Das Mädchen, das ni...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Das Mädchen, das nie existierte

 
 Uli
(@Uli)

Quelle: Spiegel-Online

www.spiegel.de/panorama/0,1518,344458,00.html

Mitten in Deutschland verhungert ein Kind, vor Not isst es seine eigenen Haare - und niemand bemerkt etwas. Der Fall der kleinen Jessica aus Hamburg hat über die Hansestadt hinaus Entsetzen ausgelöst. Das Drama spielte sich hinter verschlossenen Türen ab, nicht einmal die Nachbarn wussten von der Existenz der Siebenjährigen.

"Dreiviertel von Jenfeld sind doch sowieso asozial", sagt Gerd, der Rentner, und schüttelt den Kopf. Die Behörden seien an dem Unglück schuld. Dann nimmt er noch einen Schluck aus seiner Warsteiner-Flasche. Es ist 14 Uhr. Draußen schneit es, ganz Hamburg versinkt langsam unter einer Schneedecke, aber hier im Café "Power Point" ist es kuschelig warm. Und günstig: Das Pils kostet 0,99 Cent, genauso wie ein Glas Korn.

Die billigen Preise wussten auch Burkhard M. und Marlies S. zu schätzen. Regelmäßig schaute das Paar in seiner Pinte gegenüber dem Jenfelder Einkaufszentrum vorbei, manchmal auch mehrmals am Tag - wenn sie nicht gerade in ihrer anderen Stammkneipe an einem anderen Einkaufszentrum in Hamburgs Osten herumgehangen hätten, sagt Gerd. Im "Power Point" habe Marlies dann wie üblich ein Bier und Burkhard seinen Korn bestellt. Auch wenn sie nicht besonders gepflegt ausgesehen hätten, ruhige Leute seien die beiden doch gewesen, "ganz normal und unauffällig eben", sagt Gerd. Während Marlies und Burkhard im "Power Point" saßen, verhungerte keine 500 Meter Luftlinie entfernt ihre Tochter, eingesperrt in der gemeinsamen Wohnung.

Als die kleine Jessica gestern Morgen starb, war sie erst sieben Jahre alt. Sie war bereits tot, als der Notarzt sie untersuchte. Jessica war an Erbrochenem erstickt, das sie ausgewürgt hatte, weil ihr Magen und ihr Darm nach wochenlangem Hunger nicht mehr funktionierten. Als die Bestatter den kleinen Körper abholten, hatten sie nicht mehr viel zu tragen: Das Kind wog nur noch 9,5 Kilo, ihre Haut spannte sich über Gelenke und Knochen, der Bauch war vor Hunger bereits aufgebläht. In ihrer Not hatte das Mädchen sogar ihre eigenen Haare gegessen.

Wie in einem Verlies hatte Jessica offenbar in ihrem Kinderzimmer dahinvegetieren müssen: Nach Angaben der Polizei hatten die Eltern das Fenster fest verschraubt und die Scheiben mit Folie verklebt, so dass kein Tageslicht in den Raum dringen konnte. Polizisten berichteten, die ganze Wohnung sei verdreckt und verwahrlost gewesen.

Er habe, versichert Gerd, noch nicht mal gewusst, dass bei der Marlies ein Kind lebte. Über Privates habe man nicht geredet. Doch, widerspricht Sven, der Bauarbeiter mit dem Schnauzbart und den nackenlangen Haaren, er habe von dem Mädchen gewusst. Er drückt seine Zigarette aus und nimmt einen Schluck aus seiner Holsten-Flasche. "Aber mir hat sie erzählt, sie hätte eine Tagesmutter." Und: "Warum hätte ich das nicht glauben sollen?" Sven schöpfte auch keinen Verdacht, als Marlies bei seinem Vorschlag abwinkte, doch mal die Kleine ins "Power Point" mitzubringen. Wie lange sie Marlies und Burkhard schon kennen, daran kann sich niemand in der Runde erinnern. Sie seien ja so unauffällig gewesen, wiederholt ein Mann mit rotem Pullover und bunt tatöwierten Unterarmen.

Brieger Weg 2, ein grau-blauer Plattenbau mit sieben Stockwerken. Die Wohnung der Familie liegt ganz oben. Vor dem Hauseingang kämpfen fünf Kerzen und ein kleiner Strauß Stiefmütterchen gegen den Winterwind. Ein ZDF-Team steht davor und filmt die Szene. Die Haustür steht offen. In dem engen Aufzug stinkt es nach Urin, die Metallwände sind verkratzt und mit Sprüchen beschmiert. Zur Wohnung von Marlies S. geht es durch eine Tür aus dem gemeinsamen Hausflur wieder hinaus ins Freie. Am Ende des halboffenen Ganges liegt die Tür, hinter der Jessica qualvoll starb. Ein Siegel der Polizei klebt am Türrahmen, auf dem Boden neben liegt ein dünner Gummihandschuh, wie ihn die Spurensicherung der Kriminalpolizei verwendet: Das Apartment ist zum Tatort geworden, die Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen. Gegen Marlies S. und ihren Freund wird inzwischen wegen Totschlags durch Unterlassung ermittelt. Zwischen fünf und 15 Jahre Haft stehen darauf.

"Penner", antwortet der junge Mann mit den kurzen Haaren aus dem sechsten Stock. Penner seien die beiden Nachbarn da oben im siebten Stock gewesen. Wenn das Paar ausgegangen sei, hätten der Mann und seine Freundin ihre Bierflasche schon in der Hand gehalten. Von einem Kind habe er weder etwas gewusst noch gesehen oder gehört. Wie lange das Paar schon da oben lebt? "Zwei Jahre, hat meine Frau gesagt." Die Nachbarstochter der türkischen Familie im siebten Stock ist sich nicht sicher: "Länger als wir jedenfalls", sagt sie, und ihre Familie lebe schon seit vier bis fünf Jahren zwei Türen weiter. "Aber ein Kind haben wir nie gesehen." Es ist, als hätte Jessica hier nie existiert.

"Ein Kind haben wir nie gesehen"
Diesen Eindruck hatte wohl auch der Mitarbeiter der Schulbehörde, der im vergangenen Jahr bei Marlies S. und Burkhard G. klingelte. Jessicas Eltern hatten ihr Kind nicht zum Unterricht angemeldet, das sollten sie nachholen. Dreimal erschien der Mitarbeiter im Brieger Weg, dreimal hinterließ er Briefe, nie öffnete ihm jemand, nie beantwortete jemand die Post. Er schöpfte keinen Verdacht. Der Mann habe bei den Nachbarn geklingelt und sich nach Jessica erkundigt, sagt Thomas John, Sprecher der Hamburger Behörde für Bildung und Sport. Doch die Mitbewohner des Hochhauses hätten von keinem Kind gewusst. "Es gab überhaupt keine Anzeichen darauf, dass sich das Kind in einer Notsituation befunden hat", beteuert der Sprecher.

Von anderen Behörden wie dem Jugendamt habe es ebenfalls keine Hinweise auf eine Misshandlung gegeben. Wie auch, Jessica war ja von ihrer Außenwelt komplett abgeschottet worden. "Es ist, als hätte das Kind überhaupt nicht existiert." Also leitete die Schulbehörde lediglich ein Bußgeldverfahren wegen des Versäumens der Schulpflicht ein. Zwei Mahnungen folgten. Zu einer dritten, nach der eine Zwangsvollstreckung möglich gewesen wäre, bei der also die Polizei bei Marlies S. aufgetaucht wäre, kam es nicht mehr. Jessica starb, bevor überhaupt jemand ihre Existenz wahrnahm. Ein Verschulden auf Seiten seiner Behörde kann John nicht erkennen. Man werde aber sicherlich "alle behördlichen Abläufe einer kritischen Prüfung unterziehen" müssen.

Auch das zuständige Jugendamt kann keine Fehler auf seiner Seite erkennen. "Das Jugendamt Wandsbek kennt die Familie nicht", stellt Jugend- und Sozialdezernent V. F. fest. Marlies S. und ihr Lebenspartner seien nie auffällig geworden - und genau das ist Jessica anscheinend zum Verhängnis geworden. Normalerweise könne sein Amt in solchen Situationen einschreiten und helfen - sobald es Hinweise aus der Familie oder der Nachbarschaft erhalte.

So spricht erst jetzt jeder über Jessica. Jetzt, wo sie tot ist.

[Editiert am 3/3/2005 von Uli]


Zitat
Geschrieben : 03.03.2005 12:34
(@diemystiks)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo zusammen,

da ich zur Zeit zu hause bin, habe ich gestern ziemlich viel vom Tv-Geschehen mitbekommen.

Ich habe mich den ganzen Tag gefragt was mit den Menschen los ist.
Traurigerweise war ich gar nicht so schockiert, daß von öffentlicher Seite niemand Jessica überhaupt wahrgenommen hat. Ist ja eigentlich nichts Neues, diese Untätigkeit.

Mich hat schockiert, daß der Patenonkel der Kleinen vor der Kamera erzählte, daß der Kater der Familie, die Kuscheleinheiten bekommen hat, die normalerweise das Kind hätte bekommen müssen. Der fettgefütterte Kater wurde beim Abtransport aus der Wohnung gefilmt.

Dann sitzt die heulende beste Freundin der KM vor der Kamera und "begreift das alles nicht".
Sie hätte gefragt, ob die Km Jessica nicht mal mitbringen würde, die Km habe abgelehnt, da Jessica menschenscheu wäre.
Die Freundin habe gefragt, ob sie denn dann mal zu Besuch kommen dürfe. " Ja dürfe sie".
Der Besuch war für kommenden Samstag geplant.....spät nach 7 Jahren oder?

Was sind das für Menschen, die abwarten und noch nicht einmal mißtrauisch werden und nachhaken????? Ich begreife das nicht.
Als Pate, Freund/in hake ich doch nach und will das Kind sehen.

Die Familie ist 2000 in beschriebenes Haus gezogen. Ich glaube nicht, daß keiner der Nachbarn etwas gehört hat.
Am Ende von Jessicas Leiden sicher nicht mehr, da sie zu schwach war. Da aber vom Mediziner bestätigt wurde, daß Jessica keine Fettzellen angelegt hatte und es sich um chronische Unterernährung handelte, kann mir keiner erzählen, daß sich das Kind zumindest nicht anfangs der Leidenszeit versucht hat bemerkbar zu machen.

Zu den Ämtern fällt mir nichts ein. Seit August hätte sie zur Schule gemusst. Niemand hat sie großartig vermisst. Traurig......aber ich wunder mich darüber nicht wirklich.

Für mich gehören, Pate oder Freundin, die von der Existenz von Jessica wussten, wegen unterlassener Hilfeleistung bestraft.

Gruß
Tina


Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.

AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 12:57
(@papa-nico)
Nicht wegzudenken Registriert

Erst gerstern kam ein Bericht zu diesem Thema in den Nachrichten. Warum es passieren konnte, dass ein Kind in Deutschland "verschwindet", dass es verhungert - für das ganze Umfeld ist dieser Zustand unbegreiflich. Die Behörden hätten versagt!

Es wurde in diesem Zuge auch der Frage nachgegangen, welche Instrumente des Jugendamtes zur "Überwachung" des Kindeswohls eingesetzt werden. Die ärtlichen Vorsorgeuntersuchungen sind offensichtlich der einzige Hinweis darüber, dass ein Kind noch "existiert". Erst im Alter der Einschulung werden die Ämter nochmals aktiv. Nur haben in diesem Fall die Eltern nicht reagiert - und keinen hat es gestört... 😡

Ich werde es weiterverfolgen. Es zeigt mir, dass das deutsche System eben doch nicht funktioniert, was immer behauptet wird. Armes Deutschland, was machst du mit unserer Zukunft?


Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt.
Der andere packt sie kräftig an - Und handelt.
(Dante)

AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 13:17
(@leny1974)
Zeigt sich öfters Registriert

Hallo,

in diesem Land benötigt man einen Führerschein, um ein Auto oder Motorrad fahren zu dürfen, der Taxifahrer benötigt einen Personenbeförderungsschein, als Hundehalter bestimmter Rassen benötigt man ebenfalls eine Bescheinigung, damit man diese Hunde halten darf.....nur "Eltern" werden, kann man einfach so.......ob man in der Lage ist, sich um sein Kind/Kinder zu kümmern, diese zu versorgen, ihnen Liebe zu geben, da fragt keiner nach.
Wieviele Dinge sind schon an der Bürokratie in Deutschland gescheitert, nur wenn ein Kind 1 Jahr lang nicht zur Schule kommt, dann ist die Behörde "unbürokratisch" genug, da nicht genug nach dem Verbleib des Kindes nachzuhaken und den Eltern auf die Füsse zu treten!

Eine ähnlichen Fall gab es bereits letztes Jahr in Cottbus, da lag der Junge, ich glaube Denis hiess er, 2 Jahre lang in der Gefriertruhe der Familie, seine Geschwister und "Eltern" haben in dieser Wohnung ihr Leben weitergelebt. Auch er ist verhungert. Und auch hier hat die Schulbehörde sich nicht weiter gewundert, warum der Junge nicht in die Schule kam.....

Wenn unsere Bürokraten mal an richtiger und sinnvoller Stelle so bürokratisch gewesen wären, wie sie es auch sonst wegen jedem Sch...... sind, dann würden zumindest noch 2 Kinder am Leben sein und nicht in ihrem viel zu kurzem Leben soviel Leid und Schmerz ertragen haben müssen.....

Als ich das von Jessica gestern in den Nachrichten sah, bin ich zu meinem kleinen Sohn und habe ihn ganz fest in den Arm genommen, und ihn gesagt, wie sehr ich ihn lieb habe und er legt mir seine kleinen Ärmchen um den Hals und sagte "ich hab dich auch ganz lieb."

Grüsse Leny


AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 14:55
(@RAMSCH)

---------------
Anm. Admin: Beitrag gelöscht!

[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]


AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 17:51
(@sandgren)

hy RAMSCH,
sicher hast du recht das hier auch mehr zivilcourage gefordert ist 😉

wo sind aber die jugendämter die in anderen fällen auch ungerechtfertigt kinder aus den familien holen? 😡
die selbst bei anzeigen wegen kindesmisshandlungen nicht handeln,schlimmer noch,sogar die befragung der kinder verhindern!!! 😡

wo ist das gesetz zur schulpflicht?
niemand hat reagiert als das kind nie angemeldet wurde!!!

alle behörden schieben die verantwortung nur weiter um ihre hände in unschuld zu waschen!!! 😡 😡

o-ton eines beamten des JA mir gegenüber :"ich hole mir keine magengeschwüre,meine rente will ich noch bei bester gesundheit erleben!" :puzz:

dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen was unsere beamten angeht!! 😡

gruss sandgren 😎


AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 18:04
(@papa-nico)
Nicht wegzudenken Registriert

@RAMSCH

Im Grunde hast du Recht. Wenn sich die Mitmenschen untereinander verständigen würden, dann gäbe es diese Vorkommnisse einfach nicht. Dann bräuchte man auch die vielen Überwachungsorgane nicht! Es wäre ein Traum, wenn es so funktionieren würde!

Nur hat mir der Bericht wieder einmal gezeigt, dass in den Wohngebieten wie im Falle Jessica die Anonymität sogar zwischen den Nachbarn sehr stark ausgeprägt ist. Keiner will etwas gesehen, gehört oder gewußt haben. Verstehen kann und will ich diese Einstellung nicht, verteidigen schon gar nicht.

Wenn die Menschen eben dieses "Miteinander aneinander vorbei" leben (ob gewollt oder nicht), dann sollten wenigsten Staat / Behörden fähig sein, solch schwerwiegenden Geschehen zu vermeiden. Aber selbst hier liegt ein Versagen vor. Und das ist die Aussage, die ich vorher kritisiert habe.

Man bräuchte letztendlich keinen Staat mehr, wenn jeder mit jedem und jeder für jeden kommuniziert und immer akzeptable Lösungen geschaffen werden. Es wäre so manches überflüssig, nur scheint der Mensch nicht dazu bereit zu sein...

ebenfalls sentimentale Grüße
Nico


Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt.
Der andere packt sie kräftig an - Und handelt.
(Dante)

AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 18:09
 Anny
(@Anny)

Quelle: Spiegel-Online

www.spiegel.de/panorama/0,1518,344458,00.html

So spricht erst jetzt jeder über Jessica. Jetzt, wo sie tot ist.

[Editiert am 3/3/2005 von Uli]

Hallo Uli,
diese Kinder leben noch.
Habe es mal aus der Zeitung hier her kopiert u. frage mich wirklich, wieso nicht jeder Fall öffentlich gemacht wird?
Als nächstes frage ich mich, was können wir eigentlich noch aushalten.
Dürfen wir nun keinem mehr unsere Kinder anvertrauen?
Hoffe das ich es hier rein setzen durfte, wenn das nicht ok ist bitte melden oder löschen.

Aus heiterem Himmel
Ein Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Minderjährigen schockte Jugendliche, Lehrer und Eltern des -Gymnasiums. Seitdem wird an der Schule und darüber hinaus intensiv über das Thema diskutiert.

BOCHOLT Das -Gymnasium traf es aus heiterem Himmel. „Einige Schüler waren richtig geschockt”, beschreibt Direktor Dr. Peter Zuxxx die Stimmung, nachdem Anfang vergangener Woche bekannt geworden war, dass ein minderjähriger Schulkamerad seine neunjährige Schwester sexuell missbraucht haben soll und sich und sein Opfer dabei offenbar gefilmt hatte (wir berichteten). Die per Zufall entdeckte Videodatei kursierte anschließend im Internet. In so genannten Chat-Räumen wurde über den Fall diskutiert. Jetzt ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei.
Für das Lehrerkollegium Anlass genug, in allen Jahrgangsstufen über das Thema zu diskutieren. „Wir müssen das einfach offensiv angehen”, so der Schulleiter.
Kein Zweifel: Der Fall hat Spuren hinterlassen. Zum einen hat er die Mädchen und Jungen für das Thema sexueller Mißbrauch sensibler gemacht. Aber auch über die Verbereitung von Kinderpornographie wurde diskutiert. „So viel wie befürchtet ist wohl doch nicht verteilt worden. Auch war den meisten gar nicht klar, dass sie hier etwas Illegales getan haben”, stellt sich Dr. Zuxxx vor seine Schüler.
Unwissenheit allerdings schützt vor Strafe nicht. Dazu und zu allen weiteren Fragen hüllen sich Staatswanwaltschaft und Kriminalpolizei jedoch in Schweigen. „Kein Kommentar”, hieß es auch gestern auf BBV-Nachfrage.
Direktor Dr. Peter Zuxxx setzt derweil auf Gespräche und Überzeugunsgsarbeit. Wichtig für ihn ist die Mitarbeit der Eltern. Vor allem mit Blick auf übermäßige und unkontrollierte Internet- und Computernutzung rät er dazu, Jugendlichen gelegentlich auch einmal Grenzen zu setzen.
Wichtig sei, dass die Ereignisse so aufgearbeitet werden, dass sie in das normale Leben der Kinder eingeordnet werden könnten, meint Roland Bremer. Er ist Leiter der ärztlichen und psychosoziale Beratungsstelle bei Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch von Kindern im -Hospital. „Es geht darum, dass die Kinder eine Orientierung bekommen, was falsch und was richtig ist”, meint der Diplom-Pädagoge.
Die Jugendlichen, die die pornographische Datei verbreitet hätten, würden nun von den Ereignissen überrollt. Aber: „Den Kindern muss transparent gemacht werden, warum an dieser Stelle die Erwachsenenwelt so heftig reagiert”, sagte Bremer. Wenn dies nicht geschieht, sei die Gefahr groß, dass die Kinder die „Flutwelle” einfach zu ertragen versuchten, ohne das eigene Verhalten zu verändern. Die Kinder aber sollten einsehen können, dass ihr Verhalten schädlich für sie selbst und für ihre Mitmenschen ist.
Bremer rät dazu, die Straftaten, die an sich skandalös seien, nicht zusätzlich zu dramatisieren. „Mit Mutmaßungen und Gerüchten sollte man sehr vorsichtig sein”, so der Fachmann.


AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 18:24
(@RAMSCH)

---------------
Anm. Admin: Beitrag gelöscht!

[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]


AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 20:27
(@RAMSCH)

---------------
Anm. Admin: Beitrag gelöscht!

[Editiert am 20/6/2005 von DeepThought]


AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 20:37




(@papa-nico)
Nicht wegzudenken Registriert

@RAMSCH

Ohne diese Diskussion ausarten lassen zu wollen: Klar muss nicht jede Kleinigkeit von Staates Seite kontrolliert werden. Besser wäre auch in vielen Dingen, er würde sich heraushalten. Nur dann kann ich es auch nicht mehr sehen, wenn sich "die oberen Tausend" bei jeder Gelegenheit feiern lassen und sich bestätigt wissen wollen, wie toll sie doch wären.

Ok, aber das nur nebenbei - zu politisch! :thumbdown:

Am Ende sind wie schon gesagt, die Mitmenschen gefragt - nichts anders!

Tschau
Nico


Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt.
Der andere packt sie kräftig an - Und handelt.
(Dante)

AntwortZitat
Geschrieben : 03.03.2005 21:28
(@brille007)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Aus aktuellem Anlass muss ich jetzt mal diesen Thread aus der Versenkung holen, denn ich beobachte die Prozessberichterstattung sehr aufmerksam.

Was hier passiert ist, ist mit normalen menschlichen Massstäben auch heute nicht zu begreifen; als Extremfall ist es aber zumindest ein Spiegel dafür, was in unserer Gesellschaft heute möglich ist. Keiner kann sich bequem zurücklehnen und sagen "Ich habe ja kein Kind verhungern lassen". Denn das ist nicht im fernen armen Afrika passiert, sondern mitten unter uns. Und Deutschland hat erst dann betroffen aufgeschrieen, als Jessica schon tot war.

Ich will aber eigentlich auf etwas anderes hinaus: In spiegel.de war heute ein bemerkenswerter Satz von einem der Gutachter zu lesen, die die Eltern von Jessica vor dem Prozess zu begutachten hatte:

Kröber warnte die Prozessbeteiligten nachgerade vor zu viel Mitgefühl mit der Angeklagten: "Damit man sich besser fühlt, will man keine Mutter als Täterin", sagte der Gutachter. Doch bei "Männern die stiften gehen und sich nicht um ein Kind kümmern, fragt man auch nicht, ob sie einen Schaden haben".

(Volltext unter http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,376841,00.html)

Vielleicht kann zumindest das ein klein wenig zu einer allgemeinen Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft dahingehend beitragen, dass Mütter nicht per se einfach "gut" sind und immer nur das Beste für ihre Kinder im Auge haben. Solche mutigen Sätze wie der von Gutachter Hans-Ludwig Kröber werden vor deutschen Gerichten nämlich noch immer viel zu selten gesagt. Auch Mütter sind "nur" Menschen. Und manchmal eben Monster.

Gruss
Martin


When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.

AntwortZitat
Geschrieben : 27.09.2005 18:59
(@samadhi)
Zeigt sich öfters Registriert

Hallo @ll,

auch ich verfolge die Berichterstattung zum "Fall Jessica" im Spiegel bzw. auf Spiegel online und vor diesen Mensch graut es mir. Meine Freundin erzählte, dass in einem anderen "Magazin" sogar Fotos von der geschundenen kleinen Seele veröffentlicht wurden - Horror! Wie kommen Menschen dazu, sich so zu verhalten? Keiner, der halbwegs alle Latten am Zaun hat, behandelt auch nur ein Tier so grausam - geschweige denn einen Menschen und schon gar nicht sein eigenes Kind! Und wie so oft - und hier werde ich etwas polemisch und popolistisch - muss die "schlechte/schwierige Kindheit und Jugend" herhalten... - na klar, was auch sonst? Egal ob Vater oder Mutter: hier hört's wirklich auf mit Mitleid (wegen der vermeintlich "schlechten Lebensumstände" oder was weiß ich) oder auch nur einem Schatten von Verständnis (für dieses echt kranke Verhalten). Wie es den Eltern wohl gefallen würde, sagen wir mal einen Monat (m. E. schon eine eine ziemlich lange Zeit!) in einem kargen, abgedunkelten Raum ohne Ansprache und ohne ausreichend Nahrung zuzubringen :phantom: ?

Nur gut dass der Gutachter offenbar kein Weichspüler ist - vielleicht dreht sich der Wind in diesem Lande tatsächlich allmählich...?

Betrübte Grüße von

Samadhi


AntwortZitat
Geschrieben : 27.09.2005 20:20
(@kasper)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Es gibt zwar Gerechtigkeit, aber um welchen Preis:

Hamburg (Reuters) - Die Eltern der qualvoll verhungerten siebenjährigen Jessica sind in Hamburg wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Hamburger Landgericht befand die 36-jährige Mutter und den 50 Jahre alten Vater für schuldig, ihre Tochter vorsätzlich getötet zu haben. "Weil sie ihr Leben in der Kneipe führen wollten, nahmen sie den Zustand von Jessica in Kauf", sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Schaberg am Freitag. Mit dem Urteil folgte die Kammer der Forderung der Staatsanwaltschaft, die wegen Mordes durch Unterlassen auf lebenslange Haft plädiert hatte. Die Verteidigung dagegen hatte höchstens 15 Jahren Haft wegen Misshandlung Schutzbefohlener und Körperverletzung mit Todesfolge als angemessen bezeichnet.

Jessica war Anfang März an erbrochenen Speiseresten erstickt, nachdem sie über Jahre in einem abgedunkelten Zimmer gefangen gehalten worden war. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Ungeklärt blieb, warum Jessicas Leiden unbemerkt von Nachbarn blieb und die Mechanismen staatlicher Fürsorge versagten.

"DIE KATZE BEKAM ZU FRESSEN, JESSICA MUSSTE HUNGERN"

"Die Eltern haben Jessica grausam zu Tode gequält", sagte Schaberg. Sie hätten böswillig gehandelt und schwer gegen ihre elterliche Fürsorgepflicht verstoßen. "Schlimmer ist es nicht denkbar. Eine Tat wie diese macht auch eine Schwurgerichtskammer ratlos", erklärte der Richter. Beide Eltern hätten von einem blanken Kabel in Jessicas Zimmer gewusst. Wenn Jessica den in einem Meter Höhe angebrachten Draht berührte, habe sie einen Stromschlag erlitten. Die Eltern hätten in Kauf genommen, dass Jessica dadurch sterbe. Das Kind sei trotz Unterernährung und Austrocknung bis zu seinem Tod bei Bewusstsein gewesen.

"Die Angeklagten handelten aus Eigennutz, sie waren nicht eingeschränkt schuldfähig", betonte der Richter. Die schwierige Kindheit der Eltern berücksichtigte die Kammer bei der Strafzumessung nicht. Die Mutter sei zwar überfordert gewesen, aber voll schuldfähig. Den Vater schilderte der Richter als fatalistisch und vom Schicksal anderer unberührt. "Eine Konstante in seinem Leben war der Alkohol, er war aber nicht abhängig", sagte Schaberg. Auch ein leichter Hirnschaden habe seine Steuerungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. "Er wusste, dass man ein Kind nicht jahrelang misshandeln und quälen darf. Die Katze bekam zu fressen, Jessica musste hungern", erklärte der Richter.

Der Verteidiger der Mutter hatte erklärt, das Kinderzimmer von Jessica sei Ausdruck jedweden Entzugs von Liebe für ein Kind gewesen. Er bat die Richter, die schwierige Kindheit der Mutter in Betracht zu ziehen. Seine Mandantin habe den Hass, den sie in ihrer eigenen Kindheit erfahren habe, an ihre Tochter weiter gegeben, sagte er.

quelle: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2005-11-25T165538Z_01_HAG559403_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-PROZESSE-JESSICA-ZF.xml


Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht Ändern kann, den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

AntwortZitat
Geschrieben : 30.11.2005 23:19
(@domino)
Nicht wegzudenken Registriert

Quelle:
www.bild.de

Berlin: Polizei befreit drei völlig verwahrloste Kinder
Dienstag, 6. Dezember 2005, 16.55 Uhr
Die Polizei hat in Berlin drei verwahrloste Kinder aus ihrer völlig verdreckten Wohnung befreit. Zwei Mädchen im Alter von vier und zehn Jahren und ihr 15jähriger Bruder hätten zwischen Kot und Urin, verschimmelten Essensresten, schmutziger Wäsche und nicht stubenreinen Katzen und einem Hund leben müssen. Beide Mädchen seien zudem viel zu dünn bekleidet gewesen. So habe die Zehnjährige nur eine Unterhose getragen, auch die Vierjährige habe in ihrem Bett „jämmerlich gefroren“, so ein Polizeisprecher. Die Mutter (42) war nicht zu Hause. Eine aufmerksame Nachbarin hatte die Beamten alarmiert. Die Kinder wurden nach einem Gespräch zunächst im Krankenhaus behandelt und dann in die Obhut des Jugendamtes gegeben

Selbst wenn die Pflicht für Vorsorgeuntersuchungen eingeführt würde...welcher Arzt kann schon auf den ersten Blick erkennen,wie es bei ihnen Zuhause aussieht?


Gehe Deinen eigenen Weg,dann verläufst du dich auch nicht !

AntwortZitat
Geschrieben : 07.12.2005 00:24