin,
boah, wie gruselig, vor allem auch die Einleitung über den Mann...
Da gefällt mir doch der letzte Abschnitt wesentlich besser:
Die Harmonie und das Glück für alle, nach dem so verzweifelt gesucht wird, liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Und die heißt Freude und Lachen mit den lieben Kleinen, aber auch Langeweile, SpongeBob SquarePants, Schreianfälle vorm Süßwarenregal, Barbies und Kinderschokolade.
Gruß
eskima
da gehört schon ne menge ehrlichkeit einer mutter dazu,
wenn sie zugibt, dass ihr das leben und die fürsorge für
ein kind oder mehrere öftrers mal "Langeweile" bereitet.
weiß nicht, wie es wäre, wenn ich mit meiner tochter 24 stunden
am tag zusammen leben würde,
aber ich würde es ganz gerne rausfinden.
da gehört schon ne menge ehrlichkeit einer mutter dazu,
wenn sie zugibt, dass ihr das leben und die fürsorge für
ein kind oder mehrere öftrers mal "Langeweile" bereitet.
Moin,
was gehört denn da groß an Ehrlichkeit dazu? :erstaunt039:
Ist doch Mainstream!
Haddock
ich erleb das eher so, dass von müttern erwartet wird,
dass das das größte glück und die tollste leidenschaft
für sie sein muss, sich möglichst viel um ihr kind
zu kümmern.

