Ich bekomme ja so allerlei E-Mails mit der Bitte, dies oder das hier zu veröffentlichen. Meist passt es ganz zu unserem Thema und ich komme der Bitte gern nach. Nun erreichte mich vor einigen Tagen eine E-Mail und beim Lesen dachte ich: "Wow, da wird über werdende Väter nachgedacht und ordentlich in der Tipps-und-Tricks-Kiste gebuddelt."
Ich habe mir dann das, ähem, eBook gezogen und gelesen. Hätte ich nicht machen sollen, war nicht gut für meinen Blutdruck. Ihr findet es unter http://www.doppelherz-schwangerschaft.de/vater-werden-leicht-gemacht.html und solltet es mal lesen.
Heute sah ich mich dann gemütsmäßig in der Lage, eine Antwort zu schreiben:
Sehr geehrter Herr ...,
meine Antwort ließ etwas auf sich warten – und das aus gutem Grund.
Mein Entsetzen über Ihre „Broschüre“ hatte einige Tage meine gute Erziehung nieder gerungen und eine frühere Antwort wäre mit unangemessener Wortwahl getroffen worden. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis mir den Worten zu beginnen: „Merken Sie’s eigentlich noch?“
Sie selbst schreiben: „wie sich Väter auf die Geburt vorbereiten können“. Das weckt Erwartungen und auch die Hoffnung, dass sich qualifiziert mit der Situation und Gemütsverfassung, den Ängsten, Sorgen und Freuden des werdenden Vaters auseinandergesetzt wird.
Dem ist jedoch nicht so.
Die ersten Seiten handeln ausschließlich von Erklärungen, wie und warum es der Mutter so geht, wie es gerade ist und wie der Vater sie unterstützen kann. Die Befindlichkeit des Vaters wird von Ihnen vollständig ausgeblendet, der Vater zum Handlanger degradiert.
Lediglich im Schlussakkord kommt die Rolle des Vaters als Ernährer zum Tragen und kratzt am Thema Elternzeit für Väter und dass die aufgeklärte Gesellschaft mittlerweile dies ja schon fast erwartet. Die eingefahrene Sicht der Arbeitgeber kontra Elternzeit für Väter lassen Sie lieber außen vor – wäre ja nicht passend. Auch wirft es bei mir die Frage auf, ob die Mutter nicht evtl. vorher erwerbstätig war und durch die Geburt des Kindes in eine ebenso etablierte wie antiquierte Rollenverteilung entlassen wird.
In Summe: Sie degradieren den Vater zu einem Diener, der sich um Mutter und Kind zu kümmern hat, seine eigene Befindlich steht hinten an und flackert nur kurz auf, wenn er auf dem Rückweg von der Arbeit in den Baumarkt gehen darf; in sein Jagdrevier, dorthin, wo er zu Hause ist.
Sie haben die Chance, eine vaterzentrierte Information bereitzustellen mehr als nur deutlich verpasst und es ist bedauerlich, dass mit Ihrem Werk Meinung gebildet wird, Erwartungen geschürt werden.
Ihre Broschüre werde ich auf vatersein.de zur Diskussion stellen, jedoch nicht empfehlen und auch keinen dauerhaften Link setzen.
Mit freundlichem Gruß
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
Das fängt doch schon auf der Heimseite an, Deep:
Viele Männer, die zum ersten Mal Vater werden, wissen nicht viel über den Ablauf einer Schwangerschaft und haben deshalb eine Menge Fragen: Worum muss ich mich kümmern? Wie unterstütze ich meine Partnerin? Wie gehe ich mit Stimmungsschwankungen um?
Die Redaktion drück mir ihr Bedauern aus, dass sie nicht meinen Geschmack getroffen haben, nehmen meine Verbesserungsvorschläge danken an und bemühen sich, diese bei künftigen Projekten zu berücksichtigen.
Das könnte Merkel geschrieben haben...
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
