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Jetzt doch mal meine Geschichte (lang)

 
(@pappasorglos)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Eigentlich eine Bilderbuchgeschichte. Verliebt, verlobt, verheiratet, Haus gebaut, Baum gepflanzt, Sohn gezeugt. Oder so ähnlich. Eigentlich.

Vor 2 1/2 Jahren sind wir zusammengezogen. Schon kurze Zeit später, irgendwann im Urlaub, sprechen wir über den Kinderwunsch. Ich sagte, lass es uns einfach probieren, schließlich sind wir nicht die jüngsten, und man muss das Leben nehmen, wie es kommt. Ob Sie ein Problem damit hätte, wenn wir das ohne Trauschein tun. Nein - aber es werde nicht einfach, wegen Alter und anderen Vorbelastungen. Ich sag, wir schaffen das.

4 Monate später war sie schwanger. Auf und ab der Gefühle. Paar Wochen später dann wieder nicht schwanger. Gefühle tief abwärts. Das war auch so ungefähr die Zeit, als wir uns für einen Hauskauf interessierten.

Sie wusste, dass ich etwas Vermögen hatte und eigentlich hat sie den Hauskauf auch getrieben. Warum denn nicht, ich gehe doch keinerlei Risiko ein. Ja, warum nicht, und tatsächlich kam das Zinstief dazu, sodass die Hypotheken-Rate in die Nähe der Wohnungsmiete kam. Also warum nicht. Außerdem war's eine Ablenkung von der Fehlgeburt. Über die Modalitäten hatten wir bis dahin nicht gesprochen, sie hatte nur gesagt, dass sie ja eigentlich nichts unterschreiben kann, weil sie ja kein Kapital hat, nur den Kaufvertrag würde sie gerne unterschreiben wegen dem Gefühl, was eigenes zu schaffen. Ein mulmiges Gefühl beschlich mich. Fragen wir also eine Profi. Beratung beim Notar. Guter Rat ist teuer. 174 Euro für den Rat, die Finger davon zu lassen von einem einseitig finanzierten gemeinsamen Hauskauf.

Sie schwört Rache. Aus purer Nächstenlieben werde sie mich nicht verlassen, aber wenn ich den Kaufvertrag alleine unterschreibe wird sie's mir heimzahlen. Richtig ernst genommen hab ich das damals nicht, die Fehlgeburt war noch nicht lange her und die Gefühle sind noch Achterbahn gefahren.

Irgendwie beruhigt sich's wieder, wir lassen's uns gut gehen in den nächsten Monaten und wir können das auch, double-income - no-kids. Apropos Einkommen: seit langem teilen wir unser Einkommen recht konsequent, konsequenter als in jeder Unterhaltsleitlinie, also auch mit völlig gleichwertigen Altersvorsorgebeiträgen. Ich dachte, ich kann das Thema damit aus der Welt schaffen, aber richtig funktioniert hat das auch nicht. Es gab immer noch Krieg, warum ich denn nicht die eine oder andere Anschaffung aus meinem Vermögen zahlen solle, schließlich hätte ich mehr als sie, und dazu kam der Krieg um meinen Fahrtkosten-Ansatz. Nochmal für die, die's nicht glauben wollen: freiwillig 50:50 beim Einkommen ohne jede Unterhaltsverpflichtung, sie profitiert davon mit 5000,- Euro jährlich. Netto. Ein Geschenk. Und Krieg über meinen Fahrtkostenansatz,  15 Cent pro Kilometer.

Trotzdem eine schöne Zeit, und ab und zu beteiligt sie sich auch an dem Hausprojekt, betreut Teilprojekte aber immer nur bis sie das Budget sprengen. Begrenzte Budgets sind doof und völlig unnötig, weil ich hätte ja einfach nur die Hypothek großzügiger beantragen müssen.

Im Oktober letzten Jahres ist sie wieder schwanger. Die Freude ist groß, aber auch die Nervosität. Wir sagen einen geplanten Urlaub ab - bloß kein Risiko. Wir diskutieren viel in der nächsten Zeit. Ob wir heiraten sollten. Wie es finanziell weitergeht, über Pränataldiagnostik. Bei der Pränataldiagnostik zum ersten Mal dieses Pattern, dass sie von nun an tut was sie möchte. Zwar hätten wir vereinbart, die Diagnostik zu machen, aber mögliche Konsequenzen sind natürlich allein ihr Ermessen, erfahre ich jetzt, zusammen mit altklugen Vorträgen über das Lebensrecht mongoloider Kinder.

Ihr Nestbautrieb entfaltet sich bei ihr nicht so sehr in Richtung Nest zum Wohnen, denn das ist ja fast fertig und der Umzug ohnehin geplant. Sie plant ihr Leben neu. Sie fragt mich nach Zahlen über die künftigen Finanzen, ich geb' sie ihr, sie gefallen ihr nicht. Das Leben, was sie plant, ist teurer. Alle normalen Familien können sich auch alles leisten und haben 2 Großraum-Familienautos vor der Tür. Normale Familien haben aber auch Ehegattensplitting, keine Altersvorsorgeverträge über zusammen 500,- Euro pro Monat, dafür die Großraum-Familienautos nicht bezahlt. Genau, das ist die Lösung. Wenn man Autos hat, die bezahlt sind, und verbraucht sie, kann man die nächsten 2 Jahre über seine Verhältnisse leben, bis sie kaputt sind, und dann kauft man welche auf Pump.

Zu dem Leben, das sie plant, gehören auch ihre Eltern. Beide im fortgeschrittenen Alter und möglicherweise bald betreuungsbedürftig. Sie wohnen 300km entfernt. Mit ihrer Mutter telefoniert sie täglich eine Stunde. Manchmal, wenn wir streiten, ruft sie in meiner Gegenwart ihre Mutter an "Mama, was meinst Du dazu?".

Der Frage, wie sie sich eine Betreuungsbedürftigkeit ihrer Eltern vorstellt, ist sie immer ausgewichen. Dafür gäbe es betreutes Wohnen, zwar wisse sie auch, dass ihr Erbe dabei drauf geht, aber das macht nichts, sie hat ja noch meins.

Wieder beschleicht mich so ein Gefühl. Kein schöner Gedanke, ein Kind in die Welt zu setzen, was dann 300km entfernt zur Schule geht, weil die Umstände es erfordern, oder einfach, weil das Haus dort den größeren Garten hat.

Weil wir immer noch über Heirat reden, spreche ich auch diesen Gedanken an und dass man in einem Ehevertrag ja schreiben könne, Ehegattenunterhalt daran zu koppeln, dass mein Kind nicht soweit wegzieht, dass mir der Umgang unzumutbar erschwert wird. Das ist der einzige Aspekt, den wir je bezüglich Ehevertrag diskutiert hatten, und das war vor meinem Antrag, nicht danach. Alles andere entspringt ihrer Phantasie.

Ach ja, der Antrag. Am Tag unseres zweijährigen Kennenlernens. Schickes Restaurant, goldener Ring, dann die Frage. Die Antwort: "Ich sag da nicht nein, aber Du musst Dich erst ändern. An solche Sachen wie Refinanzierung für beruflich benutzte Autos darfst Du dann nicht mehr denken." Ich hab' kein "ja" gehört und es als ein "nein" genommen.

Diesmal schwört sie keine Rache, sie tut es. Sie fährt zu meinen Eltern und erzählt Geschichten. Schlimmere Geschichten als sie sie bislang hier im Forum erzählt hat. Dass ich ihr verbieten will, ihre Eltern zu besuchen, dass ich ihr Geld vorenthalte, das ihr zustehe und so weiter.

Immer schön diplomatisch bleiben, schließlich erwarten wir ein Kind zusammen. Die Wogen glätten sich wieder, die nächsten Monate sind ohnehin busy durch Umzug und Schwangerschaft, und irgendwie kriegen wir das alles hin.

Ich bin ein Musterpapa, bei allen Vorsorgeterminen dabei, auch bei der Geburt, und wohne 4 Tage mit auf der Wochenstation. Es läuft alles prima, wir sind glücklich, und so rege ich mich auch nur ein bisschen auf, als das nächste Verhaltensmuster erkennbar wird: ich muss hart verhandeln, damit meine Eltern auf der Wochenstation ihr Enkelkind sehen dürfen. Wie gesagt, ich hab' auch da gewohnt!

Nach der Geburt habe ich 2 Wochen Urlaub. Als der so langsam zu Ende geht, fällt mir ein, dass wir ja in meinem Urlaub den Jugendamtstermin noch schaffen sollten, wer weiß, wann ich wieder Urlaub kriege. Reine Formsache, hatte der Standesbeamte gesagt, nur könne er es nicht zusammen mit Geburtsurkunde und Vaterschaftsanerkennung erledigen, geht leider nur auf dem Jugendamt. Ja, ja, sie weiß bescheid, sagte sie dem Standesbeamten. Ich frage nach - Rumgedruckse. Nur so allmählich erfahre ich, dass sie keine Sorgeerklärung abgeben will.

Aber das ist ja der Teil der Geschichte, den ich schon erzählt habe. Ich habe ihr an diesem Tag erklärt, dass ohne gemeinsame Sorgeberechtigung unsere Beziehung keine Zukunft hat. Das war vor 4 Monaten. Heute sind wir zwar einige hundert Euro für Rechtsanwälte und Psychologen ärmer, aber keinen Schritt weiter.

Dabei funktioniert unsere gemeinsame Elternschaft im Alltag wunderbar. Nur lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie mein eigenes Kind als Waffe gegen mich einsetzt. Ich bin bereit, jetzt die Konsequenzen zu ziehen. Wenn mein Sohn einmal weiß, wer der Papa ist, schaffe ich das nicht mehr.


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 19.10.2006 20:45
DeepThought
(@deepthought)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Moin,

ich habe die Bitte an euch beide, eure Themen im realen Leben zu lösen und hierbei das Wohl eures Kindes nicht aus den Augen zu verlieren.

Euer beiden Darstellungen sind zu unterschiedlich, als dass von hier aus adäquat Hilfe und Unterstützung geleistet werden könnte.

Auch dieses Topic wird von mir geschlossen.

DeepThought


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!

AntwortZitat
Geschrieben : 19.10.2006 21:03