Ein lesenswertes >>>Interview<<< mit Remo Largo über Schulsysteme, Lernmethodik und übersteigerte Anforderungen der Erwachsenen:
Besonders bemerkenswert ist der letzte Satz:
Es ist für Eltern ganz schwierig, sich dem allgemeinen Leistungsdruck zu entziehen und ihn nicht an die Kinder weiterzugeben. Wenn sie sich darum bemühen, ist das schon ganz viel. Das heißt auch, dass sie immer auf der Seite des Kindes stehen. Der Druck ist sehr oft kontraproduktiv: Er blockiert die Kinder. Vor allem Eltern aus der Mittel- und Oberschicht müssen sich fragen, wie viel von dem Druck ihre eigenen Erwartungen sind, Status- und Prestigeangelegenheiten, die überhaupt nichts mit dem Kind zu tun haben. Es gehört ein Stück Demut dazu, sich einzugestehen, dass ein Kind nicht den Eltern gehört, sondern nur sich selbst.
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo Brille,
Remo Largo ist bekannt für eine sehr kindzentrierte Erziehungsmethode. Er setzt auf die Individualität und das persönliche Entwicklungstempo eines jeden Kindes. Er ist Kinderarzt und hat zahlreiche Bücher geschrieben ("Babyjahre", "Kinderjahre", usw.) und ist bei den Anti-Mainstream-Eltern neben Jesper Juul einer der Erziehungspäpste unserer Zeit.
Im Gegensatz zu Juul lese ich den auch ganz gerne. Ist jeder "Eislaufmutti" zu empfehlen.
LG LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
Hallo!
Da ist dch entlich mal etwas was mir aus der Sele spricht! :phantom:
Gruß von Isis
C die sicht schon lange fragt warum so viele Kinder
mit 5 Jahren schon lesen müßen)
Hallo,
ja, das wäre mehr als wünschenswert, wenn die Regelschuln, auf die ja die meisten Kinder nunmal gehen, etwas individueller auf die Kinder eingehen würden und könnten.
Im Grunde ist es ein Witz, was da immer langfristig versucht wird.
Alle schreien Pisa und "Hilfe", passieren tut wenig.
Wird Geld in die Bildung gesteckt, dann fragt man sich, wo es gelandet ist.
Die Entwicklung der Ganztagesschulen ist zäh.
Die Klassen sind zu groß, Lehrer werden zu wenige eingestellt.
Ich war einmal bei einer Elternversammlung, wo eine Dame des Schulamtes saß und über den Personalschlüssel monologisierte. Sie ist in keinster Weise auf Fragen der Eltern eingegangen, eine bestehende und wirklich bescheidene Situation wurde im Grunde ignoriert, immer wieder darauf verwiesen, dass der hochheilige zugewiesene Schlüssel absolut erfüllt sei.
Meine Kinder sind (sag ich jetzt mal salopp) normal intelligent.
Sie schwimmen im Teich mit, sind nie die Besten, auc hnicht die Schlechtesten, und die gehen am ehesten unter. Bei denen besteht ja kein Handlungsbedarf.
Das betrifft vor allem meine Tochter. Gerade sie ist ein lustbetonter Mensch, hat keine Schwächen wie LRS, Dyskalkulie oder sonstig was.
Aber ihre Sozialkompetenz ist sehr in Ordnung, und so hat sie wenig Probleme.
Ihr nach unten durchschnittliches Zeugnis lässt sich mit Faulheit begründen.
Mein Sohn ist schon ein bisschen spezieller.
Mündlich ein Ass, sehr wissbegierig, bei interessanten Themen absolut aktiv dabei.
Seine Schrift ist eine Katastrophe, seine Rechtschreibung ebenfalls.
In seiner alten Schule lag der Schwerpunkt in Deutsch auf DIKTATEN. Da die grundsätzlich mit einer 6 zensiert waren, rutschte seine Motivation in den Keller.
Man steckte ihn dann in LRS, obwohl er keine hatte, aber egal, die Stunde gab es, man war auch stolz drauf (super) und ich genehmigte seine Teilnahme selbstverständlich, weil es ihm a) Spaß machte (kleine Gruppen, kein stures Schreiben, mehr spielerische Übungen und viele Denkhilfen, die er auch begeistert aufgesaugt hat) und b) war es zusätzliche Übung, z uder ich ihn daheim nur schwer bekam.
Ebenfalls bestätigen kann ich, gerade im Hinblick auf meinen Sohn, dass die Freude an der Schule und der Ehrgeiz eines Kindes, etwas lernen zu wollen mit dem Lehrer steht und fällt.
In der neuen Schule, in der er seit den Sommerferien ist, wird viel individueller auf seine Fähigkeiten eingegangen.
Auch werden die Themen meist sehr Fachübergreifend behandelt, und auf diese Weise viel intensiver und nachhaltiger aufgenommen.
Auch eine Regelschule, vermutlich personalschlüsselmäßig nicht besser gestellt.
Aber es findet viel mehr an Förderung statt, auch mal über das Schulische hinaus (so nimmt er ab Januar an einer Gesprächsgruppe teil, die in Zusammenarbeit von Kirche und Schule in der Schule angeboten wird).
Es findet mehr "miteinander erarbeiten" statt, der gnadenlose Wettkampf, den er aus der alten Klasse kennt, ist hier nicht zu erkennen.
Seine Motivation, seine Leistungen, seine Einstellung, seine Ordnung: kein Vergleich zu vorher.
Er hat deutlich mehr Spaß, und das schlägt sich positiv nieder (was nicht heißt, dass er nur noch Einsen heimbringt 😉 )
Ich hoffe, dass beim großen Thema Schule/Bildung wirklich endlich mal ein Umdenken stattfindet und so allen Kindern eine gleichberechtigte Bildung ermöglicht wird, egal aus welcher Gesellschaftsschicht sie kommen.
Und das beinhaltet für mich auch z.B. die flächendeckende Ganztagesschule mit auch außerschulischen Angeboten, für die nicht alle Eltern die Zeit, das Geld oder den Zugang haben (Sport, Musik, Theater... ect...)
Für mich gehören auch die Eingruppierungen in diese Haupt-, Realschul- und Gymnasiums-Schubladen weitgehend abgeschafft und ersetzt.
Gruß, Lesemaus
Getretener Quark wird breit, nicht stark
