Moin,
es gibt bei uns immer bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Angefangen von der Kinderkrippe über den Ganztagskindergarten hin zur Grundschule mit Hort und zur Ganztagsschule. Parallel dazu müssen oft beide Eltern arbeiten, um überhaupt das Familieneinkommen sicherzustellen.
Im Alter sieht es dann so aus, dass pflegebedürftige Menschen häufig in Seniorenheimen leben müssen, weil engste Angehörige häufig gar nicht in der Lage sind, sie zu betreuen. Schließlich müssen sie ja arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt sichern.
Daraus schließe ich, dass es häufig nicht mehr möglich ist, sich selbst in der Form um die Familie zu kümmern, wie man es vielleicht gerne möchte. Denn es nützt doch nichts, wenn ich mein Kind selbst betreue, dafür aber jeden Tag nur Nudeln mit Ketchup auf den Tisch stellen kann. Ebenso wäre manch einer sicherlich auch bereit, seine Eltern zu pflegen, kann es sich finanziell aber nicht leisten, den Job dafür an den Nagel zu hängen.
Wir lernen also immer mehr, eigentlich mittlerweile von Kindesbeinen an, dass Geldverdienen das A und O des Lebens ist und alles andere dem unterzuordnen ist. Selbstverständlich geben wir dies, bewußt oder unbewußt, auch an unsere nächsten Angehörigen weiter.
Wo bleibt dann eigentlich die Familie? Ich persönlich hatte eine sehr starke Bindung an meine Großmutter, sie hat mich zu Beginn meines Lebens sehr geprägt und zwar dadurch, dass sie immer für mich da war, dass sie für mich gesorgt und sich um mich gesorgt hat. Als ich ca. 5 Jahre alt war, fing sie an zu arbeiten und danach war es nie wieder so, aber die Erinnerung an ihre Bemühungen habe ich noch heute, uns hat bis zu ihrem Tod ein unsichtbares Band verbunden.
Können wir eigentlich mit den ganzen (Weg-) Organisationsmöglichkeiten noch Bindungen in der Form aufbauen, wie es sie früher gegeben hat? Wie bringen wir unseren Kindern nahe, dass wir sie ohne wenn und aber lieben, wenn doch das Geldverdienen eine so wichtige Rolle in unserem Leben spielt, dass die Kinderprobleme aufgeschoben werden müssen, bis wir Zeit für die Kinder haben?
Und arbeiten wir irgendwann nur noch dafür, dass wir Kinderkrippe und Seniorenheim bezahlen können, pendeln in unser eh eng bemessenen Freizeit zwischen Kind und Oma?
Irgendwie war es früher, als die Generationen noch nah beieinander gewohnt haben, doch leichter, oder? Man brauchte keine Kinderkrippe oder Tagesmutter, weil bestimmt eine Oma oder Uroma da war. Und die Oma oder Uroma brauchte nicht ins Altersheim, weil in der Familie für sie gesorgt wurde.
Ist es modern und/oder notwendig, seine Kinder und Eltern in Fremdbetreuung zu geben oder fehlen uns einfach die Bindungen? Und wie wollen wir Bindungen aufbauen und erhalten, wenn wir nicht mehr selber für Kinder und Eltern/Großeltern sorgen können, wollen, müssen?
Gruß
eskima

