kennt ihr dieses Ge...
 
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kennt ihr dieses Gefühl der Ohnmacht?

 
(@prokids)
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Hi Forengemeinde,

grad muss ich mich auf meine Finger setzen, um nicht ausfallend zu werden.

Tochter einer befreundeten Familie, 22 Jahre alt, Mutter eines drei Monate alten Mädchens, lebt zusammen mit einem bekennenden Hartz IV Empfänger. Selbst eine Ausbildung zur Kinderpflegerin abgeschlossen mit Noten, mit denen sie nie und nimmer einen Job gekommt. Schon zwei Jobs bekommen - jeweils über Vitamin B - beide verk.... wegen Unfähigkeit.

Nun hat mein Mann mit seinen 58 Jahren nach vier Monaten Arbeitslosigkeit wieder einen Job bekommen. Kein Traumjob, zugegeben. Dreischichtbetrieb, 12 km entfernt auf dem Land, völlig unter seinem Niveau. Stundenlohn nicht berauschend, aber mit all den möglichen Zuschlägen kommen unterm Strich ca. 1.400 € netto raus.

Seit mein Mann dort arbeitet - sind grade mal knapp vier Wochen - wurden schon drei neue Mitarbeiter eingestellt und sie suchen immer noch.

Das habe ich der Tochter mitgeteilt. Erste Reaktion: er weiß nicht, wie er da hinkommen soll. Meine Antwort: die Firma beschäftigt ca. 170 Mitarbeiter und es gibt endlos viele Fahrgemeinschaften.
Heute habe ich ihr mitgeteilt, dass sogar einer der Schichtführer im gleichen Haus wohnt, wie sie. Antwort: ja, aber der hat kein Auto, soweit wir wissen.

Meine Antwort: ja, weiß ich, aber er hat eine Fahrgemeinschaft und ein Auto hat in der Regel vier, meist sogar fünf Sitze.

Antwort: mhm

Meine Antwort: ich will ja niemanden zu seinem Glück zwingen.

Antwort: jo

Hopfen und Malz verloren? Die Tochter ist mir im Prinzip egal, der Typ sowieso, aber mir tut das neue Menschlein so leid...

Gruß pk


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 27.04.2012 21:49
(@biggi62)
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Hi PK,

aus Sicht eines "bekenndenen HartzIV-Empfängers" wäre es ziemlich dumm, für 1400 EUR netto arbeiten zu gehen, wenn er fast denselben Betrag (inkl. Warmmiete) für eine dreiköpfige Familie "vom Amt" bekommt.

Ohne "ALG2-Bonus" verliert er sehr viele Sonderrechte, die Geringverdiener nicht haben. Er kann nicht länger bei der Tafel umsonst Lebensmittel beziehen, nicht länger für wenig oder gar kein Geld im Sozial-Kaufhaus und in den Kleiderkammern der Caritas Möbel und Kleidung bekommen, keinen reduzierten Eintritt mehr für Hallenbad, Bibliothek und andere kulturelle Angebote. Und er hätte mit einem Vollzeitjob im Dreischicht-Betrieb auch gar keine Zeit mehr solche Angebote zu nutzen und gemeinsam mit der Liebsten dem Baby beim Wachsen zuzugucken.

Unter dem Blickwinkel rein ökonomischer Vernunft wäre ein ehrlicher Familienvater ab dem ersten Kind dumm wenn er für weniger als EUR 1600 netto das Haus zu Erwerbszwecken verließe.

Ein unehrlicher, der nebenher schwarz arbeitet müsste mindestens EUR 2000 verdienen, damit er einen wirtschaftlichen Vorteil sieht. Mit einem legalen 400-EUR-Job (davon EUR 165 als Zuschlag zum ALG2 ebenfalls legal) und einer nicht nachvollziehbaren Zahl nebenbei geleisteter Überstunden beim selben Arbeitgeber könnte er einen deutlich höheren Lebensstandard erzielen als ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitgeber keine Schwarzarbeit unterstützt.

Unter dem Blickwinkel eines Einstiegs in ein Erwerbsleben, das anfangs wenig und später mehr Nettoeinkommen abwirft, war es für meine Generation noch sinnvoll, für wenig Geld zu arbeiten um mit zunehmendem Alter und weiterer Qualifizierung mehr zu verdienen. Diese Aussichten haben junge Leute heutzutage sogar dann nicht mehr, wenn sie ausgezeichnete Schulnoten und erstklassige Berufsausbildungen haben.

Ich kann die jungen Leute verstehen - auch wenn ich mich als Steuerzahlerin und Vollzeitberufstätige über diese Verhältnisse schwarz ärgern kann. Solange der Arbeitsmarkt konsequent in (derzeit noch) anständige Arbeitsverhältnisse und prekäre Beschäftigungsverhältnisse aufgeteilt ist und immer mehr Menschen (auch ältere und arbeitswillige wie dein Mann und ich selbst) für immer weniger Netto immer länger arbeiten müssen, ist die Haltung der jungen Leute leider mit wirtschaftlicher Logik nicht zu widerlegen.

Vor dem Hintergrund obszön hoher Abfindungen und Ruhebezüge von ehemaligen Managern, die fürs schiere Nichts-Tun nach ein paar Jahren in der Geschäftsleitung eines DAX-Unternehmens mehrstellige Millionenbeträge pro Jahr  erhalten, kann ich die Lust der jungen Leute am Dolce-far-niente zu Lasten der Allgemeinheit  gut nachempfinden. Auch wenn ich selbst für diese Art der Lebensführung wahrscheinlich zu alt bin und zu spießig erzogen wurde.

LG  🙂 Biggi 


Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)

AntwortZitat
Geschrieben : 02.05.2012 22:19
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Genau so ist es!


Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 02.05.2012 22:34
(@prokids)
Nicht wegzudenken Registriert

Danke, jetzt bin ich noch ohnmächtiger  :mad:.

Biggi, deine Einlassung kann ich rein rechnerisch schon nachvollziehen, wobei wir inzwischen nochmal nachgerechnet haben. Mit den ganzen steuerfreien Zuschlägen und Sonderschichten dürften nochmal zwei- bis dreihundert Euro mehr raus kommen (netto).
So: zur Tafel gehen die beiden nicht, dafür sind sie sich zu fein. Gebrauchte Klamotten kommen schon gar nicht in Frage und ihr müsstet mal das Baby sehen! So schick waren meine im Alter von drei Monaten allenfalls bei der Taufe. Es wird auch nicht gestillt, sondern es gab von Anfang an die teure Flaschennahrung. Kinderwagen vom Feinsten - ich wusste gar nicht, dass es so edle Teile überhaupt gibt. Ich habe keine Ahnung, woher sie das alles haben, waren sicher viele Geschenke dabei. Das einzig gebrauchte ist ein Sofa, das die Eltern bei der Diakonie besorgt haben.
Was sind kulturelle Angebote? Facebook mit den dazugehörigen Spielen ist der einzige Freizeitvertreib. Was der Zeitverlust im Dreischichtbetrieb angeht: mein Mann schafft es nach wie vor zu putzen und sich um die Wäsche zu kümmern. Alles eine Frage des Zeitmanagements.

Im Prinzip geht mich das Ganze ja nichts an, auf der anderen Seite ärgert es mich genauso wie dich, Biggi, dass wir im Grunde diese Sozialschmarotzer mit durchfüttern müssen. Bei uns reicht es (inzwischen) so grade mal, um am Monatsende nicht im Minus zu landen. Große Sprünge wie Urlaub oder so sind aber noch lange nicht drin. Ist eigentlich müßig darüber zu philosophieren. Solange sich die Gesetze nicht ändern, werden diese Menschen sich auch nicht ändern.

Allerdings ist das Ganze doch so was von kurzzeitig gedacht. Wie lange denken Sie denn, dass das gut geht? Wie lange denken sie denn, dass das Amt zusieht, wie sich ein Mittzwanziger auf dem Sofa ausruht und alle paar Wochen mal eine Alibibewerbung verschickt? Wie lange hat eine fertig ausgebildete Kinderpflegerin die Chance sich ausschließlich um ihr Kind zu kümmern? Irgendwann wird ihnen der Hahn doch zugedreht, dann sind sie älter, entsprechend länger arbeitslos und damit so gut wie gar keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt.

Ich krieg halt nur Wut, wenn ich dann meine 18-jährige sehe, die sich jetzt neben der Schule im Bereich Bühnen- und Lichttechnik ausbilden hat lassen, damit sie sich an den Wochenende ein paar Euro dazu verdienen kann. Und das ist neben Schule nicht der leichteste Job wenn sie freitags direkt nach dem Unterricht zu einem Event fährt, Bühne aufbaut, Licht programmiert und nach dem Abbau am Samstag in der Früh um 6.00 Uhr nach Hause kommt. Das ist mal so eben ein 24 Stunden Tag. Aber IHR käme niemals in den Sinn, Geld für Nichtstun zu nehmen.

Ach, ich hör jetzt auf, hat ja alles eh keinen Sinn...  :puzz:

Gruß pk


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 04.05.2012 17:57