Verzweifelt! Euere ...
 
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Verzweifelt! Euere Meinung? *lang*

 
(@joshua)
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So, nun bin ich also hier gelandet. Meine Schwester meinte, ich sollte Euch meine Geschichte erzählen und mal sehen was andere dazu meinen – Väter, die ihre eigene Leidensgeschichte haben und darum vielleicht Ähnliches erlebt haben, wie ich. Ich bitte Euch darum: schreibt mir, was ihr von meiner „Partnerschaft“ haltet, warum läuft so vieles verkehrt, wo sind Wege oder gibt es gar keinen...aber zunächst muß ich Euch bitten das Ganze erst einmal zu lesen. Es wird wohl viel zu viel werden, auch wenn ich ohnehin nur bruchstückhaft erzählen kann, was alles geschehen ist.
Im August letzten Jahres lernte ich über das Internet eine Frau kennen. Sie schrieb mich in einem Kennenlernforum an, weil wir die gleichen Ausbildung hatten. Ich war erstaunt, all meine Träume von einer Frau schienen sich in dieser Person zu verwirklichen. In nächtelangen Telefonaten entstand eine große Vertrautheit und so machte es nichts mehr, dass sie optisch nicht meinem Typ entsprach, ich war längst in sie verliebt. Ich fragte ein paar Dinge ab, die mir bei Frauen sehr wichtig sind – unter anderem, ob sie mit sich selbst „im Reinen“ und darum wollte ich wissen, ob sie zuhause immer den Fernseher an hätte (zur Ablenkung von sich selbst) oder wechselnde Beziehungen hatte und darin sehr schnellen sexuellen Kontakt sucht (Sucht, geliebt zu werden). Beides verneinte sie. So nach und nach bekam das Idealbild Risse. Nach ihrer langjährigen Beziehung schlitterte sie ohne „Trauerphase“ in einem Jahr in drei Beziehungen, mit mir vier. Der Fernseher lief freilich immer und nachdem sie einen Monat bereits bei mir vollständig gelebt hatte, tauchte eine Email an einen anderen Mann auf: auch sie habe sich in ihn verliebt. Von mir kein Wort! Als Begründung für die Kontaktpause, dass die Arbeit sehr anstrengend sei und sie übermüdet sehr spät nach Hause käme – dabei war sie nur bei mir! Nun gut, ich verzieh ihr, nachdem sie unter Tränen immer wieder ihre Gefühle für mich beteuerte, mehrmals versicherte – unter Tränen, Anflehungen und schriftlich, dass mit diesem Mann „nie etwas war, nur auf der Couch gesessen und gegenseitig das Herz ausgeschüttet“ und die Email schon längst geschrieben war, bevor es mich gab. Als Begründung, warum dann von ihrer Arbeitsstelle die Rede sei (es war ihre erste und die hatte sie erst, seitdem sie mich kannte!), sagte sie, sie habe nur ein paar Dinge aktualisiert. Wer soll das glauben? (Ihre Freunde glauben das freilich alle – nur ich nicht)

In der „Partnerschaft“ war es so, dass ich sie vollständig bekümmern und umsorgen musste. Sie beteuerte immer, sie wolle zu mir ziehen, ein Leben mit mir haben, aber brachte sich nicht ein. Sie kam immer erledigt von der Arbeit heim, zu nichts mehr fähig und brauchte Wärmflaschen, Essen, Tee und Streicheleinheiten. Alles ließ sie liegen, ich durfte ihr immer hinterherräumen, sogar ihre Wäsche machen.. Sie sagte, sie sei einfach zu erschöpft, der Arbeitseinstieg, ich solle Geduld haben. Am Wochenende war sie jedoch fit genug, um zu ihrem Wohnort zu fahren, denn sie müsse ja dort nach dem Rechten sehen, Post erledigen, Freunde und Eltern treffen. Es gab regelmäßig Streit, dass ich sie nur habe, wenn sie schwach sei und sobald es ihr gut gehe, sie zu sich heim fahre. Natürlich sprach ich an, dass es so nicht weitergehe, sie müsse sich auch einbringen, müsse wenigstens ihre Dinge aufräumen und die von ihr benutzten Sachen säubern.. Sie hörte zu, nickte, geändert hat sich nichts. Ich wurde lauter, stellte Ultimaten – es half nichts – ich beendete die Beziehung. Sie weinte mir wieder tagelang vor, sie sei anders, es sei die Situation, die sie so schwach mache, ich solle doch bitte Geduld haben. Ich gab nach. Das wiederholte sich so alle zwei Wochen.
Dazu muß man noch wissen, dass sie schon stationär in einer psychiatrischen Klinik war, wegen eine Angst- und Paniksymptomatik. Zu den Problemen im Alltag kamen also noch mehrmals die Woche Situationen, in denen sie dachte, sie sterbe und ich sie durch Zureden vom Gegenteil überzeugen musste.

Naja, Mitte Dezember; nach nicht einmal drei Monaten, war mir das wirklich zuviel – Cut, aus vorbei! Und nun zum Grund, warum ich HIER poste – exakt da blieben ihre Tage aus! In einem Jahr, in dem sie sich ein Kind beim „Universum bestellt“ hatte (Philosophie von Bärbel Mohr), wurde sie tatsächlich schwanger! Daß wir uns nicht falsch verstehen, meine Kleine ist mittlerweile auf der Welt und ich liebe sie so sehr. Würde sie am liebsten immer bei mir haben...aber dazu später.

Seit der Schwangerschaft wurde ich nun über das Kind etwas erpresst. Schon 4 Tage nach dem positiven Test gab es ein telefonisches Streitgespräch. Dabei ließ sie den Hörer aus der Hand fallen, jammerte aus der Entfernung in den Hörer, ich versuchte trotzdem sie wieder ans Telefon zu bekommen und sie sagte nur: “Ruf den Notarzt, ich habe einen Abgang!“. Klar, Streitgespräch beendet, lieb zugeredet, die 50 Kilometer zu ihr gefahren – man(n) will ja sein Kind nicht gefährden ( vor Ort war sie dann natürlich ganz gesund). In jeder darauf folgenden Diskussion, stieg sie nun so aus, indem sie Bauchkrämpfe „entwickelte“, sich vor Schmerzen krümmte und ich darum nicht mehr weiter reden durfte, wollte ich die Schwangerschaft nicht gefährden. Es fielen auch Sätze wie:“dann bekommst Du allenfalls den gesetzlichen Mindestumgang“, „dann kannst Du vergessen, dass Du die Kleine siehst“, „dann ziehe ich in eine andere Stadt“ – immer wenn ich ihr nicht „wohlgefällig“ war.

Jeder schüttelt wahrscheinlich jetzt schon den Kopf, aber ich kämpfte dann wieder um sie, weil ich sie immer noch liebe, weil ich Angst hatte, mein Kind alleine bei ihr zu lassen, weil ich eine kleine Familie mit ihr zu haben wollte. Ich schrieb Nächte hindurch Emails, half ihr aus, als sie mit dem Umzug überfordert war, renovierte ihre alte Wohnung und erhörte ihr Betteln, als sie sich nicht mehr selber versorgen konnte: zog zu ihr, weil sie (psychisch bedingt) nicht zu mir ziehen konnte, versorgte sie komplett. Sie saß immer nur am Sofa in Lethargie (wie mir ihre beste Freundin bestätigt hat, ein nicht unbekanntes Phänomen, ebenso wie ihre Egozentrik .. andere Bedürfnisse als ihre sieht sie nicht) und starrte ins Leere, ein Ausrufezeichen „Mir geht es nicht gut!“. Nebenbei fraßen mir meine Fixkosten daheim die Haare vom Kopf, weil ich mich selbständig machen wollte, konnte das aber nicht weiter verfolgen, wollte ich vermeiden, dass sie „vor die Hunde geht“.

Dann war die Geburt und alles schien gut zu werden, obwohl die Geburt sich drei Tage hinzog und mit so einer Panikerkrankten nicht sehr leicht war (ich durfte sie nicht einmal für Toilettenbesuche verlassen...musste warten, bis es nicht mehr ging und dann für „Ersatz“ sorgen). Ich bekam die gemeinsame Sorge für meine Tochter und sie wollte zu mir ziehen....tja, und dann flog auf, dass zwischen dem Mann aus der Email und ihr doch weit mehr gelaufen ist, als sie unter Tränen zugestand. Ich stellte sie zur Rede, sie log mich erneut an (wie soooo verdammt oft zuvor, der Mann wusste z.B. auch den Geburtstermin meiner Tochter). Mir zog es den Boden unter den Füßen weg und begann dann einen Fehler, weil ich die Beziehung nach diesem Vertrauensbruch erneut beendet hatte. Sie hatte einen Nervenzusammenbruch.

Ich wollte ihr erneut verzeihen und tat das auch und wir einigten uns, dass sie trotzdem zu mir ziehen würde. Dann trat ihr Vater auf den Plan, der mich ablehnt, seine Tochter aber mehr als dominiert. Ihr wurde ein Aufenthalt vermittelt – natürlich mit meiner neugebornen Tochter, der Aufenthaltsort verschwiegen, weil sie Ruhe vor mir haben müsse. Diese „Ruhe“ äußerte sich so, dass sie in den 17 Tagen, in denen sie weg war (ich wurde tageweise vertröstet, sie käme – ursprünglich war es nur eine Woche) sie mir 47 SMS sendete und vom Handy aus (Minutenpreis ehemals 1,86 DM!) insgesamt 4 Stunden anrief! Sie beteuerte immer wieder, wie sehr sie mich liebe, sie sich eine Familie mit mir wünsche und schickte mir „Mit freundlichen Grüßen“ andererseits eine Unterhaltsaufforderung (ohne, dass sie mich mündlich um Unterhalt gebeten hätte) und leitete ein Sorgerechtsverfahren gegen mich ein. Darin stellte sie mich als völligen Unmenschen dar: ich war nämlich während ihres Krankenhausaufenthaltes (Brustentzündung) von früh bis spät ohne eigene Verpflegung bei ihr, weil sie sich um die Kleine nicht kümmern konnte und diese viel schrie. Ich besorgte zudem ihr zu trinken, holte Eis für ihre Brustentzündung, machte den Formularkram, informierte Ärzte, stand ihr beim Duschen und Toilettegehen bei (sie fühlte sich ja zu schwach), um sie zu entlasten, wo es nur geht und nun heißt es in dem Verfahren, ich hätte sie den ganzen Tag belästigt und der Armen nicht einmal ihre Ruhe zur Erholung gegeben, ich habe zudem ja Schluß gemacht, wobei die Kleine anwesend war und soviel schrie und nicht mehr zu beruhigen war (stimmt nicht – ehrlich!) und habe sie außerdem zur Abgabe der Sorgerechtserklärung gezwungen (auch gelogen, klar hab ich sie mir gewünscht..aber mit was sollte ich sie erpressen können???)

Nunja, nun sagt sie, das Gerichtsverfahren sei ein Fehler, sie bereue das, wünsche sich, dass wir „irgendwann“ doch noch zusammenziehen – zieht aber die Anträge nicht zurück (weil sie angeblich wegen ihrem Vater noch einen Anwaltstermin wahrnehmen muß) und sagt aber auch, es wird nicht klappen, wenn wir zusammenziehen...ja was nu? Sie beutelt mich hin- und her. Gestern fragt sie, wann wir „Kleiderschrank kaufen gehen“ (ein Symbol, dass sie zu mir zieht, weil meiner zu klein für zwei ist) und weint: “wir gehören zusammen“ und heute am Telefon wieder, dass sie nicht zu mir ziehen kann...später vielleicht mal, ich müsse eine Therapie machen, weil ich auf ihre Bitte, ihr während der Schwangerschaft beizustehen eingegangen bin und mein Leben so vernachlässigt habe....das könne man doch nicht machen, das sei krank. Dankeschön! Soviel zum Thema: “Das war so lieb von Dir, das werde ich Dir nie vergessen!“

Noch ein paar Fakten: ich habe jetzt keine Arbeit, die geplante Selbständigkeit ist nicht mehr finanzierbar und ich habe keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dafür aber eine eigene Wohnung mit 4 Zimmern, Küche, Bad, die ich mir in den letzten Jahren mit viel Mühe selber modernisiert habe (Parkett, FBH, Netzwerk, alles elektrisch..ist echt klasse geworden) – genug Platz für drei also. Sie lebt in einer kleinen Mansarde zur Miete, die Wiege zwischen Bett und Schrank verstellt den Durchgang. Ihre Arbeitsstelle ist von mir aus 15 Minuten entfernt, von ihr etwa 50 Minuten. Es würde mir so Spaß machen, die Kleine zu versorgen – ich habe Liedchen für sie komponiert, und sogar in der Klinik wurde gesagt, das wird ein „Papamädchen“ und meine Freundin wurde angesprochen, dass es so rührend sei, wie ich mit der Kleinen umgehe. Liege ich da so falsch, wenn ich sage: zieh her in meine Wohnung, vergiß den Gerichtsscheiß, laß mich die Kleine die nächste Zeit versorgen, bis ich eine Stelle habe und geh Du zwischenzeitlich in Deine Arbeit? Wir werden jetzt wohl alle drei zum Sozialfall, weil ich einfach nicht unterkomme und das Arbeitsamt mir nur immer sagt: „zur Zeit keine Chancen, keine Hoffnung!“ Ich kann mir nicht einmal regelmäßige Fahrten zu ihr leisten, um den Umgang wahrzunehmen. Sie sagt immer und immer wieder, ich sei ihr Mann, so wie mich, hat sie noch keinen geliebt, das Herz sage „Ja“, aber „Nein“ sagen ihr Verstand und ihr „Umfeld“ (mit dem argumentiert sie immer...Ärzte sagen, die Kleine wird schaden nehmen, wenn wir zusammenziehen, ihre Freunde und vor allem Eltern sagen, sie brauche nicht mehr angekrochen kommen, wenn sie zu mir ziehe, sie hinterlasse nur Opfer). Und auch wenn es sich so liest, wir sind beide NICHT 16 Jahre, sondern fast doppelt so alt!

Soll ich mir weiter, wie schon 7 Monate lang anhören: “Ich will ja irgendwann einmal zu Dir ziehen, aber nicht jetzt, laß uns eine Therapie machen.“ Oder soll ich endlich aufgeben? Was meint ihr? Ach ja, warum ich überhaupt noch weitermachen will: weil wir auch zauberhaft schöne Stunden miteinander verbringen, weil es kein schöneres Gefühl gibt, als sie zu spüren, weil es nichts zarteres gibt, als ihre Haut, ihr Duft das Betörendste ist, weil ihre Augen so charismatisch sind, weil das Banalste mit ihr zum Besonderen wird, weil wir eine süße, kleine Tochter haben, die uns beide braucht...


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 15.10.2003 19:08
 mel
(@mel)

herzlich willkommen bei SV,
wo auch immer die liebe hinfällt. bist du dir sicher, dass du der vater bist???
ich würde einen vaterschaftstest machen.
ich habe es auch sehr lange mit einer kranken frau ausgehalten bis ich mir gesagt habe, das leben ist zu kurz um sich nur zu ärgern.

kurz und einfach gesagt, schmeiss sie raus und trenne dich von ihr. ist wohl einfacher gesagt als getan aber ich glaube die frau macht dich verrückt.
kopf hoch wir werden dir helfen so gut es geht.
mel


AntwortZitat
Geschrieben : 15.10.2003 19:55
(@Unbekannt)

Hi,
ich kann mich Mel nur anschließen: das erste was mir in den Sinn kam:
und Du bist wirklich der Vater ????

Auch wenn Du das Kind über alles liebst und bei Dir haben willst: waren die letzten Monate/Jahre nicht schon arg anstrengend ?? hast Du die Kraft dieses noch Jahrzehnte
auszuhalten ???

Schreib Dir Dein Frust nur von der Seele, das hilft etwas. Manchmal denkt man danach klarer...

Viel Glück
Kirsten


AntwortZitat
Geschrieben : 15.10.2003 22:48
 coco
(@coco)
Rege dabei Registriert

Hallo Joshua,

auch ich muss mich den anderen anschließen.
Erst einmal würde ich auch die Vaterschaft etwas mehr in Frage stellen und zum Zweiten,
dass kann doch wohl nicht die Zukunft sein???

Ich erlebe mit meinem LG wie schlimm eine Frau nach 10 Jahren Ehe und zwei Kindern mit ihm umgeht. Du hast keine Chance mit so einer Frau. Wenn jetzt schon alles so schlimm ist, wo es noch gar nicht richtig angefangen hat, erlebst du wie viele andere hier auch, nur die Hölle auf Erden.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Sorry, hört sich hart an, aber ich habe schon so viel erlebt.

Liebe Grüße, Coco.


AntwortZitat
Geschrieben : 16.10.2003 11:22
(@Wawuschel)

Hallo zusammen,

Danke für das "Willkommen"-heißen und die Posts.

Hm, da habe ich mich wohl etwas unglücklich und mißverständlich ausgedrückt. Ich zweifle nicht daran, daß ich der Vater meiner Kleinen bin. Die Geschichte mit dem anderen Mann und ihr war zwar weit mehr als nur "auf der Couch sitzen", das stimmt schon, aber das war wohl vor meiner Zeit, auch wenn es erst jetzt bekannt geworden ist. Als sie mit mir zusammen war, war nur der E-mail-Vorfall mit dem "Ich habe mich in Dich verliebt". Laut ihren Aussagen war die Email nur der Abschluß der Beziehung zu ihm und sie wollte mir eine "reinwürgen", weil ich - wie geschildert - immer sagte, so ginge es nicht weiter. Klar habe ich kein allumfassendes Wissen und kann darum nicht sagen, was an den Tagen war, als sie am Wochenende zu sich nach hause gefahren ist. Aber soviel Sicherheit verspüre ich trotzdem noch in mir, daß sie mich nicht wirklich betrogen hat.

Ja, wie stelle ich mir die Zukunft vor? Also, was zwar belastend ist, weil es viel Zeit, Kraft und Energie kostet, wovor ichmich aber trotzdem nicht fürchte, ist die psychische Erkrankung von ihr. Ich kann gut damit umgehen und - laut ihren Aussagen - helfe ich ihr auch gut. Was mir allerdings schon ein wenig Angst macht, das ist, wie sich das auf die Kleine auswirkt, wenn sie dauerhaft mit ihr alleine ist. Das "harmloseste" wäre ja noch, wenn die Kleine total überängstlich wird (wie eben die Mutter auch). Mehr Sorge macht mir allerdings, was ist, wenn die Kleine gerade jemanden braucht und dann kann sie nicht für sie da sein, weil sie einen Anfall hat.

Was noch? Der Alltag! Ich habe ja schon einige Absprachen mit ihr getroffen und auch wenn es eigentlich schon viel zu spät ist für solche "Kinderkakke": wenn sie zu mir ziehen würde gäbe es, wie in einer WG, eine Liste mit Dingen, die gemacht werden müssen und dann eben die entsprechende Verteilung. Aber selbst davor hat sie wohl Schiss. Sie hat nie gelernt, einen Haushalt zu führen. Da ich eben letztes Jahr immer gesagt habe, es ginge nicht mehr, daß sie sich nur bedienen lasse, hat sie Angst es gäbe deswegen erneut Streit. Zusätzlich könnte ich ihr das mit dem anderen Mann ja wohl nicht verzeihen und auch deswegen würde es auch Streit geben...und so könnte es unerträglich werden und sie müßte ausziehen und hätte dann alles verloren (ihre Wohnung, ihre Eltern - "wenn Du da hinziehst ist die Türe bei uns zu" - , ihre von ihr abhängige Psychofreundin). Ich kann das ja verstehen, aber mehr als ihr sagen, daß ich einen Schlußstrich unter all das, was bisher war, ziehen will und neu starten kann ich ja nicht. Darauf sie: "aber das Unterbewußtsein hat soviel Macht und es wird immer wieder zum Thema werden, was war". Tja, dann werde ich sprachlos, denn was soll ich da gegenargumentieren - in die Zukunft blicken kann ich nicht und mehr als es nochmal mit ihr versuchen auch nicht.

Das schlimmste für mich sind aber ihre permanenten Lügen...bei Dingen, die mir wichtig sind, aber auch in kleinen Alltäglichkeiten...da packe ich nicht mehr. Das muß aufhören, das verspricht sie aber auch.

Unterwürfigkeit? Hm, Sylvie, das hast Du gut erkannt, denn das sagt auch mein Freundeskreis zu mir - ich solle endlich mal härter zu ihr sein, ein bißchen Weichei sei ja ok, aber das nicht mehr...nur....IHR Freundeskreis sagt das selbe zu ihr! Daß sie sich immer nur MIR unterordnen müsse. Naja, wir haben ja beide erkannt, daß wir uns irgendwie nicht sonderlich gut tun.

Und Angst vor den Konsequenzen einer Trennung? Auch da Sylvie, das stimmt. An erster Stelle steht, daß ich sie immer noch sehr liebe. Es tut mir einfach verdammt weh, mich von ihr zu trennen. Dann habe ich, wie gesagt, eine Scheißangst um mein Kind. Ich könnte aus finanziellen Gründen meine Kleine kaum sehen und wenn ich bisher zu Besuchsterminen bei ihr war, war er eine emotionale und psychische Hölle: "Bitte bleib bei mir!" ; "Bitte nimm mich in den Arm" "Da liegt meine Liebe zu Dir" unter Fingerzeig auf die Kleine und wenn ich ihr dann nicht Nähe gebe (in der Zeit, als ich einfach nicht mehr weiter mit ihr eine Partnerschaft leben wollte), verwehrte sie mir, die Kleine zu halten oder mit ihr spazieren zu gehen. Zudem wäre mein Traum von Familie geplatzt, ich würde so gerne mein Kind aufwachsen sehen, mich mit ihm beschäftigen, es fördern. Meine Freundin hat kaum Interessen entwickelt, weil alles von ihrem Vater kaputtkritisiert wurde. Nicht zuletzt wäre ich auch finanziell dauerhaft ruiniert. Als ledige Mutter muß ich ihre Lebensstellung erhalten - da wir die gleiche Ausbildung haben ist das unmöglich - ich kann nicht im selben Beruf zwei Gehälter einnehmen, plus Kindesunterhalt - selbst wenn ich Arbeit hätte, was aber eben nicht der Fall ist.

Was kann also verkehrt an einer gemeinsamen Zukunft sein, die auf Liebe bauen kann, die dem Kind zugute kommt und uns alle nicht finanziell ruiniert?

Ratlos, Joshua

[Editiert am 16/10/2003 von Joshua]


AntwortZitat
Geschrieben : 16.10.2003 11:29
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Joshua,

deine Geschichte ist für mich gleichzeitig faszinierend und sehr anstrengend. Irgendwie wurde ich an den Buchtitel: ich hasse dich, verlass mich nicht erinnert.

Hat deine Freundin denn eigentlich mal eine Therapie gemacht? Mit Angstzuständen muß niemand auf Dauer leben. Nur scheint mir eine Angst/Panikerkrankung nicht die einzige Diagnose in ihrem Leben zu sein. Ihr Leben ist ein einziges Chaos, so wie du es hier beschreibst.

Von allein wird sich dieses Chaos nicht auflösen und du wirst deine Freundin auch nicht ändern können. Ich glaube auch, dass deine Freundin glücklich in ihrer Situation ist. Ganz deutlich: du wirst sie da nicht rausholen können. Wenn ihr in einer Wohnung lebt, wird das ganze für dich noch viel schlimmer, weil du keinen Abstand mehr zu ihr hast.

Schimpfe bekommst du von mir, weil du nicht verhütet hast, menno, der arme kleine Wurm 😮

Könntest du dir vorstellen, dass ihr mal gemeinsam eine Beratungsstelle aufsucht?

Wo sind deine Anteile, dass du so an der Frau festgehalten hast? Hast du ein Helfersyndrom, reagierst du darauf, dass sie dich braucht und ohne dich schlecht zurechtkommt? Was macht die Frau für dich so liebenswert, dass du sie nicht loslassen kannst?

Liebe Grüße

eskima


Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist - Indianische Lebensweisheit
21dbc1b8a029e54556e0e8e32d0b6d64

AntwortZitat
Geschrieben : 16.10.2003 15:47
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Ich glaube auch, dass deine Freundin glücklich in ihrer Situation ist.

Sorry, sollte heißen, dass sie nicht glücklich ist. Sie weiß nur nicht, wie sie die Dinge besser auf die Reihe bekommt, es ist kein böser Wille.

Gruß

eskima


Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist - Indianische Lebensweisheit
21dbc1b8a029e54556e0e8e32d0b6d64

AntwortZitat
Geschrieben : 16.10.2003 15:51
(@joshua)
Schon was gesagt Registriert

Grüß Dich Eskima,

ja, da liegst Du schon richtig: ein Helfersyndrom hab ich - zumindest denke ich das selbst von mir. Anders wäre es auch nicht erklärbar, daß man so viel für den anderen da ist. Aber dieses Syndrom ist nicht grenzenlos: Ich hatte im Dezember wirklich definitiv die Sache beendet und wäre nicht der positive Test 14 Tage danach gewesen, dann wäre es auch dabei geblieben. An endlosem Zuleiden habe ich nämlich kein Interesse. Auch jetzt, als sie das Gerichtsverfahren hinter meinen Rücken eingeleitet hat, war es für mich vorbei. Ich wollte nur meinen Umgang haben, sonst nichts. Aber verdammt, wenn ich sie anseh, bekomme ich immer noch "Kribbeln im Bauch", wenn wir uns Umarmen, ist das wie "Heimkommen" und das, was hier dann mit *** ausgelöscht wird, hat auch toll gepaßt. Und wenn dann dieser Mensch, für den man noch soviel empfindet, unter Tränen jeden Tag anruft, bei jedem Treffen darum fleht, daß es doch bitte weitergehen soll - wieviel Arschloch muß man sein, um dem bei eigenen Gefühlen lange Stand halten zu können? Meine Liebe zu ihr ist unabhängig von dem ganzen Mist, den sie macht...ich hatte das bislang ja auch noch nicht gekannt. Bin eher jemand, der Dinge sofort sausen und fallen läßt, wenn da was ist, was auch nur irgendwann zum Problem werden könnte - nur bei ihr ist alles anders. Sie ist super charismatisch, weißt Du. Sie wird z.T. von Fremden umarmt und gedrückt, wen sie mit ihr Kontakt bekommen. Sie ist schon auch eine Klassefrau...daran ändern die Probleme nichts.

Mit der Therapie: ich bin nun mal so ein Mensch, der immer alles selber hat machen müssen. Dinge regel ich gerne alleine. Aber aus Liebe zu ihr und der Kleinen habe ich heute sogar bei einem Gesprächstherapeuten angerufen zur Terminvereinbarung, den sie mir nannte. Und weißt Du, was in dem Gespräch rauskam: ihr Vater hat das ganze mal wieder angeleiert und schon mächtig über mich hergezogen, denn als ich sagte:"Oh je, der lehnt mich ja völlig ab (der Vater)." Da sagte er:"Ich weiß und wenn sie deswegen Bedenken haben, zu MIR zu kommen, kann ich das sehr gut verstehen." Und wieder hat sie ihren Vater alles regeln lassen und wieder hat sich mich darüber angelogen, weil sie auf Nachfrage zu mir gesagt hat, dieser Herr wisse noch gar nichts von uns. Warum hört das mit dem Lügen einfach nicht auf?

Wie ich geschrieben habe, Eskima, war sie sogar schon 6 Wochen stationär in einer Klinik wegen ihrer psychischen Erkrankung und hatte auch im Nachhinein eine ambulante Therapie. Sie nimmt/nahm auch Medikamente gegen die Angstzustände. Sie wird auch in jedem Fall jetzt wieder eine Therapie machen, auch wenn es die Krankenkasse nimmer zahlt - Papa wird´s schon richten.

Naja, zum Thema Verhütung...da gibt es zwei Geschichten: meine und ihre, wie die Kleine entstanden ist - meine ist sehr unschön und geht eher in Richtung "Boris Becker gegen Erma Kurnikowa (oder wie man die schreibt)". Aber da ich die Kleine echt furchtbar lieb hab, ist mir das egal: sie ist da - nur das zählt. Ja, die Kleine tut mir auch sehr leid - am liebsten hätte ich sie ganz bei mir. Ich hätte kein Problem, der "Hausmann" zu sein und mich nur um die Kleine zu kümmern, kochen, putzen, waschen, büglen - ich kann das alles. Sie hat einerseits einen Job und sagt auch, sie könne nie "nur Mutter" sein. Die Kleine hergeben würde sie aber auch nie...wie gesagt, sogar alleinige Spaziergänge wurden mir verweigert. Ich denke, sie hat einen so übersteigerten Drang nach Liebe, daß sie sich erhofft, diese einmal von der Kleinen zu erhalten...die Kleine als Hilfe, endlich geliebt zu werden, so wie sie ist. Das ist nämlich ihr Hauptproblem: in ihren Augen liebt sie niemand (auch sie sich selbst nicht) so, wie sie ist. Aber das tue ich, nur kann doch nicht: "So bin ich nun mal" eine Entschuldigung für Lügen und jedwedes Fehlverhalten und Faulheit im Haushalt sein, oder?

Immer noch ohne Ausweg, Joshua


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 16.10.2003 16:41
(@diemystiks)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi Joshua,
ich habe jetzt alles gelesen. Ich glaube schon, daß alle dein erstes posting richtig verstanden haben. Du zweifelst zwar die Vaterschaft nicht an und bist der Überzeugung, daß das mit dem anderen Mann aus dem Netz vor deiner Zeit war. Du schreibst aber auch, daß sie bei dir immer kränklich war, versorgt werden musste und Angstzustände hatte.
Ging es ihr aber besser, hat sie sich auf den Weg gemacht um Freunde und Eltern zu besuchen.Weißt du wirklich, ob es bei diesen Besuchen geblieben ist, oder ob sie auch wirklich stattgefunden haben?
Ich finde du brauchst ein bischen mehr Selbsterhaltungstrieb. Du opferst dich nach meinem Empfinden völlig für sie auf. Für dich ist das Ergebnis aber am Ende immer gleich: Schmerz!
Vielleicht kannst du trotz deiner Liebe ein paar Regeln aufstellen. Sie muss merken, daß es nicht immer nach ihren Regeln oder ihrem täglich wechselnden Gemütszustand laufen kann. Ich schließe mich auch der Meinung an, daß sie eine Therapie machen sollte, zumindest um erstmal ihre Panikattacken und Angstzustände in den Griff zu bekommen. Mache ihr klar, daß auch das Kind nicht sicher ist, wenn sie diese Attacken hat.
Ich wünsche dir viel Kraft und denke, es ist zumindest für dich ein Anfang, daß du hier geschrieben hast. Versuche etwas mehr an dich zu denken. Sicher wünschst du dir ein Leben zu dritt. Eine Familie. Dir muss aber klar sein, daß dies ein ziemlich steiniger Weg wird. Es ist nicht leicht dein Leben wieder zu ordnen (Arbeit), ihr Leben auf die Reihe zu bekommen und sehen, daß das Kind behütet aufwächst.
Du solltest wirklich eine Art Tagebuch führen. Termine aufschreiben, Verabredungen, Vorfälle wegen ihrer Angstzustände, wenn es geht auch die Telefonate aufzeichnen. Mir scheint sie durch deine Schilderung sehr unberechenbar. Besser du bist vorbereitet.
Schön, daß du bei uns gelandet bist. Es tut gut, sich alles von der Seele zu tippern ,Ratschläge und Tips zu bekommen.
Viel Kraft und vor allem Selbsterhaltungstrieb :-)
Gruß
Tina


Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.

AntwortZitat
Geschrieben : 16.10.2003 16:50
(@joshua)
Schon was gesagt Registriert

Ach herrjeh, das wird ja allmählich uferlos ;) aber
so ist wohl auch...

Lieb jedenfalls, daß ihr Euch alle so tolle Gedanken macht und Dir ganz bersonders "Danke" für Deinen "Fahrplan"-versuch in eine gemeinsame Zukunft, Sylvie :)

Aaaalso wo fang ich an...na gut..so wie es mir einfällt:

Gemeinsame Freunde haben wir nicht. Die jeweiligen Freunde schütteln gegenseitig den Kopf über uns. Ihr Freundeskreis besteht ganz überwiegend aus ebenfalls psychisch Erkrankten und mir kommt es so vor, als seien das lauter Einbeinige, die sich ganz fest an den jeweils anderen klammern, um nicht umzufallen. Die Hauptfreundin davon ist ganz schön eifersüchtig auf mich, denn wenn meine Freundin zu mir zöge, hieße das eben auch, daß sie von DER wegzieht und dann wäre ja die "Krücke" aus dem Leben gerissen. Jedes Fehlverhalten von mir (ja, habe ich - bin bestimmt kein Heiliger) wird dann mit dieser Freundin ausgibig breitgetreten und dann zurückserviert mit:"...hat auch gesagt, daß..." Wie soll da eine Basis entstehen. Obwohl diese Freundin beim Umzug meiner Freundin mit dabei war und ich wirklich offen auf sie zugehen wollte, kam nur als Seitenhieb: "Ich bin ja so froh, daß sie nicht zu Dir zieht, nein, das hätte ich auch nicht zugelassen." Nun gut, mit der werde ich wohl nicht mehr warm, da sie immer noch die Beziehung torpediert, um meine Freundin für sich zu haben. Dann ist da noch ihre "beste Freundin", die ich leider noch nie persönlich getroffen habe, die mich aber angerufen hat, um auch mich zu verstehen - das fand ich echt klasse! Nachdem ich erfahren hatte, daß sie aber zu meiner Freundin auch Unschönes über mich gesagt hat, wollte ich das gerne mit ihr klären und bat sie um ein Gespräch - das kam aber leider nicht mehr. Trotzdem mag ich diese Freundin immer noch - scheint vernünftig und menschlich zu sein.

Meine Freunde kennen sie - aber auch nur so vom Weggehen. Da sie am Wochenende immer heimgefahren ist und dann ja bald problematisch schwanger wurde, gab es nicht zu viele Chancen, etwas zu unternehmen, wollten wir neben den "Streitereien" auch noch etwas Zeit in Harmonie zusammen verbringen. Die Einstufung geht aber sehr stark in Richtung "entsetzt" und "irr", wenn meine Freunde hören, was abgeht. Sie finden sie zwar nett, aber verstehen kann sie niemand.

Verwandte: ja, ganz heikle Geschichte. Aufgrund der Scheidung meiner eigenen Eltern und den daraus resultierenden Problemen ist alles zerbrochen, was sich Familienbande nennt. Ärger im Verwandtenkreis meiner Mutter erledigte den Rest. Viel zum vorstellen gibt es da nicht.
Ihre Verwandten kenne ich nicht. Als die Kleine auf der Welt war, stand ein großer Besuchstermin an, an dem das erledigt werden sollte - alles war schon geplant. Dann kam die Brustentzündung meiner Freundin und kurz darauf ging ja alles den Bach runter.

Zu ihr habe ich gesagt, sie kann jederzeit ihre Eltern zu mir einladen, wenn sie mag und ich habe bestimmt genug Größe, ihrem Vater die Hand zu reichen und ihn dabei anzusehen (macht er nämlich nicht - weiß nicht einmal meinen Familiennamen korrekt). Beim ersten Treffen mit ihm zwängten wir uns an ein kleines Jugendstilmöbelchen, tranken aus Tässchen, die allenfals 0,1 Liter Kaffee fassen konnten und trotz dem Angebot, mich doch bitte beim Vornamen zu nennen, blieb er beim "Sie". Ich habe darüber mit einem Sozialpädagogen gesprochen und der meinte, ihr Vater wolle einfach niemanden in seiner Familie haben, leide zudem unter Profilneurosen und will meine Freundin immer noch als Kind nicht loslassen, über sie bestimmen. Nach alledem: er kann gerne kommen, meine Türe steht offen, aber ich zu ihm zu Kreuze kriechen, nachdem er mich vor dem ganzen Krankenhauspersonal beschimpft und beleidigt hat - neee. Etwas Stolz darf ich auch noch haben.

Sie ist im Verhältnis zu ihrem Vater wie Wachs in seinen Händen: was er will, wird gemacht. Ich habe sowas noch nie erlebt: als er ihr in hochschwangerem Zustand verboten hat, wieder ins Elternhaus zu kommen, weil sie sich immer wie eine Diva bedienen lasse und er das nicht mehr mitmache (darum mußte ja ich einspringen) da hat sie in dem Telfonat am Anfang "Hallo" und am Ende "Tschüß" gesagt...sonst 30(!!!!!!!) Minuten keinen Ton, nur vor sich hingenickt, geweint, nach meiner Hand gegriffen...und das ist so symptomatisch! Eigentlich wurde in ihrer Therapie gesagt, sie dürfe den Vater ein halbes Jahr nimmer sehen...wurde nichts draus. Auch mein Sozialpädagoge meinte, es wäre ideal, sie würde zu mir ziehen, daß SIE endlich einmal von ihrem Vater wegkomme....naja, sie traut sich das halt nicht.

Meine Mutter hat meine Freundin gleich herzlichst empfangen, umarmt...das war mir schon fast zu "eng", wie sich das ausgestaltet hat, da ich mir zwar herzlichen Umgang mit den jeweiligen Eltern wünsche, aber trotzdem eine gewisse Abgrenzung zur eigenen "Familie" (also damals nur Freundin und ich) haben will.

Eben vorhin war wieder ein Telefonat mit ihr zum Thema "Zukunft". Sie redet alles schlecht, was in einer gemeinsamen Zukunft sein könnte, fixiert sich nur auf mögliche Probleme und sieht das Positive nicht. Darauf angesprochen, warum sie sich so verhalte, sagte sie, sie wolle eigentlich nur, daß ich ihr all diese Ängste nehme, die sie hat, damit sie zu mir kommen könne. Aber das kann ich nicht. Ihre Ängste sind zum Teil irreal - wie kann ich da mit Argumenten gegensteuern? Das schaffe ich nicht - vor allem bei der Vielzahl an Ängsten.

Ich habe sie nun einfach losgelassen, kämpfe nicht mehr gegen die Windmühle und sage, sie soll zu mir ziehen. Ich kann es nicht ändern, daß sie ihre Freundin, ihre Eltern verliert, wenn sie zu mir zieht und daß sie eingeht und leidet, wenn sie nicht jede Nacht in meinen Armen sein kann, weil sie nicht zu mir zieht. SIE muß das eine vom anderen scheiden, sie muß wissen was ihr wichtig(er) ist. Ich wollte, daß sie mich eine Woche mal in Ruhe läßt (ich pack das auf und ab echt nimmer) und sie sich bewußt wird, was sie eigentlich will. Das ist natürlich wieder "Erpressung" von mir, weil ich ja wüßte, daß sie mich dann so irrsinnig vermissen würde und sie sich dann nicht frei entscheiden könne, weil es ihr so weh tut, mich nicht zu haben...Ja, sagt mal, kann ich eigentlich noch irgendetwas richtig machen????????

Das mit dem Fernsehen ist wohl auch etwas falsch rübergekommen. Aber Sylvie, ich fand´s wirklich zum Lachen, was Du vorgeschlagen und das kann ich zur Zeit leider nicht oft..lachen..darum Danke dafür :) .

Richtig ist, daß der Fernseher läuft, wenn sie alleine ist mit ihren Gedanken, um die nicht aufkommen zu lassen. Falsch aber, daß sie Talkshow-Mist gucken würde...ich glaube, so eine tagelang Glotzerin könnte ich dann doch nicht lieben. Den Haushalt schafft sie wirklich nicht wegen Fernsehen, sondern weil sie sich immer "schwach" fühlt und weil sie es nie gelernt hat...aber ich kann doch nicht immer alles, was sie versäumt hat oder an ihr versäumt wurde, ausgleichen und mittragen. Keiner von uns macht sich einen Begriff davon, WAS es alles in einem Haushalt zu lernen gibt, weil wir das über Jahre hinweg stückchenweise mitbekommen haben....aber einer erwachsenen Frau alles zu lernen, das ist heftig.

Ihre "Couch-Phasen" sind Auswirkungen ihrer Erkrankung. Entweder sitzt sie da, weil sie denkt, wenn sie aufstehe, falle sie in Ohnmacht oder weil sie eine depressive Phase hat. Sie ist einfach schwer zu motivieren. Dinge erfreuen sie nicht. Sie sagt zwar:"Schön" aber fast immer ohne ihren Körper...keine Miene verzieht sie..dabei hat sie so ein schönes Lächeln. Sie sagt, das gehe alles intern in ihr vor, sie könne das nicht nach außen zeigen (auch ihre Liebe zu mir nicht), sie müsse das erst von mir lernen, weil sie jahrelang keine Emotionen hat zeigen dürfen. So habe ich letztendlich immer nur ihr Wort - keine Taten, keine Gesten. Ich habe mich schon oft auf "more than words" von "Extreme" bei ihr berufen..denn wenn ich ihr das "Ich liebe Dich" wie in dem Lied wegnehmen würde....die Liebe wäre im Alltag nicht mehr wahrnehmbar. Ich mußte ihr auch erst "zu streicheln" beibringen...das kann sie jetzt..aber am Beginn waren 2 cm Daumenbewegung das Maximum an Zärtlichkeit. Sie bemüht sich ja auch, kann jetzt sogar mal "Danke" sagen..auch das kam ihr am Anfang nicht über die Lippen..., sie versucht im Haushalt etwas mehr zu machen, sagt, sie will mir sogar beistehen, daß ich doch noch - wie geplant - mich selbständig machen kann...aber das alles ist so zäh und mühsam. Ab und an denke ich, ich habe noch einmal ein Kind mit ihrer Person (auch diese Problematik hat sie: Aussöhnung mit dem inneren Kind)...und andererseits ist sie doch so sehr Frau.

Fordern soll ich sie? Aber das tue ich. Gebe ihr Bedingeungen, eine festen Rahmen an dem sie sich klammern könnte nach dem Motto: ist das erfüllt, passiert das. Auch das ist kräftezehrend, weil es ja so viele Möglichkeiten im Leben gibt und ich ihr zu jeder meine Prognose abliefern darf. Und wenn ich das dann tue, dann heißt es: ich setzt ihr die Pistole auf die Brust, ich erpresse sie, ich liebe sie eben dann doch nicht, so wie sie ist, denn dann würde ich sowas nicht sagen.... Dagegen kann man nicht an Leute..irgendwann ist alles gesagt und sie hat trotzdem noch immer Fragen, Zweifel, Ängste...und darum wird sie stehen bleiben und keinen Schritt machen, sich allenfalls erneut den Schritten ihres Vaters unterwerfen und ich müßte wieder kämpfen und sie zurückholen...

Aber ich bin mürbe und müde geworden. Im Prinzip war ich es schon, bevor ich hier gepostet habe. Es war ein letztes Aufbäumen, eine Hoffnung, irgendwer da draußen hätte DIE Lösung für mich. Aber ich muß auch irgendwann einsehen, daß es vielleicht doch keine gibt. Ich danke Euch wirklich sehr, daß ihr so Anteil genommen habt.

Liebe Grüße, Joshua


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 16.10.2003 19:48




(@joshua)
Schon was gesagt Registriert

Noch eine Frage an Euch.
Hab mir Eskimas Buchtitel:"Ich hasse Dich verlass mich nicht" bei amazon.de angeguckt und nun ist mir etwas flau im Magen. Denkt ihr, das hier geschilderte Verhalten paßt auf "Borderline"? Meine Schwester hat sowas schon mal angedeutet und naja, je öfter man das gesagt bekommt, um so wahrscheinlicher erachtet man das wohl selbst. Würde dann gerne das Buch kaufen und lesen...wegen meiner Finazlage aber natürlich nur, wenn es wirklich auf meine Geschichte zutreffen könnte. Was meint ihr?
Danke für Euere Meinung, Joshua

Nachtrag: meine Freundin lebte bis zu ihrem zweiten Lebensjahr bei ihrer Großmutter, weil ihre Eltern noch studierten und wurde dann dort unter vielen Tränen von ihren Eltern weggerissen - sie soll wochenlang nur geweint haben.

[Editiert am 16/10/2003 von Joshua]


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 16.10.2003 21:53
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Joshua,

eine Diagnose können wir als Normalsterbliche nicht stellen, dafür bedarf es schon einen Fachmann ;-) ich habe dir einfach nur gesagt, was mir dazu eingefallen ist. Wenn du dich darin wiedergefunden hast, bzw. deine Freundin, dann ist das sicherlich ein Indiz, aber keine Diagnose. Und ich werde hier niemanden auf die Schiene schicken wollen.

Du könntest aber mal zu dem Thema googlen, es gibt eine Menge Seiten dazu. Guck dir die Symptome an und die Ursachen, entweder es wird gefühlsmäßig "rund" für dich oder du sagst, das kann auf keinem Fall angehen. Und dann kannst du bei Bedarf immer noch ein Buch kaufen oder in der Bücherei ausleihen, sofern vorhanden.

Liebe Grüße

eskima


Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist - Indianische Lebensweisheit
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AntwortZitat
Geschrieben : 17.10.2003 00:19
 mel
(@mel)

nach deinen berichten leidete sie nicht nur unter dem borderline syndrom dazu kommt eine nazistische persönlichkeitstörung.
auf der startseite steht ein bericht von andritzky den solltest du dir mal ansehen.
gruss
mel


AntwortZitat
Geschrieben : 17.10.2003 12:26
(@teuker)
Rege dabei Registriert

Also, es liegt mir zwar fern, auf Grund von Schilderungen eine Diagnose stellen zu wollen, dennoch erinnern mich doch viele der geschilderten Verhaltensweisen an meine (beruflichen) Erfahrungen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Ich weiß, wieviel Kraft es kostet, mit Borderline-Persönlichkeiten zu arbeiten - um wieviel mehr Kraft muss es kosten, mit einem solchen Menschen zu leben, diesen Menschen zu lieben. Ich ziehe meinen (nicht vorhandenen) Hut vor dir. Ich persönlich mache privat einen großen Bogen um Menschen mit psychischen Behinderungen, denn ich weiß, dass ich das, was ich im Beruf Tag für Tag tue, zu Hause weder leisten möchte noch leisten könnte.

Was ich im Umgang mit Borderline gelernt habe ist, dass - wohlgemerkt, ich spreche hier nur von den Personen, die ich kenne - sie Vieles erreichen wollen, zunächst auch völlig euphorisch sind, dann aber kapitulieren, sobald sie merken, dass sie selbst etwas leisten müssen, dass sie selbst aktiv werden müssen. "Meine" Borderliner erwarten immer, dass Andere aktiv werden, damit sie ihre Ziele erreichen können. Ich will es mal ein wenig provokativ ausdrücken:

Ich selbst habe Borderline als anderes Wort für Faulheit und Bequemlichkeit kennen gelernt.

Das Frustrierende für die betreuende Person besteht darin, dass Fortschritte nie von Dauer sind und dass es Borderliner vorzüglich verstehen, insbesondere Menschen, denen sie nicht egal sind, zu verletzen, ihnen Schuldgefühle zu verursachen und sie auszuspielen.

Du musst aufpassen, dass du nicht - ähnlich wie Partner von Alkoholikern - in eine Art Co-Erkrankung rutschst. Ich muss gestehen, dass ich deine Postings nicht bis in alle Einzelheiten gelesen habe und deshalb auch im Moment nicht weiß, ob du dir bereits für dich selbst Hilfe gesucht hast. Auf jeden Fall solltest du dich schlau machen, ob es in deiner Umgebung eine Selbsthilfegruppe für Partner von psychisch kranken Menschen gibt, wo du dir ggf. Rat und Hilfe holen kannst. Du kannst dich auch mal HIER umschauen

Was mich ein wenig stutzig gemacht hat, weil es so verdammt gut ins Bild passt - aber auch hier muss ich betonen, dass das nur ein Gedanke ist und nicht zutreffen muss:

Borderline-Erkrankungen sind fast immer eine Folge von Missbrauch in der Kindheit (sei es körperliche Züchtigung oder sexueller Missbrauch). Verstehst du, worauf ich hinaus will?
Du schilderst ihren Vater heute noch als mächtig, als dominant - und deine Freundin macht den Eindruck, als sei sie ihm hörig. Hast du schon einmal in diese Richtung gedacht? ...

Entschuldige, wenn ich mich jetzt nicht sehr positiv geäußert habe, aber ich will es nochmal ganz drastisch ausdrücken:

Meine Freunde warne ich, sich mit psychisch Kranken auf zwischenmenschlicher Ebene einzulassen. Sie fressen dich auf!

Wenn du magst, können wir uns über dieses Thema auch gern per Mail weiter unterhalten.

Liebe Grüße
Gaby

[Editiert am 17/10/2003 von teuker]


Gelassenheit setzt großzügiges Denken voraus.

(Ernst Ferstl, Österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker)

AntwortZitat
Geschrieben : 17.10.2003 15:53
(@joshua)
Schon was gesagt Registriert

Liebe Gaby,

Danke für Dein posting. Ich habe mich nun entschieden, ein Buch über Borderline zu bestellen. Es läßt mir ja eh keine Ruhe mehr, wenn sich die Aussagen aller hier in diese Richtung häufen - auch wenn es freilich nur ein "könnte - sein" ist.

In die Richtung "sexueller Mißbrauch" habe ich gedacht, ja, denn ich habe in jedwede Richtung gedacht. Habe sie gefragt, ob sie die Medikamente gegen die Angstattacken dämpfen, weil sie Welt um sich herum nur wie durch Watte wahrnimmt oder eben gar nicht - aber nein, die würden sogar "pushen". Die Frage nach sexuellem Mißbrauch als Kind durch ihren Vater oder Verwandte hat sie auch verneint, obwohl es im sexuellen Gebiet auch ab an und zu Situationen gekommen ist. die mich wieder etwas an dieser Aussage haben zweifeln lassen. Letztendlich gab es aber schon einen Vorfall in ihrem Leben, der bestimmt traumatisch war (zusätzlich zu dem Weggerissen-werden von der Bezugsperson als Zweijährige), aber ich habe ihr versprochen, darüber zu schweigen, weil nur ich und ihr Therapeut davon wüßten und diesen Wunsch möchte ich respektieren - ich hab schon bei dieser Andeutung jetzt ein schlechtes Gewissen.

Euphorie ist meiner Freundin fremd - wie gesagt, es läuft nach ihren Angaben alles "intern" ab. Aber auch damit könnte ich leben. Es ist nur so, daß sie ein gewaltiges Problem hat, sich zu entscheiden und zu dieser Entscheidung zu stehen. Es gab unzählige Situationen, in denen sie sich zu etwas durchgerungen hatte und ich mich so gefreut habe und keine 10 Minuten später war Trauermine bei ihr angesagt und die Nachfrage, was denn nun sei, wurde mit Zweifeln und Ängsten erklärt, ob der Entschluß auch richtig sei. Ich war echt am Ende soweit, daß es mich nicht einmal gestört hätte, wäre sie tatenlos geblieben - ich hätte das schon hingekriegt....aber es war ja nur Stillstand und Lähmung, weil alles wieder sofort angezweifelt und hinterfragt wurde. Die Tage vergingen mit diskutieren. Ich habe zig-fach gebettelt, wir mögen endlich einen Fahrplan machen, was Schritt für Schritt getan werden muß, nur um aus dem Stillstand zu kommen...aber auch dazu war sie nicht in der Lage. Jetzt im Nachhinein mit der Begründung, sie sei ja schwanger gewesen und JETZT sei sie kräftig und könne loslegen - nur diese Versprechen bekomme ich, seitdem ich sie kenne mit wechselnden Entschuldigungen, warum es doch nicht gegeangen sei, daß sie "kraftvoll und entschlußfreudig" war.

Naja, wie schon einmal gepostet, derzeit ist das Forum hier eigentlich mehr eine Art "Vergangenheitsbewältigung" für mich geworden und mein Schreiben nicht mehr von der ursprünglichen Hoffnung getragen, einen Weg zu einer gemeinsamen Zukunft, die für beide schön sein könnte, aufgezeigt zu bekommen.

Trotzdem Danke für´s "zulesen"

Grüße von Psycho in spe


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 17.10.2003 17:56
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Teuker,

ich hab dein Posting jetzt etwas sackenlassen, aber mir stößt es immer noch auf :exclam:

Du schreibst:

Meine Freunde warne ich, sich mit psychisch Kranken auf zwischenmenschlicher Ebene einzulassen. Sie fressen dich auf!

Wo bleibt denn da die Menschlichkeit? Und wer ist heutzutage denn schon psychisch gesund?

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass die Ausschläge nach oben und nach unten gleich hoch sind. Soll heißen: so hoch wie die Freude und der Enthusiasmus schlägt, so tief schlagen auch die Tiefschläge. Als Alternative gibt es die Flatrate (=Nulllinie).

Ein jeder mag selbst wählen, mit welchen Höhen und Tiefen er/sie in seinem Leben leben möchte. Und ich persönlich mag auch lieber die stabile Beziehung, die nicht von Stürmen geschüttelt wird. Aber ich kann jeden verstehen, der meine Einstellung zu langweilig findet.

Ich fühle mich nicht aufgefressen von psychisch Kranken, ich erlebe sie als Herausforderung. Sie fordern mich heraus, mein Leben zu überdenken und Stellung zu beziehen. Ich darf nur nicht den Fehler machen und mich auf ihre Launen und Erpressungsversuche einlassen.

Und ich glaube daran, dass psychiche Erkrankungen überwunden werden können. So wie auch ein gebrochener Knochen heilen kann. Sicherlich erfordert es die Erkenntnis und die Bereitschaft des Erkrankten, aber ich möchte ihnen grundsätzlich als Mensch erstmal begegnen. Ihre Krankheit und ihre Lebenserfahrung bereichern mein Leben.

Liebe Grüße

eskima


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AntwortZitat
Geschrieben : 19.10.2003 03:37
(@teuker)
Rege dabei Registriert

Hallo Eskima,

ich kann verstehen, dass du mit meiner Haltung nicht klar kommst, ich habe auch betont, dass es meine ganz persönliche Einstellung ist, die niemand für sich übernehmen muss.

Bevor ich anfing, mit geistig und psychisch behinderten Menschen zu arbeiten, war meine Einstellung ähnlich idealistisch wie deine. Seit ich Tag für Tag damit konfrontiert bin und die tägliche Frustration erlebe, wenn ein vermeintlicher Fortschritt sich als Rückschlag erweist, hat sich meine Haltung geändert.

Stimmt, du hast Recht: psychisch Kranke fordern dich heraus - aber leider 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr - und wo bitte bleibst du dann dabei?

Ich komme gerade vom Nachtdienst, wo ich vier Stunden lang damit beschäftigt war, eine Frau, die in einer Psychose steckte, da wieder rauszuholen. Das ging so weit, dass ich mich beschimpfen und angreifen lassen musste - als sie ein Messer nahm, fand ich das nicht mehr lustig. Ich kann dir versichern, ich WEISS wovon ich rede und ich möchte noch einmal betonen, dass meine Meinung diesbezüglich nicht geteilt werden muss. Trotzdem, fragt mich ein Freund um Rat, kann ich ihm oder ihr nicht mit gutem Gewissen raten, die Herausforderung, wie du es nennst, anzunehmen.

Eine kleine Sache noch: wer mich kennt, weiß, dass ich von Unmenschlichkeit so weit entfernt bin, wie ein Eskimo von Hawaii. Ich habe nur erkannt, dass alles - und dazu gehört vor allem die eigene Leistungs- und Leidensfähigkeit - seine Grenzen hat - daran ändert auch mein Helfersyndrom nichts. Ich würde es als gesunden Selbsterhaltungstrieb bezeichnen.

Liebe Grüße
Gaby

@DeepThought: wenn du magst, kannst du die letzten beiden Teile des Threads in den allgemeinen Bereich verschieben. Vom eigentlichen Thema sind wir ja mittlerweile meilenweit entfernt. Meine Schuld, sorry :redhead:


Gelassenheit setzt großzügiges Denken voraus.

(Ernst Ferstl, Österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker)

AntwortZitat
Geschrieben : 19.10.2003 10:15
(@joshua)
Schon was gesagt Registriert

Hallo Eskima, grüß Dich Teuker!

Meiner Meinung nach habt ihr beide recht – wobei es bei dem Thema ja nicht ums „Recht-haben“ geht. Aber was ich durch Euere Posts gelernt habe und erst jetzt sehe, ist eben, dass auch vieles, was in der „Partnerschaft“ abgegangen ist, auch an mir gelegen hat.

Ich bin eben vom Typ her eben jemand, der gerne ein „bewegtes“ Leben hat, wie Eskima es beschrieben hat, keine Flatrate will. Aber natürlich, ist das, was ich mit meiner Freundin erlebt habe, so nicht zu ertragen, weshalb ich Teuker zustimme, dass man sich vor psychisch Kranken schützen muß, um eben nicht 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr einen vergeblichen Kampf gegen Windmühlen abzuleisten. Mit Eskima teile ich wiederum die Auffassung, dass es sich aber in jedem Fall lohnt, zu kämpfen und wenn man – wie ich anscheinend – dann durch diesen Kampf auch noch unterbewusste Bedürfnisse gestillt bekommt, dann mag das zwar insgesamt eine „kranke Beziehung“ sein, aber wenn beide damit klar kommen, warum denn dann nicht so eine leben?
Wichtig ist aber, wie Teuker sagt, dass man sich selbst erhalten muß und nicht in der Fürsorgeaufgabe um den anderen aufgehen, sich auflösen darf. Darum bin ich froh, hier gelandet zu sein und dass ihr mich auf die Fährte von Borderline gebracht habt. Ich war nicht nur erstaunt und erschrocken, wie viel von den Symptomen der Borderline-Erkrankung auf meine Freundin zutrafen, sondern vor allem auch, wie viele Charakteristika ICH SELBST als bevorzugten Gegenpol von Borderlinern erfülle. Zu 80 % trafen die Aussagen, die Borderline-Partner über sich machen, auch auf mich zu!!!

Erkenntnis ist der beste Weg zur Besserung heißt es und so glaube ich, dass ich vielleicht nun doch das notwendige Handwerkszeug habe, um in erster Linie in meinen Verhaltensstrukturen anzusetzen und zugleich Verständnis für Handlungen meiner Freundin zu haben. Ich spiele einfach das Borderline-Spiel nicht mehr mit und selbst wenn ich „rückfällig“ werde, dann kenne ich ja jetzt die Spielregeln zum ersten Mal in meinem Leben und kann daher steuernd eingreifen. Kein Ausgeliefert-sein mehr! Darum „Danke, wirklich Danke“ für den tollen Buchtip – mit jeder Seite beginne ich mehr und mehr zu verstehen, was eigentlich bisher passiert ist und das tut gut, denn ich konnte meine Freundin, unsere Beziehung und wohl auch mich selbst nie verstehen.

Letztendlich würde ich auch einem guten Freund nicht anraten, sich mit einer psychisch Erkrankten einzulassen. Wer will schon, dass ein guter Freund sein Leben so sehr erschwert, dass ihm permanent Kraft abgesogen wird, um die Beziehung überhaupt aufrecht zu erhalten, so dass Energie fehlt, die Beziehung so genießen zu können, wie es andere einfach so tun können. Aber deswegen heißt das doch nicht, dass man mit einem psychisch Kranken nicht auch ein erfülltes Leben haben kann, dass der Knochenbruch, wie Eskima schreibt, nicht doch mit Verständnis und Geduld, geheilt werden kann. Jederhat ein Anrecht auf SEIN Leben – ob das nun in den Augen anderer gut, sinnvoll, erstrebenswert ist oder nicht...

Liebe, versöhnliche und dankbare Grüße von Joshua


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 19.10.2003 15:35
(@eskima)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo,

da von Deep Thought noch keine Einwände kamen, mach ich hier mal weiter :)

@ Gaby:

ich habe einen anderen Ansatz, weil ich von psychischen Behinderungen, Auffälligkeiten, Krankheiten ausgegangen bin. Borderline ist das Grenzgebiet zwischen Neurose und Psychose, soweit ich es verstanden habe. Eine Psychose ist für mein Verständnis auch keine psychische Krankheit, sondern ein psychiatrisches Krankheitsbild.

Vielleicht liege ich jetzt daneben, bin eben nur ein Laie, aber das soweit zum Verstädnis dessen, was ich geschrieben habe und schreibe.

Ich würde es auch nicht witzige finden, von jemandem mit dem Messer angegriffen zu werden, egal aus welchen Gründen auch immer 😡 mich störte auch nur dein pauschaler Satz und ich habe kein Problem, mit deiner Haltung klar zu kommen ;)

Mein Hintergrund ist der, dass ich einen zu 100% geistig behinderten Bruder habe und oft erlebt habe, dass andere Kinder nicht mit mir spielen wollten, weil ich einen "doofen" Bruder habe. Ob die Angst vor Ansteckung hatten? 😀

Du schriebst:

Stimmt, du hast Recht: psychisch Kranke fordern dich heraus - aber leider 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr - und wo bitte bleibst du dann dabei?

und diesen Satz kann ich jetzt mit dem Hintergrund deiner Arbeit sehen. Ich ziehe meinen Hut vor dir, dass du diese Arbeit machst. Aber ich gebe auch zu bedenken, dass nicht alle psychisch Kranken ein so großes Krankheitsbild aufweisen wie das von dir gewählte Beispiel.

Für mich ist die Vorraussetzung im Privatleben, dass mein Gegenüber bereit ist, an sich zu arbeiten. Ich kommen nicht mit Leuten klar, die mich als seelischen Mülleimer benutzen wollen ohne Motivation, wirklich was zu ändern. Ansonsten bin ich gern bereit, Menschen zu begleiten, ihre Fortschritte und Rückschläge mitzuerleben und mitzutragen.

Sorry, wenn das mit der Menschlichkeit persönlich rübergekommen sein sollte. Für mich war es eher als Eingangssatz allgemeiner Art gemeint und keinesfalls auf dich gemünzt ;)

@ Joshua

toll, wie du dich auf den Weg machst, einfach nur toll. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Kraft.

Liebe Grüße

eskima


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AntwortZitat
Geschrieben : 19.10.2003 16:01
DeepThought
(@deepthought)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

@teuker und eskima

Och, ich bin ja nu nicht der Zensurmokel :question:

Dieser Thread hat für mich ganz wesentliche Aspekte und darum lese ich ihn immer wieder durch. Die Hälfte der Zugriffszahlen geht also auf mein Konto 😀 Ganz besonders freue ich mich über die positive Veränderung bei Wawuschel, wie aus der anfänglichen Hilflosigkeit ein erstarkter Vater hervorging. Klasse, wirklich klasse.

Die entflammte Diskussion zeigt jedem Leser mögliche Facetten und Optionen im Umgang mit wie auch immer psychisch Kranken. Und jeder kann für sich aus der gezeigten Bandbreite seinen Weg finden. Auch dafür an euch beide meinen Dank.

Joshua schrieb: Jeder hat ein Anrecht auf SEIN Leben – ob das nun in den Augen anderer gut, sinnvoll, erstrebenswert ist oder nicht...

Hier möchte ich lediglich zu Bedenken geben, dass dieses nicht auf Kosten oder zum Schaden anderer gehen darf.

DeepThought


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!

AntwortZitat
Geschrieben : 20.10.2003 05:46