Betreff: Griechen und EU
*Ein Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER
Letzte Woche traten griechische Beamte in den Ausstand, um ihre
Privilegien zu verteidigen, nächste Woche ist ein Generalstreik dran.*
Liebe Griechen!
Kennt Ihr das bei Euch auch, eine Tante, die einem die ganze Kindheit und Jugend
hindurch das Sparschwein füttert? Beim ersten Fahrrad, dem ersten Radio, der
ersten Urlaubsreise - immer gibt sie ein paar Scheine dazu. Und dafür verlangt
sie nichts weiter als ab und zu mal ein freundliches Dankeschön.
Liebe Freunde,
dies ist ein Brief von Eurer Geldtante. Keine Angst, Ihr müsst nicht Danke
sagen. Das Einzige, was wir uns wünschen, ist: Versetzt Euch mal in unsere Lage.
Seit 1981, seit 29 Jahren, gehören wir zur selben Familie, zur EU. Kein anderes
Familienmitglied hat in dieser Zeit so viel Geld in die Gemeinschaftskasse
gesteckt wie wir, nämlich netto rund 200 Milliarden Euro. Und pro Nase hat kaum
einer so viel bekommen wie Ihr, zusammen netto fast 100 Milliarden. Rund die
Hälfte also von dem, was wir in den EU-Topf gekippt haben, habt Ihr mit großer
Kelle abgeschöpft. Oder anders ausgedrückt: Rein rechnerisch haben wir
Deutschen mit den Jahren jedem von Euch Griechen, vom Säugling bis zum Greis,
über 9000 Euro geschenkt. Einfach so. War doch nett, oder? Freiwillig hat wohl
noch nie ein Volk ein anderes über einen so langen Zeitraum so großzügig
unterstützt Ihr seid fürwahr unsere teuersten Freunde.
Wie es uns dabei ging, in all den Jahren, das habt Ihr nie gefragt. Ich vermute,
auch heute brennt Ihr nicht gerade darauf, etwas über unsere Sorgen zu
erfahren. Ich erzähle es Euch trotzdem: Unsere Straßen sind so löchrig wie
antike Bauwerke, weil uns das Geld für die Instandhaltung fehlt. Bibliotheken
und Schwimmbäder werden geschlossen. Manche Städte schalten nachts jede zweite
Straßenlaterne aus, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlen können. Im
Gegensatz zu Euren steigen unsere Löhne seit der Einführung des Euros praktisch
gar nicht mehr. Und jetzt sollen wir auch noch Euch Griechen retten. Die Sorgen
um Euch, die haben uns gerade noch gefehlt.
Ihr habt Euch unser Misstrauen redlich verdient: Im Sommer fackelt Ihr
regelmäßig dieses schöne Land ab, das Gott Euch geschenkt hat Und dann ruft Ihr
nach unserer Feuerwehr, weil Ihr es nicht allein gelöscht kriegt. Ihr wollt alle
in den öffentlichen Dienst, aber keiner will Steuern zahlen. Wenn auch nur ein
Teil der Berichte stimmt, die wir in den vergangenen Wochen lesen mussten, dann
seid Ihr offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn Ihr dafür Schmiergeld bekommt.
Vor allem Eure Ärzte und das Krankenhauspersonal langen kräftig zu. Ihr betrügt
Euch also gegenseitig, wo Ihr nur könnt. Das kann uns egal sein. Doch Ihr
betrügt auch uns. Seit vielen Jahren. Das ist uns nicht egal.
Ihr kassiert für mehr Olivenbäume EU-Subventionen, als in Euer Land passen.
Offenbar versteht Ihr doch was von Buchführung, denn um die Stabilitätskriterien
für den Euro zu erfüllen, habt Ihr Eure Bücher so systematisch und geschickt
gefälscht, dass die Brüsseler nichts gemerkt haben. In Wahrheit habt Ihr den
Euro nie verdient. Trotz Eurer erschwindelten Daten ist es Euch seit der
Einführung des Euro noch nie gelungen, die Stabilitätskriterien zu erfüllen. Um
Eure Wirtschaft größer erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen hübschen
Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erlöse aus Geldwäsche,
Rauschgifthandel und Schmuggel in die jährliche Wirtschaftsleistung Eurer
stolzen Nation eingerechnet.
Über Jahrzehnte mehr Geld ausgeben, als man sich erarbeitet, wie
selbstverständlich auf Kosten von anderen zu leben, laufend betrügen und
tricksen - das kann nicht ewig gut gehen. Irgendwann bricht das Kartenhaus
zusammen. Irgendwann ist jetzt. Streng genommen seid Ihr pleite.
Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel verspricht, "Griechenland wird
nicht allein gelassen", dann geht es unserer Kanzlerin und uns Deutschen nicht
mehr um Euch Griechen. Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zukunft Das
Unglück ist nur: Wir sind an Euch gekettet. Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns
mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit
den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30 Milliarden davon gehören den Sparern bei
deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen. Ob Ihr das jemals zurückzahlen
werdet? Euretwegen geht der Euro in die Knie. Uns droht die Inflation. Das
bedeutet: was deutsche Sparer auf dem Sparbuch oder in Lebensversicherungen für
die Zukunft zurückgelegt haben, wird immer weniger wert. Wegen Euch. Solche
Gedanken sind Euch natürlich fremd, denn sparen oder investieren ist nicht Euer
Ding. Ihr haut die Euros lieber raus. In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das
von seinem Geld den größten Anteil für den Konsum verprasst.
Die Regierungschefs der EU haben zwar beschlossen, dass Ihr keine direkten
Finanzhilfen bekommen sollt. Erst mal. Doch Ihr braucht Hilfe. Und in der EU
bedeutet Hilfe am Ende immer Geld, genauer: unser Geld.
So langsam wird uns Deutschen klar: Zuerst mussten wir die Banken retten, jetzt
müssen wir Euch Griechen retten und schließlich alle Länder mit einer
Schweinewirtschaft - die "PIIGS", Portugal, Italien, Irland, Griechenland,
Spanien. Ein Staatsbankrott eines dieser Länder, darin sind sich die Experten
ausnahmsweise einig, wäre eine Tragödie, die selbst die Bankenkrise wie ein
Lustspiel erscheinen ließe.
Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einführung des Euro gewarnt:
Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht funktionieren. Sie
hatten recht. Jetzt erkennen wir das dramatische Demokratie-Defizit. Wir
Deutschen sind von den Entscheidungen der Regierung Griechenlands abhängig.
Aber wir können sie nicht wählen. Ihr Griechen könnt sie wählen, aber Ihr habt
ganz andere Interessen. Wir wollen, dass Euer Ministerpräsident Georgios
Papandreou sein Sparprogramm durchzieht. Mindestens. Besser wär's, wenn er beim
Reformieren noch einen Zahn zulegte. Aber Ihr wollt das ganz offensichtlich
nicht. Ihr macht, was Ihr immer macht: Ihr streikt. Letzte Woche der öffentliche
Dienst, nächste Woche alle, Generalstreik. Liebe, teure Griechen, wenn Ihr
nächste Woche auf die Straße geht, dann streikt, dann demonstriert, dann
protestiert Ihr nicht gegen Eure Regierung, sondern gegen uns. Dem Zorro, der
Euch stets gerettet hat und weiter retten soll, dem versetzt Ihr einen Tritt
zwischen die Knie.
Liebe griechische Finanzbeamte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern
treibt endlich mal die Steuern Eurer Millionäre ein, von denen Ihr bislang fürs
Wegschauen so fürstlich entlohnt werdet.
Liebe griechische Ärzte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern
behandelt Eure Patienten. Von jetzt an, ohne vorher um einen Geldumschlag zu
bitten. Und dann versteuert einfach Euer Einkommen. Ja, dann könnt Ihr Euch den
nächsten Porsche erst ein Jahr später bestellen. Ihr werdet es überleben.
Liebe Rentner Griechenlands, wenn bei uns jemand sein ganzes Leben lang
gearbeitet hat, bekommt er nicht mal 40 Prozent seines durchschnittlichen
Einkommens als Rente. Damit sind wir auf dem viertletzten Platz der OECD-Länder.
Und wer ist auf Platz eins? Richtig: Ihr. Über 95 Prozent Eures
durchschnittlichen Einkommens gönnt Ihr Euch als Rente. Um das hinzukriegen,
greift Ihr wieder in die Trickkiste: Ihr bezieht einfach die Rentenhöhe nicht
aufs ganze Leben, sondern nur auf die letzten drei bis fünf Arbeitsjahre. Darum
ist es bei Euch üblich, dass der Arbeitgeber den Lohn am Ende noch mal kräftig
erhöht Von dem Geld, mit dem wir Euch fast 30 Jahre lang gesponsert haben, gönnt
Ihr Euch eine komfortablere Altersversorgung, als wir uns leisten können.
Findet Ihr das gerecht? Also, liebe Rentner in Griechenland: Ihr seid die
Generation, die diese Misere verursacht hat. Jetzt haltet mal die Füße still,
geht nicht demonstrieren, und lasst Eure Regierung die Sparpläne durchziehen.
Und, liebe Bürger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure Politiker
seien allein schuld an der Katastrophe. Ihr habt doch die Demokratie erfunden
und solltet wissen, dass Ihr, das Volk, regiert und damit verantwortlich seid.
Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterziehen, Schmiergelder anzunehmen, gegen
jede vernünftige Politik zu streiken und korrupte Politiker zu wählen.
Politiker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt.
Sicher werdet Ihr jetzt einwenden: Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel
besser. Stimmt. Ein Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen,
von denen niemand weiß, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein
Steuersystem, das so aussieht, als hätten erfahrene Hinterzieher es sich
ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg, der irgendwann ins Rutschen gerät
und alles unter sich begräbt - genau diese Probleme haben wir auch. Und Ihr seid
uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie viele glauben.
Früher habt Ihr Griechen uns den Weg gewiesen, habt der Welt die Demokratie, die
Philosophie und das erste Verständnis für Nationalökonomie beigebracht. Jetzt
weist Ihr uns wieder den Weg. Nur ist es diesmal der Irrweg. Da, wo Ihr seid,
geht's nicht weiter.
Herzliche Grüße,
Walter Wüllenweber
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Doch, liebe Griechen geht streiken.
Damit auch dem letzten Wähler und vielleicht sogar Politiker klar wird, dass ein weiterer Zuschuss die Misere nicht aufhält, sondern nur aufschiebt und den Druck zu sparen, auch bei den Anderen endgültig erlöschen lässt.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Hallo zusammen,
Man sollte bei alledem aber auch erwähnen, dass sich einige Großbanken, darunter auch deutsche, dumm und dusselig verdienen an griechischen Staatsanleihen, bzw. mit den üblichen Wettgeschäften auf solche. Daher ist die folgende Aussage mit Vorsicht zu genießen:
Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30 Milliarden davon gehören den Sparern bei deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen.
Der größere Teil dieser Anleihen dürfte bei den Banken selbst oder ihren Schattengesellschaften untergebracht sein, nicht bei den Sparern - oder wer von uns hat schon anstelle von Sparbüchern, Tagesgeldern, Festgelder oder Bundesschatzbriefen einen Haufen griechischer Staatsanleihen im Depot liegen? Und wer hat demzufolge als allererstes ein Riesenproblem an der Backe, sollte sich der profane Pleitegeier die stolzen Hellenen schnappen?
Ich persönlich gehe jedenfalls fest davon aus: Die Ackermänner dieser Republik werden längst bei uns Angie haben durchsickern lassen, dass es mit Parteispenden ganz, ganz düster aussieht, sollte Griechenland tatsächlich seine Staatsschulden nicht mehr bedienen können.
Nix für ungut,
Malachit.
Wenn ein Staat die Leistungsgerechtigkeit zugunsten der Verteilungsgerechtigkeit aufgibt, dann kommt man bald an den Punkt, wo es mangels Leistung nichts mehr zu verteilen gibt.
Man sollte bei all dem auch weiterhin erwähnen, dass der Durchschnittsverdienst bei ca. 750,- Euro mon. liegt.
Bei annähernd gleichen Lebenshaltungskosten wie in D.
Man sollte bei all dem auch weiterhin erwähnen, dass der Durchschnittsverdienst bei ca. 750,- Euro mon. liegt.
Bei annähernd gleichen Lebenshaltungskosten wie in D.
Was dafür sprechen könnte, wieder zur Drachme zurückzukehren. Es zeigt doch nur, dass die Wirtschaftssysteme (z.Zt. noch) nicht kompatibel sind.
Es zeigt doch nur, dass die Wirtschaftssysteme (z.Zt. noch) nicht kompatibel sind.
Das ist völlig richtig! Griechenland ist derzeit im Euroraum und darüber hinaus in vielen Teilen der Welt einfach nicht Wettbewerbsfähig.
Da der Euro eine Gemeinschaftwährung ist, kann hier nicht durch eine Abwertung diese fehlende Wetttbewerbsfähigkeit verbessert werden. Auf lange Sicht wird dies wohl auch die derzeit noch "guten" Eurostaaten wie die BRD mit nach unten ziehen. ein Blick in unsere Finanzdaten verheißt auf jeden Fall nix Gutes.
Solange in Griechenland zudem die Schattenwirtschaft die Haupteinnahmequelle für viele in der Bevölkerung darstellt, ist ebenfalls keine nachhaltige Besserung vor Ort in Sicht.
Gruß, Michael
sol lucet omnibus - die Sonne scheint für alle
Sehr wahr! Normalerweise müssten wir jetzt alle auf die Straße gehen - aber der deutsche Michel lächelt freundlich und zahlt... wie immer ;(
Raus aus der EU und die D-Mark schnellstens wieder einführen - bevor die anderen Bananenrepubliken Lunte riechen und es den Griechen gleichtun. :crash:
Für das, was wir bisher schon in dieses marode Land gesteckt haben stünde jedem Deutschen lebenslanges kostenfreies Urlaubsrecht in Griechenland zu! :exclam:
Und bis zum lebensende gyros und ouzo gratis in jeder gyros-bude auf deutschem Boden! :thumbup:
Tach,
Raus aus der EU und die D-Mark schnellstens wieder einführen
Und was glaubst du, was die Spekulanten, die derzeit mit Griechenland-Anleihen zocken, bei passender Gelegenheit mit der D-Mark machen würden, wenn wir sie denn wieder einführen würden? Wir leben inzwischen in einer Welt mit globalen Finanzkonzernen, die längst mächtiger sind als alle Notenbanken und Regierungen zusammen.
Beides, Euro wie D-Mark, sind letzten Endes lediglich Papier; oder inzwischen häufiger sogar nur Buchungsposten in den Computersystemen irgendwelcher Banken. Ein Eldorado für jene, die da an den Schalthebeln sitzen - und im Gegensatz zur D-Mark schützt den Euro die schiere Größe des Währungsraums. Ein bisschen, jedenfalls ...
Nix für ungut,
Malachit.
Wenn ein Staat die Leistungsgerechtigkeit zugunsten der Verteilungsgerechtigkeit aufgibt, dann kommt man bald an den Punkt, wo es mangels Leistung nichts mehr zu verteilen gibt.
Deshalb ja auch der erste Teil meines Statements: Raus aus der EU!
Das ist eine Utopie. Ich denke nicht, dass sich der Prozess umkehren lässt, im Gegenteil. Auch die Griechen können sich nicht umentscheiden. Sie können schon so ihre Schulden nicht abtragen. Sie könnten das mit schwachen Drachmen erst Recht nicht.
LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Utopie? Das ist der einzig vernünftige Schritt, wenn wir nicht in 20 Jahren vor dem gleichen Abgrund wie die Griechen stehen wollen - nur mit dem Unterschied, dass wir unser sauer verdientes Geld für andere Länder ausgegeben haben. Jeder Banklehrling weiß, dass man jemandem der pleite ist kein Geld mehr gibt. So lange wir aus diesem "Pleiteverein EU" noch aussteigen können, sollten wir das schnellstens tun. Bevor es zu spät ist!
Dieser angeblich vernünftige Schritt würde uns im selben Augenblick zum Spielball von Spekulanten usw. machen.
Eine unberechenbare Größe in diesem Spiel ist leider ein so kostbares Gut wie Vertrauen.
Ein ausscheiden der BRD aus der EU bzw. dem Euroraum würde wegen Vertrauensverlust geradewegs in eine Katastrophe führen.
Zu bedenken ist auch, dass platte Aussagen, wie von der "Blöd-Zeitung" getätigt: "Wir müssen alle sparen" etc. natürlich erst mal im zusammenhang mit Griechenland Blödsinn sind.
Die KfW-Bank holt sich das notwendige Geld auf dem Kapitalmarkt für 3% und verleiht es an die Griechen für 5%.
Brenzlig wird es erst, wenn die Griechen Zins+Tilgung nicht mehr leisten. Aber bis dahin geht kein persönlicher Euro von meinen Steuern bzw. aus meinem Geldbeutel nach Athen.
Was die Rückzahlung angeht? Vertrauen ist gefragt...
Gruß, Michael
sol lucet omnibus - die Sonne scheint für alle
Moin,
irgendwelche dumpfen Stammtisch-Statements ("Griechenland rausschmeissen", "zurück zur D-Mark" etc.) sind fehl am Platz. So einfach funktioniert Wirtschaft nicht; schon gar nicht für eine Exportnation wie Deutschland.
Schlimm finde ich in diesem Kontext eher andere Dinge. Beispielsweise, dass in D das Thema offensichtlich bis nach der NRW-Wahl kleingeredet werden soll. Und vor allem, dass - mal wieder - ausgerechnet die Banken, die unter anderem auch auf die griechische Staatspleite gewettet haben, nicht an diesem Rettungspaket und am Risiko beteiligt werden sollen, sondern der Steuermichel das Risiko tragen soll, weil er daran ja schon gewöhnt ist. Nicht zuletzt stört mich natürlich auch, dass die EU bislang keine eindeutigen Bedingungen für ihre Hilfe zu stellen scheint. Es ist in den Geberländern politisch kaum vermittelbar, dass griechische Rentner ruinöserweise bis zu 95% ihres letzten Nettos erhalten, während Rentner in Ländern, in denen die Lebens-Arbeitsleitung die Bemessungsgrundlage für die Rentenhöhe ist, diesen Luxus durch Kürzung ihrer eigenen Renten mitfinanzieren sollen.
Wir haben uns in den letzten beiden Jahren daran gewöhnt, dass zwei- und dreistellige Milliardenbeträge für Dinge ausgegeben werden können, die gar nichts mehr mit der Arbeits- und Lebensleistung der Menschen zu tun haben, die dieses Geld erwirtschaftet haben oder in Zukunft erwirtschaften müssen. Und niemand tritt den "Bankstern", die uns dieses ganze Chaos im Wesentlichen eingebrockt haben, mal RICHTIG auf die Füsse. Geht ja auch schlecht angesichts der Tatsache, dass viele unserer Politiker in Bank-Aufsichtsräten sitzen oder anderweitig eng mit dem Bankenwesen verwoben sind.
Mein alter Herr - unter anderem ein engagierter Kommunalpolitiker - ist schon vor etwa 20 Jahren aus der CDU ausgetreten und hat sein Bundesverdienstkreuz zurückgegeben, weil er das Gesabbel der damaligen Bundesregierung von den "blühenden Landschaften" und der "sicheren Rente" für Verrat an der Generation seiner Kinder und Enkel hielt. Dafür hat er auch posthum meinen vollsten Respekt.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
ReMoin
Und niemand tritt den "Bankstern", die uns dieses ganze Chaos im Wesentlichen eingebrockt haben, mal RICHTIG auf die Füsse.
Das wäre Strafrecht und wer sind "die Bankster" di zu bestrafen sind?
Ich stehe einfach auf dem Standpunkt, dass man mit diesem Staatsdirigismus aufhören soll.
Für die Pleite der Griechen sind aus meiner Sicht nämlich nicht die Banken verantwortlich, sondern zunächst mal die Griechen, die seit einigen Jahren noch mehr über ihr Verhältnisse leben als wir.
Sollen sie doch bankrott gehen und ihre Zins und Tilgungszahlungen einstellen.
Dann bekommen sie zwar keine Kredite mehr, sondern müssen von der Hand in den Mund leben aber das ist ja auch gut so. Dann können sie eben ab sofort nicht mehr auf Pump leben.
Und allen die ihnen das Geld geliehen haben, wird bewusst, dass sie ihr Geld offenbar falsch angelegt haben. Soll vorkommen. Das ist normales Investitionsrisiko und muss man halt einkalkulieren.
Und wenn das auch noch eine Bank war und dadurch auch pleite gehen sollte: So what, wenn nicht mal eine Bank professionell mit so was umgehen kann, dann ist es besser wenn sie pleite geht.
Der Versuch, alles und jedes Risiko (privat, kommerziell oder staatlich) auf Kosten von Anderen abzusichern und das auch noch ohne einen Versicherungsbeitrag und ohne dass die Betroffenen (wir) darüber selbst entscheiden dürfen, macht diese gigantischen Spekulationen doch erst möglich und attraktiv.
Das ist ja wie Roulette spielen ohne Verlustrisiko.
Das Argument, dieses Institut darf nicht sterben, weil es "Systemrelevant" sei, ist ein Grund mehr es sterben zu lassen.
Zum korrekten Risikomanagement gehört die Vermeidung von Single Points of failure.
Wenn ein System too big to fail ist, dann muss es schleunigst verkleinert oder durch Schaffung von Redundanzen in seiner desaströsen Bedeutung reduziert werden.
Im Zweifelsfall auch durch Konkurs.
Meine 2 Drachmen
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Helfen oder nicht Helfen, dass ist die Frage.
Auch Experten und Professoren sind sich hier uneins.
Was Richtig und was Falsch ist, wissen wir sowieso erst hinterher.
Für mein Gefühl begründet sich die geplante Hilfe daraus, dass die Angst vor den Folgen eines Nichthelfens noch größer ist.
Die Griechen einfach pleite gehen zu lassen, hätte sicherlich auch für die dt. Wirtschaft einige unangenehme Folgen (= Kosten für den Steuerzahler).
Ethisch betrachtet wäre es sowieso schlimm und würde einem Turbokapitalismus a`la USA die Türen öffnen helfen. Und den möchte ich eigentlich nicht haben.
Gruß, Michael
sol lucet omnibus - die Sonne scheint für alle
Neue Kredite für einen Schuldenjunkie haben die gleiche Wirkung wie neue Drogen für einen richtigen Junkie.
Erst mal geht es ihm wieder gut.
Ändern wird er sich aber nicht. Und beim nächsten Mal wird es noch schwieriger.
Und die anderen PIIGS werden sehr genau hinsehen was da passiert.
Wir können uns den "Sozialismus" auf individueller Ebene schon nicht leisten. Wieso sollte das auf staatlicher Ebene funktionieren?
Welcher griechische Politiker soll sich denn jetzt noch mit seinen Rentnern und den 95% anderen Profiteuren der Schuldenpolitik anlegen?
Staatliche Schuldenberge in der jetzigen Höhe konnten noch nie ohne Inflation und Währungsschnitt abgebaut werden.
Da wird mir um Gesamteuropa viel mehr Bange als um Griechenland.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Staatliche Schuldenberge in der jetzigen Höhe konnten noch nie ohne Inflation und Währungsschnitt abgebaut werden.
Diesen unerfreulichen Zustand hatten wir m.E. allerdings schon längst erreicht, noch bevor uns die Griechen beim Auftürmen von weiteren Schuldenbergen "geholfen" haben ...
Nix für ungut,
Malachit.
Wenn ein Staat die Leistungsgerechtigkeit zugunsten der Verteilungsgerechtigkeit aufgibt, dann kommt man bald an den Punkt, wo es mangels Leistung nichts mehr zu verteilen gibt.
Absolut!
Nur diese schmerzhafte Erkenntnis versuchen sie jetzt krampfhaft zu verhindern, in dem sie nochmal einen Flicken drauf setzen.
"Hauptsache es kracht nicht in meiner Amtszeit zusammen!"
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Moin Beppo,
Das wäre Strafrecht und wer sind "die Bankster" di zu bestrafen sind?
es geht nicht um Strafen, sondern darum, dass Zocker nicht nur Gewinne einstreichen und die Verluste den Steuerzahlen überlassen sollten. Und das ist mit den entsprechenden "Geschäftsmodellen" (bislang) nun einmal möglich. In der Zeitung mit den grossen 4 Buchstaben (tägliche Pflichtlektüre für jeden ordentlichen Journalisten!) ist das Prinzip ganz gut erklärt worden:
Wenn jemand griechische Staatsanleihen besitzt und befürchtet, sein Geld nicht wiederzubekommen, so ist es selbstverständlich, dass er diese verkauft, oder eben eine Versicherung abschließt, die ihm den Schaden ersetzt, falls Griechenland pleite geht. Diese Dinger nennt man CDS (Kreditausfallversicherung). Gegen eine solche Versicherung ist erstmal gar nichts einzuwenden.
Was aber zwingend untersagt werden muss, ist die Möglichkeit solche Versicherungen abzuschließen, ohne überhaupt Anleihen zu besitzen. (Wetten auf eine Staatspleite)
Wenn Sie Ihr Haus gegen Feuer versichern ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn aber alle Ihre Nachbarn eine Versicherung darauf abschließen mit der sie Geld erhalten, wenn IHR Haus abbrennt, fänden Sie das vermutlich nicht sonderlich witzig und es würde Ihnen doch einen unruhigen Schlaf bescheren, oder?
Und solche "Geschäftsmodelle" könnte man ohne weiteres unterbinden, ohne den freien Markt zu behindern.
2 Drachmen dazu
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Das ist in der Tat ne sehr schöne Erläuterung, nur mir ist es letztlich völlig wurscht wer mit wem über was wettet.
Manche wetten ja sogar, welches Pferd als erstes über einen Strich läuft.
Sollen sie, solange sie jemand finden, der dagegen hält.
Wenn einer darauf wettet, dass mein Haus abbrennt und ein anderer wettet dagegen so ist mir das auch wurscht, solange nicht einer mein Haus anzündet.
Und wenn, dann ist die Brandstiftung strafbar und nicht die Wette.
Und wenn einer bei dieser Wette verliert, ist mir auch das egal.
Und wenn es auch noch eine professionelle Versicherung oder Bank ist, die hier wettet und verliert ist mir sogar 3-mal egal.
Mir fällt jedenfalls kein Grund ein, warum du oder ich für die Verluste eines dieser Wettteilnehmer aufkommen sollte.
Nun habe ich durchaus verstanden, dass du die Probleme von Griechenland für Brandstiftung hältst.
Aber wo ist die Fackel und welcher Zunder wurde benutzt?
Richtig ist, dass Griechenland jede Menge Brandlasten in seinem Keller angehäuft hat in dem es soviele Schulden angehäuft hat, dass schon ein kleiner Funken genügt, um den ganzen Laden in die Luft fliegen zu lassen.
Zum Beispiel eine Schuldenlast, die so hoch ist dass schon die kleinste Zinserhöhung ihn ruiniert.
Wenn ich Zocker wäre, würde ich auch darauf wetten, dass die Bude in die Luft fliegt, wenn der ständig Benzin auf sein Strohdach kippt.
Und sein wir doch ehrlich.
Jede Form von Aktienhandel ist eine Art von Wette und Zockerei.
Ich wette auf ein bestimmtes Ereignis, suche mir jemand, der dagegen wettet und freue mich, wenn meine Prognose eintritt.
Das Geld ist dann ja auch nicht weg, es hat nur ein anderer.
Wenn man das nicht will, sollte man den Aktienhandel und sonstige Wetten gleich ganz verbieten.
Ein Problem wird es für mich jedenfalls erst, wenn einer meint, er müsste die Verluste aus diesen Deals mit meinem Geld ausgleichen.
Gruss Beppo
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
