hallo, habe eine frage zum erinnerungsvermögen eines (klein)kindes.
Mein Freund hat mit seiner ex einen Sohn, der 4 jahre alt ist.
Sie sind schon länger getrennt, heißt der kleine ist es schon seit ca. 2 Jahren gewohnt seinen vater nur alle 1 bis 2 wochen zu sehen. vor 6 monaten ist die ex freundin mit sohn weggezogen und sie wohnen jetzt - mit dem neuen partner der ex - 600km weit entfernt. vor ca. 3 monaten war der kleine für 1 woche bei uns zu besuch, und der nächste besuch ist für die weihnachtszeit geplant. inzwischen kommen mails von der mutter, dass der kleine sowieso nicht mehr nach seinem richtigen papa fragt und ihren neuen partner "papa" nennt. ob das wirklich stimmt oder ob sie es nur sagt um meinem freund eins auszuwischen sei dahingestellt. kontakt zum sohn übers telefon ist leider nicht bzw nur sehr selten möglich.mehr als 3-4x pro jahr ist ein besuch (welcher dann aber mind. 5 tage dauert) wegen der entfernung nicht möglich. ich glaube ja nicht dass der kleine seinen richtigen vater komplett vergisst. oder doch??? ich kann schon verstehen dass der kleine inzwischen weniger nach seinem richtigen papa fragt und vielleicht sogar jemand anderes "papa" nennt, aber innerhalb von ein paar monaten wird doch die erinnerung nicht gelöscht oder?? also so dass er seinen vater nicht mehr sehn will, ihn nicht mehr erkennt bzw angst hat mit ihm mitzugehen usw?!?
Moin,
grundsätzlich halte ich es für sehr unwahrscheinlich. Erinnerungen sind an Gefühle gekoppelt. Und bei einer stabilen emotionalen Bindung der beiden wird sich der Lütte immer an Bruchstücke des Erlebten erinnern - kurze Sequenzen, einzelne Sätze. Durch Beeinflussung oder Negativierung von außen kann es zu verdrängten Erinnerungen kommen - sie sind da aber nicht abrufbar.
DeepThought
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
Moin falballa,
ich denke, Du musst das ein wenig differenzierter sehen: Kinder interessieren sich nicht für Abstammung und Genetik; Blutsverwandtschaft allein löst daher keine besonderen Gefühle oder Aktionen bei ihnen aus.
Ein "Vater" (oder sagen wir in diesem Kontext einmal "männliches Vorbild") ist der, der diese Rolle auch mit Leben füllen darf. Das sieht der Sohn Deines Freundes beispielsweise täglich im Kindergarten: Da werden Kinder von ihren "Vätern" abgeholt - und er eben auch; Vaterschaft hin oder her. Der neue LG seiner Mutter wird mit ihm im Idealfall Lego spielen, Baumhäuser bauen, angeln gehen, Knie verpflastern, Pfannkuchen backen und ihm abends eine Geschichte vorlesen. Biologie spielt dabei keine Rolle; nur Zeit und Zuwendung. Und falls sich die Ex Deines LG von ihrem LG irgendwann trennen sollte, wäre der Verlust dieser Bezugsperson vielleicht sogar schlimmer als der Verlust des biologischen Vaters: Weil es eine intensivere persönliche Beziehung gab als zum tatsächlichen Vater.
Es ist daher unsinnig, als Trennungsvater auf derselben Stufe stehen zu wollen wie ein Vater in einer intakten Beziehung/Ehe, der die Gelegenheit zum täglichen Kontakt mit seinen Kindern hat und nutzt. Das gilt nicht nur über 600 Kilometer Entfernung, sondern auch bei den bekannten 2-Wochen-Umgangsvätern. Entscheidend ist, wie alt ein Kind zum Zeitpunkt der Trennung der Eltern ist, weil das Lebensalter ganz massgeblich darüber bestimmt, wie intensiv sich die Vater-Kind-Bindung zuvor entwickeln konnte. Und die ist bei einem 10-Jährigen sicher erheblich fester als bei einem 2-Jährigen.
Kinder haben allerdings auch keine Exklusivitäts-Ansprüche; der Satz "jedes Kind hat nur einen Papa" kommt nie von Kindern, sondern immer nur von Erwachsenen. Dein Freund kann eine ganz eigene Rolle für seinen Sohn finden, auch bei nur wenigen Umgängen im Jahr. Nur eben nicht unbedingt mit dem Anspruch, aufgrund der biologischen Verwandtschaft automatisch "besser" oder "wichtiger" für den Sohn zu sein als der Partner seiner Ex, der eine tägliche Bezugsperson ist. Wenn Sohnemann mit seinem Vater in dieser knapp bemessenen Umgangszeit eine geile Zeit hat, wird er ihn auch nicht vergessen.
Versucht mal, es von diesem Standpunkt zu sehen - und das Beste daraus zu machen.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
@ brille007
ich glaube du hast meinen erstbeitrag nicht richtig gelesen. Es ist mir schon klar dass der neue partner die festere bezugsperson wird. das war vorauszusehen und so gesehen nicht "schlimm". wie bereits geschrieben kann ich verstehen dass der kleine inzwischen weniger nach seinem leiblichem vater fragt.
meine sorge war lediglich ob er ihn bei den wenigen besuchen wiedererkennt und ob er sich auf die jahre gesehen an die besuche erinnern kann, auch wenn es so wenige sind.
@ falballa,
ich glaube du hast meinen erstbeitrag nicht richtig gelesen.
[...]
meine sorge war lediglich ob er ihn bei den wenigen besuchen wiedererkennt und ob er sich auf die jahre gesehen an die besuche erinnern kann, auch wenn es so wenige sind.
ich habe Deinen Beitrag sehr aufmerksam gelesen; Du bist auch nicht der erste User mit dieser Frage. Deshalb schrieb ich am Ende:
Dein Freund kann eine ganz eigene Rolle für seinen Sohn finden, auch bei nur wenigen Umgängen im Jahr.
[...]
Wenn Sohnemann mit seinem Vater in dieser knapp bemessenen Umgangszeit eine geile Zeit hat, wird er ihn auch nicht vergessen.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
also so dass er seinen vater nicht mehr sehn will, ihn nicht mehr erkennt bzw angst hat mit ihm mitzugehen usw?!?
Das wird nicht vorkommen.
(Es sei denn natürlich, er wurde "bearbeitet")
"Meiner" Tochter Vater ließ sich auch nur in o.g. Rhythmus blicken (ich weiss, dass es bei euch andere Umstände sind), sie wusste aber auch im Kleinkindalter, wer das ist.
Hallo Falballa,
meine eigene, älteste Tochter habe ich praktisch ab Geburt auch nur im Wochenrythmus gesehen.
Bevor sie 2 wurde, ist sie mit ihrer Mutter 650 km weg gezogen.
Ab da habe ich sie nur nur noch alle 2 Monate gesehen, später noch seltener.
Vom Alltag bekomme ich wenig mit, telefonieren liegt uns beiden nicht so.
Dennoch haben wir ein sehr gutes Verhältnis und wenn wir uns sehen ist sofort wieder die Nähe da.
Heute ist sie 17 und nächste Woche fahre ich wieder hin. 🙂
Allerdings gab und gibt es mit der Mutter keinerlei Auseinandersetzungen und Probleme.
Mit der Mutter meiner 3 jüngeren, hier am Ort durchaus, was sich mittlerweile auch im Verhältnis zu ihnen ausdrückt.
Gruss Beppo
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Hallo Falballa,
auf Deine Fragen bzw. Befürchtungen gibt es keine abschließende Antwort. Dein Freund hat ein Kind, das noch sehr jung ist.
Die Zukunft bzw. das zukünftige Verhalten Deines Freundes wird Deine Fragen beantworten. Er hat es in der Hand, ob er
im Leben seines Kindes noch eine Rolle spielen wird oder nicht. Wird denn der Umgang von der Ex behindert? Den lapidaren
Satz:"...mehr geht nicht wegen der Entfernung!" würde ich doch noch mal kritisch überdenken, denn der Umfang des
beschriebenen Umganges ist sehr gering. Vielleicht erzählst Du hierzu noch etwas.
LG,
Mux
mehr als 3-4x im jahr ist finanziell nicht möglich. da der junge ja noch zu klein ist um in den zug gesetzt zu werden, muss er ja abgeholt und zurückgebracht werden - heißt 4 x 600km.
4 mal 600 habe ich nie gemacht!
Ich habe mir immer ein Quartier vor Ort gesucht.
Jugendherberge geht für sowas immer sehr gut.
Im Sommer sicher auch gut zelten.
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
tante, opa usw hier bei uns wollen den kleinen ja auch sehen.
finde das schon wichtig,man kann in der gewohnten umgebung leichter etwas unternehmen (vor allem an plätzen, die der kleine schon kennt, nach denen er fragt und an denen er gerne ist) und hat ihn wirklich 1 woche 24stunden komplett da.
außerdem war ausgemacht dass man sich die benzinkosten teilt, wenn sie wegzieht. daran hält sie sich jetzt nicht mehr.
habe gehört dass sie dazu gesetzlich verpflichtet ist? wer kann mir darüber etwas sagen? sie hat das alleinige sorgerecht.
Moin falballa,
habe gehört dass sie dazu gesetzlich verpflichtet ist?
eine "gesetzliche Regelung", nach der automatisch zur Übernahme von Fahrtkosten verpflichtet ist, wer wegzieht, gibt es nicht. Es gibt in solchen Fällen lediglich die Möglichkeit, die ganze oder anteilige Übernahme der Fahrtkosten einzuklagen - allerdings mit ungewissem Ausgang. Wenn die Ex beispielsweise nicht genügend Geld auf der Naht hat, schaut man in die Röhre, auch wenn man in der Sache "Recht" gehabt hätte. Dann hat man Anwalts- und Gerichtskosten ausgegeben - und ist keinen Schritt weiter. Dafür verschlechtert sich nicht selten das Verhältnis zum anderen Elternteil; möglicherweise sogar mit negativen Folgen für den Umgang: Wer wird schon gerne verklagt? Auf tatsächlichen oder vermeintlichen "Rechten" zu beharren kann sehr unklug sein: Man verliert mehr als man gewinnt. Mit dem Sorgerecht hat Ganze das übrigens nichts zu tun; hier geht es nur um Umgang.
Wäre es nicht sinnvoller, kreative Lösungen zu finden? Man kann die Ex beispielsweise darum bitten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mal etwas zu den Benzinkosten dazuzustecken. Oder Oma/Opa und sonstige Verwandte, denen der Besuch von Junior ebenfalls wichtig ist. Man kann auch eine Fahrgemeinschaft bilden oder sich selbst einer solchen anschliessen. Oder nach günstigen Bahntickets schauen; dann kann man die Zugfahrt bereits für den Umgang nutzen. Das ist für 4-Jährige ungleich spannender als stundenlanges Angekettet-Sein im Kindersitz.
In Summe: Einfach mehr nach dem schauen, was man selbst tun kann als nach dem, was andere müssen sollen.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Moin falballa,
in Ergänzung zu
Oder nach günstigen Bahntickets schauen; dann kann man die Zugfahrt bereits für den Umgang nutzen. Das ist für 4-Jährige ungleich spannender als stundenlanges Angekettet-Sein im Kindersitz.
habe ich gerade >>>DAS HIER<<< gefunden:
Die Deutsche Bahn stellt ab Montag (7. Dezember) insgesamt 750.000 Ticket-Hefte für je eine Hin- und eine Rückfahrt ohne Kilometerbegrenzung in allen deutschen Lidl-Filialen zur Verfügung. Wie die Bahn am Dienstag mitteilte, kostet ein Fahrkarten-Heft 66 Euro. Die Tickets könnten an allen Wochentagen außer freitags für Fahrten in der zweiten Klasse eingetauscht werden.
Quer durch Deutschland, hin und zurück für 66 EUR; Kinder umsonst. Dafür kann man sich ein paar Fahrkartenhefte zur Seite legen und in Eurem Fall die Umgänge eines ganzen Jahres damit absolvieren.
Grüssles
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
ja danke, das mit der bahn werden wir uns mal überlegen.
am anfang hat das mit benzinkosten teilen funktioniert, aber inzwischen ist der kommentar nur "wenn du dein kind sehen willst, musst du es dir holen.ich bin nicht die wohlfahrt." das kann man also total vergessen. und andere familienmitglieder können auch nichts dazu geben,sonst gäbe es ja das problem nicht.
Das selbe Problem habe ich auch! 460km eine Fahrt! 🙁 und dann sehe ich nur 1nen von beiden alle 14Tage den Kleinen nur 1x im Monat 10-18Uhr!
Es wird schwer sein da eine Vaterolle aufrecht zu erhalten! Ob dies alles klappt, wird die Zeit zeigen. Es ist einfach Traurig das man immer das Nachsehen hat wenn einfach jemand
wegzieht mit den "Gemeinsamen Kindern"! Es ist hart Loszulassen, man verliert die Kinder! Und wenn Sie klein sind, noch schneller! 14Tage sind für einen noch nicht mal 2 Jährigen eine Ewigkeit.
Und für mich als Vater und ich bin gerne Vater ist die Zeit noch schlimmer, viel Schlimmer!
