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Wer ist die beste Mama? Papa etwa?

 
DeepThought
(@deepthought)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Wenn Eltern um ihre Kinder buhlen

Von Parvin Sadigh

Offensichtlich gibt es Statistiken, die nachweisen, dass junge Paare sehr gleichberechtigt leben: Beide arbeiten und teilen sich den Haushalt. Bis zur Geburt des ersten Kindes - dann werden die Rollen wieder klassisch besetzt. Die Mutter wird Hausfrau, der Vater arbeitet - meist sogar mehr als zuvor. Die moralische Schlussfolgerung lautet dann: Die armen Frauen. Werden Sie doch zurückgedrängt von Macht und Ruhm und müssen sich dem karrieresüchtigen Manne fügen. Von wegen!

Der (behaupte ich mal) freiwillige Rückzug der Frauen aus der Arbeitswelt bedeutet vor allem eines: Macht. Wenn Mama jeden Tag zu Hause ist, entscheidet sie, ob heute öko oder Aldi gegessen wird, ob das Kind gegen Masern-Mumps-Röteln oder nur gegen Masern - oder erst gegen Masern, dann gegen Mumps und zum Schluss gegen Röteln geimpft wird, und ob das süße Kleidchen aus Italien oder die grottenhäßliche Latzhose vom Flohmarkt angezogen wird. Sie stellt die Regeln auf. Montag wird nur am Tisch gegessen, was auf denselben kommt... Und Dienstag darf gematscht werden, wo auch immer und so lange die Experimentierfreude reicht. Ganz egal: Sie entscheidet. Was will der Vater am Wochenende noch reinreden? Er fragt brav nach, was er dem Kind vorsingen darf, wenn Mama mal ausgeht.

Da spricht eine Mutter, die ihr Kind an ganzen zwei Tagen in der Woche dem Vater überlässt - weil sie ja unbedingt wieder arbeiten wollte und auf eine gleichberechtigte Arbeitsteilung bestanden hat. Und nun hat sie den Salat: Der Vater will das Kind gar nicht mehr hergeben - und selbst entscheiden. Dabei können wir Frauen das erwiesenermaßen viel besser. Wir haben die richtigen Hormone – und können mehrere Dinge auf einmal überblicken – das liegt alles an den x-Chromosomen!

Es sind gar nicht die großen Themen - über die müssen und wollen sich andere Eltern auch einigen. Es sind die kleinen Dinge (siehe oben), die das Leben einer Familie bestimmen und die normalerweise die Frau dirigiert. Erschrocken stellt die arbeitende Mutter fest, dass sie nicht alles kontrollieren kann.

Da habe ich mich zum Beispiel tagelang gewundert, warum mir meine Tochter beim Bilderbuchanschauen widerspricht: Ich sage Boot, sie sagt irgendetwas, das nach „Fisch“ klingt. Durch Zufall haben wir dann festgestellt, dass wir keine Bilderbuch-Sprachregelung haben: Vater sagt Robbe, Mutter sagt Seehund. Er sagt Kamel, sie Dromedar. Sie sagt Boot, er Schiff. Aha!

Außerdem: In der klassischen Hausfrau-Karrieremann-Beziehung wird immer die Mutter gerufen, wenn das Kind kuscheln will. Es vergräbt das Köpfchen in ihren Hals und verteilt feuchte Küßchen. In welchem Job kriegt man denn so etwas?

Am Wochenende überschlagen sich gleichberechtigt arbeitende Elternteile um die Gunst der Kleinen – statt froh zu sein, den kleinen Tyrannen einmal loszusein. Deshalb hat unsere Tochter wohl mit ihren gerade mal 16 Monaten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn entwickelt. Kriegt Mama ein Küßchen, dann muss Papa auch sofort eines haben. Außerdem hat sie die schönen Worte "Mapa" und "Pama" erfunden - das spart Zeit und macht keinen der um Liebe buhlenden Eltern eifersüchtig. Oder sie tanzt im Kreis und singt die Familie zusammen: "Mama - Papa - Ella." "Mama - Papa - Ella." Jawohl: Wir halten zusammen, versprochen.

Quelle: Die Zeit


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!

Zitat
Themenstarter Geschrieben : 07.11.2003 09:10
(@Unbekannt)

Ein herrlicher Artikel: etwas Ironie vermischt mit etwas Wahrheit -
zum schmunzeln - wie aus meinem Leben gegriffen.

LG Hanne


AntwortZitat
Geschrieben : 08.11.2003 11:36