Hallo,
bis Ende letztes Jahr war meine jüngste Stieftochter mehr oder weniger ein Traummädchen. Sie ist 14 Jahre alt, es gab die ganz normalen pupertären Versuche der Grenzenaustestung, sie war zuverlässig, anhänglich/schmusig, offen für alles, wir hatten verdammt viel Spaß zu zweit/in der Familie/ unter Freunden...kurzum, echt einfach top!
Endergebnis ist, daß sie sich am 14.4. entschieden hat lieber im Heim zu leben. Warum, weshalb, wiso, was denn irgendwie irgendwann passiert ist absolut keine Ahnung. Seither sind meine Frau (ihre Mutter) und ich in quasi regelmäßiger Abständen (so ca. einmal die Woche) entweder beim JA, beim Heim oder bei der Polizei. Bisher sind einige richtige Bolzen passiert aber gegipfelt hat sie Sachlage dann darin, das wir vor 10 Tagen angerufen wurden, da A einen Suizidversuch unternommen hat. Wir sind also mit der Gruppenbetreuung ins KK gefahren. Da A mit uns direkt so gut wie keinen Kontakt möchte, hat die Betreuerin erzählt. Sie mache einen stabilen Eindruck und im späteren Gespräch mit den zuständigen Psychologen haben wir dann besprochen, daß A die nächsten vorraussichtlich 6-8 Wochen auf der psychosomatischen bleiben soll und alle Möglichen Therapien zumindes angeboten bekommt. Sie hat auch intensiv mitgearbeitet! Nach 4 Tagen sagte sie aber sie will jetzt nicht mehr und will heim. Daraufhin gab es ein intensives Gespräch in dem die Psychologen erklärten, sie sei nicht mehr akkut suizitgefährdet und wenn kein Wille mehr da ist um mit ihr zu therapieren, wäre die einzig (momentan) sinnvolle Lösung sie gehen zu lassen. Daraufhin wurde sie ein Tag später von der Heimbetreuerein abgeholt und ja... die Bombe ist gestern Abend geplatzt. Sie war abgängig (mittlerweile zum vierten Mal) und ist vor kurzem wieder im Heim angekommen. Am letzten Montag hatten wir mit den Heimpädagogen ein intensives Gespräch. Hier waren wir 5 uns einig, daß es absolut nicht akzeptabel ist wenn eine 14 jähriges Mädchen nächtelang irgendwo draußen rumfliegt. Natürlich wurde auch gestern die Polizei eingeschaltet aber wo soll man suchen??? Endergebnis in dem Gespräch war, daß sie bei dem nächsten Vorfall in die Geschlossene eingewiesen wird. Allerdings ist das für uns alle wirklich der allerletzte Schritt.
So jetzt kommt endlich meine Frage. Da ich Soziale Arbeit studiere (ich stehe ganz am Anfang habe also nur ein klitzekleines bischen theoretischen Einblick) habe ich gelesen das ein weiterer Schritt über der Heimunterbringung die "Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung" (SGB VIII, §35) gibt. Also zumindest rein theoretisch. Ich habe also die Heimpädagogin gefragt was das denn in der Praxis bedeutet und ob sie sich denken könnte, das wäre eventuell ein Weg der A irgendwie wieder hilft auf die Spur zu kommen. Sie wusste von der Möglichkeit nichts will sich aber informieren. Dann habe ich beim JA unseren Ansprechpartner versucht anzurufen. Er ist in Urlaub. Danach habe ich mich einfach durchgefragt und jemand anderen Erreicht. Diese JA Mitarbeiterin sagte mir, es gäbe zwar diesen § aber in der Praxis ist das absolut irrelevant. Meine Frage an euch, weiss jemand etwas darüber, das er mir schreiben kann? Gibt es diese Möglichkeit, was bedeutet das in der Praxis? Ob es natürlich im Endeffekt überhaupt ausprobiert werden würde, steht auf einem ganz anderen Blatt und darüber haben wir geschweige denn ich schonmal garnicht zu entscheiden, ist bewusst und ist auch kein Diskussionspunkt. Aber das es keine Information darüber gibt macht uns schon sehr stutzig.
Wer jetzt schreiben will ich hätte sowiso mit niemand zu sprechen, geschweige denn beim JA anzurufen weil ich gesetzlich NICHTS mit dem Kind zu tun habe (das weiss ich und die anderen natürlich auch), der schreibe bitte nichts. Denn das ist jetzt in keinster weise irgendwie Zielführend und ist zudem bekannt. Allerdings hat die Praxis und die Theorie machmal unterschiedliche Auffassungen und mein Frau, ich, inkl. der Heimpädagogen und den klasse Leuten (leider hat ja unsere Zuständige Urlaub) vom JA ziehen gemeinsam an einem Strang.
Gruß
Hi Martina
Ich habe dazu ersteinmal eine Frage, soll nicht provozieren, sondern nur rein informativ sein.
Wo ist ihr Vater und wie ist der Kontakt?
Gruss Wedi
Seither sind meine Frau (ihre Mutter) und ich in ...
Ich verstehe die Verhältnisse nicht ganz.
Du bist eine Frau ("Martina") und sprichst von "Deiner Frau (ihre Mutter)".
Ihr seid ein lesbisches Paar?
Gibt es einen Vater?
Mich interessieren nicht die Details, aber die Rahmenbedinungen sind etwas unklar...
Gruß!
RV
Hi rv,
nein Martina ist männlich. Und der Stiefvater.
Gruß Tina
Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen
Ja, ich habe bei meiner Anmeldung Mist gebaut.
Der Vater war jahrelang im gefängnis und lebt jetzt in einem betreuten Wohnen. Es besteht wenn überhaupt nur sehr schwierig Kontakt mit meiner Stieftochter und ihrem Vater da er starke psychische Probleme hat. meine Frau hat die alleinige Personensorge.
nein Martina ist männlich. Und der Stiefvater.
Ooops, hätte ich auch selbst an dem kleinen "Männlichkeitszeichen" beim Namen erkennen können...
Was ich bisher gefunden habe ist: der §35 kommt zum Tragen in Fällen wie (war das letztes Jahr?) wo der Vater seine Tochter jahrelang im Keller eingesperrt und mit ihr mehrere Kinder gezeugt hat. In solchen Fällen lebt dann quasi ein oder mehrere ausgebildete Pädagogen mit der Familie oder Teilen davon 24 Stunden zusammen um, ich sags jetzt mal so, das echte Leben oberhalb der Kellerdecke besser verständlich zu machen und jederzeit bei Problemen (Überforderung, Zusammenbrüche) zur Seite zu stehen. Das ist auch die Erklärung für mich, weshalb niemand etwas zum Thema geschrieben hat. Kommt ja glücklicherweise nicht oft aber trotz allem viel zu oft vor.
Meine Frau hat gestern, nach der Teambesprechung, im Heim angerufen und wollte was jetzt los ist. Leider war nur die Pädagogin am Telefon die gestern nach dem Gespräch ihren ersten Arbeitstag nach ihrem Urlaub hat. Konnte also nicht beitragen. Zudem war A. wieder unterwegs. Allerdings mehr oder weniger mit der Erlaubnis aber mit der bedingung und der festen Zusage von ihr am Abend wieder ins Heim zu kommen. Zumindest um 23 Uhr war sie noch nicht da. Heute um 12 werden noch einige Fragen geklärt werden müssen, da das Heim schon gegen unsere gemeinsame Absprachen gehandelt hat. Aber es ist ja oft eine sehr sensible Gradwanderung zwischen "Grenzen setzen" und "Genzen loslassen" um das Risiko zu vermindern den Kontkt zu den Jugendlichen zu verlieren. Es gibt es situationsbedingte Entscheidungen die nunmal gegen die Absprache sind. Zumindest denke ich so, mal schaun ...
Gruß
Moin,
ich denke, die Anwendung des § 35 SGB VIII kommt nicht in Frage. Es zielt nach meinem Empfinden mehr auf § 34 SGB VIII ab.
Grundsätzlich frage ich mich natürlich, wie ein Stubenkätzchen zum ausgewilderten Puma werden kann und das innerhalb recht kurzer Zeit. Da muss etwas vorgefallen sein, das wir nicht kennen und ggf. ihr auch nicht. Nur mit der Pubertät ist das nicht zu erklären.
In der Gestaltung der Maßnahmen, die nach § 34 SGB VIII zu treffen sind, ist die Mutter verpflichtend einzubinden (sog. Hilfeplan). Eine Verweigerung der Empfehlungen kann den (Teil-)Entzug des Sorgerechts nach ziehen. Muss nicht, aber kann. Dieser Hiwneis nur fürsorglich, trotzdessen ich deinen Worten entnehme, dass ein recht förderliches Gesprächsklima herrscht.
DeepThought
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
Hallo,
jetzt frage ich mich doch tatsächlich welchen Sinn der Post gehabt hat?
Im Heim ist sie, wie oben beschrieben. Aber ist ja klar, ich habe hier genau damit zu kämpfen wie mit dem JA die ersten 2-3 Wochen. Kann ja weder ein korrektes Zuhause sein, geschweige denn ein korrekter "Stiefvater" wenn das Kind lieber im Heim leben will.
Auch wenn es schon quasi jeden Vorstellungshorizont sprengt, es gibt auch Zuhause und das beigehörige Soziale Umweld das einfach nur tiptop ist und trotzdem will das Kind weg. Verstehen kann man es nicht wirklich aber fakt ist, es gibt die Fälle.
Und was den Hilfeplan angeht, verstehe ich ebenso absolut nicht. "In der Gestaltung..." A IST seit über vier Monaten im Heim untergebracht und natürlich nimmt die Mutter teil und auch ich. Komischerweise interessiert dort niemand mehr die Gesetzeslage in Bezug auf mein Mitwirken. Warum soll sich denn die Mutter entziehen? Habe ich da oben was falsches geschrieben? Das Sorgerecht war und ist noch nie eine einzige Sekunde Thema gewesen. Zugegeben, selbst die Mitarbeiter vom JA rechnen erstmal mit dem "normal" gelagerten Gegegebenheiten. Das es auch gegenteilige gibt, war unserem Ansprechpartner bisher auch noch nicht untergekommen. Zudem momentan ein Hilfeplan überhaupt keinen Sinn macht. Erstmal muss geklärt werden ob die jetzige Einrichtung überhaupt "geeignet und notwendig" ist. Gerade um das Geeignet geht es denn sie hat, seitdem sie dort in die jetzige Wohngruppe eingezogen ist sich nicht wirklich an die minimalsten Regeln gehalten.
Für den Puma gibt es einen einzigen Ansatz und der steht weiter oben. Wenn ich alleine an die zig Gespräche der letzten Jahre denke, können die Probleme damit aus meiner Sicht schon ausreichen um dementsprechend zu reagieren. Der Ursprung eines jeden Menschen ist für jeden in der Pupertät sehr wichtig. Nur, wenn ich mich mit einem "Mörder" identifiziere bzw. die Identifikation mit diesem hinterfrage, kann einen diese Gedanken eventuell so dermaßen aus der Bahn werfen. Zudem hat man einen Vater der sich nicht um einen kümmert und man hat alle zwei Wochen einen Stiefvater vor der Nase, der mit den bei der Mutter lebenden Kindern ein sehr tolles Verhältnis pflegt, in Urlaub fährt und das Stiefkind in keinster Weise anders behandelt als die eigenen. Das zusammen, gepaart mit den Veränderungen in der Pupertät kann schon genug Auslöser sein. Nicht zu vernachlässigen ist natürlich die Möglichkeit eines Vorfalls von dem wir alle (inkl. Pädagogen und Psychologen) nichts wissen.
Ganz ehrlich fehlt mir momentan die Kraft auch noch gegen den erhobenen Zeigefinger hier anzukämpfen und mich zu rechtfertigen.
Erstmal vielen Dank für die Unterstützung in der Vergangenheit.
Thema geschlossen.
Gruß
