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Meine Geschichte - Durchhalten lohnt sich

 
(@farfaraway)
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Hallo,

Ich möchte hier gerne meine Geschichte aufschreiben, nicht weil ich im Moment konkret Hilfe suche oder Fragen habe, sondern weil ich mit meiner Geschichte gerne dokumentieren möchte, dass es sich immer lohnt zu kämpfen und nie aufzugeben. Ich hoffe das ich für den einen oder anderen damit etwas Inspiration sein kann und evt. Fragen beantworte ich natürlich auch gerne.

Meine Geschichte begann Mitte 2011 in Berlin. Mein Kind ist jetzt 9 Jahre alt. Mitte 2011 setzte mich meine DEF nach einem Streit, bei dem es auch zu gegenseitigen leichten Handgreiflichkeiten (Festhalten) kam, mittels Polizeigewalt vor die Tür. Die Polizisten waren sehr neutral, fast spürte ich Mitleid, nichtsdestotrotz zogen sie ihren Auftrag durch. Mit nur einer grossen Tasche, darin Klamotten und wenige Papiere stand ich auf der Strasse. Zwei Wochen Kontaktsperre aufgrund einer Anzeige wegen Körperverletzung im Gepäck.  Ich durfte mein Kind ebenfalls nicht mehr sehen. Zwischenzeitlich kam ich bei einem guten Freund unter, fand dann sehr zügig ganz in der Nähe eine kleine Wohnung. Unmittelbar danach platzierte meine DEF einen Antrag nach Gewaltschutzgesetz um mich gänzlich von der Wohnung fern zu halten. Das und die Anzeige wegen Körperverletzung verliefen im Sande. Die Staatsanwalt sah wg. Geringfügigkeit keinen Handlungsbedarf bei der Anzeige und damit fehlte dem Antrag nach Gewaltschutzgesetz die Grundlage.
Dennoch war ich am Boden, vermisste mein Kind. Nach drei Wochen liess DEF dann begleiteten Umgang mit ihrem Bruder, dem Onkel meines Kindes zu. Ich war damals wie gelähmt, ließ das zu. Drei Mal sah ich mein Kind, dann unvermittelt Kontaktabbruch und völliger Umgangsboykott. Über meine Anwältin erfuhr ich zwei Tage später wieso: Die Kinderärztin unseres Kindes hatte ein Attest ausgestellt, in dem ich sehr deutlich dem Verdacht des sexuellen Kindesmißbrauches ausgesetzt wurde. Das wurde noch unterstützt durch "Zeugenaussagen" der besten Freundin und auch der Mutter meiner DEF. Jetzt war ich wirklich am Boden. Wie gelähmt. Selbst meine Anwältin, ein Profi für Familienrecht, war erschüttert. Mit solcherart Schweinerei hätte sie nicht gerechnet. Ich wandte mich ans Jugendamt, DEF ebenso. Ich hatte erstmal Glück, das Jugendamt nahm die Vorwürfe offiziell ernst, regte eine Prüfung der Vorwürfe über eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe an, wirkte aber auch derart auf meine DEF ein, dass diese begleitetem Umgang, privat organisiert, zustimmte. Nun begleiteten Bekannte mein Kind und mich einmal die Woche für wenige Stunden. Parallel lief besagte Prüfung. Die bestand im wesentlichen aus Gesprächen und man erkannte schnell, dass die Vorwürfe haltlos waren. Dann tauchten neue Vorwürfe auf, ich sei erziehungsunfähig und übergriffig. Man müsste das Kind vor mir schützen, nur amtlich korrekter begeleiteter Umgang käme in Frage. Parallel beharkten sich die gegenseitigen Anwälte. Nach rd. 6 Monaten hin und her riet mir die Leiterin des Jugendamtes dazu zu klagen. Man käme bei DEF nicht mehr weiter. Es wurde ein Verfahrensbeistand eingesetzt, eine Psychologin. Die war toll, sehr auf das Kind konzentriert, sehr pragmatisch und erkannte sofort welche Spielchen hier liefen. Es wurde noch eine Interaktionsbeobachtung zwischen Kind und mir angesetzt, die ich mit super Beurteilung abschloss. Im kurz danach stattfindenden Gerichtsverfahren bekam ich dann meinen Standardumgang alle 14 Tage von Freitag nach der Schule bis Montag zur Schule sowie in der anderen Woche noch einen Tag zusätzlich. Ausserdem hälftige Ferien. Endlich, nach 6 Monaten Gezerre, psychologischen Tiefstpunkten, konnte ich aufatmen. Jeder Vorwurf von DEF wurde als haltlos vom Tisch gewischt. Im Prozess wurde sie sogar absolut unmissverständlich damit konfrontiert, dass sie das Sorgerecht verlieren würde, wenn sie ihre Verweigerungshaltung nicht aufgibt. In dem Moment tat sie mir sogar leid. Aber selbst schuld.
Mein Antrag auf Umgang lautete von Anfang an auf Wechselmodell. Ich bin von diesem Modell absolut überzeugt, hab mich sehr damit beschäftigt. Das bekam ich zuerst nicht, aber das Verfahren blieb offen, weil mein Kind sich noch einer psychotherapeutischen Behandlung unterziehen sollte und die Eltern einer Mediation. Erst nach deren Abschluss sollte das Verfahren beendet sein.
Es verging etwa ein dreiviertel Jahr, dann stellte ich zu diesem Verfahren erneut meinen Antrag auf Wechselmodell, sehr wohl wissend, dass meine Chancen schlecht stehen würden. Allerdings hatte das Berliner Kammergericht erst Ende Februar 2012 in einem ähnlichen Fall direkt für das Wechselmodell bzw. dessen Beibehaltung entschieden. Auf diesen Falle bezog ich mich. Ausserdem wollte mein Kind ebenfalls eine hälftige Aufteilung und wollte unbedingt mit über sein Schicksal entscheiden und auch angehört werden. Im Dezember 2012 also der erneute Prozess. Zuvor wieder Termine bei dem gleichen Verfahrensbeistand wie im ersten Prozess, was erneut positiv ablief. Ich konnte dort schon ein neues Umgangsmodell verhandeln, was so eine 60:40 Regelung vorsah. Der Gerichtstermin war dann nur noch Formsache, der Verfahrensbeistand wieder auf meiner Seite und auch den Wunsch des Kindes in den Vordergrund stellend.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch bereits kapiert wie das Spiel lief. Solche Gerichtsprozesse sind meiner Erfahrung nach eher eine Farce. Wer am Besten verhandeln kann, sich nicht ernsthaft mit den wichtigen Personen (Richter, Verfahrensbeistand) anlegt und autentisch rüberbringt, dass ihm am Wohle des eigenen Kindes gegelegen ist, kommt weiter. Am Ende holte ich sogar noch eine zusätzliche Woche heraus, nur weil ich beharrlich rumzickte und nicht nachgab. Der Richter war dann so genervt, musste zum nächsten Termin, dass ich diese Woche auch noch bekam. Eigentlich zum Lachen. Ich habe auch beruflich sehr viel mit Verhandeln zu tun und fühlte mich in meinem Element. Es ist nur ausserordentlich tragisch, dass es so in der Rechtsprechung um unsere Kinder abläuft. Wer dem System vertraut, der wird sehr wahrscheinlich entäuscht. Wer das System versteht und mitspielt, kann deutlich mehr herausholen. So meine Erfahrung. Eine Schande für unsere Kinder, aber das wird sich wohl noch lange nicht ändern.

In 2013 habe ich nun eine Aufteilung von 55% bei der KM und 45% bei mir. Das ergibt sich aus verschiednenen Regelungen, wie alle 9 Tage ist mein Kind für 5 Tage bei mir, die Feier- und schulfreien Tage der ersten Jahreshälfte ebenfalls bei mir, hälftige Ferien und noch zwei zusätzliche Wochen pro Jahr bei mir.

Für mein Kind und mich ist das fantastisch. Ich habe mir vergangenes Jahr auch dafür, um das realisieren zu können, einen neuen Job gesucht. Ich verdiene zwar weniger, habe aber mehr Zeit für mein Kind. Das ist es wert. In ein paar Jahren, wenn ich als Vater nicht mehr so ganz wichtig bin, suche ich mir vielleicht wieder was Neues. Mal sehen.

Die vergangenen 1,5 Jahre waren die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich habe mich von Umgangsverweigerung und Verdacht sexuellen Missbrauchs bis knapp an ein Wechselmodell durch gerichtlichen Vergleich herangearbeitet. Das war unendlich brutal. Aber es hat sich gelohnt. Es lohnt sich immer zu kämpfen. Es hat mich auch sehr in meinem Selbstbewusstsein gestärkt. Wenn Mann etwas will, nämlich Zeit mit seinem Kind, muss man es sich nehmen. So mies das für die deutsche Familienrechtsprechung auch ist.
Jedesmal wenn ich mit meinem Kind zusammen bin bekomme ich das tausendfach zurück. Ich hatte aber auch zum Glück viel Unterstützung durch Freunde. Sonst hätte ich es sicherlich nicht geschafft. Und eine gute Anwältin. Sehr sehr wichtig. Der Mist hat mich ein paar tausend Euro gekostet, meine Ersparnisse aufgefressen, aber egal.

Auch dieses Forum, die Geschichten und Kommentare haben mir sehr geholfen, mich immer wieder bestärkt. Ich hoffe ich kann mit meiner Geschichte ein klein wenig dazu beitragen, dass die Väter und Mütter, die um ihr Kind kämpfen, mutiger und zuversichtlicher werden und sich nicht durch aggressive Exen und antiquiert denkende Jugendämter abschrecken oder kleinhauen lassen.

Je mehr Väter Druck auf das System machen, desto mehr wird ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden. Auch wenn das heute nur punktuell sichtbar, z.B. in noch wenigen Urteilen dokumentiert ist. Ich bewundere die Väter, die bis zum EuGh gegangen sind und aufgezeigt haben was da in Deutschland schief läuft.

Lasst Euch nicht unterkriegen, Unsere Kinder werden es uns ihr Leben lang danken. Davon bin ich überzeugt!  🙂

Grüsse,

farfaraway


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 19.01.2013 17:17
(@Brainstormer)

Moin Farfaraway,

du hast eine harte Zeit hinter dir, die ich persönlich niemals erleben möchte und in der viele sicherlich zerbrochen wären. Respekt für deinen Kampfeswillen und dein Durchhaltevermögen und natürlich alles Gute für dich und dein Kind.

Gruß
Brainstormer


AntwortZitat
Geschrieben : 20.01.2013 01:01
(@wedad)
Rege dabei Registriert

Moin Farfaraway,

Danke für Deine Geschichte und Deine Schilderung, die ich so unterschreiben kann. Auch ich gehe, nach anfänglichem Kopflosdurchdiegegendrennen) Schritt für Schritt vor. Das verdanke ich zu einem nicht geringen Anteil, meiner besseren Hälfte  😉 .
Und das die Entscheidung vor dem KG Berlin fiel macht mir umso mehr Mut als dass meine nächste Verhandlung auch dort stattfinden wird.

Danke und Gruß
Ole


***never give up***

AntwortZitat
Geschrieben : 20.01.2013 01:09
(@brighid)
Schon was gesagt Registriert

Hallo,

zunächst möchte ich mich vorstellen.
Als ich mich von meinem Ehemann trennte, war unser gemeinsames Kind knapp 4 Jahre alt. Ich bin mit diesem Kind und einer Tochter aus 1. Ehe ausgezogen, u.a. weil ich meine Tochter nicht mehr mit meinem Ex alleine lassen konnte. Nein! Keine sexuellen Übergriffe....er ist einfach mit dem "fremden" Kind nicht klar gekommen...(und mit mir auch nicht...). Den Sorgerechtsstreit habe ich als Mutter zunächst  verloren, nach 3 Jahren gewonnen, dann wurde Urteil ausgesetzt, der Vater hat das Kind bei sich eingeschult....und ich mußte nachgeben. Inzwischen ist dieses Kind 14.
Ich blicke also auf 10 Jahre leidvolle  "Erfahrungen" zurück und auf ein Rechtssystem, das damit überfordert ist! Aber ich hoffe, Deine Erfahrungen bald bestätigen zu können.
Bei uns hat der Vater nichts unversucht gelassen, den 14tägigen Umgang zu vermiesen.  Ich stelle mal die Behauptung auf, dass nicht  die "bösen" Mütter  das Problem sind, sondern die Macht des Aufenthaltsbestimmungsrechts. Mit Macht ist es wie mit Weizen, der gedeiht nur auf gutem Boden...... (frei nach einem chinesischen Sprichwort).  Inzwischen ist der pupertäre Sohn in diesem fortdauernden Streit überfordert.  Er zeigt deutliche Symtome von PAS und das "System" schreit nach einem Kinderpsychologen. Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass so vile Kinder vor die "Wand fahren".  Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand und das solche einfachen Dinge wie Moral wieder in den Vordergrund gestellt werden. Da würden wir Anwälte und Richter arbeitslos machen....kicher... nette Vorstellung


AntwortZitat
Geschrieben : 21.01.2013 00:46