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 rbg
(@rbg)
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Liebe Leute,

erst einmal bin ich ganz überrascht und froh, ein so angenehmes und dem äußeren Anschein nach für viele Leute äußerst hilfreiches Forum gestoßen zu sein, das offensichtlich für alle Lebenslagen und fast alle Fragen eine Antwort finden hilft. Finde ich ganz toll!

Natürlich bin ich nicht zufällig hier, sondern befinde mich auch in einer Umbruchphase, genau genommen tue ich das schon seit zwei Jahren und muss die Sache jetzt ernsthaft voran treiben, um irgendwie klar zu kommen. Aber vielleicht fange ich vorne an:

Ich bin fast 33, verheiratet seit 2007 mit meiner damaligen Freundin, mit der ich damals seit etwa vier Jahren zusammen war. Getroffen haben wir uns auf meiner Wohnungssuche,  es lief trotz Fernbeziehung gut und wir haben geheiratet, kurz nachdem ich nach dem Studium zu arbeiten angefangen hatte. Es lief gut, wir machten das, was man so macht, Probleme gabe es nicht viele, persönlich war es immer schwierig mit ihr unter Leute zu kommen, sie hatte wenig Kontakte und kam bei starkem Ehrgeiz beruflich nicht weiter im Gegensatz zu mir, der ohne wesentlichen Ehrgeiz einen guten Job hatte und hat, allerdings mit hohem persönlichen und zeitlichen Aufwand. 

Eigentlich einziges großes Problem war immer ihr Kinderwunsch, der sie offenbar sehr quälte. Bei mir war das nicht so, natürlich wollte ich Kinder, aber eigentlich wollte ich nach dem Studium erstmal was vom Leben haben. Als unsere kleinen Geschwister uns mit dem Kinderkriegen überholten, war das für sie eine massive Demütigung, wenn Freunde von mir Kinder bekamen, durfte ich mich eigentlich nicht - oder nur heimlich - für sie und mit ihnen freuen, weil sie auch das als Demütigung empfand, Vorwürfe kamen zusehends offener und wir vereinbarten, nach einem gemeinsamen Urlaub mit dem Kinderkriegen loszulegen. Retrospektiv war die Beziehung gefühlsmäßig zu dem Zeitpunkt für mich schon ziemlich gelaufen, die offene, großzügige Frau, in die ich mich verliebt hatte, war mir fremd geworden und ich versuchte irgendwie gleichzeitig zu meinen Freunden und zu ihr zu halten, weil ich ja schon verstand, dass sie sehr gequält war, auch wenn ich nicht so ganz verstand, warum. Ich bin offenbar relativ schlecht darin, mich zu fragen, warum es mir schlecht ging (und es ging mir miserabel), schob das auf den Job, der mir zwischenzeitlich alles abverlangt und ließ den Gedanken nicht zu, es könne an ihr liegen. Und dann traf ich eine andere und verliebte mich und auch vor diesen Gefühlen versteckte ich mich und wollte es nicht wahr haben und dann machte ich einen riesigen Fehler: sie wurde schwanger. Mit zunehmender Dauer der Schwangerschaft merkte ich, dass ich mich absolut nicht auf das Kind freuen konnte und konnte meinen Gefühlen nicht mehr entgehen. Ich hielt es nicht mehr aus, war zwei Wochen lang kaum zu Hause und habe ihr dann erzählt, dass ich es nicht mehr aushalte, dass sie mir fremd geworden ist und dass ich an meinen Gefühlen zweifle. ihr könnt Euch denken, was kommt: Wenn man es hart sagen will, habe ich eine Schwangere sitzen lassen. Ich habe bei meinen Eltern gesehen, was 40 Jahre unglückliche Ehe anrichten (für alle!) und ich konnte das einfach nicht. Ich kann bis heute nicht glauben, dass ich das gemacht und geschafft habe, auf der einen Seite bin ich froh und auch ein bisschen stolz (ich kann mich nicht besonders gut für mich selbst einsetzen), auf der anderen Seite frisst mein schlechtes Gewissen mich auf. Unsere Tochter ist ein Jahr alt, ich habe versucht, da zu sein, so gut es geht, war mit bei der Schwangerschaftsvorbereitung und war auch bei der Geburt dabei, versuche, zwei Mal in der Woche zu meiner Kleinen zu fahren (manchmal schwer, ich muss etwa ein Mal wöchentlich nachts arbeiten und da wir feste Tage haben, kann ich dann nicht zu ihr) und es ist wahnsinnig viel. Die Frau, in die ich mich verliebt habe, ist übrigens meine feste Freundin, die beiden kennen sich und fanden sich vom ersten Moment an furchtbar und das macht die Situation nicht leichter.

In den letzten Monaten war es ein dauerndes hin und her, wir haben vereinbart, dass wir alles Geld halbieren (sie arbeitet halbtags und hatte das von Anfang an so vor) und dass die Kleine sich sozusagen selbst finanziert. Der Geburtstag unserer Tochter wurde zum Stichtag für das Trennungsjahr definiert. Der ist nun vorbei und ich merke, dass ich da den größtmöglichen Schlussstrich ziehen muss, auch wenn das für mich total schwierig ist und ich furchtbare Angst davor habe, sie noch weiter zu verletzen, sie hat mich zwischendurch sogar mal gefragt, wann ich endlich nach Hause komme. So wenig ich fassen kann, dass ich mir diesen Freiraum - zu einem gewaltigen Preis für alle Beteiligten - erkämpft habe, so schwirig ist es für mich, das durchzuhalten. Am liebsten würde ich abhauen, auch wenn ich weiß, dass das absolut keine Option sein kann.

Ich werde also die Scheidung einreichen, einen Anwalt habe ich gefunden, der einen ordentlichen Eindruck macht und nun stehe ich da und frage mich, wie ich vorgehen soll. Ich würde am liebsten mit ihr alles so verabreden, dass wir wenig Scherereien haben, weiß aber nicht, wie sie das sieht. Ein Gespräch muss her, aber ich habe das Gefühl, das Thema überhaupt nicht zu überblicken und finde keinen Ansatzpunkt und natürlich Angst. Und da hatte ich auf Euch gehofft, wenn ich ehrlich sein darf. Die ersten Fragen, die sich mir aufdrängen, sind die folgenden:

- Ich würde ihr am liebsten einen Festbetrag im Monat anbieten (über den am - schwankenden - Gehalt orientierte Kindsunterhalt hinaus), sie kann die Wohnung nur halten, wenn ich sie unterstütze, das ist so ein bisschen das Pfund, das ich auf meiner Seite habe. Kann man sowas befristen? Macht es sinn, sowas zu verhandeln, bevor man einreicht?
- Sie wird vermutlich mit allen Mitteln verhindern wollen, dass meine neue Freundin meine Tochter trifft, kann sie das machen? Wie?
- Zu welchem Zeitpunkt kann sie die Scheidung verweigern und die Trennungszeit verlängern?
- Habt Ihr Tipps für eine Herangehensweise?

Ich danke schon mal herzlich für Eure Zeit, es tut gut, das aufzuschreiben und zu erzählen. Und vielleicht (hoffentlich!) habt Ihr ja eine Idee...


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 31.05.2012 13:34
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin rbg,

schwierige Kiste - vor allem, nachdem zwei Frauen involviert sind. Was das an Energie freisetzen kann, ahnst Du vermutlich noch nicht einmal.

Zu Deinen Fragen:

- Ich würde ihr am liebsten einen Festbetrag im Monat anbieten (über den am - schwankenden - Gehalt orientierte Kindsunterhalt hinaus), sie kann die Wohnung nur halten, wenn ich sie unterstütze, das ist so ein bisschen das Pfund, das ich auf meiner Seite habe. Kann man sowas befristen? Macht es sinn, sowas zu verhandeln, bevor man einreicht?

Zunächst einmal: Sie hat das "Pfund", Euer Kind zu haben; das wiegt im Zweifelsfall schwerer als Geld. Bzw.: Man kann das Kind einsetzen, um möglichst viel Geld zu bekommen. Hinzu kommt:
- Weder der Unterhalt für Euer Kind noch der für die Mutter orientiert sich an irgendwelchen "Schwankungen" Deiner Einkünfte; da wird einfach der Durchschnitt über einen längeren Zeitraum gebildet. Der Zahlbetrag ist dann immer derselbe.
- Wieviel Geld das konkret ist, hängt vor allem von Eurer Einkommensdifferenz ab. Sie muss mit einem 1-jährigen Kind (mindestens) die nächsten zwei Jahre überhaupt keiner eigenen Erwerbstätigkeit nachgehen. Vielleicht stellst Du diese Einkommenszahlen mal hier ein; dann können unsere Unterhaltscracks rechnen, was auf Dich zukommt.
- einvernehmliche Lösungen sind immer das Beste. Du hast allerdings schon einen Anwalt; dann solltest Du Dich nicht wundern oder gar entrüstet sein, wenn sie demächst auch einen hat. Und der wird nicht Dein Freund sein und auch nicht Deine Interessen vertreten, sondern ihre.
- natürlich kannst Du ihr jederzeit einen bestimmten Betrag anbieten. Auf den wird sie angesichts Eures aktuellen Disputs aber vermutlich nur eingehen, wenn er höher ist als der, den sie per Unterhaltsklage sowieso aus Dir "herausholen" kann. Deine Schilderung Eurer Situation hört sich jedenfalls nicht danach an, dass sie Dir finanziell freundlicherweise entgegenkommen würde, damit Du mehr Geld für Dein neues Leben mit neuer Frau zur Verfügung hast. Ihr Anwalt wird Dir dann gerne vorrechnen, was "ihr zusteht".

- Sie wird vermutlich mit allen Mitteln verhindern wollen, dass meine neue Freundin meine Tochter trifft, kann sie das machen? Wie?

nein, das kann sie nicht; was Du in "Deinen" Zeiten mit Eurem Kind anstellst und wen Du triffst, geht sie nichts an. Aber natürlich kann sie dafür sorgen, dass das Kind immer genau dann "krank" ist, wenn Umgangszeiten anstehen.

- Zu welchem Zeitpunkt kann sie die Scheidung verweigern und die Trennungszeit verlängern?

Zu jedem Zeitpunkt. Erst nach drei Jahren wird jemand auch gegen seinen Willen geschieden.

- Habt Ihr Tipps für eine Herangehensweise?

wenn irgendwie möglich: Sucht Euch einen Mediator, mit dessen Hilfe ihr sämtliche Scheidungsfolgen (also nicht nur die finanziellen) regeln könnt und Eurem Kind beide Eltern erhaltet. Alles andere wird teuer und unappetitlich. Zumal Deine DEF als Frau, junge Mutter, Verlassene und wirtschaftlich Schwächere an einem unendlich langen Hebel sitzt.

Grüssles
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 31.05.2012 13:59
 rbg
(@rbg)
Schon was gesagt Registriert

Hallo Martin,

das war ja eine wahnsinnig schnelle Antwort, vielen Dank!

Schwierige Kiste - vor allem, nachdem zwei Frauen involviert sind. Was das an Energie freisetzen kann, ahnst Du vermutlich noch nicht einmal.

Ich ahne ein bisschen - ein paar kleine Kostproben hatte ich schon. Ist für alle Beteiligten einfach mehr als furchtbar. Habe ich nicht gut gemacht.

Zu Deinen Fragen:Zunächst einmal: Sie hat das "Pfund", Euer Kind zu haben; das wiegt im Zweifelsfall schwerer als Geld. Bzw.: Man kann das Kind einsetzen, um möglichst viel Geld zu bekommen. Hinzu kommt:
- weder der Unterhalt für Euer Kind noch der für die Mutter orientiert sich an irgendwelchen "Schwankungen" Deiner Einkünfte; da wird einfach der Durchschnitt über einen längeren Zeitraum gebildet. Der Zahlbetrag ist dann immer derselbe.

Das habe ich offenbar unscharf formuliert - ich habe ein Grundgehalt und dazu kommen monatlich je nach Nachtarbeit, Wochenendarbeit etc. variierende Beträge, die Streuung liegt aber innerhalb von einigen Hundert Euro monatlich. Für mich wäre ein Festbetrag schön, weil ich die Möglichkeit hätte, sozusagen freiberuflich deutlich mehr zu verdienen, wovon meine kleine ja auch immer etwas hat. Die Mutter ist sehr stolz und ringt um Eigenständigkeit, zumindest hat sie das immer gesagt, ich könnte mir schon vorstellen, dass sie nur das Nötigste annimmt. Die für mich negative Variante ist natürlich etwas wahrscheinlicher, da gebe ich Dir Recht.

- einvernehmliche Lösungen sind immer das Beste. Du hast allerdings schon einen Anwalt; dann solltest Du Dich nicht wundern oder gar entrüstet sein, wenn sie demächst auch einen hat. Und der wird nicht Dein Freund sein und auch nicht Deine Interessen vertreten, sondern ihre.

Schön formuliert. Ich hatte gelesen, dass es Pflicht ist, einen Anwalt zu bemühen, also habe ich mir einen gesucht, im Prinzip, um mich zu informieren - er hat eine orientierende Berechnung gemacht und nachdem ich ihr die gezeigt habe, hatte ich sofort Post von einer Anwältin, bei der sie war. Im Prinzip ging es mir nur darum, dass wir endlich die Steuerklassen für dieses Jahr ändern sollten, das wird so schon ziemlich teuer, zieht sich aber über Monate.

- natürlich kannst Du ihr jederzeit einen bestimmten Betrag anbieten. Auf den wird sie angesichts Eures aktuellen Disputs aber vermutlich nur eingehen, wenn er höher ist als der, den sie per Unterhaltsklage sowieso aus Dir "herausholen" kann. Deine Schilderung Eurer Situation hört sich jedenfalls nicht danach an, dass sie Dir finanziell freundlicherweise entgegenkommen würde, damit Du mehr Geld für Dein neues Leben mit neuer Frau zur Verfügung hast. Ihr Anwalt wird Dir dann gerne vorrechnen, was "ihr zusteht".

Sie selbst hat mir gesagt, dass ich für die Mutter nach neuem Recht nur drei Jahre lang unterhaltspflichtig sein könnte (der Anwalt, bei dem ich war, hat davon nichts gesagt)- weiß da jemand etwas Genaueres? Ich würde anbieten, sie über die drei Jahre hinaus zu unterstützen, mir ist nämlich sehr daran gelegen, dass unsere Kleine in dieser sehr schönen Wohnung und Wohnlage bleiben kann - und das wird ohne mich kaum gehen.

nein, das kann sie nicht; was Du in "Deinen" Zeiten mit Eurem Kind anstellst und wen Du triffst, geht sie nichts an. Aber natürlich kann sie dafür sorgen, dass das Kind immer genau dann "krank" ist, wenn Umgangszeiten anstehen.

Immerhin. Mal sehen, wie wir das lösen, im Prinzip war das bisher alles konstruktiv - sie macht das mit der Kleinen wirklich super und ich schätze, dass es ihr vor allem darum geht, dass es ihr an möglichst wenig fehlt - so wie mir auch.

wenn irgendwie möglich: Sucht Euch einen Mediator, mit dessen Hilfe ihr sämtliche Scheidungsfolgen (also nicht nur die finanziellen) regeln könnt und Eurem Kind beide Eltern erhaltet. Alles andere wird teuer und unappetitlich. Zumal Deine DEF als Frau, junge Mutter, Verlassene und wirtschaftlich Schwächere an einem unendlich langen Hebel sitzt.

DEF?

So war meine Initiative nach dem Anwaltsbesuch eigentlich gedacht, das hat sie aber offenbar nicht verstanden, muss ich vielleicht noch mal neu versuchen. Wer kommt denn für eine solche Tätigkeit in Frage?

Grüssles zurück! 😉
rbg


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 31.05.2012 14:31
(@ingo30)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

HI RBG,

Schön formuliert. Ich hatte gelesen, dass es Pflicht ist, einen Anwalt zu bemühen, also habe ich mir einen gesucht, im Prinzip, um mich zu informieren - er hat eine orientierende Berechnung gemacht und nachdem ich ihr die gezeigt habe, hatte ich sofort Post von einer Anwältin, bei der sie war.

Da ich auch gute Erfahrungen mit einer einvernehmlichen Scheidung gemacht habe, würde ich Dir auch diesen Weg ans Herz legen - wenn es so für Euch möglich ist. Natürlich hat Deine DEF (Demächst Ex-Frau) auch das Recht sich rechtlich zu beraten lassen.
Das Prolem sehe ich darin, dass ein Anwalt nur seinem Auftraggeber verpflichtet ist - und Anwälte generell bei friedlichen Trennungen weniger verdienen als an strittigen. Deshalb wäre es sehr wichtig, dass (wenn ihr BEIDE) ein Interesse daran habt, es einvernehmlich zu versuchen, Eure Anwälte so aufstellt, dass ihr den friedlichen Weg gehen wollt. Dann spricht auch nichts dagegen, wenn der andere Anwalt die Entwürfe des anderen durchschaut.

Ansonsten sollte der Weg so ablaufen, dass Dein / Eure Anwälte zusammen eine Scheidungsfolgevereinbarung aufsetzen, worin alle wesentlichen Scheidungsfolgen (Kind, Wohnsituation, Hausrat, Versorgungsausgleich, Zugewinn) abschließd und zur Zufriedenheit beider Seiten geregelt wird. Dann gehts ab zum Notar der unparteiisch das Ganze nochmal mit Euch bespricht und dann beurkundet. Die Urkunde kommt dann mit dem Scheidungsantrag zu Gericht. Und ihr könnt dann innerhalb von 15 min geschieden sein. Vorteil auch: Wenn ihr schon zwei Anwälte habt, wird die Scheidung sofort rechtswirksam.

Also ein sehr guter Weg - wenn beide noch einen Funken Restvertrauen und einfach noch gesunden Menschenverstand in sich haben. Bei einer guten Regelung gibt es aus meiner Erfahrung einfach auch nichts mehr zum Streiten - denn alles Wichtige ist geregelt.

Dort können auch nachehliche Geldzahlungen festgelegt werden, was auch Sinn machen kann, um den Übergang in die volle Selbständigkeit der Exe gewährleisten zu können. Dennoch solltest Du eine Begrenzungslinie einbauen. Denn auch Deine Exe wird sich sehr bald wieder jemand nettes ins Haus hohlen. Und ob Du dann über Jahre den "Hausbezahler" spielen willst, obwohl längst genug Einkommen generiert wird, solltest Du Dir gut überlegen. Dazu kommt, dass Deine Exe umziehen kann wohin sie will. Wenn sie am Ort beschäftigt ist und sonst alles passt, wird das wohl nicht passieren. Aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Der Next aus dem 800 km entfernten Kuhdorf, wohin das neue Glück dann zieht, ist keine Seltenheit hier. Gruß Ingo


AntwortZitat
Geschrieben : 31.05.2012 19:01
(@neuezeit)
Nicht wegzudenken Registriert

Hallo rbg,

etwas "blöd" ist -finde ich-, dass in Eurem Fall schon Anwälte im Spiel sind. Vielleicht könntet ihr nach der Erstberatung da mal nen Stop einlegen?

Dies vor dem Hintergrund bzw. der Möglichkeit, eine Mediation zu machen. Dies hat brille schon aufgezeigt.

Da ich/wir dies "durch" haben und mit dem Ergebnis der Mediation über lange Jahre gut zurecht kamen (kein Anwalt die ganze Zeitg im Spiel) und letztlich mit nur einem (und das war sogar meiner) Anwalt geschieden wurden, kann ich auch nur raten, den Versuch zu starten.

Im Prinzip sollte Euch der Mediator neutral begleiten, Eure gemeinsamen Gespräche zu Lösungsfindungen sowie Lösungen/Kompromisse  dokumentieren und von Euch unterschreiben lassen. Dies hat zwar nicht wirklich Bestand vor Gericht, aber wenn Ihr Euch daran haltet ist dies schon fast der ganze Weg.

Bei meinem Beispiel hatten wir nur wenige Stunden (keine 10) und dann Kompromisse gefunden. Vom Geld (da hatte ich vorher hier Informationen bekommen) bis zum Umgang mit den kids. Die Jahre danach waren geprägt von fairem Umgang miteinander und auch selbstständig haben wir den gefundenen Kompromiss verändert (war auch nicht immer einfach). Den kids und uns hat es gut getan 🙂

Mein Beispiel soll Dir zeigen, dass auch dieser Weg machbar und gangbar ist.

neuezeit


So ist das Leben

AntwortZitat
Geschrieben : 01.06.2012 01:19
 rbg
(@rbg)
Schon was gesagt Registriert

Da ich auch gute Erfahrungen mit einer einvernehmlichen Scheidung gemacht habe, würde ich Dir auch diesen Weg ans Herz legen - wenn es so für Euch möglich ist.

Lieber Ingo,

ich hoffe sehr, dass wir das hinkriegen können und ich muss sagen, dass mir die doch in diesem Forum zu findenden positiven Erfahrungen - neben den ganzen Schlachten, die offenbar leider geschlagen werden - mich noch mehr motivieren, alles daran zu setzen, das hinzukriegen. Die Idee mit der Mediation (auf sowas war ich alleine nicht gekommen) ist total einleuchtend und ich habe direkt am Donnerstag mit meiner DEF (ich hatte zwar auch  an lange Haare, laute Töne und viel Emotion gedacht, allerdings etwas anders) darüber gesprochen und sie gefragt, was sie davon hält. Sie schien einverstanden, werden am Montag - Mo und Do sind die Abende, an denen ich meine Kleine besuche - noch ein bisschen darüber reden müssen. Sehr gute Sache, vielen Dank für die Idee, Jungs! Sie muss sich jetzt überlegen, ob es ihr recht ist, wenn wir zu dem Anwalt gehen, bei dem ich war oder wir jemanden sonst suchen sollen, mal sehen, wie sie sich entscheidet. Ich versuche, das offen zu halten und auch ihre Ängste vor allem angesichts vermeintlich drohender Armut zu reduzieren: ihre Anwältin hatte ihr offenbar erzählt, dass ich nach drei Jahren nichts mehr zahlen muss und das hat sie natürlich auf die Barrikaden gebracht. Konnte ich ausräumen, auch mit dem Hinweis darauf, dass ich meine verantwortung unserer Tochter und ihr gegenüber sehr ernst nehme.

Dort können auch nachehliche Geldzahlungen festgelegt werden, was auch Sinn machen kann, um den Übergang in die volle Selbständigkeit der Exe gewährleisten zu können. Dennoch solltest Du eine Begrenzungslinie einbauen.

Wie würde so eine Begrenzung aussehen? Zeitlich? Oder gekoppelt an Ereignisse (sie arbeitet voll, sie zieht um, sie zieht mit jemandem zusammen)? Gibt es hier Erfahrungen diesbezüglich?

etwas "blöd" ist -finde ich-, dass in Eurem Fall schon Anwälte im Spiel sind. Vielleicht könntet ihr nach der Erstberatung da mal nen Stop einlegen?

Hallo nz,

im Nachhinein habe ich das schlecht gemacht, das stimmt - die Idee, nach einem solchen Forum zu suchen, kam mir einfach zu spät (abgesehen davon, dass ich vom Niveau der Hilfe hier absolut überrascht bin) und ich brauchte einen Anhalt, wie ich die Sache angehen soll. Aus dem, was ich online fand, wurde ich einfach nicht schlau, viele Angaben widersprachen sich und viele Einzelfälle wurden nur vage umschrieben. Ich brauchte Infos und das habe ich meiner DEF auch so erklärt, die das hoffentlich verstanden hat - bis jetzt habe ich das Gefühl, dass sie das auch so sieht. Ich habe ihr mehrfach gesagt, dass ich das alles fair und offen lösen will und wenn sie mich ein bisschen kennt, wird sie das glauben, auch wenn ich sie so so enttäuscht habe.

Da ich/wir dies "durch" haben und mit dem Ergebnis der Mediation über lange Jahre gut zurecht kamen (kein Anwalt die ganze Zeitg im Spiel) und letztlich mit nur einem (und das war sogar meiner) Anwalt geschieden wurden, kann ich auch nur raten, den Versuch zu starten.

Wer hat denn die Mediation bei Euch gemacht? Wer kann sowas machen? Ich denke schon, dass der Anwalt, bei dem ich war, das gut machen würde, allerdings könnte sie natürlich glauben, dass da eine gewisse Parteinahme im Spiel ist. Mal sehen, was sie sagt.

Mein Beispiel soll Dir zeigen, dass auch dieser Weg machbar und gangbar ist.

Danke. Hilft mir wirklich sehr.


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 02.06.2012 10:26
(@biggi62)
Nicht wegzudenken Registriert

Hi rbg,

bei uns war's der Anwalt meines Ex, der (als erfahrener Fachanwalt für Familienrecht und Mediator mit über 10jähriger Berufserfahrung) von seinem Mandanten in meinem Beisein den Autrag bekommen hat, für unsere Familie eine tragfähige, faire Lösung zu formulieren. Dazu gab es einige Treffen zu dritt in seiner Kanzlei und Dutzende e-Mails. Am Ende hat er eine Kollegin aus einer befreundeten Kanzei dazu geholt, die seine Entwürfe in meinem Sinne mit juristischem Sachverstand gegengelesen und mich im Scheidungstermin formal vertreten hat. Weil sonst der Scheidungsfolgenvergleich nicht unmittelbar, sondern erst nach 4 Wochen rechtskräftig geworden wäre.

Beide Anwälte hatten von uns beiden den Auftrag einen fairen Vergleich auszuhandeln.

Das Ganze ging ohne hässliche Schlammschlacht relativ zügig über die Bühne. Es hat einerseits ein paar Euro mehr gekostet. Weil beide Anwälte eine Vergleichgebühr kassiert haben. Dafür haben sie aber auch viel gearbeitet und immer wieder an unklaren Formulierungen gefeilt. Andererseits war es deutlich günstiger als eine strittige Scheidung. Weil der Richter den Streitwert des Scheidungsverfahrens um 30% reduziert hat, wir sofort Rechtssicherheit hatten und uns nicht in jahrelangen Auseinandersetzungen verhakt haben.

Das Beste ist ohne jeden Zweifel, eine Scheidung, die gar nicht erst zu beantragt wird sowie das Streben danach, mit dem Partner, den man einst aus Liebe gewählt hat, die Konflikte in der Ehe zu lösen. Wo das nicht möglich ist, weil mindestens ein Partner sich innerlich soweit gelöst hat, dass die Ehe nur noch eine hohle Schale ist, ist ein solches Scheidungsverfahren sicherlich das geringste Übel.

Schlimm ist eine Trennung und Scheidung trotz allem - vor allem für die Kinder. Eine einvernehmliche Scheidung ist jedoch nicht ganz so schlimm wie eine hochstrittige, die sich über Jahre hinzieht und Unmengen an Zeit, Geld und Nervenkraft verschlingt. Zeit, Geld und Nervenkraft, die mein Ex und ich ebenso wie Ingos Ex und Ingo längst wieder zur Gestaltung unserer Leben nach der Ehe verwenden können.

Viel Erfolg wünscht euch

🙂 Biggi 


Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)

AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2012 13:11
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin rbg,

es gibt einen Grundsatz namens "während einer Mediation ruhen die Waffen". Was im Klartext bedeutet: So lange die Mediation läuft, sind Anwälte tabu.

Das eigene Bestreben nach einer friedlichen und einvernehmlichen Lösung stellt man gerade NICHT dadurch unter Beweis, dass im Hintergrund ein Anwalt die Messer wetzt, denn die Ziele beider Verfahren sind sehr unterschiedlich: Eine Mediation hat das Ziel, dass die Parteien selbst tragfähige Kompromisse finden, mit denen hinterher beide leben können; ein Anwalt ist dafür da, für seinen Mandanten das Maximum herauszuholen. Beide Wege gleichzeitig gehen zu wollen ist wie gleichzeitiges Gasgeben und Bremsen beim Autofahren. Und in beiden Fällen raucht und stinkt es...

Ich persönlich würde mir auch keinen Anwalt als Mediator suchen, sondern einen Familientherapeuten (man würde ja auch keinen Türsteher ansprechen, wenn man einen Babysitter sucht.) Findet man beispielsweise (auch als Nicht-Kirchgänger) bei der Caritas. Oder einfach mal googeln, im Telefonbuch schauen oder andere Leute fragen.

Grüssles
Martin
(dessen Ex es "damals" sinnvoll fand, direkt von ihrem Anwalt zu dem Mediationssitzungen zu kommen)


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2012 13:31
(@biggi62)
Nicht wegzudenken Registriert

Ich persönlich würde mir auch keinen Anwalt als Mediator suchen, sondern einen Familientherapeuten (man würde ja auch keinen Türsteher ansprechen, wenn man einen Babysitter sucht.)

Hi Martin,

und der Familientherapeut (Psychologe, Sozialpädagoge o.ä.) hat dann für euch alles so juristisch formvollendet formuliert, wie es beim Notar bzw. vor Gericht von deiner Ex und von dir benötigt wurde? Er hatte das Wissen über Gesetze und Rechtsprechung im Familienrecht, die man für die Formulierung einer tragfähigen Scheidungsfolgenvereinbarung nötig war? Respekt, das findet man bei der Caritas oder Diakonie selten. Wir haben damals keinen Mediator bei den Familienberatungsstellen gefunden, der sich dieser Aufgabe gewachsen fühlte.

Anwälte, die der kleinlichen Streitigkeiten im Familienrecht müde sind und für ihre Mandanten Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein wollen und die sich aus dieser Motivation heraus (und weil sich damit ganz ordentliche Stundensätze erzielen lassen) als Mediatoren weitergebildet haben, gibt es schon eine ganze Menge.

Allerdings ist es üblich, dass der Mediator nicht zugleich Partei-Vertreter ist.

Wenn der gemeinsam (zu viert an einem Tisch) erteilte Auftrag des jeweils eigenen Mandanten jedoch ausdrücklich ist, nicht das Maximum für einen Beteiligten, sondern das Optimum für alle Beteiligten und vor allem für die Kinder herauszuholen, ist die Formulierung eines fairen Scheidungsfolgenvergleichs für zwei kompetente und kooperative Anwälte keine unlösbare Aufgabe.

Weder dem Anwalt meines Ex noch meiner Anwältin würde ich in diesem Zusammenhang eine Türsteher- oder Kriegstreiber-Mentalität nachsagen wollen. Eher Babysitter- bzw. Seelsorger- und Löwenbändiger-Qualitäten im Umgang mit der eigenen nicht immer einfachen Mandantschaft. 

Diese Variante war nicht billig, aber ohne Zweifel ihren Preis wert. Das geht jedoch mit Sicherheit nicht mit jedem 08/15-Anwalt.

Gruß Biggi


Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)

AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2012 14:32
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin biggi,

was Du beschreibst, ist die "all-in-one"-Variante, bei der der Mediator gleichzeitig Psychologe UND Jurist sein muss. Sicher nicht zu unterschiedlichen Stundensätzen. Und wenn man dann gleich zwei dieser Koryphäen braucht, wird es tatsächlich schnell teuer.

Mein Ansatz war (und ist), zwischen den Parteien zunächst mit Hilfe EINES Mediators überhaupt einmal Einvernehmen und eine Vertrauensbasis (wieder) herzustellen sowie den beiderseitigen Wunsch, die anstehenden Fragen friedlich zu lösen. Die so gefundenen Ergebnisse kann man anschliessend (!) mit Hilfe eines Anwalts (den oft sogar der Mediator empfehlen kann) in juristisch tragfähige Form bringen. Das ist deutlich kostengünstiger; die Mediatoren der Caritas verlangen meines Wissens einen Stundensatz, bei dessen Ermittlung die Faustregel "2 Prozent des Monatsnettos" gilt.

Welche der beiden Varianten man schlussendlich wählt, muss jeder selbst entscheiden. Angesichts der Tatsache, dass vor Ablauf des Trennungsjahres sowieso keine Scheidung ausgesprochen wird, hat man jedenfalls auch genügend Zeit für die zweite.

Grüssles
Martin


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AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2012 15:29




(@ingo30)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hi RBG,

mir wäre an Eurer Stelle wichtig, dass ihr Eure Anwälte erst mal "einnordet" und zwar so, dass ihr es friedlich und einvernehmlich lösen wollt. Viele gute FamRechtsanwälte haben heute auch schon eine Qualifikation zur Mediation und können so ihr Wissen mit einbringen.

Wie Bigi schon schrieb, ist die Erstellung einer einvernehmlichen Scheidungsfolgevereinbarung keine Sache von 10 min oder ein-zwei Anwaltsterminen. Eine gute Vereinbarung ist eine passgenaue Vereinbarung für Eure Lebensverhältnisse. Dazu sind viele Treffen bzw. auch Telefonsitzungen mit dem zuständigen Anwalt nötig, um die Vereinbarung immer nachzubearbeiten oder Wünsche des anderen Partners einzupflegen. Das ist auch nicht ganz billig - lohnt sich aus meiner Erfahrung aber.
Danach sollte sich der Anwalt auch mit dem gewählten Notar in Verbindung setzen und auch noch mal mit diesem die Vereinbarung besprechen - gerade die Kombination aus FamRechts- und Vertragsrechtsexperten bietet gute Gewähr, dass ein ordentlicher Vertragstext zur Beurkundung herauskommt.
Postiv zu erwähnen ist auch die Bindungswirkung der Scheidungsfolgevereinbarung vor Gericht - sprich das Gericht muss sich an das Halten, was ihr vorher notariell beurkundet habt. Und als Dankeschön gibts auch noch die halbe Gerichtsgebühr erstattet - das ist doch schon mal was.

Begrenzungen können natürlich zeitlich gesetzt werden. Sie können aber auch z.B. an die Verwirkungensfrist bei eheänlichen Gemeinschaften angelehnt werden (z.B. wenn die Exe schon in einer dauerhaften Beziehung lebt). Wie gesagt, das benötigt intensive Beratung. Klar ist auch, dass ihr nicht Dritte, sprich die Sozialträger, durch so einen Vertrag belasten dürft - dann kann dieser seine Wirkung verlieren.

Ziel sollte es sein, dass Deine Ex durch Deine Unterstützung wieder so selbstständig wird, dass sie ihren Lebensunterhalt selber bestreiten kann. So können Geldzahlungen am besten eingesetzt werden und sorgen mit am besten dafür, dass nach der Scheidung auch die Unterhaltskette (zumindest bezgl. der Exe) irgendwann auch wirklich vollständig beendet werden kann. Gruß Ingo


AntwortZitat
Geschrieben : 02.06.2012 16:05
(@neuezeit)
Nicht wegzudenken Registriert

Wer hat denn die Mediation bei Euch gemacht? Wer kann sowas machen? Ich denke schon, dass der Anwalt, bei dem ich war, das gut machen würde, allerdings könnte sie natürlich glauben, dass da eine gewisse Parteinahme im Spiel ist. Mal sehen, was sie sagt.

Danke. Hilft mir wirklich sehr.

Unser Mediator war Anwalt für Fam.recht. Meine Ex hatte ihn ausgesucht, wobei ich wußte, dass es da keine "Querverbindungen" zwischen ihr und ihm gab.

neuezeit


So ist das Leben

AntwortZitat
Geschrieben : 04.06.2012 03:57