Hallo allerseits,
ich melde mich mal nach einigen Jahren (?) zurück. Leider weiß ich keine andere Stelle, wo ich das mal realtiv unerkannt loswerden könnte. Vielleicht paßt es auch gar nicht so recht auf diese Seite, die sich ja mehr mit dem Leiden von Vätern beschäftigt. Aber irgendwie muss ich es loswerden.
Ich habe mich getrennt, als unser Sohn 4,5 Jahre alt war. Die Trennung kam nicht überraschend für meinen Mann, schon lange hatten wir Probleme, zwei Jahre zuvor waren wir schon auf mein Betreiben hin bei einem Anwalt, um uns über die Vorgehensweise, Folgen und Kosten einer Scheidung zu informieren. Aber auch dieser Versuch, mit einem ernsthaften Warnschuss irgendeine Verbesserung unserer Ehe zu erlangen, schlug fehl und so zog ich nach 2 Jahren mit dem Kind aus. Unterhalt für das Kind haben wir gemeinsam festgelegt, zunächst war dieser recht hoch aufgrund der Kosten für den Kiga, die sich auf dem für das Jahr noch gültigen gemeinsamen Veranlagung unser beider Einkommen ergaben. Ab dem Folgejahr unserer Trennung zahlte er bis fast zum 18. Lebensjahr unseres Sohnes monatlich immer 250,00 Euro. Damit kam ich aus, nie habe ich Lohnnachweise verlangt oder den Unterhalt mal prüfen lassen. Unterhalt für mich habe ich sowieso nie geltend gemacht, ich habe seit dem 8. Lebensmonat unseres Kindes immer Vollzeit gearbeitet, wie er auch.
Die ersten Jahre feierten wir noch gemeinsam die Feste mit unserem Sohn, Weihnachten, Geburtstage etc., jedoch war das aufgrund seiner Verletztheit durch mein Weggehen immer ein etwas schwieriges Unterfangen. Ich habe weitestgehend alles geschluckt, selbst dann, wenn er seinen Frust und seinen Hass auf mich auf das Kind übertrug. So gab es Situationen, in denen er mit dem Kind und anderen Freunden mit Kindern ins Freibad ging. Der von mir dafür gepackte Picknickkorb wurde auch dankend angenommen, weil ich jedoch versäumt hatte, einen Becher oder Glas mit einzupacken, durfte das damals 5.jährige Kind nichts von dem ebenfalls eingepackten Getränk trinken, weil dann ja niemand anderes mehr hätte davon trinken können. Es war ein heißer Sommer und es herrschte eine Temperatur von 30°, er war trotzdem nicht bereit, etwas zu kaufen, damit unser Kind seinen Durst stillen konnte, weil ja Mama schuld daran war. Dies dem Kind schön zu reden, ohne den Vater schlecht da stehen zu lassen, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben, auch deshalb, weil ich genau diese Situation 2 Jahre später in meiner Not einem Jugendamtsmitarbeiter schildern mußte. Dazu kam es, weil mein Nochmann ohne mein Wissen die Scheidung eingereicht und das Sorgerecht beantragt hatte. Ich bekam deshalb einen Brief vom Jugendamt und wußte zunächst überhaupt nicht wieso und warum, deshalb befragte ich meinen Nochmann, ob er irgendetwas in die Wege geleitet hätte - er bestritt das. Im Gespräch mit dem Jugendamt stellte sich aber dann das Vorgenannte heraus. Ich wurde aufgefordert, meine Sicht der Dinge zu schildern, was ich zunächst ablehnte, da ich überhaupt keine Lust hatte, irgendeine Art von schmutziger Wäsche zu waschen. Im Verlauf des Gespräches erwähnte ich, dass es bei uns üblich ist, dass mein Mann jederzeit das Kind sehen, sprechen, besuchen oder auch mitnehmen kann, wir dafür bisher überhaupt keine festen Zeiten ausgemacht hatten und das einfach nach der Freizeit meines Mannes ausrichteten. Darüber war er sehr verwundert, machte sich Notizen, schien aber erfreut, beharrte aber dann trotzdem noch auf einem gemeinsamen Sorgerecht, was ich völlig ablehnte. Aus der Erfahrung einer solchen Konstellation bei einer Freundin wußte ich, dass das mitunter auch zu großen Problemen führen konnte, weshalb ich das für uns auf keinen Fall wollte - auch, weil ich wußte, wie wenig mir mein Nochmann die Trennung verzeihen würde. Aus dieser Situation heraus schilderte ich die obige Situation im Schwimmbad und betonte, dass ich das Sorgerecht eher als eine Sorgepflicht betrachten würde und mein Mann hier seiner Pflicht gut für das Kind zu sorgen aus seinen negativen Gefühlen mir gegenüber heraus nicht ordentlich nachgekommenn wäre. Damit war das Thema gemeinsames Sorgerecht vom Eis und ich erhielt das alleinige.
Die nächsten Jahre und bis heute zeigte es sich, dass mein Mann nur sehr wenig Zeit mit seinem Kind verbrachte, manchmal hörten wir, obwohl wir bis Ende 2002 in der gleichen Stadt und mit dem Auto nur 10 MInuten auseinander wohnten, 2 - 3 Monate nichts von ihm. Schon ganz zu Anfang beschwerte er sich bei seinem damals noch nicht einmal 5-jährigen Sohn, dass er, der Sohn, sich nicht um den Vater kümmere. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass er, der Vater, sich um den Sohn zu kümmern habe, stritt er dies ab, ich müsse den Kleinen dazu anhalten, ihn anzurufen. Das habe ich natürlich schon zu den entsprechenden Tagen, wie Geburtstagen etc. getan, auch mal zwischendurch, aber nicht ständig. Auch habe ich ihn nicht über alles informiert, ihn ständig, wie er es verlangte, über alles auf dem Laufenden gehalten, ich fand, er könne sich schon die Mühe machen, auch selbst bei uns nachzufragen. Über Termine, wie Kiga oder Schule, habe ich ihn informiert, er hat sich aber nur ganz am Anfang mal die Mühe gemacht, teilzunehmen, zuletzt bei der Einschulung. Vor eingen Jahren hat mein Exmann erneut geheiratet, seitdem lehnt er jeden Kontakt mit mir ab, und besteht darauf, alles, inkl. finanzieller Dinge nur noch mit seinem Sohn zu klären. Mittlerweile hat der Junge das Abi, zur Abiturfeier ist er nicht gekommen.
Der Grund meiner jetzigen Verärgerung - nein, Verärgerung ist zu wenig, zu mild, ich bin jetzt auch voller Hass mittlerweile - ist der:
Halt, zuvor noch ein Einschub, der für die Gesamtbeurteilung vielleicht noch wichtig ist. Der vom Kindsvater bis zum 17. Lj gezahlte Unterhalt in Höhe von 250,00 € wurde immer um ca. 30,00 € gekürzt, da ich noch in einem früher gemeinsam geschlossenen Krankenversicherungsvertrag enthalten war, die Kosten dafür hat er natürlich, völlig zu Recht, immer gekürzt. Schon zu Anfang der Trennung wollte ich diese Versicherung kündigen, er hat mir aber seine Unterschrift verweigert. Ich habe das stillschweigend hingenommen. Im Oktober vor 3 Jahren erhielt ich unerwartet einen Anruf ebendieser Versicherung mit dem Originalton: "Ihr Mann will Sie aus dieser Versicherung haben, bitte kündigen Sie diese zum Jahresende!" Dem bin ich nachgekommen und habe meinen Mann informiert, dass er den Dauerauftrag für den Unterhalt auf 250,00 ab Januar erhöhen müsse. Dem ist er trotz mehrfacher Bitten nicht nachgekommen, so dass ich schließlich erstmalig nach über 12 Jahren Trennung und bisher reibungsloser finanzieller Abwicklung des Unterhaltes zum Anwalt marschiert bin. Heraus kam, dass er ab sofort etwas über 350,00 € monatlich zu zahlen hatte. Ich muß gestehen, ich habe ihm diesen Mehraufwand sehr gegönnt.
Diesen Unterhalt zahlt er seitdem. Unser Sohn begann dann im letzten Oktober seinen Zivildienst. Ich habe mir weiter keine Gedanken gemacht und wußte auch nicht, dass dadurch eine Unterhaltspflicht entfällt. Nun, er fordert nichts zurück, will auch den Unterhalt, den er jetzt einspart, für seinen Sohn auf die Seite legen, jedenfalls äußerte er sich so gegenüber unserem Sohn. Das wäre ja alles nett und schön, wenn er nicht heute angerufen hätte und folgenden Druck ausgeübt hätte: Unser Sohn soll sich für ihn erkundigen, was er für ihn an Unterhaltsleistungen aufbringen muss, wenn unser Sohn mit dem Studium beginnt. Grund: er bekäme diese Auskunft nicht kostenlos, unser Sohn dagegen schon. Da aber die Jugendamtszeiten sich mit den Arbeitszeiten unseres Sohnes nicht vertragen, schlug ihm mein Sohn zunächst diese Bitte ab, worauf mein Nochmann ihn aufforderte, sich dafür freistellen zu lassen, andernfalls würde er die Kosten, er schätzt sie auf ca. 100.00 € von dem für ihn Gesparten abziehen.
Daraufhin rief ich meinen Exmann an und klärte ihn auf, dass wir dazu seine Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate brauchen würden (nehme ich jedenfalls an, zumindest wurden die damals bei der ersten und einzigen Neuberechnung des Unterhaltes auch angefordert und das ist ja nun auch schon gut 2 Jahre her). Dies verweigerte er (hat er damals allerdings auch zunächst, ist aber damit nicht durchgekommen) und meinte, man könne das aufgrund der bisherigen Unterhaltshöhe berechnen. Weiterhin beschimpfte er mich, wieso ich so unfair ihm gegenüber gewesen wäre, ihn nicht darüber zu informieren, dass er während des Zivildienstes nicht zu zahlen brauchte. Danach legte er auf. Mein Sohn macht mit mir Theater, das ich überhaupt angerufen habe, ich würde die Situation für ihn nicht leichter machen.
Ich habe nun voller Wut einen 5 Seiten langen Hassbrief geschrieben, in dem ich mir mal alles, was mir all die Jahre so gestunken hat, von der Seele geschrieben habe, frage mich aber, ob ich den überhaupt abschicken soll. All die Jahre habe ich das Vaterbild hochgehalten, um unseren Sohn vor der Wirklichkeit, einen uninteressierten, selbstsüchtigen und nichtkümmernden Vater zu haben, zu schützen. Letztlich hat es dazu geführt, dass mein Sohn die Schwächen seines Vaters, die er heute sehr wohl von allein sieht und um die er durch eigene Erlebnisse weiß, toleriert und von mir weiterhin die Geduld und das Stillhalten verlangt. Ich aber kann nicht mehr. All die Jahre habe ich gearbeitet wie verrückt, um meinem Sohn ein schönes Kinderleben zu ermöglichen. Nie, nicht ein einziges Mal habe ich für Sonderausgaben eine Beteiligung vom Vater angefordert oder auch nur erwartet. Alles, was mein Sohn besitzt, habe ich erarbeitet, der Unterhalt hat gerade mal für das Dach über dem Kopf des Kindes gereicht. Seitens des Vaters habe ich auch keine bzw. nur sehr wenig Unterstützung gehabt, wenn Not am Mann war, hatte er keine Zeit. Habe ich ihn gebeten, das Kind mal vom Kindergarten abzuholen, weil ich länger arbeiten mußte, ging das nicht, weil er ja auch einen Haushalt zu führen hatte. War das Kind krank, konnte er auch nie helfen. Hilfe bei Schularbeiten - nein, dazu habe ich auch keine Lust. Nun, diese Zeiten sind vorüber, Gott sei Dank.
Aber, wie lange, und das ist meine eigentliche Frage, muss ich eigentlich ein fiktives Vaterbild aufrecht erhalten ? Wie lange muß ich das mitmachen ? Unser Sohn ist 20 Jahre alt, er ist erwachsen, wann, verdammt, habe ich das Recht, mich einfach mal zu wehren und dem Vater einfach mal das um die Ohren zu knallen, was er schon längt mal verdient hätte ? Kann ich nicht von einem 20-jährigen, dem ich alles und jedes ermöglicht habe, einfach mal erwarten, auch ein wenig Rückgrat zu haben und seinem Vater einfach mal zu sagen, dass er im Unrecht ist und sich einfach nur mies und unfair verhält ?
Jetzt kommt bald das Studium und das wird richtig teuer. Ich bin aufgrund der heutigen Geschehnisse nicht mehr wie früher bereit, den Löwenanteil alleine zu finanzieren. Mein Hassbrief endet mit "quid pro quo" (wie Du mir, so ich Dir), was im Prinzip nichts anderes heißt, als das ich jetzt genau wie er, alles über meinen Sohn regeln werde. Zahlt er nicht ausreichend, werde ich auch nicht mehr ausreichend zahlen. Ich hoffe dann nur, dass mein Sohn klagt.
Oh Mann, ich bin völlig fertig, all das ist das Allerletzte, was ich jemals gewollt habe. Kann mich irgendjemand überhaupt verstehen ?
Moin Robina,
es ist gut, dass du dich hier ausgelassen hast und auch zuvor den langen Brief an deinen Ex schriebst. Du hast dir 'ne Menge Druck genommen.
Mein Tipp: Verbrenne den Brief.
Du wirst nichts ändern, nicht klären und nicht für die Zukunft erreichen.
Zum fachlichen Thema: Um den KU muss sich dein volljähriges Kind selbst kümmern.
DeepThought
Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de
in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06
als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
Servus robina!
Ich sehe es wie Deep, vernichte den Bief, denn ich gehe davon aus, auch Du willst irgend wann mal Deine Ruhe und nicht die nächsten Jahre weitere Schlachten ausfechten:
Sohni ist dabei, flügge zu werden ... dazu gehört auch, dass er sich selbst um seine Belange kümmern sollte.
Zu diesen zählen sicherlich die finanziellen Aspekte wie Unterhalt, aber auch seine Sichtweise/Empfindung Dir und seinem Vater gegenüber ... ob sich diese mit Deinen decken oder nicht, ist nicht ganz Dein Bier, Du wirst sie respektieren wollen/müssen.
Ich würde nach (vielleicht mit einer Extradosis LmaA-Gefühl) vorne schauen, geniessen, dass meine Verantwortung Sohni gegenüber zunehmend geringer wird, so er es schafft, auf eigene Beine zu stehen und dass ich nach wie vor "meinen Mann" stehe...Nochmann kann mit meinen besten Wünschen bleiben, wo der Pfeffer wächst!! 😉
Grüße ausm Süden
Marco
Mit einem Lächeln zeigst Du auch Zähne!
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Ob ein Vorhaben gelingt, erfährst Du nicht durch Nachdenken sondern durch Handeln!
Hallo Deep,
danke für Deine Antwort. Im Prinzip stimme ich Dir zu, dass ich mit dem Brief nichts erreichen werde, schon gar nichts Positives.
Aber genau das
Zum fachlichen Thema: Um den KU muss sich dein volljähriges Kind selbst kümmern.
ist das aus den gestrigen Geschehnissen resultierende Problem. Mein Sohn war gestern so enttäuscht von seinem Vater, dass er jetzt gar keinen Unterhalt mehr von ihm fordern will und verzichten wird. Das würde bedeuten, dass ich alles komplett allein finanzieren muss. Grundsätzlich würde ich das tun, aber soll mein Exmann wirklich so leicht davon kommen? Wenn ich darauf bestehe, dass der Vater sich an den Kosten beteiligt, muss ich tatsächlich den gleichen Weg wie sein Vater einschlagen - nämlich am Kind auslassen, was er mir antut? Also auch die Zahlungen für den Sohn einstellen, damit dieser gezwungen wird, gegen uns beide zu klagen?
Wenn ich schon alles alleine zahlen soll, dann soll er wenigstens einmal schwarz auf weiß in der Hand haben, was ich über ihn als Vater all die Jahre gedacht habe und noch denke.
Was für eine sch.... Welt. Sorry, bin seit gestern völlig daneben, nur in Tränen aufgelöst und völlig wirr in der Birne.
LG
Robina
.....
Hi Marco,
wir haben wohl zeitgleich geschrieben - danke auch Dir 🙂
Ja, mit der Anerkennung der Sichtweise meines Sohnes - da schreibst Du etwas, was tatsächlich auch schon lange ein Problem für mich ist. Unser Sohn toleriert seinen Vater, sieht ihm alles nach, redet auch nicht mit mir darüber. Man - also ich - hat so das Gefühl, wie selbstverständlich alles leisten zu müssen, während gleichzeitig dem Expartner sehr viel Verständnis entgegengebracht wird - ohne, dass er jemals um etwas gebeten wird oder sich um irgendwas bemühen muss. Schwierig auszudrücken - irgendwie fühle ich mich immer als der A...., der alles leisten muss, aber Null Anerkennung bekommt.
LG
Robina
Servus robina!
Mein Sohn war gestern so enttäuscht von seinem Vater, dass er jetzt gar keinen Unterhalt mehr von ihm fordern will und verzichten wird. Das würde bedeuten, dass ich alles komplett allein finanzieren muss.
Und genau das würde ich nicht tun...ich würde erst mal nur Deinen Anteil am KU zahlen und dem Jungen erklären, wieso Du es nur so machen wirst. Vaddern wird sich seinen Verantwortung stellen müssen, dazu MUSS aber Sohni aktiv werden.
Sorry für die harten Worte, aber Schwanz einziehen und Mama ausbaden lassen geht nicht!! 😡
Grüße ausm Süden
Marco
P.S.
Schwierig auszudrücken - irgendwie fühle ich mich immer als der A...., der alles leisten muss, aber Null Anerkennung bekommt.
Möglicherweise hast Du es aber auch selbst "produziert", in dem Du selbstverständlich Sohni alle Hindernisse ausm Weg geräumt hast und nach wie vor räumen würdest??
Mit einem Lächeln zeigst Du auch Zähne!
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Ob ein Vorhaben gelingt, erfährst Du nicht durch Nachdenken sondern durch Handeln!
Moin Robina,
ich verdichte Dein Posting mal auf drei Kernsätze:
Unser Sohn ist 20 Jahre alt, er ist erwachsen, wann, verdammt, habe ich das Recht, mich einfach mal zu wehren und dem Vater einfach mal das um die Ohren zu knallen, was er schon längt mal verdient hätte ?
hierzu fällt mir die - vielleicht ketzerische - Frage ein: Warum beschäftigst Du Dich so sehr mit der Vergangenheit? Oder anders herum: hat es Deiner Lebensqualität in den letzten Jahren irgendwie genutzt, gegenüber Deinem Ex ständig die Hasskappe aufzuhaben? Was würde es Dir heute bringen, ihm das alles "um die Ohren zu knallen"? Vermutlich würde Dein Ex Deinen Hassbrief lesen und danach einfach kopfschüttelnd wegschmeissen. Was genau hättest Du damit gewonnen?
Kann ich nicht von einem 20-jährigen, dem ich alles und jedes ermöglicht habe, einfach mal erwarten, auch ein wenig Rückgrat zu haben und seinem Vater einfach mal zu sagen, dass er im Unrecht ist und sich einfach nur mies und unfair verhält ?
Nein, das kannst Du nicht. Du magst der Ansicht sein, dass Euer Sohn aufgrund der "Opfer", die Du für ihn gebracht hast, aus Loyalität zu Dir erstens Deine Ansichten zu teilen und diese zweitens seinem Vater mitzuteilen habe. Was aber, wenn Euer Sohn ganz anderer Ansicht ist? Wenn er zu seinem Vater eine Einstellung hat, die Du gar nicht kennst - weil er sie die ganzen Jahre nicht haben durfte, ohne dass Mama enttäuscht ist und/oder austickt?
Jetzt kommt bald das Studium und das wird richtig teuer. Ich bin aufgrund der heutigen Geschehnisse nicht mehr wie früher bereit, den Löwenanteil alleine zu finanzieren. Mein Hassbrief endet mit "quid pro quo" (wie Du mir, so ich Dir), was im Prinzip nichts anderes heißt, als das ich jetzt genau wie er, alles über meinen Sohn regeln werde. Zahlt er nicht ausreichend, werde ich auch nicht mehr ausreichend zahlen. Ich hoffe dann nur, dass mein Sohn klagt.
Euer Sohn hat in diesem Fall einen Auskunftsanspruch gegen beide Elternteile. Der Volljährigenunterhalt eines Studenten wird nach dem unterhaltsrelevanten Netto der Eltern gequotelt; "quid pro quo" oder Ereignisse aus der Vergangenheit sind in der Berechnung nicht vorgesehen. Wenn Dein Ex oder Du oder beide Eure Zahlen nicht auf den Tisch legt, muss er möglicherweise Euch beide verklagen. Du bist nicht verpflichtet, das Studium allein zu finanzieren. Und nein: Nicht Du musst darauf bestehen, dass Dein Ex sich beteiligt; das muss (und kann) Sohnemann durchaus selbst tun; er ist volljährig. Mach einen Cash-Plan und sag Eurem Sohn, dass er von Dir beispielsweise 300 oder 350 Ücken im Monat bekommt; für den Rest ist sein Vater zuständig. Oder eben ein Kellnerjob in der örtlichen Gastronomie.
Aber mal ehrlich: Wie genau würdest Du reagieren, wenn Euer Sohn heute sagt "Hey, Mama, ich fahre jetzt zu Papa und kläre das Unterhaltsthema unter 4 Augen von Mann zu Mann!"? Dürfte er dafür wirklich mit Deinem Beifall für eine "erwachsene Lösung" rechnen? Oder würdest Du das nicht vielmehr als "Paktieren mit dem Feind" betrachten?
Oh Mann, ich bin völlig fertig, all das ist das Allerletzte, was ich jemals gewollt habe. Kann mich irgendjemand überhaupt verstehen ?
Nein, nicht wirklich. Wenn jemand nach 15 Jahren eine gewesene und geschiedene Ehe noch immer nicht überwunden hat, braucht er Hilfestellung, die durch ein Internetforum nicht ansatzweise zu leisten ist.
Just my 2 cents
Martin
When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Hi Marco,
Sorry für die harten Worte, aber Schwanz einziehen und Mama ausbaden lassen geht nicht!! 😡
Ein Satz, der mir gefällt. Unglücklicherweise bin ich eher großzügig veranlagt, was genau das
P.S.Möglicherweise hast Du es aber auch selbst "produziert", in dem Du selbstverständlich Sohni alle Hindernisse ausm Weg geräumt hast und nach wie vor räumen würdest??
auch beinhaltet. Ja, damit hast Du Recht.
Vielleicht bin ich deshalb auch so fertig jetzt, weil die Situation von mir eine Entscheidung verlangt, die sich im Prinzip gegen unseren Sohn richtet - und zwar, indem ich entweder jetzt darauf beharre, dass unser Sohn den Vater zum Zeitpunkt der Studienaufnahme auf angemessenen Unterhalt verklagt oder aber ich ihn dazu zwinge, indem ich mich genau so wie der Vater verhalte - z. B., dass ich nur meinen Anteil zahle.
Ganz naiv habe ich mir trotz aller Unbill immer vorgestellt, dass mein Exmann und ich einmal zusammen voller Stolz unseren Sohn bei der Abiturfeier sehen werden. Wenn wir es schon nicht als Paar geschafft haben, dann doch wenigstens,.dass wir unsere Sache als Eltern gut gemacht haben. Mir hat es einen Schlag versetzt, als er nicht einmal die Mühe auf sich nahm, zur Abiturfeier zu erscheinen.
Was für ein Elternbild muss unser Sohn eigentlich haben?
Sorry, mir geht gedanklich wohl gerade alles durcheinander.
LG
Robina
Hallo Robina,
die Lösung ist viel einfacher als du denkst. Schicke deinen Sohn zum Anwalt. PKH wird er bekommen. Der Anwalt soll prüfen, was ihm gerecht von beiden Elternteilen zusteht und der Streit ist aus der Welt geräumt. So kann der Anwalt das auch im Namen deines Sohnes schreiben.
Focussiere mal deinen Blick nach vorne. Du hast gute Arbeit geleistet und in Zukunft wirst du mehr Freiraum für dich haben. Nehm mal dein Leben in die Hand und hänge nicht ständig in der Vergangenheit. Das bringt nichts, außer dass du dich selbst fertig machst.
Liebe Grüße
Andrea
Die 7 Todsünden der modernen Gesellschaft? Reichtum ohne Arbeit. Genuss ohne Gewissen. Wissen ohne Charakter. Geschäft ohne Moral. Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Religion ohne Opfer. Politik ohne Prinzipien.
Dalai Lama
Hallo Brille,
danke für die Darstellung Deiner Sichtweise.
Warum beschäftigst Du Dich so sehr mit der Vergangenheit? Oder anders herum: hat es Deiner Lebensqualität in den letzten Jahren irgendwie genutzt, gegenüber Deinem Ex ständig die Hasskappe aufzuhaben?
Nein, es ist nicht so, dass ich mich ständig oder auch nur häufig mit der Vergangenheit beschäftige oder die Hasskappe aufhatte. Grundsätzlich ist mir mein Exmann als Exmann und Partner völlig gleichgültig, nur dann nicht, wenn es um seine Vaterrolle geht. Was hier nämlich passiert, ist immer Folgendes: Über unseren Sohn trifft er mich. Mich kann er nicht verletzen, das weiß er ganz genau, aber wenn er unseren Sohn unfair behandelt, trifft er mich - verstehst Du, was ich sagen möchte? Hach, das ist so schwer, schriftlich verständlich auszudrücken.
Es kam gestern so vieles an Erinnerungen hoch. Das Leid, was ich im Moment empfinde, dreht sich eigentlich nur darum, wie das, was passiert ist, auf unseren Sohn wirkt.
Was würde es Dir heute bringen, ihm das alles "um die Ohren zu knallen"? Vermutlich würde Dein Ex Deinen Hassbrief lesen und danach einfach kopfschüttelnd wegschmeissen. Was genau hättest Du damit gewonnen?
Nix, das weiß ich ja, deshalb liegt der Brief ja auch noch hier. Auch wenn ich schrieb "Hassbrief", so stell Dir bitte nicht vor, dass dieser über 5 Seiten Schmähungen und Beleidigungen enthält, es ist eine Zusammenfassung der Situation und meine Sichtweise dazu. Erreichen werde ich damit nichts, aber es täte mir einfach mal gut.
Nein, das kannst Du nicht. Du magst der Ansicht sein, dass Euer Sohn aufgrund der "Opfer", die Du für ihn gebracht hast, aus Loyalität zu Dir erstens Deine Ansichten zu teilen und diese zweitens seinem Vater mitzuteilen habe.
Hm, hm ...Loyalität .. möglicherweise ist das ein Thema. Wobei es hier nicht um meine Ansichten geht, sondern um dir korrekte Sicht von Fakten. Ja, manchmal wünscht man sich Loyalität. Vor allem aber wünsche ich mir, dass mein Sohn keine Macken durch unsere Fehler hat oder bekommt. Genau deshalb habe ich all die Jahre geschwiegen, beschönigt und ein Vaterbild aufrecht erhalten, was nie existiert hat. Und darum geht es ja, wie lange muß ich das denn zum Wohle des Kindes? Muss ich einem 20-jährigen wirklich immer noch die Welt schönreden oder die Macken seines Vaters auffangen und mir aufbürden? Ich bin über 50, ich bin einfach auch mal fertig.
Was aber, wenn Euer Sohn ganz anderer Ansicht ist?
Tja ... da müßte ich ihn fragen, er will nie darüber reden - was für mich ein klares Anzeichen dafür ist, dass er viel mehr mitbekommen hat, als gut für ihn war. Und ich mir das auch anlasten muss. Und sich daraus wieder völlig verbietet, irgendetwas gegen seinen Vater (diesen Brief abschicken oder nur meinen Anteil an Unterhalt zu zahlen) zu unternehmen, weil es ihm weiterhin und noch mehr schaden würde.
Wenn er zu seinem Vater eine Einstellung hat, die Du gar nicht kennst - weil er sie die ganzen Jahre nicht haben durfte, ohne dass Mama enttäuscht ist und/oder austickt?
Nein, das stimmt so nicht. Ich bin nie ausgetickt. Wenn er Positives mit seinem Vater erlebte, habe ich mich mitgefreut, bei Negativem habe ich ihn getröstet, ohne den Vater schlecht dastehen zu lassen und Erklärungen und Entschuldigungen für ihn gesucht.
Aber mal ehrlich: Wie genau würdest Du reagieren, wenn Euer Sohn heute sagt "Hey, Mama, ich fahre jetzt zu Papa und kläre das Unterhaltsthema unter 4 Augen von Mann zu Mann!"? Dürfte er dafür wirklich mit Deinem Beifall für eine "erwachsene Lösung" rechnen? Oder würdest Du das nicht vielmehr als "Paktieren mit dem Feind" betrachten?
Nein, definitiv wäre ich froh, endlich mal nicht selbst eine Lösung finden zu müssen.
Nein, nicht wirklich. Wenn jemand nach 15 Jahren eine gewesene und geschiedene Ehe noch immer nicht überwunden hat, braucht er Hilfestellung, die durch ein Internetforum nicht ansatzweise zu leisten ist.
Öhm... mit meiner ExEhe hat mein Problem nun wirklich nichts zu tun.
LG
Robina
Hi Andrea,
danke 🙂
die Lösung ist viel einfacher als du denkst. Schicke deinen Sohn zum Anwalt. PKH wird er bekommen. Der Anwalt soll prüfen, was ihm gerecht von beiden Elternteilen zusteht und der Streit ist aus der Welt geräumt. So kann der Anwalt das auch im Namen deines Sohnes schreiben.
Na ja, ihn schicken - das ist so ne Sache. Wenn ich das mache, mische ich mich ja wieder ein. Er selbst muss das wollen, ich kann ihm das bestenfalls nur nahelegen.
Focussiere mal deinen Blick nach vorne. Du hast gute Arbeit geleistet und in Zukunft wirst du mehr Freiraum für dich haben.
Danke, das tat gut, ja, unser Sohn ist ein feiner Kerl geworden.
Nehm mal dein Leben in die Hand und hänge nicht ständig in der Vergangenheit. Das bringt nichts, außer dass du dich selbst fertig machst.
*grins* In die Hand nehmen ist gut... Nix anderes habe ich all die Jahre getan. Und mit mehr Freiraum für mich, das dauert noch ein wenig, ich lebe in einer Patchworkfamilie mit insgesamt 4 Kids, 3 sind noch bei uns. Wenn wir 60 sind, werden wohl alle auf eigenen Füßen stehen.
Aber Du hast recht, ich mache mich selbst fertig. Ich glaube, ich heule noch 2 Tage und dann geht alles wieder seinen normalen Gang. 😉
Liebe Grüße
Robina
Hallo Robina,
lang nicht gesehen und doch wieder erkannt 😉
Ich hätte da noch einen Vorschlag: schreib einen zweiten Brief an dich, schildere die Begebenheiten und wie du dich dabei gefühlt hast. Schreib an dich, dass und warum du sauer bist, denn zum großen Teil lese ich heraus, dass du auch auf dich sauer bist, weil du die Vaterfigur so hoch gehängt hast. Oder täusche ich mich?
Ich fände es wichtig, hier deine Anteile herauszufriemeln. Wenn dir das gelungen ist, dann kannst du entscheiden, was du mit beiden Briefen machst. Verbrennen oder Beerdigen wären Möglichkeiten.
Und tritt mal heftig gegen den Sockel, auf den du deinen Ex als Vater gestellt hast, so dass er in Gedanken runterfällt 😉
eskima
Servus robina!
Na ja, ihn schicken - das ist so ne Sache. Wenn ich das mache, mische ich mich ja wieder ein. Er selbst muss das wollen, ich kann ihm das bestenfalls nur nahelegen.
Ich denke, es würde reichen, wenn Du Sohni erklärst, dass das übliche KU-Procedere so ist, wir hier dargestellt wurde, das Ganze mit dem Schlußsatz gernieren "nun ists an Dir, was zu bewegen!" Letztendlich förderst Du damit die Selbstständigkeit Sohni´s, ich frage mich allerdings (ganz leise), ob Du das willst...
Schönen Sonnddach!
Marco
Mit einem Lächeln zeigst Du auch Zähne!
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Ob ein Vorhaben gelingt, erfährst Du nicht durch Nachdenken sondern durch Handeln!
Hallo Eskima 🙂
das ist aber nett, dass Du Dich noch an mich erinnerst, ich war ja wirklich lange nicht mehr hier. Ich hoffe, Euch geht es allen gut :).
Mittlerweile hat sich das große Heulen bei mir wieder gelegt, der Brief liegt im Müll und es ist mir fast ein wenig peinlich, soviel Wind gemacht zu haben. Aber manchmal kommt ein Malheur zum Anderen und man hat das Gefühl, die ganze Welt hackt auf einem rum, da ist es ein supergutes Gefühl, wenn andere sich die Zeit und Mühe machen, sich fremder Probleme anzunehmen. Ohne euch wäre es mir am Wochenende noch viel grottenschlechter gegangen, als ohnehin schon durch die Situation. Dafür an Dich und an alle anderen noch einmal ein fettes Dankeschön
Wie es auch immer kommt, jedenfalls kann ich meinem Sohn das Studium notfalls auch allein finanzieren, das hat auch wieder den Vorteil, dass man eben nicht für alles und jedes eine Zustimmung oder Absegnung braucht. Sollte eine Beteiligung kommen, nehmen wir sie dankend an, kommt keine, wird auch nicht rumgegreint. Aus die Maus, alles andere vergällt nur die Lebenslust. 😉
Hi Marco,
unseren Sohn habe ich informiert, wie er tätig werden kann und was er tun sollte, mehr mache ich da nicht. Der Rest ist seine Entscheidung. Da er eher sparsam veranlagt ist und ganz gut rechnen kann, wird er schon wissen, dass das, was ich ausgebe, nachher eben auch nicht mehr da ist.
Ansonsten - in gewisser Weise hält man natürlich ganz gern die Kids unselbständig, immerhin wird man selbst sonst so unnötig :wink:, andererseits bin ich absolut dafür, dass er das Studium nicht zuhause verbringen wird. Ich würde schlicht wahnsinnig, wenn ich weiterhin diesen Saustall von Zimmer betrachten müßte. Fehlen wird er mir natürlich, aber ich halte es für ganz wichtig, dass er jetzt mal auf eigenen Füßen stehen muss, wenn auch von uns oder mir zunächst finanziert. Aber allein bei dem Gedanken, dass er seine baffzichtausend T-Shirts pro Monat selber bügeln muss (was er garantiert nicht tun wird), läuft mir ein wohliger Schauer über den Rücken 🙂
Euch beiden liebe Grüße
Robina

