Hallo,
ich bin Vater eines 2 Jahre alten unehelichen Sohnes der mit seiner Mum ca. 350 km von mir wegwohnt.
Das Verhältnis zwischen mir und der Mum und die Akzeptanz des Vater seins war nicht von Anfang an das Beste. Besonders die Entfernung, die Anfangs noch mehr war, war hier ein negativer Faktor. Mein Verhältnis zur Mum bessert sich gerade merklich - meine Akzeptanz die Vaterrolle voll und ganz zu leben ist gegeben.
Sie lebt seit kurzem in einem Mutter/Kind-Wohnheim.
Vor wenigen Tagen, nachdem ich ein wunderschönes Wochenende mit meinem Sohn bei ihr und mit ihr verbracht habe, teilte sie mir mit, dass sie aus gesundheitlichen Gründen und während ihrer Erstausbildung unseren Sohn zu Dauerpflege (zeitlich beschränkt) in eine Pflegefamilie geben möchte. Ich bin ais allen Wolken gefallen - damit hatte ich nicht gerechnet.
Bitte versteht mich nicht falsch - die Entscheidung, die der Mum sicher nicht leicht gefallen ist, finde ich an sich nicht schlimm. Sie will das es unserem Sohn an nichts fehlt - das ist absolut ehrenhaft!
Nur sehe ich nicht eine das eine fremde Familie das beste ist - ich habe mich u.a. angeboten um für den Kleinen ein Zuhause zu sein. Ich kann fast mühelos meine Wohnung Kindgerecht ausstatten - mein Arbeitgeber bietet auch für allein erziehende attraktive Arbeitszeiten an usw.
Prinzipiell ist die Mum von dem Gedanken nicht abgeneigt - aber die Entfernung und das sie den Kleinen dann nicht so regelmäßig sehen kann ist für sie ein KO-Kriterium - sie will das der Kleine in eine PF in ihrem unmittelbaren Wirkungskreis kommt.
Mittlerweile habe ich auch schon mit der Betreuerin von ihr telefoniert. Diese meinte, dass grundsätzlich das Jugendamt darüber entscheidet - und ich natürlich das Recht habe mich dort "anzubieten", aber besonders durch die Entfernung sieht sie diese Option als so gut wie ausgeschlossen.
Was mich auch noch etwas mehr grübeln lässt ist, dass die Mum natürlich noch nicht weiß ob nach der Ausbildung alles wieder besser ist - es steht also noch in den Sternen ob der Kleine dann zurückgeführt wird. Und wenn der Kleine erst dann zu mir kommen würde wäre auch sehr blöd für seine Entwicklung!
Ich habe jetzt natürlich vor dem Jugendamt zu schreiben und eine eventuelle Pflegschaft durch mich anzuregen. Ich will weiterhin das Jugendamt dazu auffordern, auch wenn die Entscheidung gegen mich fällt, auf die Wünsche und Anregungen der Mum einzugehen. Zudem möchte ich klare Regelungen zum Umgangsrecht auch in meine Ri. im Pflegeplan zu verankern.
Ich möchte auf gar keinen Fall mit der Mum in irgendeiner Form streiten - besonders nicht über irgendwelche Ämter denen ich keinen Meter über den Weg traue.
Habt ihr noch Tipps für mich? Habt ihr Erfahrungen mit solchen Situationen? Wie kann ich das Jugendamt am besten davon überzeugen das ich, als leiblicher Vater, alleine besser oder gleichwertig wie eine "Familie" für den Kleinen sorgen kann?
Ich hoffe ihr könnt mir ein wenig weiter helfen - diese innere Unruhe, das nichts tun können bzw. gegen Windmühlen kämpfen macht mich fertig!
Danke,
Eredus
Moin eredus,
der beste Rat gleich zu Anfang: Zieh einfach in die Nähe Deines Sohnes; dann könnte sich das beschriebene Problem am einfachsten lösen lassen.
Hintergrund: Du hast als nichtehelicher Vater ohne Sorgerecht keine weitergehenden Rechte als eine Pflegefamilie. Und ob Du Dich für die Betreuung Deines Sohnes anbietest oder irgendeine Pflegefamilie, ist juristisch dasselbe. Faktisch wird die Pflegefamilie sogar die besseren Karten haben, da sie entsprechend gebrieft und geprüft ist, während Du für die involvierten Behörden nur ein unbeschriebenes Blatt bist. Dass ein Jugendamt entscheidet, dass man den Sohn auch über 350 Kilometer zum Vater umziehen lassen könnte, ist vor diesem Hintergrund so gut wie ausgeschlossen. Zumal Pflegekinder ein durchaus gutes Zusatzeinkommen für die Pflegefamilien darstellen.
Deshalb der Tipp: Frag die Mutter Eures Sohnes, wie es aussehen würde, wenn Du in die Nähe ihres Wohnortes ziehst, die tägliche Betreuung wahrnimmst und sie jederzeit Zugang zu ihm haben kann. Du kannst ihr sogar (vielleicht nicht sofort, aber irgendwann später) vorschlagen, eine Sorgeerklärung zu Deinen Gunsten zu unterzeichnen und ein so genanntes Wechselmodell einzurichten, bei dem ihr ihn beide etwa gleichwertig betreut. Aber auch dafür ist neben der Kommunikationsbereitschft die räumliche Nähe oberstes Gebot. Nur wie gesagt: Ein Umzug von Sohnemann zu Dir wird gegen den Willen der Mutter nicht stattfinden und ist auch nirgends einklagbar.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Danke Martin, für die super-schnelle Antwort.
Ja, ich habe natürlich auch schon daran gedacht meinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Aber ich bekomme dort keinen gleichwertigen Arbeitsplatz. Ich arbeite in einer sehr speziellen Branche. Für meinen AG arbeite ich schon seit fast 4 Jahren... Zudem sorge ich mit meinem Job auch für unseren Sohn. Desweiteren habe ich hier natürlich die Unterstützung von meiner Familie und Freundin.
Oh - mann... Ich würde beide gerne einpacken und hier in die Region umziehen - aber das geht natürlich auch nicht. Ihre Ausbildungsstelle ist auch eine ganz besondere... 🙁
Ich fühle mich echt hilflos...
Jetzt bin ich noch mehr verunsichert...
Eine seeeehr gute Freundin ist gelernte Erzieherin und hat bis zu ihrer Schwangerschaft in einem Wohnheim für (schwer erziehbare) Kinder gearbeitet. Sie meinte das sie ziemlich viele Kinder hatte die aus die PF kamen - sie sind mit dem Gedanken des weg-gegeben werden einfach nicht klar gekommen.
Sie hat mir geraten mich um ein geteiltes Sorgerecht zu bemühen... Aber welche Chance gibt es hier denn? Ich lese hier von Fällen wo der Vater sogar in der selben Stadt wohnt und einen sehr regelmäßigen Umgang mit den Kindern hat - und selbst dort haben die Väter kein Sorgerecht... Das kann doch garnicht sein, oder?
EDIT: Zudem würde mir ja dann nur der (Un)rechtsweg bleiben wenn die Mum dem nicht zustimmt - das will ich ihr irgendwie auch nicht antun...
Hallo Eredus,
doch, das ist der "Normalzustand", wenn die Eltern nicht verheiratet sind und die Mutter dem gemeinsamen Sorgerecht nicht zugestimmt hat. Die Zustimmung der Mutter ist Voraussetzung, um das GSR zu bekommen. Ohne das ist nichts zu machen. Du müsstest also wirklich mit der Mutter das GSR vereinbaren (Unterzeichnung beim JA) und dann wäre es möglich, dass das Kind zu Dir in den Haushalt wechselt, ohne dass das JA bemüht werden müsste.
Ohne Sorgerecht darf eine andere Person als der Sorgeberechtigte nur für max. 8 Wochen - so meine ich - in einem anderen Haushalt untergebracht werden, bevor das JA eingeschaltet werden muss.
Rede also mit der KM, ob da nicht irgendwas drin ist.
LG LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Hallo,
ergänzend:
wenn du ein Konzept vorbereitest, dass dein Sohn in deinem Haushalt (vorübergehend) betreut wird, dann schlage ich dir vor, unbedingt ein Umgangskonzept mit vorzubereiten.
Auch in einer Pflegefamilie kann die KM m.E. nicht alle naselang das Kind sehen wie ihr es in den Kram passt, sondern da gibt es auch eine verlässliche Umgangsregelung.
Deshalb mein Vorschlag, arbeite eine Umgangsregelung aus, und biete doch z.B. an, den Umgang mit der KM auf deine Kosten sicherzustellen bzw alle 14 Tage dorthinzufahren usw. Wenn du es leisten kannst...es würde sicher die Bereitschaft der Km erhöhen auf deine Vorschläge einzugehen.
Und du hast vielleicht auch ein gutes Argument, wenn der KM die Entfernung zu weit ist ;-))
ligr ginnie
Durch Nachsicht setzt man der Gewalt kein Ende: damit bestärkt man die Gegner nur in der Gewissheit, sie hätten es mit einem Schwächling zu tun, der leicht zu bezwingen ist
