Moin Beppo,
Und der Unsinn, dass Kinderlose keinen Beitrag zu ihrer eigenen Rente leisten müssen.
nein, das ist kein Unsinn. Im Umlageverfahren leistet man keine direkten Beiträge, sondern erwirbt Anwartschaften. Bei Deinem Modell bräuchte man jede Menge Gesinnungsschnüffelei. Habe ich selbst vor Jahren mitbekommen, als diskutiert wurde, dass Kinderlose sogar höhere Rentenbeiträge bezahlen sollen als Leute mit Kindern. Meine (kinderlose) Ehefrau hat sich darüber zu recht aufgeregt, denn ihre Kinderlosigkeit war nicht gewollt, sondern schicksalhaft. Wie sollte man da als Staat vorgehen? Investigativ erfragen, ob die Kinderlosigkeit in Wirklichkeit Fortpflanzungs-Unlust und damit egoistisch gewollt war, um ein grösseres Auto zu fahren, sich Urlaube leisten zu können und die eigenen Nerven zu schonen? Haben die Bürger, die behaupten, ungewollt kinderlos zu sein, sich vielleicht nur nicht genug Mühe gegeben, nicht oft genug gepoppt - oder sogar heimlich verhütet? Und was machen wir mit Menschen, die ihr Kind durch Krankheit, Unfall oder Verbrechen verloren haben? Werden die wieder hochgestuft, weil sie es nicht geschafft haben, dem Staat Rentenzahler zur Verfügung zu stellen?
Ich persönlich wünsche mir jedenfalls keine Gesellschaft, in der im behaupteten Interesse irgendeiner bescheuerten "Gerechtigkeit" solche entwürdigenden Fragen gestellt und herzlosen Berechnungen gemacht werden. Genauso, wie ich mir nicht wünsche, dass Menschen sich vor dem Kinderkriegen irgendwelchen Gentests unterziehen müssen, um ihre Eignung für "erbgesunden Nachwuchs" zu beweisen - weil ansonsten ja die Gemeinschaft der Krankenversicherten für die finanziellen Folgen solcher Gendefekte aufkommen müsste - von lebenslangen Arzt-, Krankenhaus und Medikamentenkosten bis hin zu lebenslangem Unterhalt.
In dem Augenblick, in dem Gerechtigkeitsfanatiker alles ganz "verursachergerecht" haben möchten, verliert eine Gesellschaft ihr menschliches Gesicht.
Das was diese Leute bezahlen, ist die Rente ihrer Eltern.
Und damit wären wir wieder am Anfang dieses Fadens.
um den konkreten Fall der besten Ehefrau von allen wieder aufzunehmen: Ihre Eltern sind beide früh gestorben. Mit welcher einleuchtenden Begründung wollte man von ihr (oder anderen Menschen in vergleichbarer Situation) nun höhere Rentenbeiträge verlangen?
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Doch Martin.
Es ist Unsinn.
Das ist genau der Kern des Adenauer Zitats, "Kinder kriegen die Leute sowieso!"
In der archaischen Gesellschaft müssen die mittelalten Leute ihre Kinder und ihre Eltern versorgen.
Die Eltern, weil sie von diesen auch mal versorgt wurden und die Kinder, weil sie von diesen auch mal versorgt werden wollen.
In einer gesunden Gesellschaft ist beides normal und üblich.
Wenn in dieser Gesellschaft jemand keine Kinder hat, muss er eben den gesparten Einsatz für die Kinder in die Riesterrente stecken.
Die Einen stecken also ihr Geld in die Kinder, und diese revanchieren sich später, indem sie ihr alten Eltern versorgen.
Die Kinderlosen müssen das, was sie an ihren nicht vorhandenen Kindern gespart haben, eben in ihrem Vorratskeller einlagern oder in eine Lebensversicherung stecken, um es später verfrühstücken zu können.
Ob die Eltern nun gewollt oder ungewollt kinderlos sind, spielt dabei keine Rolle.
Leute ohne Kinder müssen den Aufwand für die Kinderversorgung nicht betreiben und können und müssten auf andere Weise für ihr Alter vorsorgen.
Beide Familien haben dann in etwa die gleiche Belastung.
Beide versorgen ihre Eltern und sorgen für ihr eigenes Alter vor.
Die Einen, weil sie ihre Kinder pflegen, die Anderen, weil sie Nüsse einkellern.
Seit Adenauer ist das anders.
Heute zahlen alle ihren Rentenbeitrag für die Eltern aber nur die mit Kindern tun etwas für die eigene Rente.
Die Kinderlosen müssen keine Kinder versorgen und bekommen trotzdem eine Rente.
Genau auf diesen Webfehler wurde Adenauer schon 1957 hingewiesen, ergänzt um die Warnung, dass dadurch die Geburtenrate in den Keller gehen könnte.
Adenauer hat das mit dem Zitat vom Tisch gewischt. "Kinder kriegen die Leute sowieso!"
Stimmt nicht.
Seit dem sinkt in D die Geburtenrate.
Was das Kinderhaben mit Gesinnungsschnüffelei zu tun haben soll erschließt sich mir allerdings nicht.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Moin Beppo,
Das ist genau der Kern des Adenauer Zitats, "Kinder kriegen die Leute sowieso!"
das stimmte damals ja auch - Du und ich gehören - noch - zur Generation der Babyboomer. Von uns gab es viele (in meiner Familie beispielsweise mich und 5 Geschwister). Dann kam Mitte der 60er die Pille, was die Anzahl der "Unfälle" deutlich senkte (und was Adenauer nicht vorhersehen konnte, auch wenn manche Schlaumichel so tun, als hätte man das damals wissen müssen).
Und nochmal zwei Jahrzehnte begannen viele Leute, nicht mehr einfach "Kinder" zu bekommen: Da mussten es zunehmen Prinzen und Prinzessinnen sein, die es "einmal besser haben sollten als ihre Eltern". Zumindest habe ich das mit Interesse beobachtet, als meine eigenen Kinder klein waren. Und ich habe den Eindruck, bei manchen Leuten wird das immer schlimmer: Kinder als immerwährendes Glücksversprechen; Kinder, die die unerfüllten Träume ihrer Eltern wahrmachen sollen. Das kann eigentlich nur in die Hose gehen, denn spätestens ab der Pubertät ist die Biochemie genau dieselbe...
In der archaischen Gesellschaft müssen die mittelalten Leute ihre Kinder und ihre Eltern versorgen.
Jo. Das Blöde ist: Die gibt es nicht mehr; wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Noch dazu in einer der reichsten der Welt. Alte Familienstrukturen wie die Dreigenerationen-Familie unter einem Dach haben sich weitgehend aufgelöst und wurden unter anderem durch unser Kranken- und Rentenversicherungs-System und ein auch sonst sehr feinmaschiges soziales Netz ersetzt. Manche betrachten dieses System auch als eine Art moderner Ablasshandel.
Wenn in dieser Gesellschaft jemand keine Kinder hat, muss er eben den gesparten Einsatz für die Kinder in die Riesterrente stecken.
nö, bislang "muss" er keineswegs. Er kann seine Kohle auch verjubeln und bei Renteneintritt sagen "ich hab nix mehr, alimentiert mich gefälligst". Er kann das auch schon Jahre vorher tun, nachdem er sich mit seinem Motorrad um einen Baum gewickelt hat und nicht mehr für sich selbst sorgen kann. Oder nachdem er sein Hirn und seine Gesundheit weggesoffen hat. Oder einfach, weil er stinkend faul ist und gar keine Arbeit finden will: All diese Lebensmodelle werden von der Allgemeinheit finanziert, ohne dass man sich dafür zuvor fortgepflanzt oder extra versichert haben müsste.
Die Einen stecken also ihr Geld in die Kinder, und diese revanchieren sich später, indem sie ihr alten Eltern versorgen.
das ist - siehe vorstehend - keineswegs ein logischer Automatismus, sondern bestenfalls ein erstrebenswerter Idealzustand.
Die Kinderlosen müssen das, was sie an ihren nicht vorhandenen Kindern gespart haben, eben in ihrem Vorratskeller einlagern oder in eine Lebensversicherung stecken, um es später verfrühstücken zu können.
Ob die Eltern nun gewollt oder ungewollt kinderlos sind, spielt dabei keine Rolle.
Leute ohne Kinder müssen den Aufwand für die Kinderversorgung nicht betreiben und können und müssten auf andere Weise für ihr Alter vorsorgen.
solche Verbesserungsvorschläge lese ich jeden Tag irgendwo: Die einen wissen exakt, wie die deutsche Fussball-Nationalmannschaft besser spielen würde; die anderen haben am heimischen Wohnzimmertisch das perfekte Modell für das einzig wahre Energiespar-, Verkehrs- oder Umweltschutzmodell entworfen, und wieder andere revolutionieren auf dieselbe Weise mal eben das Familienrecht oder das deutsche Rentensystem. Wir haben Millionen von unentdeckten Bundestrainern und -kanzlern, von fähigen Ministern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsgrössen. Und keiner weiss es - ausser ihnen selbst natürlich.
Komischerweise (oder glücklicherweise?) schafft es kaum einer der phantastischen Vorschläge unserer selbst ernannten Geistes-, Politik- und Wirtschaftsgrössen auch nur in eine Petition oder gar in die parlamentarische Diskussion neuer Gesetzesvorhaben. Über die Gründe darf sich jeder seine eigenen Gedanken machen...
Grüssles
Martin
(Anspruch aus der gesetzlichen Altersrente, ausgerechnet zum Zeitpunkt meiner Scheidung: 93,10 EUR pro Monat. Für die Differenz zu einem guten Leben im Alter musste und muss ich schon selbst Vorsorge treffen - meine Kids würden mir den Vogel zeigen, wenn sie mich oder ihre Mutter versorgen müssten)
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Kluge Leute erkennen einen Fehler bevor die Schäden eingetreten sind.
Sie springen z.B. nicht aus dem 5. Stock, weil man schon ahnen kann, was dann passiert.
Die anderen sollten ihn spätestens dann erkennen, wenn der Schaden sichtbar wird.
Dieser Fehler wird seit 57 Jahren geflissentlich ignoriert und wiederholt.
Und dass dieser Rentenkarren dabei ist, vor die Wand zu fahren, ist doch nun wirklich nicht mehr zu übersehen.
Dass du selbst das noch abstreitest, und statt dessen sagst: Weiter so. Alles ist dufte, macht mich wirklich sprachlos.
Eine Erklärung dafür, könnte das hier sein:
(Anspruch aus der gesetzlichen Altersrente, ausgerechnet zum Zeitpunkt meiner Scheidung: 93,10 EUR pro Monat. Für die Differenz zu einem guten Leben im Alter musste und muss ich schon selbst Vorsorge treffen - meine Kids würden mir den Vogel zeigen, wenn sie mich oder ihre Mutter versorgen müssten)
Du bist von dem Problem schlicht nicht betroffen, weil du als Selbstständiger nie in die "gesetzliche" Rente einzahlen musstest. Klar, dass du dann kein Problem siehst.
Das ist genau so wie bei deiner Sicht auf das Familienrecht: Du bist mit dem Familienrecht super zufrieden, weil du als Sieger aus deiner Scheidung hervor gegangen bist. Klar, dass du dann alles super findest.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Moin Martin,
um den konkreten Fall der besten Ehefrau von allen wieder aufzunehmen: Ihre Eltern sind beide früh gestorben. Mit welcher einleuchtenden Begründung wollte man von ihr (oder anderen Menschen in vergleichbarer Situation) nun höhere Rentenbeiträge verlangen?
Mit der gleichen Begründung warum Autofahrer an der Finanzierung des Rentensystems beteiligt werden: Weil es nicht um Gerechtigkeit geht, sondern um Finanzierbarkeit.
Solange dieses System nicht reformiert wird, werden immer weitere Einnahmequellen aufgetan werden müssen.
--
Brainstormer
Hi @ all,
solche Verbesserungsvorschläge lese ich jeden Tag irgendwo: Die einen wissen exakt, wie die deutsche Fussball-Nationalmannschaft besser spielen würde; die anderen haben am heimischen Wohnzimmertisch das perfekte Modell für das einzig wahre Energiespar-, Verkehrs- oder Umweltschutzmodell entworfen, und wieder andere revolutionieren auf dieselbe Weise mal eben das Familienrecht oder das deutsche Rentensystem. Wir haben Millionen von unentdeckten Bundestrainern und -kanzlern, von fähigen Ministern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsgrössen. Und keiner weiss es - ausser ihnen selbst natürlich.
Besser kann man es nicht formulieren. Mich wundert es auch immer wieder, warum die "Wissenden" sich nicht einmal im Jahr irgendeinen Nobelpreis abholen.
Über die Rentenversicherung, die ich persönlich für hervorragend halte, lässt sich folgendes sagen:
Sollte das eintreten, was die Pessimisten und "Rentengelehrten" befürchten, dann haben wir den Untergang des Abendlandes. Es dann auch vollkommen egal, ob ich in eine private Altersversorgung, in Gold, Beton usw. fürs Alter investiert habe. Wir werden alle auf der Suche nach Nahrung durch die Welt schwadronieren.
Gruß Nichtplatt
**edit: Quoting korrigiert
Moin Beppo,
Kluge Leute erkennen einen Fehler bevor die Schäden eingetreten sind.
Sie springen z.B. nicht aus dem 5. Stock, weil man schon ahnen kann, was dann passiert.Die anderen sollten ihn spätestens dann erkennen, wenn der Schaden sichtbar wird.
Dieser Fehler wird seit 57 Jahren geflissentlich ignoriert und wiederholt.
Und warum schafft es diese Erkenntnis nicht bis in die hohe Politik? Weil dort nur Luschen sitzen, die keine Ahnung haben, während die Intelligenzia sich in Internetforen versammelt hat, aber es nicht einmal schafft, den eigenen Hintern vor die Tür zu bewegen? Diese Trägheit ist für die Politik höchstens das Signal "alles chic".
Und dass dieser Rentenkarren dabei ist, vor die Wand zu fahren, ist doch nun wirklich nicht mehr zu übersehen.
Dass du selbst das noch abstreitest, und statt dessen sagst: Weiter so. Alles ist dufte, macht mich wirklich sprachlos.
das sage ich mit keinem Wort; mir ist dieser Webfehler schon seit langem bewusst. Allerdings habe ich als Nicht-Betroffener, der glücklicherweise nie von dieser Rentenversicherung abhängig sein wird, persönlich wenig Veranlassung, für Renten-Reformen auf die Strasse zu gehen. Und solange das nicht mal diejenigen tun, die darauf angewiesen sein werden, habe ich deswegen auch kein schlechtes staatsbürgerliches Gewissen. Ich muss nicht die Welt retten.
Eine Erklärung dafür, könnte das hier sein:Du bist von dem Problem schlicht nicht betroffen, weil du als Selbstständiger nie in die "gesetzliche" Rente einzahlen musstest. Klar, dass du dann kein Problem siehst.
natürlich sehe ich es. Aber ich muss es nicht lösen.
Das ist genau so wie bei deiner Sicht auf das Familienrecht: Du bist mit dem Familienrecht super zufrieden, weil du als Sieger aus deiner Scheidung hervor gegangen bist. Klar, dass du dann alles super findest.
auch das ist nicht zutreffend. Ich habe meine Scheidung nicht "gewonnen" (geht das überhaupt?). Am Ende dürfte sie mich (vermutlich, ich hab's nie ausgerechnet) sogar den Gegenwert eines fabrikneuen Porsche gekostet haben. Aber ich habe meine Freiheit und ein neues Leben mit grosser Lebensqualität gewonnen und ich hatte den ganzen Käse nach gut drei Jahren komplett von der Backe. Würde es mir besser gehen, wenn ich stattdessen um alles und jedes gestritten hätte? Und vor allem: Bekäme ich die auf diese Weise verlorenen Jahre am Ende als Bonus hinten auf mein Leben draufgepackt? Was ist dagegen Geld?
Ich kann nur wiederholen, was ich hier schon oft geschrieben habe: Mit Jammern und Klagen löst man keine Probleme, nur mit "Machen".
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Moin,
Mit der gleichen Begründung warum Autofahrer an der Finanzierung des Rentensystems beteiligt werden: Weil es nicht um Gerechtigkeit geht, sondern um Finanzierbarkeit.
Solange dieses System nicht reformiert wird, werden immer weitere Einnahmequellen aufgetan werden müssen.
selbstverständlich ist das so. Als halbwegs informierter, mündiger Bürger kann man das auch wissen; es ist kein Geheimnis.
Soll ich jetzt herummeckern, dass ich ohne staatliche soziale Absicherung und oft mit 80-Stunden-Wochen jeden Monat mehr Steuern in dieses System investiere als andere brutto verdienen? Muss ich einen Preis dafür bekommen, dass meine Autos noch wissen, dass Kraft von Kraftstoff kommt und ich beim Tanken jedes Mal erheblich mehr für die staatliche Rentenversicherung tue als irgendwelche ÖPNV-Nutzer oder Sparbrötchen mit ihren 4-Liter-Autos?
Tanken für Ömchens Rente! 😉
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo Martin,
meine Kids würden mir den Vogel zeigen, wenn sie mich oder ihre Mutter versorgen müssten
Das würde Ihnen nur nicht viel nützen, falls
a) einer der Elternteile oder beide pflegebedürftig würde/n und
b) das Kind / die Kinder leistungsfähig sind.
Sobald deine Verflossene oder Du pflegebedürftig wird, können eure Kinder wählen ob sie
a) die Pflege selbst übernehmen und derweil weniger oder gar nichts mehr verdienen oder
b) einen Pflegedienst / ein Pflegeheim beauftragen.
Solange die Lösung "ambulante Pflege" und "Pflegedienst" heißt, wird das durch die gesetzliche Pflegeversicherung und eine übliche, hinreichend hohe Altervorsorge (gesetzlich oder privat) abgedeckt.
Sobald die Lösung "Pflegeheim" heiß, kommen eure Kinder als Unterhaltspflichtige auch dann mit ins Boot, wenn ihr beide als Eltern überdurchschnittlich gut für euer Alter vorgesorgt habt.
Denn das ist im deutschen Familien- und Sozialrecht immer noch eisern verankert:
In der archaischen Gesellschaft müssen die mittelalten Leute ihre Kinder und ihre Eltern versorgen.
Die Eltern, weil sie von diesen auch mal versorgt wurden und die Kinder, weil sie von diesen auch mal versorgt werden wollen.
In einer gesunden Gesellschaft ist beides normal und üblich.
GsD hast du hier Unrecht:
Komischerweise (oder glücklicherweise?) schafft es kaum einer der phantastischen Vorschläge unserer selbst ernannten Geistes-, Politik- und Wirtschaftsgrössen auch nur in eine Petition oder gar in die parlamentarische Diskussion neuer Gesetzesvorhaben.
Die Themen demografischer Wandel, Kinderarmut, Generationengerechtigkeit etc. sind seit Jahren auf der politischen Agenda. Nicht alles geht so schnell und so reibungslos voran, wie es wünschenswert wäre, aber vieles ist in Bewegung, denn das stimmt GsD auch nicht:
Und warum schafft es diese Erkenntnis nicht bis in die hohe Politik? Weil dort nur Luschen sitzen, die keine Ahnung haben
Die Partei die dafür war, dass "Jeder sich selbst der Nächste ist" ist seit der letzten Wahl nicht mehr im deutschen Bundestag vertreten. Die "Mitte" hat bei den derzeit Regierenden eine hohe Schnittmenge gescheiter Fürsprecher quer durch alle Fraktionen. Es gehört zum politischen Business, dass dort ebenso viele Schaumschläger und Lobbyisten unterwegs sind wie in anderen publikumswirksamen Branchen.
Seit Einführung der gesetzlichen Schulpflicht sowie der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung wurde die Verantwortung für Menschen, die zu jung oder zu alt, zu krank oder zu versehrt sind, um selbst für sich zu sorgen immer mehr aus der Kernfamilie Richtung
wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Noch dazu in einer der reichsten der Welt. Alte Familienstrukturen wie die Dreigenerationen-Familie unter einem Dach haben sich weitgehend aufgelöst und wurden unter anderem durch unser Kranken- und Rentenversicherungs-System und ein auch sonst sehr feinmaschiges soziales Netz
Allgemeinheit verschoben. Dieser Trend hält an, auch wenn er in Deutschland deutlich langsamer vorankommt, als in anderen Ländern.
In Skandinavien ist Pflege- und Betreuungsbedarf ein Recht des Einzelnen gegen die Gesamtgesellschaft.
Auch Minderjährige sind in dem Sinne Rechtssubjekte und Träger individueller Rechte.
In Deutschland ist es ein Recht des Einzelnen primär gegen die engsten Angehörigen und erst sekundär gegen die Allgemeinheit.
Minderjährige sind Rechtssubjekte nur im Einvernehmen mit den Erziehungsberechtigten. Nur diese können entscheiden, welche Rechte ein Kind haben soll. Einzig das Recht auf Bildung ist davon ausgenommen, da setzt die Schulpflicht für alle Sechs- bis Achtzehnjährigen den Elternrechten enge Grenze.
Die Kehrseite der Medaille ist in Deutschland eine lausige Steuermoral, weil Solidarität und soziale Gerechtigkeit nur noch von ein paar Ewiggestrigen am 1. Mai auf der Promenade oder beim Kirchentag auf der Wiese gepredigt wird, während die jeder-ist-sich-selbst-der-Nächste-Moral in jeder Bevölkerungsschicht Konsens ist.
Wer sich Kinder anschafft, ist selbst schuld, wenn das Geld knapp wird.
Wessen (Groß-)Eltern alt und pflegebedürftig werden, hat eben "Pech" gehabt.
Wo (Groß-)Eltern - ob früh oder spät - relativ rüstig versterben, haben die erwachsenen Kinder und Enkel "Glück" gehabt.
Dieses Lotteriespiel individueller Schicksale wird durch die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung nur teilweise abgemildert.
In Skandinavien und den Niederlanden können bedürftige Menschen darauf vertrauen, dass die Allgemeinheit ihnen in einer persönlichen Notlage schnell, wirksam und großzügig hilft. Diese Hilfe steht ihnen zuerst von der Gesellschaft zu - erst dann von den Angehörigen. Solidarität und soziale Gerechtigkeit wird dort selbst vom Hochadel und von Wirtschaftsbossen als zwingende Notwendigkeit eines funktionierenden Gemeinwesens erachtet.
Mittlerweile geht auch in vielen deutschen Parteien der Trend wieder in diese Richtung.
Dass die Betreuung von Kindern kein luxuriöses Hobby, sondern ein verfassungsmäßig garantiertes Recht jedes einzelnen Kindes ist, hat sich seit Ende der 1980er Jahre in zahlreichen Änderungen des Steuerrechts, des Familienrechts und der Rentenversicherung gezeigt.
Dass es sich bei der Versorgung und Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen ebenfalls um ein verfassungsmäßig garantiertes Recht jedes einzelnen Pflegebedürftigen gegen die Allgemeinheit und nicht nur gegen die nächsten Angehörigen handelt, findet ebenfalls stetig mehr Anhänger in Politik und Wirtschaft.
Dass vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit solcher Regelungen zu Lasten der Allgemeinheit die Einnahmen der Sozialversicherungen gesteigert und die Ausgaben gedrosselt werden müssen, ist ebenfalls seit Jahrzehnten Konsens.
Schweizer, Niederländer und Skandinavier erlauben "Cherry-Picking" nach deutschem Recht, wie Susi64 es hier beschreibt
Ein Finazcrash kann sehr schnell Millionen abgesicherter Rentner zu Sozialhilfeempfängern machen.
Der durchaus wohlhabende Onkel eines Bekannten hat um 2009 sein gesamtes Kapital verloren und ist seit dem auf Sozialhilfe angewiesen und sein (teurer) Heimplatz wird von der Allgemeinheit bezahlt.
und wie du es praktizierst
Allerdings habe ich als Nicht-Betroffener, der glücklicherweise nie von dieser Rentenversicherung abhängig sein wird, persönlich wenig Veranlassung, für Renten-Reformen auf die Strasse zu gehen. Und solange das nicht mal diejenigen tun, die darauf angewiesen sein werden, habe ich deswegen auch kein schlechtes staatsbürgerliches Gewissen.
grundsätzlich nicht.
Dort zahlen alle ein und alle sind für ihren existenziell notwendigen Bedarf berechtigt.
Wer mehr hat und mehr braucht, als die gesetzliche Grundsicherung abwirft, darf selbstverständlich privat vorsorgen.
Nachdem er seinen angemessenen Anteil für alle geleistet hat. Diesen angemessenen Anteil verweigern wohlhabende Deutsche seit Kaisers Zeiten. Gäbe es die Beitragsbemessungsgrenze (analog zum Steuerrecht) in den gesetzlichen Sozialversicherungen nur nach unten, wäre auch die Finanzierbarkeit des individuellen Bedarfs langfristig gesichert. Sowohl in der Betreuung von Kindern als auch in der Versorgung von alten und pflegebedürftigen Mitbürgern.
Ich bin zuversichtlich, dass auch deutsche Politiker sich früher oder später dieser wirtschaftlichen Notwendigkeit beugen werden. Dann wäre es wirklich völlig wurscht, ob diese Leistungen der Leistungsfähigen für die Bedürftigen künftig in Euro oder in Kieselsteinen gezahlt werden.
Was reinkommt, geht raus.
Ganz gleich ob das Einkommen als Vermieter, Freiberufler, Unternehmer oder Angestellter erwirtschaftet wurde.
Rein geht, was als von der Allgemeinheit als angemessen erachtet wird.
Raus kommt, was von der Allgemeinheit als not-wendig erachtet wird.
Nicht mehr, nicht weniger.
Ganz soweit sind unsere Politiker noch nicht.
Aber nicht nur in der taz werden Wilkinson und Pickett zitiert. Sogar die FDP (rip) nimmt dazu Stellung. Charmanterweise mit einem Zitat von Blair und Schröder: "In der Vergangenheit wurde die Förderung der sozialen Gerechtigkeit manchmal mit der Forderung nach Gleichheit im Ergebnis verwechselt." Nicht ohne den Hinweis: "Gleichheit vor dem Gesetz und eine Grundsicherung unabhängig von individueller Leistung oder Verschulden sind für Liberale zivilisatorische Errungenschaften. Ralf Dahrendorf hat darüber hinaus in Bildung als Bürgerrecht den "Fußboden" der Gesellschaft gesehen, auf dem alle stehen. ... Der Staat muss Garant sozialer Chancen und der Durchlässigkeit der Gesellschaft werden - und nicht Agent überbordender Umverteilungspolitiken. Er muss Regeln für den Markt setzen." Offenbar ist sogar dort die Erkenntnis angekommen, dass der weitverbreitete Aberglauben, dass "die Märkte" alles richten könnten und politische Führung entbehrlich sei, eben nur ein Aberglaube war.
Und tendenziell geht es in Europa nach der neo-liberalen Phase auch wieder in diese Richtung. Weil allmählich auf allen politischen Ebenen die Einsicht in die essentielle Notwendigkeit für ein funktionierendes Allgemeinwesens wächst: Ohne verantwortungsbewusste politische Führung geht es einfach nicht.
Ich glaube nicht, dass wir in der besten aller Welten leben.
Aber ich bin sehr froh, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo Einsichten und Ansichten frei diskutiert werden dürfen.
Sei es IRL am Stammtisch oder auf dem Parteitag, im WWW oder per Leserbrief, auf dem Marktplatz oder am Küchentisch, in der Schule oder im Fernsehen. In einer Gesellschaft, wo die Politiker (so, wie ich die mir persönlich bekannten Individuen wahrnehme) nach bestem Wissen und Gewissen und im Rahmen ihrer systembedingt begrenzten individuellen Möglichkeiten immer wieder das tun, was sie für richtig und wichtig halten. Dass die Möglichkeiten des/der Einzelnen in unserem System begrenzt sind, halte ich persönlich für einen Vorteil - auch wenn mir die damit einhergehende Schwerfälligkeit manchmal auf die Nerven geht, teile ich nicht die Ansicht der Staatslenker von Singapur oder China, die in dieser Begrenztheit einen Bug und kein Feature unserer Gesellschaft sehen.
LG 🙂 Biggi
Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)
Frankreich ist nicht die Schweiz.
Frankreich geht durch die Presse wegen hoher Arbeitslosigkeit und hohen Schulden. Da sollte man sich keinen Beispiel nehmen.
Wer, wenn nicht der Staat soll denn deiner Meinung nach die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Arbeitsverhältnisse, die Altersvorsorge oder den Straßenverkehr schaffen? Stabile soziale Verhältnisse (mit so trivialen Dingen wie einer funktionierenden Müllabfuhr und so komplexen Dingen wie einem funktionierenden Bildungssystem) sind elementare Standortfaktoren, für die nach meinem Rechtsverständnis selbstverständlich die territorialen, gewählten Regierungen verantwortlich sind.
Wer denn sonst? ??? Biggi
Der Staat ist für diese Dinge verantwortlich, kann aber dennoch nicht alles regeln. Deutschland befindet sich in einem Standortwettbewerb und oftmals tun gerade linke Politiker so, als könnte man einfach machen was man will und gerecht hält. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn der Einfluss bezüglich Umverteilung und Gerechtigkeitsempfinden endet an der Grenze. Rohstoffe wollen wir von außen mit starken Devisen international einkaufen. Genauso wollen wir dass hier Investoren doch investieren mögen und nicht in China oder Indien oder den Niederlanden. Deutschland bildet nicht für sich einen kleinen Kreislauf, in dem man beliebig gestalten kann, sondern ist eingebunden in einen globalen, den man nicht in der Hand hat. Und während man hier die deutschen Firmen, Unternehmer und Reichen durchaus regulieren kann, gelingt dies nur bis zur besagten Grenze. Und am Ende ist möglicherweise keinem geholfen, weil wir die Firmen durch Regeln nicht mehr wettbewerbsfähig gemacht haben und durch gerechte Umverteilung die deutschen Unternehmer ärmer gemacht haben wegen der bösen Schere, und das Geld dadurch zu Menschen gewandert ist, die der deutsche Fiskus nicht besteuern kann und so der deutsche Staat weniger Einnahmen hat.
Im Grunde sollte man hier aufpassen, denn was die meisten deutschen immer wieder beim ganzen Gemecker vergessen ist die Tatsache, dass D eines der reichsten Länder der Erde ist und nach oben wenig, nach unten aber sehr viel Luft ist.
Frankreich geht durch die Presse wegen hoher Arbeitslosigkeit und hohen Schulden. Da sollte man sich keinen Beispiel nehmen.
Hallo Dantes, mir ist nicht ganz klar, warum du Frankreich als schlechtes Beispiel nennst, wenn ich Beispiele aus der Schweiz, aus den Niederlanden und aus Skandinavien beschreibe.
die Tatsache, dass D eines der reichsten Länder der Erde ist und nach oben wenig, nach unten aber sehr viel Luft ist.
Eben. Deshalb sind übertriebene Existenzängste der
deutschen Firmen, Unternehmer und Reichen
vergleichsweise lächerlich. Wo es genug zum Verteilen gibt, ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Straßenbau und der Strafvollzug aus Steuermitteln von Allen bezahlt werden soll - die Versorgung ganz junger und ganz alter Mitbürger jedoch der individuellen Kernfamilie sowie den abhängig Beschäftigten allein aufgebürdet werden.
Fakt ist: Jeder Erwachsene, der alt und gesund genug ist, um eigene Einnahmen zu erwirtschaften, hat selbst leibliche Eltern und Großeltern.
Fakt ist ebenfalls: Jeder Mensch, der zu alt und zu gebrechlich ist, um sich selbst zu versorgen, ist auf Unterstützung durch jüngere Mitmenschen existenziell angewiesen.
Fakt ist auch: Jedes lebendgeborene Kind wird mit einem existenziellen 7/24-Betreuungsbedarf geboren. Wo diese Betreuung nicht zuverlässig und regelmäßig durch ältere Mitmenschen geleistet wird, sterben Säuglinge und Kleinkinder, verwahrlosen Kinder und Jugendliche.
Fakt ist weiter: Wer jung sein wird, wenn wir alt und bedürftig werden, war Kind, als wir jung waren. Wer alt ist, war erwachsen als wir klein und bedürftig waren.
Diese unabweisbaren Fakten werden im deutschen Sozialrecht immer noch weitestgehend ausgeklammert. Wie gut die Versorgung ganz junger und ganz alter Menschen ist, hängt von der individuellen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Kernfamilie ab. Dieser Zusammenhang (der sich im Schulerfolg an deuschten Schulen ebenso wie in der permanenten Krise der Alterssicherung äußert) wird in Deutschland nicht als vordemokratisches Relikt der kaiserlichen Feudal- und Klassengesellschaft betrachtet, sondern als angemessen und selbstverständlich.
Nutznießer dieser vordemokratischen Relikte sind Beamte, Freiberufler und leitende Angestellte jener Firmen, denen Deutschland seinen Status als
eines der reichsten Länder der Erde
verdankt. Dass sich aus dieser exklusiven Kaste zugleich die Mehrheit der gewählten Vertreter in 16 Länderparlamenten und im Deutschen Bundestag rekrutiert, halte ich nicht für einen Zufall. Das Wohlergehen ihrer Standesgenossen wird bei der Entscheidungsfindung im Zweifelsfall stets Vorrang vor dem Funktionieren gesamtgesellschaftlicher Strukturen und dem Fortbestand der Allgemeinheit haben.
Wer mit Autos deutscher Nobelmarken über gut ausgebaute deutsche Autobahnen eilt, wer eine funktionierende Infrastruktur als selbstverständlich voraussetzt und gerne seine Freizeit in öffentlich subventionierten Theatern und Opernhäusern verbringt, während er ein hohes Gehalt sowie eine luxuriöse Alterssicherung dafür kassiert, dass er Arbeitsplätze aus Deutschland massenhaft exportiert, der ist für mich der wahre Sozialschmarotzer. Nicht der HartzIV-Empfänger, der mit "Nachbarschaftshilfe" sein schmales Budget aufbessert. Wer als Regierungsmitglied und/oder Beamter mit Hilfe der gewählten Volksvertreter Gesetze erlässt, die die Grenzen zwischen Sozialhilfeempfängern und Berufstätigen soweit aufweichen, dass die öffentliche Hand nicht nur nicht marktkonforme Dumping-Löhne sondern auch nicht marktkonforme Wuchermieten zugunsten von internationalen "Investoren" in ehemals öffentlich geförderte Wohnungsbaugesellschaften und ehemals gesunde deutsche Firmen erleichtert, der verstößt mpMn gegen den Eid, in dem er je nach Bundesland oder Behörde mehr oder weniger dasselbe geschworen hat, die der Bundespräsident in seinem Amtseid: "Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
Wer vor Gericht oder dem Gerichtsvollzieher einen Meineid leistet, wird zu Recht streng bestraft.
Die Einhaltung des Amtseids für Regierungsmitglieder ist (im Gegensatz zum Gelöbnis eines städtischen Müllwerkers oder Hausmeisters) als "deklaratorische Formel" grundsätzlich nicht justiziabel.
Deutschland ist nicht nur ein (derzeit noch) reiches Land, es ist auch (nachdem die Steinkohle politisch abgeschafft wurde) ein rohstoffarmes Land. Die Besitzstandswahrung Weniger geht zu Lasten des einzigen Reichtums, der auch künftigen Generationen Wohlstand und stabile soziale Verhältnisse sichern könnte: Die Leistungsfähigkeit und Bildung der Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland aufwachsen und künftig die Geschicke dieses Landes leiten werden.
Ein Land, in dem junge Erwachsene (gleich welcher ethnischen Herkunft) systematisch entmutigt werden, eigene Kinder in die Welt zu setzen und sie in geordneten Verhältnissen heranwachsen zu lassen, ein Land, in dem der Schulerfolg sowie der berufliche Erfolg von Kindern von der sozialen Herkunft ihrer Familien abhängt, untergräbt auf Dauer die eigene Existenzfähigkeit.
Ein erschreckender Mangel an Nachhaltigkeit und Solidarität bestimmt das Verhalten vieler deutscher Politiker, Beamter und Manager seit vielen Jahrzehnten. Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein gelten als altmodisch und wirtschaftsfeindlich. Das Ignorieren der o.g. und hier wiederholten Fakten gilt als harmlos:
Fakt ist: Jeder Erwachsene, der alt und gesund genug ist, um eigene Einnahmen zu erwirtschaften, hat selbst leibliche Eltern und Großeltern.
Fakt ist ebenfalls: Jeder Mensch, der zu alt und zu gebrechlich ist, um sich selbst zu versorgen, ist auf Unterstützung durch jüngere Mitmenschen existenziell angewiesen.
Fakt ist auch: Jedes lebendgeborene Kind wird mit einem existenziellen 7/24-Betreuungsbedarf geboren. Wo diese Betreuung nicht zuverlässig und regelmäßig durch ältere Mitmenschen geleistet wird, sterben Säuglinge und Kleinkinder, verwahrlosen Kinder und Jugendliche.
Fakt ist weiter: Wer jung sein wird, wenn wir alt und bedürftig werden, war Kind, als wir jung waren. Wer alt ist, war erwachsen als wir klein und bedürftig waren.
Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein, sowie das Erkennen von Realitäten sind Werte, die seit der Steinzeit Garanten für das erfolgreiche Fortbestehen menschlicher Gesellschaften waren. Wo die o.g. Fakten ignoriert wurden, war der Untergang eines Gemeinwesens immer nur eine Frage der Zeit.
Das habe ich mir nicht ausgedacht. Diese Zusammenhänge haben mehr oder minder erfolgreiche politische Führer seit Anbeginn der Menschheit immer wieder bewiesen.
LG 🙂 Biggi
Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)
Moin Biggi,
sorry, aber "Argumente" wie
Wer mit Autos deutscher Nobelmarken über gut ausgebaute deutsche Autobahnen eilt, wer eine funktionierende Infrastruktur als selbstverständlich voraussetzt und gerne seine Freizeit in öffentlich subventionierten Theatern und Opernhäusern verbringt, während er ein hohes Gehalt sowie eine luxuriöse Alterssicherung dafür kassiert, dass er Arbeitsplätze aus Deutschland massenhaft exportiert, der ist für mich der wahre Sozialschmarotzer. Nicht der HartzIV-Empfänger, der mit "Nachbarschaftshilfe" sein schmales Budget aufbessert.
sind dann doch sehr stammtischig nach der Devise "die anderen sind ja noch viel schlimmer als ich". Mit der Folge, dass man damit dann auch gerne mal Sozial- oder Versicherungsbetrug begründet.
"Der Staat" ist aber kein anonymes Gebilde aus Grosskopferten, die sich widerrechtlich unsere Kohle unter den Nagel gerissen haben und denen es deshalb nur recht geschieht, wenn auch der kleine Mann "mal fünfe gerade sein lässt" und sich von diesen "Bonzen" wieder holt, was ihm nach seiner Ansicht sowieso "zusteht": Der Staat, das sind wir alle, die wir mit unseren Steuern dafür sorgen, dass unser Gemeinwesen sich eines der engmaschigsten Sozialnetze der Welt leisten kann. Und ich lege als Steuerzahler grossen Wert darauf, dass hier genau unterschieden wird, wer wirklich bedürftig ist und wer nur nach einer alternativen und möglichst anstrengungsfreien Finanzierung seines Lebens sucht.
Und nochmal: Die "Bonzen" sind nicht diejenigen, die die Karre hauptsächlich ziehen: Von denen haben viele ab einer gewissen Einkommens-Grössenordnung auch eine Menge Möglichkeiten an Steuervermeidung und -minimierung. Sozialleistungen werden in erster Linie von denen erwirtschaftet, die sich selbst sehr darüber freuen würden, wenn sie am Monatsende einen oder zwei Hunnis mehr im Portemonnaie hätten.
Klassenkämpferisches Vokabular oder Rechtfertigungsgehabe sind daher vollkommen fehl am Platz. Wer mit unserem System nicht zufrieden ist, soll sich aktiv für Veränderungen einsetzen (Zeit genug hat man als Hartzer ja) und sich nicht darauf beschränken, immer nur für sich selbst das Beste herauszuholen. Ich wiederhole an dieser Stelle auch gerne, was wir gestern beispielsweise HIER diskutiert haben - Stichwort: Solange sich Sozialhilfe-Empfänger Smartphones samt Betriebskosten oder Marlboro's leisten können, sind die Sozialhilfesätze sicher nicht zu knapp eingeschenkt.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hi, zum Thema Rente ist mir gestern Abend das Lachen im Hals stecken geblieben:
Siehe: Die Anstalt auf ZDF Mediathek.
Gruss Horst
Wer mit unserem System nicht zufrieden ist, soll sich aktiv für Veränderungen einsetzen...
Das funktioniert aber nicht.
Ich bin in meinem Hamsterrad viel zu sehr damit beschäftigt, die Familie beisammenzuhalten und Geld zu verdienen.
Es ist absolut illusorisch, mit der noch zur Verfügung stehenden Zeit Mehrheiten für ein politisches Projekt zu finden.
Viel weniger Aufwand ist,
immer nur für sich selbst das Beste herauszuholen.
Hat jemand ein Beispiel, wo Gutmenschen ein politisches System nachhaltig geprägt haben?
Mir ist jedenfalls keins bekannt.
Meine Erfahrungen der letzten Jahre legen mir leider nahe, eher das Beste für mich herausholen zu sollen.
Wir werden unser politisches System nicht verändern können - zumindest nicht so, dass wir selbst noch davon profitieren könnten. Dazu hätte man sich frühzeitig für eine politische Karriere entscheiden müssen - aber dann hätte man wohl kaum noch ketzerische Ideale entwickelt.
karlson
Moin karlson,
Das funktioniert aber nicht.
Ich bin in meinem Hamsterrad viel zu sehr damit beschäftigt, die Familie beisammenzuhalten und Geld zu verdienen.
Es ist absolut illusorisch, mit der noch zur Verfügung stehenden Zeit Mehrheiten für ein politisches Projekt zu finden.
mein Zitat bezog sich in erster Linie auf Leute, die als H4-Bezieher genügend Zeit haben sollten. Wie Dein persönlicher Fall liegt, weiss ich nicht, aber ganz generell hatten die Menschen in Deutschland im Durchschnitt noch nie so wenig Arbeits- und so viel Freizeit wie heute - siehe beispielsweise hier:
Hinzu kommen weitere Freizeitförderer wie Haushaltsgeräte, Fertiggerichte, Arbeitszeitmodelle etc. "Ich habe keine Zeit, mich für etwas anderes als meine persönlichen Interessen zu engagieren" ist - von Ausnahmen abgesehen - also sehr oft vor allem eine feine Ausrede für die eigene Bequemlichkeit und das eigene Desinteresse.
Hat jemand ein Beispiel, wo Gutmenschen ein politisches System nachhaltig geprägt haben?
Mir ist jedenfalls keins bekannt.
man muss dafür kein Gutmensch sein; nur empathisch und altruistisch erheblich weiter denken als "was habe ich persönlich davon?" Es gab in der Vergangenheit Menschen, die so gedacht haben und gibt auch heute welche. Aber zugegeben: Wer nur seine persönlichen Interessen verfolgt, wird sie selten treffen.
Meine Erfahrungen der letzten Jahre legen mir leider nahe, eher das Beste für mich herausholen zu sollen.
das wird neuerdings auch als "lex Hoeness" bezeichnet. Ob man seinen Kindern Egoismus vorleben möchte und was sich dadurch gesellschaftlich verbessern soll, muss jeder für sich selbst entscheiden. Sicher ist: Man verliert damit die moralische Berechtigung, sich über Mitmenschen aufzuregen, die das Egoismus-Spiel besser spielen als man selbst.
Der Unterschied, den ich zu früher feststelle, ist aber hauptsächlich: vor 20 Jahren beschänkten sich bequeme Menschen auf ein "ist mir doch egal!"; heute heisst es sehr oft "ich kann mich wegen XYZ keineswegs persönlich darum kümmern, aber da ich es für mein Recht halte, muss man es mir gefälligst frei Haus liefern."
Wir werden unser politisches System nicht verändern können - zumindest nicht so, dass wir selbst noch davon profitieren könnten.
sorry - aber wer eine eigene politische Karriere starten oder Veränderungen herbeiführen wollte mit dem Ziel, damit vor allem seinen eigenen Profit zu optimieren, kann nur scheitern.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo Martin,
wie läßt sich der Sprung in Deinem Diagramm (bei 1992/1993) erklären?
Danke und Gruss,
gardo
Warum werden Kinder in Deutschland immer als "Armutsfaktor" "Vermögenskiller" etc. bezeichnet?
Meine Kinder, bzw. die Zeit mit ihnen gibt mir sehr viel. Kein äußerlicher Reichtum kann mir das geben, was meine Kinder mir geben.
Natürlich wird Geld für den Unterhalt von Kindern benötigt. Ich bin aber der Meinung, dass es nicht notwendig ist, den Kindern alles in den A... zu blasen...
Immer auf andere zu schauen. Andere Länder etc. halte ich nicht für sinnvoll. Vielleicht eher die Rückbesinnung auf "alte" Werte. Wie Familie. Oma und Opa einbinden. usw.
LG
Marko
Moin gardo,
wie läßt sich der Sprung in Deinem Diagramm (bei 1992/1993) erklären?
ich habe keine Ahnung; möglicherweise ist er wendebedingt entstanden, als Ost- und West-Arbeitszeiten statistisch zusammengeführt wurden. Das ist aber gar nicht entscheidend; mir kam es vielmehr auf die Relation an, dass sich in den vergangenen 60 Jahren die durchschnittliche Jahresarbeitszeit von ca. 2.400 Arbeitsstunden auf 1.400 verringert hat, was - zusammen mit weiteren Alltags-Erleichterungen wie Waschmaschinen, Zentralheizungen, Fertiggerichten und vielem anderen - dazu führt, dass wir heute mehr Freizeit haben als je zuvor (und auch als in den meisten anderen Ländern dieser Erde), die wir - wenn wir wollen - teilweise auch für das Gemeinwohl einsetzen können. Das war gedacht als Antwort auf:
Das funktioniert aber nicht.
Ich bin in meinem Hamsterrad viel zu sehr damit beschäftigt, die Familie beisammenzuhalten und Geld zu verdienen.
Es ist absolut illusorisch, mit der noch zur Verfügung stehenden Zeit Mehrheiten für ein politisches Projekt zu finden.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Moin Marko,
Warum werden Kinder in Deutschland immer als "Armutsfaktor" "Vermögenskiller" etc. bezeichnet?
wo werden Kinder denn "immer" so bezeichnet? Ich sehe diesen Begriff bislang nur in der verunglückten Headline eines Focus-Redakteurs, die diesen Thread ausgelöst und benannt hat. Deshalb schrieb ich ja auch schon vor zwei Wochen:
Naja, das ist als Erkenntnis jetzt etwa gleich sensationell wie der Umstand, dass übergewichtige Menschen mehr Geld für Essen und Raucher mehr Geld für Zigaretten ausgeben und deshalb im Schnitt weniger Sparvermögen haben. Ist schon Sommerloch? 😉
Die Headline ist im übrigen irreführend: Dass Kinder Geld kosten, das anschliessend nicht mehr für den Konsum oder zum Sparen zur Verfügung steht, ist kein deutsches Phänomen; in keinem Land der Erde wird man durch Kinder wohlhabender. In einigen Ländern ohne funktionierende Sozialsysteme gelten (viele) Kinder zumindest noch als Altersvorsorge ihrer Eltern - falls diese überhaupt ein entsprechendes Alter erreichen.
Meine Kinder, bzw. die Zeit mit ihnen gibt mir sehr viel. Kein äußerlicher Reichtum kann mir das geben, was meine Kinder mir geben.
selbstverständlich ist das so; deswegen werden die meisten Kinder geboren, und das ist auch gut so. Es ist eines der Luxusprobleme unserer Gesellschaft, dass manche beklagen, dass ihre Kinder Geld kosten, das man am Ende sogar selbst erwirtschaften muss. Solchen Jammerern empfehle ich im richtigen Leben, einmal einen Tag in einem afrikanischen Township zu verbringen - das rückt einem verwöhnten Europäer ein paar Relationen zurecht und macht in der Regel ziemlich demütig.
Grüssles
Martin
PS: Im übrigen kann ich aus eigener aktueller Erfahrung sagen: Auch richtig alte Autos (vorliegend Baujahr 1955) sind ein "Vermögenskiller", in denen man jede Menge Geld versenken kann. Aber sind sie deshalb böse oder schlecht?
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hallo Karlsson,
Dazu hätte man sich frühzeitig für eine politische Karriere entscheiden müssen - aber dann hätte man wohl kaum noch ketzerische Ideale entwickelt.
Diese Entwertung sämtlicher politisch Aktiven finde ich höchst überflüssig.
Die mir persönlich bekannten PolitikerInnen "brennen" für bestimmte Ideen und Werte und setzen diese im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten in die Realität um. Nicht alle diese Werte teile ich. Dennoch respektiere ich den Einsatz jedes und jeder Einzelnen.
Dass die Möglichkeiten der einzelnen PolitikerInnen (sogar die der Kanzlerin) systembedingt begrenzt sind, halte ich wie gesagt für ein Feature unseres Systems. Auch wenn bestimmte Medienvertreter darin - in Übereinstimmung mit den Herrschern in Ländern wie China oder Dubai - einen Bug sehen. Wohin wir gekommen sind, als das System an dem Punkt entstört wurde, haben wir sowohl im 1000-jährigen Reich als auch in der DDR gesehen. Dass nicht Einzelne nach Gusto ihre Wünsche durchsetzen können, macht mir Hoffnung. Dass es erlaubt ist, sich hier öffentlich auszutauschen und in den Medien darüber Scherze zu machen, macht mir Hoffnung. Am Meisten macht mir Hoffnung, dass die Politiker, die ich persönlich kenne - jenseits aller Betriebsblindheit und déformtion professionelle - samt und sonders als Idealisten in die Politik gegangen sind als sie jung waren und dass viele von Ihnen das Leben als Politiker über Jahre ausgehalten haben, ohne ihre Ideale komplett zu begraben.
Hätte uns vor 30 Jahren jemand prophezeit, dass unser Land einen sozialdemokratischen Kanzler wählen würde, der als Sohn einer AE-Reinigungskraft auf BaföG Jura studiert hat, in Hannover Karriere gemacht und als Kanzler den Sozialstaat auf's Notwendigste zusammengestrichen hat, hätte kein Zeitgenosse das geglaubt. Selbst als besonders schräges Kabarett wäre das in Kohl's Republik vor 30 Jahren nicht bühnentauglich gewesen.
Hätte man uns weiter prophezeit, dass nach dem Sozialdemokraten aus Hannover eine Christdemokratin zur Kanzlerin gewählt würde, die als Tochter eines Pfarrers in Hamburg geboren wurde, in der heidnischen Diaspora der Uckermark in der DDR aufgewachsen ist, an einer renommierten ostdeutschen Hochschule als Physikerin promoviert hat und nach dem Fall der Mauer (infolge eines Versprechers bei einem Interview im Ostfernsehen) in Bonn unter Kanzler Kohl Karriere gemacht hat. Und dass diese Frau dem Aussitzer "Birne" nachfolgen konnte, nachdem dieser wegen nachgewiesener Korruption von seinen Parteifreunden fallen gelassen wurde. Dann hätten wir alle uns ernsthaft Sorgen um die geistige Gesundheit des Propheten gemacht. Wenn dazu gekommen wäre, dass diese Kanzlerin nach einem Reaktor-Unglück am anderen Ende der Welt den Atom-Ausstieg in Deutschland zur Chefsache gemacht hätte, hätten alle vor Lachen unter dem Tisch gelegen.
Dass 2 Jahre später "gleich nebenan" ein sowjetisches Kraftwerk außer Kontrolle geraten würde und niemand deshalb einen Ausstieg auch nur ansatzweise in Erwägung ziehen würde, war vor 30 Jahren ebenfalls noch unvorstellbar. Vorstellbar war jedoch, dass ein Computerfehler den Dritten Weltkrieg auslösen könnte.
Hätte man damals gesagt, dass die Ukraine wegen des geplanten Beitritts in die EU von russischen Soldaten eingenommen werden würde, hätte sich keiner gewundert. Höchstens über den geplanten Beitritt, nicht über den Einmarsch der russischen Armee.
Hätte man uns damals gesagt, dass "die Russen" aus Russland den Beitritt der Siedlungsgebiete ihrer Landsleute in der Ukraine mit einer Volksabstimmung legitimieren und russischstämmige Ost-Ukrainer aus Furcht vor rechtsradikalen Nationalisten (die zusammen mit anderen Demonstranten den skrupellosen und gewalttätigen Diktator der Ukraine aus dem Amt gejagt hatten) dem Anschluss freudig zustimmen würden, dann wäre all das unglaublich gewesen. Hätte man weiter gesagt, dass vor diesem Szenario (Russland marschiert in ein Land ein, das den Beitritt zu EU in Erwägung zieht) kaum jemand in Deutschland Angst vor dem Dritten Weltkrieg haben würde - aber viele sich um den Gaspreis im kommenden Winter sorgen würden. Weil der ehemalige sozialdemokratische Kanzler mit seinem Freund, dem russischen Präsidenten, in der Sauna und in langen Verhandlungen die Energieversorgung von arabischem Öl weitestgehend unabhängig gemacht hat. Und dass auf der Königsallee in Düsseldorf ebenso wie im Spielcasino von Baden-Baden, an der Cote d'Azur, in St. Moritz und auf den Champs Elysees Russisch ebenso häufig gesprochen wird, wie Amerikanisch, Deutsch und Niederländisch - dann hätte man einen Arzt gerufen. Aus Sorge um die geistige Gesundheit des Propheten.
Diese Liste kann man beliebig fortsetzen:
Die FDP nicht nur nicht in der Bundesregierung, sondern nicht einmal im Parlament ...
Die Nachfolge-Organisation der SED als drittstärkste Kraft im Bundestag ...
Das Regierungsviertel in Berlin-Mitte, gleich neben dem Brandenburger Tor ...
Eine siebenfache Mutter als Verteidigungsministerin ...
Ein Amerikaner mit afrikanischen Vorfahren und Verwandten in Kenia ist Präsident.
Seine schärfste Konkurrentin um die Kanditatur in der Demokratischen Partei war die Ehefrau des letzten Demokratischen Präsidenten gewesen ...
Nelson Mandela war Präsident in Südafrika ...
China überrundet Deutschland als Export-Weltmeister ...
Castro regiert immer noch auf Kuba - vertreten durch seinen vier Jahre jüngeren Bruder.
Es gab einen Deutschen Papst in Rom. Der ist aus Altersgründen zurückgetreten. Sein Nachfolger ist Lateinamerikaner und wählt als Namenspatron Franz von Assisi ...
Der IWF wird von einer Frau geführt - und er reglementiert Staatshaushalte in Europa.
Der Nahe Osten brennt weil die Bevölkerung sich zwischen Maghreb und Persischem Golf gegen ihre Despoten erhebt. Iran und Israel halten sich weitestgehend raus ...
Die Amerikaner holen sich von russischen Veteranen Tipps für ihren eigenen Abzug aus Afghanistan. Zur Erinnerung: 1984 hatten die Russen in Afghanistan gerade "Halbzeit".
In Brasilien demonstrieren die Bürger gegen (!!!) eine Fußball-WM im eigenen Land. Das stört aber keinen. Die WM findet 2014 trotzdem statt und kein brasilianischer Demonstrant wird auf der Straße erschossen.
Eine Show mit solchen Inhalten hätte 1984 kein Kabarettist auf die Bühne gebracht. Weil das alles vor 30 Jahren jenseits der Vorstellungskraft der Menschen in Ost- und Westdeutschland ebenso wie im Rest der Welt gewesen wäre.
Vor 30 Jahren, im Jahr 1984 machte man sich in Deutschland Sorgen um den Überwachungsstaat. Angelehnt an den Roman gleichen Namens. Lange, bevor das Internet und die Mobiltelefone populär wurden und sich der US-Amerikanischen NSA ebenso wie andere Geheimdiensten technische Möglichkeiten boten, die jedem DDR-Stasi-Offizier die Freudentränen in die Augen getrieben hätten. Federführend in der Verteidigung bürgerlicher Rechte und Freiheiten waren seinerzeit prominente Mitglieder der FDP. Echte Idealisten, man glaubt es kaum, wenn man an das armselige Trüppchen neo-liberaler Egomanen denkt, die der Wähler im September 2013 auf die pädagogisch umstrittene "Stille Treppe" geschickt hat. Zum Nachdenken darüber, wie weit es eine Politik ohne erkennbare Ideale und Werte bringen kann: Auf die Reservebank nämlich.
Vor 30 Jahren war das Europäische Währungssystem gerade mal 5 Jahre alt - und hatte schon ebenso viele Gegner und Angreifer im angelsächsischen Finanzsystem (wo man die Dominanz des Dollar durch die Europäische Konkurrenz bedroht sah) wie heute der Euro hat.
Die von uns gewählten Politiker haben immer wieder auf Änderungen in der Welt reagiert. Selbst als nach dem Zusammenbruch des Kommunismus sowjetischer Prägung vor 25 Jahren dem Kapitalismus nach der Pleite der Lehman Brothers 20 Jahre später ein ähnliches Schicksal drohte, ist die Welt, wie wir sie kennen, nicht untergegangen. Weil PolitikerInnen weltweit sich zusammengesetzt und Lösungen gesucht haben. Die Pfundkrise von 1992 (während der ein Amerikanischer Großinvestor die altehrwürdige Bank of England an den Rand des Zusammenbruchs und das vereinigte Königreich endgültig aus dem EWS gebrochen hat) fand ich persönlich mindestens so beunruhigend wie das Desaster vor 5 Jahren. Damals wie heute hätte ich mir Politiker gewünscht, die diesen Zockern zu Lasten ganzer Volkswirtschaften zeigen, wo endgültig Feierabend ist.
Nicht jede einzelne Lösung seit 1984 kann ich nachvollziehen.
Nicht jede Änderung in der Welt findet meinen Beifall.
Nicht alle Werte, die Politiker in Deutschland hochhalten, sind auch mir wichtig.
Dennoch finde ich es unfair und unangemessen, jene, die sich redlich bemühen, pauschal abzuwatschen.
Was nichts an meiner Kritik an bestimmten Entscheidungen und Weichenstellungen der Politiker in unserem Land ändert.
Wenn ich das, was ich hier schreibe, auf der Straße oder im Café sage, droht mir schlimmstenfalls, dass meine Gesprächspartner sich gelangweilt abwenden. Erschossen werde ich nicht, ins Gefängnis komme ich nicht und die Frage, ob meine Tochter studieren darf oder eine praktische Ausbildung macht oder als Hausfrau und Mutter ein biedermeierliches Familienideal lebt, wird nicht in irgendwelchen Geheimdienstbüros (als Reaktion auf meine systemkritischen Äußerungen über den Amtseid als Meineid oder anderen Sottisen) entschieden, sondern ganz privat an unserem Küchentisch diskutiert.
Das letzte Wort dabei hat meine Tochter.
Diese Freiheit meiner Tochter ist weltweit leider noch nicht die Regel, sondern eine Ausnahme. Zu verdanken hat meine Tochter ihre Freiheiten den Männern und Frauen, die mindestens seit 1848 in Deutschland immer wieder (oft vergeblich und unter entsetzlichen persönlichen Opfern) für "Einigkeit und Recht und Freiheit" gestritten haben.
Die lange Geschichte einsatzbereiter, mutiger Deutscher macht mir Mut und lässt mich zuversichtlich in die Zukunft blicken. Nicht obwohl der FOCUS solche Artikel schreibt. Sondern weil im FOCUS und anderswo alles Mögliche (auch der größte Mist) geschrieben werden und im öffentlichen Austausch gefeiert und zerrissen werden darf. Und weil unseren Politikern "Volkes Stimme" nicht immer gleichgültig ist, sie aber auch nicht jede Stammtisch-Parole in Gesetzes-Form gießen.
1984 hätte ich es unverantwortlich gefunden, Kinder in die Welt zu setzen, wie sie damals war: Bis an die Zähne bewaffnet und in jeder Sekunde bereit, den Planeten nuklear zu desinfizieren. Seit dem Ende des Kalten Krieges konnte ich mir (trotz Tschernobyl) theoretisch vorstellen, eigenen Nachwuchs zu bekommen. Weitere 5 Jahre später war ich auch praktisch bereit dazu. Seitdem ich die Verantwortung für Kinder übernommen habe (erst für die Ziehkinder aus der ersten Ehe meines damaligen LG, später für leibliche Kinder) habe ich bedauert, dass ich solange zu ängstlich war, um Mutter zu werden. Ich finde es traurig, dass unsere Gesellschaft zu wenig tut, um jungen Leuten zu helfen, ihre Ängste auszuhalten. Dass eigener Nachwuchs immer schon ein Risiko war, immer eins sein wird und in jeder Gesellschaft die eigenen Kinder die tiefsten Ängste in Vätern und Müttern wecken, kann man mpMn den jungen Leuten nicht früh genug sagen. "Es ist normal, das ihr als Eltern Angst habt. Und es ist eine wunderbare Erfahrung, die eigene Angst zu überwinden. Ein Baby ist 1.000.000 mal aufregender als S-Bahn-Surfen oder Freeclimbing." ist eine Information, die ich heute sehr selten gegenüber jungen Leuten höre. Unvermeidbare Begleiterscheinungen des Vater- und Mutterseins sind Verlustängste und die Sorge, dem eigenen Kind könnte etwas zustoßen. Das beginnt mit der Zeugung und endet erst, wenn einer (Elternteil oder Kind) die Augen für immer zumacht. Das ist das wirklich Schreckliche (und zugleich das Schöne) daran Vater oder Mutter zu sein.
Mit Kindern von einem geringen Einkommen zu leben gefällt mir persönlich besser, als ohne Kinder materielle Reichtümer anzuhäufen, um die die Welt mich beneiden könnte. In einer perfekten Welt könnte ich mich sorglos auf die Zukunft mit meinen Kindern freuen. Aber diese perfekte Welt gibt es nicht. Es gab sie nie und es wird sie nie geben. Solange wir unsere Kinder lieben, sind wir als Mütter, seid ihr als Väter verletzlich. Um ein Vielfaches verletzlicher, als Kinderlose sich vorstellen können. Ganz gleich, wie viel Geld wir auf dem Konto haben.
LG 🙂 Biggi
Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)
