Ein erschütterndes Schicksal
Lieber tot als arm
Von P. ROSSBERG, D. BEILKE und R. MITTELSTAEDT
Berlin – Es war ihre erste gemeinsame Reise. „Unsere Hochzeitsreise“, sagten sie. Sie führte in einen stillen, fensterlosen Raum. Ohne Blumen, ohne Kerzen. Ohne Rückfahrt.
Monika (42) und Michael S. (39) aus Moabit wollten sterben. Sie waren müde vom Leben, wollten lieber tot als arm sein.
Das Ehepaar, das keine Kinder hat, fuhr mit dem Auto nach Zerpenschleuse, der alten Heimat am Rande der Schorfheide (Brandenburg).
Ein letzter Blick auf das Wäldchen, eine letzte Umarmung. Dann hüllten die Abgase sie ein. Pitbull Billie nahmen sie mit.
Vier Seiten lang ist ihr Abschiedsbrief (siehe Ausriß). Sie schickten ihn an ihre Freunde, zwei Cousinen und Monikas Schwester – die einzigen Verwandten. Sie erklärten:„Wir wollen einfach nicht mehr. Keiner konnte uns eine Antwort auf die Frage nach dem Wofür geben. Wir krebsen uns durchs Leben und spulen monoton einen Tag nach dem anderen ab.“
Vor 15 Jahren hatten Monika und Michael S. geheiratet. Das Geld reichte nie für einen Urlaub, obwohl es ihnen nicht so schlecht ging wie vielen anderen.
Sie arbeitete als Chefsekretärin bei einer Spedition. Er war ein bekannter TV-Aufnahmeleiter („Schwester Stefanie“, „Der letzte Zeuge“, „Alarm für Cobra 11“). Doch seit drei Jahren hatte er keinen Job mehr.
„Alles, was Michael und ich wollten, war ein ruhiges, geordnetes Leben mit etwas Wohlstand. Keine Reichtümer! Aber eine geregelte Arbeit für uns beide, ein schönes Heim, unser Hündchen, ein Auto, ab und an ein netter Abend und Gesundheit.“
Den Mittelklasse-Wagen, in dem sie auf ihre Reise in den Tod gingen, konnten sie sich nicht mehr leisten. Seit Anfang des Jahres bekam Michael S. nur noch 311 Euro Unterstützung.
Das Geld wurde immer knapper – sogar Familienfeiern sagten die beiden deshalb ab. Ihre große Angst: daß auch Monika S. noch ihren Job verliert.
Ihre Verwandten baten sie nur: „Macht euch keine Gedanken! Uns geht es gut. Wir haben Euch alle sehr lieb.“
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2005/02/18/grossstadt__schicksal/lieber__tot__als__arm.html
Eine raffgierige und skrupellose Politikerklasse - Hartz IV und die grausamen Folgen !
Berliner Kurier
"Soziale Kälte": Ehepaar vergiftet sich im Auto
Selbstmorddrama: Auch ihren geliebten Hund nahmen sie mit in den Tod
(Text siehe unten oder: http://www.hundejo.de/news/newscache.php3?id=11169)
Tiergarten - Am Leben gescheitert. Auf jeden Fall glaubten Michael (39) und Monika St. (42) das. Kein Ausweg. Keine Zukunft. Das Ehepaar aus Tiergarten sah den einzigen Weg in dem gemeinsamen Tod. Michael und Monika St. vergifteten sich mit Auto-Abgasen. Pitbull Billy starb mit ihnen.
Der Motor lief. Unaufhörlich pumpte er das tödliche Kohlenmonoxid in den Innenraum. Dabei waren die zwei Menschen in dem Opel Astra schon eine Weile tot. Erstickt am Giftgas. Spaziergänger entdeckten Montagmittag das Auto der Berliner Eheleute in einem Waldstück bei Zerpenschleuse.
"... soziale Kälte und die Reformen in Deutschland...", so begründeten Michael und Monika St. ihren freiwilligen Tod. Den mehrseitigen Abschiedsbrief schickten sie einem Cousin.Dabei sah ihr Leben nicht immer so traurig aus. Monika St. hatte sich in einer Berliner Spedition zur Chefsekretärin hochgearbeitet. Ihr Mann Michael arbeitete als freiberuflicher Aufnahmeleiter für ZDF-Serien (Der letzte Zeuge) und Spielfilmproduktionen (Vinzenz & Claire, Komm wir träumen). Doch seit knapp zwei Jahren lief das Film-Geschäft für ihn nicht so sonderlich gut. Sogar im Internet bemühte sich Michael St. verzweifelt um neue Jobs. Jetzt drohte Hartz IV und damit finanzielle Probleme.Große Sorgen machte sich das Paar auch um ihren Billy. "Der Hund war fast so was wie ein Kindersatz", sagt eine Nachbarin. Pitbull Billy war schwer herzkrank. "Monika fürchtete, er könne bald sterben", sagt eine Bekannte. "Sie richteten ihren Tagesablauf nach dem Tier. Weil er die vielen Stufen bis zu ihrer Wohnung in den 4. Stock nicht mehr schaffte, trugen sie ihn zum Gassi gehen hinaus." Einen traurigen Lebensabend im Tierheim, hätten sie für ihren Liebling nicht gewollt. Deshalb vermutlich nahmen sie Billy mit in den Tod.BU: Aufnahmeleiter Michael St.vergiftete sich mit Frau Monika im Auto. Das Ehepaar fürchtete die soziale Kälte in Deutschland. Foto: privat
Hallo Ayuda,
das macht unglaublich traurig und zeigt deutlich die Hilflosigkeit, die sich breitmacht.
Gruß
Tina
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
vielleicht solltest du mal unter hartz iv leben, empfehle dir diesen Versuch...glaubst du denn das ein 50iger mit nem kleinen kind hier noch arbeit bekommt? und was soll wohl aus dem kind wertden wenn papa jeden cent umdrehen muss,, das kanste hier im forum nachlesen im nichtveröffentlichten armutsbericht....glaubst du wirklich das geht nur die leute an die arbeitslos sind, das Thema betrifft dichgenauso, da steckt nämlich viel mehr dahinter als nur die leute in die armut zu schicken und gefügig zu machen...damti sie billigst auf dem neoliberalen markt dann wieder einkaufen kannl. z.b für einen euro die stunde. etc...
dieser umbau betrifft dich genauso wie jeden anderen auch hier,,,
also schieb den protest nicht nur zu den arbeitslosen,,
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
das sind ja schöne worte , das mit den werten, und wie bitte willst du das in die gesellschaft bringen?? das mußt du wohl zuerst mal den politikern erzählen,, schreib doch mal an clement und schröder , mal sehen ob du eine antwort bekommst,,,
die interessieren sich doch gar nicht dafür...
wo bitte sollen denn die schönen ziele herkommen, wenn es nur noch darum geht, was bitte kann ich morgen essen? und so ist es tatsächlich,,, guck mal in die dritte welt, armut und moralverfall gehen immer hand in hand, und eine kleine clique von leuten wird immer reicher,,
schön worte mit den werten, aber ohne praktische verwertung, sorry empfinde ich als ziemlich lebensfremd, vor allem in der jetzigen situation,,,
sag mal was du machen willst mit den werten,, flugblätter verteilen oder predigen.?? wie willst du das denn den leuten beibringen??
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
also nicht jammern und picheln sondern hammern und sicheln...schön dass du mit deiner familei so lebst,,,nur haben hier viele gar keine funktionierende familie mehr....
und kritisieren = kontraproduktiv,,,also lieber den kopf hinhalten und produktiv werden??
wie denn bitte schön?
ohne kritisieren gibt es nun mal auch keinen weg...und ich weiss nicht warum ich mich damit abfinden soll, dass ich nun ab dem 15. keine knete mehr habe und mein kind keine zukunft.-.-
wieso eigentlich? und wieso ist das bitte kontraproduktiv, vor allem wo bitte ist das produktive wenn ich keine knete mehr habe und mein sohn keine zukunft???
so ich habe jetzt eigentlich keine lust mehr darüber zu streiten, du magst in frieden und produktiv mit deiner familie leben,, und nach neuen werten, ich gratulieren dir, ich jedenfalls habe dafür noch nicht mal ne familie , geschweige denn einen raum dafür...
hab noch was vergessen, also wegen der neuen werten, das heißt doch bestimmt auch ne gerechte gesellschaft,, nehmen wir mal an, dann werden die gelder auch gerechter verteilt,, denn wenn einige viel moos haben und bei den anderen nix los ist, dann gibt es auch keine besseren WErte. du hast offensichtlich ne familie und geld und lebst da so ganz glücklich, nun nach deinen werten , könntest du mir nich was abgeben? sagen wir mal so etwa den 10ten im monat...dann wird das alles wieder gerechter,,, meine kto. nummer geb ich dir bei wenn nötig...okay?
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
mein lieber ramsch,, ich glaube nicht dass du in der lage bist mir ne komplette lebensberatung angedeihen zu lassen, vermute bin etwa doppelt so alt wie du, und habe mein leben nicht verpennt, weißt du , so etwas arrogant finde ich deine haltung schon du besserwisser, informiere dich erstmal über deine gesprächspartner bevor du meinst denen sagen zu müssen wo das leben lang geht, steht zwar nich tin der bibel, die mir übrigends ziemlich wursch ist, kannste aber in jedem pädagogikbuch nachlesen, da könnte ich dir auch ne lange literaturliste geben... so jetzt reichts hier , schluss, letzter kommentar
Ich finde das auch traurig, was da passiert ist.
Die Frage ist für mich wirklich, wie die Gesellschaft mit so etwas umgeht, die enge Nachbarschaft, Familie. Hinterfrage sie wirklich, warum sie sich zurückgezogen haben? Ich finde es schlimm, aber mir fehlen für die Verurteilung zuviele Einzelheiten.
Dies auf Hartz 4 zu schieben, finde ich zu einfach.
Es gab in unserer Nachbarschaft eine Familie, die arbeitslos war, sie wohnten in einer Wohnung bei der die Miete 1200 Euro gekostet hatte. Das hat das Sozialamt bezahlt, da dieser Mensch arbeitslos war.
Ich habe mich da schon gefragt, was ich falsch mache, da ich mir so eine Wohnung nicht leisten kann. Die Familie wohnte da länger drin. Ich käme auf den Gedanken mir eine billigere Wohnung zu suchen, oder notfalls mir irgendwie einen Job zu suchen, der mir ein wenig Geld einbringt.
Unsere heutige Gesellschaft hat einen verdrehten Anspruch. Das sieht man am Besten im Gesundheitswesen. Keiner schaut auf sich, geht dann mit dem Anspruch ins zum Arzt, nach dem Motto, jetzt macht mich mal wieder gesund, das beste nur gut genug, außerdem bezahle ich ja Beitrag.
Wenn jeder die Kosten einmal vorstrecken müsste, wäre jedem gleich klar, was jeder einzelne für Kosten verursacht.
Ich habe wenig Geld, weiß, was es heißt für etwas zu arbeiten.
Ich hatte eine Kollegin aus dem Osten, die Kleidergeld bekam, Wohnungsgeld,... ihr stand außerdem eine neue Waschmaschine zu.
Für meine Existenz habe ich keine Zuschüsse bekommen. Ich habe mir damals einen gebrauchten Kühlschrank gekauft.
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
Warum schafft es diese Umgebung, unsere Gesellschaft nicht, solche Schicksale aufzufangen. Wieso hält Familie, halten Freunde so lange still, dass es so weit kommt. Nichts aber auch gar nichts ist so schlimm, dass es keine Hilfe geben kann, dass es so enden muss.
Was hat die Gesellschaft daran für ein Interesse? Eine Gesellschaft, in der jeder sich selbst am nächsten steht?
Warum halten Freunde still? Weil sie vielleicht gar nichts davon wissen? Weil Arbeitslosigkeit immer noch mit grossen Makeln behaftet ist, mit immer grösseren, je grösser das Geschrei um die sogenannten Sozialschmarotzer wird.
Nichts ist so schlimm....
Ich zähle mich zu den Kämpfernaturen, die meinen, dass sie nichts umhauen kann. Allerdings habe ich auch enormen Rückhalt in meiner Familie. Was ist mit so einem Paar, das sich ganz allein auf sich selbst gestellt sieht? Die keinerlei Perspektiven mehr haben? Wie soll es denn weiter gehen? Job weg, Geld weg, keine Chance auf einen Neuanfang in Sicht? Keine Unterstützung von aussen, usw.
Verantwortung übernehmen, Erfolg belohnen, sich engagieren, innovativ sein, Lethargie verbannen, Neid nicht zulassen, dann wirst auch Du es schaffen, da bin ich sicher!
Das entspricht in meinen Augen so in etwa der Haltung eben dieser von dir erwähnten Gesellschaft. Korrigiere mich, wenn ich dich falsch verstanden habe.
Ich muss mich also nur engagieren und innovativ sein, die Lethargie verbannen, und schon fliegen mir die gebratenen Tauben in den Mund. Oder anders herum: wer mit über, sagen wir mal 45 Jahren (und das schätze ich sehr hoch gegriffen) keinen Job mehr findet ist selbst schuld. Er war nicht innovativ genug.
Ich WAR innovativ, oder besser gesagt, ich hatte das unglaubliche Glück über ein paar gute Beziehungen zu verfügen. Das hat mir immerhin 18 Wochenstunden Arbeit gebracht. Aber viele andere haben dieses Glück nicht.
Die Frage ist für mich wirklich, wie die Gesellschaft mit so etwas umgeht, die enge Nachbarschaft, Familie. Hinterfrage sie wirklich, warum sie sich zurückgezogen haben?
Ich glaube nicht, dass sich unbedingt die anderen zurück ziehen. Meistens sind es die Arbeitslosen selbst. Weil es ihnen immer noch unmöglich gemacht wird, es einzugestehen.
Mein Schwager wurde mit 51 arbeitslos. Davon wusste KEIN Nachbar etwas und auch die Familie hat es erst nach längerem Nachfragen erfahren. Er hat alles versucht, von Umschulung angefangen bis hin zur Arbeit bei einer Zeitarbeitsfirma, bei der er aber auf Grund seines Alters nicht mehr vermittelbar war. Er wurde mit 58 durch einen Herzinfarkt erlöst. Das war lange vor Hartz IV, aber besser ist dadurch nichts geworden.
Jedenfalls sehe ich es im Moment noch nicht....
Gruß AJA
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
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Anm. Admin: Beitrag gelöscht! Hausverbot! Siehe >hier<
[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]
jaja und so kommen wir vom tellerwäscher zum Milionär und leben endlich nach den neuen werten der Ethik eines herren so und so und sind enorm glücklich und tanzen von morgends bis abends um den maibaum ,dann wird alles gut und wir sind dann total aktiv, jau schöne neue welt...und die tauben fliegen,,,, und wir sind wieder so aktiv,,, dass alles von alleine passiert....
naja
Hallo ein trauriges Schicksal und es wird kein Einzelfall bleiben.
Auch ich bin haarscharf an Harz IV vorbeigeschlittert, na ja 10 Tage Harzer, und kann mich daher in diese Problematik einfühlen. 25000 - 30000€ Schuldenberg (aut dem letztem Brief des RA meiner EX sollen es sogar 35000€ sein) den ich meiner Frau zu verdanken habe versuche ich durch Inso zu tilgen. Jetzt kommts: Da ich als Harzer keinen KU zahlen kann werden mir die 122€ UVG aufgeschuldet und somit ist meine Inso im Eimer. Ein Leben für die nächsten Jahre ist nicht in Sicht. Auch wenn ich nach 6 Jahren Wohlverhaltensperiode schuldenfrei sein sollte (vorausgesetzt ich Arbeite durchgehend), ist an ein Leben mit etwas Wohlstand nicht zu denken. Meine zukünftige LG muß immer mit arbeiten. Bekommt sie ein Kind wird es wieder ein Leben am Selbstbehalt.
Jetzt möchte ich mal gern die Lebensperspektive sehen?? (das soll um himmels willen keine suizitandrohung sein. bitte nicht falsch verstehen)
Ach ja ich bin gelehrnter Schlosser (also Jobangebote liegen bei 6-7.5€ h/bruto) und die Arbeitslosenrate bei Schlossern liegt etwa um die 25%.
MFG
PhoeniX ;(
PS wo ich gerade schon von kein Einzelfall rede hier mal gucken:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,339122,00.html
und hier:
http://de.groups.yahoo.com/group/feudalismus/message/591
auch diese Diskusion ist recht aufschlußreich:
http://forum.zdf.de/PuZ/foren/F861/msg190012.php
vom nehmen sind die wenigsten zufrieden geworden ... steht glaube ich schon in der bibel ...
Verantwortung übernehmen, Erfolg belohnen, sich engagieren, innovativ sein, Lethargie verbannen, Neid nicht zulassen, dann wirst auch Du es schaffen, da bin ich sicher! Dann wirst Du von mir gar nichts mehr benötigen, wahrscheinlich kannst Du dann mehr abgeben, als ich Dir jetzt geben könnte ....
Lies mal von Olaf Henkel "Die Ethik des Erfolgs" ... auch wenn er nicht meiner bescheidenen politischen Couleur ist, stimmt darin so einiges ...
RAMSCH
Wer derart genial wie RAMSCH in der Lage ist, innovativ Verantwortung für das Leben zu übernehmen, es mit Güte krönt und neidlos die Ethik des Erfolgs lebt, gehört im Bundeskanzleramt als Unikat ausgestellt - und zwar mit einem Geldeinwurfschlitz, damit er für 1 Euro etwas hin und her wackelt.
Ihm kann ich ansonsten nur eine Literaturempfehlung geben:
Der gute Mensch von Sezuan von Bertolt Brecht
In diesem Stück suchen drei Götter die Provinz Sezuan heim, um einen einzigen guten Menschen zu suchen, der die Einrichtung der Welt, so wie sie, ist rechtfertigen kann. Sie mei-nen ihn in der Prostituierten Shen Te zu finden. Diese wird mit einem kleinen Kapital ausgestattet und zum Gutsein ermahnt, droht aber gerade an ihrer Hilfsbereitschaft zu scheitern, die ihre Mitmenschen hemmungslos ausnutzen. In ihrer Not erfindet sie sich den Vetter und Erzkapitalisten namens Shui Ta als ihr alter ego. Er sichert mit Härte und unsauberen Mitteln ihr Überleben. Zuerst nur als Nothilfe gedacht, nimmt er schließlich vollständig Besitz von Shen Te, die von ihrem betrügerischen Liebhaber schwanger und verlassen am Rande der Pleite steht, und wandelt ihren kleinen Tabakladen durch Ausbeutung der Hilfsbedürftigen Schritt für Schritt in ein Tabakimperium um. Erst als Shui Ta des Mordes an Shen Te angeklagt wird und vor die als Richter getarnten Götter tritt, läßt Shen Te die Maske fallen und konfrontiert sie mit der Ausweglosigkeit ihrer Situation: "Euer einstiger Befehl / Gut zu sein und doch zu leben / Zerriß mich wie ein Blitz in zwei Hälften. Ich / weiß nicht, wie es kam: gut sein zu an-deren / Und zu mir konnte ich nicht zugleich. / … Denn wer könnte / Lang sich weigern, böse zu sein, wenn da stirbt, wer kein Fleisch ißt?" ( S. 291) Die Götter aber weigern sich, diese Zerrissenheit wahrzunehmen und entschweben einfach auf einer rosa Wolke. Zurück bleiben die alleingelassene Shen Te und ein ratloser Spielleiter, der sich wegen der ausbleibenden Lösung entschuldigend ans Publikum wendet: "Wir stehen selbst betrübt und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen."
Es grüß das kleine Annele
