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(@riviera)

Hallo liebe Foris,

wie ich lesen kann, ist das Thema Ausland doch sehr beliebt, deshalb und auch um euch zu informieren, berichte ich mal:

Unsere generelle Situation ist spitze, das kann ich anders nicht sagen.
Mein Mann hat mit seiner company einen absoluten 6er im Lotto gemacht. Ich bin gerade dabei mich selbststaendig zu machen.
Haus, Autos, bunny, alles bestens.

Vermisse ich was? Nein, zumindest nichts was man kaufen kann. Vermissen tue ich meinen Bruder und seine Band, zu deren Konzerte ich regelmaessig gehen konnte.

Vermisst mein Mann was? Nein. Er zaehlt die Tage, die er "another day in paradies" nennt.

Das wohl wichtigste aber, wie ergeht es meinem Kind, welches wohl am meisten mit der Auswanderung zu tun hat/hatte?

Zunaechst mal, sie geht weiterhin mit Freude zur Schule, ist zufrieden wenn keine Ferien sind, unglaublich aber wahr. Sie ist voll eingebunden in den Alltag, mit vielen Aktivitaeten. Nach Deutschland zurueck moechte sie nicht.

Insofern, keiner von uns moechte Canada verlassen und das wird wohl auch nicht passieren.

Dennoch, es hoert sich alles gut an und es ist auch, mal fuer diejenigen, die meinen, ach das geht schon.

Abgesehen davon, dass ich nur die Einwanderungsbestimmungen von Canada kenne, auch andere Laender haben solche. Sich da durchzuwuseln ist mit einem einmaligen Antrag nicht getan. Ich habe in unserem Fall alle applications etc bearbeitet und natuerlich hat die Familie hier auch mal unter Zeitmangel gelitten. Der Prozess einer Auswanderung haelt an, fuer eine ganze Weile.

Man sagt, Kinder gewoehnen sich schnell um und ein und das kann ich auch bestaetigen, dennoch gibt es auch hier einen Haken.

In unserem Fall vermisst Tochter eine ganz bestimmte Klassenkameradin sehr. Sehr, das meine ich auch so. Sie ist im Teenageralter und was braucht man da? Eine wirklich gute Freundin. Freundschaft waechst bekanntlich...

So gut es uns geht, die moralische Seite wiegt immer hoch und kein Elternteil, also auch nicht ich, kann genau sagen wie es im Kopf und der Seele des Kindes aussieht.

Bei allen Kontaktmoeglichkeiten die es gibt, die wir zur Verfuegung stellen, es ist nicht mehr wie es einmal war und das sollte einem immer bewusst sein.

Das heisst, nach wie vor tritt mir mein Gewissen in den Allerwertesten und das ist gut so. Das muss so sein.

Fragen?

Gruss von der schoensten Insel der Welt, grins.

riviera

by the way, Tochter fliegt im Juli nach Deutschland!!!!


Zitat
Geschrieben : 19.05.2008 20:28
(@riviera)

Aehem, noch ein Beispiel, vielleicht ists dann fuer den einen oder anderen verstaendlicher:

Heute ist Victoria Day, ein Feiertag in ganz Ca. Eine riesige Parade geht duch unsere Stadt und es ist schon was besonderes. Noch mehr, da Tochter an dieser teilnimmt.

Ich hab das Glueck meinem Kind zuschauen zu koennen und meine Gedanken gehen zum Vater, der nur Fotos anschauen kann und auf unsere Erzaehlungen angewiesen ist.

Das ist traurig. Mir ist das bewusst. Einigen Herrschaften (eigentlich ist hier eher die Damenwelt gemeint) fehlt dieses Gefuehl und sollten sie es nie erlangen, so moege es ihnen eines Tages im Hals stecken bleiben.

Tochter hat nichts gesagt. Sie braucht das auch nicht. Ich weiss wie sehr sie sich freuen wuerde, wenn nicht nur Mom sondern auch Dad bei solch einem Ereignis bei ihr sind.

Ich denke, ich habe ihr eine Menge neues gegeben, genauso habe ich ihr einiges genommen.

Gut: Es wartet eine gute schulische und berufliche Ausbildung und vieles mehr.
Schlecht: Viel weniger tatsaechlichen Umgang, Kontakt, Naehe zur Verwandtschaft.

Es mag Menschen geben, die sagen wuerden, hey du hast ihr doch eine tolle Moeglichkeit eroeffnet. Das stimmt auch.

Aber wer ehrlich ist weiss, Ausbildung ist nicht wichtiger als der Vater, die Familie.
Familie und Eltern sind nicht wichtiger als Ausbildung.

Je nachdem von wo man das aus betrachtet ist beides falsch und beides richtig. Nichts ist zu ersetzen.

NUR unser Kind kann eines Tages sagen, ob es gut war oder nicht, ob der Preis den sie zahlt zu hoch ist/war oder nicht.

cu then,
riviera


AntwortZitat
Geschrieben : 20.05.2008 00:51
(@midnightwish)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Hi riviera,

oh mann, da muß ich schon teilweise schlucken.

Ich denke aber trotzdem das du es richtig gemacht hast. Du hast die Entscheidung ja nicht über den Kopf deiner Tochter getroffen, sondern mit ihr zusammen die Möglichkeiten abgewägt.

Natürlich hat sie nun weniger Umgang mit ihrem Vater und anderen Verwandten. Ich erinnere mich noch gut an deine posts, das die Umgänge ja nie besonders unproblematisch waren. Ich sehe es aber auch als Chance. Zwar nicht mehr so häufig, dafür aber für längere Zeit, vielleicht ist das ja der Weg der zu einer besseren Beziehung von Vater und Tochter zueinander führt. Wer weiß das schon. Nach den Sommerferien bist du schlauer  😉

Zum anderen ist ja die Kontaktaufnahme in Zeiten des Internets viel einfacher geworden. Wenn beide es wollen und sich Zeit nehmen gibt es email, skype, ne webcam oder andere Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben.

Dein schlechtes Gewissen kann ich verstehen und auch nachvollziehen. Es ist auch gut, das du nicht den Blick darauf verlierst wie es ihr in Bezug auf den Vater geht. Trotzdem brauchst du nicht in Sack und Asche gehen  😉

NUR unser Kind kann eines Tages sagen, ob es gut war oder nicht, ob der Preis den sie zahlt zu hoch ist/war oder nicht.

Eben, diesen Tag wirst du abwarten müssen. Genauso wie es dir passieren kann das sie eines Tages sagt: Ich will zurück nach Deutschland. Das kann passieren solange sie noch nicht volljährig ist, aber auch erst mit 25, 30 oder 40 Jahren. Gestern war ich bei einem Vortrag mit dem Thema: Wie gehen Eltern während der Pubertät mit ihren Kindern um. Referent war ein Kinder-, Familien- und Ehetherapeut, der inzwischen 80 Jahre alt ist. Aber es war beindruckend was er sagte und wie er es sagte. Eines der Dinge dir mir da sehr hängengeblieben sind war der Satz: Erst wenn wir unseren Kindern/Teenies Respekt entgegenbringen, erst dann können sie auch uns respektieren. Erst wenn wir begreifen das sie während der Pubertät nicht gegen uns kämpfen, sondern schlicht und einfach um ihre eigene Persönlichkeit und Selbständigkeit. können sie sich zu Erwachsenen entwicklen, die Verantwortung für sich und andere übernehmen. Was ich damit sagen will? Kann ich gar nicht so richtig formulieren, deshalb lass ich´s grade mal besser.

LG Tina


Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen

AntwortZitat
Geschrieben : 20.05.2008 11:35
(@riviera)

Hallo liebe Tina,

ich stimme dir soweit vollstens zu.

Ich denke nur, dass es einigen an diesen Gefuehlen einfach mangelt und ich habe durch den Auswanderungsprozess noch einige andere kennengelernt, bei denen ich das auch vermisse.

So doof es sich anhoert, aber mein schlechtes Gewissen oder der ploetzliche Gedanke an den Vater gestern als ich Tochter bei der Parade sah, hat etwas Gutes. Es erinnert mich immer daran, dass ich eben nur ein Teil von ihr bin und es gibt Situationen da reiche ich eigentlich nicht aus.

Umzuege werden leichtfertig bestritten, mir fehlt oftmals mehr Einsicht in das Vorhaben und was es alles veraendert.

Unserer Tochter geht es wirklich gut, aber das ist nunmal auch von mir abhaengig, naemlich in dem ich alles dafuer tue um es gut zu machen, annaehernd richtig, sozusagen.

Einerseits bin und werde ich weiterhin davon ueberzeugt sein, dass es gut war diesen Schritt zu gehen und gleichzeitig werde ich aber weiterhin daran denken, was es ihr genommen hat.
Und das sehe ich auch als eine Art Pflicht.

Ganz liebe Gruesse,

riviera


AntwortZitat
Geschrieben : 20.05.2008 17:51
(@midnightwish)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

oder der ploetzliche Gedanke an den Vater gestern als ich Tochter bei der Parade sah,

Autsch. Das kenne ich leider zu gut. Bei der Einschulung von Sohnemann standen mir die Tränen in den Augen, weil der Papa eben nicht mehr da ist, um das alles mitzuerleben. Bei den Mädels hatte ich diesbezüglich eher Wut, das der Vater sich dafür so gar nicht interessiert.

LG Tina


Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen

AntwortZitat
Geschrieben : 20.05.2008 21:12