Liebe andere Eltern dieser Welt, ich lese schon länger in diesem Forum mit, hatte aber bisher Hemmungen, meine (unsere) Geschichte zu veröffentlichen. Heute nun sitze ich als ein Mischbündel aus Resignation, Trauer und Wut daheim und warte auf den Anruf, der mir sagt, wann ich mich endlich ins Auto setzen und meine Kinder 300km weit entfernt abholen darf. Heute? Morgen? Übermorgen?
Hier also bin ich: 39, geschieden, zwei ganz wundervolle Kinder (9 und 13). Getrennt habe ich mich 2008 aus (wie bei allen) vielen kleinen Problemen, die irgendwann zu Monstern wurden. Anfangs war es sehr schwierig, irgendwann wurde es besser bis hin zu einem normalen, freundlichen Umgangston, sofern ich nichts verlangte. (Zum Beispiel Kindesunterhalt.) Eine geregelte Umgangsdingsda gab es nicht, manchmal sahen sie ihren Papa jedes WE, manchmal 3 Monate nicht, je nachdem, wie er Zeit hatte. Meist habe ich sie zu ihm gefahren und abgeholt (ca. 20km) manchmal holte er sie Freitag von der Schule und brachte sie Montag früh dorthin zurück. Eine insgesamt sehr fragile Situation, in der ich mich darauf verlassen konnte, mich auf gar nichts verlassen zu können, ich hatte halt Gewehr bei Fuß zu stehen.
Im Frühjahr ist er in die 1000km ins Ausland gezogen und hat dort kein Einkommen. Allerdings bewog mich seine Entscheidung, hier wegzuziehen, im Sommer mit unseren Kindern ebenfalls wegzuziehen an einen Ort, wo man viel mehr Erfahrung mit Kindern wie unserem Sohn hat, ich schulde ihm zumindest den Versuch. Hiermit ist er einverstanden, ich versicherte ihm auch, für meinen Kilometeranteil aufzukommen.
Was seinen Umgang mit unseren Kindern selbst angeht, kann ich nur sagen, dass die genau die Trennungsgründe sind, die mich auch heute noch über die Kinder einholen. An sich geht es ihnen bei ihm gut, sieht man mal davon ab, dass sie bis nachts um drei FSK 16-18- Sendungen konsumieren, während er mit seinen handelsüblichen 2,0 Promille ins Bett gesunken ist (sie schlafen zu dritt in einem Bett). Oder die andere Sucht, über der er schon mal vergisst, seine Pornohefte vom Bett zu räumen (unser Sohn hat ihn schon mit 3 Jahren dabei beobachtet.) Wenn ich zu alldem etwas sagte, brannte jedesmal die Luft oder er drohte mit der Einklagung des alleinigen Sorgerechts.
Im Sommer war er mit unseren Kindern 2 Wochen im Urlaub, es war abgesprochen, er würde sie danach nach Haus bringen (mein neuer Partner und ich wollten mit den beiden ebenfalls wegfahren). Sie kamen nicht mit der Begründung, ihm würden die Hälfte der Ferientage zustehen. Ich versicherte ihm, er könne die beiden nach unserem Urlaub gern nochmal für ein paar Tage zu sich nehmen, aber erst das furchtbare Weinen unserer Tochter, die unbedingt mal wieder zu ihrer Mutter wollte, brachte ihn zum halben Einlenken. Halb, weil er kein Wort mehr mit ihr sprach.
Als sie Geburtstag hatte, kam er 2h zu spät, er hatte noch mit Kumpel Kaffee getrunken. An anderen WE brachte er sie auch gern mal einen Tag eher zurück, da standen sie halt ohne Vorankündigung vor der Tür und ich war froh, tatsächlich auch daheim gewesen zu sein. Heute nun waren sie bei ihm in der Schweiz über Silvester. Ein unsagbares Drama über die Feiertage dieses Jahr. Die letzten Jahre haben wir Heiligabend gemeinsam verbracht wegen der Kinder und Silvester hatte er sie. Dieses Jahr sagte ich ihm, dass er gern am 25. zu Gans und Klößen kommen könne, da ich etwas Bedenken wegen der Stimmung zu Heiligabend hatte, da er meinem neuen Partner und mir als Konstrukt grundsätzlich nur das Schlechteste attestiert, auch vor den Kindern. Silvester war klar, dass sie zu ihm fahren, nur der Heimweg war ein Thema, den konnte er nicht mehr bezahlen und wollte, dass ich die 1000km zu ihm fahre oder 300€ in Tickets investiere (die ich nicht habe und auch nicht einsehe, immerhin zahle ich alles für die Kinder allein). Also kam ich ihm halb entgegen und sagte, wir können uns gern am Samstag auf einer konkreten Raststätte treffen, immerhin insgesamt auch 600km für mich. Gestern abend nun kam eine mail, in der er Sonntag festlegte. Heute habe ich ihn endlich telefonisch erreicht, ohne Ergebnis. Samstag wäre angeblich nie vereinbart gewesen. Er würde nochmal zurückrufen. Nix läutet und ich sitz da und weiß nicht, wie es weitergeht.
Was tun? Ich habe es so verdammt satt, ich finde es respektlos und demütigend. Ganz abgesehen davon, dass ich die Klappe nicht mehr halten mag (ich habe das meist für unsere Kinder getan, weil er im Falle meines Ungehorsams sofort über die beiden geht in Form von Druck, übles Reden, armer Papa kann doch nicht etc.)., hab ich auch Angst vor seiner Psychotour. Was, wenn er mir beispielsweise das Umzugseinverständnis wieder entzieht? Wie kann der Umgang in Zukunft aussehen, wenn ich mich nie darauf verlassen kann, unsere Kinder am verabredeten Tag wieder begrüßen zu dürfen? Was, wenn er mal auf die Idee kommt, die beiden ganz bei sich zu behalten (er erzählte unserer Tochter vor etwa einem dreiviertel, halben Jahr, sie solle bei ihm leben). Kann mir bitte irgendwer hier einen Rat geben, wie man aus einer solchen Situation jetzt und zukünftig den meisten Frieden rausholen kann, ohne sich dafür permanent zum Deppen machen lassen zu müssen? (Den Gedanken, dass er jemals Unterhalt für unsere Kinder zahlen wird, habe ich hierbei schon komplett abgeschrieben. Ich möchte einfach nur, dass er sich fair und verantwortungsvoll verhält, mit klaren Absprachen und altersgerechter Behandlung unserer Kinder.)
Lieben Dank an alle, die das hier lesen.
Herzlichste Neujahrsgrüße
Alanai
Ok, der Anruf kam und ich gebe Alanai die Antwort als Alanai: ich brauche einen Anwalt. Er hat entschieden, dass die Kinder bis Sonntag bei ihm bleiben. O-Ton. Es hätte nie eine Vereinbarung gegeben. In Ordnung. In Zukunft alles schriftlich. Ich werde mich Sonntag brav ins Auto setzen und insgesamt 600km fahren, um meine Kinder zurück zu bekommen. Das letzte Mal. Und ich werde die Klappe nicht mehr halten, ich halte den Schaden damit von unseren Kindern nicht fern, indem ich sie weiter dieser Zerissenheit aussetze. Es ging über Jahre nur mit Stillhalten und alle Eskapaden erdulden, in denen er genauestens über alle seine Rechte und keine seiner Pflichten im Bilde war. Ich mag nicht mehr.
Moin Alanai,
willkommen hier im Forum.
Was mir aufällt:
- Umgang: Umgang sollte geplant und verlässlich stattfinden. Damit scheint ihr große Probleme zu haben. Aus der Forenerfahrung kennen manche unserer weiblichen Mitglieder auch Ex-Partner, die auf Grund von psychischen Störungen oder einfach auf Grund mangelnder Verlässlichkeit nicht zu geplanten Umgängen zu aktivieren sind. Hier muss eine Strategie entwickelt werden, den KV auch zur Einhaltung des Umgangsplans zu bringen.
- Unterhalt: Kinder kosten Geld und der KV hat eine Pflicht diesen zu leisten. Als KM stehen Dir dafür mannigfaltige Maßnahmen zur Verfügung. Was hast Du davon schon umgesetzt? Besteht ein Titel? Wurde der KV schon in Verzug gesetzt (auch wenn eine Vollstreckung in der Schweiz sicherlich mit Schwierigkeiten verbunden ist). Wovon leben die Kinder jetzt?
- Vorwürfe gegenüber dem KV: Oftmals werden Ex-Partner nur in das schlechteste Licht gerückt um vor eigenen Defiziten abzulenken. So schlimm kann es der KV ja nicht treiben, wenn Eure Kinder immer noch freiwillig zu ihm fahren möchten. Und mal ehrlich: 13 Jährige kann man kaum zu etwas zwingen, was diese nicht wollen.
Was ist denn Deine Rolle in der Trennungsgeschichte? Niemand ist ohne Fehl und Tadel. Vom wem ging die Trennung den aus
- Das Leben der Trennung: Normalerweise trennen getrennt lebende Elternteile ihr Leben von dem des anderen Elternteils, gerade wenn neue Partner vorhanden sind. Warum ihr in solch einer Situation noch "heile Welt" zu den Feiertagen spielen wollt, erschließt sich mir dabei nicht. Das kann aus meiner Sicht kaum gut gehen. Hier solltest Du auch innerlich eine wirklich Trennung vollziehen.
- Die Kinder: Eure Kids sind ja schon größer und müssten langsam auch bereit sein, größere Strecken allein oder im begleiteten Reisen bewältigen zu können. Auch hier müssten zwischen Euch Regelungen gefunden werden. Grundsätzlich hat derjenige, der die Entfernung schafft, sich auch an den Umgangskosten zu beteiligen.
Du solltest Dir mit Hilfe des Forums und sicherlich später auch mit Hilfe des JAs / einem Anwalt eine Strategie zu Recht legen, wie Du mehr Verlässlichkeit in Euer Leben bekommt. Abwarten und Hoffen hilft hier leider meist nichts, insbesondere wenn der KV schon grundsätzliche Dinge (KU-Zahlung) nicht anerkennt. Gruß Ingo
Lieber Ingo, herzlichen Dank für Deine Antwort! Achtzehn Jahre in wenige Worte zu packen ist schwer, zumal ich auch eines dabei festhalten muss: über das 50/ 50- Prinzip und die Neigung der Menschen, alles aus ihrer Sicht zu interpretieren und in ihrem Sinne, bin ich mir sehr wohl im Klaren. Allerdings gestaltet es sich hier etwas schwieriger, da ich manchmal selbst nicht weiß: bin ich Täter, weil ich mich zum Opfer gemacht habe? Oder umgekehrt? Zu Deinen Punkten:
1. Der Umgang war bisher immer locker. Wie gesagt: wie er Zeit hatte. Seit ich einen neuen Partner habe, hat er wahlweise wegen der 1000km keine Zeit/ kein Geld oder er zählt nun jeden Tag. Das ist verdammt anstrengend, zumal ich mich mehr und mehr in einem Machtkampf fühle. Ich finde das furchtbar, erst recht für unsere Kinder. Welche tatsächlich der Grund waren, weshalb ich bisher immer still war, da er sie immer sofort ins Feld führt. Explizit heute: es gäbe keinen Grund, ihnen den Urlaub zu versauen. Wenn ich jetzt Rechtsbeistand oder JA hinzuziehe, habe ich Angst vor einer furchtbaren Schlacht auf ihrem Rücken. Ich will das nicht, aber ich sehe auch grad kaum noch einen anderen Weg, sie zwischen Baum und Borke heraus zu bekommen und mich selbst ebenso. Shit.
2. Unterhalt- nun ja. Er verdient schon seit Jahren nichts bis wenig, er ist selbstständig, anstellen lässt er sich nicht, ersteres funktioniert nicht. Einer der Trennungsgründe: immer neue Ideen und Projekte, bei denen kein Geld fließt. Ohne Kinder okay, aber mit Kindern ein echtes Problem. Nur ist eben nichts da, was ich einfordern könnte.
3. Vorwürfe: ja, die mache ich ihm. Und mir selbst ebenso. Ich habe ihn wirklich geliebt, mit jeder Faser, aber es ist einfach zuviel passiert und ich habe viel zu spät erst begonnen, Grenzen zu setzen. Ich mag hier über diese Dinge nicht so gern reden, vieles davon ist einfach zu unschön. Kurz gesagt: wo kein Opfer, da kein Täter.
4. Weihnachten: ich hab das echt für unsere Kinder getan, zumal keiner von einen neuen Partner hatte. Nun bin ich wieder in einer Beziehung und es erschien mir schwierig unter dieser Bedingung. Er pochte auf sein Recht als leiblicher Vater, ich sagte ihm das mit dem 1. Feiertag als Vorschlag zur Güte, er war sauer und sagte den Kindern, er wäre bei mir nicht mehr willkommen.
5. Wenn ich unsere Kinder bei Lufthans begleitet einbuche, ist das das Eine. Allein 1000km im Zug etwas anderes. Und ich sagte ihm bereits: wenn ich umziehe, sorge ich für den von mir verursachten Streckenteil. Aber ich möchte nicht mehr ständig für seines aufkommen müssen. Und ich möchte unsere Kinder am vereinbarten Tag zurück.
6. Ja, Kleinkinder sind die beiden keine mehr. Aber (und hier betreibe ich keine unqualifizierte Hetze, sondern nähere mich des Pudels Kern): der Vater der beiden ist Großmeister der Manipulation. Abgesehen von den üblichen Verdächtigen, wie schlimm ich sei etc. sagt er solche Dinge wie: "wenn ihr jemals Papa zu Mamas Neuem sagt, könnt ihr euch einen neuen Vater suchen." Nur als Beispiel, aber ich, die dann immer mit den Baustellen konfroniert wird, sitz dann vor der heroischen Aufgabe, solche Aussagen zu relativieren, ohne ihrem Vater per Wort und damit unseren Kindern zu schaden. Er versucht es immer nur über Druck und Kinder kann man damit wunderbar kleinhalten. Unsere Kinder sind von Zeit zu Zeit gern bei ihm, da ist es Abenteuer, sind sie es öfter, fangen sie an zu jammern, sie wollen daheim bleiben. Ja, sie sind seine Kinder, sie lieben ihn als ihren Vater. Vieles dabei kann man nicht pauschalisieren, Liebe (und besonders die der eigenen Kinder) muss man sich nicht verdienen, die bekommt man als Geschenk mit. Vieles macht er auch gut und richtig (er ist ein echter Kumpel beim Skifahren, Rumkampeln etc.), aber das hat eben nix mit der Verantwortung dafür zu tun, dass Kinder Essen, Schlaf, einen nüchternen Vater und angemessene Bespaßung brauchen. Und klar findet es ein 13-Jähriger toll, bis nachts um 3 fernzusehen, besonders, wenn bei Mama dieses Programm nicht aufgelegt wird. Schwierige Sache, das.
7. Ich mag den Umgangston in diesem Forum und die Tatsache, dass man auch als Mutter hier Rat findet. Danke! Und ja, eine vernünftige Strategie ist hier bitter notwendig, aber wo ansetzen, ohne das es eskaliert?
Hi 🙂
Elternsein ist was tolles! Weiter so :phantom:
>Genieße dein Leben<
