Außenseiter
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Außenseiter

 
(@kleiber)
Schon was gesagt Registriert

. . . irgendwie ging es mit unserer Ehe schon lange nicht mehr gut und dazu hat mich noch meine Gesundheit im Stich gelassen. Vor gut einem Jahr habe ich dann den ersten Schritt gemacht und bin, um erstmal etwas Abstand gewinnen zu können, in mein Atelier gezogen, aber das hat offensichtlich mehr aufgewirbelt, als mir recht war. Meine Frau muss mir seitdem immer wieder sagen, dass ich alles (Familie Haus etc.) kaputt mache, und ich fühle mich schuldig. Dabei geht es mir zumindest gesundheitlich inzwischen viel besser, aber dieser Psychoterror macht mich manchmal regelrecht fertig, dabei will ich doch nur meinen Weg gehen. Jetzt, hat ziemlich lang gedauert, ist Schritt 2 dran: Ich habe mir in Hannover (100km von meinem bisherigen Wohnort entfernt) eine Wohnung gemietet und ziehe nun richtig um. Ich muss bzw. will neu anfangen, sortieren was noch passt und was nicht. Von meinen Kindern (2 Töchter 14 und 16 Jahre alt) würde ich gerne mehr mitbekommen, aber meine Frau meint sich da quasi alle Rechte rausnehmen zu können. Im Rahmen einer Mediation versuchen wir inzwischen die Dinge besser zu klären, und trotzdem scheint sie nicht verstehen zu wollen worum es eigentlich geht. Natürlich sind diese vielfältigen Veränderungen nicht mal eben auf die Reihe zu bekommen, ich selbst tue mich schließlich auch nicht gerade leicht, aber eine Ebene auf der beide Eltern wirklich gleichberechtigt sind, scheint in weiter Ferne. Nun denn, mir bleibt nichts anderes übrig als Geduld walten zu lasssen und immer wieder deutlich zu machen, dass Trennung in der Partnerschaft eben überhaupt nicht bedeutet nicht zu den Kindern zu stehen. Jedes zweite Wochenende sollen sie nun zu mir kommen - ich habe ein Zimmer für sie in meiner Wohnung - und trotzdem fühle ich mich irgendwie als Außenseiter, nicht ernst genommen, nur weil ich heute vieles anders sehe . . . ist das so falsch?

soweit für heute . . .
es grüßt der Kleiber


Zitat
Themenstarter Geschrieben : 14.11.2005 01:28
(@weisnich)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Hallo Kleiber,
erst einmal herzlich willkommen in dem Vatersein-Forum.

Hmmm...ich glaube Du stehst im Augenblick sehr unter Druck. Aber Du scheinst Dir deiner Entscheidung sicher und es hört sich so an, dass Du Deine Gründe hast. Du scheinst mir recht 'klar im Kopf'.

In Anbetracht dessen würde ich Dir raten, Dich nicht als Außenseiter zu sehen. Wenn es Dir in der Beziehung schlecht gegangen ist und du gefühlt hast, da raus zu müssen, dann geh Deinen Weg weiter.

Gut. Zu den Kindern, EUREN Kindern. Du möchtest jedes 2. Wochenende mit ihnen verbringen. Lass Dir sagen, dass Du das rechtliche Minimum erreicht hast. Ich denke nicht, dass es schwierig ist, das festzulegen, wenn nur die Kinder mitspielen. Also trenne ich mal kurz den rechlichen vom sozialen Teil.

Zum Rechtlichen:
Das Ding solltest Du ohne Probleme durchbekommen, wenn Du, nachdem Du versucht hast, mit Deiner Frau eine Einigung zu finden, zum Jugendamt gehst und dort dann Anliegen vorträgst. Mit denen musst Du versuchen, einen Termin zu dritt stattfinden zu lassen, in der die Sache geregelt wird. Scheitert das, zum Anwalt und klagen. Kostet ca. 800 Euro, kannst du aber auch mir Prozesskostenhilfe (PKH) machen, falls notwenig. Weitere Infos dazu im Forum.

Zum sozialen:
Du scheinst mir nicht sehr kämpferisch gegenüber Deiner (Ex?-) Frau zu sein, ganz im Gegenteil zu ihr. Das ist gut so, wenn Du dich dabei nicht über den Tisch ziehen lässt.
Nun kann es Dir passieren, dass sie versucht, die Kinder zu beeinflussen. Falls das auftritt, gilt folgendes:
1. NICHT mitspielen. Lass dich nicht dadurch auf die Palme bringen, noch dazu, Deinerseits beeinflussen zu wollen
2. Infos besorgen und bedarfsgerecht handeln. Dazu kann Dir das Forum auch weiterhelfen. Wir haben hier einige leidgeprüfte Spezialisten.

So, jetzt seh Dich mal als Insider an,

Gruss,
Michael


AntwortZitat
Geschrieben : 14.11.2005 10:09
(@kleiber)
Schon was gesagt Registriert

Hallo Michael,

...danke für deinen Zuspruch und deine Tipps! Das Gefühl mit meinen "Problemen" nicht ganz allein dazustehen hilft mir schon, auch wenn natürlich jede Geschichte irgendwie anders ist.

Gestern habe ich wieder einmal versucht mit meiner Frau ein versöhnliches Gespräch zu führen, ich denke immer mit etwas Abstand (schließlich sind wir bereits über ein Jahr getrennt) sollte Mensch die Dinge mit dem Blick nach vorne betrachten können, und nicht die zurückliegenden gegenseitigen Verletzungen und Kränkungen in den Vordergrund stellen. ;( Aber wir treten mal wieder auf der Stelle bzw. mir scheint gar, dass vieles was unsere Mediation an Fortschritten gebracht zu haben schien bei meiner Frau nicht wirklich angekommen ist und wir dementsprechend immer wieder von vorne anfangen müssen.
Es ging darum was wohl für unsere Kinder das Beste ist und auch wie wir dieses Jahr die Feiertage verbringen, ob es vielleicht gar möglich ist einen Tag "in Frieden" gemeinsam zu verbringen. Nun denn, natürlich nicht gerade unemotionale Themenfelder, aber trotzdem brauche ich mich nicht als "Erpresser" oder ähnliches beschimpfen zu lassen, schließlich versuche ich nur im Sinne der Kinder eine Basis für Einvernehmlichkeit und Verständnis zu finden. Aber - Fehlanzeige, Blockade, Agressivität - kein einziger Schritt voran. Wie kommt es nur, dass zwei halbwegs vernünftige Menschen das nicht auf die Reihe bekommen? Also bleibt wohl nur weiter Geduld zu haben - ob sich wohl irgendwann vor allem für die Kinder eine neue Verständigungsebene finden lässt? Eigentlich dachte und hoffte ich, dass wir vielleicht ohne Rechtsanwalt klarkommen, aber auch dazu gehören offenbar zwei, die sich darüber einig sind und meine Frau sieht vor lauter Schmerz und Wut nur ihre Rechte. Und unsere Gesellschaft (nach dem Motto: "das schwache Geschlecht"muss geschützt werden) lässt uns Vätern oft eben nur das Minimum, wie in meinem Fall jedes zweite Wochenende (und das ist nur die Theorie (Vereinbarung), die Praxis sieht meist anders aus) mit den Kindern. Inzwischen bin ich fast soweit, dass ich mir nun doch Rechtsbeihilfe hole. Ich werde wohl noch 1-2 Wochen und einen Mediationstermin abwarten und versuchen herauszuhören, ob meine Frau überhaupt noch eine einvernehmliche Einigung will, und doch ist es mit meiner Gelassenheit langsam vorbei. Wahrscheinlich habe ich mir soundso schon immer zuviel gefallen lassen und natürlich kann sie sich nicht daran gewöhnen, dass ich inzwischen ganz klar meine eigene Position einnehme und vertrete. Ja, ich sehe heute manches anders, ich habe mich entwickelt, finde allmählich zu mir und trotzdem stehe ich zu meiner Vergangenheit, zu meinen Kindern und sogar meine Frau kann ich zum Teil gut verstehen. Doch ich kann und will mich nicht wieder bevormunden, einengen, gefangen nehmen lassen. Liebe funktioniert meiner Ansicht nach nur auf der Basis sich gegenseitig immer Wieder die Freiheit zu schenken so sein zu dürfen wie Mensch eben nunmal ist und dazu gehören natürlich auch die Veränderungen, die das Leben nunmal so mit sich bringt. Klingt doch eigentlich ganz klar, aber ist sauschwer in der Praxis umzusetzen, oder gibt es da draußen jemanden, der von echter Toleranz berichten kann?

...nun wende ich mich besser wieder anderen Dingen zu, sorge erstmal so gut wie möglich für mich und richte mich in meiner Wohnung, in meinem Leben ein, auch wenn ich erstmal mehr verloren zu haben scheine, als mir klar und lieb war. Nun denn, irgendwie werde ich mit der Zeit darüber hinwegkommen und mit dieser absolut "gnadenlosen" Freiheit zurechtkommen und mir ein lebenswertes Umfeld schaffen, schließlich geht es doch irgendwie immer voran... und ich bin neugierig auf das was kommt, bzw. das was ich heute anfange, denn dort kann ich mitgestalten. Und die Vergangenheit lässt sich nunmal nur so stehen lassen, wie sie ist, und doch kann Mensch sie ganz unterschiedlich bewerten - und annehmen lernen. Ein langer Weg, für den man wohl ein ganzen Leben lang braucht!

für heute jetzt aber genug der Philosophiererei !!!
es grüßt
der Kleiber

tja, der feine Unterschied frei nach Erich Fried:

jemanden brauchen weil man sie/ihn liebt
oder
jemanden lieben weil man sie/ihn braucht

und doch geht es oft genau um diese Nuancen 😉


AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 18.11.2005 13:40